Donnerstag, 12. Januar 2012, 14:22 Uhr

Jetzt muss Maschmeyer ran

Wir haben es immer schon geahnt: der letzte wahre Freund der freien Presse ist Bundespräsident Christian Wullf. Er stellt nur deshalb nicht die 400 Fragen und Antworten zu seinen Affären ins Netz, weil er nicht “das Recht der betreffenden Journalisten am eigenen Wort und am Schutz der Rechercheergebnisse und  -ziele” verletzen will.

Wulff bricht sein vor 11,5 Millionen TV-Zuschauern gegebenes Versprechen und opfert sich, nur um die Interessen der Medien zu verteidigen. Eine mannhafte, uneigennützige Tat.

Weil die Journalisten aber uneinsichtig und verstockt diesen Einsatz des Präsidenten nicht zu würdigen wissen und ihn weiter mit bohrenden Fragen verfolgen, sollte er überlegen, ob er sich diesem Undank nicht durch Rücktritt entzieht. Er könnte zu seiner Bettina sagen: dieses Deutschland hat mich nicht länger verdient.

Weil er aber keine Berater mehr hat (seinen Sprecher hat er schon entlassen), die ihm dies empfehlen können, müssen jetzt seine Freunde ran. Am besten sein bester: Carsten Maschmeyer. Ihm kann man zutrauen, dass er immer noch Einfluss auf Christian Wulff hat. Er sollte seinen Freund anrufen und sagen: “Christian, tu’ dir das nicht länger an. Mach’ Schluss! Deine Freunde fangen dich auf”.

Um ihm den Entschluss zu erleichtern, könnte ihm Maschmeyer in seiner Funktion als Literaturagent eine Million Euro Vorschuss für die Memoiren anbieten, damit Wulff sein avantgardistisches Klinkerhäuschen auf einen Schlag abbezahlen kann und nicht seine kärgliche Pension (199.000 Euro im Jahr) angreifen muss. Parallel könnte Veronica Ferres Bettina Wulff anrufen und ihr versichern, dass sie und ihr Mann bei Bällen auch künftig an ihrem Tisch sitzen.

Die Politiker haben Maschmeyer so viel Freundschaft und die Bürger dieses Landes haben ihm so viel Geld gegeben, dass der ehemalige AWD-Chef  jetzt einmal etwas für sein Land tun kann.

Wenn Wulff dann immer noch bleiben und die Amtsabschaffung im Amt weiter betreiben will, könnte ihm Maschmeyer noch zwei Zusatzbonbons offerieren: vier Wochen kostenlosen Urlaub in seiner Villa auf Mallorca und die Übernahme der Anzeigen für die Memoiren.

Auch die anderen Freunde sind jetzt in der Pflicht, an dem in Niedersachsen für Spitzenpolitiker bewährten Urlaubssystem festzuhalten: ein paar Wochen Toscana und ein Monat Florida müssten auch noch drin sein. Und für die Flüge natürlich ein Upgrade.

So, jetzt ist Wulffs Rücktrittspaket geschnürt. Wulff muss nur noch per Handschlag zustimmen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

113 Kommentare

1) helmut mederle, Samstag, 14. Januar 2012, 20:18 Uhr

@ EStz: Nr 15)

Bevor Sie sich “weichkochen lassen”:

1. Frage neu: Was hat Herr Wulff “eigentlich getan?” Wie müsste “diesbezüglich” eine 10-Zeilen-Nachricht formuliert werden?

2. Frage alt: Cui bono?

2) Andronico, Samstag, 14. Januar 2012, 21:20 Uhr

@Peter Christian Nowak:

Vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich nur voll und ganz zustimmen kann.

3) karel, Samstag, 14. Januar 2012, 22:54 Uhr

96) EStz

Mir ist ein Kohl mit all seinen Fehlern lieber als jemand,
der noch am Vorabend der Wiedervereinigung sagte:

“Die Wiedervereinigung ist eine Lebenslüge der Deutschen,
es gibt sie nicht.”

Um nachher zu relativieren:
“Es wächst zusammen, was zusammengehört.”

Auch ein Schatzmeister kokketierte:
“Wenn rauskommt, was reinkommt,
käme er nicht mehr raus, wo er dann rein kommt”
Dieser Schatzmeister nahm auch das Geheimnis mit ins Grab,
wer denn die 10 Spender der 6 Mio. DM waren.
Der SPD-Schatzmeister hieß übrigens Halstenberg.
Ich kann Ihnen noch mehr von diesen “Keksen” anbieten.

Werter EStz.
ich bin kein ausgesprochener Kohl-Fan,
aber ein ausgesprochener Fan kaum beachteter INFO´s. Wie Sie.
Vieles, was Kohl für Deutschland geleistet hat,
findet keine Beachtung.
Alles, was er falsch gemacht haben soll, dagegen volle Beachtung.
Sowas läßt und ließ mich immer míßtrauisch werden.
Das prägt auch meine Haltung zu Wulff, auch zu anderen “Skandalen” dieser Art.
Wie z.B. Westerwelle:
Wenn in 2002 den Konzernen und der Finanzindustrie Steuergeschenke in 2-stelliger
Milliardenhöhe “verabreicht werden”, Deutschland dafür wieder die Stabilitätskriteren “knickt”,
merkt´s niemand.
Aber die vor den Wahlen angekündigten “Hoteliers-Geschenke”, sowas fällt den Medien direkt mal auf.
Die Rente….
Kohl´s Rentenreform wurde vom Nachfolger rückgängig gemacht.
Um unter “Riester” neu zu “erblühen”.
50 Mrd. DM Einsparung in 2030 sollten mit Riester erreicht werden.
Eben die Summe, die die Alterssicherung des öffentlichen Dienstes dann zusätzlich brauchen wird..
In der Gedenkschrift zu 50 Jahre BfA aus 2003 wurden die katastrophalen Fehlentscheidungen in den 70ern aufgelistet und beklagt.
Auch, daß die Verantwortlichen dafür nie mal öffentlich an den Pranger gestellt wurden.
Adenauers Rentenreserven für 2 Jahre wurden einfach “verpulvert”…..
Die Wiedervereinigung…..
die war doch nicht zum Null-Tarif zu haben.
Und wer die “blühenden Landschaften” heute nicht sieht, sollte mal zum Augenarzt gehen.
Nicht nur Arbeiter und Angestellte, auch viele Unternehmen haben teures Lehrgeld gezahlt.
Richtig ist auch: viele Unternehmen “nahmen mit”……
Auch nach dem Krieg wurden Kriegsrenten einfach den Rentenkassen auferlegt.
Zudem: Renten werden aus laufenden Einnahmen gezahlt. Also: Kinder für die Eltern-Rente.
Da zahlen auch die über 2 Mio Bürger aus dem Osten mit ein,die in den Westen übersiedelten.

Es ist einfach meine Lebenserfahrung,
daß unsere Mainstream-Medien für Klischee´s sorgen,
die einer neutralen, sachbezogenen Kritik oft nicht standhalten,
dafür aber zukünftige Generationen von den Fakten fernhalten.

Ein Helmut Kohl war mal Barroso´s Favorit für den Friedensnobelpreis.
Ein Obama erhielt ihn. Und viele fragten sich: wofür?
Ein Willy Brandt wurde Nobelpreisträger.
Ebenso ein Günther Grass, ein Heinrich Böll.
Für die Meisten der Bürger ist das in Ordung.
So soll´s auch bleiben.

4) Michael A. Nueckel, Sonntag, 15. Januar 2012, 06:24 Uhr

@ Doktor Hong, 94)

Ich versteh´ Ihren Beitrag als bewußtes NICHTverstehenwollen meiner Replik (81) auf 79). Und daher verdrehen Sie auch meine Sätze, um zweifelhaftes wie “faktisch durchsetzbare Gesetze” (Ihre Formulierung) entstehen zu lassen, ggf. um mich als Juristen bloß zu stellen, und mit dem Verweis auf das GG belehren zu wollen. Bezeichnenderweise sind es oft die Nichtjuristen, die sich zwanghaft an Vorschriften (so wie Sie an Art. 61 GG) festhalten, ohne das gesamte politische und mediale Umfeld zu berücksichtigen. Vielleicht kommen Sie -als nähere Erklärung für Ihren Unsinn- schlichtweg mit meiner Kernaussage, dass er ein Präsident von Angel`s Gnaden ist, nicht klar. Das aber alles ist Ihr Problem, ich jedenfalls ziehe mir diesen Schuh nicht an. Meine Feststellung, dass Angel Merkel es in der Hand hat, Wulff fallen zu lassen oder nicht, bleibt bestehen. Es gibt einen Zeitpunkt, ab dem der Druck auf Wulff derart groß werden kann, dass er sich nicht mehr in dem Amte wird halten können; und das stellt die von mir genannten “faktischen” Umstände dar bzw. die “ungeschriebenen Gesetze” in der Politik dar, dafür bedarf es keines formellen Verfahrens. Der politische Betrieb regelt das nach seinen ureigenen Regeln. Ich sages es Ihnen zum besseren Verständnis für Sie nochmals ganz deutlich:” Wenn Angela (ihn) nicht mehr will, das ist Schicht im Schacht für Wulff”. Da nützt ihm dann auch Art. 61 GG nichts, verwechseln Sie diese Vorschrift(en) bitte nicht mit Bauklötzen, Sie verheben sich daran.OK?

5) Maren P., Sonntag, 15. Januar 2012, 08:11 Uhr

Ich lese Stefan Niggemeier auch sehr gern. Allerdings bin ich weit davon entfernt, ihm deshalb die alleinige Interpretationsfähigkeit des im TV-Interview Gehörten zuzugestehen.Genau wie Herr Spreng habe ich Christian Wulff, der selbst von 400 Fragen spricht, so verstanden, dass morgen alles ins Internet gestellt wird, sich also genau auf diese 400 Fragen bezieht.

6) Hook, Montag, 16. Januar 2012, 09:31 Uhr

@74) wschira

Sie haben völlig recht, aber Sie widersprechen meiner These nicht. Wenn die Presse bohrt, dann richtig tief. Und hier völlig zu Recht.

7) EStz, Dienstag, 17. Januar 2012, 01:45 Uhr

@ karel
Und mir ist jemand wie Willy Brandt, der sein ganzes Leben einer Idee widmete, die er für gut und unerreichbar hielt, näher als einer wie Helmut Kohl, der sich vorher nicht recht scherte, dann aber die Gunst der Stunde erkannte und nutzte. Ich bin Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher trotzdem dafür dankbar. Die vielen anderen guten Dinge, die Kohl für Deutschland geleistet haben soll, kann ich leider nicht erkennen.
Aber mit unseren unterschiedlichen Meinungen sind wir ja beide nicht allein auf der Welt 🙂

8) sk8erBLN, Dienstag, 17. Januar 2012, 07:47 Uhr

Legal? illegal? Sch***ßegal!

Die Staatsanwaltschaft Hannover teilte unterdessen mit, die gegen Bundespräsident Christian Wulff erhobenen Vorwürfe wegen seiner Immobilienkredite und Urlaubsreisen begründeten “weiterhin keinen strafprozessualen Anfangsverdacht”.
Das gelte auch unter Berücksichtigung der Ausführungen des Staatsrechtlers Hans Herbert von Arnim, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dieser ist in einer Analyse des Falles zu dem Schluss gekommen, dass Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen und sich dabei vermutlich auch wegen Vorteilsannahme im Amt strafbar gemacht hat.

Geprüft werden laut Staatsanwaltschaft allerdings auch die neu bekannt gewordenen Vorgänge im Zusammenhang mit dem Aufenthalt Wulffs in München anlässlich des Oktoberfestes 2008.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13818043/Bundespraesident-Christian-Wulff-sagt-TV-Interview-ab.html

Ob man die STA wegen Strafvereitelung im Amt drankriegen kann? Im selben Artikel beweist Wulff im übrigen dass er “endgültig fertig hat”, er hat Panik von irgendwelchen Kids intertviewt zu werden-aber er bleibt der Präsident.

9) Manuel Mertes, Dienstag, 17. Januar 2012, 13:42 Uhr

Die Geschichte des letzten Jahrhunderts beweist beeindruckend, das die Deutschen in ihrer Gesamtheit noch nie ein hoch entwickeltes Gespür für Anstand hatten. Das zeigt sich jetzt im Fall “Wulff” wieder einmal überdeutlich!
Wulff ist ein moralisch verdorbener und korrupter Mensch. Und das Frau Merkel ihn deshalb für den richtigen Repräsentanten unseres Landes hält, sagt doch eigentlich alles! Es ist schade, das die Väter unseres Grundgesetzes keine Klausel vorgesehen haben, wie man so einen Kerl, der Deutschland durch sein schäbiges Verhalten in den Dreck zieht, schnellstens loswerden kann!

10) Robson Bottle, Dienstag, 17. Januar 2012, 15:17 Uhr

@Manuel Merles
Wirklich schade, gell? Das war im Absolutismus aber auch schon so und irgendwann, als das Faß voll war, was ist da passiert? (siehe auch Nordafrika, heute!) Was macht man da bloß, außer es schade zu finden?

11) Danton, Freitag, 20. Januar 2012, 01:18 Uhr

Wulff beantwortet die ENTSCHEIDENDEN Fragen NICHT.Vieleicht könnte Herr Maschmeyer helfen.

Warum hat Wulff ürsprünglich ein Darlehen bei Privat aufgenommen hat und nicht von der Bank.Und wenn schon von Privat,warum diese private Person zufällig in Lichtenstein,pardon in der CH wohnhaft ist.Und warum diese in der CH ansässige private Person das Geld nicht von ihrem schweizer Konto auf Wulffs deutsches Konto überweist,sondern ihm mittels eines anonymen Bank- Schecks zukommen lässt,auf dem der Aussteller NICHT vermerkt ist.Warum er sich überhaupt SO grosse konspirative Mühe gab,die Geldquelle zu verheimlichen und die gesamte finanzielle Transaktion zu vertuschen und sogar versuchte,die Presse vor der Veröffentlichung dieser Story abzuhalten.Es geht also darum herauszufinden,wen und was er mit allen Mitteln zu verbergen sucht.Es geht letzlich also darum,von WEM das Geld ürsprünglich kommt,ob es ihm geliehen oder geschenkt wurde und vor allem für WAS ?
Wenn es nur ein Darlehen WÄRE,warum diese ungewöhlichen Methoden.Alle Indizien sprechen also für ein Geschenk,Eine halbe Million geschenkt .Aus der Schweiz kommend,wo bereits jeder Betrag über 10.000 € deklarirt werden muss.GeldwäscheG.Also verdeckt mittels Bankscheck,also vermutlich Schwarzgeld.Wer schenkt Wullff so viel Geld und vor allem WARUM? Nun,Maschmeyer hat vor Jahren schon mal den SPD Schröder mit 800.000 gesponsert.Warum,für was? Ist es möglich,dass der zum Milliardär aufgestiegen Maschmeyer sich den Wulff gekauft hat ??? Für eine halbe Mio.?

Und ganz am Rande könnte man schon fragen,warum das alles die STA bezw.Steuerfahndung nicht interessiert.Darlehen aus der Schweiz !!!,Geldwäsche,Korruption,Schwarzgeld,Untreue und Vorteilnahme im Amt sind auch bei einem Spitzenpolitiker NOCH nicht alltäglich.

12) Robson Bottle, Montag, 23. Januar 2012, 11:05 Uhr

Also mittlerweile freut sich Wulff ja, dass (endlich) der Staatsgerichtshof für Aufklärung über das “System Glaeseker” sorgen kann!

13) Robson Bottle, Montag, 30. Januar 2012, 13:14 Uhr

… und freut sich jetzt wahrscheinlich auch über die Hausdurchsuchung im Bundespräsidialamt.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder