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Sonntag, 19. Februar 2012, 22:42 Uhr

Merkel, die FDP und die Würde

Die Meisterin aller Kehrtwenden hat es diesmal nur in allerletzter Minute geschafft, die Kurve zu kriegen, und zwar erst dann, nachdem die schwarz-gelbe Koalition in ihre schwerste Krise seit der Wahl 2009 geraten war. Angela Merkels Fukushima, der Super-Gau der Kanzlerin war diesmal der Beschluss des FDP-Präsidiums, Joachim Gauck als ihren Kandidaten für das Bundespräsidentenamt zu nominieren.

Die Kanzlerin stand vor der Wahl zwischen ihrer Ablehnung Gaucks und dem drohenden Bruch der Koalition. Sie entschied sich für die Koalition und für Joachim Gauck. Das Gesetz  des Handelns war ihr entglitten, die europäische Führungsfigur wurde plötzlich zur innenpolitisch Getriebenen.

Sie wird diesen Tag nicht vergessen und ihn auch der FDP nicht vergessen. Da bleiben Narben. Diese Wende war ihre bisher persönlich schmerzhafteste. 

Respekt vor der FDP. Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, kann man offenbar mutig sein. Zum ersten Mal seit der Wahl 2009 hat die FDP etwas uneingeschränkt Gutes bewirkt.

Die FDP hat mit ihrem Votum für Gauck das unwürdige parteipolitische Hickhack, bei dem sich CDU und SPD wechselseitig blockierten, beendet und einem Mann den Weg geebnet, der schon vor knapp zwei Jahren der bessere Präsident gewesen wäre. Manche brauchten für diese Erkenntnis ein bisschen länger, ein Präsidenten-Desaster und einige pädagogische Nackenschläge.

Die FDP hat zudem ihren politischen Spielraum erweitert. Die scheinbar babylonische Gefangenschaft, in die sie gegenüber der CDU geraten war, ist gelockert. Die FDP zeigte: Sie kann auch anders. Präsidenten-Wahlen waren häufig Weichenstellungen. Auch keine schöne Perspektive für Merkels CDU. Aber dafür muss die FDP erst einmal in den Umfragen wieder die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Vielleicht war das heute der Anfang.

Wichtiger als alle parteipolitischen Betrachtungen ist: Wir bekommen wieder einen Bundespräsidenten, der moralische Autorität ausstrahlt, der Respekt und Zuneigung verdient. Sein Wort ist etwas wert, es ist viel wert, weil es im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit Integrität hinterlegt ist. Und mir einer vorbildhaften Lebensgeschichte. Was Sigmar Gabriel vor knapp zwei Jahren über Wulff und Gauck sagte, das stimmt: der eine hatte nur eine Laufbahn und der andere ein Leben vorzuweisen.

Gauck wird dem Amt wieder die verlorene Würde geben – als “reisender Politiklehrer”, wie er bescheiden sagte.

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177 Kommentare

1) Benjamin, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:14 Uhr

Nun hat man also 2012 doch das schon 2010 mehrheitlich gewünschte Ergebnis. Bemerkenswert, wie Merkel sich Fehlentscheidungen (siehe 2010) schön reden kann. Ich stimme nicht gerade mit allen Äußerungen Gaucks überein (das ist nun freilich auch nicht notwendig): wenngleich ich sein Herzensthema Freiheit in Verantwortung, womit ja auch Verantwortung für andere Teile der Gesellschaft gemeint ist, sehr wichtig und richtig finde, erscheint er mir bisweilen etwas sehr festgelegt. Aber als neuer Bundespräsident wird er hoffentlich auch zu anderen Aspekten Worte finden, wie Europa, Finanzkrise und der sozialen Schere. Rhetorisch und charakterlich ist er m. E. eine Bereicherung. Ob es ihm gelingt, neue Impulse zu setzen, bleibt abzuwarten. Aber die Lebensleistung des Mannes lässt hoffen, dass das Amt des BP wieder Geltungskraft bekommt. Und statt Galaauftritte darf man nun wieder auf Inhalte hoffen. Das ist schon mal etwas.

Was die neueste schwarz-gelbe Volte betrifft: ich war erstaunt über die FDP, aber wer (m. E. zu Recht) faktisch am politischen Abgrund steht, ist eben für alles gut. Dass dies schon ausreicht, um der FDP wirklich zu nutzen, darf aber bezweifelt werden – aus parteipolitischen Gründen scheint sie vorher andere Kandidaten kategorisch ausgeschlossen zu haben (wie den grünen “Schwarzen” Töpfer).

2) Simon, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:16 Uhr

Vollkommene Zustimmung zu Ihrem Beitrag.

SPD und Grüne haben gewonnen, weil sich ihr schon vor zwei Jahren ernannter Kandidat als der von Anfang an geeignetere erwiesen hat und die FDP hat gewonnen, weil sie standhaft geblieben ist und wahre Größe gezeigt hat.
Die großen Verlierer sind CDU/CSU und die Linkspartei. Die Union, weil sie zwangsweise einknicken musste und die Linke, weil sie nicht einmal so den Verhandlungen eingeladen wurde – und zwar von keiner der Parteien. Mit Schmuddelkindern spielt man eben nicht…

Vereinzelt werden ja im Netz schon böse Gerüchte über Gauck gestreut. Er wäre für die Vorratsdatenspeicherung (stimmt nicht), er habe Sarrazin gelobt (ist aus dem Zusammenhang gerissen) und würde die Überwachung im Internet befürworten (völlig erfunden).

3) Grüßonkel, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:23 Uhr

> Zum ersten Mal seit der Wahl 2009 hat die FDP etwas uneingeschränkt Gutes bewirkt.

Und ich dachte sie hat jemand ins Amt gehoben, der einst Sarrazin als mutig bezeichnet hat…

Und da wir jetzt den Präsidenten von Springers Gnaden haben, werden wir ihn wohl auch die nächsten fünf Jahre nicht mehr los.

4) IANAL, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:33 Uhr

Treppenwitz der Geschichte, dass Liberale, Sozialdemokraten und Grüne den Christdemokraten einen konservativen Kirchenmann aufdrücken.

Aufschlussreiches zu Gaucks Positionen in Sachen Freiheitsrechte findet sich hier: http://derstandard.at/1291454160226/Diskussion-im-Burgtheater-Der-Staat-darf-nicht-zum-Spitzel-werden

Nun ja, Käßmann wäre noch schlimmer gewesen…

5) Werner Berger, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:34 Uhr

“Nur eine Laufbahn” – und das ausgerechnet von Sigmar Gabriel ??

Aus meiner Sicht hat Angela Merkel “Größe” bewiesen:

aus staatspolitischer Verantwortung heraus hat sie Einsicht gezeigt und die Koalition nicht platzen lassen. Ich hatte bereits befürchtet, dass sie am Montag die FDP-Minister aus der Regierung entlässt.

6) Marqu, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:35 Uhr

Herr Spreng, es überrascht mich, das ein so erfahrener, gerade von Herrn Wulff “im Stich gelassener” Journalist sich so durchweg positiv und mit solchen Erwartungen auf einen Bundespräsidenten einlässt.

7) Bastian Himberger, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:35 Uhr

Die große Mehrheit der Deutschen bekommt den Bundespräsidenten, den sie sich seit zwei Jahren wünscht. Nur “Die Linke” schmollt. Ich sehe Frau Merkel als Gewinnerin.
http:jetztgauck.de

8) Bastian Himberger, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:38 Uhr

Zu doof, einen Link richtig zu setzen: http://jetztgauck.de
Die FDP ist wieder wer. Bald springt sie über 5 Prozent.

9) Werner Kiby, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:51 Uhr

Grüßonkel, denken Sie erst mal nach,bevor Sie solchen Scheiß erzählen. Einer, der Gauck noch nicht einmal unbedingt als BP braucht.

10) OttoKrüja, Sonntag, 19. Februar 2012, 23:52 Uhr

@1, Benjamin
»Aber als neuer Bundespräsident wird er hoffentlich auch zu anderen Aspekten Worte finden, wie Europa, Finanzkrise und der sozialen Schere.«

Als wenn er sich dazu nicht schon längst geäußert hätte … Seine Positionen dazu sollten mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

11) Ekkehard von Weiher, Montag, 20. Februar 2012, 00:07 Uhr

Sonntag in Deutschland -
Ein Hochamt der Demokratie:
Wo unter dem Staatsoberhaupt
Horst Seehofer nun schon einmal
der Schwanz mit dem Hund wackelt :
Wer – wie die FDP – machtpolitisch nichts
mehr zu verlieren hat, findet plötzlich zurück
zur Freiheit der Entscheidungen. Und sei es nur
aus populistischen Erwägungen. Diesmal schneller
als die sonst so fixe Wende-Instinkt-sichere Kanzlerin.

12) Gruß aus Hannover, Montag, 20. Februar 2012, 00:08 Uhr

Lieber Herr Spreng,

wir alle haben heute Abend viel Freude an Ihrem Kommentar gehabt.
Ein bebilderter Gruß: http://b-event.com/images/previews/IMG_20101118_0866.JPG

13) Bernhard Paul, Montag, 20. Februar 2012, 00:26 Uhr

Frau Merkel hat letztlich Größe gezeigt, definitiv. Sie wollte den überparteilichen Kandidaten und fügte sich.
Sie greifen etwas hoch in Ihrer Wortwahl, Herr Spreng, dass die FDP ihr ein zweites Fukushima bereitet habe. Dazu ist die FDP nicht in der Lage.
Angela Merkel hätte diese Koalition, die sie eh nicht mehr will, platzen lassen können und wieder die Große Koalition unter ihrer Führung einfädeln können. Sie war keineswegs eine Getriebene.
Aber wie gesagt, sie war im Wort und sie hat sich daran gehalten.
Man muss nicht jeden Zug parteitaktisch bewerten. Es gibt hin und wieder auch Größeres.

14) flippah, Montag, 20. Februar 2012, 00:36 Uhr

Ob der neoliberale Betonkopf – als solcher stellt er sich jedenfalls bisher dar – Gauck wirklich der bessere Präsident ist, wird sich noch zeigen müssen. Seine bisherigen Äußerungen, die sich übrigens, werter Simon, mit Quellen belegen lassen, lassen nichts gutes erhoffen. Ein Bundespräsident sollte versöhnen, nicht verhöhnen.

15) Bernhard Paul, Montag, 20. Februar 2012, 00:38 Uhr

Und noch eins: Frau Merkel hat sicherlich ihre Lektion gelernt, dass das Amt des Bundespräsidenten keine parteipolitische Verfügungsmasse ist, wie sie das 2004 und 2010 sah und handhabte, als sie aus Macht- und Parteiräson heraus ihre nützlichen Kandidaten durchdrückte.

16) Tharben, Montag, 20. Februar 2012, 00:43 Uhr

Zum ersten Mal seit der Wahl 2009 hat die FDP etwas uneingeschränkt Gutes bewirkt.

Dann wollen wir uns FDP-Gauck einmal angucken:

Gauck
# zum Sarrazin-Buch: Die politische Klasse könne aus dem Erfolg von Sarrazins Buch etwas lernen.
# ist Mitglied der Atlantik-Brücke (Vorsitzender: Friedrich Merz, im Vorstand: Guido Westerwelle)
# ist ein lupenreiner Neoliberaler, nach dem Motto: “Förderung des Wettbewerbs und Privatisierung der Universitäten”, “Mehr Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger” etc.

Von den Grünen wissen wir, dass sie eine Partei der Besserverdiener ist, aber warum die SPD? Weil die SPD seit Schröder zur FDP geworden ist, nur ohne Bürgerrechtsabteilung.

Quellen:
# http://www.fixmbr.de/ich-lass-mich-nicht-vergauckeln
# http://blog.fefe.de/?ts=b1bf95f9

17) Philip, Montag, 20. Februar 2012, 00:57 Uhr

Auch wenn mir Herr Töpfer deutlich lieber gewesen wäre, als Herr Gauck (der mir in seinem Konservatismus doch etwas onkelhaft erscheint und, aus seinem Antikommunismus heraus, auch etwas zu marktliberal), kann ich mit dem Ergebnis leben.

Ich frage mich allerdings, wie die FDP sich zu so einem mutigen(?) Schritt entschließen konnte?
Ein Bruch der Koalition wäre für sie doch deutlich gefährlicher, als für Merkel und ihre CDU.
Beim momentanen Stand der Dinge ist Merkel als Kanzlerin unangreifbar und auch die CDU insgesamt steht nicht so dar, dass dort viele um ihre Pöstchen bangen müssten.
Ist Merkel eingeknickt um der FDP eine neue Demütigung zu ersparen, weil sie nicht den völligen Kollaps der Partei riskieren will und so plötzlich als einzige “bürgerliche” Partei gegen 3-4 eher “linke” Parteien zu stehen?

18) TW, Montag, 20. Februar 2012, 00:59 Uhr

Sie sprechen mir wie so oft aus dem Herzen!
Ein letztes Wort zu Wulff: Kann nicht jemand mal eine Auflistung machen und an geeigneter Stelle publizieren, was ein (Berliner) Kindergarten/Schule mit 199.000 Euro pro Jahr so alles anstellen könnte…?!

19) romeias47, Montag, 20. Februar 2012, 01:20 Uhr

Da hat Frau Merkel Min. Roesler wohl doch unterschätzt – er konnte warten und hat die Gelegenheit genutzt – vordergründig für ein positives Ergebnis.

Vordergründig, weil eine Wahl mit nur einem Kandidaten eben keine Wahl ist sondern Besätitgung eines von den Parteivorsitzenden ausgekungelten (Konsens hin oder her) Vorschlags. Herr Gauck kommt mir vor wie ein einsamer 100-Meter-Läufer, der allein auf dem Podest steht und ein etwas schales Gefühl im Magen hat. Man könnte die Bundeversammlung dann auch gleich als Briefwahl oder per SMS abwickeln, spart viel Zeit und Kosten.

Vielleicht sollte die Öffentlichkeit stärker in die Kandidatenwahl einbezogen werden, bundesländerweise und die Auswahl über die Abstimmung laufen- Aber so sind wir auf dem Weg zur Akklamationsdemokratie. Gab es schon irgendwann, irgendwo …

.

20) Frank, Montag, 20. Februar 2012, 01:21 Uhr

Das Amt abschaffen und gut ist.

21) Stephan Barbian, Montag, 20. Februar 2012, 01:22 Uhr

Mir ist offen gesagt schleierhaft, wie man jetzt zu der Einschätzung kommen kann, dass die FDP mit ihrem heutigen Votum für Gauck “Standhaftigkeit” und “Größe” bewiesen habe. Da stellt sich die Frage, warum die FDP sich 2010 so demonstrativ hinter Wulff gestellt hat und sich als Fels in der Brandung gegen die damals eher in der CDU vermuteten Abweichler zugunsten Gaucks bei der Präsidentenwahl präsentiert haben.
Nach meinem ganz persönlichen Empfinden steht Angela Merkel heute ein Stück weit glaubhafter da, als die FDP, denn ihr Widerstand gegen Gauck war bis zu ihrem Einlenken offenkundig und somit erscheint mir auch ihre Haltung weniger unsympatisch, als die offenkundig taktische Vollbremsung der FDP.
Und Herr Spreng, bitte verzeihen sie mir die Bemerkung, dass ich ebenso wenig nachvollziehen kann, dass sie die FDP in einer “scheinbar babylonischen Gefangenschaft” wähnten. In meiner Erinnerung und Wahrnehmung hat die Partei sich unter der Führung von Westerwelle (und in der Folge bisher auch unter Rösler) stets ohne Not nahezu unterwürfig an die Christdemokraten geklammert. Unter einer Gefangenschaft verstehe ich eher etwas gewaltsam erzwungenes.
WENN die Entscheidung der FDP für Gauck sich jetzt als Anbiederung an die SPD (und die damit verbundenen Hoffnungen, dadurch wieder neue Optionen geöffnet zu haben) darstellt und dies auch der tatsächlichen Taktik der FDP entsprechen sollte, dann muss ich feststellen, dass die FDP auch weiterhin das bleibt, was sie seit ihrer Gründung ausgemacht hat: opportunistische Wendehälse, die zu allem Ja und Amen sagen, was sie an der Macht hält.
Respekt für die FDP will sich bei mir nicht einstellen. Aber eventuell täuschen mich meine Beobachtungen auch.

22) Thomas Hillebrand, Montag, 20. Februar 2012, 01:44 Uhr

Leider – desto trotz völlig unerstaunt – bin ich ganz anderer Meinung als Sie, sehr geehrter Herr Spreng. Niemals hätte ich mir vorstellen können, Wulff schon einen Tag nach seinem Rücktritt zu vermissen! Dagegen sind Albträume Engelsgeläut – wie bitter! Oh weh, dieser eitle, zutiefst intellektuell narzisstische “Politiklehrer” wird es werden, der sich ohne Weiteres an sich selbst besaufen kann, wenn er sich dozieren hört. Armes Deutschland!
Ob Themen wie Hartz IV, Atomausstieg, Kapitalismuskritik, Kriegseinsätze der Bundeswehr, Islamophobie à la Sarrazin usw. usw. – gebt mir bitte den käuflichen, bestechlichen, drögen und dreisten Bundespräsidentendarsteller Wulff zurück, dem ich zu all den genannten Themata eine vergleichsweise nachgerade revolutionäre, progressive Haltung unterstelle! Gauck wird kein Bundespräsidentendarsteller sein, nein, das ist nicht zu befürchten, wozu auch, dem Selbstdarsteller reicht stets die Trunkenheit am eigenen bedeutenden Ich. Soweit die Polemik, soweit der versagende Humor, soweit die missglückte Satire.

Wie schade, Chance vertan! Warum aber auch muss es unbedingt wieder jemand sein, dessen eigene Entwicklung und darin nicht verarbeitete, (im Falle Gauck auch schreckliche) Kindheitstraumata klar konditionierte Wahrnehmungsfixierungen- und Begrenzungen, die Denke wiewohl auch Reaktions- und Aktionsreflexe determinieren?!? Das hat Gauck seit über zwanzig Jahren immer wieder bewiesen. Die tiefen Wunden, die ihm (und seiner Familie) das pervertierte “sozialistische” DDR-Regime zugefügt hatten sind und bleiben offen und ungeheilt. Das ist die Tragik dieses Mannes, der trotz oder gerade wegen dieser Bürde einen Lebensweg beschritten und eine Lebensleistung vorzuweisen hat, der zu Recht hoher Respekt zu zollen ist. Als Joachim Gauck, dem Menschen. Für das Amt des Bundespräsidenten indes ist diese unverheilte Wunde gleichzeitig das K.O.-Kriterium. Wulff brachte seine einfache Herkunft mit (eine Vita, die Sie, Herr Spreng gerade erst so vorzüglich analysierten), aus der er auszubrechen suchte mit letztlich zumindest (doppel)moralischer, wenn nicht strafbarer Verve. Und Gauck bringt nun eine ungleich nachhaltiger nagende emotionale Vorbelastung mit, die über Jahrzehnte eine ganze Wahrnehmungswelt geschaffen hat, die aus sich selbst heraus nicht fähig sein wird und sein kann, das gesamte Deutschland inklusive aller Kapitalismuskritiker, Globalisierungsgegner, Pazifisten und Ostermärschler, der Linken jedweder Couleur oder auch nur jeden einzelnen namelosen, partei- und organisationsfernen Träumer der amorphen Vision einer “anderen”, besseren Gesellschaftsordnung als der gegenwärtigen zu repräsentieren. Diese Liste ließe sich leicht fortsetzen.
Gaucks pastoral-leise, immer irgendwie penetrant belehrende Rhetorik wird die Klüfte in diesem Land und die soziale Schere weiter vertiefen bzw. auseinander treiben. Das befürchte ich nicht nur, das sehe ich als klar gegeben an. So wie die elementar wichtige Fähigkeit zum Selbstzweifel (und damit zur Korrektur) Wulff offenbar seit dem Ausquetschen seines letzten Pubertätspickels verhasst war, so ist dieser Begriff für Gauck allenfalls christlich-pastorale Rhetorik.

Thomas Mann behält mit seiner Vorhersage vor knapp hundert Jahren Recht, dass nicht der Kommunismus, sondern der Antikommunismus das Problem des 20. (21.) Jahrhunderts werden würde.

23) Kurt Jansson, Montag, 20. Februar 2012, 03:47 Uhr

Ist es nicht eher so, dass die FDP aus populistischem Kalkül für ein paar Prozentpunkte den ganzen Laden hätte zum Teufel gehen lassen? Und damit meine ich nicht nur die Koalition, sondern die wahrscheinlichen Auswirkungen einer deutschen Regierungs- auf die Euro-Krise.

Wenn Gauck der einzig vernünftige Kandidat und so Schlimmeres zu verhindern gewesen wäre, gut. Aber mit etwas Phantasie hätten sich weitere honorige und geeignete Personen finden lassen.

24) RCB, Montag, 20. Februar 2012, 05:47 Uhr

Jedes Mal, wenn Frau Angela Merkel sich vor die Presse stellt und eine Neuerung mitteilt, die zuvor diametral anders herum aus ihrem Munde kam, tut sie das mit einer solchen “Selbstverständlichkeit” dass es einem in Kenntnis der “Wende” die Haare aufstellt.

AbGesehen davon, dass ich die Entscheidung für Gauck richtig finde (das fand ich bei der Wende von der Wende beim Atomausstieg genauso), ist die Inkonsequenz der Kanzlerin schon erstaunlich, zumal ohr vorhergegangenes NEIN für Niemanden nachvollziehbar war.

Man darf gespannt sein, was als Nächstes von dieser Dame auf uns zu kommt.

25) Astrid Radtke, Montag, 20. Februar 2012, 07:02 Uhr

Na, dann schauen wir uns mal an, was die fünf Jahre bringen.

Ich bin inzwischen skeptisch, vertritt er doch die Thesen von wirtschaftsliberalen Organsiationen. Andererseits hält er Demonstrationen ausschließlich als Privileg ehemaliger DDR-Bürger.

Seine Einlassungen zur Occupy-Bewegung, Sarrazin, Stuttgart21 und Arbeitslosen machen mich skeptisch und ich hoffe, dass die Presse ihn bei allem Jubel kritisch distanziert begleitet.

Nein, die FDP hat meines Erachtens nicht aus Überzeugung gehandelt, sondern ist dem scheinbar populistischen Mainstream – Abstimmungen aller Orten für Gauck – hinterhergehechtet.

Den sehr vernünftigen CSU-Vorschlag von Petra Roth wurde auschließlich von einer 2%-Partei abgelehnt, da zu grün angehaucht. Die FDP hat das gemacht, was sie am besten kann, das Fähnchen in den Wind gehängt.

Beste Grüße
Astrid Radtke

26) Mark, Montag, 20. Februar 2012, 07:14 Uhr

> Zum ersten Mal seit der Wahl 2009 hat die FDP etwas uneingeschränkt Gutes bewirkt.

Naja, das muss sich doch erst noch herausstellen. Was ist denn nur los in unserer Zeit, dass alle, aber auch ausnahmslos alle, schon meinen, im Voraus zu wissen, was passieren wird? Ist das nicht ein wenig anmassend?

Die erste Nagelprobe wird sicherlich der ESM-Vertrag sein, der Ende Februar durch den Bundestag gewunken werden soll und der wirklich nicht gut für Deutschland und die Deutschen ist. Nur manche Banker und Politiker haben nochmal ein wenig Zeit gewonnen, bevor die Eurokrise mit gewaltiger Wucht zurückkehrt. Die meisten werden wohl hoffen, dass dies nicht vor der Bundestagswahl 2013 passiert.

Nachdem Herr Gauck ja schon im Vorfeld hat verlauten lassen, dass er der Eurorettung grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt ist, wird er wohl den ESM und weitere Hilfen für marode Eurostaaten durchwinken. Hoffen wir mal, dass sich dann mutige Bürger finden, die das BVerfG anrufen, um diesen Vorgang zu verhindern.

Wie gesagt: Wir können heute noch nicht wissen, ob Herr Gauck ein guter Bundespräsident werden wird. Er wird ein Bundespräsident werden, der von der Linken, die wieder einmal bewußt gemobbt wurde (sehr zur Freude der SPD), wohl nicht akzeptiert werden wird.

27) sentarieger, Montag, 20. Februar 2012, 07:22 Uhr

nur ein paar Gedanken:

1. Merkel hat und hatte bereits 2010 Angst vor Gauck, wer,wenn nicht er, kann ihre Rolle in der DDR richtig umschreiben-oder sogar belegen-genau deshalb ist Gauck der Anfang vom Ende Merkels. Der Rest der Politikerriege kann das nicht verstehen (wirklich nicht, danz ohne Zynismus)

2. Mir ist die Bundesrepublik inzwischen etwas zu sehr verostet, mehr und mehr sehe ich, dass die Wiedervereinigung (und ich war begeistert damals) zu einer naiven Unaufgeklärtheit führt, etwa so, wie
ein mieser Durchschnitt das Niveau insgesamt senkt- so in etwa verstehe ich auch die spätpubertäre
Verklärtheit des Herrn Gauck >(für die er aufgrund seiner Sozialisation nichts kann, muss man aber auch nicht toll finden)

3. Innenpolitisch wird es Zeit, dass wir uns mal mit dem Begriff “Unterwanderung” neu befassen. 22 Jahre nach der Wende sollte das kein Tabu mehr sein- und die Schäden haben wir ja alle ausgehalten.

28) Alexander Hartmann, Montag, 20. Februar 2012, 07:49 Uhr

Eigentlich war seit Wulffs Ruecktritt (oder noch frueher) klar, dass es auf Gauck zulaufen wuerde, warum nur hat es Angela Merkel auf diesen Showdown ankommen lassen? Weiß Sie etwas, was wir nicht wissen, das gegen Joachim Gauck spricht? Oder ist Sie doch nur ein bisschen kleinlich?

29) Beate, Montag, 20. Februar 2012, 07:49 Uhr

Ein Eklat, also ein Konflikt zwischen SPD-Positionen und der persönlichen Meinung Gaucks ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ich hoffe , dass Gabriel, Steinmeier und Steinbrück dadurch zum Rücktritt gezwungen werden.

Eine Lüge bringt tausend weitere Lügen hervor.

Das hoinoriert der Wähler nicht.

Und die Springerpresse die hinter Gauck steht. Wird dieses politisches UNBEHOLFENE Triumvirat vom Sockel schiessen können.

DAS WAR HEUTE IHR KARRIEREENDE HERR GABRIEL!

30) Michael A. Nueckel, Montag, 20. Februar 2012, 08:05 Uhr

Mir geht die Bewertung der Wulff´schen Personalie als Fehler Merkels ganz mächtig auf den Senkel. Oder stellt diese Annahme eine Art benötigter “conditio sine qua non” dar, um aus der Entscheidungsfindung “Gauck” einen Koalitionskrach oder gar mehr und wer weiß, was sonst noch zu konstruieren? Können wir die Vorgänge nicht mehr als nüchternen Prozeß verstehen, benötigen wir immer eine mindestens mittelschwere Tragikinszenierung, so á la Erving Goffmann, “Wir alle spielen Theater”? Ich versteh´das nicht. Auf der einen Seite wollen wir Persönlichkeiten, Autoritäten u.a. in den Ämtern sehen, aber wenn der/die Betreffende die Größe haben will, sich gegen eigene, frühere Entscheidungen zu stellen, dann halten wir ihm Gesichtsverlust und, und, und vor. Was ich der Koalition am ehesten ankreiden würde, dann mangelndes Timing, schließlich kam der “Fall Wulff” nicht über Nacht; vielleicht ist dieser der Koalition unterstellte Krach nur “inszeniert”, die Schachzüge, SPD/Grün für Gauck, dann die FDP …. waren doch arg vorhersehbar. Frau Merkel, die das stets vom Ende her denkt, will das nicht so auf sie zukommend gesehen haben??? Ungeachtet dessen freue ich mich auf Gauck als Präsidenten. Gott, sei dank gibt es dieses Amt noch, andernfalls müßte es für einen Mann wie Gauck geschaffen werden (!). Wir haben sodann, was die ersten fünf Personen in der protokollarischen Rangfolge der BR Deutschland betrifft, mit Gauck, Lammert, Merkel, Seehofer und Vosskuhle allesamt recht unverwechselbare Profile (jeder von Ihnen hat auf seine Art Rückgrat, seine eigene Meinung zu vertreten) und zugleich eine interessante Mischung – so schlecht ist diese Besetzung nicht.

31) Olaf Jochens, Montag, 20. Februar 2012, 08:06 Uhr

tja, Gauck soll es nun werden. Damals erschien er mir als das kleinere Übel, jetzt hätte man Zeit gehabt, auch über andere Kandidaten nachzudenken. Sollte Gauck auch scheitern, kann Merkel ihre Hände in Unschuld waschen. Sie wollte ihn ja nicht wirklich. Trotz aller Affären von Wulff, stellt sich bei mir keine Zufriedenheit ein. Vermutlich liegt es daran, dass mir Gauck nicht sonderlich sympathisch ist. Ein Klaus Töpfer wäre für mich die bessere Wahl gewesen. Aber der ist natürlich zu grün und hätte der FDP den Todesstoß versetzt. Auch so ist die harte Haltung der FDP zu erklären.

Die SPD kann sich jetzt kurz freuen, die ganze Aktion hat ihr aber nicht eine Wählerstimme eingebracht. Ganz im Gegenteil, viele Menschen werden sich jetzt der ausgeschlossenen Linkspartei oder den Piraten zuwenden. Ich wünsche uns allen eine schöne Woche.

32) Dietmar M.-nds-, Montag, 20. Februar 2012, 08:27 Uhr

Na ja, Herr Spreng, sie schreiben zum Schluss:
Quote
Wichtiger als alle parteipolitischen Betrachtungen ist: Wir bekommen wieder einen Bundespräsidenten, der moralische Autorität ausstrahlt, der Respekt und Zuneigung verdient. Sein Wort ist etwas wert, es ist viel wert, weil es im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit Integrität hinterlegt ist. Und mir einer vorbildhaften Lebensgeschichte. Was Sigmar Gabriel vor knapp zwei Jahren über Wulff und Gauck sagte, das stimmt: der eine hatte nur eine Laufbahn und der andere ein Leben vorzuweisen.
Gauck wird dem Amt wieder die verlorene Würde geben – als “reisender Politiklehrer”, wie er bescheiden sagte.
Unquote
Wenn ich in http://feynsinn.org/ vom 19.02. mich umsehe und besonders den darin angegebenen Links folge, dann habe ich starke Zweifel an dieser Person. Im Übrigen, die hatte ich allerdings auch schon in 2010, als die SPD/Grünen Herrn Gauck zum Kandidaten kürten. Mein Fall ist er nicht.
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/62456/dr-hc-joachim-gauck-ein-saubermann-mit-dreck-am-stecken/#comment

33) Kirkd, Montag, 20. Februar 2012, 08:57 Uhr

Im Wesentlichen Zustimmung. Allerdings halte ich es für ausgesprochen unangebracht, schon bei den ersten vorgesprächen über Kandidaten von “unwürdigem parteipolitischen Geschacher” zu sprechen.

34) Erika, Montag, 20. Februar 2012, 09:00 Uhr

Bei Bundespräsidentenwahlen spricht man ja immer von Signalen für künftige Koalitionen.

Die Vorgänge gestern wären also das Signal für eine Ampel!

Rot / Grün / Gelb – ohne Merkel

Es kann interessant werden.

35) Carsten Blöcker, Montag, 20. Februar 2012, 09:52 Uhr

Mutig und richtig von der FDP, den berühmten Strohhalm vor dem Absaufen zu ergreifen. Und endlich mal ein Kontra zu den vielen Demütigungen durch Merkel. Resultat: ein sehr gutes Ergebnis für das Land. Schwach von Merkel, Die Linken nicht eingebunden zu haben.

36) Frankilein66, Montag, 20. Februar 2012, 10:01 Uhr

Den “reisenden Politiklehrer” empfindet Herr Spreng als bescheiden?

Ich empfinde das als unverhohlene Drohung. Wir alle können uns in den nächsten fünf Jahren auf permanenten Nachhilfeunterricht in Demokratie und dem Geschenk der Freiheit freuen. Sein pastoraler Ton hat mir noch nie gefallen.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass uns Herr Gauck ziemlich bald fürchterlich auf die Nerven gehen wird.

Aber Hauptsache Michael Spreng und Matthias Döpfner sind es zufrieden!

37) Frankilein66, Montag, 20. Februar 2012, 10:18 Uhr

Und noch etwas:

Eigentlich ist Gauck nach den Absagen von Lammert und Voßkuhle nur die 3. Wahl! Das wird doch sonst immer bei Absagen für Trainerposten oder Ministerwechseln von den Medien mit buchhalterischer Genauigkeit aufgelistet, hier komischerweise nicht!

38) Horst Klohocker, Montag, 20. Februar 2012, 10:47 Uhr

Joachim Gauck – der Präsident der künftigen Koalition? Diese Frage lässt sich wohl mit einem eindeutigen JEIN beantworten. Unsere in Europa gar so starke Kanzlerin hat wohl in letzter Minute wieder einmal eine Wende vollzogen. Ob es die letzte Wende in ihrer Karriere sein wird oder die Wende zu einer „neuen Koalition“ wird sich Ende nächstes Jahres zeigen.

„Zu ermutigen und zu warnen, das ist die entscheidende Aufgabe des Bundespräsidenten.“ hat Theodor Heuss einmal treffend gesagt. Ob diese Aufgabe Herrn Gauck gelingen wird, das werden die nächsten fünf Jahre zeigen. Zu wünschen wäre es – Herrn Gauck und vor allem uns allen.

39) Andronico, Montag, 20. Februar 2012, 10:57 Uhr

Joachim Gauck ist die denkbar schlechteste Wahl für diese Amt. Er ist definitv nicht mein Präsident, und ich hoffe, dass er das Land nicht so sehr spalten wird, wie ich es befürchte.

http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2012/02/joachim-gauck-ist-eine-schlechte-wahl.html

40) Horst, Montag, 20. Februar 2012, 10:58 Uhr

Ich bin mir nicht sicher, ob Gauck der richtige Präsident im Führungsduo mit der Kanzlerin wird. Die Tochter eines Pfaffen repräsentiert Deutschland zusammen mit einem Ex-Pfaffen. Ich dachte wir hätten die Säkularisation bereits hinter uns?
Auch Wulff war in dieser Hinsicht nicht besser – er ist schließlich Kuratoriumsmitglied bei ProChrist.
Wann werden wir endlich die Trennung von Kirche und Staat wirklich haben und uns nicht immer Sonntagsreden bzw. Predigten anhören müssen und uns durch die Kirchen aussaugen lassen?

41) Andronico, Montag, 20. Februar 2012, 11:00 Uhr

Die “vorbildliche Lebengeschichte” wäre mal genauer anzusehen. Auf jeden Fall scheint Herr Gauck vor dem Oktober 1999 nicht erkennbar als Oppositioneller in der DDR in Erscheinung getreten zu sein, und er scheint auch manch erstaunliches Privileg genossen zu haben, wie das Regime es einem “Freiheitskämpfer” und “stammen Antikommunisten” wohl kaum zugestanden hätte.

42) Ste, Montag, 20. Februar 2012, 11:08 Uhr

Auch ein anderes Kalkül war für die FDP ausschlaggebend: Éin Präsident der eventuell das Lieblingshobby der FDP fortführt, das Linke-Bashing. Gauck wird dem aber hoffentlich Inhalt reinlegen können und keine Geister und Feinde sehen wo keine sind.

43) Christian, Montag, 20. Februar 2012, 11:19 Uhr

Na super, Herr Spreng. Jetzt haben wir einen neoliberalen, bauchgesteuerten Konservativen von Springers Gnaden als Bundespräsident – weil sich die SPD vor zwei Jahren um eines kurzfristigen taktischen Stellungsvorteils willen diesen Typen ans Bein gebunden hat. Kein Wunder, dass die FDP ihn umarmt. Und das finden sie gut, Herr Spreng? Einen Bundespräsidenten, der seine Position und seinen Nimbus dafür missbrauchen wird, eine Politk und Ideologie zu beschönigen, die den Interessen der weitaus überwiegenden Mehrheit der Gesellschaft zuwiderläuft?

44) Ulrike Grunow, Montag, 20. Februar 2012, 11:34 Uhr

Diesen Präsidenten hätten wir wir schon längst haben können. Wenn sich Frau Merkel sofort entsprechend entschieden hätte. Die Gründe für ihre bisherige Ablehnung des Herr Gauck können nur sehr persönliche sein. Vielleicht hängen sie mit ihrem Vater, dem m.W. links denkenden evangelischen Pastor zusammen.
Wie dem auch sei, mir ist diese letzte Entwicklung der Dinge recht.
Frage mich nur, woher sich die Splitterpartei FDP das Recht nahm, einen Koalitionsbruch zu riskieren. Es wurde also zum wiederholten Mal parteipolitisch taktiert.
Ich wünsche Herrn Gauck viel Erfolg!

45) Bernd, Montag, 20. Februar 2012, 12:36 Uhr

@ M. Spreng
von mir bekommen sie wenig Zustimmung zu ihrem Beitrag. Was sie über die Motive und Befindlichkeit der Kanzlerin mutmaßen, ist auf ihr Meinungsbild verengt.
Ich glaube, die Kanzlerin hat das Heft des Handelns gerade dadurch behalten, weil sie eine verlorene Position auch tatsächlich geräumt hat. Ein typisch weibliches Verhalten aber sehr effektiv. Ebenso hat die Kanzlerin mit ihrer zwei Tage vorher angekündigten, schnellen und parteiübergreifenden Lösung der Präsidentenkrise, Wort gehalten. Der Meinungswandel bei der CDU/CSU kann auch nicht in letzter Minute vollzogen worden sein. Immerhin hatte das Protokoll die erforderliche Zeit, um Herrn Gauck zur Verkündung der Entscheidung, von Wien nach Berlin einzufliegen.
Die FDP wird ihren Triumph als Königsmacher nur kurz auskosten können. Es ist mir unverständlich, warum sie sich gleich zu einer Eloge hinreißen ließen. Der Zahltag für diese Illoyalität in der Koalition wird kommen, Merkel braucht nur zu warten. Wenn sich jetzt noch Herr Gauck als guter, erfolgreicher BP erweist, wird dieses kurze Intermezzo schnell vergessen sein.

46) philipp johannes, Montag, 20. Februar 2012, 12:47 Uhr

die positioen von herrn gauck sind hier gelistet:
https://acta-orga.piratenpad.de/gauck

ich dachte nicht das es nach herrn wulff noch eine steigerung gäbe.

47) asl, Montag, 20. Februar 2012, 12:54 Uhr

Armes Deutschland – ein neoliberaler Sarrazinlobhudler als Präsident. Bin ‘mal gespannt wann die erste unserer im Bundestag vertretenen Parteien dann das Gedankengut des Herrn Sarrazin zur Parteilinie macht. Kann ja nicht mehr lange dauern.

48) Andronico, Montag, 20. Februar 2012, 13:02 Uhr

http://ad-sinistram.blogspot.com/2012/02/der-demokratie-schaden-des-bloggers.html

49) mary, Montag, 20. Februar 2012, 13:11 Uhr

wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, werde ich vom leben doch immer wieder eines anderen belehrt … die äußerungen von gauck stammen für mich aus einer zeit des kalten krieges und sind für die zukunft und gegenwart aus meiner sicht nicht nur völlig daneben, sondern auch gefährlich, er arbeitet sein kindheitstrauma ab und läßt sich dabei auch von der machtpolitik der gegenwart instumentalisieren … als vertreter des volkeswillen ist es doch paradox, sich für sarrazin und den afghanistankrieg auszusprechen und die soziale ungerechtigkeit im land zu negieren und gegen AKTUELLES bürgerrecht wie occupay u.a. bewegungen zu stellen und dies durch neoliberale töne zu ersetzen …. das ist das letzte was ich gut finde … es bleibt wohl immer noch lange ein spiel der eliten … in denen stimmen der aufklärung, wie der staatsanwaltschaft in hannover sehr zögerlich und fernab der medien stattfinden … aber wer weiß … vieles kommt anders als man denken kann

50) miwalla, Montag, 20. Februar 2012, 13:36 Uhr

Wieso wird Herr Gauck immer als Bürgerrechtler dargestellt?
Da scheint die Blackbox “DDR” wunderbar zu wirken. Der Großteil derer, die sich heute positiv zu Gauck positionieren, kennen diese nicht von innen.
Deshalb hier ein Link zu einer Beschreibung seines Wirkens in der DDR von jemanden der zumindest eine gewisse Glaubwürdigkeit besitzt. Peter-Michael Diestel, 1990 Innenminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung unter de Maziere: http://www.freitag.de/politik/0018-wiedersehen-herr-gauck.
Selbst Angela Merkel war keine Bürgerrechtlerin in der DDR. Sowohl sie als auch Gauck sind erst in die Öffentlichkeit getreten, als es nicht mehr gefährlich werden konnte. Und gerade Gauck befand sich zu DDR-Zeiten in einem Schutzraum, der sich Kirche nannte.

51) theo, Montag, 20. Februar 2012, 13:51 Uhr

Dissens, Herr Spreng.

Die Entscheidung der FDP war nicht mutig, sondern wurde getroffen aus purer Angst heraus. Wer Klaus Töpfer schon – nicht ganz zu Unrecht – als Annäherung von Union und Grüne sieht, handelt dann auch schon mal panikartig.
Dadurch ist keine politische Weichenstellung für die Zukunft erfolgt. Es wird kaum auf eine Ampel-Koalition im Bund hinauslaufen.
Eigentlich ist bei dieser Kandidaten-Kür keine Partei unbeschädigt geblieben. Die SPD hätte Gauck nicht wirklich haben wollen, sie wollte ihn immer nur als Zählkandidat. Die Grünen haben sich – warum auch immer – dran gehängt. Dann ist plötzlich die FDP wie von der Tarantel gestochen “übergelaufen”. Und schon hatten SPD und Grüne keine Chance mehr, von Gauck weg zu Töpfer zu schwenken, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Insofern ist Gauck nun Bundespräsident, weil er der letzte Strohhalm einer dahin siechenden FDP sein sollte. Die Union, SPD und Grüne sind von Gauck – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – nicht wirklich überzeugt. Seine Kandidatur 2010 war nicht mehr als ein kleiner Taschenspieler-Trick von Rot-Grün.

Gaucks Wahl ist eine Wahl für das Gestern. Ohne ihm nahe treten zu wollen: ein Mann wie Töpfer hätte, was Ökonomie und Ökologie betrifft, profunder und moderner reden können. SPD und Grüne hätten mit Töpfer als BuPrä zudem die Koalition im Wahlkampf treiben können. Mit Töpfer wäre die Kehrtwende von der Energiewende für die FDP weit mühevoller geworden. Faszinierend, wie Gabriel und Co. einen solchen Trumpf aus der Hand geben konnten (es sei denn, auch die SPD hätte Angst vor einer schwarz-grünen Annäherung gehabt).

Jetzt also Gauck. Seine Sprüche zu Occupy und Sarrazin lassen befürchten, dass da noch Einiges auf uns zukommt, was für Ernüchterung sorgen wird. Komisch, dass wir nach all dem katastrophalen Hype um Guttenberg schon wieder einen solchen Hype um eine Persönlichkeit haben, bei dem nur ganz wenige sich nicht blenden lassen wollen.

Ein Sieg für die FDP? Nur ein kleiner. Eine Niederlage für Merkel: ja, aber in spätestens einem Monat kein Thema mehr. Und bei jedem Fauxpas Gaucks kann “Mutti” recht entspannt sein. Merkel hat alle Optionen für mögliche Koalitionen, die FDP kann substantiell nichts hinzufügen, die SPD hat – um einen Tagessieg zu erreichen – eine strategische Dummheit begangen.

52) Maren P., Montag, 20. Februar 2012, 14:00 Uhr

Gibt es eigentlich nur die materielle Korruption? Korrumpiert womöglich auch der gesellschaftliche Status? Ehrlich gesagt, in meinen Augen haben SPD und Grüne mit der Nominierung eines ihnen inhaltlich fremden Kandidaten Gauck ziemlichen Bockmist gemacht. Der ihnen nicht einmal in zusätzlichen Wählerstimmen gedankt werden wird.
Bei Wulff haben wir mit dem Kopf geschüttelt über so viel spießige Mitnahme-Mentalität. Bei Gauck werden wir womöglich verschämt die Augen senken, wenn wir ihn reden hören. Fremdschämen ist zu erwarten.

53) H.F., Montag, 20. Februar 2012, 14:42 Uhr

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,792098,00.html

#Nun kritisiert er die Anti-Banken-Bewegung. Die derzeitige Finanzmarktdebatte halte er für “unsäglich albern”. Der Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könne, sei eine romantische Vorstellung, sagte Gauck bei einer Veranstaltung der “Zeit”.#

Jetzt ist Wulff weg und jemand mit einem unterstellten hohen Anspruch ans eigene Gewissen soll sein Nachfolger werden.

Ob er das notwendige Verständnis für die Vorgänge in der Politik hat? Das Zitat von oben hätte besser in ein 70-er Jahre Revoluzzer-Bashing gepasst.

Jetzt wird es eng. Einen Tod müssen wir sterben. Den anderen wollten wir nicht. Dann also der.

54) Bernhard Paul, Montag, 20. Februar 2012, 15:13 Uhr

@#46, #48 und andere

Man versteht Gauck sicherlich besser, wenn man dieses Interview liest

http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-gespraech-von-die-leute-muessen-aus-der-haengematte-aufstehen-1.1288292

55) Relako, Montag, 20. Februar 2012, 15:21 Uhr

“uneingeschränkt gut” war es vielleicht von der fdp, es war aber genauso unwürdiges politisches hickhack wie von spd und cdu/csu. kein mensch glaubt doich, die fdp entscheidet sich aus anderen als parteitaktischen gründen für gauck.

und was man hier auch schon wieder sehen muss: merkels schritt wird als größe bezeichnet. so ein witz! wenn jemand einen fehler eingesteht, ist dies das normalste der welt oder sollte es sein. das hat nichts mit größe zu tun und muss nicht gelobt werden. zweitens hat sie den fehler ja nicht aus einsicht eingestanden, sondern hat lediglich aus parteipolitischen gründen, vor dem hintergrund der fdp-position und der breiten mehrheit für gauck, eine kehrtwende vollzogen.

56) janz, Montag, 20. Februar 2012, 15:22 Uhr

Unsere allmächtige Europadiktatorin Merkel knickt vor der jämmerlichen 2% Partei ein,Was für eine Schande!

57) weisshaupt, Montag, 20. Februar 2012, 16:17 Uhr

“Gauck wird dem Amt wieder die verlorene Würde geben – als “reisender Politiklehrer”, wie er bescheiden sagte.”

Das ist “Change we can believe in” allererster güte – gebt ihm den friedensnobelpreis für seine zukünftigen Heldentaten für EUtschland!

was man immerhin jetzt schon sagen kann, ist, daß dieser Präsident genauso wie auch die vorherigen unsere Regierung perfekt vertreten wird, ein Gleicher unter gleichen, wobei halt manche Tiere gleicher sind als andere…

58) Günter Springer, Montag, 20. Februar 2012, 16:33 Uhr

Für mich bedeutet die Kandidatur von Joachim Gauck nur Freude! Ich bin auch überzeugt, daß er im Amt des BP sicher auch Dinge darstellen wird, die nicht unbedingt meinen Beifall finden werden. Insgesamt gesehen wir der neue BP Joachim Gauck aber die einfachen Bürger diese Landes nicht vergessen, davon bin ich überzeugt und das ist sehr,sehr wichtig für den Frieden in unserer Gesellschaft.
Doch nun zu der Findung des Kandidaten, der geheuchelten Einigung des gestrigen Abends:
ich höre im Gegensatz zu vielen Lobeshymnen für Frau Merkel die klatschenden Orfeigen, die Frau Merkel empfangen hat und das zu Recht, nachdem Sie bei der vergangenen Wahl den Herrn Wulf durchgesetzt hat und damit den Herrn Gauck einen unverdienten Tritt versetzt hat. Dieses sollte man nicht vergessen bei der Ihr abverlangten Kehrtwende des gestrigen Abends.
Man möge sich vorstellen, da sitzt eine Frau, die sich aus Ihrer DDR-Vergangenheit gewandelt hat, was ich ausdrücklich akzeptieren kann, gleichzeitig aber eine Wandlung ihre Landsleute bei den Linken verleugnet, indem sie diese von der Kandidatenfindung ausschließt. Welch eine Selbstüberschätzung, welch ein Demokratieverständnis. Damit hat Frau Merkel keine Stärke sondern Schwäche bewiesen!
Ihr Lobgesang gestern auf Joachim Gauck war in Anbetracht der Vergangenheit nur peinlich!

59) FF, Montag, 20. Februar 2012, 16:38 Uhr

Als “reisender Politiklehrer” betrachtet sich Herr Gauck – das halten Sie für “bescheiden”? Das ist sublimierte Eitelkeit in Perfektion. Der famose Herr Pfarrer ist etwa so “bescheiden” wie ich Bundespräsident bin.

Vom privilegienaffinen DDR-Pfaffen zum Wendetritt-Brettfahrer zum aufgeblasenen Großinquisitor (der schnell noch seine eigene Stasi-Akte unter zwei Augen begradigte) zum verkrachten TV-Talker zum Sozialstaatsverächter zum Sarrazin-Fan zum occupy-Verhöhner zum neoliberalen Grüßaugust. Zum Bundespräsidenten.

Das ist doch wieder mal eine sehr deutsche Karriere.

Toll, wie die “S”PD das hingekriegt hat. Die Spezialdemokraten sollten sich langsam mal fragen, warum sie Herrn Gauck politisch näher sind als der Linken. (“Antikommunismus” würde ich zur Not noch verstehen – wenn wir das Jahr 1952 schrieben.)

Bei der Gelegenheit sollten sich diese Spezialdemokraten auch gleich fragen, warum sie noch nicht in der CDU sind und dort den rechten Flügel bilden… Anstatt schamlos unter falscher Flagge zu segeln.

Einen Vorteil allerdings hat selbst der wild gewordene Pfarrer – er hat keine sieben Kinder und heißt nicht Ursula von der Leyen. Da ist doch schon mal was. :-)

60) JG, Montag, 20. Februar 2012, 16:45 Uhr

Wofür ich bisher kaum irgendwo eine Erklärung gefunden habe: die angeblich heftige Ablehnung Gaucks durch Merkel. Nur weil seine erneute Kandidatur das Eingeständnis ihres Fehlers von 2010 ist? Das wäre dann allerdings das allergrößte Armutszeugnis für diese Dame.

Im übrigen ist es auch bemerkenswert, wie stets betont wird, der Bundespräsident habe über den Parteien und dem politischen Tagesgeschäft zu stehen – und dann wird es als ganz selbstverständlich betrachtet, wenn die Nominierung unterschiedlicher Kandidaten für dieses Amt durch die in einer Koalition vertretenen Parteien automatisch das Aus für diese Koalition bedeuten würde. Auch dies offenkundig eine Weiterentwicklung: Noch in den Neunzigern waren unterschiedliche Kandidaten gestattet.

61) Amarna, Montag, 20. Februar 2012, 17:00 Uhr

Etwas mehr als die gebetsmühlenartig vorgetragene Leerbehauptung, dass Gauck der bessere Präsident wäre, sein könnte oder sein wird, hätte man sich von dem Beitrag von Herrn Spreng schon erwarten können. Ich fürchte jedoch, es wird eher das Gegenteil der Fall sein.

Angesichts seiner bisherigen Äußerungen zu wichtigen sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen, etwa den menschenverachtenden Hartz IV-Regelungen, dürften die Fettnäpfe, in die er treten wird, schon ausgelegt sein. Herrn Spreng selbst wird das vielleicht nicht interessieren, solange er unter der “moralischen Autorität” des “reisenden Politiklehrer” seine Erweckungsmomente erfährt. Viele andere hingegen, die ihr Dasein in Armut am Rande des Existenzminimus fristen (müssen), werden auf die abzusehenden Sprüche des neuen Lehrmeisters gerne verzichten können.

62) Uli, Montag, 20. Februar 2012, 17:09 Uhr

Mir fehlt hier die Analyse der Rolle von SPD und Grünen, die sich mit diesem Kandidaten wohl kaum einen Gefallen getan haben. Wie glaubwürdig ist die SPD mit Ihrem “Wir sind viele” Programm gegen die Macht der Finanzmärkte, wenn sie zwei Wochen später einen Kandidaten Gauck unterstützen der Antikapitalismus Debatten albern findet und den Linken damit doppelt an’s Bein pissen.

Heute hören wir Frau Merkel hätte eine Niederlage erlitten, morgen ist das alles längst vergessen nur die SPD dümpelt weiter im Umfrage- und Glaubwürdigkeitstief.

63) manni.baum, Montag, 20. Februar 2012, 17:16 Uhr

betr. Kommentar 8 – zu doof einen link zu setzen und die FDP über 5% einzuschätzen sind irgendwie Eigenschaften die gut zusammen passen.

64) Gregor Keuschnig, Montag, 20. Februar 2012, 17:25 Uhr

Wie rechthaberisch, armselig, intolerant und dumm diese Gauck-Basher doch sind.

65) mary, Montag, 20. Februar 2012, 17:29 Uhr

http://www.stern.de/politik/deutschland/die-politische-agenda-des-joachim-gauck-der-anti-linke-1789306.html

… herr rößmann sagt noch viel besser, was ich meine …

66) Benjamin, Montag, 20. Februar 2012, 17:48 Uhr

Wie schon gesagt: nicht mit allen Äußerungen Gaucks bin ich einverstanden (der Gedanke des sozialen Zusammenhalts kommt mir bei ihm zu kurz, seine Äußerungen zur Vorratsdatenspeicherung und Occupy fand ich ebenfalls nicht sehr angemessen), aber dieses Gerede, er sei ein gar rechter “Sarrazinlobhudler”, halte ich für nicht gerechtfertigt.

Man lese: http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/02/20/kurz-und-gauck.aspx

Man wird sehen, welche Worte er in seinem Amt findet – und sie dann gegebenenfalls kritisieren. Ein BP Gauck ist schon etwas anderes als der Privatmann Gauck. Es bleibt abzuwarten, was er aus dem Amt macht, er bringt aber rhetorisch und m. E. auch charakterlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Mal schauen…

67) Bernhard Paul, Montag, 20. Februar 2012, 17:48 Uhr

Nochmals zu den Gauck-Zitaten und den kritischen Äußerungen. Es ist doch klar, dass sich Gauck mit seiner Biografie vor einem anderen Hintergrund äußert als ein Westler und insofern leicht missverstanden wird.

Eine sehr gute Klarstellung und Zusammenfassung gibt es hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittene-aeusserungen-ueber-occupy-und-sarrazin-was-gauck-wirklich-gesagt-hat-1.1288683

68) lavolpe Berlin, Montag, 20. Februar 2012, 18:35 Uhr

Gauck ?

Eine Schande !!

Ein weiterer Grund sich nicht zu Deutschland zugehörig zu fühlen.
Wer Hartz IV super findet, den Afghanistankrieg befürwortet, Sarrazin für sein Buch lobt und die Occupy-Bewegung als albern abtut, der gehört nicht in dieses Amt.

Mal so nebenbei wie will Herr Gauck denn eine Trauerfeier für die Opfer des NSU abhalten ? Nimmt ihm doch keiner ab

69) mambo, Montag, 20. Februar 2012, 18:40 Uhr

zu FDP :auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Zu Gauck : erst mal sehen ,was “der König der Herzen” bringt ,und dann jubeln.

Derzeit hören
wir zuviel große ,hohle Worte :
dauernd neue Superstars und Heilsbringer ,
und anschließend die große Pleite .
Vor 2 Jahren war KTG der Supermann ,dann Christian u.Bettina,
jetzt Gauck und Angela Merkozy ,die “Euro/Schulden -Retterin
und Erzieherin der faulen Griechen”.

Vielleicht könnte Christian als Insolvenzverwalter in Athen eingesetzt werden ?
Tut mir irgendwie unser ” Wulffi” .

70) lavolpe Berlin, Montag, 20. Februar 2012, 18:40 Uhr

Christian Wulff 2010: “Der Islam gehört zu Deutschland.”
Joachim Gauck 2010: “Politiker können von Sarrazin lernen.”

71) Alexis, Montag, 20. Februar 2012, 18:43 Uhr

“Sie wird diesen Tag nicht vergessen und ihn auch der FDP nicht vergessen”

Ganz bestimmt nicht! Konnte man ja gestern an ihren berühmten Mundwinkeln sehen …(Volker Pispers kann das sehr gut nachmachen!) Schätze mal, bei der Transaktionssteuer fällt die 2% Partei wieder um. Schon F.J.S. sagte über die FDP, das Beständigste an der FDP sei deren Charakterlosigkeit. Hat sich seitdem nix geändert.

Aber was die Merkel betrifft, da unterschätzt mal alle Kohl’s Mädchen nicht. Die wird viel zu früh runtergeschrieben wie damals Helmut Kohl, schätze mal mindestens 10 SPIEGEL-Titelgeschichten ‘a la “Der hat fertig” gab es in den 16 Jahren (!!!) Kohl-Regierung. Nix ist passiert.

Was die Merkel betrifft und das gestrige Theater, scheint mir dieser Kommentar sehr treffend:

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-gauck-ist-merkels-meisterwerk/6230092.html

72) Frank, Montag, 20. Februar 2012, 19:12 Uhr

@philipp Johannes (46): Es gibt immer eine Steigerung. Erst recht, wenn sich in Deutschland (fast) alle einig sind. Es werden sich einige noch nach dem “nur” korrupten und wenig lauteren Ex-Präsidenten aus Osnabrück zurücksehnen. Weiterer interessanter Lesestoff zu diesem Thema hier: http://paper.li/judioviajero/1320224593

73) PeterK, Montag, 20. Februar 2012, 19:45 Uhr

Hätte Gauck sich gegen Hartz IV, gegen Krieg, für echte Demokratie, für Integration (auch der LINKEN), gegen den Marktkapitalismus, u.s.w. ausgesprochen, dann wäre er auch nicht gewählt worden.
Deutschland du wirst viel Freude an diesem Mann haben (zumindest die sogenannten oberen 10.000).

74) Politikverdruss, Montag, 20. Februar 2012, 19:50 Uhr

Der heute häufig behauptete Unsinn, Merkel habe „verloren“, wird auch durch ständige Wiederholung nicht sinnvoller!
Zunächst ist es schon mal eine große Leistung, 48 Stunden nach dem Rücktritt von Wulff einen Nachfolger präsentieren zu können. Darüber hinaus hat die Kanzlerin alle „eingebunden“. Die FDP hat sich „durchgesetzt“, die SPD/Grünen verspüren „Genugtuung“, die Union hat einen „konservativen Kandidaten“, die Linke hat das, „was sie verdient“ und die Bundesbürger hoffentlich einen Präsidenten, der auch gegenüber tabuisierten Themen kein „Blatt vor dem Mund“ nehmen wird. Das muss ihr in dieser vielschichtigen Parteienwelt erst einmal jemand nachmachen.

75) Roland, Montag, 20. Februar 2012, 20:43 Uhr

Herr Spreng,
Ihr Artikel zu Gauck war vermutlich eine ihrer größten Fehleinschätzungen EVER.

Die “Netzgemeinde” läuft Sturm und gräbt.
Man braucht nur mal anfangen zu googlen, z.B. unter “Oder-Neiße-Grenze”, Thorgau”, Stefan Heym”, “Fukushima”, “Irak-Krieg”, “Wikileaks”, “Occupy”, “Vertriebene” …..

Ein Pirat twitterte schon mal:
“Wir haben schon so viel gefunden, dass es für einen Rücktritt reicht”.

Und der erste GRÜNE Bundestagsabgeordnete (Memet Kilic) ist schon abgesprungen, wegen der Sarrazin-Unterstützung Gaucks.

Jetzt wird das Netz mal zeigen, ob es einen 2. Fall Guttenberg schafft.

76) Johnny, Montag, 20. Februar 2012, 20:50 Uhr

Da scheint jemand komplett überzeugt von dem Herrn Gauck. Auch wenn er viel besser als Wulff ist, wird auch er noch negative Seiten offenbaren. Und ich glaube auch die FDP wird noch die Schattenseiten erkennen, die es hat die CDU mit Angela Merkel in die Enge zu treiben. Wahrscheinlich ist der Genuss endlich mal Profil zeigen zu können, schneller wieder von der Realität eingeholt. In der ist die FDP wohl eher die unwichtigste Partei denn neben der CDU wird es nun nicht einfacher.

77) Roland, Montag, 20. Februar 2012, 21:20 Uhr

Daniela Dahn zitiert im Interview mit der JUNGEN WELT Gerüchte aus dem Internet, dass Gauck über die Stasi zu einem Kleinbus gekommen sei.

Wenn sich das erhärtet, ist er weg.

78) Dieter Carstensen, Montag, 20. Februar 2012, 21:23 Uhr

Lieber Michael Spreng,

Wulff hat es fertig gebracht, sich vom Bundespräse zum Bundesdepp zu machen! Das hat er ganz alleine geschafft. Respekt! Scheinbar versucht die unsägliche FDP von ihm zu lernen.

M.f.G.

79) sentarieger, Dienstag, 21. Februar 2012, 00:46 Uhr

lieber Herr Spreng,

da es ja wiederholt nicht publiziert wird- was sind Sie für ein Feigling-und wie ferngesteuert- und es geht doch nur um die jeweils 5000 € pro Fernsehauftritt, gelle?

Peinlich-aber gut, zu wissen

80) Tobias Söchtig, Dienstag, 21. Februar 2012, 01:31 Uhr

Dass die Kandidatur Gaucks nicht auf Merkels Entscheidung fundiert ist wohl unumstritten. Da der politischen Öffentlichkeit dieses bewusst ist, und das ist wiederum der Kanzlerin bewusst, hat sie auch garnicht erst versucht dieses als ihren Vorstoß zu verkaufen. Mehr als ein müdes Lächeln konnte sie bei der Pressekonferenz nicht aufopfern. Sie machte einen generell eher verärgerten Eindruck. Der FDP-Chef hingegen schien von bester Laune zu sein.

Ich stimme Ihnen zu, dass wir den baldigen Bundespräsidenten Gauck vor allem der FDP zu “verdanken” haben. Aber das muss nicht unbedingt ein Super-Gau für die Kanzlerin sein. Es wäre einer geworden, hätte sie sich gegen Gauck entschieden. Vielmehr ist es nun eine Chance, denn durch den gemeinsamen Kandidaten von, vor allem Union und SPD, ist erneut eine Grundlage für eine etwaige große Koalition 2013 geschaffen. Will Frau Merkel Kanzlerin bleiben, kann sie dies nach derzeitiger Lage wohl nur in einer großen Koalition (schwarz-grün würde in diesem Falle wohl hinten anstehen).

Und ich hoffe sie behalten Recht, dass Herr Gauck dem Amt die verlorene Würde wiedergeben wird. Das Potential dazu hat er auf jeden Fall. Und dies sollten auch jene anerkennen, die jetzt mit dem “Wühlen” beginnen um ihn zu diskreditieren.

81) M.M., Dienstag, 21. Februar 2012, 02:11 Uhr

Das Motto der FDP: Wenn wir schon untergehen, dann auf keinen Fall alleine…Bei der CDU Basis geht nun das Martinshorn an.

82) Julian Konopka, Dienstag, 21. Februar 2012, 04:25 Uhr

Zustimmung mit zwei Einschränkungen:

1) auch die FDP ist natürlich parteipolitisch motiviert vorgegangen: Sie liegt bei 3%, hat zwei Landtagswahlen vor der Nase und muss kurzfristig etwas liefern. So kann sie den bei FDP-Wählern äußerst populären Gauck als ihr Verdienst anführen. Es war kein Zufall, dass ich meistens den Kubicki im TV gesehen habe.

2) Gauck hat keine einwandfreie Lebensgeschichte. Zwar sammeln sich im Netz auch viele ungerechtfertigte und verkürzte Vorwürfe, aber nach meinem Kenntnisstand ist das Verhältnis zwischen Gauck und Stasi keineswegs so unproblematisch, wie uns bisweilen berichtet wird. Da scheint es doch gewisse ‘Rücksichtnahmen’ gegeben zu haben. Aber da werden wir in ein paar Tagen schlauer sein.

Mein Fazit: endlich bekommt das ‘System Merkel’ sichtbare Risse durch eine wiedererstarkte FDP. Auch erscheint mir Gauck eigensinnig, querköpfig und unbequem genug zu sein, um nicht für Merkel ’steuerbar’ zu sein. Die Springerpresse wird nicht ihren eigenen Kandidaten abschiessen. Die Politik wird endlich wieder spannend und interessant. Ausgerechnet durch die FDP – das hätte ich offen gestanden nicht mehr erwartet. Chapeau!

83) m.spreng, Dienstag, 21. Februar 2012, 08:15 Uhr

@ 55) sentarieger

500 maximal, in Worten: fünfhundert.

84) Mark, Dienstag, 21. Februar 2012, 09:25 Uhr

Viele tolle Kommenatre hier.

Je mehr ich über Herrn Gauck lese, umso schlimmer erscheint mir der Umstand, dass dieser Herr nun “gesetzt” ist als Bundespräsident.

Andererseits: Es wird ein Spaß werden zuzusehen, wie sich die Kritiker aufraffen, um Gaucks Nimbus zu zerstören. Wenn z.B. die WELT am 23.04.1991 tatsächlich das Terpe-Dossier abgedruckt hat, dann wird es irgendwo auf der Welt noch ein gedrucktes Exemplar geben (z.B. in den Archiven der WELT). Wenn das dann geschickt an die richtigen Stellen lanciert wird (muss ja nicht in Deutschland sein), hmmmm, dann geht hier die Post ab, aber hallo! Die Netzgemeinde hat ja inzwischen durchaus einige Erfahrung im Umgang mit Helden- und Lichtgestalten.

Mir wäre es lieber, wir bekämen einen, der völlig unbelastet ist (bzw. scheint). Geißler wäre so jemand, Töpfer vielleicht. Besser als Gauck wären die allemal.

85) Frankilein66, Dienstag, 21. Februar 2012, 09:35 Uhr

Zu Guttenberg wurde von der Netzgemeinde zum Rücktritt gezwungen.

Wulff wurde von der Presse erlegt.

Bei Gauck ist die Netzgemeinde wieder dran.

Merken sie was Herr Spreng?

Ich freue mich schon auf die nützlichen Talkshow Idioten, die dann bei Jauch, Will, Plasberg und Beckmann begründen müssen, warum Gauck zurücktreten muss. Sie werden sicher auch wieder eingeladen und natürlich nicht ablehnen!

86) Frankilein66, Dienstag, 21. Februar 2012, 09:44 Uhr

Übrigens:

Langsam kommt Gaucks “wilde Ehe” in die Diskussion. Die CSU grummelt schon! Bis zum 18. März ist noch verdammt viel Zeit, vielleicht kommt es erst gar nicht zur Wahl Gaucks, der allgemeine Freudentaumel weicht der nüchternen Betrachtung!

87) Günter Springer, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:00 Uhr

Ich kann mich nicht erinnern, das im Vorfeld des Aufstiegs der Frau Merkel so viel in ihrer Vergangenheit rumgewühlt wurde. Will man das nun ersatzweise bei Herrn Gauck nachhohlen?
Ist das realistisch oder irre ich da?
Herr Gauck sollte sich an ein Zitat von J.W.v.G halten:
> Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen<

88) Schulze, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:07 Uhr

Normalerweise lese ich die Kommentare hier sehr gerne, aber was jene den neuen BP betrifft, so wird einem echt ganz anders.

Hört auf zu graben und lasst den Mann einfach mal machen. Ich habe gestern ein wenig youtube geschaut und halte den Mann für würdig im Sinne des zukünftigen Amtes: geistig fit, lebensfroh, scheinbar lernfähig und eine echte Persönlichkeit.

BTW: Die Schlagzeile “Jetzt muss Gauss liefern” gestern im Spiegel empfand ich als abartig.

Ich wünsche unserem Herrn Gauck viel Glück und Erfolg.

89) federkiel, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:20 Uhr

Der kommende Bundespräsident Gauck ist noch nicht ganz mit dem Lift der Medien ( Wer mit uns nach oben fährt, fährt auch wieder mit uns nach unten. Döpfner/Springer) in der obersten Etage angekommen, schon laufen sich die Liftboys bei Bertelsmann/Mohn warm. Ihre blogger-satrapen hier auch. Stellt man die beiden Lebensentwürfe Merkel-Gauck gegenüber, dann weiß man, dies ist sicher nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Vater von Merkel ging aus Überzeugung in die SBZ um dort Pfarrer auf Staatstreue zu stimmen. Persilscheinschreiber wie Langguth geben das gerne als tapfere Tat eines aufrechten Christen in die Diaspora wieder, der den dort unterversorgten Christen das Wort Gottes predigen wollte. Nein der “Rote Kasner” wollte diese rote Diktatur unterstützen weil er sie für lebenswerter hielt als die BRD mit ihren alten Nazi Funktionseliten. Er lehnte zeitlebens die Wiedervereinigung ab und sein Mädchen , die heutige Bundeskanzlerin, die machte ihren systemrelevanten Weg durch FDJ , Studium und Universitätsangestellte Physikerin. Joachim Gauck, dessen Kinder allesamt in der DDR Diktatur nicht studieren durften, der ging einen sehr gradlinigen Weg als Pastor und Bürgerrechtler. Einen Kriecher wie Diestel gegen Herrn Gauck als Zeugen in Stellung zu bringen ist wenig überzeugend. Was den Gutmenschkomplex der Roten Zarin aus Gütersloh wohl zum Kochen bringt, ist , dass Gauck etwas Differenziertes zu Thilo Sarrazin gesagt hat. Warum die Lohnschreiber von Mohn nun alle zu gerne den Knopf Untergeschoß bei Joachim Gauck drücken würden zeigt die Verlogenheit der Bande t. Thilo Sarrazins Buch erschien bei einer 100% Bertelsmann Tochter und hat dem Monster Verlag sicher eine Menge mehr Geld eingespielt als das sauertöpfische Geheule von Jörges, Augstein und anderen.

90) Alexis, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:24 Uhr

Soso, der böse Herr Gauck hat also die grandiose Occupy-Bewegung „albern“ genannt. Wie dumm, werden sie ihn wohl bald auch abschießen, einer hier im Form hat das ja im Zusammenhang mit KTG schon vorausgesagt. Na prima.
Diese Occupy-Bewegung ist das neuzeitige Kasperl-Theater (statt Augsburger Puppenkiste jetzt Frankfurter Puppenkiste). Sie haben bisher nichts, und sie werden auch zukünftig nichts bewegen wenn sie so albern weitermachen wie bisher. In Zelten vor Banken hausen, die Mädels stricken, die Jungs lesen Asterix, manche zünden auch Kerzen an. Ab und wann kommt die Polizei und „räumt“ das Gelände, dann ziehen sie ab wie geprügelte Hunde. Ein Aufschrei der Empörung in den Medien ? Nix, gar nix. Nicht mal Obama zieht mit denen in den Wahlkampf. Sie haben konzeptionell null auf der Pfanne. Geradezu rührend zu lesen hier: „Eine dezidierte Programmatik über die Forderung hinaus, soziale Ungleichheiten, Spekulationsgeschäfte von Banken und den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik zu reduzieren, ist nicht bekannt”. …. Bzw. „…Die Bewegung hat für sich keine konkreten Forderungen formuliert, was von Journalisten und Politikern oftmals mit der Komplexität der kritisierten Problematik begründet wird.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Occupy_Wall_Street
Ackermann und Co schlottern täglich vor Angst, wenn sie an deren Zelten vorbeigehen. Wenn diese Leute ernst machen würden, da könnte man doch z.B. dieses tun (nur so ein Vorschlag)
Eine Good-Bank gründen (Bad Banks haben wir schon genug)
Ethisch einwandfreie Standards formulieren
Bankzweck ist ausschließlich Abwicklung des Zahlungsverkehrs unter Privaten, darüber hinaus Kredite an mittelständische Unternehmen, keine Spekulationsgeschäfte, Leerkäufe, kein spekulatives Handel mit Lebensmitteln etc. etc., dito kein Spekulieren gegen den EURO
Finanzierung der Bank über Ausgabe von Volksaktien (wie ursprünglich mal bei der Telekom angedacht, vgl.Krug-PR)
Einen Verwaltungsrat mit unabhängigen Persönlichkeiten installieren
alles öffentlich machen bzw. ins Netz stellen (Geschäftspolitik, Zahlen, etc. etc.)
etc. etc.
So dann man los. Wenn wirklich so viele Leute an den Zielen interessiert wären, den Gier-Finanzkapitalismus zurückzudrängen, dann hätte diese Bank bald Millionen Kunden, könnte rentabel arbeiten und bräuchte deshalb auch keine Staatsknete wie die Gier-Banken. Dann würden Ackermann und Co. echt alt aussehen …. (Wäre übrigens klasssicher Marktmechanismus im besten Sinn – bin noch von Walter Eucken und Co. geprägter altmodischer Volkswirt)
So liebe Occupy-Fans: Das würde ein Herr Gauck mitnichten albern nennen. Er hätte ein Konto bei der Good-Bank. Bleibt nur noch die Frage: warum läuft das nicht so oder ähnlich ?

91) Bernhard Paul, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:33 Uhr

“Viele tolle Kommentare hier”, stellt @84 Marc fest.

In der Tat: Viele tolle Vorurteile hier gegen Gauck. Vorurteile beurteilen nicht, sie beschädigen nur.

Nur zwei Tatsachen:
1) Gaucks angebliche Stasi-Nähe hat ihm sein Intimfeind Peter-Michael Diestel angedichtet, über den Wolf Biermann zum Beispiel ein vernichtendes Urteil fällt. Diestel, DDR-Innenminister nach der Wende, ist ja eine der schillerndsten Figuren der DDR aus jener Zeit. Die Vorwürfe der Stasi-Nähe sind längst widerlegt und dem Diestel ist juristisch bei Strafe untersagt, sein Zeugs zu wiederholen.
2) Die angeblichen schlimmen Gauck-Zitate sind aus dem Sinnzusammenhang gerissen. Den Sarrazin lobte Gauck für den Mut, ein wichtiges innenpolitisches Problem thematisiert zu haben, wenn es schon die Parteien nicht tun. Er lobte ihn nicht für den Inhalt, weil er das Buch gar nicht gelesen hatte, wie er in dem damaligen Interview bekannte.
Die Aussage zu den Banken und zur Occupy-Bewegung fiel vor dem Hintergrund seiner Bewertung des Finanz- und Bankensystems der DDR und des gesamten damaligen Ostblocks. Das hätte in den Boen gestampft gehört, im Vergleich dazu seien die Proteste gegen das heutige Bankensystem albern.
Die Aussage war unglücklich, aber in diesem Zusammenhang ergibt sie einen anderen Sinn.

92) Maren P., Dienstag, 21. Februar 2012, 11:10 Uhr

Dieser Artikel spiegelt so ziemlich genau meine derzeitige Gemütslage zum Thema Gauck wider. Ich hoffe sehr, dass er stärker reflektiert, dass ein jahrzehntelanges Leben in einem demokratischen Rechtstaat den Freiheitsbegriff anders als er begreift und ihn verinnerlicht hat. Nicht so verkürzt – aber deshalb keinesfalls weniger wertvoll! http://www.taz.de/​Linke-und-Migranten-zu-Gauck/​!88106/

Meine Erwartungen an einen Bundespräsidenten Gauck sind nicht allzu hoch. D.h. ich könnte durchaus noch positiv überrascht werden. Vielleicht aber bietet er unaufhörlich Stoff für Kabarettisten und Kritiker. Übrigens, Kritik an der Amtsführung eines Bundespräsidenten ist keine Kritik am Amt und beschädigt es keineswegs, liebe Politiker/innen! Demokratie lebt von der ständigen Diskussion und dem Ringen um das richtige Handeln!

93) Frank, Dienstag, 21. Februar 2012, 11:46 Uhr

“Gauck wird dem Amt wieder die verlorene Würde geben – als “reisender Politiklehrer”, wie er bescheiden sagte.”

Nun, dass Bescheidenheit seine Zier sei, behaupten nur die, die ihn nicht kennen.

94) Michael A. Nueckel, Dienstag, 21. Februar 2012, 11:48 Uhr

Es ist nicht minder unerträglich, wenn keine 24 Stunden nach Bekanntgabe der Nominierung Gaucks an dessen Würde -um M. Spreng´s Kommentarzeile aufzugreifen- bereits gerüttelt wird. Bei einigen Narren dieser Tage wird so getan, als wenn es ein GAU-ck wäre, gerade diesen Kandidaten auszuwählen. Ich kann davor warnen, einen neuen Ansturm zu versuchen. Gauck wird das 5 Jahre machen, denn ich bezweifel, dass er sich mit 77 Jahren nochmals zur Wiederwahl stellt; sicher bin ich mir allerdings nicht – wie man auch nicht weiß, wie dann die Mehrheitsverhältnisse sind, obgleich -und das wäre ja wieder eine andere spannende Frage- von diesem Konsenskandidaten abzurücken, auch nicht leicht fallen dürfte. Aber das ist der Schnee von übermorgen, inwieweit man sich de facto heute bereits auf Gauck inkl. Wiederwahl festgelegt hat. Das nach meiner Auffassung unverändert wichtige Amt des Bundespräsidenten besitzt seit fast 20 Jahren keine großartige Kontinuität mehr: Richard von Weizsäcker (1984-1994) war der letzte Präsident mit 2 vollen Amtsperioden. Es scheint fast so, als wenn KanzlerIn zu bleiben, leichter sei. Ist das Amt ein Schleudersitz geworden?

95) Escape, Dienstag, 21. Februar 2012, 13:24 Uhr

Wenn Gauck das Format hätte eines Bundespräsidenten hätte, würde er diese “2. Wahl” nicht annehmen.
Ein wenig enttäuscht bin ich schon von Ihrem Beitrag, Herr Spreng, dieser Mann ist doch so leicht zu durchschauen, woran liegts bei Ihnen?

96) romeias47, Dienstag, 21. Februar 2012, 14:01 Uhr

zu (66)
>>Langsam kommt Gaucks “wilde Ehe” in die Diskussion. Die CSU grummelt schon! <<

Grüße aus dem 19. Jahrhundert? Kommt mir fast so vor.

Was mich leider (wieder einmal) fassungslos macht, ist die Tatsache, dass der Berliner Regierungs….haufen, aus 80 Mio. Menschen gerade einen einzigen als Kandidat Tauglichen zu küren imstande ist. Jeder Handwerksmeister muss für die Einstellung eines Azubis mehr Menschenkenntnis, Zeit und Aufwand betreiben.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Gauck, wehre mich aber entschieden gegen die spezifisch teutsche Mischung aus Andacht und Knie-Knick-Schwärmerei, wenn es um Kirchenobere geht – dies liefe sicher auch bei Käßmann so. Im übrigen, gibt der Vatikan selbst bei Bischofsnachfolge-Regelungen den Diözesen Gelegenheit zu drei Vorschlägen – und die katholische Kirche ist weiß Gott kein Hans Dampf in Basisdemokratie.

Entsprechend hätte Merkel die Ministerpräsidenten rechtzeitig um Sichung in ihren Ländern bitten können – schließlich war Wulffs Rücktritt kein Knallbonbon à la Köhler. Die haben Einblick in die Wissenschafts-. Kultur- und Unternehmerszene und über allfällige Auszeichnungen auch in den Bereich verdienstvoller Ehrenamtlicher. Man kennt sich meist, das gäbe knapp 50 Namen und wenn ihre Kurz-Biografien auch einen lebendigen Einblick in die Ressourcen der Bevölkerung.

Was den sogenannten "Ehrensold" für Wulff betrifft – er hat nicht einmal die Hälfte der Amtszeit absvolviert, also reicht die Hälfte, zumal er durchaus noch arbeitsfähig ist und sich aus der früheren Tätigkeit für das eigentliche Alter ja sicher ein komfortables Ruhegeld erarbeitet hat.

97) marcpool, Dienstag, 21. Februar 2012, 14:12 Uhr

Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen , sich wenigstens ein paar Tage mehr Zeit zu geben, um mal wirklich ” in sich zu gehen ” um dann gemeinsam mit einem respektablen Namen an die Öffentlichkeit zu gehen ? – Jetzt sieht es ja so aus als wenn es gar keine Alternative zu Gauck geben konnte ? – Diese angebliche Suche in 48 Stunden , und die ” Schmähung ” der Kanzlerin durch die FDP ist daher schon wieder ein Parteiengezänk und Machtspiele – als das es wirklich um eine Person gegangen wäre .
Gauck soll es nun werden – und dort wo es 48 % Zustimmung gibt – steht auch 52 % Ablehnung gegenüber . Und diese 52 % üben sich nun im bashing …
Interessant wäre es doch auch gewesen wenn die CDU einen Namen wie Voscherau aufgestellt hätte – vorausgesetzt er hätte auch zugestimmt – was die SPD dann wohl gemacht hätte ??
Es ist anzunehmen das bei der nächsten günstigen Gelegenheit , die CDU ihrem noch Partner den Dolchstoss versetzt – denn sie weiss ja auch das die FDP nicht wieder in den Bundestag kommen wird . Die werden – dürfen – beim nächsten Mal nicht mehr mitspielen. So oder so werden neue Mehrheiten gesucht.

98) Dieter Carstensen, Dienstag, 21. Februar 2012, 14:30 Uhr

Lieber Michael Spreng,

wenn man die Poltik mit Fussball vergleichen würde, dann gibt es dort klare Ansagen.

Wer in der Bundesliga mitspielen will, muss Leistung bringen, sonst wird das Publikum brutal und lässt die Akteure gnadenlos fallen. Komisch, dass unsere Politiker daraus keine Lehren ziehen.

Gegen Joachim Gauck läuft ja jetzt scgon eine massive Welle der Empörung im Internet, weil er von vielen als konservativer Bussprediger gesehen wird. Niemand sollte die Macht des Internets als direktester Form der Bürgerbeteiligung an demokratischen Prozessen unterschätzen.

Da Sie persönlich das erkannt habenm betreiben Sie Ihren aus meiner Sicht immer lesenswerten Blog und Sie haben auch die Stärke, Kommentare zu veröffentlichen, welche Sie persönlich kritisieren. Ich nenne das Demokratie, wenn man auch man sich auch mit kritischen Meinungen auseinadersetzt.

Wulff ist genau daran gescheitert, dass er mit Kritik nicht umgehen konnte und ich denke, Herr Gauck wirde ebenfalls genau an diesem Punkt scheitern. Herr Gauck ist viel konservativer als Herr Wulff, er ist, mit Verlaub “altbacken” und hat keine Ahnung vom Internetzeitalter,

Was die meisten Politiker noch nicht begriffen haben ist, dass sich die Mehrzahl der Bevölkerung über das Internet eine Art direkter Demokratie erobert hat, welche ihr die Politik verweigert, Herr Gauck ist in dieser Sicht ein Dinosaurier, ohne ihn beleidigen zu wollen, aber seine Ansichten zum Internet und den neuen sozialen Bewegungen sind dermassen überholt, dass es schon peinlich ist.

Eine klare Analyse würde belegen, dass Wulff wesentlich durch das Internet gestürzt wurde. Gauck wird es nicht anders gehen, wenn breiten Sturm der Entrüstung über seine Kandidatur im Internet anschaue.

M.f.G.

99) m.spreng, Dienstag, 21. Februar 2012, 15:25 Uhr

@ 98) Dieter Carstensen

Der angebliche Proteststurm im Internet gegen Gauck beweist nicht die Macht des Internets, sondern nur, dass auch linke Zitateverdreher und Biographiefälscher das Internet zu benutzen wissen.

100) Frankilein66, Dienstag, 21. Februar 2012, 15:32 Uhr

@ m.spreng

Während die rechten Zitateverdreher und Biographiefälscher eher in den Redaktionen diverser Presseerzeugnisse sitzen, meinen sie!

101) Dieter Carstensen, Dienstag, 21. Februar 2012, 16:09 Uhr

Lieber Michael Spreng @99

da gebe ich Ihnen durchaus recht, aber nur zum Teil. Tritbrettfahrer gibt es immer. Mir persönlich ist Herr Gauck nicht unsympathisch, ich kann ihn aber nicht richtig einschätzen. Ich kenne ihn ja nicht persönlich und habe gewisse Vorbehalte gegen ihn.

Die Hetzjagd der Linken gegen Herrn Gauck gefällt mir überhaupt nicht, um nicht missverstanden zu werden. Der Mann hat eine Chance verdient, finde ich, auch wenn ich seine Ansichten in vielen Punkten nicht teile, aber ich bin zu sehrr Demokrat, um damit nicht leben zu können.

Allerdings steht er im Internet unter schwerem Beschuss und die meisten User, die ihn angreifen, haben mit der Linken nichts am Hut. Das sollte zu denken geben, oder?

M.f.G.

102) Michael A. Nueckel, Dienstag, 21. Februar 2012, 16:14 Uhr

Gauck als Name stellt eine Mischung aus “Glück” und “GAU” dar, und warten wir doch mal optimistisch ab, wohin das Pendel schlagen wird. Oder noch ein Rücktritt (nach Demontage) gefällig, am besten gar vor der Wahl? Wenn wir derartige Vorgänge nicht mehr abschließen können, Befriedung uns schwer fällt, dann stellt sich mir unverändert die Frage, ob wir vor der Ernennung, wie z.B. in den USA, nicht eine Anhörung machen sollten? Und danach ist Schluß mit alten Kamellen.

103) Günter Springer, Dienstag, 21. Februar 2012, 16:22 Uhr

@99) m.spreng
Richtig, kann man garnicht anders sehen!!!

104) Alexander, Dienstag, 21. Februar 2012, 17:22 Uhr

@ 91) Bernhard Paul: “Viele tolle Kommentare hier” – Vielen Dank für Ihre Klarstellungen!

Ich frage mich gerade, wie die Kommentatoren FF (Nr. 59) und lavolpe Berlin (Nr. 68) zu solchen dümmlichen Plattitüden kommen. Liegt es vielleicht an der mangelnden persönlichen Reife? Oder an der mangelnden Erziehung (=Elternhaus)? Das wäre mal interessant, mehr über diese Kommentatoren zu erfahren.

Mich stören diese fast schon hasserfüllten Kommentare ohne jegliche Begründung. Alles was nicht exakt in die eigene Denk-Schublade passt, wird gnadenlos niedergemacht oder niedergebrüllt.

So kann Demokratie nicht funktionieren. Demokratie braucht eine Zivil- und Streitkultur, bei der eben auch andere Ansichten und Menschen akzeptiert werden. Und nicht sofort plattgemacht werden.

105) Stefan K., Dienstag, 21. Februar 2012, 17:44 Uhr

Soso, Herr Gabriel und Herr Rösler haben das ganze Wochenende über Kontakt gehalten und sich abgesprochen…:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/joachim-gauck-metamorphose-zu-sich-selbst-11656760.html

Ich bin gespannt auf Ihre Bewertung, Herr Spreng – oder wussten Sie schon am Sonntag Abend von diesen Absprachen?

106) PeterK, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:13 Uhr

@m.spreng (99) – ich lese gerne ihren Blog, aber für diesen Schlag unter die Gürtellinie gibt es Minuspunkte.

107) IANAL, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:16 Uhr

@99) m.spreng: Was die “Zitateverdreher” betrifft, empfehle ich Ihnen diesen Text: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz

108) wschira, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:32 Uhr

@Bernhard Paul, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:33 Uhr

Wie schon so oft ein typischer Paul. Sie sollten sich genauer informieren, bevor Sie Un- und Halbwahrheiten hinausposaunen. Herr Gauck hat gegen Herrn Diestel (den ich im Übrigen für eine üble Figur halte) geklagt bezüglich dessen Aussage einer Stasi-Nähe von Herrn Gauck. Die Klage wurde abgewiesen, warum wohl?
Interessant und hinterfragenswert ist aber schon, wieso der “Bürgerrechtler” Gauck in der DDR so viele Privilegien genoss, z.B. Lieferung eines VW-Busses und Einstufung als Westreisekader, was für normale DDR-Bürger absolut unmöglich war. Herr Gauck war mehrfach in der BRD. Auch sind Aussagen von Herrn Gauck bzgl. der Stasi und anderen “DDR-Errungenschaften” glaubhaft überliefert, die zumindest zu Zweifeln an seiner Person Anlass geben. Letztendlich gehörte er nicht zu den Bürgerrechtlern, die auf die Strasse gingen und ihre Freiheit riskierten. Er ist auch kein Mitbegründer irgendeiner Bürgerrechtsbewegung, wie oft behauptet wird. Er ist im letzten Augenblick auf den schon fahrenden Zug aufgesprungen.

109) sentarieger, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:34 Uhr

schon interessant, was Sie weglassen in meinen Kommentaren, da habe ich es ja getroffern-läuft das auch so mit Bild+ Co?

110) Homo politicus, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:57 Uhr

Zur Richtigstellung manch falscher oder zumindest schiefer Internetparolen: http://www.stern.de/digital/online/gauck-kritiker-gegen-gauck-anhaenger-twitterkrieg-um-notmypresident-1789860.html

111) Gioconda, Dienstag, 21. Februar 2012, 18:58 Uhr

Schön, Herr Spreng, dass Sie Gauck toll finden. Genau wie Thilo Sarrazin, der den Kandidaten mit Lob überschüttet.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816683,00.html

112) Dietmar M.-nds-, Dienstag, 21. Februar 2012, 19:02 Uhr

99) m.spreng,
Ich gehe davon aus, dass Sie bzw. Ihr Blog sich nicht als “linker Zitateverdreher etc.” zählt.. ich sehe es ähnlich wie
100) Frankilein66, dass in den Redaktionen der “mainstream”-Presse doch seit vielen Jahren die “Meinungsmacher” und “Halb-fälscher” sitzen (siehe Finanzkrise, Griechenland-Bashing).
Sie werden aber immer mehr durch die “Macht des Internets” an Substanz verlieren, zumindest diese Nutzer werden sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen.
Die Blogs werden weiterhin an Gewicht gewinnen, allerdings müssten sie auch finanziell mehr von den Lesern unterstützt werden. Hier hat die “mainstram-Presse” noch einen gehörigen Vorteil.
Wie wäre es, sich wieder mehr der Finanzkrise zu widmen, d. h. ein “Banken-Bashing” zu veranstalten?

113) sinistram, Dienstag, 21. Februar 2012, 19:58 Uhr

Was SPD und Grüne geritten hat, sich jetzt schon zum zweiten Mal für Joachim Gauck als BP-Präsident auszusprechen, ist mir ein Rätsel: Gauck ist ein erzkonservativer Neoliberaler, der die Meinung vertritt, die Menschen in der BRD, die keiner “Elite” angehören, müssten es gefälligst hinnehmen, dass es für sie ständig weiter bergab geht; schließlich seien die Verhältnisse in DDR ja noch weitaus schlimmer gewesen. Gleichzeitig singt Gauck bei jeder Gelegenheit das hohe Lied der Freiheit, ignoriert aber, dass diese ohne soziale Sicherheit wenig wert ist.

Wenn SPD und Grüne dieses Gedankengut, das die Gesellschaft weiter spalten wird, allerdings inzwischen mehrheitlich für gut halten, dann nehme ich das mit dem Rätsel ihres Gauck-Votums zurück. Dann haben sie sich endgültig in die Einheitsfront mit CDU/CSU und FDP eingereiht. Ohne Wahlmöglichkeiten stirbt die Demokratie. Dann trifft sich die Bundesversammlung also am 18. März zur BP-Wahl, die in Wahrheit ein Farce ist – bei nur einem Kandidaten.

Ich kann mich nur noch wundern und gruseln über das, was aus der Demokratie in Deutschland seit der Wiedervereinigung geworden ist. Eine neoliberale Einheitspartei führt ein Land zurück in den Feudalismus – und die Mainstream-Medien machen den Weg willfährig frei.

114) m.spreng, Dienstag, 21. Februar 2012, 19:58 Uhr

@ 109) sentarieger

Ich habe meinen Papierkorb kontrolliert: Ich habe von Ihnen keinen Kommentar unterdrückt. Allerdings habe ich denjenigen entfernt, indem Sie sich schon ein mal beschwert haben. Der von Ihnen angesprochene Ursprungskommentar aber existiert nicht.

115) m.spreng, Dienstag, 21. Februar 2012, 20:00 Uhr

Noch einmal zum Thema Zitateverdreher und Biographiefälscher: Ich empfehle Sascha Lobos Kolumne bei SPON und seinen Verweis auf die ausgezeichnete Arbeit von Patrick Breitenbach..

116) StefanP, Dienstag, 21. Februar 2012, 21:00 Uhr

Man kann sich nur an den Kopf fassen, wie selbstgerecht so manche agieren. Wie bereits mehrfach angesprochen verzerren viele, die sich zu den New-Agern der Internetgemeinde zählen, doch eigentlich nur sprachliche oder sogar reale Proleten sind, Reden des designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck, das im wissenschaftlichen Sinne schon die Schwelle zur Strafwürdigkeit weit überschritten wird. die Grundregeln des Zitierens, die eigentliche Aussage im Kontext richtig abzubilden, wird geradezu auf eine niederträchtigste Art verletzt.

So mutiert geschichtsvergessen der Pfarrer Gauck zu einem Anpasser im System. Die meisten, die das schlussfolgern, hatten zur Zeit der Wiedervereinigung das Krabbelalter nicht verlassen. Die evangelischen Kirchen waren Hort der Dissidentenszene. Hieraus entstanden 1989 die Montagsdemonstrationen. Die Aufsässigkeit der Kirchen war den Machthabern wohl bewusst, weshalb sie unter steter Beobachtung standen. Joachim Gauck trug immer den Freiheitsgedanken in sich. Die Kritik an seiner Rolle kommt ausgerechnet von Leuten, die den Mandantenverrat des linken Herolds Gregor Gysi systematisch tot schweigen.

Was ist denn nun “neoliberal” an Gauck?

“Es [das Land] ist auch ungerecht. So wie jede offene Gesellschaft auch ungerecht ist. Aber es herrscht keine Ungerechtigkeit in Bezug auf die Bürgerrechte, auf die Menschenrechte, auf die Gleichheit vor dem Gesetz. Das Land, aus dem ich komme, hat das Gerechtigkeitsthema verengt auf eine Verteilungsfrage. Aber niemand soll mir erzählen, dass die gediegene Armut, die der Sozialismus von Wladiwostok bis Ostberlin hervorgebracht hat, ein Sozialstaat gewesen wäre.”

“Aber sie (die Ungleichheit) ergibt sich nun einmal aus der Unterschiedlichkeit der Menschen. Oder aus der unterschiedlichen Neigung der Menschen, zu arbeiten und sich durch Arbeit zu verwirklichen. Auch deswegen wird es immer Besitzunterschiede geben. Wir müssen nur darauf achten, dass Ausbeutung nicht ideologisch gerechtfertigt wird und Bildung und Aufstiegschancen nicht vom Besitz abhängen.”

“Natürlich müssen wir heute über Gerechtigkeitslücken sprechen, etwa beim Sparkonzept der Bundesregierung. Ich bin dafür, dass wir sparen, denn ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder meine Schulden bezahlen müssen. Wir müssen auch im Sozialhaushalt sparen. Aber wenn den Empfängern von staatlicher Hilfe das Heizgeld gestrichen wird und Menschen mit hohen Einkommen nichts oder weniger abgeben müssen, dann ist das ungerecht. Es gibt doch genügend gut situierte Bürger in diesem Land, die sagen: Das ist mein Land, für das auch ich in der Krise Einschränkungen hinzunehmen bereit bin.”

Thesen, die der Großteil der Bevölkerung, die die meisten Menschen auf diesem Globus unterschreiben würden, sind neoliberal. Da ist man dankbar, dass die kritischen linken Blogger die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Folgerichtig befürworten sie dann lieber eine so fragwürdige Persönlichkeit wie Christian Wulff, den die Linkspartei ja auch de facto gewählt hat, statt einem Charismatiker mit einer ehrenwerten Vita.

Joachim Gaucks Thema ist die Freiheit, ein Begriff, der von linken ebenfalls bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wird. Symptomatisch 113) sinistram:

Gleichzeitig singt Gauck bei jeder Gelegenheit das hohe Lied der Freiheit, ignoriert aber, dass diese ohne soziale Sicherheit wenig wert ist.

Da muss man sich fragen, wie solche ideologische Verblendung passiert ist. Seit der Aufklärung leben Milliarden Menschen in demokratischer und rechtsstaatlicher Freiheit, ohne einen Sozialstaat deutscher Prägung der satten 70er und 80er Jahre zu kennen. Eine abstoßende Arroganz linker Verblendung!

Wahre Freiheit hat nichts mit monetären Gütern zu tun, nichts mit Alimentation durch andere. Das ist Abhängigkeit, die Linke in ihrem Neusprech zu Freiheit verklären.

117) Bernhard Paul, Dienstag, 21. Februar 2012, 21:34 Uhr

@108 wschira

Ich erkläre es Ihnen gerne: Gauck hatte als Repräsentant der DDR-Kirche von Staats wegen zugebilligte Reisemöglichkeiten, wie im übrigen auch andere Repräsentanten der DDR-Gesellschaft, nicht nur des Staatsapparats.

Die DDR konnte sich nicht abschotten wie z.B. Albanien, wenn sie auf internationalem Parkett mitmischen und ernstgenommen werden wollte. Deshalb musste sie gewissen Kreisen Reisemöglichkeiten zubilligen, damit diese internationalen Verpflichtungen nachkommen und unter Umständen auch im Sinne der DDR wirken konnten.

Die SED-Diktatur ging damit ja kein Risiko ein, weil sie sich für den Fall, dass jemand die Flucht beabsichtigte, an zurückgebliebenen Familienmitgliedern oder der Verwandtschaft schadlos halten konnte. Deshalb war das Fluchtrisiko immer minimal. Wer kein familiäres Faustpfand hinterlassen konnte, der durfte eben auch nicht in den Westen reisen.

Nochmals zur Sache Diestel und Vorwurf der Stasi-Spitzelei: Gauck war Opfer und Verfolgter der Stasi. Was ihm als “IM Larve” angedichtet wird, war ein “OV (Operativer Vorgang) Larve”, ein OV bedeutete Bespitzelung und Überwachung. Dass Gauck als Kirchenrepräsentant auch mit der Staatsmacht zwangsweise Kontakt halten musste und dabei nicht bei jeder Gelegenheit seine “aggressive antisozialistische Haltung” (O-Ton Stasi) hervorkehren konnte, weiß jeder, der sich ein wenig mit der Geschichte der Stasi befasst.

Die Anwürfe von Gaucks Intimfeind Diestel, der seit Jahren Stasi-Leute als Anwalt verteidigt, sind alle widerlegt und unhaltbar. Diestel war und ist ein fanatischer Gegner der Gauck-Behörde und versuchte sie auszuhebeln, indem er ihren Chef selbst als bereitwilligen Helfer der Stasi zu desvouieren versuchte. Der Schuss ging nach hinten los.

Sie sollten sich mal kundig machen, was zum Beispiel einer wie Wolf Biermann von Diestel hält.

118) Bernhard Paul, Dienstag, 21. Februar 2012, 21:43 Uhr

nochmals @108) wschira

Auch Ihre Schlussätze bedürfen der Korrektur. Gauck hat erwiesenermaßen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um in seinen Predigten und Ansprachen die SED-Staatsmacht und die Stasi, die er immer wieder mal zynisch als “herzlich willkommen in unserer Mitte” begrüßte, zu kritisieren. Er war nicht unmittelbar politisch aktiv wie andere, das ist richtig, aber er war immer einer ihrer einflussreichen Unterstützer, auch deshalb, weil er einen bekannten Namen hatte und nicht von heute auf morgen nach Bautzen gebracht werden konnte, obwohl die Stasi-Offiziere das zwischendurch sehr wohl (z.B. Mitte der Achtzigerjahre) vorhatten, den Plan aber fallenließen, um in der damals schon unruhigen Zeit “den Klassenkampf nicht weiter anzuheizen”, wie es in der Begründung hieß. Geht alles zum Beispiel aus Stasi-Unterlagen hervor.

119) Andreas Schlüter, Dienstag, 21. Februar 2012, 22:09 Uhr

Es liegt wesentlich an der aus subjektiv guten Gründen sehr behutsam und verdeckt betrieben Loslösung aus der transatlantischen Umklammerung durch wichtige Teile der Bundesregierung, dass auch sehr viele durchaus bewanderte Beobachter der Bundespolitik den Hintergrund von Merkels Ablehnung des gehypten Kandidaten gar nicht begreifen (trotz aller gesellschaftspolitischen Nähe des Kandidaten zu Schwarz-Gelb). Hinzu kommt natürlich eben die mainstreammediale Aufpumpung des Pastors.
Es ist die Prognose zu wagen, dass in der Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Merkel hat die Wahl, den “Spengsatz” vor oder nach der Bundespräsidentenwahl “hochgehen” zu lassen, ehe andere Kräfte ihn hochgehen lassen, um zum gewünschten Zeitpunkt die Bundespolitik erneut zu chaotisieren und den gesellschaftliche Diskurs von Wesentlichem abzulenken.
Wenn sie es zu einem günstigen Zeitpunkt tut, wird die Monstranz des “das haben wir doch schon immer gesagt” der neuen präsidialen “Ampel-Koalition” dieser zu Merkels Triumph um die Ohren fliegen! Und ökonomisch wäre der Zeitpunkt etwa in 1 1/2 bis 2 Wochen am Besten gewählt.
Wer mehr über die Hintergründe erfahren will, möge sich informieren:
http://wipokuli.wordpress.com/2012/02/20/werden-wir-vergauckelt/ !
Andreas Schlüter
Diplom-Soziologe
Mitglied DIE LINKE Berlin

120) Homo politicus, Dienstag, 21. Februar 2012, 22:28 Uhr

Und hier der Link zu Lobos Beitrag: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,816601,00.html

121) Astrid Radtke, Dienstag, 21. Februar 2012, 23:05 Uhr

Immerhin hat Gauck schon einen großen Bewunderer laut Spiegel: Sarrazin
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816683,00.html
und die junge Freiheit http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5c10f5c9c01.0.html

Verdrehen die jetzt auch seine Zitate?

Die Sache mit den verdrehten Zitaten verstehe ich nicht ganz. Zu Stuttgart21 habe ich ihn reden (!) hören. Es war das gleiche Gewäsch, das schon von der CDU kam. Und sein Ansichten zu Occupy war bereits ein Thema in der SZ, da war Wulff noch unangefochten in Amt und Würden. Las sich damals aber schon im Gesamttext(!) sehr merkwürdig.

Jedenfalls war ich da froh, dass mein Wunschkandidat nicht gewählt war.

122) Andronico, Mittwoch, 22. Februar 2012, 00:06 Uhr

Die Sache ist doch recht einfach. Wenn das alles nur Zitatverdreher sind und alle Herrn Gauck nur bewusst missverstehen wollen, dann muss er das ja nur einmal klarstellen. Er kann sich ja von Sarrizin und seinen absurden Thesen deutlich distanzieren, mal sagen, das ein Niedriglöhner, der für Vollzeitarbeit so wenig verdient, dass der Staat aufstocken muss, oder der Familienvater der mit 50 seinen Job verliert, 150 Bewerbungen schreibt aber keine Arbeit mehr findet sich keineswegs in der sozialen Hängematte ausruht. Er kann die Selbstverständlichkeit aussprechen, dass der Islam zu Deutschland gehört, er kann sagen dass er die Oder-Neisse Grenze selbstverständlich als endgültig anerkennt und dass ein Gleichsetzung von DDR und drttem Reich absurd ist (vielleicht erkennt er ja den Unterschied zwischen einer sicher nicht schön zu redenden Diktatur und industriellem Massenmord. Und die DDR hat auch nicht einen ganzen Kontinent mit einem Vernichtungskrieg überzogen). Er kann sagen, dass er auf der Präsident der hier lebenden Ausländer oder der Deutschen mit Migrationshintergund sein will. Er kann sich um Dialog mit dem Islam bemühen ohne aus Position des “Lehrers”, der alles besser weiß aufzutreten.

Er kann ausdrücklich auch den sozial abgehängten seinen Respekt für ihre Lebensleistung aussprechen, und von Pauschalurteilen und “alle über einen Kamm scheren” Abstand nehmen. Und sicher wird er auch die Kritik an den Banken und den Finanzspekulationen nicht mehr albern finden und auch die respektieren, die das aktuelle System reformieren wollen, ohne gleich zu denken, die einzige Alternative zum akuellen Raubtietkapitalismus wäre ein zurück zum DDR-Sozialismus, was einfach nur Unsinn ist. Er wird auch die Verursacher der aktuellen Krise deutlich beim Namen nennen und sich bemühren, die Schere zwischen arm und reich nicht noch weiter auseinandergehen zu lassen. Er wird sich deutlich zur Bewahrung der Schöpfung bekennen und die demokratischen Werte zu wahren wissen. Er wird sich dagegen verwehren, dass wir eine “marktkonforme Demokratie” bekommen, in der im Zweifelsfalls mal eben eine nicht legitimierte Technokraten-Regierung eingesetzt wird.

Vielleicht sind ja wirklich nur böse Zitat-Verdreher am Werk. Und dann wird Herr Gauck die kommenden Tage das sicher alles klarstellen. Dann werde auch ich ihm aus tiefstem Herzen Abbitte leisten.

123) Dieter Carstensen, Mittwoch, 22. Februar 2012, 00:44 Uhr

Lieber Michael Spreng,

Sie sind ja nun wirklich ein aufmerksamer Beobachter und ich sehe Sie immer gerne in den Fernsehtalkshows, weil Sie aus meiner Sicht nicht voreingemommen, sondern an der Sache orientiert argumentieren.

Wir sollten aber nicht vergessen, wie Wulff wirklich gestürztt wurde. Letztendlich war es auch die Macht des Internets, welche die Stimmung in der Bevölkerung gegen ihn kippen liess.

Ich selber habe ja einen eigenen twitter und Facebokk Account, eine eigene Homepage und mehrere Blogs. Ich weiss, wie das Internet funktionierz, wenn mir in der Politik etwas missfällt, schreibe ich einen Artikel dazu, bitte bei twitter etc. um Weiterverbreitung und binnen weniger Stunden haben zigtausende Menschen meine Meinung gelesen.

Meine Meinung ist sicherlich nicht von so grossem medialen Gewicht, wie die Ihre, aber ich meine zu wissen, wie das Internet funktioniert, was mich von den meisten Politikern grundsätzlich unterscheidet.

Herr Gauck hat keine Chance, er wird nicht einmal solange im Amt bleiben wie Wulff, darauf gehe ich jede Wette ein. Egal ob z.B. bei der Rheinischen Post Online, bei Der Westen Online (WAZ Gruppe), überall schlägt diesem Mann im Internet nur Misstrauen entgegen.

Und die Menschen, die sich über Gauck empören, kommen aus allen politischen Lagren. Kämen sie jetzt nur aus der linken Ecke, würde ich den Protest nicht sonderlich ernst nehmen, aber der Protest kommt aus allen Gesellschaftsschichten.

Gauck wird sich, so meine Einschätzung, nicht halten können, er spaltet diese Gesellschaft, er ist kein “Versöhner”, kein “Vermittler”, was unsere grossen Bundespräsidenten wie Richard von Weizäcker und Gustav Heinemann waren, sondern ist ein Spalter der Nation.

Gauck polarisiert, verbindet aber nicht. Er reisst tiefe Gräben auf in der Bevölkerung. Seine Nominierung war ein einziger Skandal. Ich bin wahrlich kein Freund der Partei Die Linke, aber die Interessen dieser Partei völlig zu negieren, die ja auch fast 5 Millionen Wähler hat, war ein weiterer Kardinalfehler unserer Kanzlerin.

Gauck ist nicht der Wunschkandidat des Volkes, er ist der Wunschkandidat einiger Parteien, welche zur Zeit die Mehrheit im Bundestag haben. Wenn ein Bundespräsident auch von der 2% Partei FDP bevorzugt wird, die uns Wähler noch schlimmer belogen und betrogen hat, als seinerzeit die SPD Regierung, dann schrillen bei vielen sämtliche Alarmglocken.

Gauck weiss scheinbar noch nicht, was auf ihn zukommt.

Zwei Ossis an unserer Staatsspitze, Merkel und Gauck, das ist einfach zuviel, so der eindeutige Tenor im Internet.

M.f.G.

124) Frankilein66, Mittwoch, 22. Februar 2012, 06:51 Uhr

@ m.spreng

Natürlich sind die Angriffe aus dem Internet gegen Herrn Gauck ungerecht und dumm, zugegeben!

Mich erinnert aber seine Aussage vom “reisenden Politiklehrer” fatal an das Motto von Herrn Ratzinger bei dessen Wahl zum Papst 2005, er sei nur ein “Arbeiter im Weinberg des Herrn”.

Hinter diesen harmlosen Selbstbeschreibungen steckt immer ein knallhartes Sendungsbewusstsein, typisch für Menschen mit klerikalem Hintergrund!

Gauck wird dem Präsidentenamt ein Bedeutung geben wollen, die ihm nicht zukommt. Es wird sehr bald zu Konflikten mit der Politik über die Deutungshoheit in Deutschland kommen.

Die Bundeskanzlerin hat das vorausgesehen, ihre Aufgabe ist es, die Autorität und die Richtlinienkompetenz ihres Amtes zu schützen.

Daher ihre Vorbehalte gegen Gauck, zu Recht, wie ich finde!

125) lavolpe Berlin, Mittwoch, 22. Februar 2012, 07:15 Uhr

Hier der Artikel der Welt vom 23.April 1991

http://iknews.de/wp-content/uploads/2012/02/Die-Welt_Nr.94_23.04.1991_Seite-8.jpg

mfg
Carsten Reineke

126) lavolpe Berlin, Mittwoch, 22. Februar 2012, 07:18 Uhr

Für mich klingt es so, als würde jemand sich alle Mühe machen wollen, Ausreisewillige zurück zu halten, also ganz im Sinne der SED. Im Vorfeld weist Gauck darauf hin, dass diese Menschen keine Bindung mehr an die DDR hätten und nur aus egoistischen oder Existenzgründen in der DDR bleiben würden, obwohl diese politisch oder weltanschaulich mit der DDR gebrochen hätten.

127) federkiel, Mittwoch, 22. Februar 2012, 09:24 Uhr

Was hier linksextreme Vollpfosten von sich geben steht normalerweise in der Titanic oder Eulenspiegel. Bei den ehemaligen Mitgliedern der roten Gestapo und ihren IM´s ist es ja noch verständlich. Der Hass auf ein ungebrochenes Opfer war in allen deutschen Diktaturen bei den verbeamteten Folterknechten , die sich ins neue System geschlichen hatten, eine Diestel im Auge. Opa glaubte dem Stürmer, Vati dem ND und unsere 140er- Piepmätze zwitschern alles an Verleumdung was in 140 Zeichen passt. Kein gutes Zeichen für die Demokratie.

128) Mark, Mittwoch, 22. Februar 2012, 09:29 Uhr

@ 125) lavolpe Berlin, Mittwoch, 22. Februar 2012, 07:15 Uhr

> Hier der Artikel der Welt vom 23.April 1991

Wow. Vielen Dank dafür.

Das Internet ist doch ein tolles Ding. Es vergisst wirklich nicht. Es war klar, dass irgendjemand irgendwo auf der Welt diesen Artikel aufbewahrt hat, aus welchen Gründen auch immer. Und nun kommt er raus. (Ob die WELT noch diese Ausgabe im Archiv hat? Ich bin mir da nicht so sicher.)

Wow, einfach nur Wow.

129) Alexander, Mittwoch, 22. Februar 2012, 10:04 Uhr

@ Frankilein (Nr. 124)

Dissens! Ich stimme Ihnen nicht zu. Ich finde es gut, dass Herr Gauck parteipolitisch und machttaktisch unberechenbar ist für Frau Merkel.

Wir haben einen Mangel an unabhängigen Persönlichkeiten in der Politik, die auch mal gegen den langweiligen Mainstream bürsten. Lieber einen Bundespräsidenten, der auch mal politisch daneben liegt als diese widerlichen Langeweiler, die parteipolitisch aalglatt und karriereorientiert sich anpassen.

Ich gehe davon aus, dass wir uns in einigen Talkshow- und Sprengsatz-Runden über Statements von Herrn Gauck auseinandersetzen (und sicherlich auch ärgern) werden.

Wir haben inzwischen viel zu viele politische Baustellen, Reformdefizite und gesellschaftliche Probleme, die unbedingt in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssen. Und da tut Herr Gauck als zukünftiger Bundespräsident uns gut.

Sollte Herr Gauck in punkto Deutungshoheit über die Stränge schlagen, dann werden die Medien, die Politik und das Internet ihn umgehend ein klares Feedback geben.

130) Maren P., Mittwoch, 22. Februar 2012, 10:18 Uhr

@ 116) StefanP
Ich will ja wirklich nicht piefig sein, Herr P., aber wenn Sie über die Regeln des Zitierens schwallen, sollten Sie sie selbst beherzigen. Jede Mende Zitate (angeblich von Joachim Gauck) – nicht eine Quellenangabe!
Was heißt denn das, wenn Sie schreiben: “Joachim Gauck trug immer den Freiheitsgedanken in sich.”? Das ist wohlfeil und sei ihm gegönnt. Sein Freiheitsbegriff ist nicht meiner, weil er sich viel zu kurz allein auf den Gegensatz zu einem totalitären System bezieht. Vor Gaucks Erfahrungshorizont ist das auch völlig in Ordnung.
Mein Freiheitsbegriff hat sich aus über 60 Jahren Leben in der Demokratie entwickelt. Aus 40 Jahren politischem Engagement. Bezogen darauf, hat Gauck mal gerade seine Lehrzeit hinter sich. Und da finde ich das Amt des Bundespräsidenten als “Gesellenstück” doch etwas groß geraten.
Deshalb erwarte ich weniger einen “Lehrer”, Theologen machen es ja leider nicht unter einem “Oberlehrer”, als vielmehr einen Bundespräsidenten, der das Grundgesetz nicht nur kennt, sondern so verinnerlicht hat, dass er die auseinander driftenden Teile der Gesellschaft im Dialog wieder enger zusammenbringt. Und im Ausland (Polen!) keinen Anlass zum Fremdschämen bietet!
Das ist doch für fünf Jahre Arbeit genug.
Die Behauptung, Gaucks sämtliche höchst hinterfragenswerten Ansichten seien aus dem Zusammenhang gerissen und mutwillig diffamierend zitiert, akzeptiere ich nur, wenn Aussagen anderer Politiker/innen (zukünftig) ähnlich schonend und verständnisvoll relativiert werden.

131) Seen, Mittwoch, 22. Februar 2012, 10:30 Uhr

Ich halte dieses Geschichte, dass die FDP Gauck ins Amt gehievt habe für überbewertet.
Merkel hat den Kurs selber vorgegeben als sie ankündigte einen Allparteien- Kandidaten suchen zu wollen. SPD und Grüne waren ohnehin schon für Gauck. Als die FDP sich nun auch für ihn aussprach, konnte Merkel gar nicht anders als dem nachzugeben, denn sie musste sich ja an ihre eigene Vorgabe halten. Die FDP hatte also leichtes Spiel. Es war, in diesem fall, kein bedeutender Kraftakt sich gegen die Kanzlerin durchzusetzen und ich glaube nicht, dass Rösler und die FDP das in Zukunft bei gewichtigeren Themen wiederholen können.

132) EStz, Mittwoch, 22. Februar 2012, 10:36 Uhr

123) Dieter Carstensen, Mittwoch, 22. Februar 2012, 00:44 Uhr

>> Herr Gauck hat keine Chance, er wird nicht einmal solange
>> im Amt bleiben wie Wulff, darauf gehe ich jede Wette ein.
>> Egal ob z.B. bei der Rheinischen Post Online, bei Der Westen
>> Online (WAZ Gruppe), überall schlägt diesem Mann im Internet
>> nur Misstrauen entgegen.

Als Typ ist mir Herr Gauck sympathiser als Wulff. Aber was für einen Strick hätte man dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten daraus gedreht, hätte er sich allein und ohne Kontrolle stundenlang mit den eigenen, möglicherweise belastenden Akten beschäftigt, wie man es Herrn Gauck vorgeworfen hat?

Ich beneide Menschen wie Sie, die sich Ihr klares, eindeutiges Schwarzweiß-Bild zurechtmalen können, wie es gerade passt. Ihr Leben ist sicherlich weniger kompliziert als meines.

Ich war bei Herrn Wulff anfangs skeptisch, nicht mehr). Meine (zugegebenermaßen hohe) Erwartungshaltung konnte der Mensch Wulff nicht ganz erfüllen, der Politiker Wulff zu meiner großen Überraschung schon.

Ich habe auch bei Herrn Gauck eine von der Mainstream-Meinung abweichende Vorstellung. Aus meiner Sicht wäre ein Herr Töpfer die deutlich bessere Wahl gewesen, da er international bekannt und besonders in der dritten Welt hoch geachtet ist.

Aber das soll Ihre heile Welt nicht weiter beeinträchtigen.

133) Günter Springer, Mittwoch, 22. Februar 2012, 11:27 Uhr

@ 123) Dieter Carstensen
Habe ich da richtig gelesen bei Ihnen? Herr Gauck ist noch garnicht im Amt und hat daher noch nicht eine Silbe als BP von sich gegeben und Sie wissen heute schon, was er alles sagen und tun wird?
Sind Sie etwa der Redeschreiber von Herrn Gauck?
Also bei allem Wohlwollen blanker Unsinn, was Sie da prophezeihen und wer hier Gräben aufreißt in der Bevölkerung sind sicher die Leute, die im Voraus über alle Bescheid wissen, nur nicht über sich selbst.

134) Peter Koch, Mittwoch, 22. Februar 2012, 14:11 Uhr

In meinen Augen ist Gauck keine moralische Autorität. Wer seine Familie verlässt, immer noch verheiratet ist, seit zwölf Jahren mit einer Anderen zusammenlebt und damit als Pfarrer das sechste Gebot ignoriert, kann nicht die moralische Instanz sein, die man von einem Bundespräsidenten erwartet. Der Mann lebt ja nicht einmal in einer “Wilden Ehe”, dann müsste er geschieden sein, sondern lebt quasi als Bigamist. Der Mann ist eine Lachnummer, das beweisen auch viele seiner Zitate in den letzten Jahren.

135) StefanP, Mittwoch, 22. Februar 2012, 14:52 Uhr

130) Maren P.

Mein Freiheitsbegriff hat sich aus über 60 Jahren Leben in der Demokratie entwickelt. Aus 40 Jahren politischem Engagement. Bezogen darauf, hat Gauck mal gerade seine Lehrzeit hinter sich. Und da finde ich das Amt des Bundespräsidenten als “Gesellenstück” doch etwas groß geraten.

Sie sagen also, wer lediglich 20 Jahre Demokratieerfahrung besitzt, ist ungeeignet, als demokratischer Geselle hohe politische Ämter auszuüben. Das ist ein starkes Stück. (Falls Sie sich an dem aus dem Zusammenhang gerissenen und sinnverfälschenden Zitat stören, so lesen Sie bitte Ihren Kommentar weiter).

Die Behauptung, Gaucks sämtliche höchst hinterfragenswerten Ansichten seien aus dem Zusammenhang gerissen und mutwillig diffamierend zitiert, akzeptiere ich nur, wenn Aussagen anderer Politiker/innen (zukünftig) ähnlich schonend und verständnisvoll relativiert werden..

Meine Art, die meisten meiner Aussagen mit Links zu hinterlegen, empfanden in früheren Zeiten viele Blogleser als störend. Falls Sie an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen zweifeln, eine Quelle kann ich Ihnen anbieten.

136) StefanP, Mittwoch, 22. Februar 2012, 14:56 Uhr

@ 123) Dieter Carstensen

Herr Gauck hat keine Chance, er wird nicht einmal solange im Amt bleiben wie Wulff, darauf gehe ich jede Wette ein.

Ich halte mit 1.000€ dagegen. Top, die Wette gilt. Ich hoffe, Sie machen keinen Rückzieher von Ihrer eigenen Aussage. Und Herr Spreng kann als Notar fungieren.

137) wschira, Mittwoch, 22. Februar 2012, 15:18 Uhr

Also, Herr Paul, wollen wir nochmals auf Ihre “Korrekturen” 117), 118) zurückkommen. Ich habe erstens nicht Herrn Diestel hochgejubelt, sondern ihn als einen üblen Typen bezeichnet. Dass aber die Klage von Herrn Gauck gegen die Behauptungen von Diestel abgeschmettert wurde, ist auch eine Tatsache, die ich völlig wertfrei zur Diskussion gestellt habe.. Darauf sind Sie aber gar nicht eingegangen.
Zweitens ist Ihre Behauptung, dass auch andere Kirchenvertreter und Vertreter des gesellschaftlichen Lebens Reiseerlaubnis bekommen haben, eine blosse Behauptung von Ihnen, die durch nichts gestützt wird. Gar noch jemand, der aktiv gegen die “kommunistische Tyrannei” vorging, ist absoluter Unfug. Und die Aussage, dass seine Familie Repressalien ausgesetzt worden wäre, wenn er nicht zurückgekommen wäre, ist nicht stichhaltig, da seine beiden Söhne schon ganz normal in die Bundesrepublik übergesiedelt waren, (gegen seinen Willen übrigens, wie diese in Interviews nach der Wende bekanntgaben), was auch kaum einem DDR-Bürger gelang, jedenfalls nicht ohne grossen Verdruss mit dem Staatsapparat. Im Übrigen hatte die DDR doch ein bewährtes Mittel, um gegen unbotmässige Bürger vorzugehen, siehe z.B. Wolf Biermann: Die Ausbürgerung nach Westreisen. Meinen Sie nicht, dass man so einen “Kämpfer gegen die kommunistische Tyrannei” , so er denn einer gewesen wäre, hochkantig nach einer Westreise “gefeuert” hätte?
Drittens kann sich niemand aus der damaligen Bürgerrechtsbewegung, die ihre Knochen hingehalten haben (buchstäblich) und die ich gesprochen habe, an Protestaktivitäten durch Herrn Gauck erinnern. Ich kann mich aber sehr wohl an ein Interview von Herrn Gauck erinnern, in dem er sinngemäss sagte, er hätte sich möglicherweise an den Protesten beteiligen sollen, aber keinen Sinn darin gesehen. Also nichts mit heroischem Kampf. Das waren Andere.
Viertens geht aus Stasi-Unterlagen so manches hervor, sagt man. Aber so weit ich informiert bin, können nur Betroffene Einblick in Stasi-Unterlagen nehmen, und auch nur in solche, die sie selbst betreffen. Nun, haben Sie diese Unterlagen gesehen? Sind Sie Betroffener? Ich denke, dass beides mit nein beantwortet werden muss. Warum reden Sie dann so unausgegorenes Zeug?
Fünftens, ich habe noch nichts davon gehört, dass Herr Gauck nach Bautzen gebracht werden sollte, nicht einmal von ihm selbst. Warum behaupten Sie Dinge, die nicht bestätigt werden können, jedenfalls nicht ohne Einsicht in die damaligen operativen Akten der Stasi. Ich habe allerdings davon gehört, dass er als Stasi-Mitarbeiter angeworben werden sollte. Da auch dies nur vom Hörensagen bekannt ist, sollte man es auch nicht weiter verwenden. Auch das könnte möglicherweise mittels der Stasi-Akten geklärt werden (wenn Herr Gauck seine nicht persönlich gesäubert hätte, was nun kein Gerücht ist).

138) OttoChilli, Mittwoch, 22. Februar 2012, 15:29 Uhr

Zur Person Gauck ist, glaube ich, alles gesagt. Aufgrund des ausgeprägten Sendungsbewußtseins dieses Mannes (manche nennen ihn einen Spalter) wird er als BP vermutlich für sich sprechen. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, daß er seine Rhetorik demnächst anpassen respektive herunterfahren wird. Aufgrund des großen Medieninteresses wird es dann auch kaum mehr Probleme mit unvollständigen Zitaten und dergleichen geben.

Nur eine Frage möchte ich dann doch aufwerfen: Wenn ich der aktuellen Berichterstattung glauben schenke, war Gauck als “Bürgerrechtler” innerhalb einer “repressiven Diktatur” mit Privilegien ausgestattet, von denen z.B. ich als Otto-Normal-DDR-Bürger nur träumen konnte. Wie um Himmels willen geht das zusammen? Entweder die DDR war gar nicht so repressiv oder Gauck war gar kein Dissident (bzw. erst ab Oktober ‘89) oder er war doch einer, sah allerdings etwas zu häufig einen Führungsoffizier. Irgendwie geht da etwas nicht zusammen, oder habe ich was übersehen? Es widerspricht jedenfalls diametral meiner eigenen DDR-Erfahrung.

139) marcpool, Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:58 Uhr

126) lavolpe Berlin
danke für den Link!

>> Für mich klingt es so, als würde jemand sich alle Mühe machen wollen, Ausreisewillige zurück zu halten, also ganz im Sinne der SED <<

Ja Sie haben sicher Recht es klingt so. Aber Gauck ist ein Heimatbesessener im positiven Sinne, auch heute noch – das finde ich nicht verwerflich. Seine Sorge galt dem " Ausbluten des Staates – seiner Kinder " auch seiner eigenen. Er konnte es ja auch nicht schaffen ganz persönlich, seine Familie zu halten – obwohl dies sein grösster Wunsch war. Verständlich aus der Sicht eines Vaters .
Ansonsten ist dies ein Bericht geschrieben aus der Sicht eines SED Beamten – bringt trotzdem seine
(Gaucks) kritische Haltung zum Ausdruck . Er liebt(e) sein Land nicht die Organe !

140) Dieter Carstensen, Mittwoch, 22. Februar 2012, 17:46 Uhr

@132 Lieber ESTz: Ich hätte Klaus Töpfer auch für die bessere Wahl gehalten.

@133 Lieber Günther Springer,

Sie müssen meine Meinung ja nicht teilen und ich nehme Ihnen Ihre deftige Kritik an mir nicht übel, Demokratie lebt vom Gedankenaustausch. Scheinbar sind Sie aber nicht in Social Networks wie Facebook oder twitter unterwegs, dort ist ein Sturm der Entrüstung gegen Joachim Gauck ausgebrochen.

Quer durch alle Parteien. Der Mann hat keine Chance, er ist fertig bevor er überhaupt sein Amt angetreten hat.

Ich persnlich hätte übrigens Jürgen Todenhöfer, der lange für die CDU im Bundestag war, ein überzeugter Verfechter der Menschenrechte ist, er war unter anderem unter Einsatz seines eigenen Lebens während des Bürgerkriegs in Libyen, sein Autochauffeur wurde umgebracht, Todenhöfer hat nur knapp überlebt, als Bundespräsidenten vorgeschlagen.

Kann man alles im Internet nachlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Todenh%C3%B6fer

Ein untadeligr Mann, aus meiner Sicht, der Mut und Charisma besitzt. Und der auch einen Gegenpol zu Merkel setzen könnte, obwohl auch er in der CDU ist.

Gauck hingegen ist nur ein pastoraler Bussprediger, er war die schlechteste Wahl, aber er wird der Kanzlerin wie Köhler und Wulff nicht gefährlich. Im Gegensatz zu Gauck würde ein Jürgen Todenhöfer auch zur zur Armiut in diesem Land und zur Bankenkrise nicht schweigen, da bin ich mir sicher.

Ich finde, Sie machen es sich etwas zu einfach, mit Verlaub,

m.f.G.

141) Doktor Hong, Mittwoch, 22. Februar 2012, 19:22 Uhr

Auch dejenigen, die wie ich im Westen Deutschlands groß geworden sind, sollten realisieren, dass auch dieses Land mitsamt seines sozialen Konsenses untergegangen ist.

Das kann man bedauern oder nicht, aber man muss sich damit abfinden.

Mir gefallen auch nicht alle Entwicklungen seit 1990. Aber man muss auch wissen, dass eine Politik, die auf pure Restauration gewandt ist, scheitern muss. Mit rückwärtsgewandter Poliitk kann man schlecht den Herausforderungen der Gegenwart begegnen.

Wir haben Probleme genug in diesem Land. Unser Wohlstand wird herausgefordert, und er verteilt sich immer ungleicher in diesem Land. Der Euro droht uns um die Ohren zu fliegen. Es gibt soziale Probleme, die sich in Rechtsradikalismus und Fremdenhass äußern. Viele Menschen ohne Ausbildung haben keine Chance, aber auch für diese muss es Möglichkeiten geben, sinnvoll tätig zu sein. Dasselbe gilt für Menschen über 50.

Aber, regen wir uns über irgendwelche, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von Gauck auf. Wir haben ja nichts besseres zu tun.

Warum kommen wir nicht mal herunter und sagen: “Immerhin, es ist ein Herr mit weißen Haaren im gesetzten Alter.” Das wird erstmal reichen, lassen wir es dabei.

142) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 22. Februar 2012, 19:40 Uhr

22) Thomas Hillebrand,

Welch ein Parforceritt, ein Einblick in eine Vita, und nebenbei ein Psychogramm eines Menschen, der wahrscheinlich der nächste Bundespräsident werden wird!

Danke, Herr Hillebrand!

143) Klaas Stührenberg, Mittwoch, 22. Februar 2012, 21:18 Uhr

Man wird noch sehen, ob der neue das ganze Land besser repräsentieren kann als der letzte. Sicher bietet er für Hoffnungen eine größere Projektionsfläche als Herr Wulff und die FDP zusammengenommen. Es erscheint auch eher als ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet die FDP einem Pastor aus dem Osten den Weg ins Amt geebnet hat. Für mich ist das nur dadurch zu erklären, dass die anderen Kandidaten noch weniger FDP-Kandidaten gewesen wären. Diese FDP kämpft nur noch um ihr Überleben. Kaum vorstellbar, dass das scheinbar beherzte Votum eines Philipp Rösler die FDP nochmal in der Wählergunst steigen lassen könnte. Ich kenne nur Leute, die die FDP mit ihrer vorzeitlichen Wachstumsrhetorik für vollkommen obsolet halten. Wenn man diese Partei noch mit Liberalismus in Verbundung bringt, dann überwiegend mit einem entfesselten, geradezu entmenschten Liberalismus von Großkonzernen, deren Führungsebenen unter Liberalismus zu verstehen scheinen, dass niemand sie in ihrem Streben nach Marktberherrschung behindert. Daran ändert auch die innerparteilich wohl eher isolierte Leutheuser-Schnarrenberger wenig, die sich gerade mutig dem ACTA-Abkommen in den Weg geschoben hat.

144) Maren P., Mittwoch, 22. Februar 2012, 22:24 Uhr

@ Nr.135 StefanP.
Sie picken sich raus, was Sie gerade gebrauchen können. Wer meine Aussage komplett lesen will, kann das unter Nr. 130.
Mein der von Ihnen inkriminierten Passage über Gaucks “Gesellenstück” folgender Satz beginnt mit “Deshalb erwarte ich weniger einen “Lehrer” und bezieht sich auf das Vorherige. … D.h. nach meiner Lesart, nicht alle mit relativ kurzer Demokratieerfahrung sind ungeeignet, aber auch nicht alle wollen gleich “PolitikLEHRER” sein.

Ob andere eine Quellenangabe als störend empfinden, sollte Sie nicht hindern, solange damit sichergestellt wird, dass eigene von fremden Gedanken klar zu unterscheiden sind.

145) mac4ever, Mittwoch, 22. Februar 2012, 23:53 Uhr

@Thomas Hillebrandt

Sicher, Gauck ist belehrend. Da, statistisch gesehen, die meisten Menschen eher lausige Schüler mit entsprechend gespanntem Verhältnis zum Lehrer als Person und als Beruf waren, ist die Unbeliebtheit solch Verhaltens nicht überraschend.

Gleichzeitig steht jedoch außer Frage, daß die Mehrheit Belehrung dringend nötig hätte, obwohl gerade die Dummen seltsamerweise diese am vehementesten ablehnen.

Ich freue mich auf zu erwartendende Belehrungen durch unseren neuen Bundespräsidenten.

146) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 23. Februar 2012, 00:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ist Ihr Post 99) wirklich Ihr Niveau?

Zitat: “Der angebliche Proteststurm im Internet gegen Gauck beweist nicht die Macht des Internets, sondern nur, dass auch linke Zitateverdreher und Biographiefälscher das Internet zu benutzen wissen.” Zitat Ende

Vielen Dank für diese unerträgliche, auch beleidigende, weil gnadenlos verallgemeinernde, einseitige und verkürzende Spitze. Ein Politikblog ist kein Kirchenchor, aber müssen Sie in Ihrem meist so lesenswerten Blog wirklich den journalistischen Stil einer Ihrer früheren Wirkungsstätten so platt wieder aufleben lassen? Sie haben doch ein ganz anderes Format!

147) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 23. Februar 2012, 00:13 Uhr

Zu Sascha Lobo u. Co.

Wer sich einigermaßen an die Wahrheit – jenseits der auf beiden Seiten verkürzenden und plakativen Totschlagsbotschaften – hinsichtlich der Kritik an Gauck heranpirschen will, dem sei dieser im Gegensatz dazu sehr ausführliche und detaillierte Artikel wärmstens empfohlen:

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz

148) Rudi Albrecht, Donnerstag, 23. Februar 2012, 09:03 Uhr

Das Ganze ist doch ein abgekartetes Spiel

- Merkel musste wissen, dass sich die Medien brutal auf den nächsten von ihr “gemachten” BP einschiessen würden. Und wenn man genau genug schaut findet man doch bei jedem was- diese Leute wären nicht dort wo sie sind wenn sie alle Unschuldslämmer waren. Deswegen haben ja auch alle abgesagt, die auch nur periphär als Kandidaten erwähnt wurden.

- Blieb also nur Gauck, da der ja anscheinend von allen gewollt wurde. Natürlich konnte sie das nicht selbst vorschlagen, das hätte nur Adenauer gekonnt (“was geht mich mein Unsinn von gestern an…”). Also durfte das Herr Röhsler machen, sie sozusagen zwingen, Herrn Gauck zu akzeptieren. Nebeneffekt: der waidwunde Koalitionspartner bekommt mal wieder etwas Aufwind.

- Ausserdem: was soll ihr eigentlich an Gauck so unangenehm sein? Ausser dass er eben nicht ihre Erfindung ist…

- Wahrscheinlich bereits jetzt verfolgt sie mit diebischer Freude die Angriffe auf Gauck: Stasi-Verbindungen, wilde Ehe (eines Pfarrers!), Sarrazin Kommentare, usw. Sie muss nur fürchten, dass der Gauck das Handtuch wirft, bevor er überhaupt BP wird.

- Und wenn dann Gauck BP ist und nach zwei Jahren weist jemand nach, dass er IM war, oder KGB oder CIA (was ich alles nicht hoffe), dann kann sie sich zurücklehnen und sagen: alles in allem wäre der kleine Schnäppchenjäger doch besser gewesen.

- Merkel ist eine würdige Schülerin von Helmut Kohl, das zeigt sich immer wieder.

149) Petra, Donnerstag, 23. Februar 2012, 09:16 Uhr

54) Bernhard Paul
http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-gespraech-von-die-leute-muessen-aus-der-haengematte-aufstehen-1.1288292

Vielen Dank für diesen Link, ein längeres, aufschlussreiches Gespräch mit Herrn Gauck.

Dieser Bundespräsident denkt eigenständig, er äußert seine Ansichten völlig unabhängig davon wie sie bei anderen ankommen. Er ist klug, seine Äußerungen sind berauschend interessant, man möchte am liebsten gleich los diskutieren.

Er wird uns Impulse geben, uns vor den Kopf stoßen oder aus der Seele sprechen, jedenfalls uns zu Diskussionen herausfordern. Und zu dem Mut unsere Meinung auch mutig zu sagen, egal ob ihr dann applaudiert wird oder nicht.

Und zu gegenseitiger Toleranz und Respekt vor dem Andersdenkenden.
(statt sich z.B. hier im sprensatz gegenseitig anzugiften)

Ich finde es wunderbar, dass wir jetzt einen solchen Bundespräsidenten bekommen!

Er wird uns gut tun.

150) EStz, Donnerstag, 23. Februar 2012, 09:35 Uhr

139) marcpool, Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:58 Uhr

>> Ja Sie haben sicher Recht es klingt so. Aber Gauck ist ein
>> Heimatbesessener im positiven Sinne, auch heute noch – das
>> finde ich nicht verwerflich. Seine Sorge galt dem ” Ausbluten
>> des Staates – seiner Kinder ” auch seiner eigenen. Er konnte es
>> ja auch nicht schaffen ganz persönlich, seine Familie zu halten –
>> obwohl dies sein grösster Wunsch war. Verständlich aus der Sicht
>> eines Vaters.

Aber mir fällt zwar nicht bei allen, aber vielen auf, dass Fakten, Annahmen und Zitate mit eigener Bewertung und Interpretation hinterlegt und erst in diesem Paket zum Argument erklärt werden.

Mir als Vater, besonders als freiheitsliebender und nach Freiheit strebender Vater, wäre es sicher nicht ein Anliegen gewesen, meine Kinder in Unfreiheit aufwachsen zu sehen. Ich hätte vielleicht sogar gehofft, dass sie in einem freien System die dortigen deutlich besseren Chancen nutzen können, zumal dieses Land genauso Heimat gewesen wäre wie das eigene.

Aber da kann man als Vater durchaus anderer Meinung sein, denn mehr als eine Meinung ist das nicht, jedenfalls kein Argument pro oder contra.

Auch, ob es “normal” war oder nicht, dass ein DDR-Pfarrer so reisen durfte, wie er es tat, ob es “normal” war, dass ein DDR-Pfarrer sich einen VW-Bus besorgen konnte, ob Joachim Gaucks Aussagen laut MfS-Bericht (Dank an Beitrag 125 von lavolpe) systemfördernd oder systemkritisch zu betrachten sind, ob es akzeptabel ist, dass jemand wie Joachim Gauck allein an seine Stasi-Akten darf, da kann ich mir höchstens eine “Meinung” bilden. “Beurteilen” kann ich das als Wessi überhaupt nicht.

Was für mich aber feststeht, ist, dass ein Einschätzung von Peter Diestel nicht deswegen automatisch falsch sein muss, weil ein Wolf Biermann den Herrn Diestel Scheiße findet.
Und ob Herr Gauck ein “guter” oder ein “schlechter” Bundespräsident wird, entscheiden auch nicht die Leute, die ihn ausgekungelt haben, oder wir “Zuschauer” im Vorfeld, sondern nur Herr Gauck selbst.

151) EStz, Donnerstag, 23. Februar 2012, 09:55 Uhr

@ 148) Rudi Albrecht, Donnerstag, 23. Februar 2012, 09:03 Uhr
>> Merkel ist eine würdige Schülerin von Helmut Kohl, das zeigt sich immer wieder.
Diese Einschätzung teile ich, wie auch das Urteil von Peter Christian Novak, dass Frau Merkel extrem gut taktieren kann (wenn vielleicht auch nicht so viel mehr).

Geht’s gut, hat sie alles richtig gemacht und ihren Willen als gute Demokratin hinter den Mehrheitswillen gestellt. Das kann sie jetzt mit Fug und Recht von anderen verlangen. Noch besser: Herr Gauck wird SPD und Grünen so manches Mal die Zornesröte ins Gesicht treiben, ohne dass die sich richtig wehren können. (Geschieht ihnen recht, möchte man meinen).

Geht es schief, hat sie alles richtig gemacht. Wieder die anderen, die blöd da stehen. Nur sie hat es vorher gewußt. Dazu hat der kleine Koalitionspartner seinen letzten Joker verzockt, man ist sich nichts mehr schuldig.

Außerdem: Brücken gebaut, theoretisch koalitionsfähig zu allen. Und Deutschland: Schlimmstenfalls wird alles wieder gut.

Chapeau, Frau Kanzlerin – Sie kriegen zwar nicht meine Stimme, aber ich ziehe tief den Hut.

152) StefanP, Donnerstag, 23. Februar 2012, 11:55 Uhr

@144) Maren P.

Das beweist nur, dass Sie einen anderen Humor als ich haben. Ich habe Ihnen demonstriert, wie das Netz mit der zentralen Rede und anderen Interviews von Joachim Gauck umgegangen ist. Das haben Sie noch in Nr. 130 verteidigt und sind plötzlich not amused wenn man das Gleiche bei Ihnen macht. Tsts – schon in der Lutherbibel steht: “Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“

153) Bernhard Paul, Donnerstag, 23. Februar 2012, 13:19 Uhr

@146) Thomas Hillebrand
Ihre Meinung in Ehren, aber der Post Nr. 99 (M. Spreng) hat sogar ein sehr erträgliches Nivau. Wenn Sie nur die guten Seiten des Netzes sehen und die unerträglichen ausblenden, dann darf man Ihnen von Herzen zu Ihrer fröhlichen Einstellung gratulieren.

@147) dito Hillebrand
Der von Ihnen verlinkte Beitrag ist durchschaubar instrumentalisierend. Die Schlussfolgerungen, die gezogen werden, lassen sich aus Gaucks Zitaten definitiv nicht herauslesen. Nochmals #99 (Spreng) und der Hinweise auf Zitateverdreher oder -nichtversteher oder -manipulierer.

154) FF, Donnerstag, 23. Februar 2012, 15:17 Uhr

@146, Thomas Hillebrand:

So ab und an regen sich bei Herrn Spreng eben doch – unbeschadet aller Reflexion – wieder die ganz alten Reflexe.

Oder aber wir haben es mit einem Alias-M.Spreng zu tun – was ich persönlich in diesem krassen Fall fast für wahrscheinlicher halte. ;-)

155) Günter Springer, Donnerstag, 23. Februar 2012, 18:08 Uhr

q) 140 Dieter Carstensen
Freue mich über den >Gedankenaustausch im Sinne der Demokratie<. Ich habe nur entschiedenes dagegen, daß man einem Mann, der in seinem zukünftigen Aufgabenfeld noch garnicht angekommen ist, jede Kompetenz abspricht, im Gegenteil, in versucht mit fadenscheinigen Argumenten niederzumachen.
Insofern mögen Sie meine Kritik ruhig deftig finden.
Auch ich habe hier schon zum Ausdruck gebracht, das ich durchaus erwarte, daß Herr Gauck in seiner künftigen Eigenschaft als BP eventuell Dinge Anspricht, die mir nicht gefallen. dann höre ich sie mir erst einmal an und urteile dann.
Auch in der Demokratie sind Totschlagargumente= Totschlagargumente und durch sie wird die Demokratie nicht demokratischer.
Wenn ich an unsere gegenwärtige Demokratie denke, dann wird mir schon ein wenig bange.
Halten wir es doch mit einem Zitat eines Schriftstellers der zu den Lesern seines Buches meint:
Warten wir es ab liebe Leser!!!

156) EStz, Donnerstag, 23. Februar 2012, 18:29 Uhr

:-)

>> Der angebliche Proteststurm im Internet gegen Gauck beweist nicht
>> die Macht des Internets, sondern nur, dass auch linke Zitateverdreher
>> und Biographiefälscher das Internet zu benutzen wissen.

… und nicht nur rechte Biographiefälscher, Hetzer, Spinner oder Nazis…

(könnte man auch so verstehen, wenn man denn nur will)

Die Aussage dieses Spreng-Satzes entfaltet seine Spreng-Kraft erst durch die eigene Wertung.

157) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 23. Februar 2012, 18:31 Uhr

@153

Lieber Herr Paul,

warum wundert es mich so gar nicht, dass Sie aus Ihrem erkennbaren Weltbild heraus die Dinge so sehen, wie Sie sie sehen? Es ist doch immer das uralte Spiel, gedankt unseren Wahrnehmungsbegrenzungen und den daraus geborenen Interessen. Diese habe ich, diese haben Sie. Sie werden doch sicher nicht behaupten wollen, dass irgendeine Seite wirklich nur Objektives zu berichten hätte!?! Gell, “instrumentalisierende” journalistische Beiträge gibt es aus Ihrer politischen Verortung natürlich nicht? Oh weh, oh weh …

Spreng also spielt dieses Spiel in seinem Blog mitunter virtuos und vor allem eigensinnig, weshalb ich ihn sehr schätze und gerne lese. Und wenn man in einer Bemerkung “alte Reflexe” vermutet, wie @FF in seinem Kommentar 154) so treffend schreibt, dann sollte ein freundlicher Hinweis darauf erlaubt sein.

158) mary, Donnerstag, 23. Februar 2012, 19:05 Uhr

fragen an gauck aus
http://17juni1953.wordpress.com/tag/stasi/

1. Ist die Meldung der Hamburger Zeitung DIE WELT vom 23.April 1991 richtig, wonach das ZDF verbreitete, „Gauck habe die vom MfS über ihn angelegten Akten mehrfach und über längere Zeit ohne Beisein anderer Personen eingesehen“? Wenn ja, welche Gründe führen Sie dafür an, im Gegensatz zu betroffenen Opfern der SED-Diktatur Ihre Akten ohne Aufsicht und allein eingesehen zu haben?

2. Am 19. September 1995 publizierte die Berliner Zeitung DER TAGESSPIEGEL einen Artikel von Regina Mönch, in dem u.a. ausgeführt wird: „Ein Exhauptmann von der Stasi brüstet sich im folgenden mit banalen Kenntnissen über den damaligen Pfarrer, und er bedauert, daß sie Leuten wie Gauck nicht auf die Sprünge gekommen sind.“ Ist es richtig, dass Sie Kontakte zu zumindest einem Hauptmann Terpe der Stasi hatten und sich mit diesem 1988 zu einem Gespräch oder Gesprächen in Ihrer Wohnung getroffen haben? Ist es richtig, dass Sie in diesem (behaupteten) Gespräch u.a. über den vorausgegangenen Kirchentag berichtet haben?

3. Ist es richtig, dass der Leiter des ZDF-Studios „Studio 1“, Bodo Hauser, 1991 Ihre Integrität als „Herr der Stasi-Akten“ bezweifelt hat und Sie, Herr Gauck, als Organisator des DDR-Kirchentages 1988 für den ›störungsfreien Ablauf‹ von der Staatssicherheit höchstselbst belobigt worden sind (DER SPIEGEL 17/1991)? Auch Hauser berichtete darüber, Sie hätten Ihre persönlichen Unterlagen im Rostocker Stasi-Bezirksarchiv stundenlang allein eingesehen; ist das richtig?

4. Ist es richtig, dass Peter Michael Diestel, damals Innenminister der Regierung de Maizière, den Vorgang der alleinigen Akteneinsicht als ›eindeutig illegal‹ und ›rechtswidrig‹ bezeichnet hat?

5. Ist die Behauptung richtig, dass Sie für Ihre angebliche Kooperation mit der Stasi mit einem VW- Bus entlohnt wurden, der für DDR-Normalbürger unerreichbar war?

6. Steht die Ausreise Ihrer Kinder aus der DDR in einem Zusammenhang mit Ihrer behaupteten Kooperationsbereitschaft zu Staatorganen der DDR? Wie erklären Sie sich die außergewöhnlich erscheinende Besuchsmöglichkeit Ihrer Kinder bei Ihnen in der DDR nach deren erfolgter Ausreise? Welche Erklärung haben Sie für die Ihnen eingeräumte Reisemöglichkeiten in das kapitalistische Ausland (BRD)?

7. Sie haben auf einer Veranstaltung der BStU anlässlich der Wiedereröffnung des Hauses 1 (ehem. Mielke-Haus)in der Ruschestraße zur Begründung der Integration von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in die Behörde durch Sie u.a. geäußert, Sie „könnten auf die Befindlichkeiten von Stasi-Opfern keine Rücksicht nehmen“? Wie begründen Sie diese unter Pfiffen und Buhrufen anwesender Opfer gemachte Äußerung nach einem gewissen zeitlichen Abstand?

159) marcpool, Donnerstag, 23. Februar 2012, 21:01 Uhr

@ 150) EStz

“Was für mich aber feststeht, ist, dass ein Einschätzung von Peter Diestel nicht deswegen automatisch falsch sein muss, weil ein Wolf Biermann den Herrn Diestel Scheiße findet.”

Sie beziehen sich damit auf die alte Auseinandersetzung Diestel vs. Biermann ?

Spiegel berichtete 2001
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18257174.html

Wer den “Welt” Artikel von 1991 gelesen hat, sollte auch wissen, das die Auseinandersetzung
von Diestel dann im Jahr 2000 angezettelt wurde in einem “Gastbeitrag ” des ” Freitag ”
- äusserst abstrus !
In der selben Zeitung wurde dann Diestel ebenso vorgeführt ! Hier die Links dazu . Interessant.
Bei Verinnerlichung kann man sich einem Wolf Biermann nur anschliessen.

http://www.freitag.de/politik/0018-wiedersehen-herr-gauck
http://www.freitag.de/politik/0019-verrutschtes-plaedoyer

Ansonsten stimme ich ihrer Aussage :
“Beurteilen” kann ich das als Wessi überhaupt nicht. ” gerne zu .
Ich kann das auch nicht !

Ich grüsse Sie
marcpool

160) Art Vanderley, Donnerstag, 23. Februar 2012, 21:05 Uhr

” Wir bekommen wieder einen Bundespräsidenten, der moralische Autorität ausstrahlt, der Respekt und Zuneigung verdient. Sein Wort ist etwas wert, es ist viel wert, weil es im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit Integrität hinterlegt ist. ”

Das Verhöhnen engagierter Demonstranten und das Bashen sozial Schwächerer ist nicht das Zeichen moralischer Stärke , sondern exorbitanter innerer Schwäche.
An jedem schlechten Stammtisch gibts so Einen , sein ganzes Leben lang damit beschäftigt , sein unterbelichtetes Ego aufzupolieren , indem er auf Leute losgeht , bei denen er sicher sein kann , daß er sich keine blutige Nase holen wird.

So jemanden als “moralische Autorität” zu bezeichnen , fällt nicht mehr in den Bereich dessen , worüber man sich aufregen kann , es ist schlicht nicht mehr ernst zu nehmen.

161) manni.baum, Freitag, 24. Februar 2012, 10:06 Uhr

Sehr geehrter Sprengmeister,
etwas zu Thema “Würde” – Aussage eines Kollegen etwa 1975 : wenn Arbeiter denken würden müssten wir arbeiten.Das trifft auf Wähler identisch zu.

162) Bernhard Paul, Freitag, 24. Februar 2012, 11:58 Uhr

Sehr geehrter Herr @157 Hillebrand,

Ihre Antwort verwundert mich, weil wir, was Sie zu Wahrnehmungsbegrenzung, Obkjektivität etc. schreiben, gleicher Meinung sind.

Was Spreng ausdrücken wollte und was auch mich massiv bis mittlerweile zur Empörung stört an der Causa Gauck, ist die Zitateverdrehung, Zitateverkürzung und Falschinterpretation. Das ist eine besonders perfide Form der Rufschädigung und im politischen Ränkespiel, wie sich auch jetzt wieder zeigt, eine besonders bewährte Methode, einen unliebsamen Menschen anderer Weltanschauung zu beschädigen. Im Internet geht dies aufgrund der weitgehenden Anonymität besonders leicht und gut.

Kein einziges der umlaufenden Zitate – man kann sie alle im Original nachlesen – hat Joachim Gauck in dieser einfachen Kürze oder im falsch interpretierten Sinnzusammenhang von sich gegeben. In den Social Networks und im Internet passiert genau dieses. Dann urteilen Sie: Ist das fair und angemessen?

Was sagen Sie, wenn Sie sich differenziert öffentlich äußern und dann bleibt genau ein (problematischer) Halbsatz seiner Brisanz wegen in der Öffentlichkeit hängen und Ihnen wird ein Etikett aufgeklebt, “Vorsicht, scharfer Hund” oder welches auch immer, das Ihrer Persönlichkeit weder gerecht wird noch mit ihr das geringste zu tun hat.

Ich bitte um nichts anderes als um Fairness für den Kandidaten Gauck, für den Blogbetreiber Spreng und überhaupt für alle im öffentlichen Umgang miteinander.

163) EStz, Freitag, 24. Februar 2012, 12:12 Uhr

@ 160) Art Vanderley, Donnerstag, 23. Februar 2012, 21:05 Uhr

>> Das Verhöhnen engagierter Demonstranten und das Bashen sozial
>> Schwächerer ist nicht das Zeichen moralischer Stärke , sondern
>> exorbitanter innerer Schwäche.

>> So jemanden als “moralische Autorität” zu bezeichnen , fällt nicht
>> mehr in den Bereich dessen , worüber man sich aufregen kann,
>> es ist schlicht nicht mehr ernst zu nehmen.

Die Qualifikation eines zukünftigen Bundespräsidenten liegt sicherlich nicht darin, es in seinem bisherigen Leben allen recht gemacht zu haben.

Mein Vater, das als Beispiel, hatte im und nach dem Krieg eine sehr harte, sehr entbehrungsreiche Zeit zu überstehen. Heute kann er an keinem Kühlschrank vorbei gehen, ohne zu schauen, ob er noch voll ist. So ist mein Vater ziemlich kugelrund und irgendwie immer am Essen – nur verständlich, wenn man die Umstände seiner Jugend berücksichtigt.

Was immer man für oder gegen Joachim Gauck sagen kann: Der Mann hat einen Lebensweg, der ihn geprägt hat. Wer in der DDR gelebt hat, hatte andere Sorgen und Nöte als beispielsweise ich (wir?) im Westen. Er wird unter dem System gelitten haben (unabhängig davon, ob er sich zu arrangieren wußte oder nicht). Der laxe Umgang mit den Möglichkeiten der Demokratie (Wahlbeteiligung) mag ihm von daher ein Greuel sein.

Auch orientieren sich seine Maßstäbe von arm und reich sicherlich nicht am westdeutschen Schlaraffenland (relativ gemeint), wo die Forderungen und Zuteilungen über die eigentlich wichtigen Punkte Nahrung, Kleidung, Wohnung, Gesundheit oft hinaus gehen.

Bitte nicht falsch verstehen: Was mir an Ihrem Beitrag (und an vielen anderen Beiträgen) stark mißfällt, ist nicht die Meinung, die Sie äußern, sondern die Art, wie Sie das tun. Wenn Sie schreiben, dass Joachim Gauck FÜR SIE keine moralische Instanz ist, ist das selbstverständlich Ihr gutes Recht. Aber so sehen Sie das nicht. Sie fällen gleich wieder ein absolutes Urteil, als wäre das, was “nur” Ihre Meinung ist, ein für alle gültiges Faktum, und als hätten ANdersdenkende nicht nur eine andere Meinung, sondern Unrecht.

Das ist so ziemlich die gleiche Kerbe, die Sie Herrn Gauck vorwerfen, meinen Sie nicht?

164) Bastian Himberger, Freitag, 24. Februar 2012, 16:02 Uhr

Die Kampagne gegen Gauck verpufft, ehe sie recht begonnen hat. Denn sie ist kleinlich, fast schon lächerlich. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Medien will, dass Gauck Bundespräsident wird. Seine Reden von gestern sind ein Indiz für sein Denken, aber entscheidend ist, was er als Bundespräsident sagen und tun wird. Das Genörgel aus vorwiegend linken Randgebieten ist niederträchtig bis dumm.

165) Peter Christian Nowak, Freitag, 24. Februar 2012, 16:49 Uhr

40) Horst,

Gauck mag zwar evangelische Theologie studiert haben. Aber, ob sich seine neoliberale Ideologie mit der des Evangeliums vereinbaren lässt, darüber kann man geteilter Meinung sein.

Für mich lebt Gauck das Evangelium nicht. Bisher jedenfalls nicht. Seine Äußerungen deuten darauf hin. Auch dann, wenn man diese Äußerungen im Textzusammenhang liest. Gerade dann! Der Vorwurf, die meinungsbildende Textauswahl sei fragmentiert, sozusagen aus dem Zusammenhang gerissen, trifft nicht zu.
Er legt das Evangelium aus, wie Neoliberlae es auslegen. Gauck ist demnach ein fragwürdiger Theologe. Ich zähle ihn zu den Pharisäern und Schriftgelehrten, die vor über 2000 Jahren Jesus von Nazareth ans Kreuz schlugen.

166) Mark, Freitag, 24. Februar 2012, 17:35 Uhr

Also, ich bin ein vergleichsweise unvoreingenommener Zeitgenosse. Ich habe mir das “Terpe-Dossier” in der WELT vom 23.04.1991 durchgelesen. Da gibt es einige Passagen, die -wenn sie denn die Realität einigermaßen korrekt wiedergeben- doch ganz erhebliche Zweifel aufkommen lassen.

Auch der (wahre) Bürgerrechtler Hans-Jochen Tschiche übt scharfe Kritik im Berliner Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/buergerrechtler-hans-jochen-tschiche-gauck-ist-die-falsche-person/6242562.html

Gauck IST die falsche Person für den Posten.

167) Frankilein66, Freitag, 24. Februar 2012, 17:49 Uhr

@ 165) Peter Christian Nowak

Ich bin ja auch ein Freund der Übertreibung als rhetorisches Mittel aber finden sie nicht, dass ihr letzter Satz ein wenig zu dick aufgetragen ist?

168) StefanP, Freitag, 24. Februar 2012, 18:57 Uhr

Wer mal wieder herrlich ablachen will über die “einzige Oppositionspartei im Deutschen Bundestag”, der hat beim Kommentar von Markus Deggerich Gelegenheit dazu (Auszüge):

Einen “Skandal” nannte es Gregor Gysi, dass die Linke bei der Kandidatensuche für das Schloss Bellevue von allen Fraktionen missachtet wurde. Dummerweise liefern die Linken aber nachträglich selbst das beste Argument, warum mit ihnen kein Staat zu machen ist: Wie will sie eigentlich mit anderen verhandeln, wenn sie schon parteiintern nichts hinkriegt, außer alle möglichen Kandidaten zu beschädigen?

Die immer wiederkehrende Not, man erinnert sich noch belustigt an den Kabarettisten Peter Sodann, unfallfrei einen halbwegs passablen eigenen Kandidaten aufzustellen, verweist auf ein sehr viel ernsteres, tieferes Problem: Die Linke ist unattraktiv für kluge Köpfe. Sie hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie hat keinen Zugang zu neuen Eliten und damit keinen Zugang zu frischen Ideen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte Unrecht, als er kürzlich sagte, die Linke sei nicht regierungsfähig. Es ist viel schlimmer: Sie ist nicht politikfähig.

LOL – so ist es! Warum wollte die Linke eigentlich erst einen Kabarettisten für das höchste Amt im Staate nominieren? Sie sind doch selber das beste Kabarett!

169) Politikverdruss, Freitag, 24. Februar 2012, 19:52 Uhr

Gaucks „Fan-Gruppe“ am linken Flügel formiert sich. Hier Auszüge des „Qualitätsjournalismus“ der taz:
„Ganz besonders eifrig empörte sich Trittin gegenüber Ines Pohl über einen Kommentar, der am Mittwoch in der “taz” erschienen war. Deniz Yücel hatte darin dem designierten Bundespräsidenten eine “Verharmlosung des Holocausts” vorgeworfen – und darin auch auf die Kritik reagiert, die Sascha Lobo in seiner SPIEGEL-ONLINE-Kolumne geübt hatte.“
“Das ist Schweinejournalismus, das kenne ich nur von der ‘Bild’-Zeitung”, echauffierte sich der Grüne über den “taz”-Text und verwies darauf, dass Gauck doch Vorsitzender des Vereins “Gegen Vergessen – für Demokratie” sei. Leider war die “taz”-Chefredakteurin schlecht vorbereitet auf die Attacke und wand sich halbgar heraus: Sie würde das so nie schreiben, aber es sei ja nun mal ein Kommentar gewesen.“ http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,817275,00.html

170) Art Vanderley, Freitag, 24. Februar 2012, 21:02 Uhr

@ 163 EStz

Zunächst : Daß es sich um meine Meinung handelt , was sonst?

Was die Maßstäbe angeht , ja , ich bin der Meinung , daß es eine Charkterfrage ist , ob ich mich nach oben hin andiene und nach unten trete , und ich denke schon , daß es sich da um allgemein gültige Werte handelt.
Ich denke auch nicht , daß es sich um Stärke handelt , wenn ( gerade ein BP) nur im Sinne einer gewissen Klientel spricht, was von vielen Deutschen allerdings mit Stärke verwechselt wird .

Eine andere Meinung steht Ihnen selbstredend zu , das ist ohnehin eine Banlität , Sie müssen es aber schon aushalten , daß ich diese Sichtweise (auch scharf) kritisiere und das dann mit allgemeinen Wertvorstellungen begründe , die ich als wichtig betrachte.

Ihrer differenzierten Sichtweise zu den Auswirkungen des Lebenswegs stimme ich z.T. zu , bei jedem wirkt die Biographie stark prägend.
Ob Einen das als BP qualifiziert , steht auf einem anderen Blatt, ich denke eher , daß Gauck einer dieser Typen ist , die auf einen Zug aufspringen , der schon recht langsam auf den Bahnhof zurollt und sich dann als die großen Lenker aufspielen oder kürzer gesagt , ich halte ihn für einen Blender.

“Das ist so ziemlich die gleiche Kerbe, die Sie Herrn Gauck vorwerfen, meinen Sie nicht?”

Diese Kritik ist , zugegeben , nicht ganz unberechtigt.
Ich hatte mich stark gewundert über die allzu positiven Aussagen Herrn Sprengs , da er vor kurzem eine sehr gute Analyse über Politiker gebracht hat , die sich gerne bei den “oberen Zehntausend” anbiedern und dann selber einen Kandidaten hochlobt, der meines Erachtens ein Paradebeispiel dieser Spezies darstellt.
Dabei habe ich in der Formulierung übertrieben , besser wäre vielleicht die Bezeichnung “halte ich für überzogen ” gewesen.

@164 Bastian Himberger

Pöbeln gegen Leute , die sich kritisch äußern , aber das Recht auf freie Meinungsäußerung nutzen – das paßt nicht zusammen.
Sie sollten sich mal überlegen , ob es sich bei “kleinlich , niederträchtig und dumm” nicht um einen klassischen Fall von Projektion handelt.
Wer im Glashaus sitzt…

171) Maren P., Samstag, 25. Februar 2012, 10:32 Uhr

Ich habe mich gerade zu erinnern versucht, wann ich überhaupt den jeweiligen Bundespräsidenten wahrgenommen habe. Also ohne Skandale, ohne Chichi, einfach positiv herausragend in der Amtsausübung. Mir fielen nur v. Weizsäckers Rede zum 8. Mai und Raus Schelte der Politik über einen Gesetzesentwurf ein. Sämtliche Reisen, so lobenswert sie auch gewesen sein mögen, Reden zu Jahrestagen usw. habe ich zwar registriert, aber als business as usual.
Könnte es nicht sein, dass der Job momentan total überbewertet wird? Um die Position der Bundeskanzlerin zu schwächen?
Mal ganz ehrlich, wer hat vor Bundespräsident Horst Köhler genau registriert, was er wo gesagt hat? Ja, wo er überhaupt genau gewesen ist?
Die interparteiliche Einigung auf Joachim Gauck ist doch jetzt eher ein Grund, sich die Bundesversammlung nicht mehr live anzutun, weil das Ergebnis schon bekannt ist. Insofern könnte das auch der Beginn größerer Distanz zur Politik und den sie tragenden Parteien sein, als gerade diesmal beabsichtigt.

172) EStz, Samstag, 25. Februar 2012, 11:56 Uhr

168) StefanP

Was soll denn so etwas? Das bringt doch niemanden voran und Sie eher nach hinten.

173) EStz, Samstag, 25. Februar 2012, 12:24 Uhr

170) Art Vanderley, Freitag, 24. Februar 2012, 21:02 Uhr

>> Zunächst : Daß es sich um meine Meinung handelt , was sonst?

Das höre ich von jedem, der zuerst vorgibt, statt seiner Meinung eine Wahrheit zu verkünden, und dabei “ertappt” wird.

Wenn jemand der Meinung ist, dass die bisherige Vita, bisherige Reden und Äußerungen Joachim Gaucks ihn nicht als idealen BP-Kandidaten erscheinen lassen, finde ich das in Ordnung (im Übrigen eine Meinung, die ich teile).

Wenn jemand als Tatsache behauptet, Joachim Gauck “bashe” sozial Schwächere, oder verhöhne Demonstranten, ist das schlichtweg falsch. In diesem Fall nehmen Sie eine Situation, bewerten sie aus Ihrer ganz persönlichen Sicht, und erheben diese ganz persönliche Sichtweise in den Rang einer Tatsache. Das machen viele Journalisten, was ich nicht leiden kann (es sei denn, sie schreiben “Kommentar” drüber, dann ist es OK). Das machen Politiker, da kann ich es auch nicht leiden.

Ich denke mir gerne meinen Teil, und diskutiere gerne mit anderen, die sich ebenfalls ihren Teil denken. Das darf durchaus auch in deutlichen Worten geschehen. Aber ich sehe einen deutlichen Unterschied zwischen “Ich sehe dies positiv und verurteile jenes” und “Ich habe recht, und das ist falsch”. Wer mir seine persönliche Vorverurteilung als Tatsache verkaufen will, muss damit rechnen, dass ich mich gegen derartige Vereinnahmungen wehre. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich da gelegentlich etwas knuffig werde. Es lag in Ihrem Ton begründet, nicht in Ihrer Meinung (die ich tendenziell teile) oder in Ihrer Person.

Ihr Beitrag 170) ist daerfreulicherweise deutlich differenzierter, auf dieser Ebene diskutiere ich viel lieber mit Ihnen und stimme Ihnen in der Sachfrage ja durchaus zu. Aber wie schon bei der Diskussion um Christian Wulff, den ich Unbelehrbarer lieber behalten hätte, würde ich auch hier erst einmal abwarten. So, wie sich die Parteichefs ins Zeug geschmissen haben, lässt es sich eh nicht mehr ändern. Vielleicht macht Herr Gauck sich im Amt – er wäre nicht der Erste.

174) Ralf S., Samstag, 25. Februar 2012, 12:44 Uhr

Es bedurfte seitens der FDP keines grossen Mutes – wer so mit dem Rücken an der Wand steht, der kann nicht mehr viele Fehler machen. Zudem brauchte der schleswig-holsteinische Spitzenkandidat, der
ohnehin keinen Respekt vor der Rösler-Chaostruppe hat und allenfalls Brüderle gegenüber noch etwas Zurückhaltung wahrt, endlich irgendeinen Grund warum man die FDP überhaupt noch zur Kenntnis, geschweige denn wählen kann. Die Gauck-Entscheidung ist gut für einen halben bis ganzen Prozentpunkt bei Umfragen, allerdings höchstens für 6 Wochen….

175) Peter Christian Nowak, Samstag, 25. Februar 2012, 18:39 Uhr

167) Frankilein66,

^^Ich bin ja auch ein Freund der Übertreibung als rhetorisches Mittel aber finden sie nicht, dass ihr letzter Satz ein wenig zu dick aufgetragen ist?^^

Gebe ich zu. Man könnte dieser Meinung sein, was den Schlußsatz betrifft. Vielleicht ist man manchmal eher dazu geneigt, mit dem Handwerkszeug lauter zu klappern, weil man durch Überspitzung eine Brücke zum besseren Verständnis bauen möchte.
Dennoch bleibe ich bei meiner These, daß sich die Ansichten Gaucks mit den Ansichten Jesu Christi nicht vereinbaren lassen. Insofern war sein Theologiestudium und das, was er von sich gibt – im Zusammenhang zu gewissen Themen – für die Katz´.
@Alle
Und noch etwas für alle, die nun anfangen werden, Das “Gauck-Bashing” zu kritiisieren “Bashin´” -was für ein hassliches Wort! Ja, das ist kritikwürdig! Weil es ein Totschlagswort ist. Man bedient sich Anglizismen, um eine moderne umgangssprachliche Form für alles zu finden, auch für die “Ausrutscher”, im schlimmsten Fall Diffamierungen.
Der Gerechtigkeit halber soll man aber auch sagen: Es geht vielen Menschen bei der Gauck-Diskussion in erster Linie nicht um Diffamierungen, sondern um die Frage, ob Herr Gauck der Bundespräsident sein und die Erwartungen erfüllen wird, die die mehrheitliche Öffentlichkeit erwartet.
Gauck wird sich auch in Zukunft an seinen Reden messen lassen müssen. Es werden dann in der Öffentlichkeit weitere Diskurse folgen. Und dann wird sich irgendwann herausstellen, ob alles nur hässliches Bashing war, oder vieles der Wahrheit entspricht. Daher warte ich ab. Ich warte ab, ob alles nur Übertreibungen, Überspitzungen waren, die hier und anderswo geäußert wurden. Grundsätzlich aber habe ich Verständnis für diejenigen, die sensibel geworden sind für Blendwerk, sei es aus den Medien oder der politischen Klasse. Das gilt für einen Bundespräsidenten allemal!

176) Art Vanderley, Samstag, 25. Februar 2012, 20:53 Uhr

@ E Stz

“Vielleicht macht Herr Gauck sich im Amt – er wäre nicht der Erste.”

Ich muß wohl nicht dazusagen , daß ich das eher nicht vermute , gegen eine positive Überraschung hätte ich aber nichts einzuwenden.

177) M. Boettcher, Sonntag, 26. Februar 2012, 17:29 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

lernen Sie bitte erst einmal den Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität, bevor Sie sich in einem Medium, das Sie offenbar nicht richtig verstehen, erregen. Die wenigsten Teilnehmer im Internet sind anonym. Wer das glaubt und etwa zu Straftaten aufruft oder selbst welche begeht, kann durchaus erleben, wie schnell es vorbei ist mit der angeblichen Anonymität. Außerhalb des Internets gehören Pseudonymität und vermeintliche Anonymität zu den normalen Bestandteilen des öffentlichen Lebens. Künstler z. B. verwenden oft Pseudonyme. Kurt Tucholsky schrieb u. a. auch unter Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Sie werden wohl auch kaum annehmen, dass z. B. “Rex Gildo” etwa wirklich so hiess, weil man den Mann ja schließlich real sehen und ggf. anfassen konnte. Falls doch, so hilft Ihnen das geschmähte Internet sicher weiter. Auch die von Ihnen m. E. ziemlich überbewerten Medien kennen und nutzen Pseudonyme. So findet sich gelegentlich unter Leserbriefen in Zeitungen und Zeitschriften den Redaktionshinweis: “Der Name ist der Redaktion bekannt”. Dass die lesende Öffentlichkeit dennoch nicht erfährt, wer hinter der geäußerten Meinung steht, hindert die Macher der Blätter offenbar nicht daran, diese zu publizieren. Selbst die Verwendung real aussehender Namen in Artikeln und Leserbriefen bedeutet nicht, dass der Verfasser tatsächlich Träger des verwendeten Namens ist. Oder glauben Sie, dass die früher in der HörZu schreibende Person der Rubrik “Fragen Sie Frau Irene” wirklich Irene mit Vornamen hiess? Kleiner Tipp: dahinter steckte ein Mann. Von R. Augstein ist mir bekannt, dass er sich für seine Leserbriefe an das eigene Blatt gelegentlich Namen realer Personen auslieh. Ich habe mich immer gefragt, warum er die nicht einfach erfunden hat. Das muss eine besondere Marotte gewesen sein. Ob also jemand seine Meinung unter Donald Duck, abcfunk, DerMitDemWolfTanzt, Martin Müller, Sandra Petersen oder Michael Spreng veröffentlich, ist völlig egal. Es ist stets der Inhalt, der zählt.

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