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Sonntag, 04. März 2012, 12:11 Uhr

Streicht den Zapfenstreich!

Eine der anachronistischsten Veranstaltungen in Deutschland ist der Große Zapfenstreich. Das große militärische Tschingderassabum mit Fackeln, Gebet und  “Präsentiert das Gewehr!” wird von Mal zu Mal absurder – und verlogener.

Den Höhepunkt der Absurdität erreicht die Veranstaltungsreihe am kommenden Donnerstag, wenn der unehrenhaft zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff damit geehrt und verabschiedet  wird. Nach dem Ehrensold die militärische Ehrung – und das Volk erstickt an seiner ohnmächtigen Wut.

Die zuletzt Geehrten waren: Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der zurücktreten musste, weil er dem Parlament wichtige Einzelheiten eines – für die Zivilbevölkerung tödlichen – deutschen Angriffs in Kundus vorenthalten und demonstriert hatte, dass er sein Ministerium nicht im Griff hatte. Dann wurde Horst Köhler geehrt, der fahnenflüchtige, aber ehrenwerte Bundespräsident. 

Danach waren Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan an der Reihe, die entlassen worden waren, weil sich der damalige Verteidigungsminster zu Guttenberg von ihnen angeblich hintergangen und getäuscht fühlte. Zu Guttenberg war dann selbst der nächste Geehrte, ein Mann, der wegen seiner zusammengeklauten Doktorarbeit zurücktreten musste. Und jetzt Christian Wulff.

Eindrucksvoller als diese Reihe der Geehrten lässt sich der Niedergang dieses militärischen Ehrenzeremoniells nicht demonstrieren. Im Fall Wulff muss es den empörten Bürgern wie eine zusätzliche Provokation, wie ein Verhöhnung vorkommen.

Und warum Soldaten, die wahrscheinlich auch zu 84 Prozent den Ehrensold für Christian Wulff ablehnen, für ihn auch noch die Gewehre präsentieren müssen, ist nicht zu vermitteln. Nur deshalb, weil es Tradition ist, weil es einem “aus politischen Gründen” zurückgetretenen Präsidenten zusteht, weil die Farce bis zum bitteren Ende durchgehalten werden muss?

Was wäre denn, wenn die 84 Prozent beim Präsentieren das Gewehr unten lassen würden? Disziplinarverfahren, unehrenhafter Ausschluss aus der Bundeswehr?

Es wird Zeit, dieses noch aus preußischer Zeit stammende Zeremoniell abzuschaffen. Es ist auch ohne die absurden Ehrungen der letzten Zeit ein überholtes Ritual, dessen militärisches Gepräge nicht mehr zur heutigen Zivilgesellschaft passt. Die Bundeswehr schrumpft von Jahr zu Jahr, die Wehrpflicht ist abgeschafft. Das Militärische hat in der deutschen Gesellschaft schon lange nicht mehr den Rang, den es einmal hatte.  

Nichts gegen die Bundeswehr und gegen die tapferen Soldaten in Afghanistan. Sie verdienen jede Anerkennung. Erst recht haben die Gefallenen jede Ehrung des Staates verdient. Warum aber Politiker – und dann auch noch solche?

Christian Wulff könnte seinem Land einen letzten Dienst erweisen, indem er den Großen Zapfenstreich absagt. Dafür gibt es ein unbescholtenes Vorbild: Gustav Heinemann. Er verzichtete auf den Großen Zapfenstreich und machte stattdessen eine Dampferfahrt auf dem Rhein.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

159 Kommentare

1) Wasserturm, Sonntag, 04. März 2012, 12:30 Uhr

Schöne Vorstellung mit der Dampferfahrt, aber jetzt warten sie doch mal die Ergebnisse der Ermittlungen der Staatsanwalt ab, bevor sie sich weiter an Wulff festbeissen.
Gibt es auch Parlamentarier der beiden grossen Parteien, die diesen albernen Zapfenstreich in Frage stellen?

2) irotaS, Sonntag, 04. März 2012, 12:39 Uhr

Wie wäre es sogar damit, eine Dampferfahrt auf dem Rhein, als Zapfenstreich-Ersatz? Bei der hohen Fluktuation könnte es auch eine Gruppenreise werden. Einmal im Jahr. Viel frische Luft, schöne Ausblicke, etwas Musik. Da kann man sich mal in Ruhe Gedanken machen. Über sich und sein Leben. Und wie es weitergehen soll. Ein Name für das Schiff ist somit auch schon klar: “die Heinemann.”
Gute Fahrt allerseits!

3) Wolff Horbach, Sonntag, 04. März 2012, 12:44 Uhr

Richtig: der große Zapfenstreich (allein der Name!) ist so etwas von antiquiert, dass er schon seit Jahrzehnten nicht mehr in einem moderne Republik passt. Ersatzlos streichen. Die Dampferfahrt wäre ok.

4) felix65, Sonntag, 04. März 2012, 12:52 Uhr

“Was wäre denn, wenn die 84 Prozent beim Präsentieren das Gewehr unten lassen würden? Disziplinarverfahren, unehrenhafter Ausschluss aus der Bundeswehr?”

Was wäre denn, wenn aufgrund eines bedauerlichen Missverständnisses die Kapelle Dire Straits spielen würde: „Money for nothing“…

5) mehrwertsteuerrad, Sonntag, 04. März 2012, 13:06 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

auf am Bodenliegende sollte man nicht nach treten, in der Welt des Herrn W. passt der Zapfenstreich wie die Faust aufs Auge.
Wenn man selber schon nicht von Innen strahlen kann, dann sollten doch um so mehr Scheinwerfer auf mich gerichtete sein und je mehr Licht auf mich fällt, des so wichtiger fühle ich mich.

Ja der Narzismus ist bei Einigen im Politikzirkus der JetztZeit extrem ausgebildet.

Viele kleine Kopernikusse die da in Berlin zur Zeit ihr Unwesen treiben, doch haben wir diese Entwicklung nicht herbei geschaffen in dem wir den “Beruf” des Politikers, so extrem unattraktiv gemacht haben, das nun mehr nur die C-Sternchen auf selbigen Posten wollten. Wenn wir wieder A-Politiker haben wollen, dann muß sich einiges ändern im Land.
Ansonsten gehen die wirklich guten Köpfe dahin wo man
a) mehr verdient
b) mehr Ansehen bekommt
c) mehr bewegen kann
d) und und und….

Wulff und Co. sind nur das Ergebnis von unserem Handeln der letzten Jahrzehnte.

PS Die Magd geht bald, wie wäre es mit Ihnen? :-)

6) fahrtwohl, Sonntag, 04. März 2012, 13:17 Uhr

Mangelndes Verständnis des Staates, seiner Symbole und Rituale schadet dieser Demokratie.Herr Spreng ist ein Zyniker, der mit der “Beratung” von Poltikern, der Kaste, die er
eigentlich zutiefst ablehnt ,viel Geld gemacht hat. Reine Bigotterie!
Schreiben Sie ruhig weiter ins “Leere”.

7) Jochen, Sonntag, 04. März 2012, 13:36 Uhr

Herr Spreng,

ich schätze Sie als kritsichen Kommentator der politischen Geschehnisse.
Ich letzter Zeit nimmt meine Lust auf Ihre Beiträge allerdings ab, da mich diese never-ending-Wulff-Story EINFACH NUR NOCH NERVT.

Ich möchte Sie daher bitten, sich eher wieder den wichtigen Themen des Politikbetriebs zu widmen (und nicht wohlmöglich dem Anstellungsverhältins von Wulffs Ex-Frau, das anscheinend die 3586. SPIEGEL-Online Top-Enthüllung zum o.g. Thema ist…)

Danke!

8) Olaf, Sonntag, 04. März 2012, 13:46 Uhr

Gefühlsschwangere militärische Rituale sind in einer Zivilgesellschaft, besonders wenn sie nur auf eine einigende Binnenwirkung ausgerichtet sind, von zweifelhafter Tradition und aufdringlich peinlich.” Heul im Glanze dieses Protzes, heule, deutsches Vaterland.”
Zivilpersonen so zu ehren ist besonders unangebracht – wir sind kein Militärstaat, auch wenn die Bundeswehr verzweifelt eine brachbare, ehrenvolle Tradition sucht und auf dieser Suche nie fündig wurde, siehe Zurschaustellung der Reichskriegsflagge in Bundeswehreinrichtungen oder das perverse Museum in Laboe.
Der Zapfenstreich wird auch verjuxt, siehe die damals ehrlos gewordenen Kohl und Guttenberg, die in der Gestaltung sich mit eigenen Wünschen ergehen konnten.

Herbert Marcuse (dt. Sozialphilosoph, 1898-1979):

“Nicht das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblößt, ist obszön, sondern das eines Generals in vollem Wichs. “

9) Max Kuchenbuch, Sonntag, 04. März 2012, 14:06 Uhr

“Ehre wem Ehre gebührt”

Der Zapfenstreich ist eine zu erhalten Ehrung von politischen Persönlichkeiten. Und auch die Bundeswehr selber hat ein Anliegen daran diese Tradition zu erhalten. Um gerade das Werteverständnis von Pflicht und Verantwortung, welches in der Bundeswehr noch an Leben genießt wieder gesellschaftsfähig zu machen. Wulf selber hat in seiner Amtszeit Akzente gesetzt die ihn sicherlich zu so einer Art von Persönlichkeiten qualifizieren. Jedoch haben ihn seine privaten Machenschaften als Sparfux der Republik untragbar und letztendlich auch unehrbar gemacht. Er könnte dieser Zeremonie deshalb viel Schaden ersparen, wenn er auf sie verzichten würde.

Die Entscheidung zur Durchführung dieser Ehrung trägt alleine das Verteidigungsministerium und daher verantwortet Herr de Maiziere diese Ehrung.

10) Ransmeier, Sonntag, 04. März 2012, 14:07 Uhr

Einzig und allein ein großartiges Kasperltheater. Den involvierten, egal ob Mutti oder Opposition: es ist ihnen mittlerweile egal wie lächerlich sie sich machen. Sie hätten auch kein Problem, wenn sie nur durch 10% der Wahlberechtigten “legitimiert” wären. Ich freue mich auch schon auf den Pastor, wenn er den Ehrensold verteidigen darf und sich Gedanken zur allgemeinen Politikerverdrossenheit macht. Alle in einen Sack!

11) Wirtschaftswurm, Sonntag, 04. März 2012, 14:41 Uhr

Eine Dampferfahrt auf dem Rhein wäre zumindest für diesen Urlaubsreise-Präsidenten passend.

12) Petra, Sonntag, 04. März 2012, 14:50 Uhr

Bundeshauptstadt ist Berlin – Käme also eine “Große Spreefahrt mit Landwehrkanal” infrage. Stelle ich mir ganz lustig vor – Mit all den niedrigen Brücken!

13) i don’t care, Sonntag, 04. März 2012, 14:51 Uhr

97% der Bevölkerung sind mit der Arbeit von der FDP nicht zufrieden. Warum bekommen deren Abgeordnete im Bundestag trotzdem Gehalt??? Genauso steht mit den Grünen: 87% der Bevölkerung halten nichts von deren Konzepten, warum bekommt dann aber eine Claudia Roth 8000 Euro im Monat???

14) Doktor Hong, Sonntag, 04. März 2012, 14:52 Uhr

Hier wäre ich dafür, die Dinge ein wenig auseinander zu halten.

Die eine Frage ist, ob der Zapfenstreich in seiner Form heute noch zeitgemäß ist.

Die andere Frage lautet, ob die Personen, die auf diese Weise geehrt werden, es in der öffentlichen Wahrnehmung auch “verdient” haben. (Ich warte schon auf die Schlaumeier, die darauf hinweisen, wie man das denn definieren wolle.)

Beliebtes rhetorisches Mittel ist natürlich, aufgrund der Verneinung der zweiten Frage die erste ebenfalls im negativen Sinne zu beantworten.

Das erinnert mich an die Argumentation auf den Nachdenkseiten, wo ausgeführt wurde, dass Wulff ein so miserables Amt geführt habe, dass man das Amt des Bundespräsidenten eigentlich nur noch abschaffen könne.

Die Logik dieser Argumentation kann ich leider nicht verstehen, vermutlich bin ich dafür zu doof. Es soll auch Finanzminister gegeben haben, die ihr Amt schlecht geführt haben. Also kann man das Amt des Finanzministers eigentlich gleich abschaffen. Es soll schlechte Lehrer geben. Also kann man das Amt des Lehrers direkt abschaffen. Manchmal gibt es Polizisten, die Folter androhen. Also kann man die Polizei gleich ganz abschaffen. Ein Arzt macht einen Kunstfehler. Also kann man den Beruf des Arztes gleich abschaffen.

Diese Logik resultiert aus der Vermengung zweier Fragestellungen, aus der Gleichsetzung des Speziellen mit dem Allgemeinen. Sie ist nach meinem Urteil fehlerhaft.

Soll Wullf mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet werden? Meiner Meinung nach nein. Aber ich habe darüber nicht zu entscheiden.

Soll es weiterhin einen großen Zapfenstreich geben? Das ist Geschmackssache. Mir ist es relativ gleich, ich habe bei großen Zapfenstreichen meistens weitergezappt, wenn ich überhaupt zufällig einen im Fernsehen erwischt habe.

15) Stefan K., Sonntag, 04. März 2012, 15:15 Uhr

Das sind doch gleich zwei gute Gründe für eine Demo vorm Schloss Bellevue am Donnerstag ab 18:30 Uhr!
Gegen den Zapfenstreich und gegen weiteren “Ehrungen” für Herrn Wulff.

Ich hoffe, eine passende Organisation meldet eine solche Demonstration an und startet einen Aufruf – ich würd mich auf jeden Fall mit Schuh anschließen.

16) bee, Sonntag, 04. März 2012, 15:16 Uhr

„… die Wehrpflicht ist abgeschafft. Das Militärische hat in der deutschen Gesellschaft schon lange nicht mehr den Rang, den es einmal hatte.“

Eben deshalb wurde ja die Wehrpflicht abgeschafft. Eine dem Lissabon-Vertrag gemäß organisierte innere Sicherheitsarchitektur kann keinen Bürger in Uniform verkraften, sie braucht den Berufssöldner. Damit das Militärische wieder den Rang einnimmt, den die EU ihm beimessen. Den Rang und die Aufgabe.

17) Roger Gerhold, Sonntag, 04. März 2012, 15:24 Uhr

Und gerade kommt die Meldung, dass er natürlich auch Büro usw. haben will.
Für wen, woran, für was will dieser, offenbar völlig abgezockte (für Wulff fällt mir nichts anderes ein), Typ eigentlich arbeiten?
Wie sagte doch Max Liebermann in einem anderen Zusammenhang so treffend?

18) Mark, Sonntag, 04. März 2012, 15:37 Uhr

Alles richtig. Trotzdem ein paar Gedanken.

1. Letztlich dient der “Große Zapfenstreich” der Zementierung der gegenwärtigen Zustände. Dieses Schauspiel (mehr ist es ja nicht) soll die Einheit zwischen Militär und Politik signalisieren.

2. Dass zunehmend -wie Sie sehr schön belegen- fragwürdige Leute diese Ehrung erhalten, signalisiert obendrein, dass weder vom Militär (spielt brav die Musik) noch von den Staatsmedien (berichtet brav) keine Rettung zu erwarten sein wird.

3. Wie ja auch die Diskussion um den “Ehrensold” des Herrn Wulff zeigt dies dem Bürger vor allem seine Ohnmacht. Es scheint gerade so, als wolle man uns sagen: “Seht her, liebe Bürger! Ihr seid zu (mindestens!) 84% gegen Ehrensold für Wulff, und er bekommt ihn trotzdem, und das Büro, und den Fahrer, und das Auto! Und ihr, IHR DUMMKÖPFE, könnt gar nichts dagegen machen, GAR NICHTS. Ja, wir verabschieden unsere ‘Eliten’ sogar mit militärischen Ehren, und ihr seid völlig ohnmächtig! So weit haben wir es gebracht! Hahahaha.”

Bitter, aber so sehe ich das. Wir sind längst in einem bizarr verzerrten Abziehbild einer Demokratie angekommen. Die Vorgänge der letzten Zeit lassen mich immer neidischer in Richtung Schweiz blicken. Dort haben die Bürger die Politiker noch unter Kontrolle. In Deutschland bleibt dies mittelfristig ein schöner Traum, leider.

19) Elliott, Sonntag, 04. März 2012, 15:41 Uhr

Hm – eine weitere sinnlose Tradition. Bei allen Einsparungen die getätigt werden (müssen), warum nicht auch dieses veraltete Ritual? Wenn wir ein moderner Staat sein, bzw. werden wollen, müssen wir uns von diesen gestrigen Verhaltens & Denkweisen lösen. Zur Zeit scheint es allerdings genau in die andere Richtung zu laufen. Der Veteranentag lässt Grüßen. In diesem Sinne … .

20) Quante, Sonntag, 04. März 2012, 15:45 Uhr

Die Parole von Herrn Wulff lautet wohl:
Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich völlig ungeniert.

21) Sigmund, Sonntag, 04. März 2012, 15:45 Uhr

Vielleicht sollte man den CDU-Heinis einfach mal erzählen, dass der Zapfenstreich von der russischen Armee (vor ziemlich genau 200 Jahren übrigens, damals war der Iwan noch nicht unser Todfeind) übernommen wurde, und der Schellembaum, welcher vom Musikkorps vorangetragen wird, wiederum von der türkischen Janitscharenmusik stammt.
Dann werden unsere ganzen Leitkulturvorkämpfer dieses mongolisch-muselmanische Teufelszeug ganz freiwillig abschaffen…. :-)

22) Tally, Sonntag, 04. März 2012, 15:49 Uhr

http://www.smilies.4-user.de/include/Sprechblasen/smilie_sb_001.gif

23) Mark, Sonntag, 04. März 2012, 16:19 Uhr

Und noch ein Gedanke…

In der öffentlichen Diskussion ist immer wieder zu lesen, dass es “doch wichtigere Dinge als den Ehrensold und die Goodies für Wulff” gäbe, insbesondere angesichts des drohenden Dramas um Eurorettung und ESM.

Das mag wohl stimmen. Aber dennoch ist die Diskussion ungeheuer wichtig, da Wulff ja ein idealtypischer Vertreter der deutschen Politik-”Elite” ist. Es geht um Über- und Vollversorgung, losgelöst von jeder Leistung; losgelöst vom Bürgerwillen; losgelöst von Moral, Anstand und Realität. Es scheint zu gelten: “Mitnehmen, was man kriegen kann.”

Wenn nun jemand der perfekte Stellvertreter dafür zu sein scheint, dann dürfen wir ihm das nicht durchgehen lassen, um der Politik mit aller Härte endlich Grenzen aufzuzeigen.

24) Wertkonservativliberaler, Sonntag, 04. März 2012, 16:24 Uhr

Den “Großen Zapfenstreich” als Militärzeremonie der Bundeswehr abzuschaffen, halte ich für verkehrt. Es ist schon schlimm genug, wenn man bei Militärschauen mitansehen muss, wie Soldaten des Wachbataillons alberne “Drill-Vorführungen” nach dem Muster der US-Streikräfte kopieren (Soldaten, die im Kreis stehend die Waffen herumschwingen und in die Kniebeuge gehen – kitschiger geht es nimmer)..

Der “Große Zapfenstreich” gehört zur Tradition der Bundeswehr – unser Land braucht Traditionen, sonst fliegt es irgendwann gänzlich auseinander, woran sollte ich mich sonst orientieren: am dritten und vierten und fünften Euro-Rettungsschirm für Griechenland etwa?

Und jeder, der diese Zeremonie erlebt, insbesondere auch das wunderschöne demütige “Helm ab zum Gebet” mit anschließendem Choral, erfährt auch den tieferen Sinn dieser Zeremonie.

Eine andere Frage ist freilich, wem die Ehre eines Großen Zapfenstreichs gebührt: Sicherlich nicht aufgrund eigenen Fehlverhaltens zurückgetretene Politiker wie Guttenberg oder Wulff – die Babyboomer-Totengräber des deutschen Konservativismus.

Eherverdienen dieses Zeremoniell z.B. Bundeswehrsoldaten, die durch Sprengstoffanschläge in Afghanistan an den Rollstuhl gefesselt sind – diese Menschen verdienten die Ehre eines “Großen Zapfenstreichs”!

25) Liberator, Sonntag, 04. März 2012, 16:30 Uhr

Meiner Meinung nach ist der Große Zapfenstreich zwar antiquiert, aber das ist nicht der Punkt. Der Große Zapfenstreich ist einfach eine formelle Ehrung und damit ein Mittel Personen bestimmten Ranges eine Ehrung zuteil werden zu lassen. Die Empörung im Artikel und soweit ich das bei den Kommentaren beurteilen kann, bezieht sich aber auf eine *ungerechtfertigte* formelle Ehrung. Deshalb sollte das Entscheidungsverfahren, ob eine Ehrung gerechtfertigt ist, überdacht werden, denn dieses ist die Ursache sowohl für Ehrensold als auch Zapfenstreich.
Wenn mans genau nimmt, kann bei Infragestellung von altüberbrachten Formen auch auf den roten Teppich, Salutschüsse oder andere diplomatische Formen verzichtet werden(die haben schließlich auch schon Staatoberhäupter bekommen, die Blut an ihren Händen hatten). Aber nochmal zusammenfassend: Kern ist nicht die Form der Ehrung, sondern die Entscheidungsfindung für sie.

26) Thomas Hillebrand, Sonntag, 04. März 2012, 17:12 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng, nun darf sich wieder der mit Ihnen versöhnt fühlen, dem Ihre Gauck-Hymnen noch arg zu schaffen machten! Danke für diesen, die Zivilgesellschaft unterstreichenden
eindeutigen Artikel und seine eindeutige Botschaft!
Als Pazifist teile ich Ihre durchscheinenden Ansichten zum Afghanistan-Krieg freilich nicht, aber dafür können natürlich die Soldaten selbst nichts und ihnen gebührt selbstverständlich das, was Sie sagen.

27) Magna, Sonntag, 04. März 2012, 17:29 Uhr

Ich versteh gar nicht dass sich hier an dem parasitären Verhalten des Herrn Wullf gerieben wird. Soll doch dem Schnäppchenführer der Marsch geblasen werden. Auf ein Narrenspiel mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an.
Es ist höchst wahrscheinlich nicht einmal die Spitze des Eisberges aber passt doch in die inzestuöse Struktur unserer Parteienlandschaft.
Aber alles nicht so schlimm, ich denke doch wir leben in einer Demokratie und dürfen alle 4 Jahre bestimmen wer unsere Belange vertritt. Wir haben die Wahl.
Upps, beim schreiben merke ich das eventuell am System etwas klemmt. Was ist zu tun?

28) Maren P., Sonntag, 04. März 2012, 18:49 Uhr

Alles Wesentliche dazu hat Doktor Hong (Nr.14) gesagt, finde ich. Den Unwillen, Wulff den Großen Zapfenstreich zum Abschied zu gewähren, rührt sicher auch daher, dass einige, wie ich, den Eindruck einer Inflation Großer Zapfenstreiche haben.
Damit hat Guttenberg begonnen, als er diese Ehre auch seinen geschassten Untergebenen zukommen ließ. Zumindest für Staatssekretäre ist diese Ehre nicht vorgesehen. Da ging es dem Paste&Copy-Meister wohl mehr um das Event, das er Berlin bieten wollte.
Wer wie zu ehren ist, hier noch mal nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich
Ansonsten ist es mir ziemlich wurscht. Ich brauche die Restauration preußischer Tradionenen nicht, weder für die Bundeswehr noch für den Staat.

29) Petra, Sonntag, 04. März 2012, 18:52 Uhr

Mehr als genug ist nicht genug Wulff will alles.

Ist das nur bodenlose Raffgier oder ein abgekartetes Spiel?

Jedenfalls für die Politiker aller Parteien eine fantastische Möglichkeit, das ramponierte Außenbild zu überschminken. Jetzt können Sie sich gemeinsam mit den Bürgern empören, Wulff die zusätzlichen Vergünstigungen versagen und darauf hoffen, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Und er könnte seinen Ehrensold unter einem abgeflauten Sturm der Entrüstung entgegen nehmen.

Wir werden sehen, inwieweit die Rechnung auf geht.

30) rundertischdgf, Sonntag, 04. März 2012, 19:25 Uhr

Es gibt eigentlich größere Probleme, zum Beispiel den geplanten ESM. Uns quält auch die Frage, woher hat die EZB 1 Billion Euro, die sie so einfach in den Markt pumpen kann. Wulff dient mit seinen Machenschaften als Ablenkung. Die Wut des Volkes sollte sich den wirklichen Problemen zuwenden. Und zu den Politikern, die nichts wissen, sich nicht informieren, aber unsere Zukunft gestalten wollen.
http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/04/mdb-ich-habe-dem-esm-bereits-zugestimmt/

31) Winfried, Sonntag, 04. März 2012, 19:29 Uhr

Er sollte sich wieder “Rauch über dem Wasser” wünschen, das hätte dann einen speziellen Stil!

32) Numbercruncher, Sonntag, 04. März 2012, 19:41 Uhr

Ich fände ja eine Schlauchbootfahrt auf dem Rubikon angemessen :-) (meinetwegen auch gerne mit Fahrer)

33) Politikverdruss, Sonntag, 04. März 2012, 19:47 Uhr

Einfach absurd! M. Spreng fordert die Abschaffung des Zapfenstreichs, weil damit jemand geehrt werden soll, der diese Ehrung nicht verdient. Wie oft schon hätte man dann das Bundesverdienstkreuz abschaffen müssen, weil die Ehre der Verleihung auch solchen Mitbürgern oder Potentaten zuteilwurde, die alles Mögliche verdienten, nur kein Bundesverdienstkreuz.

34) m.spreng, Sonntag, 04. März 2012, 19:51 Uhr

@ 26) Thomas Hillebrand

Meine Meinung zum Afghanistan-Krieg habe ich schon am 6. April 2010 unter “Wie umsonst ist der Tod?” dargelegt.

35) mambo, Sonntag, 04. März 2012, 20:03 Uhr

hallo ,

hier ist der christian aus großburgwedel ,da staunt ihr!

mir geht es prima ,ich brauche keine Verantwortung mehr
für euch tragen,keine öligen nonsense-reden mehr halten ,
und vor allem ist mir der ehrensold sicher !!!!

mein kumpel hagebölling im BP -amt erledigt das für mich;
und den zapfenstreich,den dienstwagen mit fahrer,das büro
kriege ich auch noch,verlasst euch drauf.

einige behaupten,ich wäre ein nassauer,ein sozialschmarotzer,
oder ein florida-wulff ,die könnten sogar rechthaben ,aber das ist mir egal,
es ist alles nach recht und gesetz ,ihr könnt euch ja beim gesetzgeber
beschweren.

außerdem könnt ihr mich ja wohl nicht mit einer arbeitslosen schlecker-
verkäuferin,mit einem hartzIVer oder einem dämlichen sozialrentner vergleichen,
für mich gelten andere maßstäbe !

habt ihr denn meine bp -show wirklich ernst genommen ?
ich lach mich kaputt !

Was ich wirklich wollte ,fragt ihr?
den ehrensold natürlich !
seit jahren bin ich finanziell chronisch klamm,
zum arbeiten aber hatte ich auch keine große lust mehr ,
da war das bp -amt mit ehrensold genau richtig für mich, minimaler arbeitsaufwand
bei maximalem Ergebnis.

nun dürft ihr verantwortung für mich tragen,
indem ihr fleissig steuern für mich zahlt .
so einfach ist das ganze !!!

oh ,bettina ruft ,

bisbald ,euer christian

36) Tobias Söchtig, Sonntag, 04. März 2012, 20:21 Uhr

“Wer? De Maizière!”

Richtig, der Verteidigungsminister ist die Wurzel des Zapfenstreich-Übels. Denn dieser hat Herrn Wulff den Zapfenstreich angeboten. Er sagte es entspräche “ständiger und beliebter Staatspraxis” (siehe Artikel im Tagesspiegel vom 24.02.: http://www.tagesspiegel.de/politik/abschied-des-ex-bundespraesidenten-de-maiziere-richtet-zapfenstreich-fuer-wulff-aus/6249648.html).

Schade das es Staatspraxis bei uns ist, dass erwiesen-unehrenhafte Präsidenten “ehrenhaft” aus dem Amt entlassen werden. Wobei “ehrenhaft” ein generell unpassendes Wort ist.

Ich denke auch nicht, dass der Zapfenstreich einen Beitrag dazu leisten kann, Pflicht und Verantwortung wieder stärker in unserer Gesellschaft zu verankern ( @ 9. Max Kuchenbuch). Dieser kommende sowieso nicht. Auch generell betrachtet ist der Zapfenstreich eher ein besserer Musikantenstadl, als eine passende Entlassung für Präsidenten oder Kanzler. Allenfalls für Verteidigungsminister, denn der Zapfenstreich ist eine militärische Zeremonie! Und eine militärische Entlassung für Nicht-Militärs ist in unserer heutigen Zeit einfach unpassend.

Vielmehr wäre eine politisch-gesellschaftliche Entlassung denkbar. Ich schlage dafür ein Abendessen mit den Mitarbeitern, mit anschließendem Theater- oder Kinobesuch vor. Im Falle Wulffs empfehle ich den Film “Die vierte Macht”.

37) Mark, Sonntag, 04. März 2012, 20:29 Uhr

Im Internet regt sich was: der Wutbürger!

Bei tagesschau.de gab es innerhalb kürzester Zeit mehr als 200 Kommentare, größtenteils negativ und frustriert. (Auffällig hier, dass all die negativen Meinungen überhaupt freigeschaltet werden! Das sagt mir etwas!). Bei SPIEGEL Online knapp 1000 Kommentare seit heute Nachmittag, ebenfalls überwiegend negativ. Bei der FAZ knapp 160 Kommentare seit heute Nachmittag, ebenfalls überwiegend negativ.

In jedem Thread gibt es nur ganz vereinzelt Pro-Wulff-Kommentatoren, die aber viele, viele Kommentare raushauen. Ich schätze daher, dass diese von Claqueuren stammen, also von (bezahlten) Spindoktoren, PR-Abteilungen oder PR-Firmen. Vielleicht sind auch ein paar “echte” Leute darunter, die einfach nur Freude an der Provokation haben, den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen oder irgendwie Mitleid mit Wulff haben (oder ihn immer noch “sympathisch” finden). Da das aber ein Thema ist, dessen Ungerechtigkeit auch die einfachsten Menschen begreifen, vermute ich eher ersteres. — Mann, muss das schlimm sein, pro-Wulff-PR gegen Geld zu schreiben! Das müssen echte Zyniker sein, die da die Tastaturen bedienen. (Andererseits sind sie vielleicht auf genau der gleichen Wellenlänge wie Herr Wulff: Pecunia non olet.)

Das Fass ist übergelaufen. Der Zorn der Bürger kommt jetzt offen zum Vorschein. Bis zu den Wahlen in S-H wird das wohl nicht mehr vergessen werden. Gut so!

38) Johanna Plaul, Montag, 05. März 2012, 00:58 Uhr

Dass die Wulffsche Schmierenkomödie mit einem militärischen Schlussakkord endet, kann einem angesichts der verschlagenen formalen Doppelmoral nur die Sprache verschlagen.

Wenigstens war Wulff mit seinem Wunschtitel “Ebony and Ivory” diesmal ehrlich. Wenn die erste Rate “Ehren”Sold überwiesen ist, wird er seine Klinkerbutze in Großburgwedel verscherbeln und sich einen Traum aus Ebenholz mit ganz viel Elfenbein bauen. Zur Einweihungsparty ist dann Lena Meyer-Landrut eingeladen, die dieses Mal nun Wulff einen Strauß Rosen überreicht.

Und wer glaubt, dass es andere, “wirkliche Probleme” gibt, der sollte die Causa Wulff vielleicht einmal in seine Bestandteile zerlegen- die ist nämlich exemplarisch für den moralischen Zerfall unseres “Sozial- und Rechtstaates”, der maßlose Toleranz für talentfreie Milchgesichter und adelige Lügenbarone hat.

39) Thomas Hillebrand, Montag, 05. März 2012, 01:13 Uhr

@ 34) m.spreng

Sehr geehrter Herr Spreng, ich danke Ihnen für den Hinweis auf Ihren Artikel vom 6. April 2010. Und ich habe mich deshalb bei Ihnen für meine – zugegeben nicht vorurteilsfreie – Verortung bzgl. Ihrer Haltung zum Afghanistan-Krieg zu entschuldigen! Nebenbei ist es Ihnen wieder einmal gelungen, mich zu überraschen und den Mehrwert Ihres Blogs zu untermauern.

40) Helmut Schallock, Montag, 05. März 2012, 02:01 Uhr

Rituale werden am ehesten dadurch abgeschafft, dass ihr öffentlicher Vollzug das Gefühl der Peinlichkiet vermittelt. Deshalb ist die “Ehrung” des staatsanwaltlich verfolgten Herrn Wulff ein gutes Beispiel für diesen “Verfallprozess” überlebter Rituale.

Sollte Herr Gauck nach 5 Amtsjahren als Bundespräsident keine Wiederwahl anstreben, wird er auch auf einen “Abschied” durch den großen Zapfenstreich verzichten. Denn der große Zapfenstreich ist durch seinen Vollzug am Herrn Bundespräsidenten a. D. Wulff “entehrt” worden.

41) JG, Montag, 05. März 2012, 05:49 Uhr

Aber Herr Spreng! Unserem Altschnäppchenpräsidenten nicht das Tschingderassabumm zu gönnen! Sie tun ja gerade so, als würde Wulff alles mitnehmen, was mitgenommen werden kann: Ehrensold. Schönes Büro und Dienstwagen und so für die vielen Bürgerbriefe, welche ihn erreichen und die vielen Reden, die man ihn zu halten bitten wird. Hat eigentlich mal jemand kontrolliert, ob im Schloß Bellevue das Porzellan noch vollständig ist? Die Bilder an den Wänden? Das Tafelsilber noch da? Oder die Handtücher?

42) Dieter Carstensen, Montag, 05. März 2012, 07:41 Uhr

Lieber Michael Spreng,

es gibt leider viel anachronistisches in unserem Staat. Die Bundesrepublik hat sich nach dem Naziterrorstaat nie wirklich entnazifiziert, die alten Juristen wurden überwiegend übernommen und auch das Bürgerliche Gesetzbuch unserers Staates ist dewegen so überholt und nicht mehr zeitgemäss, weil die meisten seiner §§ aus dem Kaiserreich und der Nazidiktatur stammen.

Wir Deutschen haben nie eine wirkliche Zäsur mit unserer undemokratischen, diktatorischen Vergangenheit vorgenommen und die Bundeswehr schon gar nicht.

Der “grosse Zepfenstreich” ist genau so ein Unsinn, wie öffentliche Rekrutenvereidigungen. All das basiert auf unseligen Traditonen aus Kaiserreich und Nazidiktatur. Interessanterweise hatte auch das DDR Militär zig dieser Traditionen übernommen.

Marschieren, Parade, tschingderassabumm! Mummenschanz und die schlimmsten Geister der deutschen Vergangenheit offenbaren sich auch am “grossen Zapfenstreich”.

Für Wulff würde zum Abgang eine kleine Parade des örtlichen Schützenvereins in Großburgwedel ausreichen, wenn er es denn unbedingt “zackig! haben will, oder eine Weserdampferfahrt.

Mehr hat der Mann aus meiner Sicht nicht verdient. Sie haben vollkommen recht, wenn er schlau wäre, würde er auf den Zapfenstreichmummenschanz verzichten.

Aber ich halte nicht für schlau und so wird uns wohl auch das nicht erspart bleiben …

M.f.G.

43) Frank Reichelt, Montag, 05. März 2012, 08:04 Uhr

Ich äußere mich jetzt letztmalig zur “Causa Wulff”.

Christian Wulff geht davon aus, dass die Vorwürfe gegen ihn samt und sonders unzutreffend sind und er daher unschuldig ist. Warum soll er dann auf “Ehrensold”, Dienstwagen, Büro und Zapfenstreich verzichten? Ein freiwilliger Verzicht wäre ein Schuldeingeständnis und würde als erstes von Herrn Spreng und den anderen Kommentatoren als solches gewertet werden.

Angenommen es kommt zu einem Verfahren gegen Wulff. Er müßte sich dann die Frage gefallen lassen, warum er auf die Privilegien verzichtet, wenn er doch aus politischen Gründen zurückgetreten und ansonsten unschuldig ist.

Niemand, der seine fünf Sinne einigermaßen beisammen hat, würde seine Position derart schwächen.

Das Herr Spreng, das Fernsehgericht der Talkshows und die deutsche Öffentlichkeit Wulff bereits schuldig gesprochen und “kreuzigt ihn” geifert, ist dabei vollkommen belanglos. Einstweilen gilt in Deutschland noch der Rechtsweg, der sogar ehemaligen Bundespräsidenten offen steht.

Wulffs verhalten ist als Schlussfolgerung seiner Grundannahme der Unschuld völlig nachvollziehbar und folgerichtig. Ob diese Annahme richtig ist, wird sich in einem Verfahren hoffentlich herausstellen.

Im übrigen bin ich Herrn Sprengs Meinung, dass der Zapfenstreich anachronistisch und einer Zivilgesellschaft wie unserer nicht mehr angemessen ist.

Er gehört abgeschafft!

44) Rudi Albrecht, Montag, 05. März 2012, 08:05 Uhr

Absolut richtig. Diese anachronistischen Rituale haben sich überlebt. Die zugrundeliegende Motivation- Demonstration militärischer Stärke sowie Loyalität zur Person des Regenten- sind aus prinzipiellen Gründen sowieso abzulehnen.

Aber Korrektur betreffend Köhler: er ist nicht “fahnenflüchtig”, sondern er ist zurückgetreten, weil die typische Reaktion deutscher Medien auf seine völlig richtige Analyse bei ihm spontanes Erbrechen verursacht haben.

45) Günter Springer, Montag, 05. März 2012, 08:42 Uhr

1) Wasserturm
Ich möchte ja auch noch daran glauben, das bei uns nach Recht und Gesetz geurteilt, gehandelt und gelebt wird, nein nein hier wird zuviel gebeugt, getrickst und geheuchelt.
Glaubt wirklich jemand, das bei der Ermittlung im Fall Wulff etwas herauskommt? Ich glaube es nicht. Die Ermittlungen sind eine weitere Beruhigungspille für das Volk!
Ich schätze die Ermittlungen gehen aus wie das Hornderger schießen.
Was wird , wenn trotz vieler Zweifel, Wulff wirklich verurteilt wird? Ehrensold weg? Zusatzprivilegien weg? Zapfenstreich weg? Bleibt alles wie beschlossen? Haben wir dann einen > Ehrenbürger< der überall vorzeigbar ist?
Warten wir`s ab liebe Leser!

46) Claus D., Montag, 05. März 2012, 09:33 Uhr

Mich nervt die “Wulff-Debatte” keineswegs. Inzwischen kommt ja noch die Forderung (!?) Wulffs nach einem lebenslangen Assi mit Auto plus Büro obendrauf. Ich will, dass Wulff nicht der letzte, sondern der erste sein wird, der so “auseinander genommen wird”. Schließlich ist das nur die Spitze von der Spitze dieses Sch… bergs.

Von mir aus, kann ihm doch ruhig (endlich) einmal “der Marsch geblasen werden”. Wenns ein großer Zapfenstreich sein soll, what else? Hier triit doch schließlich ein echter Staatsmann ab. Ja, warum jetzt auch noch bescheiden werden.

Als Einstieg schlage ich “Money” von Pink Floyd vor: “…Money, it’s a gas.
Grab that cash with both hands and make a stash. …”

Zum Abschluss und Höhepunkt “I can’t get no Satisfaction” von den Rolling Stones:” … I can’t get no, I can’t get no – I can’t get no satisfaction, no satisfaction – No satisfaction, no satisfaction
I can’t get no ….”

Denen, die jetzt kübeln “Neidhammel” usw. sage ich

“I don’t mind you being rich. I mind you buying my Government!”

Lieber “Sprengmeister”: Weiter so!!!

47) Kalliope, Montag, 05. März 2012, 09:54 Uhr

Unser Alt-BP lässt wirklich keine Geschmacklosigkeit aus, aber das war ja zu erwarten. Nun will er auch noch ein Büro und das ganze Drumherum. Kürzlich hörte ich, ohne zu wissen, ob das stimmt, Köhler habe auf seinen Ehrensold verzichtet? Wie auch immer, man sollte wirklich nicht vergessen, dass es die Kanzlerin war, die uns das ganze Spektakel eingebrockt hat und sich auch bei der neuesten Nominierug eines BP überhaupt nicht darum geschert hat, was das Volk überwiegend will. Die gesamte Führungsriege ist mir inzwischen so widerlich, dass ich niemanden von ihnen wählen würde. Auch vermisse ich aus den Spitzen der Parteien deutliche Wort zu Herrn Wulff. Viele Leute arbeiten hart, für wenig Geld, können kaum damit überleben und müssen dann mitansehen, wie auf anderer Seite das Geld zum Fenster hinausgeworfen wird. Herr Wulff dürfte inzwischen der meistgehasste Mann in diesen Kreisen sein. Möglicherweise hat er inzwischen den Bogen derart überspannt, dass er sich nirgendwo mehr blicken lassen kann. Geld allein macht bekanntlich ja auch nicht glücklich

48) Michael A. Nueckel, Montag, 05. März 2012, 09:57 Uhr

@ Dieter Carstensen, 42)
“… und auch das Bürgerliche Gesetzbuch unserers Staates ist dewegen so überholt und nicht mehr zeitgemäss, weil die meisten seiner §§ aus dem Kaiserreich und der Nazidiktatur stammen.”

Können Sie uns bitte einmal darlegen, welche Vorschriften des BGB aus der Nazidiktatur stammen?

Vielen Dank!

P.S.: In Sachen “Kaiserreich” meinen Sie sicherlich die Zeit des oströmischen Kaisers Justinian I., der den Auftrag für die Schaffung des BGB-Vorläufers Corpus iuris civils erteilte ;-) ))

49) CitizenK, Montag, 05. März 2012, 09:57 Uhr

Mehr als Wulff ist der zu kritisieren, der ihm das Angebot gemacht hat: der derzeit amtierende Verteidigungsminister (und Reservekanzler?), der mit Veteranenorden und Umwidmung der ehemaligen Verteidigungsarmee das Militärische in die Politik zurückholt.

Mit Wehmut (und Dankbarkeit!) denke ich an Gustav Heinemann.

50) SvenR, Montag, 05. März 2012, 10:43 Uhr

Ach, dass ist doch bloß ein Nebenkriegsschauplatz. Das Ganze ist die Vorbereitung des Leistungsschutzgelds geschuldet, dass gestern endlich auf den Weg gebracht wurde.

Die Bild hat mit der Causa Wulff gezeigt, 1. wie leicht es ist und 2. das sie bereit ist, soweit zu gehen, einen langjährigen »Freund« zu opfern.

Zu unserem Glück hatten sie zunächst nur heiße Luft und Magerquark vorzuweisen. Dieser Dilettantismus hat mich wirklich erstaunt. Mir würde die Ironie gut gefallen, dass ausgerechnet Wulff-Freund Hintze den entscheidenden Hinweis gegeben haben soll, der das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren erst möglich gemacht habe.

Anyway: Aktive Politiker dieser Koalition oder der nächsten großen Koalition werden einen Teufel tun, sich gegen das Leistungsschutzgeld auszusprechen. Außer vielleicht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Also ist es an uns allen, das Leistungsschutzgeld zu verhindern. Auch an Ihnen, Herr Spreng.

51) Helmut Zott, Montag, 05. März 2012, 11:49 Uhr

Fehler

Ein Mensch hat keinen Funken Ehre,
ist nur bedacht, dass er vermehre
den Reichtum und sein Lebensglück;
tritt dann von seinem Amt zurück
und wird belohnt für diese Taten
vom Militär und den Soldaten;
bekommt dann noch den Ehrensold,
weil dieser Staat es so gewollt.
Ein Land, das so Schmarotzer ehrt,
wird abgelehnt und liegt verkehrt.

Helmut Zott

%%%%%%%%%%%%%%

52) Helmut Zott, Montag, 05. März 2012, 11:52 Uhr

Empörend

Ein Mensch in seinem Innern bebt,
obwohl er sonst sehr friedlich lebt,
weil just der Bundespräsident,
den jedermann als Schnorrer kennt,
dem keine Sau Respekt gezollt,
geehrt wird mit dem Ehrensold.

Helmut Zott

%%%%%%%%%%

53) riskro, Montag, 05. März 2012, 11:58 Uhr

5) mehrwertsteuerrad, Sonntag, 04. März 2012, 13:06 Uhr

Zitat Anfang……..doch haben wir diese Entwicklung nicht herbei geschaffen in dem wir den “Beruf” des Politikers, so extrem unattraktiv gemacht haben,……..
Wulff und Co. sind nur das Ergebnis von unserem Handeln der letzten Jahrzehnte. Zitat Ende

Nicht „wir“ haben den Beruf des Politikers extrem unattraktiv gemacht, dass war diese Spezis schon selbst. Unser Versagen als angeblicher Souverän liegt darin, dass wir dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten haben und es zu gelassen haben und weiter zu lassen von halben Kindern und von sogenannten verdienten Parteisoldaten, die über keinerlei Qualifikation verfügen müssen, regiert zu werden. Das wir es zugelassen haben und weiter zu lassen, dass die Politiker unseren Staatshaushalt als Selbstbedienungsladen verstehen und sich schamlos schadlos halten. Das Schlimme daran ist nur, dass ein Großteil aus parteipolitischem Kalkül das noch für gut heißt und nicht merkt oder nicht merken will dass man uns aus reiner Machtgier vera…… ! Mit welchem Recht fordert ein „dummes Volk“ schlaue Führer. Jeder bekommt dass, was er verdient.

6) fahrtwohl, Sonntag, 04. März 2012, 13:17 Uhr
Zitat Anfang: Mangelndes Verständnis des Staates, seiner Symbole und Rituale schadet dieser Demokratie. Herr Spreng ist ein Zyniker, der mit der “Beratung” von Politikern, der Kaste, die er
eigentlich zutiefst ablehnt, viel Geld gemacht hat. Reine Bigotterie!
Schreiben Sie ruhig weiter ins “Leere”. Zitat Ende
Frage: Warum lesen Sie die ins Leere gehenden Kommentare von Spreng? Haben Sie nichts Besseres zu tun oder warten Sie auf diese Kommentare um sich aufregen zu können.

54) der Herr Karl, Montag, 05. März 2012, 12:32 Uhr

Leseempfehlung:
Sasse diagnostiziert Spreng:
http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2012/03/pathologischer-wulff-hass.html?showComment=1330945987384#c627317057145153250

55) Kalliope, Montag, 05. März 2012, 13:54 Uhr

@Helmut Zott 51) + 52)

Sehr schön Herr Zott, das hätte bestimmt auch E. Roth so gesehen!

56) Wasserturm, Montag, 05. März 2012, 15:07 Uhr

Was machen eigentlich die anderen Ex-Präsidenten mit ihrem Mitarbeiterstaab?
VOn Walter Scheel weiss ich auch nur dass er mal Hoch auf dem gelben Waagen gesungen hat und jetzt christian Wulf den Ehrensold, den er seit 79 bezieht, nicht gönnt.
Wen der wirklich auch noch einen Mitarbeiterstaab hat, liesse sich da ja auch noch sparen….

57) Sven Garber, Montag, 05. März 2012, 15:22 Uhr

Ja, stimmt fast alles, was da steht. Aber so langsam wird es Zeit für wichtigere Themen, zum Beispiel mal die “Wahl” in Russland oder Bildung oder oder oder.

58) romeias47, Montag, 05. März 2012, 15:33 Uhr

Wulff will also alles mitnehmen (Sold, plus Zulagen). Ich werde den Verdacht nicht los, dass ein Jurastudium eine sichere Methode ist, sich den gesunden Menschenversstand samt Anstand zu verderben. Köhler hat immerhin eine Amtszeit voll erbracht, Wulff nicht einmal die Hälfe seiner ersten. Und was an seinem Rücktritt politisch gewesen soll, leuchtet mich auch nicht ein.

Vielleicht sollten Wulffs sich mal den Befund des Soziologen Raffelhüschen unters gemeinsame Kopfkissen legen.

+ Und das Geld, um das sich alles dreht? „Geld allein macht nicht glücklich, aber es
+ hilft dabei“, befand Raffelhüschen. Tatsächlich zeigt seine Studie, dass ein höheres
+ Einkommen auch eine höhere Lebenszufriedenheit mit sich bringt – allerdings nur bis zu einem
+ gewissen Grad. Ab einem Nettoeinkommen von mehr als 5000 Euro stellt sich Gewöhnung ein.

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zufriedenheitsstudie-gluecklich-in-hamburg-missmutig-in-berlin/4628994.html

Macht also nach Adam Riese jährlich 60 000 Euro, das wäre doch schon mal eine Riesenersparnis mit der z.B. deutsche Kinderspielplätze technisch kindersicher gemacht werden könnten.

Heute morgen kam im Deutschlandfunk eine Nachricht, wonach ein FDP-MdB Koppelin anregt, die Beibehaltung des Amtes zu überdenken. Finde ich eine gute Anregung. Die Entlastung von Schüttelhand-Pflichten im Kontakt mit dem Ausland könnte der Außenminister übernehmen (zum Panzer verkaufen fährt Frau Merkel sowieso selber).

* Koppelin will über Abschaffung des Bundespräsidentenamts nachdenken
* VDer FDP-Bundestagsabgeordnete Koppelin hat die Notwendigkeit des Bundespräsidenten-
* amts bezweifelt. Langfristig solle man sich die Frage stellen, ob Deutschland wirklich einen Präsidenten
* benötige, sagte Koppelin der “Passauer Neuen Presse”. Es gebe schon einen Bundesrats-
* präsidenten und eine Bundeskanzlerin. Auch für die Prüfung von Gesetzen benötige man den
* Bundespräsidenten nicht. Eventuelle bedenken könnte man vom Bundesverfassungsgericht klären lassen, meinte Koppelin.

Ich hoffe, dass deses politische Schmierentheater bald ausgestanden ist. Immerhin scheint ja der Appell vom Tisch pardon Platz.

59) Alexis, Montag, 05. März 2012, 16:09 Uhr

@ 48) Michael A. Nueckel, Montag, 05. März 2012, 09:57 Uhr @ Dieter Carstensen, 42)
“… und auch das Bürgerliche Gesetzbuch unserers Staates ist dewegen so überholt und nicht mehr zeitgemäss, weil die meisten seiner §§ aus dem Kaiserreich und der Nazidiktatur stammen.”

Können Sie uns bitte einmal darlegen, welche Vorschriften des BGB aus der Nazidiktatur stammen? –

Ein Gesetz kann ich Ihnen nennen, dass fast eins zu eins übernommen wurde und noch bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts von der Nürnberger Justiz (ja, ausgerechnet Nürnberg: LG und OLG) knallhart angewendet bzw. darauf Urteile gesprochen wurden: das “Rechtsberatungsgesetz.” Hitler hat es geschaffen, um jüdische Anwälte auszuschalten. Der BGH hat es dann weit nach 1945 zwar relativiert, aber wie gesagt, Nünberg war sich nicht zu blöd, es noch strikt anzuwenden. Vielelicht war die räumliche Nähe zum Reichstagsparteigelände dafür ursächlich… Inzwischen ist es durch das “Rechtsdienstleistunggesetz” abgelöst worden. Ich weiß leider, wovon ich schreibe ..

60) Volker, Montag, 05. März 2012, 16:30 Uhr

Jochen schreibt am 04. März um 13:30: “Ich möchte Sie daher bitten, sich eher wieder den wichtigen Themen des Politikbetriebs zu widmen”.
Mir ist die ganze Geschichte wichtig. So wichtig, dass ich die bereits lange latent vorhandene Absicht, aus dieser politischen Klasse niemanden mehr zu wählen, spontan in einen Beschluss umgewandelt habe.
Sollten das viele Bürger tun, wäre die causa Wulff sogar sehr wichtig.

61) Ste, Montag, 05. März 2012, 18:00 Uhr

Philosophisch und medienästhetisch gesehen, ist das Wulff-Kino Merkmal ener Krise der Inszenierung, die nur noch aus Iteration besteht. So genannte Wertkonservative sind über alle Maßen verunsichert.

62) Michael A. Nueckel, Montag, 05. März 2012, 18:47 Uhr

@ Alex, 59)

Interessant, was Sie da schreiben, und das dieses Rechtsberatungsgesetz zum BGB gehörte; ich bewundere Ihren Sachverstand – Ihre “Nürnberger Theorie” ist krude.

63) gabriele, Montag, 05. März 2012, 19:12 Uhr

Herr Wulff hat das Bundespräsidentenamt beschädigt.
Jetzt beschädigt er auch noch den Zapfenstreich…

da wünscht sich mein kleinbürgerliches Oma-Herz
- einen Lkw mit einer fetten Armada von Lautsprechern,
die ganz Bellevue mit MONEY MONEY von Abba beschallen ….
-und aus einem Gebläse sollten Geldscheine fliegen und flattern…
ach ja…*seufz*….das wäre eine schöne Geschichte für die Enkel…

64) Schulze, Montag, 05. März 2012, 19:16 Uhr

Schade ist einfach, dass sich solche Ereignisse nicht in den Wählerstimmen wiederspiegeln.

Daher sehen die Mächtigen des Landes das ganze wahrscheinlich recht locker. Darüber hinaus haben die meisten der Spitzenpolitiker keine Probleme, im Nachgang zur politischen Karriere auch in der freien Wirtschaft eine schöne Stelle zu bekommen. Wobei ich neidlos anerkennen muss, dass die meisten das dann auch verdient haben. (Ein Christian Wulff würde bei uns im Unternehmen (Automatisierung, >5000 Mitarbeiter) sicherlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.) Daher verstehe ich dieses “der soll doch arbeiten gehen”-Bashing nicht. Ich wette, wenn jemand von euch morgen einen Termin beim Hrn. Wulff hätte beim Konzern XY, ihr würdet nicht schlafen können vor Aufregung. Und so einer soll nicht 500 EUR am Tag verdienen?!?

Als (fast mathematische) Faustformel gilt: Je niedriger das Einkommen bzw. der Einfluss einer Person, je höher ist die Aufregung und der Zorn über das, was “die da oben” so treiben.

Und was man aus der Politik hört, ist eben Politik: Blanker Populismus.

Zurück zur Wählerstimmung: Ich jedenfalls werde einfach mal bei den “Alternativen” mein Kreuzchen machen, auch wenn ich bisher immer konservativ gewählt habe und sich durch die Wahlentscheidung mit Sicherheit nichts aber auch garnichts ändert.

Es müsste viel mehr Basisdemokratie her, auch wenn das Ergebnis nicht immer vernünftig wäre. Ganz schwieriges Thema.

Ich wünsche unserem Herrn Bundespräsidenten a.D. alles Gute und hoffe, dass man ihn endlich in Ruhe lassen möge. Als sein Berater hätte ich ihm zu nichts anderes geraten, als das maximale für ihn herauszuholen. Was für mich beteutet, dass er gut beraten wird.

Langsam habe ich ehrlich gesagt keine Lust mehr auf die Kommentare hier.

65) Günter Springer, Montag, 05. März 2012, 19:40 Uhr

Helmut Zott, @51) und @52)
Meine Anerkennung für die schönen Reime!
Schade, daß sie einen Unwürdigen betreffen.

66) Peter Christian Nowak, Montag, 05. März 2012, 19:42 Uhr

58) romeias47

^Und was an seinem Rücktritt politisch gewesen soll, leuchtet mich auch nicht ein.^

Genau, das ist der Knackpunkt. Hier scheint man einen Rücktritt “aus politischen Gründen” (aus Gefälligkeit) konstriuert zu haben. Diese Konstruktion muß näher beleuchtet und von unabhängiger Seite untersucht werden. So zum Beispiel durch Staatsrechtler, die dem Bundespräsidialamt nicht angehören.

67) kleinErna, Montag, 05. März 2012, 19:50 Uhr

Gut – gut, lieber Sprengmeister, voll Ihrer Meinung!

Ein paar “Wichtige” haben daran zwar trotzdem wieder was zu meckern, aber man sollte sie lassen; sie ändern genauso wie Sie und ich nichts an diesen törichten Regelungen, Gesetzen und dem martialischen Gehabe des Zapfenstreiches.

Und eigentlich bin ich auch ganz froh darüber, dass Christian Wulff formell nicht vor hat, auf den großen Zapfenstreich zu verzichten, es wäre zu der jetzt schon gegebenen Peinlichkeit noch viel schlimmer, wenn er verzichten und sich damit versuchsweise auf dieselbe Stufe wie Gustav Heinemann stellen wollte (obwohl das absolut zwei Paar Stiefel sind, so und so).

Natürlich ist diese Zeremonie eine aus dem vorletzten Jahrhundert, sie war sogar noch zur Zeit
ihrer Einführung in der Bundesrepublik sehr Ehrfurcht einflößend, aber auch das war schon im vorigen Jahrhundert! Jetzt aber ist sie überflüssig und lächerlich, zumal (im Sinne Ihrer Schilderung) die wirklich zu Ehrenden eher unsere Soldaten im Auslandseinsatz und nicht die letzten 6 – 8 eher Unehrenhaften aus der Politik sind.

Den Großen Zapfenstreich abschaffen (schnellstens!) und Wulff, falls er es wagt “seinen Zapfen streichen zu lassen”, ihm mit Trillerpfeiffen und sonstigen Krachinstrumenten anderweitig “den Marsch blasen!” Das hätte er dann verdient! Hallo Berlinerinnen und Berliner, Ihr seid aufgerufen!

68) Art Vanderley, Montag, 05. März 2012, 20:40 Uhr

Es sollte stärker differenziert werden zwischen der geäußerten Einschätzung in der öffentlichen Diskussion und formell nachweisbaren Verfehlungen .
Solange keine solchen vorliegen , können wir nicht nach dem Empfinden aus Bevölkerung und Medien heraus urteilen , welcher BP ehrenhaft war und welcher nicht.
Ob Abschaffung des Zapfenstreichs oder nicht , solange es ihn gibt , steht er ihm zu , zumindest nach momentanem Stand – und das gilt auch für Büro und Ehrensold.

Jetzt hätte Wulff Rückgrat zeigen und auf alles – oder auf Teile – verzichten können , aber auch dieses wird ihm schwer bis unmöglich gemacht.

Soll doch niemand glauben , daß insbesondere der Boulevard dann von einer respektablen Geste sprechen würde , nein, ganz im Gegenteil , er würde erst recht zum Halali blasen , wer sich in einer solchen Situaition entschuldigt , gilt bei diesen – sozial oft sehr inkompetetenten – Mitmenschen erst recht als schwach.
Ich finde es sogar ein Stück weit respektabel , daß Wulff jetzt auf eine Gleichbehandlung pocht, die Art , wie er zum Teil aus dem Amt geschrieben wurde , verbietet ein Zugeständnis beinahe schon.

Ob er das Format zum Verzicht hätte , wissen wir nicht , denn Wulff hat es in gewisser Weise auch leicht , die zum Teil wutschnaubend vorgetragene Kritik verhindert diese Möglichkeit von vorneherein, sodaß er sich dieser Frage gar nicht erst zu stellen braucht.

69) Thomas Hillebrand, Montag, 05. März 2012, 20:42 Uhr

@ 54) der Herr Karl (Anmerkung zum dort verlinkten Artikel)

Der Artikel von Stefan Sasse ist gerade deshalb so schrecklich dämlich, weil er sich
so furchtbar verstaubt geradlinig an Punkt und Komma des Gesetzes und des Rechts orientiert und mit der Pose des Aufrechten und Abgeklärten den Zeigefinger erhebt, um dort zu richten, wo es gar nichts zu richten gibt: in den polemischen Gesetzmäßigkeiten eines Politik-Blogs. Denn dort herrschen eigene Gesetze und selbstverständlich andere als die einer Zapfenstreichliturgie. Es ist wirklich mehr als albern, selbst aus der polemischen Ecke heraus auf einen zu schießen, der im selben Boot sitzt, nur auf der anderen Seite, aber dennoch dasselbe täglich Brot verrichtet. Ob Jakob Augstein oder hier Stefan Sasse – diese sich reflexhaft vor Ekel schüttelnden, alle Warnlichter einschaltenden unbeugsamen Recken, wenn von des Volkes Meinung die Rede ist, der es zu widerstehen gilt, nerven nur noch! Weil sie verlogen sind und genau dieses Volkes Meinung sofort zum Zeugen der eigenen Anklage gebrauchen, wenn es darum geht, der Regierung z.B. Demokratiedefizite vorzuwerfen. Die Mehrheit des Volkes lehnt den Afghanistan-Krieg ab, die Mehrheit des Volkes ist für die Transaktionssteuer, die Mehrheit des Volkes ist für die Regulierung der Finanzmärkte, die Mehrheit des Volkes usw. usw. Mein Gott, wie erbärmlich! Hey, bleibt geschmeidig! Ich will keine Politik-Blogs ohne Polemik, aber ich will vor allem keine blutleeren Blogs von Buchhaltern, in denen eine Krähe der anderen die Augen aushackt. Und ausgerechnet Spreng als Bauchredner der gesunden Volksseele zu diffamieren hat schon auch was!
Ach ja: Ich stehe den Linken nahe.

70) karel, Montag, 05. März 2012, 22:06 Uhr

Für alle Über-Eifrigen in der Sache Wulff…..

http://www.welt.de/debatte/kolumnen/die-strenge-stausberg/article13902281/Die-heuchlerischen-Zuege-der-Ehrensold-Debatte.html

Wie gut, daß unser Werte-Idol Helmut Schmidt bei der Sanierung seines Hauses
durch den gewerkschaftseigenen Bau-Konzern Neue Heimat alles penibel genau abgerechnet hat.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13512252.html

71) Thomas Hillebrand, Montag, 05. März 2012, 22:15 Uhr

@ 51) u. 52) Helmut Zott

Wunderbar! Vielen Dank!

72) Wertkonservativliberaler, Montag, 05. März 2012, 22:23 Uhr

@ 43 Frank Reichelt:

Ihr Zitat: “Christian Wulff geht davon aus, dass die Vorwürfe gegen ihn samt und sonders unzutreffend sind und er daher unschuldig ist. Warum soll er dann auf “Ehrensold”, Dienstwagen, Büro und Zapfenstreich verzichten? Ein freiwilliger Verzicht wäre ein Schuldeingeständnis und würde als erstes von Herrn Spreng und den anderen Kommentatoren als solches gewertet werden.”

Wulff hat jedenfalls – völlig unabhängig von der strafrechtlichen Prüfung nach §§ 331 ff. StGB – als niedersächsischer Ministerpräsident gegen die eigenen niedersächsischen Anti-Korruptionsvorschriften, die für jeden niedersächsischen Landesbeamten, ergo auch für Wahlbeamte, gelten, verstoßen. Allein deswegen gebühren ihm weder “Ehrensold” noch Appanagen noch Zapfenstreich.

Im Übrigen sollte er sein eigenes Gerede von “finanziellen Abstrichen” am Ehrensold (ZDF-Interview “Was nun, Herr Wulff?”, Sommer 2010) in die Tat umsetzen – er wollte ja schließlich “auf die Bevölkerung achten”:

http://www.youtube.com/watch?v=v-6BVu6N3u0

73) StefanP, Montag, 05. März 2012, 22:45 Uhr

Es reicht! Wie peinlich ist es eigentlich, wenn hier Threads über Rücktritt, Ehrensold und Großen Zapfenstreich von Präsidenten Rekordkommentare auslösen. An dieser Stelle kann man sich wieder fremdschämen. Für seine Mitbürger und, ja leider, auch für ehemalige BILD-Chefredakteure. Diese Debatte, da ist Roland Nelles uneingeschränkt bei jedem Wort zuzustimmen, hat jedes Maß und jede Mitte verloren. Sie ist peinlich für unser Land.

Christian Wulff stehen all diese Dinge zu, sie sind Gesetzeslage. Es gehört zur Würde, und das Herr Spreng missachten Sie und ihr auf den Volkszorn zielender Kommentar, dass man Verträge gerade dann einhält, wenn man auseinandergeht. Was ginge für ein Aufschrei durch das Land, fühlten sich Arbeitgeber nicht mehr an Regeln zur Gehaltsfortzahlung gebunden, ist der Arbeitsvertrag erst einmal gekündigt. Oder, besser: debattieren wir doch in Unternehmen, ob einem langjährigen Mitarbeiter, der mit vielen Krankheitstagen und überschaubaren Arbeitseinsatz und -ethos am Ende seines Berufslebens tatsächlich der gesetzliche Rentenanspruch zusteht. Absurd? Keineswegs. Ein Großteil der Beschäftigten macht nach eigener Aussage Dienst nach Vorschrift, hat innerlich gekündigt. Fragt man umgekehrt Führungskräfte, so können regelmäßig vielleicht ein Drittel der Belegschaft wirklich als Leistungsträger gesehen werden. Ein anderes Drittel dagegen sind reine Kostgänger, ihre Arbeitsleistung so, dass man sich gerne von ihnen trennen würde.

Nein, es ist unehrenhaft und schäbig, wie hier mit einem Gestrauchelten umgegangen wird. Obwohl bis zum Ende der Welt gereist, ist mir das nur noch peinlich.

74) Wolfgang E. Buss, Dienstag, 06. März 2012, 00:57 Uhr

Lieber Herr Spreng,
also das ist schon gut geschrieben und gedacht!. Besonders der erste Absatz! Sie berichten ja nicht nur über Wulff, sie beschreiben immer zugleich den Zustand unserer Republik. Und da kann man sich nur wundern!
Ihr Wolfgang E. Buss

75) Maren P., Dienstag, 06. März 2012, 03:21 Uhr

Nr. 42) Dieter Carstensen schrieb: >>Der “grosse Zepfenstreich” ist genau so ein Unsinn, wie öffentliche Rekrutenvereidigungen. All das basiert auf unseligen Traditonen aus Kaiserreich und Nazidiktatur.<<

Das ist zutreffend. Deshalb waren diese Traditionen jahrzehntelang verpönt! Öffentliche Gelöbnisse gab es erst seit der Merkel-Regierung wieder en masse. Mit Abschaffung der Wehrpflicht hat sich das ja erst einmal erledigt. Bleibt der Große Zapfenstreich für Bundespräsidenten, Kanzler und Verteidigungsminister. Je länger sie amtieren, desto seltener erleben wir ihn. Das lässt sich also auf ein erträgliches Maß reduzieren. … :-)

76) Oberhesse, Dienstag, 06. März 2012, 03:43 Uhr

Von mir aus lasst ihm seinen Zapfenstreich. Es ist eine einmalige Angelegenheit. Aber ein Büro, einen Wagen samt Fahrer und einen Büromitarbeite? Wozu?
Ein ehemaliger Beamter der deutschen Bundespost Telekom aus meinem Bekanntenkreis wollte nach der Schliessung seiner Dienststellle mit mitte vierzig nicht zwangspensioniert werden. In seiner Verzweiflung schrieb er damals einen Brief an das Büro des Altpräsidenten Richard von Weizsäcker . Den hielt und hält er noch heute für eine unangreifbear moralische Instanz, der noch heute die Mächtigen zuhören wenn sie ihre Stimme erhebt. Ähnlich einem Helmut Schmidt. Mein Bekannter bekam einen Brief zurück. Sicher half er nicht weiter, aber er fühlte sich verstanden und ernst genommen. Aber wer will schon noch Trost und Unterstützung von einem der sich durch abgreifen, schnorren und durchlavieren in die Geschichtsbücher eingetragen hat? Wer wird innehalten, wenn jemand spricht der es mit der Wahrheit und Offenheit nicht so eng gesehen hat?
Und wer wird sich einen Rat bei dem holen, der sein Buch “Besser die Wahrheit ” selbst grob unterwandert hat? Niemand. Also lasst ihm seine letzte Show, aber man möge ihm keine Platform geben um etwas auszufüllen was er nicht ausfüllen kann: Würde.

77) Ste, Dienstag, 06. März 2012, 09:27 Uhr

Ich gebe zu, dass ich ganz erschrocken bin, dass ich StefanP einmal zustimmen muss. Nur mit dem billigen Argument der „Gesetzeslage“ bin ich natürlich nicht einverstanden. Auch ich hätte gern, dass Wulff ganz oder teilweise darauf verzichtet.
Doch stellt sich das Wulff-Bashing mittlerweile auch für mich als schmierig dar: jetzt auch noch die Ex-Frau, jetzt will er auch noch ein Büro, dann will er ein Chauffeur (obwohl das schon längst bekannt ist, dass dies zum Ehrensold gehört), nun soll auch noch die Abwesenheit der ehemaligen Bundespräsidenten ein „Zeichen“ sein; auch die Wahl des Bildmaterials diverser Online-Redaktionen zum Thema sind ein Witz…

Also bitte, nun macht mal kein Schrank auf!

78) Alexis, Dienstag, 06. März 2012, 09:29 Uhr

@ 62) Michael A. Nueckel, Montag, 05. März 2012, 18:47 Uhr

Wo steht in meinem Text was von “BGB”- ich habe von “einem Gesetz” gesprochen und das Gesetz dann konkret.genannt.

Erst das Hirn einschalten, dann losballlern …

79) Gregor Keuschnig, Dienstag, 06. März 2012, 10:28 Uhr

@75/Maren P
Ihre Aussage ist Unsinn. Öffentliche Gelöbnisse gibt es seit 1980; ihre Zahl stieg Ende der 1990er unter Rühe (also Kohl-Regierung) stark an und blieb dann konstant. Zudem ist der Begriff irreführend, da die “öffentlichen” Gelöbnisse selten wirklich öffentlich waren und bei den “normalen” Gelöbnissen Verwandte und Bekannte durchaus teilnehmen konnten.

Im übrigen ist Herrn Spreng vollständig zuzustimmen: Der “Große Zapfenstreich” gehört (1.) abgeschafft und dies (2.) insbesondere für Betrüger (zu Guttenberg), Lügner (Jung) und Schnäppchenjäger (Wulff). Im Moment fügen alle politischen Protagonisten (Kanzlerin, Verteidigungsminister und Opposition) der Akzeptanz des Parteiensystems in der Bevölkerung größtmöglichen Schaden zu. Man muss schon im Raumschiff Berlin sehr abgekoppelt von der Wirklichkeit sein, um mit derartiger Zielsicherheit alles falsch machen zu können.

Was @Oberhesse in #76 schreibt, trifft m. E. ins Schwarze. Sehe ich Wulff, denke ich an Pofalla. Ich kann seine F***** nicht mehr sehen. Und will das auch nicht mehr.

80) der Herr Karl, Dienstag, 06. März 2012, 10:37 Uhr

Spreng, der sensationelle Nachtreter, verschweigt sensationelle Sensation!:
ARD und Bild zaubern aus Nichts einen handfesten Skandal:
“Wulff-Zapfenstreich: Altbundespräsidentenkommen nicht.
Der Große Zapfenstreich für Ex-Bundespräsident Christian Wulff sorgt für Ärger. Die vier Altbundespräsidenten werden nicht daran teilnehmen.” (Bild)

“Altbundespräsidenten kommen nicht zum Zapfenstreich” (ARD)

Am Schluss des ARD-Artikels steht dann Folgendes: “Die Teilnahme der Amtsvergänger ist allerdings auch nicht allgemein üblich.”
Alles klar?
Die Kommentatorin Verena1981 entlarvt diese Verlogenheit wie folgt: “Hier stellt sich mir dann die Frage, warum man dann aus einem de facto Nichts eine Meldung zusammenschustert? Ich werde das Gefühl nicht los, daß hier kalter Kaffee aufgewärmt wird um mittels Schlagworten wie “Wulff”, “Zapfenstreich”, “Ehrensold” und so weiter etwas Aufmerksamkeit im Web zu erhaschen.”

http://meta.tagesschau.de/id/58758/altbundespraesidenten-nicht-bei-wulffs-zapfenstreich

81) Politikverdruss, Dienstag, 06. März 2012, 11:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Carstensen,

Sie schreiben(42): Der “grosse Zepfenstreich” ist genau so ein Unsinn, wie öffentliche Rekrutenvereidigungen. All das basiert auf unseligen Traditonen aus Kaiserreich und Nazidiktatur.“

Das ist nicht nur inhaltlich unzutreffend. Der Zapfenstreich findet seinen Ursprung in den Freiheitskriegen. Also weit vor Kaiserreich und Nazidiktatur. Es handelt sich also um eine alte Militärtradition aus der Zeit Friedrich des Großen, an der die Bundeswehr weiter festhält.

Aus welchem Grund also sollten die Soldaten der Bundeswehr auf diese Tradition verzichten wollen?

82) Alexander, Dienstag, 06. März 2012, 12:16 Uhr

@73) – StefanP

Ich stimme Ihrem Kommentar zu. Endlich eine Klarstellung der Situation!! Die ganze widerliche Neid-getriebene Diskussion um den Ehrensold und den Zapfenstreich ist jämmerlich und peinlich.

83) Tiedgen, Dienstag, 06. März 2012, 12:28 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Ich möchte die Rituale beibehalten, in denen öffentlche Amtsträger oder Privatpersonen für ihren selbstlosen Einsatz für das Gemeinwohl gewürdigt werden. Deshalb halte ich öffentliche Vereidigungen, öffentliche Verabschiedungen und Orden/Ehrentitel für wichtig. Auch, um den geldfixierten Egomanen einen Kontrapunkt entgegenzusetzen. Ein Volk in einem Staat sollte da auch Werte hochhalten.

Problematisch finde ich die per Gesetz/Verordnung geregelte automatische Gewährung dieser Ehrerbietung. Die Staatsangestellte sind dann an die Regelungen gebunden (Rechtsstaat), so dass auch “Würdenträger” in den Genuß von Ritualen kömmen, die den Privatpersonen, die das Amt bekleiden, nicht gerecht werden. Es ist klar, dass ein Mann, der sich in der Haltung der “verfolgten Unschuld” eingebunkert hat, nie freiwillig auf Geld oder Ehrerbietung verzichten wird. Und die Staatsinstitutionen müssen sich an die gesetzlichen Regelungen halten. Da kann auch der Verteidigungsminister nicht ausscheren.

Da hilft doch nur ein scharfer Blick auf die Verhaltensspielräume der Beteiligten. Wer nur den äußeren Habitus eines Bundespräsidenten hat, während im Innern vermutlich der Abzocker und Wahrheitsverdreher vorherrscht, dem gebührt auch nicht mehr als der Habitus des Zapfenstreich-Soldaten, der im Innern keine Veranlassung zur Ehrerbiertung verspürt.
Die Menschen, die ein paar Jahre in einer Diktatur gelebt haben, kennen die subtile Formen der “Insubordinationen”: Z.B. die Kunst des Unterlassens, der Fehlleistungen oder der spontanen Unordungen usw. Und einigen Kommentaren und Nachrichten nach zu urteilen, gibt es da auch schon Vorschläge und Indizien, die auf eine Absetzbewegung vom ausgeschiedenen Bundespräsidenten hindeuten.

Also ich finde die Vorstellung eines Zapfenstreichs mit ein paar falsch gespielten Noten, lässig gekleideten Soldaten, ungeordnet präsentierten Gewehren, der Abwesenheit aller Politiker, die noch einen wichtigeren Termin vorschieben konnten, und knappen Reden ganz charmant. Welcher Vorgesetzte würde da für welches Vergehen ein Disziplinarverfahren anstrengen? Dann hätte der Bundespräsident genau den Abschied, der seiner Amtsführung und politischen Haltung angemessen wäre.

Apropos: Wer sagt denn, dass die Zusatzmittel (Bürokosten, Angestelltenbezahlung etc.), die der Haushaltsausschuß genehmigen muß, einstimmig beschlossen werden müssen. Abgeordnete haben ein imparatives Mandat und können sich auch bei Abstimmungen enthalten.

Genug der Tagträumerei! Auch wenn unser ehemaliger Bundespräsident einen normalen Zapfenstreich erlebt, so wird die Ehrerbietung und Bewunderung in seiner Zukunft stark abnehmen. Er hat nachhaltig gegen das Gerechtigkeitsempfinden der Wahlbürger verstoßen und das wird als Bumerang zu ihm zurückkommen. (siehe Studien zur Wirtschaftspsychologie9:

84) Maren P., Dienstag, 06. März 2012, 12:39 Uhr

@ Nr.79) Gregor Keuschnig
Was soll das? Wenn ich ‘öffentliche’ Gelöbnisse sage, meine ich auch ‘öffentliche’. Außerhalb der Kasernengelände wahrnehmbar, auf Marktplätzen oder im Berliner Tiergarten und nicht nur für Familien und Freundinnen, sondern für die allgemeine Öffentlichkeit.
Bevor Sie also das nächste Mal meine Einlassung besserwisserisch beiseite fegen, vergewissern Sie sich erst, dass Sie mich überhaupt richtig verstanden haben.

85) Thomas Hillebrand, Dienstag, 06. März 2012, 13:06 Uhr

@ 80) der Herr Karl

Hilferuf:

Lieber der Herr Karl,

warum nur in aller Welt zwingen Sie mich immer wieder dazu, einen Politik-Blogger aus dem für mich “feindlichen Lager” wie Ihren erklärten Feind Herrn Spreng zu verteidigen? Muss das sein? Ich habe schließlich auch einen Ruf zu verlieren.

Heute versuchen Sie sich gar in Realsatire und schreiben: “Spreng, der sensationelle Nachtreter, verschweigt sensationelle Sensation!:”, um dann Ihren Unmut über die ARD und Bild kundzutun. Das sind intellektuelle Kontexte, die sich meinem schlichten Gemüt leider nicht gleich erschließen wollen. Obwohl andererseits, hm, wenn ich so darüber nachdenke, warum meine Kaffeetasse heute morgen auf den Küchenboden fiel, wenn ich also darüber so nachdenke – dann könnte Spreng so gesehen auch was damit zu tun haben. Und je mehr ich darüber nachdenke und nachdenke, ja, desto sicherer werde ich mir eigentlich…

Der arme Helmut Qualtinger dreht sich doch im Grabe um, wenn er mitbekommt, wie Sie sein geniales Erbe, das Sie sich als Pseudonym anmaßen, so vernagelt auf unterstem Niveau fleddern!

86) Michael A. Nueckel, Dienstag, 06. März 2012, 13:10 Uhr

@ Alexis 78)

Weiter so …, nunmehr bewundere ich auch Ihre “Sachlichkeit”. Nur zu Ihrer Erinnerung: Sie haben meine -bislang unbeantwortet gebliebene- Frage (siehe 48) an 42) aufgegriffen: “Können Sie uns bitte einmal darlegen, welche Vorschriften des BGB aus der Nazidiktatur stammen?” und eine Antwort geliefert, die mit dem BGB (ob da tatsächlich “die meisten seiner §§ aus … und der Nazidiktatur stammen.”) nichts zu tun hat. Ihr netter Vorwurf “Erst das Hirn einschalten, dann losballlern …” trifft Sie selbst, insbesondere Ihre “Nürnberger Verschwörungstheorie” (siehe 59), worin ich auch die Gründe erkenne, weshalb Sie hier so leicht die Contenance vorlieren. Für Sie gilt das gleiche, wie für den zu 42) Angesprochenen: Es ist so leicht, sachlich unzutreffende Positionen zu vertreten, und offensichtlich ungleich schwerer, sich hiervon wieder zu distanzieren.

87) Reinhard Rätzel, Dienstag, 06. März 2012, 13:34 Uhr

Zapfenstreich hin -Zapfenstreich her es ist, wie der Name ja beinhaltet ein “Streich”, und den bekommt der, der uns Bürgern, allen einen Streich vorgespielt hat. Das die ALT BPn nicht verscheinen setzt doch ein klares Zeichen, und das der Herr Bundesminister der Verteidigung dan JUNG ALT BP überhaupt gefragt hat , ob der den Zapfenstreich will, zeigt auch hier ein überbordendes Maß an Unverfrorenheit im wulffen des Gefragten.
Top of the Pops ist jetzt noch die Erfüllung der “gewüschten” Musiktitel: Für mich hätt´s da für Herrn Wulff nicht auch noch einen Wahlmöglichkeit gegeben- als Leiter des Musikcorps hätte ich in Absprache mit Herrn Thomas de Maizière so entschieden: “I did it my way” Anbei ein freiübersetzter Text:
Und nun ist das Ende nah,
und ich sehe den letzten Vorhang fallen
Mein Freund, ich sag es dir klar,
ich erkläre dir wovon ich überzeugt bin.

Ich habe ein erfülltes Leben gehabt
ich war auf jeder einzelnen Schnellstraße.
Und mehr, viel mehr als das
habe ichs auf meine Art geschafft.

Ich habe ein paar Dinge bereut
aber zu wenige um erwähnenswert zu sein.
Ich hab getan was ich tun musste.
Ich habe alles durchgestanden, ohne Ausnahme.

Ich habe jeden Kurs festgelegt;
jeden vorsichtigen Schritt entlang des Seitenwegs
Und mehr, viel mehr als das
habe ichs auf meine Art geschafft.

Ja, es gab Zeiten, das weißt du ja sicher,
in denen waren die Augen größer als der Magen.
Doch trotz all dem, wenn Zweifel aufkamen,
habe ichs ausgelöffelt und wieder ausgespuckt.
Ich hab mich allem gestellt und bin geradegestanden,
und habs auf meine Art geschafft.

Ich habe geliebt, gelacht und geweint.
Ich hatte meine Erfüllung, meinen Anteil an Verlusten.
Und nun, da die Tränen nachlassen,
finde ich alles so amüsant.
© http://www.magistrix.de/lyrics/Frank%20Sinatra/My-Way-Uebersetzung-111405.html

Zu denken, dass ich das alles geschafft hab
und ich kann wohl sagen – auf eine nicht sehr scheue Art und Weise.
Nein, oh nein, nicht ich,
ich habs auf meine Art geschafft.

Also was ist ein Mann, was hat er?
Wenn nicht sich selbst, dann hat er nichts.
Zu sagen was er wirklich fühlt
und nicht die Worte eines Knienden.
Das Aufgenommene zeigt,
dass ich viel eingesteckt habe –
und dass ichs auf meine Art geschafft habe

88) der Herr Karl, Dienstag, 06. März 2012, 14:30 Uhr

@85) Thomas Hillebrand

Also das mit dem “schlichten Gemüt” haben Sie nun selbst gesagt, nicht dass mir das nun auch noch angelastet wird…
Aber so schlicht kann Ihr Gemüt gar nicht sein, da Sie doch gewisse Zusammenhänge herstellen können. Qualtinger zum Beispiel.
Aber weshalb sich an meinem Kommentar abmühen – böte sich Ihnen da nicht StefanP mit seinem Kommentar Nr. 73 an? Ein würdigerer “Gegner”!

89) wschira, Dienstag, 06. März 2012, 14:35 Uhr

@StefanP, 73

Wie ein Vorredner sagte, muss auch ich Ihnen mit Ihrem Beitrag grösstenteils rechtgeben. (Das tut mir in der Seele weh!!!:-)). Grösstenteils sagte ich, der “Ehrensold” steht Herrn Wulff wohl gesetzmässig zu, bei den anderen Leistungen ist es zumindestens strittig. Das ist nämlich nicht durch ein Gesetz geregelt, und der Sinn war, dass ein scheidender Bundespräsident weiterhin zum Wohl der BRD tätig sein kann und ihm deshalb die nötigen Resourcen zu eröffnen sind. Eine solche Tätigkeit kann ich mir, und viele andere Personen mit mir, ehrlich gesagt bei Herrn Wulff nicht vorstellen. Die Entscheidung über Zusatzleistung und ihre Gewährung ist wie gesagt nicht explizit gesetzlich geregelt, es ist eine Kannvorschrift und obliegt dem Präsidialamt bzw dem Bundestag.

p.s. Wo ist denn auf der Erdkugel das Ende der Welt? :-)

90) Robson Bottle, Dienstag, 06. März 2012, 15:01 Uhr

Ich bin gegen die Abschaffung des Großen Zapfenstreichs! Ist doch alles eine Frage der Sichtweise. Ich möchte weiterhin in diesem “angemessenen” Akt und in besonders hervorgehobener Zeremonie die Typen nochmal sehen und “genießen” können, die die Niederungen menschlichen und politischen Fehlverhaltens in hervorragender Weise ausgelotet haben und sich ins Abseits manöveriert haben. Ohne diese Veranstaltung wäre es einfach zu sang- und klanglos vorbei und vergessen.
Also:
Ehrensold abschaffen! Zapfenstreich erhalten!

91) der Herr Karl, Dienstag, 06. März 2012, 15:21 Uhr

@ Thomas Hillebrand (Nachtrag)

Ach sooo, das mit der “Sprengnadel” haben Sie mir übel genommen, jetzt ist alles klar.
Nichts für ungut, Sie stehen den Linken ja auch nahe…

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8020/ehre-wem-ehre-gebuhrt#comment-158888

92) Gregor Keuschnig, Dienstag, 06. März 2012, 16:23 Uhr

@84/MarenP
Sie offenbaren eklatante Leseschwächen: Der Kern meiner Aussage war, dass nicht erst durch Merkel die Zahl der sogenannten öffentlichen Gelöbnisse gestiegen ist. Das geschah schon vorher. Aber gut, wenn man seine Feindbilder so schön geordnet im Regal stehen hat.

93) Manni, Dienstag, 06. März 2012, 16:37 Uhr

“Eine der anachronistischsten Veranstaltungen in Deutschland ist der Große Zapfenstreich. Das große militärische Tschingderassabum mit Fackeln, Gebet und “Präsentiert das Gewehr!” wird von Mal zu Mal absurder – und verlogener.”

Finde ich nicht. Das ist ein sinnvoller Traditionsbestand. Das gehört sich einfach so. Selbst in der Zone hatten sie einen würdigen Zapfenstreich. Dort mit sozialistischen Arbeiterliedern, bei uns mit amerikanischer Popmusik “auf Wunsch”.

Man muss ja auch bedenken, dass es in Deutschland keine Militärparaden mehr gibt. Ein Zapfenstreich muss einfach sein. Das gesamte Amt des Bundespräsidenten ist auch neoliberaler Sicht überflüssig, aber wir sind ja noch nicht neoliberal!

Der Zapfenstreich verdeutlicht auch wie enthemmt und aus allem Rahmen die Medienhatz gegen de Bundespräsidenten Wulff war. Während dessen führen die Präsidenten anderer Staaten “targeted killings” gegen minderjährige Landsleute durch, und bei uns jammert darum, ob ein Kredit für einen Ministerpräsidenten mit sicherem Einkommen bessere Konditionen erhält. Und Sarkozys Jüngster arbeitet wohl immer noch für dickes Gehalt bei der Stadt Paris.

In unserem Eifer und unser kleinbürgerlichen neoliberalen Sparwut ersticken wir allen Glanz und Gloria um als nächstes dann mal wieder ah! und oh! zu rufen und irgendwelchen Schwachköpfen hinterher zu gieren.

94) M.M., Dienstag, 06. März 2012, 18:04 Uhr

Ich bin froh, dass es mit dem abgefallenen Katholik, von mir aus auch MIT Zapfenstreich, “vorbei” ist. Schlimm genug, dass er die einmalige Chance des Papstbesuchs in Deutschland für sich ungenutzt verstreichen liess. Im Belehren Anderer hat CW ja völlig die Orientierung verloren.
In Zukunft bitte die Zeremonie abschaffen. Das Maß ist voll.

95) Frank Reichelt, Dienstag, 06. März 2012, 19:28 Uhr

@ m.spreng

Wo bleibt ihr Artikel über die Unverschämtheit des “vierten Liedes” beim Zapfenstreich. Das Thema ist offenbar immer noch nicht ausgereizt, es ist noch eine Suada drin.

Also, ran an die Tastatur, die Empörungsmaschine muss geschmiert werden!

96) Robson Bottle, Dienstag, 06. März 2012, 19:35 Uhr

@StefanP.
“ob einem langjährigen Mitarbeiter, der mit vielen Krankheitstagen und überschaubaren Arbeitseinsatz und -ethos am Ende seines Berufslebens tatsächlich der gesetzliche Rentenanspruch zusteht. Absurd? Keineswegs.”
???

Sie sollten mal Ihre Definition von “langjährig” korrigieren!

Außerdem glaube ich kaum, dass man heutzutage in der freien Wirtschaft davon ausgehen kann, dass ein Mitarbeiter mit “vielen Krankheitstagen” ein “langjähriger Mitarbeiter” ist.
Also tun Sie nicht so, als wollten die Kritiker von Ehrensold und Zapfenstreich den Wulff schlechter stellen wollen, als es in normalen Beschäftigungsverhältnissen üblich ist. Dem Wulff geht’s auch ohne
Bundespräsidenten-Ehrensold gut genug. Wenn’s Geld doch nicht reichen sollte, kann er sein Haus verkaufen! Das müssen Hartzer auch!

97) Thomas Hillebrand, Dienstag, 06. März 2012, 19:50 Uhr

Lieber der Herr Karl,

ich frage mich gerade, ob ich hätte wissen oder ahnen müssen, dass Sie zu paranoiden Verhaltensmustern neigen? Eigentlich ja, recht betrachtet. Jetzt finden Sie in einem anderen Blog irgendeinen anonymen Thomas und stülpen mir dessen Identität über – das nenne ich wahnhaft. Ich habe für den Spiegelfechter noch nie irgendein Wort, eine Zeile, nichts geschrieben. Wieso sollte ich auch dort meinen Klarnamen anonymisieren und auf diesem Blog plötzlich in seiner Gänze zeigen? Nun verbinden Sie in Ihrem Wahn beide Identitäten und zerren Links und Leserkommentare von einem Ort zum andern… Ei Karl! – sagte Lia Wöhr immer liebevoll zu ihrem Mann Wolf Schmidt in der “Familie Hesselbach” – und Ei Karl! rufe auch ich Ihnen zu! Ich wünsche Ihnen einfach nur viel Entspannung, Menschen um Sie herum, die Sie lieb haben und beachten und überhaupt ein sorgendes persönliches Umfeld. Der letzte Satz, den ich nun noch schreiben wollte sei der allgemein üblichen Netiquette geschenkt.

98) Thomas Hillebrand, Dienstag, 06. März 2012, 19:54 Uhr

Oh, ich hatte für den Kommentar 95) die Bezugnahme vergessen.

Also: @ 91) der Herr Karl

99) Karsten Lucke, Dienstag, 06. März 2012, 21:11 Uhr

Nicht der große Zapfenstreich ist das Problem, sondern Wulff und Merkel, die sich an der Demokratie versündigen und das Volk ignorieren:

http://kielspratineurope.com/2012/03/06/wie-die-kanzlerin-auszog-die-eigene-bevolkerung-zu-ignorieren-und-der-demokratie-zu-schaden/

100) Bernhard Paul, Dienstag, 06. März 2012, 22:14 Uhr

Warum denn soviel Gedöns um dieses Zeremoniell? So wie das jetzt läuft, ist CW so oder so der Maierbeck.
Die Debatte um Sinn oder Unsinn des Zapfenstreichs gerade an diesem Vorgang aufzuhängen, ist nicht ehrlich, weil sie von CW überschattet wird und somit nicht objektiv geführt werden kann.

101) Namensvetter, Mittwoch, 07. März 2012, 00:15 Uhr

73) StefanP, Montag, 05. März 2012, 22:45 Uhr

Nach der “Gesetzeslage”, die in den letzten Tagen beflissen von Nichtjuristen zitiert wird, steht Wulff nichts zu.

Der Ehrensold nicht, weil seine objektiven Voraussetzungen nicht vorliegen. Politisch ist ein Grund, wenn der Sachverhalt politisch zur Disposition steht. Wulff selbst hat durch seine monatelange Rücktrittsweigerung einen abgrenzbaren Punkt in der Kausalkette zu seinem Rücktritt als entscheidend hervorgehoben, nämlich den schlussendlichen Antrag auf Aufhebung seiner Immunität zu dem Zweck, ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens steht in diesem Land nicht politisch zur Disposition. Auf die weitere Folge, dass sich Wulff auch politisch nicht mehr in der Lage sah, sein Amt wahrzunehmen, kann nicht abgestellt werden, weil sie beliebig an jede nicht-politische Kausalkette angeschlossen werden kann. Das Kriterium des Gesetzes wäre nach einer solchen Betrachtung ohne Bedeutung. Die rechtswidrige Gewährung des Ehrensoldes kann das Bundespräsidialamt nach § 48 VwVfG zurück nehmen. Die verantwortlichen Beamten sind strafbar wegen Untreue, soweit sie vorsätzlich gehandelt haben.

Die Bewilligung der übrigen Privilegien liegt im Ermessen des BMF und des Haushaltsausschusses. An dessen Beteiligung ist abzulesen, dass dabei die Interessen der Steuerzahler mit dem Bedarf und berechtigten Interesse des Altbundespräsidenten abzuwägen sind. Letzteres ist durch den Mangel eines Anspruches auf Ehrensold geschwächt. Zudem ist keine Nachfrage der Öffentlichkeit daran erkennbar, dass Wulff die Rolle eines Altbundepräsidenten mit organisationsbedürftiger gesellschaftlicher Präsenz und Engagement ausfüllt. Die Planung seiner Gerichtstermine obliegt ihm selbst. Man hätte ihm also mit Recht die Gewährung von Dienstwagen und Büro versagen können. Jedenfalls kann von einem gesetzlichen Anspruch darauf keine Rede sein.

Das Ausrichten eines Großen Zapfenstreiches liegt im Ermessen des BMVg. Auch darauf besteht kein Anspruch, das ist eine reine Geschmacksfrage.

102) StefanP, Mittwoch, 07. März 2012, 00:25 Uhr

@89) wschira
@77) Ste

Dass der ehemalige Bundespräsident keinen Stil hat, ist das Eine. Doch Deutschland ist ein ordentliches Land und eine ordentliche Demokratie. Das Niveau darf nicht von den Niveaulosen bestimmt werden.

Ihre katholische Bildung lässt zu wünschen übrig. ;-) Das Ende der Welt ist dort, wo danach die Schiffe herunterfallen, somit Australien (Sydney). Und um deutschen Präsidentendebatten ein Stück mehr zu entkommen, versuche ich es ab morgen im Outback.

103) max, Mittwoch, 07. März 2012, 07:51 Uhr

19 Uhr geht die Party los, sehe ich das richtig? Weiss eigentlich jemand, wo man günstig Trillerpfeifen bekommen kann?

104) StefanP, Mittwoch, 07. März 2012, 09:08 Uhr

@101) Namensvetter

Ich bin zwar juristisch nicht völlig unbeleckt, traue mir jedoch eine fundierte Bewertung nicht zu. Dazu müsste man die entsprechenden Kommentare studieren (habe ich nicht) und die sind auch noch ziemlich dürftig. Tatsächlich betreten Juristen hier Neuland.

Sowohl ein Ministerpräsident als auch ein Bundespräsident sind qua Definition immer im Amt. Selbst wenn sie eine private Veranstaltung wie die Wagner-Festspiele besuchen, sind sie öffentlich, werden fotografiert und im Zweifel zitiert. Die Trennlinie ist schwer zu ziehen und wenn der Bundespräsident wegen halbprivater Verfehlungen (immerhin ging es um sein Handeln als Ministerpräsident) das Amt nicht mehr uneingeschränkt ausüben kann, so könnte man juristisch zu der Auffassung gelangen, sein Rücktritt wäre aus politischen Gründen erfolgt. So hat es Christian Wulff auch geschickt begründet und an seiner angeblichen und tatsächlichen Zwangslage keinen Zweifel gelassen. Um zu einer anderen Auffassung zu gelangen, sind Sie in der Beweispflicht. Das dürfte schwer werden.

@96) Robson Bottle

Weder entspricht es eigenen Einschätzungen, noch der von Kollegen noch wissenschaftlichen Studien, dass die Mehrzahl der Beschäftigten 100% motiviert dem eigenen Job nachgeht und insbesondere im Beamtensektor mit überdurchschnittlich hohen Altersbezügen (Pensionen) sind Fehlzeiten außerordentlich hoch. Belassen wir es dabei, dass nicht alle mit dem gleichen Arbeitsethos zu Gange sind, wir ihnen deswegen jedoch noch lange nicht ihre Rentenansprüche streitig machen wollen.

105) Dorn, Mittwoch, 07. März 2012, 09:16 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Ein Zapfenstreich ist ein Abschiedszeremoniell und den Abschied von Christian Wulff wollen ja wohl alle feiern. Dass er sich amerikanischen Kitsch für den Zapfenstreich ausgewählt hat, gegessen. Sparen und Kleinlichkeit sind hier fehl am Platze. Noch immer leidet unser Land an seinen Phantomschmerzen der Vergangenheit. Da kann es auch gerne mehr militärischer “Mumpitz” werden. Wir brauchen tendenziell eher mehr Tradition als weniger um unsere nationale Seele zu heilen, und zu deckeln. Lieber eine Armee, die in “Mumpitz” und Wachablösung investiert, als sich für die Rohstoff-Interessen der Bündnispartner totbomben zu lassen. Gerne auch noch feierlicher, noch “deutscher” marschierend, diese Gelassenheit können wir heute wagen. Ich weiss, dass man da in ihrer Generation anders sieht. Aber es ist dieses Gedöns, das einen Staat menschlich erscheinen lässt, das Würde gibt, das zum Spott herausfordert (“seinen Zapfen streichen”). So viel Tradition haben wir nicht mehr. Man muss mit der Tradition arbeiten, sie rekontextualisieren, z.b. durch die Ehrung eines ungeliebten Bundespräsidenten. Vielleicht sollte man lieber in Zukunft das Lied vom britischen Migranten Pierson spielen:

O Deutschland hoch in Ehren,
Du heil’ges Land der Treu,
Stets leuchte deines Ruhmes Glanz
In Ost und West aufs neu!
Du stehst wie deine Berge fest
Gen Feindes Macht und Trug,
Und wie des Adlers Flug vom Nest
geht deines Geistes Flug.

Haltet aus! Haltet aus!
Lasset hoch das Banner wehn!
Zeiget ihm, zeigt dem Feind,
Daß wir treu zusammen stehn,
Daß sich unsre alte Kraft erprobt,
Wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt!
Haltet aus – im Sturmgebraus!
Haltet aus – im Sturmgebraus!

Spannende ironische Kontraste beleben ein muffiges Ritual. Drum muss es sein! Nichts darf unter den Teppich gekehrt werden, alles muss in die Öffentlichkeit. Unzeitgemäßes zur Unzeit ist genau das richtige. Alles muss raus. Alles öffnen. Alles denken. Alles sagen. Alles nicht sagen. Unseren verbiesterten Hass, der sich an Wulff entladen hat, woran er Mitschuld trägt, unsere Spiessigkeit muss offen raus, nicht verdeckt meuchelnd. Das ist meine Psychotherapie für dieses, für unser Land.

Ja, nicht nur Zapfenstreich, auch noch Gottesdienst im Dome. Dann den Choral von Leuthen! Es gibt keine würdigere Demütigung für den Katholiken Wulff als die Essenz des Nationalprotestantischen.

Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen.
Der große Dinge tut
an uns und allen Enden,
Der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
Unzählig viel zu gut
bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott
woll uns in unserm Leben
Ein immer fröhlich Herz
und edlen Frieden geben
Und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
Und uns aus aller Not
erlösen hier und dort.

Alles Gute,
Dorn

106) Reinhard Rätzel, Mittwoch, 07. März 2012, 11:41 Uhr

Wieviel Wulff – persönlich, medial und überhaupt, braucht dieses Land noch? – spätestens morgen Abend, beim Zapfenstreich im Bellevue, zeigen es viele durch Abwesenheit, wegen nicht erfolgter Einladung, oder einfach auch nur weil sie bzgl. Wulff jetzt absolut die Faxen dicke haben.
Wenn der letzte Ton des “vierten” Musikstücks verklungen sein ist, wird dieser Jung` aus Osnabrück als vermeintliche Respektsperson des öffentlichen politischen Lebens aber sowas von “durch” sein, da kann er nur hoffen , dass vielleicht der Herr Rossmann seiner Bettina weder eine Position anbietet, damit sich die kritische Masse des täglichen Miteinander, in der klinkerschen TOP-Immobilie in Großburgwedel, für beide ein erträgliches Mass erreicht.

Möge er den Rat des Konfuzius annehemen:

1. ” Wenn im Staate Ordnung herrscht, ist es eine Schande, ein armer und gewöhnlicher Mensch zu sein. Wenn im Staate Verwirrung herrscht, so ist es eine Schande, reich und Beamter zu sein.”

2. ” Wird man gebraucht, erfüllt man seine Pflicht. Wird man nicht mehr gebraucht, so zieht man sich zurück.”

Viele von uns allen werden seine “Schlagzähigkeit” nicht wirklich vermissen

Reinhard Rätzel

107) der Herr Karl, Mittwoch, 07. März 2012, 12:04 Uhr

@ 97) Thomas Hillebrand

Ich muss Sie enttäuschen: Es ging mir, seit dem Spreng-Artikel “Gauck und der Shitstorm”, nie um Sie. Es ging mit nur darum – mit dem Verlinken von Spreng-Artikeln und deren Kommentare zum Spiegelfechter, Feynsinn und Sasse’s Öffinger Freidenker – das meines Erachtens unfaire und boulevardhafte Vorgehen des Sprengmeisters bezüglich Verunglimpfung von “anonymen” Gauck-Kritikern und bezüglich genüsslichem Nachtreten in der Causa Wulff auch noch Lesern anderer Blogs zugänglich zu machen. Nun, nach fast zwei Wochen, stelle ich fest, dass mir dieses Vorhaben mit meinen bescheidenen Mitteln als Kommentator recht gut gelungen ist. Sasse widmete diesem Thema “Spreng” sogar einen Artikel, den Sie, Thomas Hillebrand, in ihrem Kommentar Nr. 69 “unsäglich dämlich” finden.
Mir bleibt nun nur noch, Ihnen für Ihre Mithilfe zu danken…

Ich bin übrigens immer noch der Meinung, dass sich Spreng für “Gauck und der Shitstorm” entschuldigen müsste.

108) Doktor Hong, Mittwoch, 07. März 2012, 15:27 Uhr

@64 Schulze

Ich finde Ihren Kommentar recht interessant. Sie schreiben:

Als (fast mathematische) Faustformel gilt: Je niedriger das Einkommen bzw. der Einfluss einer Person, je höher ist die Aufregung und der Zorn über das, was “die da oben” so treiben.

Fein beobachtet, aber wieso wundert Sie das? Wenn Sie das Gefühl hätten, über’s Ohr gehauen zu werden und nichts dagegen tun könnten, würden Sie nicht auch ärgerlich werden?

Mich würde außerdem interessieren, welche Verwendung Sie für Herrn Wulff in Ihrer Firma hätten… was wären denn seine Aufgaben?

Im übrigen haben Sie Recht mit dem, was Sie über die Wahlen sagen. Kollektiv hätten diejenigen, die sich so benachteiligt fühlen, durchaus die Macht, jene “da oben” aus den politischen Ämtern zu vertreiben.

Aber, so resignieren manche, das würde ja eh nichts ändern. Das weiß ich nicht… wenn auf einmal 100 Abgeordnete einer Partei aus dem Bundestag fliegen und nicht mehr die entsprechenden Einkünfte hätten, plus verminderte Wahlkampfkostenerstattung, dann tut das schon weh, auch einer Partei. Aber die Leute denken gleich immer alles oder nichts.

Vielleicht billigt man dem Bundestag und der Regierung ja auch mehr Macht zu, als sie tatsächlich haben. In Belgien ist man eine ganze Weile gut ohne Regierung ausgekommen. Dort ist weder das Chaos ausgebrochen noch kam der Zusammenbruch. Das Land halten scheinbar andere am Laufen.

Nicht, dass ich deswegen meine, es bräuchte keine Regierung. Die braucht es sehr wohl. Ich will nur den Furchtsamen unter den Wählern sagen, dass das Land nicht zusammenbrechen wird, wenn eine andere Regierung ins Amt kommt.

Da steckt vielleicht noch die historische Angst vor dem böhmischen Gefreiten in den Knochen. Da dachte man auch, er werde eingerahmt und nur eine Übergangslösung. War er im Grunde auch, aber ganz anders, als alle Beteiligten gedacht haben. Aber die Verhältnisse sind heute ganz anders.

109) Doktor Hong, Mittwoch, 07. März 2012, 15:34 Uhr

@102 StefanP

Nehmen Sie genug Wasser mit, wenn Sie in’s Outback fahren. :)

Ich kann Ihren Ärger durchaus nachvollziehen. Gleichermaßen verstehe ich auch den Ärger derjenigen, die dagegen sind.

Mir selbst ist das gleich. Auf den Kopf gerechnet zahle ich alle vier Jahre einen Cent für den Ehrensold. Ich werd’s verkraften, mir ist es ganz einfach egal.

Aber im Grunde geht man ja davon aus, dass Bundespräsidenten würdevoll das Amt bekleiden und sich nach dem Amt aus der Öffentlichkeit zurückziehen, und unter diesen Aspekten ist der Ehrensold und das Büro etc. ja auch gerechtfertigt. Ich gönne das allen unseren Altbundespräsidenten. Wulff vielleicht nicht so sehr, aber Sie haben recht, es gehört zum Anstand der anderen Vertragspartnerseite, dass diese ihren Teil der Vereinbarung einhält.

Das ist wichtiger als persönliche Missgunst, und da bin ich mit Ihnen einer Meinung.

110) Helmut Zott, Mittwoch, 07. März 2012, 21:54 Uhr

Vorsicht Satire!

%%%%%%%%%%%

Doctor honoris causa

Ein Mensch erfährt aus erster Hand,
was allgemein noch nicht bekannt,
dass man Schmarotzer künftig ehrt,
und dadurch ihren Ruhm vermehrt,
dass man, natürlich heimlich still,
auch ihnen Titel geben will.
Verdienste muss man anerkennen
und den Schmarotzer „Doktor“ nennen,
natürlich nur der Ehre wegen,
mit Ehrensold und Gottes Segen.

Helmut Zott

%%%%%%%%%%

111) Bernhard Paul, Mittwoch, 07. März 2012, 23:52 Uhr

@107) der Herr Karl

Ihr Zitat:
Ich bin übrigens immer noch der Meinung, dass sich Spreng für “Gauck und der Shitstorm” entschuldigen müsste.

Seit wann muss man sich für eine sachliche, klare Argumentation und fundierte Meinung entschuldigen?
Wir sind hier nicht beim Lukaschenko in Weißrußland und Sie sind nicht der Oberzensor.

112) max, Donnerstag, 08. März 2012, 07:35 Uhr

> Mir selbst ist das gleich. Auf den Kopf gerechnet zahle ich alle vier Jahre einen Cent für den Ehrensold. > Ich werd’s verkraften, mir ist es ganz einfach egal.

@Doktor Hong
aus zuverlässiger Quelle weiss ich, dass um die Wogen zu glätten, für die Zahlungen für Wulff Steuergelder der Befürworter und Gleichgültigen genommen werden sollen. Ihre Steuerzahlungen für 2011 werden für den ersten Monatssold verwendet … jetzt enttäuschen Sie bitte bloss nicht und sagen, so viel hätten Sie letztes Jahr gar nicht eingezahlt. Ein Jahr lang arbeiten, damit Wulff einen Monat Ehrensold erhält …. na wie fühlt sich das an?

113) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 08. März 2012, 08:28 Uhr

Zu “Anne Will – Mein Auto, mein Büro, mein Zapfenstreich – Was hat Wulff verdient?” vom 7. März 2012

Bravo! Auch wenn ich (im Gegensatz zu Ihnen: s. Gauck. Die Spitze musste sein!) nicht zur Apotheose neige: Sie waren mal wieder “mein” Fels in der Brandung gestern Abend bei Anne Will in ihrer ihr gewohnheitsmäßig meistens etwas entgleitenden namensgleichen Talkshow! Das vielleicht Wichtigste fand aber völlig jenseits des eigentlichen Themas statt: Ohne Sie wäre der Moritz Hunzinger noch unerträglicher gewesen als er ohnehin war! Wieso der überhaupt, nach Jauch, schon wieder in einer Talkshow zum Thema Wulff sitzen durfte? Außer vielleicht, warum sich Wulff nicht bei ihm das Geld für sein Häuschen geliehen hat? Oder als Clown, als Karikatur? So ähnlich, er hatte es ja selbst gesagt: als Li-La-Gute-Laune-Bär.

Inhaltlich war freilich bei diesem Thema nichts zwingend vom Hocker Reißendes zu erwarten. Natürlich hätte ich am Ende lieber den aufrechten Butterwegge als Abräumer der Sendung gesehen oder meinetwegen noch Lütgert, doch das war von vornherein nicht zu erwarten. Butterwegge hat sich’s mit seinen ständigen (aus seiner Sicht und als Ex-BP-Kandidat sicher verständlichen) Ausflügen ins Große und Ganze des faulen Systems selber vermasselt, was Christoph Lütgert zurecht kritisierte. Und Lütgert ist halt in seinem originären Metier der TV-Enthüllungs-Dokus eh immer besser als auf seine Rhetorik allein gestellt in einem Talkshowsessel. Uwe Wesel zeigte schließlich noch beeindruckend, warum die SPD schlicht und einfach unwählbar geworden ist, was letztlich auch als Verdienst zu werten ist, und Melda Abkas war auch da. Melda Abkas? Ach ja, die hatte wohl ein Buch geschrieben und ist türkischer Abstammung.
Deshalb: Klarer Punktsieg für Sie, sehr geehrter Herr Spreng! Souverän, gelassen, präsent – und mit den mit Abstand besten, weil aufs Wesentliche komprimierten Argumenten!

114) Doktor Hong, Donnerstag, 08. März 2012, 08:39 Uhr

@112) max

Sie zeigen sehr richtig auf, dass es eine Frage der Betrachtungsweise ist. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Steuerzahlungen in die Gehälter von Lehrern und Professoren geflossen sind. Man will ja schließlich etwas für die Bildung tun! :)

Ich habe Schwarz-Gelb nicht gewählt und bin somit nicht verantwortlich dafür, dass Christian Wulff Bundespräsident wurde. Ich fand auch, dass Gauck im Vergleich zu Wulff geeigneter war. Aber was nutzt mir das?

Horst Köhler verzichtet übrigens auf seinen Ehrensold, da er nach eigener Aussage über genügend Alterseinkünfte aus seinen Tätigkeiten als Banker verfügt. Dieser Mann ist wirklich hochanständig.

Wulff ignoriert geflissentlich alles, was nicht zu seinem Selbstbild als ehrbaren und ehrlichen Politiker passt. Das kann man ihm nicht einmal vorwerfen, denn alle Menschen operieren mit einem solchen Wahrnehmungsfilter. Man nennt das in der kognitiven Psychologie “confirmation bias” – wir nehmen nur die Informationen wahr, die zu unseren Vorurteilen passen.

Diesen “confirmation bias” wird man nicht einfach so los, sondern man muss sich selbst und seine Ansichten aktiv in Frage stellen. Und wer will in dieser Gesellschaft schon als “Umfaller” gelten? Wird nicht Merkel, auch in diesem Blog hier, dafür kritisiert, dass sie ihre Ansichten ändert?

Wobei natürlich zu hinterfragen ist, ob sie neben ihrem Machterhalt überhaupt grundlegende politische Ansichten hat, die sie ändern könnte.

115) karel, Donnerstag, 08. März 2012, 08:47 Uhr

Sollten die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Wulff eingestellt werden,
wäre eine Situation da ,
Schmerzensgeld in Millionenhöhe gegenüber Springer + Co.einzuklagen.

Dann könnte sich zeigen, wie “kostbar” Pressefreiheit ist.

116) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 08. März 2012, 08:58 Uhr

@ 111) Bernhard Paul

Sie entgegnen Herrn @der Herr Karl:

“Seit wann muss man sich für eine sachliche, klare Argumentation und fundierte Meinung entschuldigen?
Wir sind hier nicht beim Lukaschenko in Weißrußland und Sie sind nicht der Oberzensor.” Zitat Ende

Wie bitte? Wie können Sie zu so einem Ergebnis kommen, außer die ideologischen Scheuklappen sitzen bei Ihnen, was angesichts Ihrer Beiträge eh zu vermuten ist, mehr als passgenau? Sprengs Artikel triefte geradezu vor Unsachlichkeit, einseitiger Argumentation und ideologisch gefärbter Meinung! Was in einem Politik-Blog, also der persönlichen Hauspostille sozusagen, auch ok ist und Spreng sich meiner Meinung nach sicher auch nicht entschuldigen muss. Nun, dass Sie an dem Artikel nichts auszusetzen haben und ihn im Gegenteil sogar preisen, das soll freilich nicht verwundern. Ein solch gänzlich unreflektierter Unsinn spricht aber letztlich für sich selbst.

Dass nun ausgerechnet ich in die Verlegenheit kommen würde, @der Herr Karl einmal in Schutz nehmen zu müssen, hätte ich auch nicht im schlechten Traum ahnen können. Doch mit Ihrem bösen Hinweis auf Lukaschenkos Weißrussland disqualifizieren Sie sich schließlich auf ganzer Länge! Mit dem “Oberzensor” widerspreche ich Ihnen hingegen nicht.

117) Günter Springer, Donnerstag, 08. März 2012, 10:06 Uhr

@ 101) Namensvetter
Sehr richtig und sehr sachlich, Ihre Darstellung um die angeblichen Rechtsansprüche des Herrn Wullf auf Ehrensold u.ä..
Es ist schon beschämend mit welcher Trixerei (meine Meinung) versucht wird zu beugen.
Es gibt mehrere öffentliche Darstellungen der Rechtslage zum Fall Wullf, die eindeutig sind.
Ich habe weiter oben dazu 2 Links eingestellt.
Am meisten bedrückt doch, daß Volkes Meinung teilweise in Beiträgen als dumm neidisch und sogar als rachsüchtig hingestellt werden.
Idch hoffe nur, daß das Wahlvolk die gegenwärtige Lage bis zu den Wahlen speichert und dann die richtigen Schlußfolgerung zieht.

118) Frank Reichelt, Donnerstag, 08. März 2012, 12:51 Uhr

Aha, Christian Wolff im zweiten Absatz in Christian Wulff geändert.

Wäre ja auch unangemessen den Förster von Falkenau mit dieser leidigen Angelegenheit in Verbindung zu bringen!

119) nurmalso, Donnerstag, 08. März 2012, 14:05 Uhr

der eindruck täuscht. wieder einmal.
nicht erst seit dem sparfuchs aus großburgwedel steht die sinnlosigkeit seines vormals bekleideten amtes zur debatte. auch der ganze ringelpietz mit anfassen, von zapfenstreicheln bis öffentliches geloben steht weitaus länger zur debatte, als es manche gern hätten.
die armee ist nichts mehr wert. aus dem bürger in uniform wurde ein söldner als teil einer internationalen eingreiftruppe (um deutsche wirtschaftsinteressen, wie buprä köhler einst richtig feststellte und nach der folgenden kritik das schiff verließ). es dauert nicht lang und wir betrauen profesionelle sicherheitsfirmen mit diesen belangen. outsourcing. wozu bedarf es da noch eines zapfenstreiches? und auch wenn der im deutschen heer eine tradition hat, die weit vor den braunbatzen in der zeit der preussischen könige lag – die preussischen könige sind lange tot.

aber ich werden mich freuen, wenn sich die ganzen empörungsprofis als nullinger outen. denn eigentlich müsste jetzt vom künftigen pastorenpräsidenten, vom bundestag und staatsrechtlern eine debatte zur reformierung des ehrensoldes und des amtes an sich angestossen werden. kommt aber nicht. und dann fragen sie sich mal warum.

nurmalso

120) gabriele, Donnerstag, 08. März 2012, 15:46 Uhr

ODE AN DIE FREUDE
hat sich Herr Wulff doch noch gewünscht:
Ich glaub´das gilt uns … dem dämlichen Volk

FREUDE SCHÖNER GÖTTERFUNKEN….
mit 52 in Rente -
und nicht zu knapp über dem Exsistenzminimum -

WEM DER GROSSE WURFF GELUNGEN,
EINES FREUNDES FREUND ZU SEYN,
WER EIN HOLDES WEIB ERRUNGEN,
MISCHE SEINEN JUBEL EIN!

121) schnorri, Donnerstag, 08. März 2012, 17:35 Uhr

Auch eine Demokratie verlangt Rituale – und der Zapfenstreich gehört hier dazu.

Und auch wenn sich sämtliche Verfehlungen des Herrn Wulff als justiziabel erweisen sollten, dann wird auch damit das Amt des Bundespräsidenten in kleinster Weise beschädigt.

Wer sieht denn das Amt des Bundeskanzlers beschädigt, nur weil der Kanzler der Einheit viele Jahre lang schwarze Kassen benutzt hat? Eben.

Nicht das Ansehen des Amtes leidet in Krisenzeiten, sondern der Ruf des jeweiligen Amtsinhabers.

Und wenn es in diesem Lande zum hergebrachten Ritual gehört, bestimmten Persönlichkeiten einen Großen Zapfenstreich anzudienen, so hat ihn auch Christian Wulff verdient. Eine solche Ehrung dient dem Amt und nicht dem Inhaber desselben, denn es ist keine Wohlverhaltensprämie, in der die Umfragegeilheit eines Politikers und dementsprechenden Handelns gewürdigt werden soll

122) nurmalso, Donnerstag, 08. März 2012, 18:24 Uhr

“Auch eine Demokratie verlangt Rituale – und der Zapfenstreich gehört hier dazu.”

woraus leiten sie das bitteschön ab?

und übrigens, die 200.000 ocken ehrensold, die werden nicht zur ehrung des amtes gezahlt, sondern zur alimentierung des ehemaligen inhabers. nur um das mal auseinanderzuhalten.

123) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 08. März 2012, 18:40 Uhr

Nach wie vor ist die Frage nicht eindeutig geklärt: war es ein Rücktritt aus politischen Gründen, oder waren es persönliche Gründe?
Das Bundespräsidialamt macht „objektive Umstände für eine erhebliche und dauerhafte Beeinträchtigung der Amtsausübung“ geltend.
Das erklärt aber immer noch nicht, welche objektiven Umstände gemeint sind, die zum Rücktritt führten.
Wenn der Vertrauensverlust des Volkes gemeint ist, wäre das kein politischer Grund. Zumindest bedürfte so eine Auslegung der Gesetzeslage einer näheren Erläuterung. Zumindest dahingehend, was als politischer Grund zu gelten hat.
Politischer Grund wäre es, wenn schwerwiegende Differenzen zwischen der Bundesregierung und Wulff bestanden hätten. Bei Wulff aber fehlt der Sachbezug, der seiner Amtsausübung hinderlich ist. Hier wäre eine Amtsausübung im Sinne einer eingeschränkten Freiheit in der Amtsausübung gegeben. Das war aber bei Wulff nach Lage der Dinge nicht der Fall. In dieser Richtung ist nichts zu erkennen.
Es bleibt bei meiner Vermutung: Die Entscheidung war eine rein politische Entscheidung, und man hat sich hier einer Auslegung einer unsicheren Gesetzeslage bedient, die Sold plus Zapfen gerade eben noch rechtfertigt.

124) nona, Donnerstag, 08. März 2012, 19:16 Uhr

In den (gerade laufenden) Zapfenstreich-Übertragungen von ARD und Phoenix sind die Vuvuzelas und Trillerpfeifen im Hintergrund so gut wie unhörbar. Auf n-tv sind sie überaus deutlich zu hören, und auf N24 sind sie wiederum noch etwas lauter. Schon nicht uninteressant.

125) thomas, Donnerstag, 08. März 2012, 19:22 Uhr

Ich finde es schade, dass Wulff geht – schließlich kann niemand das Wesen unseres deutschen Verwaltungsstaates besser repräsentieren, als er …

126) Winfried, Donnerstag, 08. März 2012, 19:45 Uhr

Wulff hat als Ablenker seinen Job gemacht, warum soll ihm dann nichts verzapft werden? Eine Diskussion über die ganz legale Korruption entsteht dadurch leider auch noch nicht!

Die von Konzernen, Banken und der internationalen Hochfinanz, gelenkten Demokratie in Deutschland geht sowieso die Luft aus, ganz planmäßig, so die Fiskalkrise erst richtig zuschlägt, den Brüning haben wir ja nun im Grundgesetz.

127) Bernhard Paul, Freitag, 09. März 2012, 00:07 Uhr

@116) Thomas Hillebrand

Wenn Sie mir plausibel erklären können, warum sich jemand, der von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung nach Artikel 5 GG in einer offenen, ordentlichen, niemand verletzenden und keine Grenzen überschreitenden Weise professionell Gebrauch macht, entschuldigen sollte, wie @der Herr Karl verlangt, dann leiste ich gerne Abbitte bei Ihnen, bei Herrn Karl und anderen, sicherlich aber nicht beim Lukaschenko.

Sie stehen den Linken nahe, schreiben Sie selbst, ich nicht, aber auch keinesfalls den Rechten. Weil ich keinerlei extreme Standpunkte vertrete, kann ich vieles sehr gelassen verfolgen und muss nicht ideologisch eifern.

Nochmals: Hier eine Entschuldigung zu fordern, ist ein Zeichen extremer Intoleranz, die mit Multipluralittät eiiner offenen Geselslchaft nichts zu tun hat. Zeichen der Unterwerfung verlangen Diktatoren, keine Humanisten.

128) Andre, Freitag, 09. März 2012, 09:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ein Zapfenstreich ist ein wichtiges Zeremoniell, das unseren Respekt vor dem Amt ausdrückt, ganz gleich was wir vom derzeitigen Amtsträger halten mögen. Das ist kein Anachronismus sondern gelebte wehrhafte Demokratie. Wir brauchen diese Zeremonien für unser Gemeinwesen.

Jetzt sollte es Konsequenzen gegen jene Personen geben, die den Zapfenstreich für ein Verfassungsorgan aktiv gestört haben. Dass sogar Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks führend an der Organisation der Störaktionen beteiligt waren, das ist unerträglich, und muss ihren Rauswurf zur Folge haben.

Viele Grüße,
André

129) Thomas Hillebrand, Freitag, 09. März 2012, 10:38 Uhr

@ 127 Bernhard Paul

Schauen Sie, sehr geehrter Herr Paul, Sie tauschen einfach ein paar Adjektive aus – und schon kann ich Ihnen gerne folgen. Nunmehr also schrieb Spreng “offen, ordentlich, niemand verletzend, keine Grenzen überschreitend und professionell”. Ok, geschenkt, kann ich gerne unterschreiben. Solange Sie “sachlich” weglassen.
Leider sind Sie aber bei mir an der ganz falschen Adresse, Ihnen plausibel erklären zu können, warum sich Spreng entschuldigen sollte. Das liegt ganz einfach daran, dass ich das nie gefordert habe, im Gegenteil. Lesen Sie einfach noch mal nach in @ 116).

Würden Sie übrigens meine Kommentare genauer lesen, würden auch Sie erkennen, dass ich beileibe keine “extremen Standpunkte” vertrete noch in irgendeiner Art “ideologisch eifere”. Sehen Sie, indem Sie nun all die vielen Stellen offenbar bewusst ausblenden, in denen ich “Linke” (als Sammelbegriff, nicht von der Partei abgeleitet, der ich übrigens auch nicht angehöre) genau so kritisiere und andererseits Spreng auch gerade gegen ideologische Eiferer verteidige oder oft sehr positiv rezipiere*, zeigen Sie dummerweise, dass es offenbar doch Sie selbst sind, der ideologisch in die pralle Sonne blickt.
* Das sind dann übrigens die Kommentare, in denen ich hilflos rufe, dass ich, bitte, bitte doch der Linken nahe stehe, weil’s mir sonst keiner mehr glauben würde.

130) Mark, Freitag, 09. März 2012, 10:50 Uhr

@124) nona, Donnerstag, 08. März 2012, 19:16 Uhr

> In den (gerade laufenden) Zapfenstreich-Übertragungen
> von ARD und Phoenix sind die Vuvuzelas und Trillerpfeifen
> im Hintergrund so gut wie unhörbar. Auf n-tv sind sie überaus
> deutlich zu hören, und auf N24 sind sie wiederum noch etwas
> lauter. Schon nicht uninteressant.

Naja, das Staatsfernsehen hatte ja bei der Fußball-WM in Südafrika reichlich Gelegenheit, zu üben, wie man diese Töne herausfiltert. Und man hat einen staatstragenden Auftrag, nämlich Unions-Politiker -egal wie schlecht sie auch sein mögen- nicht zu scharf zu kritisieren. Man hätte ja auch auf die Idee kommen können, die Übertragung NUR auf Phönix stattfinden zu lassen. Oder einem anderen Spartenkanal. (Andererseits: Wulff’s Streich hatte immerhin eine dreimal so hohe Quote wie Gottschalk. Vielleicht sollte das Erste jeden Abend einen Zapfenstreich übertragen und zwischendrin ein bisserl Werbung machen? Wir haben ja noch soooo viele Politiker, die schnellstmöglich ehrenhaft verabschiedet werden müssten! ;-)

Auch ist nicht undenkbar, dass N24 und n-tv den Ton zusätzlich von den Demonstranten abgegriffen haben und in das Live-Bild hinengemixt haben. Wollten sie vielleicht einen Kontrapunkt zum Staatsfernsehen setzen?

Wie auch immer – die Vuvuzela-Idee war gut und friedlich, und es ist besonders befriedigend zu wissen, dass vor allem wohl der Geehrte selbst die Vuvuzelas gehört haben muss. Darauf kam es schließlich an! Ändern wird den sowieso niemand mehr; da ist Hopfen und Malz verloren.

131) H.F., Freitag, 09. März 2012, 11:46 Uhr

@128) Andre

#Jetzt sollte es Konsequenzen gegen jene Personen geben, die den Zapfenstreich für ein Verfassungsorgan aktiv gestört haben. Dass sogar Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks führend an der Organisation der Störaktionen beteiligt waren, das ist unerträglich, und muss ihren Rauswurf zur Folge haben. #

Auf welcher Rechtsgrundlage?

132) der Herr Karl, Freitag, 09. März 2012, 11:51 Uhr

Ich habe mir eben den Grossen Zapfenstreich via ARD-Mediathek angeschaut. Es waren tatsächlich einige Schuhhochhalterinnen zu sehen. Zu meinem Glück moderierte der unaufgeregte und sachliche Deppendorf die Sendung.
Nun ist diese Geschichte also ausgestanden; noch einige brisante Details vielleicht und dann wird sich Bild und Konsorten neuen Aufregern zuwenden. Zurückbleiben wird das aufgewiegelte deutsche Volk – vor Wochen noch zu über 60 % Pro-Wulff, nun zu 90 % gegen ihn. Wenn Bild wollte, könnte sie praktisch für jeden Politiker zur Hatz blasen, um ihn schliesslich am Ende seiner Kräfte abzuschiessen. Spätestens bei Peinlichkeiten wie der Sache mit dem Bobbycar hätte man das Spiel jedoch durchschauen müssen.
Ich war anfangs auch gegen Wulff, fand dann aber recht bald die eklatante Verletzung der Verhältnismässigkeit und Ungleichbehandlung schlimmer als die Verfehlungen von Wulff. Am Ende beeindruckte mich seine Bewahrung der Contenance und seinen Durchhaltewillen. Als BP hatte er wenig, aber Grosses geäussert. Beim Jacob Jung-Blog habe ich gestern geschrieben: “Wenn das deutsche Volk jubelt, dann aber richtig – wenn das deutsche Volk hasst, dann aber richtig.”

Noch ein Wort zu “Gauck und der Shitstorm”. Natürlich ist es sein gutes Recht (der Freiheit zur Meinungsäusserung), was Spreng dort schrieb. Aber es ist auch mein Recht zu sagen, er habe Mist geschrieben. Und zwar vorsätzlich. Er vermengte geschickt zwei Themen, welche nicht zusammen gehören. Und es ist auch mein Recht, eine Entschuldigung zu fordern. Dass er dies nicht tut, war mir auch klar. Dass er meine Kommentare freischaltete, fand ich respektabel.
Sollte der Sprengmeister dereinst ein Buch mit seinen besten gesammelten Artikeln veröffentlichen, würde ich es sicher auch kaufen. Ich wüsste aber einige Artikel, welche ich darin nicht vorfinden wollte.

133) Andre, Freitag, 09. März 2012, 12:45 Uhr

@HF Der Rundfunk ist immer noch öffentlich rechtlich. Es kann nicht angehen, dass Mitarbeiter des Rundfunks gegen den Bundespräsidenten lautstarke Proteste mobilisieren. Genauso wie man diese doofe Frau vom NDR mit ihrem Mutterkreuz losgeworden ist. So etwas geht einfach nicht im öffentlichen Dienst.

134) Maren P., Freitag, 09. März 2012, 12:51 Uhr

Ich finde es völlig ok., gegen einen derartigen zeremoniellen Abschied aus dem Amt zu protestieren (demonstrieren). Und gegen die Marschmusik gewaltfrei(!) den Lärm der Straße zu setzen, ist eine wunderbare Errungenschaft unserer Demokratie. Vuvuzelas allerdings halte ich für afrikanische Folterinstrumente, die verboten werden sollten! Ihr Lärm verhindert, sich spontan einer Demonstration anzuschließen, wenn man keinen dauerhaften Hörschaden riskieren will. Da kann von “gewaltfrei” keine Rede mehr sein! (Das fand ich auch schon während der WM …)
Jetzt ist Wulff verabschiedet worden und ich bin zuversichtlich, dass sich das Thema vorerst erledigt hat. Es gibt wirklich Wichtigeres!

135) max, Freitag, 09. März 2012, 13:55 Uhr

>>ein Zapfenstreich ist ein wichtiges Zeremoniell, das unseren Respekt vor dem Amt ausdrückt, ganz gleich was wir vom derzeitigen Amtsträger halten mögen. Das ist kein Anachronismus sondern gelebte wehrhafte Demokratie. Wir brauchen diese Zeremonien für unser Gemeinwesen.

@andre
Wir brauchen solche Zeremonien für unser Gemeinwesen???? Seit wann denn das? Im dritten Reich waren solche Zeremonien beliebt, Aufmärsche usw. … da ging Massengehorsam auch über gesunden Menschenverstand … aber heute???? Ich dachte, das hätten wir hinter uns gebracht.

136) Politikverdruss, Freitag, 09. März 2012, 14:55 Uhr

Alles Schönreden wird nicht helfen. Die „Vierte Gewalt“ hat in der Sache Wulff als Teil der „Checks and Balances“ unserer Demokratie versagt. Es war ihr wichtiger, einen zweitklassigen Politiker zur Strecke zu bringen, als z.B. ein politisches Kernproblem in der deutschen Politik anzugehen: Nämlich die längst zum Parteiengeschacher verkommene Auswahl der politischen Eliten dieses Landes auf ein demokratisches Fundament zu stellen.

Die journalistische Maßlosigkeit, Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit ist in dem Verhalten von Frau Schausten („pro Nacht 150 Euro“) vom „öffentlich-rechtlichen“ ZDF besonders deutlich geworden. Aber auch die Reaktion des ZDF, Frau Schausten werde sich nicht zu ihrer vor Millionen Zuschauern vorgetragenen Lüge äußern, verdeutliche eine journalistische Arroganz sondergleichen.

Wer ist das nächste „Opfer“ der „Vierten Gewalt“ nach Verteidigungsminister, Bundespräsident und der FDP, die in geradezu abstoßender Weise „niedergeschrieben“ wird. Der Politik (Exekutive) hat die „Vierte Gewalt“ bereits den Schneid abgekauft. Welcher Politiker wird sich zukünftig noch auf eine Auseinandersetzung mit „Bild, FAZ und Co.“ einlassen? Wer ist als nächster dran? Die Judikative, weil sie in der Europa-Frage nicht so kooperiert, wie das die Journalisten-Meute erwartet.

Für die Bürger dieses Landes wird es Zeit, über einen „medienkritischen Aufstand“ nachzudenken und zu fragen, wer kontrolliert eigentlich die längst abgehobenen, selbsternannten Kontrolleure.

137) Benjamin Merkler, Freitag, 09. März 2012, 15:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

auch wenn ich Ihren Ausführungen in weiten Teilen zustimme, so finde ich doch, dass eines Ihrer Argumente zu kurz greift (habe dies auch bei Ihren Auftirtten im TV vermisst). Denn das eigentlich Skandalöse ist doch, dass das Präsidialamt sich in der Begründung für den Ehrensold auf die eigenen Worte beruft. Seit wann können denn Redenschreiber im Nachhinein juristisch auslegen, was Inhalt der Rede ist?
(Ausführlicher habe ich dies in meinem Blog behandelt: http://ben82cgn.wordpress.com/2012/03/09/dann-gebt-dem-kaiser-was-dem-kaiser-gehort/)
Dies ist ein weiterer Schritt einer schrittweisen Aufweichung unserer Verfassungsprinzipien, den man nicht einfach so hinnehmen sollte.

138) H.F., Freitag, 09. März 2012, 17:43 Uhr

@133) Andre

#Es kann nicht angehen, dass Mitarbeiter des Rundfunks gegen den Bundespräsidenten lautstarke Proteste mobilisieren. #

Ja, eine ganze Menge Dinge können nicht angehen. Dennoch ist die Frage nach der Rechtsgrundlage offen.

Also?

139) Andre, Freitag, 09. März 2012, 18:47 Uhr

Rechtsgrundlage ist die Strafbarkeit der Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Einer solch harten Grundlage bedarf es aber gar nicht, sondern einfach des Dienstrechts bzw. der paritätischen Kontrolle der Aufsichtsgremien in den Rundfunkanstalten. Es wäre noch in den 80er Jahren vollkommen undenkbar gewesen. Es kann nicht angehen, dass jemand von den Medien zur Demonstration gegen ein Verfassungsorgan aufruft.

Eine “vierte Gewalt” gibt es nicht. Der Begriff ist ein Scherz, der die Macht der Medien behandelt.

Ich habe früher auch nicht verstanden, welchen Sinn solche Zeremonien und Rituale haben und hatte ganz im Effizienz-Eifer das alles für Zeitverschwendung und Geldverschwendung gehalten. Ich hatte Unrecht. Das wichtige ist, dass sie bestimmte Leerstellen füllen. Sie haben das Dritte Reich angesprochen, als sei einer Diktatur notwendige Bedingung für eine zeremonielle Strukturiertheit des Staates, das auf dieser Klaviatur gespielt hat. Um ein Beispiel zu geben, eine repräsentative Monarchie im Sinne der Vorstellungen Walter Rathenaus hätte ganz gewiss den “Führerkult” als irrationale Sehnsuchtsfigur der Massen verhindert. Die Weimarer Republik hat nicht ausreichend verstanden ihr Handeln sich als parlamentarische Demokratie zu ritualisieren.

Wir müssen ja nur mal sehen, was für eine riesige Debatte hier entstanden ist um ein weitgehend symbolisches Amt und finanziell sehr überschaubare frühere Verfehlungen des Bundespräsidenten. Es hat seinen Grund, warum wir unsere Toten nicht in der Müllverbrennungsanlage entsorgen. Es hat seinen Grund, warum man einen Bundespräsidenten mit Zapfenstreich verabschiedet. Wir brauchen dieses Gedöns, und sein Fehlen kann gewaltiger Folgen haben. So wie die Behandlung des derzeitigen Bundespräsidenten daran liegen mag, dass er keiner war, nicht in die Rolle des Bundespräsidenten gepasst hat. Es hätte nie dazu kommen dürfen, dass der Herr Gabriel von der SPD den Präsidenten wie ein Mitglied der Regierung angreift und die Stimmung anheizt.

Und ja, ich war nie ein Befürworter von Christian Wulff, aber es steht nicht Medien und Parteipolitikern an bereits den zweiten Präsidenten aus dem Amt zu mobben. Unsere Bundespräsidenten treten nicht zurück. Die Springermedien wie BILD hätten von Anfang an nicht so über den Bundespräsidenten berichten dürfen. Dass Wulff angerufen hat, war unnötig aber in der Sache vollkommen richtig. Dass er dazu gezwungen wurde sich in dieser Hinsicht zu verleugnen, war unmöglich. bis in die 80er Jahre dachte Fall man an den Fall des Reichspräsidenten Friedrich Ebert, der mit Bildern vom Badeurlaub in den Medien verspottet wurde.

140) Peter Christian Nowak, Freitag, 09. März 2012, 19:35 Uhr

136) Politikverdruss

Die FDP wird kritisiert, nicht “niedergeschrieben”. Aufgabe von Journalisten ist es, Dinge ungeschminkt zur Kenntnis zu nehmen, sie zu veröffentlichen. Die Bewertung ist der öffentlichen Meinung zu überlassen.
So sollte es jedenfalls sein. Dass dem nicht immer so ist, ist leider aber auch wahr. Der Journalismus ist nicht frei davon, politisch instrumentalisiert zu werden. Die Gefahr besteht immer. Da stimme ich Ihnen zu.
Aber ich sage Ihnen auch, dass die meisten Journalisten um neutrale Berichterstattung bemüht sind. Gäbe es sie nicht, wäre unser Gemeinwesen um vieles ärmer.
Ich kenne auch Fälle, da wurden Journalisten geschasst, weil sie sie nicht mainstream-konform arbeiteten, so wie es die Chefredaktion vorsah.
Wenn investigativer Journalismus dazu führt, Ereignisse ans Licht zu bringen, die ansonsten verborgen blieben, dann hat er seine Aufgabe, Zuarbeiter der Demokratie zu sein, erfüllt.

141) Peter Christian Nowak, Freitag, 09. März 2012, 19:57 Uhr

@30) rundertischdgf

^^(…)woher hat die EZB 1 Billion Euro^^(…)

Siehe: http://www.nachdenkseiten.de/?p=12480#more-12480

142) Alexis, Samstag, 10. März 2012, 09:07 Uhr

139) Andre, Freitag, 09. März 2012

Finde gut gelungen, wie Sie den historischen Hintergrund ausleuchten. Es hat schon seinen Grund, warum bestimmte Zeremonien so sind wie sind. Kritik an sich ist völlig o.k., ja muß sogar sein, auch von den Medien, mediale “Vernichtungsfeldzüge” sollten jedoch nicht zu einer Demokratie gehören. Weimar wollen wir nicht wiederholen. Und die so oft angesprochene “Volksmeinung” wollen wir auch nicht zur Basis unserer Rechtsprechung machen, etwa im Fall Todesstrafe.

143) Politikverdruss, Samstag, 10. März 2012, 13:45 Uhr

@Peter ChristianNovak,

vielen Dank für Ihre Antwort (140) auf meinen Beitrag Nr.136. Unter anderem schreiben Sie: „Aber ich sage Ihnen auch, dass die meisten Journalisten um neutrale Berichterstattung bemüht sind.“

Nun wissen Sie ja sicherlich um die Bedeutung des Begriffes „Bemühen“ in einer Arbeitsbeurteilung. Insofern ist es mit der „neutralen Berichterstattung“ nicht gut bestellt.

Das bestätigen auch die Untersuchungen des Kommunikationswissenschaftlers Hans Mathias Kepplinger. Er hat festgestellt, dass knapp zwei Drittel der Journalisten den Grünen und der SPD nahestehen. Bei den Journalisten mit Parteienneigung bekennen sich sogar 76 Prozent zu Rot und Grün.

Hieraus entwickelte sich eine „journalistische Sicht“, die längst auf die politischen Parteien abgefärbt hat. Wir haben in wesentlichen Fragen der Politik in Berlin parteiübergreifend eine „Einheitsfront“. Das ging ja sogar soweit, dass die FDP zum „mitfühlenden Liberalismus“ abdriftete, um ja auch in diesem „Mainstream“ mit segeln zu können.

Insgesamt habe ich ein ungutes Gefühl. Lediglich die Bürger des Landes haben sich noch nicht vereinnahmen lassen. Siehe Sarrazin. An der Wulff-Medien-Kampagne wird aber deutlich, dass das mediale Bombardement nur intensiv genug sein muss, um auch diese letzte Bastion zu durchbrechen.

144) Bernhard Paul, Samstag, 10. März 2012, 16:43 Uhr

@Thomas Hillebrand, #129 und116, und allgemein @all

Ich versuche es ein letztes Mal, diesmal so einfach wie nur möglich dargestellt, worum es mir im Kern geht:

Wir alle, Sie und ich und andere, nehmen wie selbstverständliche das Recht auf freie Meinungsäußerung nach Artikel 5 GG in Anspruch, gerade auch hier im Internet, ob mit Pseudonym oder unter Klarnamen. Dabei wird auch – was ich gut und richtig, in jedem Fall korrekt finde – pointiert argumentiert, hart kritisiert und manchmal scharf geschossen.

Nun nimmt M. Spreng exakt dieses Recht für sich in Anspruch, um in einem pointierten und kritischen Meinungsartikel sich unter anderem auch über manche Internetblogger kritisch auszulassen (ich habe ihm nicht einmal vollumfänglich zugestimmt) und im Nu wird ihm dieses Recht bestritten. Motto: Getroffene Hunde jaulen auf.

Spreng soll sich nach mancher Ansicht sogar entschuldigen dafür, dass er das gleiche Recht für sich beansprucht wie seine Kritiker.

Damit verbinde ich nunmehr nochmals die Frage, die mir niemand beantwortet hat und vermutlich auch niemand beanworten kann, auch Sie nicht, Herr Hillebrand, wieso sich jemand für die korrekte Inanspruchnahme eines staatsbürgerlichen Rechts entschuldigen soll. Was ist das für eine demokratische Haltung, ein Grundrecht, das man selber wie selbstverständlich in Anspruch nimmt, anderen verweigern zu wollen?

Um diese demokratische Grundfrage ging es mir und anderen nach Sprengs Beitrag “Gauck und der Shitstorm im Internet”. Und deshalb auch die eine oder andere etwas heftigere Bemerkung dazu meinerseits. Aber womöglich haben Sie ja doch eine Erklärung.

(Dieser Kommentar bezieht sich leider nicht unmittelbar auf das Thema hier, sondern auf die vorausgegangene über Gauck und den Internet-Shitstorm, wurde aber auch hier nochmals aufgegriffen – Danke an alle für das Verständnis)

145) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. März 2012, 18:46 Uhr

@ 139)Andre

Vom Grundsatz her, nämlich dass Demokratie nicht einer korrupten politischen Klasse anheim fallen darf, sind die Aktionen von BILD und der spiegel richtig gewesen.
Aber ich frage mich schon, wie es mit den existentiellen Problemen und der Akribie aussieht, mit der zur Zeit die Politik von den Medien begleitet wird. Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?
Da werden Milliardenkredite für „notleidende“ Banken vergeben, am liebsten noch in Tafelrunden ausgesuchter Ritter der in aller Eile zusammengeschusterten Kontrollgremien. Von einem akribischen Untersuchungsverhalten seitens der Medien, die das einer wartenden Öffentlichkeit erklären könnte, keine Spur.
Auch wäre es im Sinne der Bedeutung von investigativen Journalismus gewesen, was Wulff im Kontext des Maschmeyer Skandals mit der privaten Vorsorge und den zweifelhaften Finanzprodukten aus dem Hause Maschmeyer zu tun hatte. Schließlich war Wulff zu dieser Zeit Ministerpräsident eines Bundeslandes und dazu noch enger Freund Maschmeyers. Wusste Wulff von den Drückermethoden, die erst Christoph Lütgert in seiner Dokumentation „Der Maschmeyer-Skandal“ aufdecken mußte und die Öffentlichkeit informierte?
Oder ob das Upgrade bei Air Berlin etwas mit dem damaligen Chef des Airliners zu tun hatte. Schließlich nahm es der nicht so genau mit den Arbeitnehmerrechten in seinem Unternehmen. Und gab es einen Zusammenhang zwischen dem Steuerprivileg von Flugbenzin und der Person Wulff?
Oder wie verflochten waren die Interessen RWE und dessen CEO Großmann mit Wulff im Zusammenhang Laufzeitverlängerung für AKW´s?
Kurz: Waren freundschaftliche Beziehungen, die Wulff zu Teilen der Wirtschaft pflegte, ausschlaggebend für seine Entscheidungen? Und wenn ja, welche waren es?
Im Fall Wulff kamen meines Erachtens die politischen Konsequenzen seiner Ministertätigkeit zu kurz. Seine privaten Verflechtungen waren mit Sicherheit Einfluss nehmend auf seine politischen Entscheidungen, die er im Amt des Ministerpräsidenten traf. Dies ist ein Verdacht. Und der steht nach wie vor unbewiesen im Raum. Hier blieb die Investigation auf freier Strecke stehen. Leider. Insofern bleibt die Geschichte-Wulff“, im Gegensatz zu Guttenberg, eine Geschichte mit unbefriedigendem Ausgang.

146) Escape, Samstag, 10. März 2012, 18:50 Uhr

Dieser unsägliche ehemalige Bundespräsident hat alles bis zum Letzten ausgereizt – das “Volk” ist empört, na und – wen interessiert es schon??? Ist so traurig!!!!

147) H.F., Sonntag, 11. März 2012, 09:32 Uhr

@139) Andre

#Rechtsgrundlage ist die Strafbarkeit der Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Einer solch harten Grundlage bedarf es aber gar nicht, sondern einfach des Dienstrechts bzw. der paritätischen Kontrolle der Aufsichtsgremien in den Rundfunkanstalten. Es wäre noch in den 80er Jahren vollkommen undenkbar gewesen. Es kann nicht angehen, dass jemand von den Medien zur Demonstration gegen ein Verfassungsorgan aufruft.#

Da muss ich noch mal nachhaken. Verunglimpfung ist eine besonders schwere Form der Ehrkränkung (Beleidigung) . Ein Ausdruck der Verachtung ist keine Verunglimpfung, Vuvuzelas auch nicht. Abgesehen davon sind Tatsachenbehauptungen keine Beleidigung, wie auch ein Aufruf zu eine Demonstration keine Verunglimpfung ist. Weiterhin ist die Verunglimpfung, falls sie tatsächlich vor liegt, im Maximalfall mit drei Monaten Freiheitsstrafe.

Jetzt müssten Sie nachweisen, dass eine so schwere Verunglimpfung vorgelegen hat, dass Dienstrechliche Konsequenzen gezogen werden könnten.

Die Rechtsgrundlage fehlt immer noch. Also?

148) H.F., Sonntag, 11. März 2012, 09:35 Uhr

145) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. März 2012, 18:46 Uhr

#Aber ich frage mich schon, wie es mit den existentiellen Problemen und der Akribie aussieht, mit der zur Zeit die Politik von den Medien begleitet wird. Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?#

Ganz im Gegenteil. Die Presse hat etwas, worauf sie sich stürzen kann. Drei Monate sehr schönen Diskussionsstoff. Leicht eingänglich, gut zu vermitteln.

Wer will da versuchen die kommende Enteignung des Wohlstands aller Bürger zu recherchieren? Viel zu kompliziert, zu schwer zu vermitteln. Zum “Glück” gabs da den Wulff als schöne Ablenkung.

149) Politikverdruss, Sonntag, 11. März 2012, 12:09 Uhr

@Peter Christian Nowak,
ergänzend zu meinem Kommentar unter Nr. 143 hier der entsprechende Artikel von Prof. Kepplinger.
http://www.kepplinger.de/files/Focus_Mai_2011.pdf

Darüber hinaus stimme ich Ihrem Kommentar unter Nr.145 ausdrücklich zu. Sie fragen zu recht: „Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?
Da werden Milliardenkredite für „notleidende“ Banken vergeben, am liebsten noch in Tafelrunden ausgesuchter Ritter der in aller Eile zusammengeschusterten Kontrollgremien. Von einem akribischen Untersuchungsverhalten seitens der Medien, die das einer wartenden Öffentlichkeit erklären könnte, keine Spur.“

In wenigen Wochen wird das Parlament über den ESM abstimmen. Warum wird der Inhalt dieses Vertrages nicht breit in der Öffentlichkeit diskutiert? Ist der Vertrag überhaupt mit dem Budget-Recht des Bundestages und mit dem Grundgesetz vereinbar?

Oder eine andere Frage: Warum mutierte das europäische Verrechnungssystem TARGET2 zu einer gigantischen Kredithilfe für südeuropäischen Staaten? Nun sitzen wir gegenüber den Südeuropäern auf Forderungen in abenteuerlicher Höhe und kein Mensch fragt, ob das, was die Bundesbank da zugelassen hat, überhaupt verfassungskonform ist.

Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?

150) Thomas Hillebrand, Sonntag, 11. März 2012, 18:29 Uhr

@ 144) Bernhard Paul

Lieber Herr Paul,

Sie rennen doch bei mir offene Türen ein mit (fast) allem, was Sie in @144) schreiben. Doch trotz Ihrer nunmehr “so einfach wie möglichen Darstellung” weiß ich aber immer noch nicht, was Sie ausgerechnet von mir wollen? Ich hatte ja nie eine Entschuldigung von Spreng gefordert. Deshalb vermag ich Ihnen selbstverständlich auch keine Erklärung über die Seelenzustände dessen oder derer zu geben, die eine solche gefordert hatten. Auf meiner Couch liegen sie jedenfalls nicht.

Zweierlei vielleicht noch: Zunächst, das verzeihen Sie bitte, finde ich es ein bisschen arg pathetisch, mit Artikeln des Grundgesetzes und dessen Termini herumzufuchteln und Reflexionen zu den Grundlagen der Meinungsfreiheit anzustellen, wenn sich hier einer mal so auf die Füße getreten fühlt(e), dass er eine Entschuldigung von Spreng fordert(e). Der Hausherr dieses Blogs selbst wird das wahrscheinlich eher mehr als gelassen zur Kenntnis genommen haben. Das ist doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Überdies interessiert unsere kleine Diskussion eigentlich niemanden hier, da sie offenbar niemand weiter wichtig erscheint. Das andere ist, dass gerade Sie es doch waren, der Sprengs umstrittenen Artikel in den Olymp der reinen Sachlichkeit erhoben hatte, was natürlich zurecht einige Gemüter erregt hat. Meines auch, was gleichzeitig der einzige Grund ist, warum ich mich an dieser an sich nebensächlichen Debatte beteilige.

151) romeias47, Sonntag, 11. März 2012, 23:48 Uhr

149) Politikverdruss
Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?

Oder eine Spur näher am Thema der Causa Wulff (Wirtschaftsnähe). Was läuft eigentlich im Zusammenhang mit Forschung(spolitik) und Wirtschaft? Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl.

Ich habe mich vorhin bei Jauch ausgeklinkt – die Medien sollten sich jetzt wirklich gedulden, bis es wirklich neue Ergebnisse gibt, und die Wulffs erst einmal in Ruhe lassen. Dass öffentlich beraten wird, was “man ihn denn nun noch machen lassen könnte”, finfde ich denn doch unangemessen.
Henning Scherf (gelobt für einen eleganten Abgang) hat mich enttäuscht, weil er über ein Vier-Augen-Gespräch mit Wulff berichtet hat. Das ist auch kein guter Stil.

Für mich ist entscheidend, dass die Verfassungsväter und -mütter (gab es sie eigentlich?) bei der Ausstattung von Ehrensold etc. von abgeleisteten aber nicht abgebrochenen Amtszeiten ausgegangen waren und von Bewerbern, die ihre eigentliche berufliche Laufbahn abgeschlossen hatten (also etwa mitte 60 waren). INsofern hätte sich Wulff nichts vergeben, wenn er die Bezüge vorbehaltlich der Ermittlungsergebnisse und Strafverfahren von sich aus reduziert hätte. Auch 100 000 Euro reichen für einen Vier-Personen-Haushalt mit Hund.

Schließlich fand er die Bezüge selbst im Normalfall kurz vor seinem Amtsantritt noch unangemessen hoch. Von Gerd Schröder sagte man häufig, er sei ein Kanzlerdarsteller, bei Wulff fällt mir das Wort Bundespräsidentendrsteller ein – an seinen Auftritten gab es ja nicht viel zu mäkeln, außer dass sie auf mich immer etwas tönern gewirkt haben.

152) max, Montag, 12. März 2012, 00:24 Uhr

#Es hat seinen Grund, warum man einen Bundespräsidenten mit Zapfenstreich verabschiedet. Wir brauchen dieses Gedöns, und sein Fehlen kann gewaltiger Folgen haben. #

@Andre
Was für Folgen sollte das Fehlen von solch preussischer Militärriten haben? Ich kann mir vorstellen, dass solche Rituale vielleicht von einer Minderheit vermisst werden, die sich gerne eine über alles erhabene Instanz wünschen und solche Rituale brauchen, um Personen in einen monarchischen, gottähnlichen Stand zu erheben, um sie dann verehren zu können. Und natürlich braucht man ein Gesetz, das es verbietet, diese Unfehlbarkeit anzutasten. Riten brauchen ihre Zeit zum Sterben und vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit, dass so richtig schön deutlich geworden ist, wie unzeitgemäß dieses zackige Militärgedöns ist.

153) H.F., Montag, 12. März 2012, 09:40 Uhr

@m.spreng

Hallo Herr Spreng,

bitte ein neues Thema! Wulff hat sich nun wirlich tot gelaufen. Und selbst wenn nicht, dann kann man noch was einschieben.

Aber jetzt bitte was neues. ESM zb., oder die Finanzkrise/Griechenland.

Bitte. Bitte.

154) M.M., Montag, 12. März 2012, 10:12 Uhr

Nun soll laut Bild der angeblich “tief glaeubige Katholik” Herr Wullff zum Zapfenstreich sogar aus einem Kloster angereist sein. Fuer wie bloed haelt die Zeitung ihre Leser?

155) der Herr Karl, Montag, 12. März 2012, 13:03 Uhr

@M.M.
“Fuer wie bloed haelt die Zeitung ihre Leser?”

Für ziemlich blöd, finde ich…
“Stattdessen diese typische, fast heimliche Empörung, ganz individuell, ein jeder für sich, im stillen Kämmerlein. Oder auf der Baustelle, bei Brotzeit und BILD…”

156) Abel, Montag, 12. März 2012, 13:56 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ich denke sie zäumen das Pferd vom falschen Ende auf.
Über den Sinn des Zapfenstreich darf diskutieren.
Man sollte sein Pro und Kontra aber nicht davon abhängig machen, das damit auch weniger Ehrenvolle geehrt werden.
MfG
Abel

157) Peter Christian Nowak, Montag, 12. März 2012, 14:52 Uhr

@149) Politikverdruss

^^Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?^^

Ja, Sie haben das Richtige angesprochen, das mit der neutralen wie kritischen Berichterstattung. Da haben so manche Journalisten ein Problem. Sie entstehen einerseits aus der persönlichen Zustimmung für eine Ideologie, und andererseits müssen sie sich auch an die Vorgaben halten, die der Sender oder Verlag ihnen macht. Hier werden manchmal Maulkörbe verteilt, die nicht unbedingt im Interesse seriöser Berichterstattung liegen, sondern eher im wirtschaftlichen Interesse des Verlages – Stichwort Werbeeinnahmen. Und auch stimme ich Herrn Dr. Kepplinger zu, wenn er dies “Lenkung” als “Mainstream-Journalism” bezeichnet.

Andererseits sind Journalisten nicht unbedingt Fachleute auf dem Gebiet von Wirtschaft und Finanzen. Und wenn sie es sind, gibt es zu einer These zehn andere – je nach dem, wie viele am Tisch sitzen. Was zur Zeit im Focus der Öffentlichkeit höchstes Interesse erweckt ist zwar von existentieller Bedeutung für jeden von uns, aber mit dem Verständnis von äußerst komplexen Zusammenhängen hapert es. So geht es auch Journalisten. Angewiesen sind sie von Erklärungsmustern, die wiederum aus den Interessenverbänden von Wirtschaft und Banken kommen. Hier wird ein Pool von Meinungsbildnern tätig, die selbstverständlich nur das erklären, was ihren Interessenverbänden nutzt. so kommt es, daß im Presseclub, Illner, Hart-aber-Fair, Phoenix-Runde, Anne Will in steter Regelmäßigkeit immer die gleichen Leute als “Fachleute” vorgestellt werden. Eine Öffentlichkeit grundsätzlich gegen die Zocker an den Börsen beispielsweise aufzubringen, wäre nicht im Interesse der Finanzwirtschaft.
Und so setzt sich das Theater fort. Jeder gibt nur das Preis, was das Volk wissen darf. Hintergründe von Bedeutung kommen faktisch nur per Zufall ans Licht. Man sieht zu, daß man im Thema “bella Figura” macht.
Zurück bleibt der unbefriedigte Zuschauer.

Dann kommt es zu dem, was 148) H.F. angesprochen hat. Der Zuschauer vermutet die gelenkte Information durch gelenkte Journalisten. Man vermutet Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen, für die Zukunft entscheidenden Problemen, die die Bürger unmittelbar betreffen: die Bankenkrise, der Umgang mit ihr und was am Ende des Tages, wenn Zahltag ist, als schmerzliche Konsequenzen zu tragen sein wird.

158) H.F., Montag, 12. März 2012, 19:39 Uhr

@157) Peter Christian Nowak

#Der Zuschauer vermutet die gelenkte Information durch gelenkte Journalisten. #

Nein, das habe ich nicht gemeint. Ein Honigtopf zieht Honigliebhaber an. Und ein Skandal Journalisten. Da muss nichts gelenkt werden. Wenn man eine Skandal-fähige Person an exponierter Stelle hat, dann genügt ein Hinweis und die Sache läuft VON ALLEINE. Eine Verschwörung ist nicht nötig. Also auch keine Verschwörungstheorie.

Das Ablenkungsmanöver kann durch einen bloßen Hinweis ausgelöst werden (könnte natürlich auch “durch Pech” vorzeitig ausgelöst werden).

159) Helmut Bachschuster, Freitag, 16. März 2012, 00:55 Uhr

Spricht mir aus dem Herzen. Ich zwang mich, dieses Spektakel im Fernsehen zum ersten Mal und in vollem Umfang anzuschauen und bemerkte bei mir eine Mischung aus völligem Unverständnis für dieses militärische Mottenkistenrelikt und Erheiterung darüber, dass sich die Soldaten mit diesem anachronistischen Ritual doch ganz ordentlich der Lächerlich preisgeben, die im “Helm ab zum Gebet” gipfelt.

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