Sonntag, 04. März 2012, 12:11 Uhr

Streicht den Zapfenstreich!

Eine der anachronistischsten Veranstaltungen in Deutschland ist der Große Zapfenstreich. Das große militärische Tschingderassabum mit Fackeln, Gebet und  „Präsentiert das Gewehr!“ wird von Mal zu Mal absurder – und verlogener.

Den Höhepunkt der Absurdität erreicht die Veranstaltungsreihe am kommenden Donnerstag, wenn der unehrenhaft zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff damit geehrt und verabschiedet  wird. Nach dem Ehrensold die militärische Ehrung – und das Volk erstickt an seiner ohnmächtigen Wut.

Die zuletzt Geehrten waren: Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der zurücktreten musste, weil er dem Parlament wichtige Einzelheiten eines – für die Zivilbevölkerung tödlichen – deutschen Angriffs in Kundus vorenthalten und demonstriert hatte, dass er sein Ministerium nicht im Griff hatte. Dann wurde Horst Köhler geehrt, der fahnenflüchtige, aber ehrenwerte Bundespräsident. 

Danach waren Staatssekretär Peter Wichert und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan an der Reihe, die entlassen worden waren, weil sich der damalige Verteidigungsminster zu Guttenberg von ihnen angeblich hintergangen und getäuscht fühlte. Zu Guttenberg war dann selbst der nächste Geehrte, ein Mann, der wegen seiner zusammengeklauten Doktorarbeit zurücktreten musste. Und jetzt Christian Wulff.

Eindrucksvoller als diese Reihe der Geehrten lässt sich der Niedergang dieses militärischen Ehrenzeremoniells nicht demonstrieren. Im Fall Wulff muss es den empörten Bürgern wie eine zusätzliche Provokation, wie ein Verhöhnung vorkommen.

Und warum Soldaten, die wahrscheinlich auch zu 84 Prozent den Ehrensold für Christian Wulff ablehnen, für ihn auch noch die Gewehre präsentieren müssen, ist nicht zu vermitteln. Nur deshalb, weil es Tradition ist, weil es einem „aus politischen Gründen“ zurückgetretenen Präsidenten zusteht, weil die Farce bis zum bitteren Ende durchgehalten werden muss?

Was wäre denn, wenn die 84 Prozent beim Präsentieren das Gewehr unten lassen würden? Disziplinarverfahren, unehrenhafter Ausschluss aus der Bundeswehr?

Es wird Zeit, dieses noch aus preußischer Zeit stammende Zeremoniell abzuschaffen. Es ist auch ohne die absurden Ehrungen der letzten Zeit ein überholtes Ritual, dessen militärisches Gepräge nicht mehr zur heutigen Zivilgesellschaft passt. Die Bundeswehr schrumpft von Jahr zu Jahr, die Wehrpflicht ist abgeschafft. Das Militärische hat in der deutschen Gesellschaft schon lange nicht mehr den Rang, den es einmal hatte.  

Nichts gegen die Bundeswehr und gegen die tapferen Soldaten in Afghanistan. Sie verdienen jede Anerkennung. Erst recht haben die Gefallenen jede Ehrung des Staates verdient. Warum aber Politiker – und dann auch noch solche?

Christian Wulff könnte seinem Land einen letzten Dienst erweisen, indem er den Großen Zapfenstreich absagt. Dafür gibt es ein unbescholtenes Vorbild: Gustav Heinemann. Er verzichtete auf den Großen Zapfenstreich und machte stattdessen eine Dampferfahrt auf dem Rhein.

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159 Kommentare

1) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. März 2012, 18:46 Uhr

@ 139)Andre

Vom Grundsatz her, nämlich dass Demokratie nicht einer korrupten politischen Klasse anheim fallen darf, sind die Aktionen von BILD und der spiegel richtig gewesen.
Aber ich frage mich schon, wie es mit den existentiellen Problemen und der Akribie aussieht, mit der zur Zeit die Politik von den Medien begleitet wird. Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?
Da werden Milliardenkredite für „notleidende“ Banken vergeben, am liebsten noch in Tafelrunden ausgesuchter Ritter der in aller Eile zusammengeschusterten Kontrollgremien. Von einem akribischen Untersuchungsverhalten seitens der Medien, die das einer wartenden Öffentlichkeit erklären könnte, keine Spur.
Auch wäre es im Sinne der Bedeutung von investigativen Journalismus gewesen, was Wulff im Kontext des Maschmeyer Skandals mit der privaten Vorsorge und den zweifelhaften Finanzprodukten aus dem Hause Maschmeyer zu tun hatte. Schließlich war Wulff zu dieser Zeit Ministerpräsident eines Bundeslandes und dazu noch enger Freund Maschmeyers. Wusste Wulff von den Drückermethoden, die erst Christoph Lütgert in seiner Dokumentation „Der Maschmeyer-Skandal“ aufdecken mußte und die Öffentlichkeit informierte?
Oder ob das Upgrade bei Air Berlin etwas mit dem damaligen Chef des Airliners zu tun hatte. Schließlich nahm es der nicht so genau mit den Arbeitnehmerrechten in seinem Unternehmen. Und gab es einen Zusammenhang zwischen dem Steuerprivileg von Flugbenzin und der Person Wulff?
Oder wie verflochten waren die Interessen RWE und dessen CEO Großmann mit Wulff im Zusammenhang Laufzeitverlängerung für AKW´s?
Kurz: Waren freundschaftliche Beziehungen, die Wulff zu Teilen der Wirtschaft pflegte, ausschlaggebend für seine Entscheidungen? Und wenn ja, welche waren es?
Im Fall Wulff kamen meines Erachtens die politischen Konsequenzen seiner Ministertätigkeit zu kurz. Seine privaten Verflechtungen waren mit Sicherheit Einfluss nehmend auf seine politischen Entscheidungen, die er im Amt des Ministerpräsidenten traf. Dies ist ein Verdacht. Und der steht nach wie vor unbewiesen im Raum. Hier blieb die Investigation auf freier Strecke stehen. Leider. Insofern bleibt die Geschichte-Wulff“, im Gegensatz zu Guttenberg, eine Geschichte mit unbefriedigendem Ausgang.

2) Escape, Samstag, 10. März 2012, 18:50 Uhr

Dieser unsägliche ehemalige Bundespräsident hat alles bis zum Letzten ausgereizt – das „Volk“ ist empört, na und – wen interessiert es schon??? Ist so traurig!!!!

3) H.F., Sonntag, 11. März 2012, 09:32 Uhr

@139) Andre

#Rechtsgrundlage ist die Strafbarkeit der Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Einer solch harten Grundlage bedarf es aber gar nicht, sondern einfach des Dienstrechts bzw. der paritätischen Kontrolle der Aufsichtsgremien in den Rundfunkanstalten. Es wäre noch in den 80er Jahren vollkommen undenkbar gewesen. Es kann nicht angehen, dass jemand von den Medien zur Demonstration gegen ein Verfassungsorgan aufruft.#

Da muss ich noch mal nachhaken. Verunglimpfung ist eine besonders schwere Form der Ehrkränkung (Beleidigung) . Ein Ausdruck der Verachtung ist keine Verunglimpfung, Vuvuzelas auch nicht. Abgesehen davon sind Tatsachenbehauptungen keine Beleidigung, wie auch ein Aufruf zu eine Demonstration keine Verunglimpfung ist. Weiterhin ist die Verunglimpfung, falls sie tatsächlich vor liegt, im Maximalfall mit drei Monaten Freiheitsstrafe.

Jetzt müssten Sie nachweisen, dass eine so schwere Verunglimpfung vorgelegen hat, dass Dienstrechliche Konsequenzen gezogen werden könnten.

Die Rechtsgrundlage fehlt immer noch. Also?

4) H.F., Sonntag, 11. März 2012, 09:35 Uhr

145) Peter Christian Nowak, Samstag, 10. März 2012, 18:46 Uhr

#Aber ich frage mich schon, wie es mit den existentiellen Problemen und der Akribie aussieht, mit der zur Zeit die Politik von den Medien begleitet wird. Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?#

Ganz im Gegenteil. Die Presse hat etwas, worauf sie sich stürzen kann. Drei Monate sehr schönen Diskussionsstoff. Leicht eingänglich, gut zu vermitteln.

Wer will da versuchen die kommende Enteignung des Wohlstands aller Bürger zu recherchieren? Viel zu kompliziert, zu schwer zu vermitteln. Zum „Glück“ gabs da den Wulff als schöne Ablenkung.

5) Politikverdruss, Sonntag, 11. März 2012, 12:09 Uhr

@Peter Christian Nowak,
ergänzend zu meinem Kommentar unter Nr. 143 hier der entsprechende Artikel von Prof. Kepplinger.
http://www.kepplinger.de/files/Focus_Mai_2011.pdf

Darüber hinaus stimme ich Ihrem Kommentar unter Nr.145 ausdrücklich zu. Sie fragen zu recht: „Wird in Sachen Bankenkrise und die Folgen für die Bürger genauso unnachgiebig recherchiert?
Da werden Milliardenkredite für „notleidende“ Banken vergeben, am liebsten noch in Tafelrunden ausgesuchter Ritter der in aller Eile zusammengeschusterten Kontrollgremien. Von einem akribischen Untersuchungsverhalten seitens der Medien, die das einer wartenden Öffentlichkeit erklären könnte, keine Spur.“

In wenigen Wochen wird das Parlament über den ESM abstimmen. Warum wird der Inhalt dieses Vertrages nicht breit in der Öffentlichkeit diskutiert? Ist der Vertrag überhaupt mit dem Budget-Recht des Bundestages und mit dem Grundgesetz vereinbar?

Oder eine andere Frage: Warum mutierte das europäische Verrechnungssystem TARGET2 zu einer gigantischen Kredithilfe für südeuropäischen Staaten? Nun sitzen wir gegenüber den Südeuropäern auf Forderungen in abenteuerlicher Höhe und kein Mensch fragt, ob das, was die Bundesbank da zugelassen hat, überhaupt verfassungskonform ist.

Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?

6) Thomas Hillebrand, Sonntag, 11. März 2012, 18:29 Uhr

@ 144) Bernhard Paul

Lieber Herr Paul,

Sie rennen doch bei mir offene Türen ein mit (fast) allem, was Sie in @144) schreiben. Doch trotz Ihrer nunmehr „so einfach wie möglichen Darstellung“ weiß ich aber immer noch nicht, was Sie ausgerechnet von mir wollen? Ich hatte ja nie eine Entschuldigung von Spreng gefordert. Deshalb vermag ich Ihnen selbstverständlich auch keine Erklärung über die Seelenzustände dessen oder derer zu geben, die eine solche gefordert hatten. Auf meiner Couch liegen sie jedenfalls nicht.

Zweierlei vielleicht noch: Zunächst, das verzeihen Sie bitte, finde ich es ein bisschen arg pathetisch, mit Artikeln des Grundgesetzes und dessen Termini herumzufuchteln und Reflexionen zu den Grundlagen der Meinungsfreiheit anzustellen, wenn sich hier einer mal so auf die Füße getreten fühlt(e), dass er eine Entschuldigung von Spreng fordert(e). Der Hausherr dieses Blogs selbst wird das wahrscheinlich eher mehr als gelassen zur Kenntnis genommen haben. Das ist doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Überdies interessiert unsere kleine Diskussion eigentlich niemanden hier, da sie offenbar niemand weiter wichtig erscheint. Das andere ist, dass gerade Sie es doch waren, der Sprengs umstrittenen Artikel in den Olymp der reinen Sachlichkeit erhoben hatte, was natürlich zurecht einige Gemüter erregt hat. Meines auch, was gleichzeitig der einzige Grund ist, warum ich mich an dieser an sich nebensächlichen Debatte beteilige.

7) romeias47, Sonntag, 11. März 2012, 23:48 Uhr

149) Politikverdruss
Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?

Oder eine Spur näher am Thema der Causa Wulff (Wirtschaftsnähe). Was läuft eigentlich im Zusammenhang mit Forschung(spolitik) und Wirtschaft? Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl.

Ich habe mich vorhin bei Jauch ausgeklinkt – die Medien sollten sich jetzt wirklich gedulden, bis es wirklich neue Ergebnisse gibt, und die Wulffs erst einmal in Ruhe lassen. Dass öffentlich beraten wird, was „man ihn denn nun noch machen lassen könnte“, finfde ich denn doch unangemessen.
Henning Scherf (gelobt für einen eleganten Abgang) hat mich enttäuscht, weil er über ein Vier-Augen-Gespräch mit Wulff berichtet hat. Das ist auch kein guter Stil.

Für mich ist entscheidend, dass die Verfassungsväter und -mütter (gab es sie eigentlich?) bei der Ausstattung von Ehrensold etc. von abgeleisteten aber nicht abgebrochenen Amtszeiten ausgegangen waren und von Bewerbern, die ihre eigentliche berufliche Laufbahn abgeschlossen hatten (also etwa mitte 60 waren). INsofern hätte sich Wulff nichts vergeben, wenn er die Bezüge vorbehaltlich der Ermittlungsergebnisse und Strafverfahren von sich aus reduziert hätte. Auch 100 000 Euro reichen für einen Vier-Personen-Haushalt mit Hund.

Schließlich fand er die Bezüge selbst im Normalfall kurz vor seinem Amtsantritt noch unangemessen hoch. Von Gerd Schröder sagte man häufig, er sei ein Kanzlerdarsteller, bei Wulff fällt mir das Wort Bundespräsidentendrsteller ein – an seinen Auftritten gab es ja nicht viel zu mäkeln, außer dass sie auf mich immer etwas tönern gewirkt haben.

8) max, Montag, 12. März 2012, 00:24 Uhr

#Es hat seinen Grund, warum man einen Bundespräsidenten mit Zapfenstreich verabschiedet. Wir brauchen dieses Gedöns, und sein Fehlen kann gewaltiger Folgen haben. #

@Andre
Was für Folgen sollte das Fehlen von solch preussischer Militärriten haben? Ich kann mir vorstellen, dass solche Rituale vielleicht von einer Minderheit vermisst werden, die sich gerne eine über alles erhabene Instanz wünschen und solche Rituale brauchen, um Personen in einen monarchischen, gottähnlichen Stand zu erheben, um sie dann verehren zu können. Und natürlich braucht man ein Gesetz, das es verbietet, diese Unfehlbarkeit anzutasten. Riten brauchen ihre Zeit zum Sterben und vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit, dass so richtig schön deutlich geworden ist, wie unzeitgemäß dieses zackige Militärgedöns ist.

9) H.F., Montag, 12. März 2012, 09:40 Uhr

@m.spreng

Hallo Herr Spreng,

bitte ein neues Thema! Wulff hat sich nun wirlich tot gelaufen. Und selbst wenn nicht, dann kann man noch was einschieben.

Aber jetzt bitte was neues. ESM zb., oder die Finanzkrise/Griechenland.

Bitte. Bitte.

10) M.M., Montag, 12. März 2012, 10:12 Uhr

Nun soll laut Bild der angeblich „tief glaeubige Katholik“ Herr Wullff zum Zapfenstreich sogar aus einem Kloster angereist sein. Fuer wie bloed haelt die Zeitung ihre Leser?

11) der Herr Karl, Montag, 12. März 2012, 13:03 Uhr

@M.M.
„Fuer wie bloed haelt die Zeitung ihre Leser?“

Für ziemlich blöd, finde ich…
„Stattdessen diese typische, fast heimliche Empörung, ganz individuell, ein jeder für sich, im stillen Kämmerlein. Oder auf der Baustelle, bei Brotzeit und BILD…“

12) Abel, Montag, 12. März 2012, 13:56 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ich denke sie zäumen das Pferd vom falschen Ende auf.
Über den Sinn des Zapfenstreich darf diskutieren.
Man sollte sein Pro und Kontra aber nicht davon abhängig machen, das damit auch weniger Ehrenvolle geehrt werden.
MfG
Abel

13) Peter Christian Nowak, Montag, 12. März 2012, 14:52 Uhr

@149) Politikverdruss

^^Warum gehen die Journalisten diesen Fragen nicht auf den Grund? Wäre etwa dadurch die im „Journalismus dominierende Weltsicht“(Kepplinger) in Frage gestellt?^^

Ja, Sie haben das Richtige angesprochen, das mit der neutralen wie kritischen Berichterstattung. Da haben so manche Journalisten ein Problem. Sie entstehen einerseits aus der persönlichen Zustimmung für eine Ideologie, und andererseits müssen sie sich auch an die Vorgaben halten, die der Sender oder Verlag ihnen macht. Hier werden manchmal Maulkörbe verteilt, die nicht unbedingt im Interesse seriöser Berichterstattung liegen, sondern eher im wirtschaftlichen Interesse des Verlages – Stichwort Werbeeinnahmen. Und auch stimme ich Herrn Dr. Kepplinger zu, wenn er dies „Lenkung“ als „Mainstream-Journalism“ bezeichnet.

Andererseits sind Journalisten nicht unbedingt Fachleute auf dem Gebiet von Wirtschaft und Finanzen. Und wenn sie es sind, gibt es zu einer These zehn andere – je nach dem, wie viele am Tisch sitzen. Was zur Zeit im Focus der Öffentlichkeit höchstes Interesse erweckt ist zwar von existentieller Bedeutung für jeden von uns, aber mit dem Verständnis von äußerst komplexen Zusammenhängen hapert es. So geht es auch Journalisten. Angewiesen sind sie von Erklärungsmustern, die wiederum aus den Interessenverbänden von Wirtschaft und Banken kommen. Hier wird ein Pool von Meinungsbildnern tätig, die selbstverständlich nur das erklären, was ihren Interessenverbänden nutzt. so kommt es, daß im Presseclub, Illner, Hart-aber-Fair, Phoenix-Runde, Anne Will in steter Regelmäßigkeit immer die gleichen Leute als „Fachleute“ vorgestellt werden. Eine Öffentlichkeit grundsätzlich gegen die Zocker an den Börsen beispielsweise aufzubringen, wäre nicht im Interesse der Finanzwirtschaft.
Und so setzt sich das Theater fort. Jeder gibt nur das Preis, was das Volk wissen darf. Hintergründe von Bedeutung kommen faktisch nur per Zufall ans Licht. Man sieht zu, daß man im Thema „bella Figura“ macht.
Zurück bleibt der unbefriedigte Zuschauer.

Dann kommt es zu dem, was 148) H.F. angesprochen hat. Der Zuschauer vermutet die gelenkte Information durch gelenkte Journalisten. Man vermutet Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen, für die Zukunft entscheidenden Problemen, die die Bürger unmittelbar betreffen: die Bankenkrise, der Umgang mit ihr und was am Ende des Tages, wenn Zahltag ist, als schmerzliche Konsequenzen zu tragen sein wird.

14) H.F., Montag, 12. März 2012, 19:39 Uhr

@157) Peter Christian Nowak

#Der Zuschauer vermutet die gelenkte Information durch gelenkte Journalisten. #

Nein, das habe ich nicht gemeint. Ein Honigtopf zieht Honigliebhaber an. Und ein Skandal Journalisten. Da muss nichts gelenkt werden. Wenn man eine Skandal-fähige Person an exponierter Stelle hat, dann genügt ein Hinweis und die Sache läuft VON ALLEINE. Eine Verschwörung ist nicht nötig. Also auch keine Verschwörungstheorie.

Das Ablenkungsmanöver kann durch einen bloßen Hinweis ausgelöst werden (könnte natürlich auch „durch Pech“ vorzeitig ausgelöst werden).

15) Helmut Bachschuster, Freitag, 16. März 2012, 00:55 Uhr

Spricht mir aus dem Herzen. Ich zwang mich, dieses Spektakel im Fernsehen zum ersten Mal und in vollem Umfang anzuschauen und bemerkte bei mir eine Mischung aus völligem Unverständnis für dieses militärische Mottenkistenrelikt und Erheiterung darüber, dass sich die Soldaten mit diesem anachronistischen Ritual doch ganz ordentlich der Lächerlich preisgeben, die im „Helm ab zum Gebet“ gipfelt.

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