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Freitag, 16. März 2012, 12:27 Uhr

Wie verlogen darf eine Partei sein?

Eine gewisse Verlogenheit gehört anscheinend unvermeidbar zur Politik. Das Schauspiel, das aber die FDP derzeit aufführt, überschreitet aber die Grenzen zumutbarer Verlogenheit.

Als Christian Lindner offenbar aus Verärgerung über Kurs und Führungsschwäche seines Chefs Philipp Rösler als Generalsekretär zurücktrat, galt er in der FDP als fahnenflüchtiger Verräter. Selten wurde gegen einen Mann in Hintergrundgesprächen so gehetzt wie gegen Lindner.

Sein Nachfolger Patrick Döring, ein Intimus von Rösler, nannte Lindners Rücktritt “brandbeschleunigend”, verhöhnte ihn als “großen Intellektuellen” und verglich seinen Charakter mit dem eines Versicherungsvertrieblers, dem der Erfolg so zu Kopf gestiegen sei, dass “er sich einen Porsche kauft”.

Jetzt, nur drei Monate später, ist der Verräter und Versicherungsvertriebler der letzte Hoffnungsträger der FDP  für die überraschende Neuwahl in Nordrhein-Westfalen. Rösler über Lindner: “Wir schicken unseren besten Mann”. Den er aber nicht halten konnte. Was wiederum alles über Rösler sagt, dessen Kopf jetzt Lindner retten soll.

Und weil der Ex-Brandbeschleuniger so besonders gut ist, wird er gleich auch noch neuer NRW-Landesvorsitzender. Der noch amtierende Chef, Gesundheitsminister Daniel Bahr, war offenkundig maximal der zweitbeste  Mann.

Bei aller Wertschätzung für Lindner (er gehört zu den wenigen, die zumindest ein paar Ideen für modernen Liberalismus haben), diese Nominierung als NRW-Spitzenkandidat hat den Geruch der Verlogenheit und Wählertäuschung.

Welche FDP sollen die Leute denn wählen? Die von Rösler, der den Gauck-Coup versemmelte, indem er sich bei Markus Lanz wie ein pubertierender Jugendlicher aufführte, der “Mutti” einen Streich gespielt hat und sich darüber ganz doll freut? Und der bis heute nicht erklären kann, warum die häufige, fetischartige Erwähnung des Wortes Wachstum zur FDP-Renaissance führen soll?

Oder die von Patrick Döring, dem intriganten Lautsprecher? Die etwas klügere von Lindner, zu dessen Ideenvorrat auch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers gehört? Oder die von Wolfgang Kubicki, der sich im Gegensatz zu allen anderen auch eine Finanztransaktionssteuer vorstellen kann? Oder die von Rainer Brüderle, dem ewigen verhinderten Steuersenker?

Nein, das wird auch nix mit Lindner. Schade, aber bei dieser FDP ist es auch für Talente zu spät.

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88 Kommentare

1) Frank Reichelt, Freitag, 16. März 2012, 12:39 Uhr

Immer nur negativ, negativ, negativ!

Wie konnten sie nur so eine relativ erfolgreiche Karriere als Journalist und Politikberater machen wenn sie immer nur die Risiken und nie die Chancen sehen!

Hoffentlich bin ich mit dreiundsechzig Jahren nicht so ein Miesepeter!

2) JMK, Freitag, 16. März 2012, 12:47 Uhr

Treffend formuliert, vor allem dass Döring Lindner als Intellektuellen beschimpft, sagt sehr viel über FDP und Döring aus. Bisher ging ich davon aus, lediglich in der CSU ist Intellekt nicht gern gesehen. Ich hoffe die FDP versemmelt das wirklich – verdient hätten sie es.

3) Mark, Freitag, 16. März 2012, 12:54 Uhr

Naja, die FDP bleibt halt eine Spaßtruppe. Auch wenn die FDP-”Politiker” selbst augenscheinlich nicht so wahnsinnig viel Freude an ihrer Arbeit haben, so sind sie doch immer wieder für ein hämisches Lachen gut.

Mittlerweile kommt es einem ja so vor, als sässen da irgendwo in der FDP-Zentrale irgendwelche Trojaner, die alles kurz und klein hauen, was nur geht. Lassen den NRW-Landtag auflösen und schicken dann ausgerechnet Lindner! Das kann kein Kabarettist mehr toppen. Unmöglich! :-)

Was mögen diese Trojaner noch alles in ihrem Repertoire haben? Vertrauensfrage im BT stellen und dann schockiert zusehen müssen, wie die SPD mit den Grünen FÜR die Kanzlerin stimmt? Eine Mehrwertsteuersenkung auf 0% für Hoteliers, Rechtsanwälte und Zahntechniker?

Da geht noch was, da bin ich mir sicher!

Neue Tagline: FDP – Immer für eine Überraschung schlecht

4) Oliver Bogdahn, Freitag, 16. März 2012, 13:01 Uhr

@1:
Zweifellos beschreibt der Kommentar von Herrn Spreng die FDP negativ. Nichtsdestotrotz ist seine Analyse treffend und korrekt.
Das unwürdige Schauspiel, das die FDP seit der letzten Bundestagswahl aufführt, hätten wohl selbst die größten Dramatiker nicht ersinnen und inszenieren können.
Und Perspektiven nach oben sehe ich da keine. Allenfalls ein tieferes Versinken im Sumpf der Bedeutungslosigkeit.

5) Eduard, Freitag, 16. März 2012, 13:22 Uhr

@Frank:
Sie sprechen mir aus dem Herzen; Herr Spreng scheint seine rabenschwarze Brille nicht mehr abnehmen zu können…
Völlig ausgeschlossen, die FDP mal dafür zu loben, daß sie angesichts eines (aus heutiger Sicht) fast sicheren Verschwindens aus dem Landtag NRW dennoch daran festgehalten hat, den Haushalt abzulehnen.
Und ja, ich weiß, Herr Spreng, daß da auch “Zocken” mit im Spiel war, na und? :-)

6) Gregor Keuschnig, Freitag, 16. März 2012, 13:27 Uhr

Komischer Artikel, den ich irgendwie erwartet habe. Alle (inklusive Sie) sagen nun, Daniel Bahr habe sich nicht durchsetzen können – weil er nicht als Spitzenkandidat in NRW antritt. Bei Röttgen von der CDU wird exakt anders herum argumentiertt – er könne doch jetzt nicht beim Atomausstieg fehlen. Flugs wird nachgelegt, dass Röttgen sich die “Rückfahrkarte” gesichert habe (ich weiss, Kohl hatte das damals im umgekehrten Fall nicht gemacht). Wie man’s macht – es ist anscheinend immer falsch.

Nachdem Wulff weg ist, wird nun FDP-Bashing betrieben. So schreibt natürlich ein enttäuschter Wähler (Leser dieses Blogs erinnern sich). Und Konvertiten sind immer besonders hart mit ihren “Ehemaligen”.

Ich warte jetzt auf den Artikel über die Schuldenprinzessin Kraft. Und das nicht aus dem kindischen Wunsch, dass alles möglichst ausgewogen zugehen muss. Ich möchte nur sehen, ob Sie die Balken in den Augen auch bei den anderen erkennen.

7) Thomas Hillebrand, Freitag, 16. März 2012, 14:07 Uhr

@ 1) Frank Reichelt

(Und wieder eine Laudatio…)

Und ich wünschte mir, mit dreiundsechzig Jahren noch so engagiert, hellwach, leidenschaftlich, blitzgescheit und vor allem so lebendig verwoben mit meinem Job zu sein wie Herr Spreng es ist! Das meine ich absolut ernst.

Nur negativ? Haben Sie seine Harfe zupfende Poesie hinsichtlich Gauck nicht gelesen? Der Mann kann geradezu atemberaubend positiv werden, wenn es sein muss, so dass einem angst und bange wird!

Politikberater: Spreng hatte zur Bundestagswahl 2002 einen jahrelangen Abwärtstrend der CDU/CSU mit aufhalten geholfen und einen so polarisierenden Kandidaten wie Stoiber auf lächerliche 6.000 Stimmen an Schröder (beide jeweils 38,5%!) herangebracht, dass der Stoibers heißen Atem im Nacken spürte! Und das alles trotz der größten Gefahr für Stoiber: Stoiber selbst (“…Frau Merkel, … äh… Verzeihung,… Frau Christiansen…” usw.)! Mir hatte das alles schon damals großen Respekt abgerungen.

Und überhaupt: Miesepetrigkeit kann man vielleicht den mehr links Stehenden vorwerfen, aber doch nicht Herrn Spreng! Das passt überhaupt nicht zur genuinen Seelenverfassung eines gestandenen Konservativen. Und dass so einem geradlinigen Typen wie Spreng diese verlotterte FDP gewaltig auf den Zeiger geht, das ist doch aus sich selbst heraus völlig klar.

Ich denke, Sie sollten noch etwas an Ihrer Menschenkenntnis feilen, Herr Reichelt.

Und damit kein Zweifel aufkommt: Ich stehe eigentlich den L…, äh, nein, diesmal nicht!

8) daso, Freitag, 16. März 2012, 14:17 Uhr

Warum, Herr Spreng hat doch Recht. Das was die FDP da aufführt ist nur mit Alzheimer zu ertragen.
Man fragt sich nur warum der Verein überhaupt noch einen Beitrag wert ist.

Für Lindner persönlich mag es der richtige Weg sein.

9) Hagen Troneg, Freitag, 16. März 2012, 14:27 Uhr

Schlimmer noch als diese Verlogenheit ist die Tatsache, dass diese Partei noch Wähler hat, die von ihrer Anzahl her noch über die der eigenen Mitgliederzahlen hinausgeht.

10) Panda, Freitag, 16. März 2012, 14:43 Uhr

Lindner ist eine gute Lösung. Er kennt NRW noch aus seiner Zeit als “Bambi”. Es ist in der NRW-FDP tief verwurzelt. Er ist frei für den Job. Er kann in NRW jetzt machen, was er will. Er schuldet der FDP noch etwas. In der jetzigen Situation wäre es kaum zu verstehen, wenn man ein Talent wie Lindner zurückhielte.

> Bei aller Wertschätzung von Lindner

Das sollte ja wohl “Wertschätzung für Lindner” heißen.

Der Text wirkt eilig zusammengeschrieben.

11) m.spreng, Freitag, 16. März 2012, 15:04 Uhr

@ Panda

Mein Gott, kann doch mal passieren. Schon geändert.

12) JMK, Freitag, 16. März 2012, 15:15 Uhr

@Eduard Sie wissen schon, dass die FDP nur zu doof nicht zu merken dass schon die Ablehnung der ersten Sitzung zu Neuwahlen führen würde? Das hat rein gar nichts mit Standhaftigkeit zu tun.

13) rundertischdgf, Freitag, 16. März 2012, 15:30 Uhr

Vielleicht kann sich die FDP doch mal durchringen und etwas für die Souveränität Deutschlands zu tun und den ESM ablehnen. Das wäre die 5 % Klausel. Leider wollen die hier im Sprengsatz genannten Personen lieber noch mehr gelb statt blau in der Parteifarbe sehen.
http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/09/fdp-bundestagsabgeordnete-canel-schlus-mit-weiteren-rettungsschirmen/

14) Frank Reichelt, Freitag, 16. März 2012, 15:32 Uhr

@ 7) Thomas Hillebrand

War mir klar, dass die Spreng-Fans ihrem Idol beispringen würden!

Dabei bin ich, believe it or not, selber ein Spreng-Fan, wenn meine Begeisterung über diesen Blog auch seit seiner Beschimpfung der anonymen Kommentatoren (Charakterschwach) etwas gelitten hat. Leider haben sich deshalb scheinbar einige regelmäßige Kommentatoren ganz zurückgezogen oder ihre Aktivität spürbar eingeschränkt, ich verfolge das genau! Das finde ich Schade und hätte nicht sein müssen.

Meinen obigen Kommentar müssen sie im Kontext zu Nr. 31 des vorherigen Artikels (Ein Fest für die Wähler) sehen, in dem ich die Berufung Lindners als einzige Chance für die FDP in NRW eingeschätzt habe. Kurz darauf erschien Herrn Sprengs obiger Artikel quasi als ungewollte Antwort mit der gegenteiligen Auffassung. Auf diesen konkreten Fall bezog sich auch die “Miesepetrigkeit”.
Wenn sie das als mangelnde Menschenkenntnis bezeichnen wollen, unbenommen.

15) Michael A. Nueckel, Freitag, 16. März 2012, 15:39 Uhr

@ M. Spreng: “…das Schauspiel, das aber die FDP derzeit aufführt, überschreitet aber die Grenzen zumutbarer Verlogenheit.
= Eine Partei, der so sehr das Wasser bis zum Halse steht, und die ums Verrecken um das politische Überleben kämpft, der kann man mit der moralischen Messlatte der Verlogenheit nicht kommen.

@ M. Spreng: “Selten wurde gegen einen Mann in Hintergrundgesprächen so gehetzt wie gegen Lindner.”
= Das ist normaler, stets gern gepflegter Umgangston in dieser Partei. Wie schrieben Sie mal an anderer Stelle hier, “da gönnt keiner dem anderen auch nur irgendetwas”.

@ M. Spreng: Welche FDP sollen die Leute denn wählen?
Nach meiner Einschätzung ist das der FDP egal, Hauptsache es reicht für einen Einzug in den Landtag.

Auch hier gilt wohl die Erkenntnis, wir kennen die wahren Hintergründe für dieses Mißgeschick/Strategiespiel der vorgezogenen Neuwahlen nicht. Für den Verlierer gilt Erstgenanntes, für den Sieger Letzteres. Hätte die FDP eine Alternative? Nach dem kleinen Gauck-Hoch setzt die Partei vorzeitig alles auf eine Karte. Und das in dem Teilmarkt NRW, da läßt sich eine Wahl eher mit 5% bestehen, als 2013 im Bund. Ist aber NRW 2012 überstanden, weil der Einzug wieder in den Landtag gelingt, gilt das nicht nur charttechnisch als “Bodenbildung” und man wird der FDP zugestehen, das Schlimmste überstanden zu haben. Dann wird man 2013 auch wieder optimistischer im Bund auf sich zukommen lassen. Nach meiner Einschätzung geht die “Verlogenheit” wohl noch weiter. Mit Lindner ist Papke als Nr 1. der Truppe abgelöst, und damit einer der größten Gegner einer Koalition mit SPD/Grün entsorgt, alles klar? Und jetzt denken Sie mal weiter an den Bund 2013 ….

16) FF, Freitag, 16. März 2012, 15:40 Uhr

Schon allein deswegen wird es Zeit für die FDP, von der Bildfläche zu verschwinden: weil keiner mehr etwas über diese politische Antimaterie lesen will. Überdruß im Überfluß!

Aber all diese ewigen Angebereien, Querelen, Personalien, Ambitionen, Palastintrigen und Durchstechereien der Herren Westerwelleröslerlindnerdöringbahrkubickibrüderle – da hat jeder Furz meines Hamsters mehr politische Substanz.

Sorry for that.

17) Petra, Freitag, 16. März 2012, 15:50 Uhr

Jedenfalls hat Linder mit seinem Porsche keinem den Außenspiegel abgefahren und anschließend Fahrerflucht begangen. Döring schon, – er ist aber unschuldig, weil er es nämlich gar nicht gemerkt hat. Vielleicht war er aber auch der Ansicht, dass seine bescheidenen Einkünfte prinzipiell nicht dazu da sind um die Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu tragen. So geringfügig diese auch sein mögen.

Dieses und sein öffentliches Verbalverhalten insgesamt sind höchst unangenehm, um´s mal höflich auszudrücken.

Und wofür steht eigentlich die FDP außer für Klientelpolitik?
Sie ist nicht nur überflüssig, sie schadet vielmehr als das ewige Zünglein an der Waage,
das zwar bescheiden klein ist, aber dafür umso größere Ungerechtigkeiten bewirkt.
Es wird Zeit, dass sie endlich von der Bildfläche verschwindet.

18) Lockez, Freitag, 16. März 2012, 16:22 Uhr

Die FDP ist genauso überflüßig wie Hundekot auf dem Bürgersteig !

19) Simon, Freitag, 16. März 2012, 17:20 Uhr

Mir wäre ein Artikel lieber gewesen, der davon handelt, warum die Rot/Grüne-Koalition in NRW eigentlich gescheitert ist: Weil ohne Not ein völlig überschuldeter Haushalt zur Abstimmung stand – und zwar bei einem Rekordaufkommen an Steuereinnahmen!

20) Don Corleone, Freitag, 16. März 2012, 17:37 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Sie klingen wie einer, der die FDP einst geliebt hat, den Verlobungsring nun aber, nach deren Fremdgehen und skurrilem Benehmen, öffentlich an die Verlobte zurückschickt.
Mir geht’s genau so, obwohl ich weder dieser noch irgendeiner anderen Partei angehöre.
“Bei dieser Partei ist es auch für Talente zu spät”, schreiben Sie. Stimmt. Es hat noch keiner Partei geschadet, sich in dürren Oppositionsjahren zu besinnen und zu regenerieren.

Diese Abmagerungskur ist allen etablierten Parteien wärmstens zu empfehlen; sie ist längst überfällig. Die logische Frage “Wer soll dann die Regierung bilden?” ist rasch beantwortet: Die Linke, die Grünen und die Piraten.

Nach wenigen Jahren hätte eine durchs Fegefeuer gegangene Bundesrepublik dann endlich wieder eine SPD, CDU/CSU und FDP, die nicht nur nach Meinungsumfragen und EU-Speichelleckerei handeln, sondern zum Wohl dieses Landes und seiner Bürger.

21) theo, Freitag, 16. März 2012, 18:03 Uhr

Es ist nicht falsch, was Herr Spreng schreibt. Aber es ist mir etwas zu wertend. Politik ist zum großen Teil Tagesgeschäft, da kann man nicht immer an einem Masterplan festhalten. Spreng weiß das ja selbst.

Christian Lindner hatte sich zurück gezogen, weil er mit Rösler nicht klar kam. Und weil er keine Lust hatte, sich mit ihm in den Abgrund ziehen zu lassen. Lindner hoffte darauf, dass er – wenn Rösler gescheitert ist und der Riesling-Konsument ebenfalls keine Alternative darstellt – die FDP hätte führen können.

Nun aber steckt die FDP in NRW, Lindners Heimatbasis, in der Klemme. Lindner übernimmt den Laden in Düsseldorf vor allem wohl deshalb, weil man ihm sonst ewig vorhalten könnte, er habe seinen eigenen Landesverband im Stich gelassen. Das hätte auch seinen Weg an die Bundespartei-Spitze stark erschwert.

Lindner steht für eine andere FDP als Rösler. Er weiß, dass er Zeit braucht. Sich jetzt der Aufgabe in NRW zu verweigern, wäre für ihn selbst ein höheres Risiko als eine Wahl zu verlieren, bei der er nur gewinnen kann. Denn es wird ihm niemand vorhalten, dass er in sechs Wochen die Stimmung nicht habe drehen können.

22) Alexander, Freitag, 16. März 2012, 18:15 Uhr

Die Kinderpiraten rund um Rösler versemmeln alles!

Der Kommentar von Herrn Spreng gefällt mir. Die Ursache dieser Intrigen, machttaktischen Spielereien liegen in der unreifen, manchmal kindischen Persönlichkeit und in den charakterlichen Defizite der politischen Akteure. Man sehe sich die “Bambi”-Riege in der Führungsspitze der FDP an: Bahr, Rösler, Döring … und man sieht in pubertätsverpickelte Gesichter von Karrierestudenten. Überspitzt formuliert sind das Kinderpiraten. Ich befürchte, dass es in den anderen Parteien auch nicht besser aussieht, oder?

Anscheinend ist diese Generation – die Baby-Boomer – verwöhnt durch übermässigen Wohlstand und Konsum nicht fähig, politische Macht verantwortungsvoll umzusetzen und zu leben. Diese Generation musste nie Herausforderungen annehmen und bestehen, an denen sie auch persönlich und politisch hätte wachsen und reifen können.

Und die aktuellen dringenden Herausforderungen wie etwa die Schudenkrise und die Sozialstaatskrise werden wieder nur halbherzig angepackt und nicht wirklich gelöst. Im Gegenteil, die aktuellen politischen Akteure verhindern und blockieren alle möglichen Reformen.

23) Martha Mumenschanz, Freitag, 16. März 2012, 18:29 Uhr

“Nein, das wird auch nix mit Lindner. Schade,…”

Äh, nein. Nicht schade sondern ein Segen für die deutsche Politik.

24) horst scharnhorst, Freitag, 16. März 2012, 18:41 Uhr

Tja? Welche FDP.? Wunderbar beschrieben. Mit Ausnahme von Wolfgang Kubicki stehen die anderen Personen entweder für die Politik aus den 1980er Jahren – oder für ihren Beruf und ihr persönliches Einkommen als Politiker. Keine andere Partei hat soviel Promotions-Fälscher wie die FDP.
Als die F.D.P. noch eine Partei war, hatte sie Meinungsführer wie Rudolf Augstein oder Ideenführer wie Ralf Dahrendorf in ihren Reihen. Heute sind es Lautsprecher, Versicherungsvertreter, gescheiterte Unternehmer oder Selbstdarsteller. Die Partei der Luftnummern, denen man den Staat besser nicht für ihre Experimente überlässt. Und wie jede Marke ohne funktionierenden Produktkern wird auch sie verschwinden.

25) Horst Klohocker, Freitag, 16. März 2012, 19:17 Uhr

Christian Lindner, der Mann der aussieht wie jemand, der lebenslänglich auf das Amt des Klassensprecher abonniert ist, möchte nun die FDP retten!? Das wird nicht klappen und ist so, als ob jemand behaupten würde, dass der Kapitän der Costa Concordia damals die Titanic vor dem Untergang gerettet hätte. Einen Unterschied haben die Titanic und die FDP dagegen schon – der Untergang der Titanic ist mittlerweile Geschichte, während der Untergang der FDP wohl niemals von Hollywood verfilmt wird.

26) Dierke, Freitag, 16. März 2012, 19:23 Uhr

Mit der FDP mögen Sie es ja tun. Der Tenor für Ihre Anhänger ist dann ja auch sofort . Die FDP möge endlich von der Bildfläche verschwinden. Nur sagen Sie uns, was wir dann – wenn wir nicht auch zu den 40 % Nichtwählern gehören wollen, sollen – “wählen” sollen. Als Maschinenbau-Ingenieur können es in k e i n e m Fall “Die Grünen” sein, die SPD mit der Schuldendame Kraft auch nicht, die CDU nur mit großen Bauchschmerzen auch wegen ihrer Geld- und Finanzpolitik, vollkommen ausgeschlossen sind die Kommunisten ( die Linke ) und die Piraten.
Die FDP bleibt für uns trotz aller Fehler, die sie in den letzten 2 1/2 Jahren der Regierungsmitverantwortung in Berlin gemacht hat, die einzige bürgerliche Partei, die man überhaupt noch neben all den “sozialdemokratischen” Parteien wählen kann.
Sehr oft hat für sie schon das Totenglöckchen geläutet, aus Landtagen ist sie hinausgeflogen, aber auch wieder hineingewählt worden. Trotz Ihrer innigen Wünsche, Herr Spreng, auch jetzt in der kritischen Zeit : Die FDP wird erhalten bleiben.

27) Maren P., Freitag, 16. März 2012, 20:39 Uhr

@ 26) Dierke
Entschuldigen Sie, aber bei der Lektüre Ihres Beitrags musste ich wirklich schmunzeln. In unserer Stadt gibt ein Quartier mit gleichen oder ähnlichen Berufsgruppen: Ingenieure, Controler, Ärzte, Apotheker, also mittleres Mangement und Selbstständige. Dort erzielen die Grünen ihre besten, geradezu überwältigenden Wahlergebnisse. Was hat die FDP für diese Berufsgruppen geleistet? Nichts. Die meisten haben ihre Solarpaneele auf dem Dach, die CDU/FDP kürzt auf Wunsch der FDP die Einspeisevergütung. Rüttgers hat mehr Schulden als Kraft gemacht.
Was ist “bürgerlich” ih Ihrem Sinn? Leider(!) kenne ich keiner “bürgerlichere” Partei als B90/Die Grünen. Bitte erklären Sie es mir. ;-)
Die FDP hat sich verzockt mit ihrer Boygroup. Das wird hoffentlich abgestraft. nur um Leutheusser-Schnarrenberger ist es schade!

28) JG, Freitag, 16. März 2012, 22:19 Uhr

Nun, die Medienmeute hat ja schon brav reagiert wie gewünscht: Lindner hier, Lindner da – man hat den Eindruck, als stünde dieser Herr kurz vor seiner Wahl zum NRW-Ministerpräsidenten.

Zum Glück wird nächsten Sonntag alles bereits wieder ein wenig anders aussehen – wenn die FDP im Saarland vermutlich ein ähnlich beeindruckendes Ergebnis einfährt wie in Berlin.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß mittlerweile in Umfragen bei Detailfragen die FDP bzw. ihre verbliebenen Anhänger gar nicht mehr aufgeführt werden? Sechs Parteien bzw. politische Kräfte scheinen wohl ein bißchen ville. Aber wenn sich nun die Piraten etablieren sollten, können wir ja glücklicherweise die Zahnärzte-, Anwälte- und Hotelierspartei beerdigen. Zeit ist es.

29) Panda, Freitag, 16. März 2012, 22:34 Uhr

In Lindners Heimatverband gibt es auch noch einen gewissen Frank Schäffler. In Bayern hat die Basis Leutheusser-Schnarrenberger letztes Wochenende in Sachen Bürgerrechte überholt:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-03/leistungsschutzrecht-fdp

Ohne die FDP hätten wir jetzt schon Eurobonds, Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren, ACTA und eine Finanztransaktionssteuer, die nichts bringt. Und bei all diesen Punkten wirkt die FDP konstruktiv mit. Man könnte noch einiges mehr aufzählen. Dazu zählt auch eine sinnvolle Entspannung der Immigration, soweit das mit der (zum Teil xenophoben) Union möglich ist. Dazu zählt auch ein Zurückdrängen des Subventionsirrsinns bei den erneuerbaren Energien. Und, und, und.

SPD und Grüne haben Griechenland in den Euro gebracht und dann die Maastricht Kriterien gerissen. Jetzt wollen sie die EZB in eine Druckerpresse verwandeln. Ralf Dahrendorf war erklärter Gegner des Euro. Aber wir bösen Liberalen werden heute übelst beschimpft, wenn wir es wagen die Rettungsschirme in Frage zu stellen. Populisten seien wir. Dabei sind nicht wir es, die den Arbeitsmarkt abschotten wollen und die gegen Migranten agitieren.

Das ist schon ein merkwürdige Zeit, in der man Dahrendorf und Flach hinterher weint, aber gleichzeitig alles Liberale verbissen bekämpft. Mal von der rechten, mal von der linken Seite. Dahrendorf würde sich doch im Grabe umdrehen, könnte er so manchen seiner “Fürsprecher” heute hören:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9247341.html

Diese Interview mit Lord Dahrendorf ist heute aktueller den je. Frank Schäffler liegt richtig. Das will auch in der FDP (noch) nicht die Mehrheit einsehen. Aber außerhalb der FDP, was gibt es denn da noch an bürgerlichen Bewegungen, die für eine neue Dynamik sorgen könnten?

Vielleicht die Piraten?:
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/piraten-vorstand-im-interview-kein-bankvorstand-kann-seine-bilanz-erklaeren/5399734.html

Möglich. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ich fürchte, bis die Piraten soweit sind ist schon vieles ganz kaputt. Und dann? Wir müssen doch am Ball bleiben!

Nein, Politik ist eine schwierige Sache. Aber die Menschen verfolgen sie zunehmend wie ein Fußballspiel. Das wird der Sache aber nicht gerecht. Besser wäre es, wenn die Leute sich selbst ein brächten, in die Parteien gingen. Vielleicht können die Piraten hier Beitrag leisten. Es würde mich aufrichtig freuen.

30) Erika, Samstag, 17. März 2012, 00:48 Uhr

Talent, das hatte zu Guttenberg angeblich ja auch

Im Falle Lindner glaube ich mich erinnern zu können gelesen zu haben, dass er als junger Mann (was er ja auch immer noch ist) Fördergelder der KFW von über 1 Mio. € in den Sand gesetzt hat und sein Rücktritt als Generalsekretär hat der FDP im Zweifel auch eher geschadet.

Talent wofür – betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, Durchhalten in schwierigen Zeiten? Beides wohl eher nicht – Talent allein für gute Rhetorik wird auf Dauer nicht reichen.

31) Lockez, Samstag, 17. März 2012, 08:26 Uhr

Die FDP und Bürgerlich ? Das ist doch wohl der blankste Hohn!
Das ist eine Lobbypartei für die absahnenden Industriebonzen und Bankster!

32) Alexis, Samstag, 17. März 2012, 09:45 Uhr

@ 20) Don Corleone, Freitag, 16. März 2012, 17:37 Uhr

“Nach wenigen Jahren hätte eine durchs Fegefeuer gegangene Bundesrepublik dann endlich wieder eine SPD, CDU/CSU und FDP, die nicht nur nach Meinungsumfragen und EU-Speichelleckerei handeln, sondern zum Wohl dieses Landes und seiner Bürger”

Das erinnert mich an die “Sonthofen”-Strategie von Franz-Josef-Strauß. Ist schon sehr lange her.

33) Minassian, Samstag, 17. März 2012, 10:20 Uhr

Es ist das Ende der FDP ! Wie will ein Lindner im Dezmeber glaubwürdig als Generalsekretär zurücktreten und wenige Wochen später als Spitzenkandidat der NRW-FDP auftreten ? Er muß ja zwangsläufig loyal zu Rösler auftreten, mit dem das politische Verhältnis zerrüttet ist ? Nee, das wird nix mehr ! Das Personal-Tableau der FDP ist ausgeschöpft, Brüderle allenfalls ein Fossil. Westerwelle wird in die Wirtschaft gehen, Döring in wenigen Monaten vergessen sein. Auf mittlere Sicht werden die FDP und die Linke aus der Parteienlandschaft verschwinden und das ist auch gut so – wer braucht Lötzsch, Ernst und Rösler ? Wer braucht eine CSU/FDP-Koalition in Bayern ? Es droht eine Große Koalition, die wiederum nichts zustande bringen wird, weil sie sich gegenseitig um die Macht belauern werden.
Politischer Stillstand in Deutschand – allein Merkel wird alles überstehen, Gabriel allein an Körpergewicht weiter zunehmen.

34) Christian H., Samstag, 17. März 2012, 10:54 Uhr

Die FDP ist immer noch die Partei des Liberlismus in Deutschland – mit vielen Stammwählern die ihr Trotz schlechter Umfragen bei den kommenden Wahlen 5-6% der Stimmen geben werden. Das Personal ist vielleicht nicht in Höchstform, aber neben den ganzen anderen Gabriels, Röttgens und Roths geben sie eine passable Leistung ab. @M.Spreng Ihre Rolle wandelt sich leider immer mehr vom geschätzten Politkommentierer zum “Hans-Dampf” in allen Gassen a la Scholl-Latour.

Die FDP ist nicht nur bürgerlich, sondern auch innovativ und Leistungsstark! Wer sonst würde gegen Acta gehen – wenn nicht Frau Schnarrenberger? Wer sonst würde die Pflegeversicherung reformieren wenn nicht Herr Bahr? Freiheit bekommt man nicht geschenkt – für Freiheit muss man kämpfen. Christian Lindner wusste, dass er an anderer Stelle besser für die Freiheit kämpfen kann als im Bund – die Stelle hat er jetzt gefunden und ich wünsche ihm viel Erfolg dabei!

35) Helmut Metzner, Samstag, 17. März 2012, 11:05 Uhr

Nachdem Sie schon als Hellseher in Sachen Edmund Stoibers Kanzlerkandidatur gescheitert sind, sollten ihre Beiträge weniger spekulativ als faktengesättigt sein. Wenn sie schon Voruteile konservieren müssen, sollten sie darauf hinweisen, dass in der Vergangenheit alle im Bundestag vertreten Parteien für eine Reduzierung der Mehrwertsteuer eingetreten sind. Umgesetzt haben es (ihr) früherer Auftraggeber, die Union, und die FDP.

36) marcpool, Samstag, 17. März 2012, 12:32 Uhr

@ Erika —- Sie haben vollkommen Recht !
Ich kann auch nicht verstehen, wie und warum Lindner jetzt selbst begründet , das diese seine FDP – der er doch den Rücken gekehrt hatte – jetzt nach einer sagenhaften Zeit von 90 Tagen – wieder den Allheiligleitsschein überstülpt ? – Es kann nur sein , das er sich als der neue liberale Messias sieht.
Ehrlich, als einer der mindestens dazu beigetragen hat, das Fördergelder in Höhe von 1 Mio ( wahrscheinlich in seinen Porsche gefallen ) versiebt wurden zu Lasten der Allgemeinheit – der soll mir nicht erzählen – rhetorisch excellent oder nicht – wie die Republik funktionieren kann/soll.
Er hat geausowenig geleistet wie zu Guttenberg – kann auf keine spektakulären Erfolge hinweisen – ausser Weglaufen wenns mal nicht so läuft – wie er es gerne hätte .
Wachstum – das liberale neue Wort – wird wohl nix ! Zumindest bei der Zustimmung – den Wählerstimmen.
Niemand soll mir erklären , das Frau Kraft in zwei Jahren diesen Berg von Schulden aufgebaut hätte- man muss eben hinsehen, das vorher die FDP und die CDU dazu einiges beigetragen haben . Und ein Röttgen der nicht weiss wo er hin will – den kann man getrost auch gleich das Ticket nach Gorleben lösen lassen – da fährt er ja sowieso nicht gerne hin – ein Endlager für politisch Gescheiterte .

37) Michael A. Nueckel, Samstag, 17. März 2012, 13:50 Uhr

@ Maren P., 27)

Die durch Sie so trefflich beschriebene Gruppe gibt es (fast) in jeder Stadt, in CDU-Kreisen (evtl. auch anderswo) nennt man sie Mercedes-Grüne; vielleicht fahren die aber auch Cayenne oder sonst wie SUV.

Dennoch könnte 26) Dierke mit seiner Einschätzung richtig liegen. Es wird für viele Wähler zur Gretchenfrage, ob der FDP der Todesstoß versetzt werden soll oder die Partei in einem besseren Zustande weiterhin als notwendiger Bestandteil des politischen Systems Deutschlands angesehen wird. Der Wähler ist mitunter rationaler als Sie annehmen, und läßt die von Ihnen genannte Nicht-Leistung für bestimmte Berufsgruppen außen vor. Es könnte als völlig ausreichend angesehen werden, wenn DIE LINKE den Einzug nicht schafft. Die NRW-Wahl 2012 ist daher weitaus mehr als eine NRW-Wahl. Nach meiner Einschätzung steht die Vorentscheidung über die bundespolitische Existenzberechtigung der FDP unausgesprochen auf dem Wahlzettel; eventuell auch die Frage, ob die aktuelle Koalition im Bund noch über den Mai 2012 hinaus Bestand haben soll. Das kann zu recht merkwürdigen Ergebnissen führen. Übrigens: Die letzte BT-Wahl 2009 endete de facto erst mit der NRW-Landtagswahl im Mai 2010, und nunmehr “beginnt” die nächste BT-Wahl 2013 arg vorzeitig schon mit der NRW-Wahl 2012. Die Karten werden sehr vorzeitig neu gemischt, und der Wähler sieht das … Vielleicht wil er das nicht, vielleicht will der Wähler schlichtweg Kontinuität & Stabilität im Bund und sei es zum Preis der Unterstützung der FDP in NRW.

@ Panda, 29): neuer Name?

38) Peter Christian Nowak, Samstag, 17. März 2012, 16:43 Uhr

Schon lustig. Da gieren hier einige FDP-Anhänger geradezu nach Anerkennung für die FDP und lassen den Schaum vor dem Mund wabern, weil einer es wagt, berechtigte Kritik zu üben. Schön das mit anzusehen. Einfach nur ein Genuss.
Lassen Sie es sich gesagt sein, ihr enttäuschten Jünger einer de fakto nicht mehr zu tolerierenden Partei, die eigentlich gar keine ist: Die Eurigen haben fertig, weil – die Wähler haben Schnauze voll von den Wichtigtuern, den scheinbar Freiheitlichen, denen, die sich die Freiheit nach ihrem Gusto definieren, die die Lebenswirklichkeit ignorieren, und Steigbügelhalter der Versicherungswirtschaft sind. Und nebenbei gesagt, sind sie auch noch die Schuhputzer und Interessenvertretung der Finanzwirtschaft.
Allesamt haben so viel Schaden in dieser Republik angerichtet, daß es für Deutschland eine Erlösung wäre, wenn die endlich abträten!
Und kommt mir nicht mit Eurem ACTA. Es gibt wahrhaftig wichtigere Probleme, als Kindern das Klauen von urheberrechtsgeschützten Produkten im Internet zu erlauben!

39) Mark, Samstag, 17. März 2012, 17:55 Uhr

> Wie verlogen darf eine Partei sein?

Noch ein Gedanke dazu: Die Überschrift suggeriert, dass eine gewisse Verlogenheit irgendwie in Ordnung sei.

Dem muss ich widersprechen, denn ich würde (naiv wie ich nunmal gestrickt bin) erwarten, dass eine Partei ÜBERHAUPT NICHT verlogen sein sollte. Wenn sie im Programm die Positionen X, Y und Z hat, dann sollte sie eigentlich mit reinem Gewissen in den Wahlkampf ziehen und für diese Positionen werben und dann ebenfalls mit reinem Gewissen versuchen, nach der Wahl diese Positionen mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln (sei es in der Regierung oder in der Opposition) durchzusetzen.

Wir erleben gerade, dass dies nicht geschieht. Die ehemals soziale Partei Deutschlands wendet sich gegen ihre Hauptklientel (die etwas schwächeren Menschen im Lande) und steht weiterhin zu Hartz IV und Umverteilung “von unten nach oben”, zu Euro-Rettungswahn und Kriegseinsatz in Afghanistan. Die ehemals liberale Partei forderte Steuersenkungen und “mehr Netto vom Brutto” und meinte damit aber nur die eigene, wohlhabende Klientel: die Ärzte, die Apotheker, die Hoteliers, die Steuerberater. Die ehemals konservative Partei gefällt sich darin, ungeniert den Wohlstand Deutschlands in den EU-Moloch zu werfen, koste es, was es wolle. Die ehemals “alternative” Grüne Partei ist bis auf wenige Positionen völlig ununterscheidbar von den anderen Parteien geworden und stimmt lustig für Kriegseinsätze und Finanzmarkthilfen.

Niemand kann mir erzählen, dass diese Ideen plötzlich und unerwartet aufkamen. Mithin müssen uns die Parteien in den Wahlkämpfen belogen haben, und zwar nach Strich und Faden.

Die ehrlichere Frage sollte daher lauten: Darf Politik überhaupt verlogen sein?

40) Pada, Samstag, 17. März 2012, 18:01 Uhr

Natürlich fliegen uns nicht die Herzen zu, weil wir sparen wollen. Aber nur so können wir uns aus dem Würgegriff der Finanzmärkte befreien. Mit einem Schuldenschnitt dagegen schneidet man sich immer auch sehr tief ins eigene Fleisch. Das kann man jetzt in Griechenland beobachten. Der Schnitt geht bis auf die Knochen und es reicht trotzdem nicht. Am Ende hilft nur noch die Amputation. Genau auf solche Zustände läuft es auch bei uns hinaus. Die Menschen möchten das nur nicht wahrhaben und Politiker wie Hannelore Kraft lullen die Leute weiter ein. Hessen und Bayern zahlt ja… Der Moral Hazard ist doch schon längst da!

Christian Lindner vermittelt für mich sehr klar den liberalen Gedanken:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1704802/

So hat die FDP endlich wieder eine Stimme. Und wer meint die FDP wäre überflüssig, der könnte nach ihrem Verschwinden noch sein blaues Wunder erleben. Leute wie Schäffler, die jetzt noch fest in der FDP gebunden sind, werden nicht zur Union oder den Grünen wechseln. Das ist eine geradezu absurde Vorstellung. Hinter Schäfflers Positionen stehen weite Teile der FDP Basis. Schäffler bekäme in keiner anderen Partei so einen Zuspruch. Wir sind Liberale. Das wird bei der heute üblichen Gleichmacherei gerne vergessen.

> @ Panda, 29): neuer Name?

Also ich schreibe hier unter Panda, wenn es recht ist, damit man die Beiträge zuordnen kann.

41) nurmalso, Sonntag, 18. März 2012, 00:36 Uhr

das war doch offensichtlich, dass lindner nur zwischengeparkt werden sollte. dass er nun aber so schnell aus dem exil geholt wird, erstaunt dann doch ist aber dem umstand der plötzlichen neuwahlen in nrw geschuldet.

42) Christian Erhart, Sonntag, 18. März 2012, 01:30 Uhr

Lieber Herr Spreng
Ein Politiker den nicht lügt, ist wie ein Stürmer der nicht schiesst

43) Erika, Sonntag, 18. März 2012, 10:00 Uhr

@ 40) Pada oder Panda

Wenn es denn so wäre, wie Sie schreiben: “Aber nur so können wir uns aus dem Würgegriff der Finanzmärkte befreien.”, warum sind dann die USA und Japan nicht im Würgegriff der Finanzmärkte?

Die Gläubiger dieser Länder wissen, dass sie ihre Staatsanleihen zu 100 % zurückerhalten und haben somit Vertrauen in diese Währungen. Finanzmärkte wollen Sicherheit. Mit der Aussage von Kanzlerin Merkel, die von der FDP getragen wird: “Griechenland wird keine deutschen Steuergelder erhalten”, kam die Unsicherheit in die Finanzmärkte. Und bisher konnte diese Sicherheit durch die vielen Rettungsschirme nicht wieder erlangt werden. Es ist meiner Meinung nach auch nicht so, dass der Fiskalpakt für eine vorübergehende Beruhigung sorgt (warum auch, ist auch ein Stück Papier) sondern die Geldschwemme der EZB.

“und Politiker wie Hannelore Kraft lullen die Leute weiter ein. Hessen und Bayern zahlt ja…”
Wenn ich die Sache mit Frau Kraft richtig beoabachtet habe, war es ja eher so, dass Frau Kraft durch ihren Haushalt die Probleme, die noch von der WESTLB auf NRW zukommen werden, sichtbar gemacht hat. Und was die “guten” Bayern angeht (ich lebe da) – Mit den Folgen der Krise der Bayer. Landesbank musste die Staatsverschuldung in Bayern um 10 Mrd. € (um 50 % ) auf 30 Mrd. € erhöht werden, Also zumindest die verantwortlichen Politiker haben damals den bayer. Steuerzahlern ein schönes Ei ins Nest gelegt. Bayern zahlt zwar viel in den Länderfinanzausgleich erhält aber durchaus auch viele Bundesmittel für Großprojekte und man darf auch nicht vergessen, dass Bayern nicht genug Akadamiker ausbildet und dies die anderen Bundesländer für die Bayern bezahlen müssen.

Und die Hessen? Wenn man den größten Bankplatz und den größten Flughafen auf seinem Gebiet hat, ist der Finanzausgleich auch nicht ganz so schwierig.

Man kann gerne eine Schäffler-FDP gründen, die Euro-Krise werden Sie damit aber nicht lösen.

44) Thomas Hillebrand, Sonntag, 18. März 2012, 10:31 Uhr

@ 39) Mark

Eine schöne, kleine Analyse der von Ihnen benannten Parteien, der ich weitestgehend zustimmen kann. Interessanterweise taucht aber die Linke in Ihrer Aufzählung gar nicht auf. Das mag zwei Gründe haben: Entweder Sie subsumieren die Linke nicht unter die verlogenen Parteien, was ich aber aus einem bestimmten Gefühl heraus nicht annehme, oder Sie wissen möglicherweise gar nicht, dass es sie gibt? Was verwundern sollte, da die Linke doch exakt für eine Politik steht, die gegen Kriegseinsätze steht, gegen Hartz IV, gegen die Deregulierung der Finanzmärkte usw. Wählen Sie sie wenigstens? Wenn nicht, dann könnte ich eigentlich keinen Sinn in Ihrer Klage erkennen – außer der Klage selbst. Glauben Sie mir, man muss bei diesem Akt in der Wahlkabine diese Partei nicht zwingend lieben, da kann einem auch schon mal der Stift zittern! Aber ist ein leicht mulmiges Trotzdem-Wählen nicht generell üblich geworden?
Und zu Ihrer generellen Frage: Ja natürlich sollte Politik nicht verlogen sein, aber sie ist es. Mir geht es deshalb nur noch um den Grad der Verlogenheit, Dreistigkeit und Schamlosigkeit.

@ 40) Pada

Ich beneide Sie! Für mich ist heute bloß Sonntag. Auch nicht schlecht, klar. Für Sie dagegen wahrscheinlich sogar ein Feiertag! Sie bekommen nämlich heute einen Bundespräsidenten, der dieses schwer erträgliche neoliberale Gesülze goutieren wird. Armes Deutschland!
PS. Ich war als Jungspund übrigens mal nahe dran, FDP-Mitglied zu werden und habe diese Partei als stolzer Erstwähler gewählt. Das war zu einer Zeit, da atmete diese Partei noch die “Freiburger Thesen” tief durch ihre Lungen und es ging um die Reform des Kapitalismus. Ja, richtig gelesen! Was ist bloß aus “euch” geworden?!?

45) Lockez, Sonntag, 18. März 2012, 10:48 Uhr

Wenn ich schon das Wort SPAREN aus Politkergesichter höre, dann ist das auch eine verdrehte Tatsache!
Sparen ist, wenn ich Geld beseite lege um es zu vermehren,aber die Politiker machen Einsparungen, also Kürzungen, das hat beileibe rein gar nichts mit sparen zutun.

46) Mark, Sonntag, 18. März 2012, 12:30 Uhr

@ 44) Thomas Hillebrand, Sonntag, 18. März 2012, 10:31 Uhr

> Interessanterweise taucht aber die Linke in Ihrer Aufzählung
> gar nicht auf. Das mag zwei Gründe haben: Entweder Sie
> subsumieren die Linke nicht unter die verlogenen Parteien

In der Tat ist mir die Linke bisher als die geradlinigste im Bundestag vertretene Partei aufgefallen. Man schaue sich nur die vielen bemerkenswerten Reden von Gregor Gysi an. Auch Oskar Lafontaine nimmt kein Blatt vor den Mund.

Auch der Umstand, dass die Partei von den “Blockparteien” geradezu geschnitten wird, sind für mich klare Indikatoren, dass eben die “etablierten” Parteien eine große Berührungsangst mit der Linken haben. Die Massenmedien ignorieren die Linke, wo es nur geht. Oder man behandelt sie wie Abschaum – wie z.B. in dieser interessanten Grafik der Tagesschau zum Thema “Glaubwürdigkeit der Parteien im Saarland”:

http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/crbilderstrecke336_mtb-1_pos-6.html#colsStructure

Na, fällt Ihnen was auf? Ja genau: Die Balken für FDP und Linke sollten sich in ihrer Länge signifikant unterscheiden – in etwa so wie SPD und CDU sich unterscheiden. Es mag nur ein Versehen gewesen sein, aber da dies genau den beiden “häßlichen Entlein” passiert, könnte man auch auf andere Ideen kommen.

So wird wieder und wieder die Linke in ein negatives Image gerückt. Ich verurteile das ausdrücklich, da die wirklichen Verbrecher ganz woanders sitzen und so geschützt werden.

> Wählen Sie sie wenigstens?

Meine Wahlentscheidung tut hier nichts zur Sache, aber im Gegensatz zu Union, FDP, SPD, und Grünen gehört die Linke durchaus zu den für mich wählbaren Optionen. Manchmal stolpere ich über gewisse Ansichten, die zumeist aber nicht von der Spitze geäußert werden, sondern von mittleren Politikern. Da gibt es bei anderen Parteien auch Leute, wo man nur den Kopf schütteln kann (Philip Mißfelder von der CDU, zum Beispiel).

Auch und gerade in der Frage der “Euro-Rettung” bin ich nicht schlüssig, ob die Linke nicht unser Geld auch gerne und schneller als die Bundesregierung in die maroden Länder umverteilen möchte. Hier wäre eine klarere Positionierung zum Wohl der deutschen Bürger wünschenswert. Immerhin stimmt die Linke gegen diesen Unsinn – und bleibt somit ein Lichtblick in der trüben deutschen Politik.

47) Michael A. Nueckel, Sonntag, 18. März 2012, 12:52 Uhr

@ Christian Erhart, 42)

Schönes Beispiel, und ein guter Stürmer “lügt” zuvor auch auf seine Art, z.B. durch Körpertäuschung, vor oder nach der Ballannahme, von raffinierter Schusstechnik erst gar nicht zu sprechen.

48) Thomas Hillebrand, Sonntag, 18. März 2012, 16:13 Uhr

@ 46) Mark

Lieber Mark,

jetzt haben Sie mich aber beschämt! Ihre so sachliche und eingehende Antwort auf meinen durchaus auch etwas polemischen Kommentar habe ich eigentlich gar nicht verdient.

Vor allem aber gebe ich Ihnen in Ihrer Bewertung, was die – bewusste und oft geradezu groteske – Ausgrenzung der Linken in den “Qualitäts”-Medien betrifft ohne jede Einschränkung Recht. Selbstverständlich auch Ihrer positiven Wahrnehmung dieser Partei, die ich prinzipiell trotz manch wiederkehrenden Unbehagens mit Ihnen teile. Denn das Entscheidende ist ja: Die Linke stellt in diesem Land die einzige wirkliche Opposition! Dessen muss man sich immer wieder bewusst werden! Aber auch dies hatten Sie, noch ohne die Linke zu nennen, schon in Ihrem ersten Kommentar analysiert.

Die Position der Linken zur Euro-Rettung ist eigentlich schon klar ersichtlich, finde ich. Wenn Sie hier mal einen Blick hineinwerfen wollen:

http://www.thesoundofklee.de/wp-content/uploads/2011/09/Position-der-Bundestagsfraktion-DIE-LINKE-zur-Euro-Rettung.pdf

Die Frage nach Ihrem Wahlverhalten übrigens war freilich eine rhetorische und nicht persönliche Frage, da sie, wie Sie ja völlig zu Recht sagen, hier selbstverständlich nichts zur Sache tut.

Jetzt hoffe ich nur noch, Herr Spreng erträgt unser linkes Geturtel mit Milde!

49) Frank Reichelt, Sonntag, 18. März 2012, 18:00 Uhr

@ 46) Mark

Ihr Beitrag ist eine Satire, nicht wahr? Sie meinen das Gegenteil von dem was sie sagen um klar zu machen wie absurd die Ansichten der Linken sind, es kann nur so sein!

Oder etwa doch nicht?

50) Michael, Montag, 19. März 2012, 02:05 Uhr

Herr Spreng, mit Verlaub – Sie sind ein Arschloch. Nicht die FDP ist verlogen, sondern der größte Teil der Medien. Die FDP ist hierzulande die einzige Partei, in der so etwas wie Vernunft herrscht. Wären z. B. Rösler und Westerwelle bei den Grünen, sie würden allein schon deshalb in den Himmel gelobt, weil sie ausländischer Herkunft bzw. schwul sind. Das einzige Problem der FDP ist, daß sie bei den letzten Bundestagswahlen fast 15 Prozent der Stimmen erreichte, was der mehrheitlich grünsozialistisch durchwirkten Journaille in diesem Land natürlich überhaupt nicht paßte und sie bewog, die FDP in Grund und Boden zu schreiben. Schade, daß Sie dieses durchsichtige Spiel mitmachen. Lindner ist übrigens trotz seiner knabenhaften 33 Jahre intellektuell und rhetorisch einer der ganz seltenen Begabungen in diesem Land. Vielleicht wird er sogar auch mal Präsident, wenn es Gauck gelingt, den Deutschen den Wert der Freiheit wieder bewußt zu machen.

51) Minassian, Montag, 19. März 2012, 07:51 Uhr

Wir steuern stramm auf zwei Blöcke zu : CDU/CSU und SPD. Die FDP atomisiert sich selbst, das Komikerduo Lötzsch/Ernst fährt die Linke in die Grütze und die Piratenpartei ist eine kurzlebige
monothematische Modeerscheinung.
Es wäre auch Gelegenheit, das System insgesamt umzukrempeln : 620 Parlamentarier für ein 80-Millionen-Volk : halbieren, den Rest doppelt bezahlen mit dem Verbot von Nebentätigkeiten. Zahl der Bundesländer : halbieren und einheitliche Schul-/Kulturpolitik einführen. Abschaffung des Bundespräsidenten : Repräsentation im Ausland durch Kanzler/in und Außenminister reichen.
Das Einsparungspotential wäre riesig und die Effizienz würde steigen.

52) markus, Montag, 19. März 2012, 07:53 Uhr

die leute sollen die FDP GAR nicht wählen. weder “die eine”, noch “die andere”. mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

53) Alexander, Montag, 19. März 2012, 09:57 Uhr

@51) Minassian:

Mir Ihrer strammen Programmatik kann ich mich durchaus anfreunden. Es gibt so viele Einsparungspotenziale, die ungenutzt sind. Und wichtiger: Dieser komplexe Staatsbürokratismus muss auf Effizienz getrimmt und wettbewerbsfähig reformiert werden.

Um beim Thema zu bleiben: Die aktuelle Politiker-Generation wird alles tun, um ihre Machtposition abzusichern gegen Gefahren wie eine derartige Systemumkrempelung.

54) M.M., Montag, 19. März 2012, 10:26 Uhr

Ich seh es eher positiv. Die FDP probiert personell wirklich Alles um den Abwärtstrend zu stoppen.

55) H.F., Montag, 19. März 2012, 10:31 Uhr

@51) Minassia

#Wir steuern stramm auf zwei Blöcke zu : CDU/CSU und SPD#

Für diese interessante Erkenntnis bedarf es schon enormer Weitsicht.

56) H.F., Montag, 19. März 2012, 10:35 Uhr

@ 50) Michael

Abgesehen von Ihrer intelligenzfreien Wortwahl – Schuld sind immer die Anderen, stimmts?

57) Mark, Montag, 19. März 2012, 10:44 Uhr

@ 49) Frank Reichelt, Sonntag, 18. März 2012, 18:00 Uhr

> Ihr Beitrag ist eine Satire, nicht wahr? Sie meinen das Gegenteil von dem was
> sie sagen um klar zu machen wie absurd die Ansichten der Linken sind,
> es kann nur so sein!

Seit dem “Gegelten” erkenne ich an der Benutzung des Wortes “absurd”, dass der Empfänger einer Botschaft bewußt manipuliert werden soll. Na, und mit der Satire im Netz ist das so eine Sache – das verstehen viele Leute schon im richtigen Leben nicht, im Netz meist noch viel weniger. Es gibt viele Leute, die alles, was im Netz steht, für bare Münze nehmen. Deshalb lasse ich im Netz -zumal in einem politischen Blog- meist die Finger von der Satire.

Und somit ist mein Beitrag in der Tat – ernst gemeint.

Die Linke hat weitestgehend die Positionen der SPD der 1970er Jahre übernommen, während sich SPD zum linken Flügel (aka “Arbeitnehmerflügel”) der Union entwickelt hat. Sie steht für soziale Härte (Hartz IV), für Umverteilung von unten nach oben (Euro-Rettung, Steuersenkungen für Top-Verdiener, Finanzmarktderegulierung), für Kriege (Afghanistan, Libyen). Gleichzeitig hat sich die Union von ihren klassisch-konservativen Werten entfernt und ist wesentlich “sozialdemokratischer” geworden. Somit sind für mich Union und SPD nur noch in Nuancen unterscheidbar, wobei ich das tatsächliche Abstimmverhalten zugrunde lege und nicht die vollmundig vorgetragenen Wahlkampfpositionen.

Bleiben die Grünen – sie haben sich von einer Protestpartei mit Basisorientierung entwickelt zu Anzugträgern, denen das Hemd näher ist als die Hose. Das sind Opportunisten, die getrieben sind von ihrer eigenen Öko-Lobby. Aber auch hier reibe ich mir verwundert die Augen über das Abstimmverhalten: Pro Eurorettung? Pro Afghanistan-Krieg? (Der wackere Herr Ströbele ist hier die rühmliche Ausnahme. Ihn kann man wohl nicht wegmobben, weil er mit schöner Regelmäßigkeit ein Direktmandat in seinem Wahlkreis gewinnt.) Schauen Sie sich doch mal das Wirken des ehemaligen Bundesaußenministers Fischer an. (Es gab da mal eine schöne Sendung in der ARD, ich glaube es war ein Panorama-Spezial.) Das wird natürlich nicht breitgetreten.

Bleiben die FDP (völlig indiskutabel, solange die Partei nicht auf Frank Schäffler’s Kurs einschwenkt) und die Piraten (gute Ansätze, aber noch zu frisch dabei und auch zu vielschichtig, um gut einschätzbar zu sein).

Tja, so sieht’s aus. Die Linken sind eine echte Alternative.

58) Maren P., Montag, 19. März 2012, 11:25 Uhr

Ich lese den Sprengsatz schon länger wegen der interessanten und unterhaltsamen Kommentare von Michael Spreng und der vielen kontroversen Beiträge seiner Leserinnen und Leser. Manchmal jedoch wird es hier richtig albern – so wie dieses Mal wieder. Im Versuch, die FDP zu retten, wird nichts ausgelassen. Aber WARUM ist die FDP es wert, gerettet zu werden? Für wen? Ich kann die Notwendigkeit nicht erkennen.
Was passiert, wenn die FDP aus den Landtagen fliegt und spätestens 2013 auch aus dem Bundestag? Wem wird etwas fehlen, wenn Finck, Flach + Co. keine Partei mehr haben, sondern ihre Lobby wieder direkt vertreten müssen? Wann hat sich die FDP das letzte Mal zum “Wohle des deutschen Volkes” eingesetzt und nicht nur für Maschmeyer, die internationale Zockergilde oder die Apotheker – was manchmal schwer zu unterscheiden ist?
Die FDP hat fertig, finde ich. Keine weitere Zeile wert!

59) Thomas Hillebrand, Montag, 19. März 2012, 12:56 Uhr

@ 50) Michael

Ich hatte heute noch wenig Gelegenheit zu einem richtig befreienden Auflachen; im Beruf, im zähen Verkehr unterwegs – irgendwie war überall ein bisschen der Wurm drin. Doch dann kam plötzlich Rettung – aus einer ganz unvorhersehbaren Richtung: Ich las ein wenig im Sprengsatz und stieß auf Ihren wunderbaren Kommentar. Fantastisch! Kein Priol, kein Barwasser, nicht mal Schramm könnten Ihre Satire überbieten! Wie machen Sie das nur? In vergleichsweise so wenige Zeilen einen Brüller, Schenkelklopfer und Mega-Pointe nach der anderen unterzubringen? Chapeau! In Ihnen schlummern Fähigkeiten, von denen Sie vielleicht gar nichts wissen? Meine Lieblingsstelle ist übrigens diese hier: Eine “mehrheitlich grünsozialistisch durchwirkte Journaille” überzöge unser Land. Köstlich, jedes einzelne Wort ein Brüller! Also, vielen herzlichen Dank, der Tag ist gerettet!

60) Tobias, Montag, 19. März 2012, 13:42 Uhr

ich wähle AUCH nicht die FDP von Leutheusser-Schnarrenberger, die seit Jahren heuchelt, dass unbedingt die gleichgeschlechtlich Verpartnerten den Eheleuten gleichgestellt werden sollen und nun kaltlächelnd abgenickt hat, dass der verbitterte verhärmte Schäuble so mal eben das Ehegattensplitting für Homo-Paare abgesägt hat.

61) Tobias Söchtig, Montag, 19. März 2012, 14:26 Uhr

@ 50) Michael

Nicht alles, was bei den Grünen zum guten Ton gehört, gehört auch hierher. Ihr “Mit Verlaub…” hätten Sie sich sparen können. Ebenso wie Ihren destruktiven Beitrag.

Die Medien berichteten größtenteils differenziert über den Sinkflug der FDP. Die Partei wurde analysiert und es wurde offengelegt, wo die Probleme sind. Hätte sich die FDP mehr an den Medien orientiert, wäre sie möglicherweise bei mehr als 3 Prozent. Die FDP hat es verpasst, den politischen Zetigeist zu erkennen. Sie konnte bzw. kann mit ihren Themen niemanden mehr bedienen (Deregulierung, Steuersenkungen, Euro-Skepsis – und jetzt Wirtschaftswachstum?). Die kleine Themenkonkurrenz durch die Piraten ist da nur ein kleiner Teil des Attraktivitätsproblems.
Hinzu kommt die bisweilen miserable Regierungsarbeit, die schlechte Kommunikationsfähigkeit mit dem Koalitionspartner und das offensichtliche Führungs- und Personalproblem.

Ihren desolaten Zustand hat sich die FDP selbst zuzuschreiben. Niemand anderem, auch nicht den Medien!

62) Tobias Söchtig, Montag, 19. März 2012, 14:49 Uhr

@ 59) Thomas Hillebrand

Den Kommentar auf diese Weise abzuhandeln gefällt mir noch viel besser :-)
Chapeau!

63) Alexander, Montag, 19. März 2012, 14:58 Uhr

@ 50) Michael

ich bin durch und durch vom Liberalismus überzeugt und ärgere mich weniger über die manchmal unausgewogene Kritik an der FDP in den Medien als vielmehr über das meistens peinliche bis unreife Gehabe vieler FDP-Politiker. Als Journalist hätte ich auch ein Problem, FDP-Politiker wie Döring, Rösler, Homburger, Bahr etc. lästern jeweils bevorzugt über ihre eigenen FDP-Kollegen, statt saubere Politik zu machen. Das Schmieden von Intrigen und das Führen von “Hintergrund-Interviews über den Konkurrenten im eigenen Lager” hat Vorrang.

Leider “verdrängen” diese Lautsprecher die soliden FDP-Politiker in der Bundestagsfraktion wie etwa Solms, Meinhardt, Schäffler etc.

Die Verantwortung dafür tragen aber eben nicht die Journalisten, sondern vielmehr die charakterlich unreifen FDP-Granden.

64) Mark, Montag, 19. März 2012, 16:22 Uhr

@ 48) Thomas Hillebrand, Sonntag, 18. März 2012, 16:13 Uhr

Danke für den Link zur Position der Linken in Sachen Eurorettung.

Wieder bestätigt sich darin meine Befürchtung, dass sich eben die Linke nicht gegen den Euro- und EU-Unsinn stellt, auch wenn ihr bisheriges Abstimmverhalten dies vermuten liesse. In dem von Ihnen verlinktem Papier finden sich z.B. die Forderungen nach einer direkten Staatsfinanzierung durch die “Einrichtung einer Europäischen Bank für öffentliche Anleihen”. Auch die Forderung nach “Eurobonds” wird erwähnt. (Zugegeben, neben einer höheren Besteuerung der Verursacher und Krisengewinner.)

Nun kann man aber sicher davon ausgehen, dass durch diese Maßnahmen ein zentrales Problem der maroden Länder nicht behoben wird: nämlich deren Wettbewerbsunfähigkeit. Sie sind viel zu teuer. Vielmehr würde durch diese Maßnahmen (meiner Meinung nach) die Verschwendungssucht der öffentlichen Hände dort wieder anziehen, denn es bestünde dann ja nicht mehr das Drohpotenzial der hohen Zinsen. Irgendwer in Europa wird schon dafür bezahlen, so die Annahme, und ich fürchte, dass WIR (also: die deutschen Steuerzahler) vorrangig damit gemeint sind.

Tja, und da gebe ich offen zu, dass ich gerne eine demokratische (!) europakritische Partei hätte, die sich eben mit einigen wenigen Standpunkten, die aber klar verständlich formuliert sind, gegen die EU positioniert. Am liebsten wäre mir dabei eine nahezu monothematische Partei, damit man nicht Gefahr läuft, Populisten in das Netz zu gehen, die in ihrem Programm noch andere Forderungen verstecken.

Gefunden habe ich diese Partei bisher noch nicht.

65) Michael A. Nueckel, Montag, 19. März 2012, 17:15 Uhr

@ Tobias Söchtig, 61), @ Thomas Hillebrand, 59), 56) H.F.,

Die Aufregung über Michael 50) ist köstlich. Ich denke, dieser Beitrag ist eher eine Mischung aus Fake & gezielter Provokation. Da ist nichts dran ernst zu nehmen. Scheigen, auch wenn´s schwer fällt, so wie der angegriffene M. Spreng es tat, alles andere wird von N.N. als Bestätigung empfunden.

@ Maren P., 58): “Aber WARUM ist die FDP es wert, gerettet zu werden? Für wen? Ich kann die Notwendigkeit nicht erkennen.”

Bitte nicht mißverstehen: Die Voraussage, die Partei könnte (vor dem Untergang durch Abwahl) “gerettet” werden, ist nicht gleichbedeutend mit der Einschätzung, die Partei sei es wert, gerettet zu werden.

66) der Herr Karl, Montag, 19. März 2012, 17:28 Uhr

@ 57) Mark

Hiess das Wort des “Gegelten” nicht “absturs”?

67) der Herr Karl, Montag, 19. März 2012, 17:29 Uhr

Korrektur:
Ich meinte “abstrus”.

68) Gregor Keuschnig, Montag, 19. März 2012, 18:20 Uhr

@Maren P/58
Wann hat sich die FDP das letzte Mal zum “Wohle des deutschen Volkes” eingesetzt
Vermutlich bei der Enthaltung zur Libyen-Resolution der UN durch Westerwelle. Ansonsten wäre ein zweites Afghanistan möglich gewesen.

Die FDP hat sich in der Bundesrepublik mindestens drei Mal neu erfunden: Zuerst als stramm-rechte Partei gestartet und Anhängsel der CDU. Dann 1969 mit dem sozial-liberalen Wandel, der dann 1982 zurückgenommen wurde. Jedes Mal drohte die Partei zu scheitern; eingetreten ist es im Bund nie. Die Fehler wurden bereits damals begangen; es ist nur niemandem aufgefallen, da die FDP immer noch die Mehrheitsbeschafferfunktion hatte. Im übrigen widerspreche ich den Kommentatoren, die glauben, die FDP habe den “Zeitgeist” verpasst. Das Gegenteil ist richtig: Sie hat sich zu lange dem Zeitgeist angepasst und auf Macht gespielt.

69) Thomas Hillebrand, Montag, 19. März 2012, 18:28 Uhr

@ 57) Mark

Jetzt haben Sie sich aber langsam warm geschrieben – Sie werden immer besser! Bravo!

70) Doktor Hong, Montag, 19. März 2012, 19:21 Uhr

Wie wäre es denn mit der FDP als Lifestyle-Partei?

FDP wählen, ganz einfach weil es schick ist – quasi als politisches Accessoir-Gegenstück zum iPhone.

Das hätte den Riesenvorteil, dass man auf diese Weise auch apolitische Wähler erreichen könnte. Flankieren könnte man die Kampagne mit Werbespots, ähnlich wie für Rasierwasser oder fettarme Bio-Margarine, in denen man attraktive, erfolgreiche Menschen zeigt, die fröhlich lachend ihr Kreuz bei der FDP machen, ganz einfach weil es cool ist.

Zumindest wäre dies die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die als wahrhaft (sozial)liberale und gleichzeitig wirtschaftsfreundliche politische Kraft begann, zur Klientelpartei verkam und sich schließlich über einen kurzen Abstecher über Wirtschaftsradikalismus auf ein einziges Thema, Steuersenkungen, verengte.

Nun kann man in Zeiten horrender Rekordverschuldung natürlich weiter auf Steuersenkungen beharren, oder eben konsequent und zeitgeistkonform weitergehen, sich jeglicher politischer Vorhaben entledigen und zur Lifestyle-Partei werden.

Zu böse?

Aber halten wir wenigstens Rösler zugute, dass er Merkel von Gauck überzeugen konnte. Nach alledem, was ich von Gauck so höre, bin ich vorläufig der Auffassung, dass Gauck wesentlich nachdenklicher, selbstreflektierter und einsichtiger ist, als die Halbsatz-Zitierer das darstellen wollen.

71) karola, Montag, 19. März 2012, 19:36 Uhr

Die FDP-ler sind nicht besser und schlechter als alle anderen auch. Nur merkt man das bei denen schneller.
Täuschen und tarnen ist Programm bei allen Parteien, außer den Linken.

Alle anderen sind in der Moderne angekommen – d.h. Neoliberalismus, Konformismus, hochkarätiger Kapitalismus im Feudalismus des 21. Jh.

72) Politikverdruss, Montag, 19. März 2012, 19:40 Uhr

@Tobias Söchtig,
„Die Medien berichteten größtenteils differenziert über den Sinkflug der FDP… Die FDP hat es verpasst, den politischen Zetigeist zu erkennen.“

Entlarvender kann ein Kommentar nicht sein! Und das mit der „grünsozialistisch durchwirkte Journaille“ von Michael @50 ist natürlich ein ganz böses Vorurteil. Wie schrieb noch der Professor für empirische Kommunikationsforschung an der Uni Mainz, Hans Kepplinger: „Der Höhenflug der Grünen ist auch ein Triumph der im Journalismus dominierenden Weltsicht.“

Lieber Tobias Söchtig, könnten Sie für Ihre Behauptung, die Medien berichteten größtenteils differenziert über den Sinkflug der FDP, einen empirisch gesicherten Beleg nennen? Ich bin sehr gespannt!

73) Regina Hutchinson, Montag, 19. März 2012, 21:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

wer glaubt, sowohl der Rücktritt als auch die Wiederentstehung von C. Lindner
irgendetwas mit Idealen zu tun hat, irrt.
Lindner hatte Zeit sich zu erholen. Aber wie es halt so ist, wenn man dem Scheinwerfer
nicht widerstehen kann. Die Motivation ist Entzugserscheinung und Machtgier und nicht etwa
die Absicht würdevolle liberale Ideen an den Mann zu bringen.
Die FDP wird es, hoffentlich, nicht allzulang geben. Nichtsdestotrotz sagt diese Partei und demnach
auch ihr Klientel viel über einen Teil dieses Landes aus.
Guuuut, daß diese kalte neoliberale Ideen und Vorhaben nicht allzusehr Zustimmung erfahren.
Aber Sie selbst wissen am besten: Politikgeschäft ist russisches Roulett. Heute hat man Pech,
morgen hat man Glück und außerdem: Totgesagte, leben länger…Wie oft wurde zu seinerzeit Helmut
Kohl für politisch tot erklärt. Ich selbst stand vor ihm vor dem schöneberger Rathaus am 10.11.1989
und hörte die neverending Buhrufe. Am nächsten Tag lautete die TAZ-Überschrift wie folgt:
“Die Mauer ist weg. Wann geht Kohl?” Kohl ging nicht und wurde der Kanzler der deutschen Einheit.
“Jedes Land hat die Politiker die es verdient” hieß es doch einmal. Also. Es liegt an uns alle, ob in baldiger Zukunft, die FDP nur noch eine bedeutungsloses Kürzel sein wird.
Packen wir es !

In diesem Sinne,

Expressyourself!

74) karel, Montag, 19. März 2012, 22:09 Uhr

@ 50 Michael,
abgesehen vom 1. Satz kann ich Ihnen nur beipflichten.
Diese rot-grün durchwirkte Medienlandschaft bewerte ich seit
Jahren mit steigender Skepsis.
Diese Machart der gezielten Skandalisierung kann man seit Jahrzehnten beobachten.
Eine Entwicklung, die auch von dem Professor für Empirische Kommunikations-
forschung an der Uni Mainz, Hans Mathias Kepplinger, in vielfältiger Weise nach-
gezeichnet wurde.
Da werden gezielt Zeit-Bilder geprägt, die wegen der oft haltlosen Skandalisierung
nicht mehr hinterfragt werden dürfen.
Auch ein Sloterdijk bemängelt die allfällige Straflosigkeit redaktionellen Wirkens.
Die mediale Selbst-Dekoration mit Begriffen wie “-unabhängig, überparteilich-” kann
oftmals getrost ersatzlos gestrichen werden.

75) karel, Montag, 19. März 2012, 22:14 Uhr

@ 59 Thomas Hillebrandt

Ihr Reaktion auf @ 50 läßt ahnen, wie sehr Michael ins Schwarze getroffen hat.

76) peterpan4670, Dienstag, 20. März 2012, 01:09 Uhr

Die FDP hat in der jüngsten Vergangenheit m.E.vor allem karriereorientierte Egoisten angezogen, was damals in den 90ern vielleicht noch toleriert werden konnte. Aber inzwischen haben sich fast alle FDP-Politiker selbst entzaubert, wie es sonst nur “NPD-Idioten” in Ost-Parlamenten tun, z.B. Silvana Koch-Mehrin, als sie vor Jahren bei “Hartaberfair” nach dem Schulden-Zuwachs in Deutschlands in 75 Minuten befragt wurde, und 6000 Euro geantwortet hat, haha! Oder als sie ihren Doktor-Titel verloren hat wegen Abschreibens, genau wie ihr FDP-Partei-Kollege Jorgo Chatzimarkakis, und als sie dann einfach abgetaucht ist. Die FDP steht seit etlichen Jahren nur noch für Inkompetenz, Lobbyismus und Dummheit.

77) Thomas Hillebrand, Dienstag, 20. März 2012, 06:04 Uhr

Jetzt macht die Plasberg-Redaktion von “Hart aber fair” schon Wahlwerbung für die FDP!

Unter dem erregenden Titel “Der Bewährungshelfer – kann Gauck das Ansehen der Politiker heilen?” durfte Christian Lindner gestern Abend kräftig Werbung für sich (und seine Partei) machen. Und gleich vorweg gesagt: Gänzlich unbehelligt von jeglicher Kritik und Nachfrage!

Die Besetzungsliste einer – politischen – Talkshow zeigt natürlich immer auch an, welche vorher gewünschte Meinung sich in der jeweiligen Diskussion durchsetzen soll, also welche “Sieger” und welche “Verlierer” vorgesehen sind, wer “untergehen” und/oder wer gefördert werden soll. Oder wie gestern, wer zusätzlich termingerecht mal so eben ein großes Publikum sucht und braucht. Plasberg machte es möglich:
Gestern war Christian Lindner eingeladen, der als Person und Funktion gerade jetzt ein großes Publikum sucht und braucht. Wie gesagt, kein Problem seitens der Plasberg-Redaktion: sogar unverhohlen, eindeutig und dreist erwünscht durfte er Wahlwerbung machen. Das ist schon sehr bemerkenswert!

Ansonsten brachte die Show nur lauwarmes Blabla, des Wiedergebens wirklich nicht wert. Dass es auch bei Plasberg gerne mal kuschelig zugehen darf und sich alle ziemlich lieb haben, dies gestern zusätzlich unter den konsensualen Predigerfittichen unseres neuen Bundespräsidenten – geschenkt. Dass die Apotheose Gaucks auch nach seiner Wahl weitergeht – auch geschenkt. Und dass Dauer-Gutmensch Walter Sittler auch nach Stuttgart 21 Plus seine stets staatsbürgerlich hochschwangeren Worte wieder vor den Talkshow-Kameras mit ernster Denkerstirn wiegen darf, Franz Müntefering immer noch mit seiner Lebenslüge Agenda 2010 sehr gut zurechtzukommen scheint und sich von Lindner dafür noch loben lässt, die Journalistin Ursula Kosser nichts wirklich Erinnerbares von sich gab und auch noch ein Blaublütiger anwesend war – auch das noch geschenkt. Virtuell durfte sogar noch ein persönlicher Freund Plasbergs, das salzfrei lebende Gesundheitsgesicht der SPD, Karl Lauterbach, geehrt mit einer Hommage an seine Bescheidenheit Platz nehmen. Er wurde in einem Einspieler dafür gefeiert, dass er in der freien Wirtschaft weit mehr verdienen könnte, aber trotzdem die Lasten der Tagespolitik auf sich nimmt. Selbst das noch geschenkt – der Lauterbach ist ja auch wirklich einer der Aufrechten. Alles in allem wirkte die Talkshow jedoch geradezu infiziert und dadurch lahm gelegt vom getragenen und schon immer irgendwie staatsmännischen Duktus des neuen Bundespräsidenten.

Einzig Lindner wirkte – wie immer und jetzt erst recht – ziemlich ausgeschlafen. Und dass gerade diesem Christian Lindner (und damit der FDP) jetzt vor den Neuwahlen in NRW eine solche Bühne bereitet wurde und dabei sogar noch fast auf jede Verbrämung verzichtet wurde, und vor allem, dass das nicht bei den üblichen Verdächtigen Will, Illner, Jauch und Co. stattfand, sondern bei Frank Plasberg – das kommt ins Notizbuch! Christian Lindner konnte wirklich hochzufrieden, in der Show immer wieder von warmem Applaus gestreichelt, das Studio verlassen. Operation vollauf geglückt.

78) Jaccomo, Dienstag, 20. März 2012, 06:58 Uhr

Der Witz ist doch: Schafft Lindner es nicht, sind Rösler und die FDP am Ende. “Selbst Lindner konnte es nicht mehr wenden”. Lindner kann es dann vermutlich später nochmal versuchen – wie und wo auch immer. Vielleicht in einer “aus Ruinen auferstandenen” FDP. Schafft er es doch, ist nur Rösler am Ende und Lindner der große Hoffnungsträger der Rösler durch die Hintertür überholt hat. Der große Verlierer ist in jedem Fall Rösler.

79) Mark, Dienstag, 20. März 2012, 08:54 Uhr

@ 66) Doktor Hong, Montag, 19. März 2012, 19:21 Uhr

> Wie wäre es denn mit der FDP als Lifestyle-Partei?

Höhö, das ist gewiß eine Lücke im Parteien-Spektrum für eine “Lifestyle-Partei”. Dann hätte unser dröger Bundestag wenigstens mal ein bischen Glanz und Glamour. Da dürfte dann auch bedenkenlos abgeschrieben und “gewulfft” werden, ohne dass die miesepetrigen Parteikollegen gleich “Skandal!” schreien.

Nur: Die FDP hat ja nicht das erforderliche Personal dafür. Da sehe ich zwar viel “Life” aber wenig “Style”. Herr Westerwelle als Ikone der Mitt-Dreißiger? Ha! Rösler als Magnet für Leute mit Migrationshintergrund? Ha! Brüderle als – nein, lassen wir das.

Die FDP ist doch froh, wenn sie politisch überlebt. Wie, das ist denen grad völlig egal. Bloß nicht abgeschnitten werden von den prall gefüllten Futtertrögen der Politik.

80) Frank Reichelt, Dienstag, 20. März 2012, 09:38 Uhr

@ 57) Mark

Aus Erfahrung weiß ich, dass man mit Leuten die ihre Ausführungen mit einem selbstbestätigenden “So sieht`s aus” beenden, eine inhaltliche Debatte ausgeschlossen ist.

Ich fürchte, sie leiden wie so viele Linke an politischem Verfolgungswahn und sind wahrscheinlich auch ein Anhänger von Verschwörungstheorien jeder Art. Ich weiß, die Bush-Regierung hat die Anschläge vom 11.09.2001 selbst inszeniert um einen Kriegsgrund gegen Afghanistan zu haben.

Na ja, auch Scheinwelten sind Welten.

81) romeias47, Dienstag, 20. März 2012, 09:47 Uhr

zu 78) “Schafft er es doch, ist nur Rösler am Ende und Lindner der große Hoffnungsträger der Rösler durch die Hintertür überholt hat. Der große Verlierer ist in jedem Fall Rösler.”

Pardon, Rösler IST schon am Ende, wer sich derart dämlich von einem Non-Polit-Moderator im TV vorführen lässt, ist nicht mehr zu retten. Wenn man aus der unsäglichen Wulff-Causa etwas lernen konnte, war es, dass die Bürger Ernsthaftigkeit und Redlichkeit wollen. Sich aufzuführen wie eine Kombination aus Kobold und Rumpelstilz (Ach wie gut, dass jeder weiß, wie dem Frosch im Topf wird heiß) ist das letzte, womit man derzeit – bei aller Verzweiflung – punkten wollen sollte.

Lindner kann punkten, wenn er das durch die Bundespräsidenten-Wahl leicht veränderte Klima nutzt und sich öffentlich Gedanken darüber macht, wie wirtschaftliche Großstrukturen in demokratische eingebunden werden können. Einstweilen stellen sich bei mir – redet ein FDP-ler von Freiheit – folgende Begriffe ein: Übergriffigkeit, Skrupellosigkeit, rücksichtsloses Handeln gegen Umwelt und Finanzschwache, die sich keinen Staranwalt leisten können.

Für Einzel-Unternehmen gibt es das Prinzip des redlichen, ehrbaren Kaufmanns – etwas Ähnliches sollte auf Chef-, Vorstands- und Aufsichtsrats-Etagen installiert werden können, eine Art Ehrencodex. Und dann würde ich von Lindner auch gerne etwas zum Thema “Mensch vor Geld” hören. Das heißt für mich, dass Bildungsausgaben als Investition in die Zukunft gewertet und so bei der Haushaltbeurteilung beurteilt werden. (sollte auch Teil des europäischen Harmonisierungsprogamms sein). Dazu gehört auch, dass unterschieden wird zwischen Initiativphase und Fortführungsphase für ein Projekt. Erstere ist naturgemäß teurer.

82) Maren P., Dienstag, 20. März 2012, 09:56 Uhr

@ Nr. 65) Michael A. Nueckel
Zitat: >>Bitte nicht mißverstehen: Die Voraussage, die Partei könnte (vor dem Untergang durch Abwahl) “gerettet” werden, ist nicht gleichbedeutend mit der Einschätzung, die Partei sei es wert, gerettet zu werden.<<

Das hatte ich schon verstanden. ;-) Aber mich interessiert immer noch, WESHALB. Irgendein unverzichtbares Alleinstellungsmerkmal der FDP? Ich sehe keines. Und hier hat auch niemand eines genannt. Also: Raus mit den "Bambis" aus den Landtagen, in fünf Jahren sind es dann vielleicht ausgewachsene Hirsche! *gniggel*

Deshalb ist es absolut verzichtbar,
@ Nr. 77) Thomas Hillebrand,
dass Sie nach einem geschenkten TV-Auftritt der FDP hier noch seitenlang Lindners Popularität verstärken. Erhielten wir vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen Schmerzensgeld für die ausgestrahlte Parteilichkeit, zahlten wir letztlich wohl nur noch 50% der Gebühren!

83) Tobias Söchtig, Dienstag, 20. März 2012, 11:06 Uhr

@ 72) Politikverdruss

Wie differenziert die Medien berichteten ist natürlich subjektiv. Ihre Meinungsbildung ist davon abhänig, welche Medien Sie nutzen. Ich rate von Springer-Medien ab, um an eine differenzierte FDP-Auseinandersetzung zu gelangen. In den politisch wertvollen und relevanten Medien, auch zur “Meinungsmache”, finden Sie (wie gesagt, größtenteils) eine differenzierte Auseinandersetzung. Sei es im TV (Tagesschau (z.B. http://tagesschau.de/inland/fdpbasis100.html), ZDF-heute, Berlin-Direkt, Frontal21 usw.) Oder Print (Tagesspiegel, FAZ, SZ, Handelsblatt usw.) Oder Online (Spiegel z.T., WAZ, TAZ, SZ usw.).

Sie werden verstehen, dass es sich als schwierig darstellt hier nun vergangene Zeitungsartikel oder TV-Beiträge darzulegen (Soll ich die ausschneiden, scannen und hochladen?).

P.S. Die Schuld an desolaten Umfragewerten einer Partei auf die Medien abzuwälzen ist falsch. Die Medien tragen nunmal die Zustände der Parteien und deren Entscheidungen in die Öffentlichkeit. Das ist ihre Aufgabe und zudem Bestandteil unserer medialen Demokratie. Die Bewertung der medialen Berichterstattung sollte natürlich kritisch erfolgen, und muss immer vor dem Hintergrund des Verfassers betrachtet werden. Daher sage ich: wählen Sie ihre Informationsquellen sorgsam aus und nutzen sie viele verschiedene, zur differenzierten Betrachtung!

84) Benedikt, Dienstag, 20. März 2012, 11:41 Uhr

Bahr hätte in NRW auch keinen Wahlkampf gemacht. Von da an ist das schon verständlich, den Lindner als Chef zu wählen. Wenn das ganze Orga Programm abgearbeiet ist, verbleibt noch ein Monat Wahlkampf. Das bedeutet für Lindner 7. Tage der Woche Wahlkampf. Bahr hingegen kann höchstens 2 mal in der Woche Wahlkampf machen.

85) Tim Schäfer, Dienstag, 20. März 2012, 15:42 Uhr

Herr Spreng,

ich finde Ihren Blog exzellent. Wir brauchen in Deutschland einen Neuanfang. Nach Christian Wulff sollten wir alle Spenden und Geschenke abschaffen. Die Parteienfinanzierung muss dringend reformiert werden….

Die FDP leidet doch unter der dubiosen Mövenpick-Geld-Spende. Das Vertrauen ist weg. Die Bürger trauen doch kaum noch einem Politiker. Das sind alles selbstverschuldete Probleme.

Ich habe einen Blog zu dem Vertrauensschwund im Zusammenhang mit den Geldspenden geschrieben:
http://www.timschaefermedia.com/?Parteien_und_Politiker_Verzichtet_ab_sofort_auf_Spenden&id=1211&det=1

86) Politikverdruss, Dienstag, 20. März 2012, 16:08 Uhr

@Tobias Söchtig,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ob aber jemand, der „den politischen Zeitgeist“ (61) zum Maßstab für Parteien erhebt, auch als Ratgeber für die Auswahl von Informationsquellen taugt, dürfte doch sehr fraglich sein.

87) Alexis, Dienstag, 20. März 2012, 19:40 Uhr

@ 77) Thomas Hillebrand, Dienstag, 20. März 2012, 06:04 Uhr

Nur zur Ergänzung: Diese “Blass”-berg-Sendung wude von BILD geradezu überschwenglich gelobt.

88) mkveits, Mittwoch, 21. März 2012, 15:23 Uhr

Heribert Prantl hatte schon Mitte der 90er-Jahre das Ende der FDP in der SZ prognostiziert. Ende vergangenen Jahres hatte er in der SZ aus dieser Prognose “zitiert” – und es klang ganz aktuell. Wie heute. Wunder dauern etwas länger …

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