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Dienstag, 20. März 2012, 12:09 Uhr

Der Rosinenpicker

Der nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sagt, die CDU lasse  sich ihren Ministerpräsidentenkandidaten “nicht entmannen”. Er meint damit, dass sich NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen nicht zwingen lasse, sich ganz für Düsseldorf zu entscheiden -  im Fall einer Wahlniederlage auch als Oppositionsführer.

Für Wittke ist offenbar auch ein Eunuch ein ganzer Mann. Umgekehrt ist es richtig. Um in Wittkes Bildsprache zu bleiben: Wenn Röttgen Eier in der Hose hätte, würde er sich ganz für NRW entscheiden.Das wäre mannhaft.  Denn Wähler mögen keine mutlosen und risikoscheuen Politiker, keine Absicherer mit Rückfahrkarte.

Wer sich wie Röttgen verhält, signalisiert den Wählern, ich nehme die Wahl, die Kandidatur und damit auch euch nicht ernst. Die Kandidatur verkommt zum Spielerischen, zur persönlichen Karrieretaktik. Ein Verhalten, das Wähler hassen.

Wähler hassen dann besonders Sätze wie diesen von Röttgen: “Ich sage nicht, dass das Amt des Oppositionsführers für micht nicht in Frage kommt”. Typische Politikersprache, wenn Entscheidungsschwäche verschleiert werden soll. Die doppelte Verneinung sagt schon alles.

Mit seinem Zaudern hat Röttgen den Wahlkampfstart verpatzt und, je länger er mit einer klaren Aussage zögert, um so sicherer verpatzt er auch die Wahl. Seine Mutlosigkeit führt zu einem mutlosen Wahlkampf. Die CDU ist jetzt schon demotiviert. Und Christian Lindner von der FDP freut sich über die unerwartete Wahlkampfunterstützung.

Jetzt rächt sich, dass Röttgen ein Rosinenpicker ist. Er wollte die Rosine CDU-Landesvorsitz, um seine bundespolitische Karriere (auch für die Nach-Merkel-Zeit) zu befördern, nicht aber notfalls auch die saure Traube Oppositionsführer. Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.

Röttgens Absicherungsmentalität wird auch bestätigt durch sein früheres Verhalten. Als ihm der hochdotierte Posten eines BDI-Hauptgeschäftsführers winkte, wollte er sein Bundestagsmandat behalten und entschied sich erst wieder ganz für die Politik, als ihm Angela Merkel klarmachte, dass die Doppelfunktion mit ihr nicht geht.

Wenn Röttgen jetzt Pech hat, verliert er alles. Erst das Ministeramt und im Laufe der fünfjährigen NRW-Legislaturperiode auch das Amt des Oppositionsführers und Landesvorsitzenden. Aber es hat ihn  ja keiner gezwungen, Politiker zu werden. Frau Merkel muss vor ihm keine Angst mehr haben. Und Hannelore Kraft auch nicht.

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49 Kommentare

1) Frank Reichelt, Dienstag, 20. März 2012, 12:34 Uhr

Aber Herr Spreng, haben sie denn aus der Rede von Bundestagspräsident Norbert Lammert am Sonntag gar nichts gelernt?

“Heute erfüllt die freie Presse eine wichtige und unverzichtbare Kontrollfunktion in unserer Demokratie. Es gibt keine Demokratie ohne Transparenz und ohne Kontrolle. Aber Demokratie ist mehr als der Anspruch auf organisierte Transparenz. Demokratie braucht auch Vertrauen, sie gründet auch und vor allem auf dem Vertrauen in ihre Repräsentanten. Ein auf Dauer gesetztes Misstrauen zerstört nicht nur jede persönliche Beziehung, sondern macht auch die Wahrnehmung öffentlicher Ämter unmöglich”.
(Norbert Lammert, 18.03.2012)

Fast könnte man der Ansicht sein, Herr Lammert hat diese Worte explizit für sie gewählt und, wie sagt man so schön, ihnen ins Stammbuch geschrieben!

2) der Herr Karl, Dienstag, 20. März 2012, 12:44 Uhr

“Alle, die nun besonders laut “So geht das nicht!” rufen, wissen das in Wahrheit nur zu gut. Ihre Rufe sind nichts als Heuchelei.” (Spon)

Gut, Röttgen kam bei mir schon immer wie ein Eunuch rüber. Aber in einer doppelten Verneinung eine Entscheidungsschwäche lokalisieren zu wollen, finde ich dann doch etwas zu runter hergeholt.
Erinnert mich irgendwie an die Charakterschwäche bei “anonymen” Kommentatoren.
Politiker sind so! Das kann man Rosinenpickerei nennen – oder eben, typisch deutsch, Schnäppchenjägerei.

A Propos “doppelte Verneinung”:
“Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.”
Dieser Artikel wurde wahrscheinlich beim Nasenbohren geschrieben…

Gruss aus der Schweiz

3) Markus, Dienstag, 20. März 2012, 13:13 Uhr

> Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.

Sieh da. Nicht nur Politiker arbeiten mit der doppelten Verneinung ;-)

4) Michael A. Nueckel, Dienstag, 20. März 2012, 13:13 Uhr

Mich erinnert Röttgen´s Verhalten an die Fabel über den Hund, der ein Stück Fleisch in der Schnauze hält, derweil er auf dem Wasser ein zweites Stück schwimmen sieht, also zupacken will, ohne zu erkennen, das er sich nur im Wasser spiegelt – und “beides” verliert. Insoweit endet das Szenario trefflich. Röttgen ist ein Schönwetterfunktionsträger, der risikolos weiter Karriere machen will. Er ist bereits heute der erste Verlierer der NRW-Wahl. Dieser Glaubwürdigkeitsverlust ist für NRW irreparabel. Und sein Zaudern wird ihm auch bei einem Berlin-Verbleib anhaften – schließlich ist es bereits sein 2. Mal, was so ganz nebenbei ein nettes Psychogramm über ihn abgibt. Daher würde ich sagen, er hat sich ganz allein doppelt enteiert: Für NRW, für den Bund. Röttgen ist dem Wähler nicht mehr vermittelbar. Mich würde es nicht wundern, wenn er versucht, die Kandidatur abzugeben – was die CDU ihm übel nehmen müßte. Wie es drumm auch sei, er zieht in eine aussichtslose Schlacht .. vielleicht nimmt ihn später doch noch einmal ein Verband.

5) Gregor Keuschnig, Dienstag, 20. März 2012, 13:18 Uhr

Denn Wähler mögen keine mutlosen und risikoscheuen Politiker, keine Absicherer mit Rückfahrkarte.
Mag sein, dass einige potentielle Wähler durch dieses wankelmütige Sowohl-als-Auch abgeschreckt werden. Vor allem jedoch scheint es ein Journalisten-Reflex zu sein, in diese Kerbe zu schlagen. Als hätte das Land keine grösseren Sorgen.

6) Horst, Dienstag, 20. März 2012, 13:34 Uhr

und bitte nicht vergessen, in Bayern wird gerade das Selbe in rot abgezogen. Christian Ude, Bürgermeister von München, steht nur als Ministerpräsident zur Verfügung – nicht aber als Oppositionsführer. Um bei der Sprache zu bleiben: Auch er hat keine Eier in der Hose. Auch wenn Ostern vor der Tür steht, wir sind so weit wie nie von einem bunten Eierstrauß entfernt.

7) FF, Dienstag, 20. März 2012, 13:51 Uhr

Tja. Ist mir sowieso ein Rätsel, der Mann. Wie konnte es so einen völlig farblosen Zeitgenossen in die Spitzenpolitik verschlagen?

Oder kann mir hier irgendeiner eine politische Position, ein Projekt, einen Satz, eine Formulierung, ein Wort, eine Silbe nennen, die sich mit Herrn R. verbinden lassen?

Gut, er hat einen innovationsaffinen Optiker und ein markantes Kinn… Ansonsten: ein Mann ohne Eigenschaften. Nur als abgeleitete Größe – “Muttis Bester” – überhaupt vorstellbar.

Was soll’s. Seit Gestalten wie Philipp Rösler, Kristina Schröder, Guido W., Dirk Niebel, Ronald Pofalla, Hubertus Heil, Annette Schavan dieses Land “regieren”, darf man sich solche Fragen ohnhin nicht mehr stellen.

8) Dieter Carstensen, Dienstag, 20. März 2012, 13:56 Uhr

Ohwwi! So wie die CDU NRW kann man Wahlen sehr einfach verlieren.

9) Mark, Dienstag, 20. März 2012, 14:02 Uhr

Treffer – und versenkt!

Der feine Herr Röttgen macht eben GENAU das, was die Wähler so abschreckend finden an den heutigen Politikern: Durchlavieren, den Ball flach halten, keine eindeutige Position beziehen, auf ein Wunder hoffen. – Und das augenscheinlich noch nicht einmal wegen eines politischen Grundes, sondern allein wegen seiner persönlichen Karriere!

Nein, die CDU in NRW muss schon jetzt völlig demotiviert sein, und die CDU-Stammwähler werden nur mit Grausen das Kreuzchen dort setzen, wo sie es schon immer getan haben. Vielleicht geht auch die eine oder andere Stimme verloren.

Ein großer Verlust ist’s nicht. Weder Herr Röttgen noch die (zu erwartende) rot-grüne Koalition werden irgendwas in NRW verändern, außer vielleicht den Schuldenstand. Der wird in jedem Fall ausgebaut werden.

Bedrückend bleibt die Perspektivlosigkeit deutscher Politik. Nirgends auch nur der Hauch eines ernstzunehmenden Wandels. Traurig.

10) Alexander, Dienstag, 20. März 2012, 14:06 Uhr

Röttgen´s jungdynamisches Auftreten in Ehren, aber seine bisherigen politischen Leistungen sind schwer nachzuvollziehen. Bis heute gibt es für das Meistern der Energiewende und dem Ausstieg aus der Kernkraft kein durchdachtes, systematisches Konzept oder Programmatik von ihm. Alles wirkt hastig-hektisch zusammengezimmert. In der Umweltpolitik konnte er auch noch keine Weichen stellen. Zumindest ist mir das noch nicht aufgefallen. Auffallend schlecht gelaufen ist auch die Einführung des neuen Öko-Benzins E10.

Sein Engagement für Bürokratieabbau ist sicherlich eine verlässliche Konstante in seinem politischen Wirken. Aber auch hier gilt wiederum, dass die Ergebnisse noch sehr dünn ausfallen.

Ich stimme dem Blog von Herrn Spreng zu!

11) Benjamin, Dienstag, 20. März 2012, 14:08 Uhr

In NRW ist – Stand der Dinge – die CDU ohnehin auf der Verliererstraße. Rüttgers Politik lief wie Krafts nicht ohne Verschuldung, aber als Minderheitsregierung hat Kraft das recht ordentlich gemacht – wer hätte gedacht, dass es fast zwei Jahre klappt?

Die FDP wird den Einzug aber wohl ohnehin nicht schaffen, trotz Christian Lindner (der noch einer der FDP-Politiker ist, für die ich Hoffnung habe). Wenn sie es doch knapp schaffen wird, reicht es nicht, um mit der CDU zu regieren, dazu sind die Grünen zu stark. Die Grünen wiederum kokettieren zumindest im Land mit Schwarz-Grün, aber die CDU hier in NRW ist stark ländlich und recht konservativ geprägt, das wird kaum klappen, selbst wenn die Grünen es wirklich wollten. Die Linken in NRW sind eher ein Sektiererclub (mit Mitgliedern, die die Mauer noch lobten…), im Landtag kam nicht viel Konstruktives. Vielleicht schaffen es aber die Piraten. Wird jedenfalls spannend, wer es schafft und wer nicht.

So oder so: die recht beliebte Kraft wird mit ziemlicher Sicherheit wieder MP – und das ist angesichts der Alternative, mit einem Röttgen der sich nicht ganz traut, auch nicht schlecht.

12) m.spreng, Dienstag, 20. März 2012, 14:10 Uhr

@Horst

Stimmt, aber Ude ist 18 Jahre älter und – wenn er nicht Ministerpräsident wird – am Ende seiner Karriere und für Bayerns SPD in der kommenden Legislaturperiode keine Zukunftsoption mehr. Die SPD muss in Bayern dann zwangsläufig neue Leute aufbauen.

@Markus
@ Der Herr Karl

Stimmt. Das ist aber keine taktische Aussage, sondern nur schlechtes Deutsch.

13) Olaf, Dienstag, 20. März 2012, 14:32 Uhr

…und das Häßliche ist ja, dass die innerparteilichen Gegner Röttgens, allen voran “Fresse” Pofalla, nun Aufwind haben: nur noch eben die Wahl verlieren und schon an die Parteimacht gelangen. Das dröhnt dann bis Berlin, denn “Fresse” wäre dann saturiert.
Die Wahl des Landesvorsitzenden und Personalintrigen haben damals die NRW-CDU auf viele Jahre beschädigt. So einen Landesverband haben die Bürger nicht verdient: Kraft muss weiter machen.

14) Peter Christian Nowak, Dienstag, 20. März 2012, 17:32 Uhr

(…)Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.(…)

…weil er sich Hoffnung macht, eines Tages Bundeskanzler zu werden. Da ist so ein Oppositionsposten in NRW eher einer auf verlorenem Posten. Mit einem Langweilerdasein hat´s Herr Röttgen nicht. Kann ich auch verstehen.

15) s.rieger, Dienstag, 20. März 2012, 17:52 Uhr

Im Vorfeld der Kandidatensuche für das Bundespräsidentenamt hatte Frau Merkel versucht, Herrn Voßkuhle als Präsident des Verfassungsgerichtes zu entsorgen, indem sie ihn vorschlug. Dieser hatte den Trick allerdings durchschaut und lehnte ab.
Nun haben wir einen ähnlichen Fall: Herr Röttgen soll -wiederum im Wege der Mauselochfalle entsorgt werden-und auch er kapiert den Trick (den hätte er allerdings schon kapieren müssen, als er CDU-Vorstand in Düsseldorf wurde, dann dass diese Regierung kippt, darauf konnte man wetten)

Allmählich frage ich mich, warum Merkel mit spinnenartiger Tötungsabsicht alles um sich herum, das die 50 erreicht und politisch fähig ist, ausmerzt. Was für einen (absolutistischen) Staat möchte sie? Wenn man ihre “Strecke” sieht, dann kann einem nur angst und bange werden, der Psychologe wittert gar neurotische Züge.
Also, man sollte Herr Röttgens Widerstand durchaus verstehen und nicht mit überkommenen Moralvorstellungen hausieren gehen, gelle, Herr Spring mit den Eiern in der Hose….??

16) sinistram, Dienstag, 20. März 2012, 18:15 Uhr

Ich nehme Norbert Röttgen seit Jahren als einen Opportunisten der Macht wahr, der politische Positionen ganz schnell räumt, wenn er merkt, dass sie seiner Karriere nicht (mehr) dienlich sind. So weit ich mich erinnere, war Röttgen nicht für die AKW-Laufzeitverlängerung, wie sie im Herbst 2010 beschlossen wurde. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, kurz nach der Entscheidung – an der entscheidenden Sitzung mit den Chefs der Energie-Monopolisten (Jürgen Großmann und Co.) ließ Kanzlerin Merkel ihn, den Bundesumweltminister, nicht einmal teilnehmen – ohne jede Selbstachtung, in den Merkelschen Chor der “Energie-Revolution” einzustimmen. Schon damals hatte er keine Eier in der Hose; er hätte sonst nach dieser öffentlichen Demontage durch die Kanzlerin sofort zurücktreten müssen.

Ich denke, Röttgen hat sich mittlerweile einige rückgratlose Auftritte zu viel geleistet, als dass er politisch noch einmal groß herauskommen könnte. Wahrscheinlich will ihn mittlerweile noch nicht einmal mehr der BDI.

17) Horst Klohocker, Dienstag, 20. März 2012, 18:29 Uhr

Männer – entmannen – Frau Merkel

Feind – Erzfeind – Parteifreund so nennt man den Komparativ der Gegenseitig „Wertschätzung“ in unseren Parteien. Zufällig sah ich gestern einen Beitrag im Fernsehen, welcher etwas genauer offenlegte, wie so etwas laufen kann. Der von Ihnen dargestellte Fall Röttgen reiht sich als weitere Versuch einen unliebsamen Parteifreund los zu werden anno 2012 in die Reihe der erörterten Fälle ein.

Irgend einem Lobbyisten mit mächtig Einfluss, so scheint es mir, ist Herr Röttgen wohl ein Dorn im Auge und ich als mehr oder minder mündiger Bürger vermute die Atomlobby dahinter, welche den schnellen Ausstieg nach Fukushima noch immer nicht verdaut haben und einen Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt…….

Aber bleiben wir beim eigentlichen Thema! Herr Röttgen als mutmaßlicher Oppositionsführer in Düsseldorf; anstatt als Minister in Berlin, wer hätte da wohl ein Interesse daran? Wohl die Kreise in der Union, welche immer noch mit den Zähnen knirschen, wenn sie an den Atomausstieg denken und vielleicht Frau Merkel, welche instinktiv alle Männchen bei Seite beißt, welche ihr die Position als Alpha-Weibchen streitig machen könnten. Wo so etwas enden kann hat jüngst der Fall Wulff bewiesen und wird wohl sehr bald der CDU die Macht kosten!

18) Doktor Hong, Dienstag, 20. März 2012, 19:18 Uhr

Hehe, wieder einer dieser schleichenden Anglizismen. Bei meinem Vater hieß das früher noch, z.B. über Strauß, oder Schmidt, “Der hat wenigstens ‘nen Arsch in der Hose”, statt der Eier. Aber damals war ich noch so klein, da habe ich tagelang darüber gerätselt, was das denn heißen könnte, denn ich beobachtete viele Leute auf der Straße, die fast alle ihr Gesäß mit einer Hose bedeckten, außer den Rock tragenden Frauen.

Allerdings ist es doch für den ängstlichen Bürger vorbildlich, wie Röttgen sich nach allen Seiten absichert. Es kommt doch so niemand auf die Idee, dass es ihm mehr auf seine Position in der Partei, und weniger um seine politischen Wirkungsmöglichkeiten gehen könnte. Das ist clever!

Man muss dazu fairerweise sagen, dass noch längst nicht jeder Bundeskanzler vorher Ministerpräsident gewesen ist. Das war bei Kiesingerm Kohl so und bei Schröder, und die anderen fünf?

Und wenn Röttgen Merkel tatsächlich einmal beerben sollte, wen interessiert dann noch seine Taktiererei? Als großer Stratege wird er hinterher dastehen.

@12) m.spreng, Markus, Der Herr Karl

Ich muss sagen, dass ich die doppelte Verneinung als Stilmittel doch schätze. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass ich die doppelte Verneinung nicht schätzte.

Direkt formuliert hieße es ja: “Zu recht behauptet man, Röttgen habe an der NRW-Landespolitik nie ernsthaft Interesse gehabt.”

Klarer? Auf jeden Fall. Aber damit ginge die Süffisanz der ursprünglichen Formulierung verloren. Also bitte, man soll die deutsche Sprache nicht ärmer machen, als sie ist.

19) Alexis, Dienstag, 20. März 2012, 19:28 Uhr

@) 2) der Herr Karl, Dienstag, 20. März 2012, 12:44 Uhr “Alle, die nun besonders laut “So geht das nicht!” rufen, wissen das in Wahrheit nur zu gut. Ihre Rufe sind nichts als Heuchelei.” (Spon) —

Den peinlichen SPON-Artikel habe ich gelesen und dort kommentiert: “Offensichtlich saß hier der SPON-Redakteur bei Herrn Röttgen zum Diktat.”

Hat die SPON-Zensur natürlich nicht durchgehen lassen ….

20) Bastian Himberger, Dienstag, 20. März 2012, 19:42 Uhr

Dieses “schlimme Verhalten” gab es doch auch schon bei abgewählten (sozialdemokratischen) Ministerpräsidenten wie Steinbrück und Gabriel. Kaum waren sie ihre Landesämter los, gingen sie nach Berlin. Denn Opposition (besonders in Bundesländern) ist Mist.
Wer nach verlorener Landtagswahl Bundesminister wird, ist ein Ehrenmann, wer nach verlorener Landtagswahl Bundesminister bleiben will, ist ein Schuft. Und das alles nur, weil es uns ein Großteil der Medien so erzählt.

21) C.Brink, Dienstag, 20. März 2012, 19:45 Uhr

Treffender Artikel, vielen Dank dafür, Herr Spreng!

Dazu passend noch eine Leseempfehlung vom von mir hoch geschätzten Postillon:
http://www.der-postillon.com/2012/03/norbert-rottgen-will-lottoschein-erst.html

22) mambo, Dienstag, 20. März 2012, 19:54 Uhr

es sind genau diese durchgestylten und aalglatten politikfunktionäre ,wie röttgen oder wulff ,
die die glaubwürdigkeit der demokratie beschädigen.

sie haben keinerlei authentisches profil ,keine eigene meinungen oder ideen,
sie hängen ihre fahne nach dem wind,
sie pflegen eine wohlklingende ,aber inhaltlich völlig substanzlose und verlogene rhetorik ,
und sind in erster linie ihrer karriere und und ihrem eigenen wohlergehen
verplichtet.

noch im januar wollte herr wulff “gern weiter für uns verantwortung tragen ”
(worin bestand diese konkret ?) ,inzwischen hat er diese ” schwere bürde “abgelegt ,
aber den ehrensold hat er doch gerne mitgenommen.

gut ,dass wir eine frau kraft und einen herrn gauck haben !

23) irgendeiner, Dienstag, 20. März 2012, 20:03 Uhr

Ich verstehe den Röttgen: von Beust, Müller, Köhler, Koch, all die haben nicht als Oppositionspolitiker hingeschmissen. Röttgen weiss wenigsten vorher, was er *nicht* will. Ist doch auch was, oder? Mir offenbart sich dadurch ein erbärmliches Mass an Verantwortungsfähigkeit/willigkeit.

irgendeiner

24) horst scharnhorst, Dienstag, 20. März 2012, 20:51 Uhr

Das ist die Generation “Berufspolitiker”. Denen geht es um Rentenansprüche – nicht um Politik. Dieser neue Typus Politiker, kann in jeder Partei auftreten. Stromlinienförmig dem Mainstream folgen. Merkel macht es vor. Wulff, Röntgen, Bahr & Konsortien folgen ihr.So ist es eben. Braucht man nicht zu wählen.

25) Maren P., Dienstag, 20. März 2012, 21:35 Uhr

Ja, Röttgens Zockerei lähmt die CDU in NRW. An jedem noch so kleinen Infotisch wird das Dauerthema werden.Denn die Leute merken sich sehr genau, wer sie nicht wert findet, sie auch in der Opposition im Landtag zu vertreten.
In Schleswig-Holstein war das 2000 Volker Rühe, der noch am Wahlabend erklärte, ab sofort sei er wieder Bundespolitiker. Im Wahlkampf selbst hatten die Jusos Koffer witzig beklebt und hatten dann vor den Ständen der CDU gesungen: “Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin…”
Ein CDU-Mann allerdings, gut vernetzt und in NRW verwurzelt, dürfte derzeit Genugtuung erfahren: der damals im Kampf um den Landesvorsitz unterlegene Armin Laschet. Es würde mich nicht wundern, wenn er plötzlich fröhliche Urständ’ feierte. …

26) Petra, Dienstag, 20. März 2012, 22:05 Uhr

Ich glaube, mit solchen Formulierungen will Röttgen nicht seine Entscheidungsschwäche, sondern vielmehr seine Entscheidung verschleiern. Die Entscheidung hat er schon getroffen, er will nur aus gutem Grund nicht zu ihr stehen. Dann verliert er die Wahl (erst recht) und beschädigt seine Partei, aber auch sich selbst. Dass er seinen Ministerposten nicht verlieren will, ist ja verständlich, – aber dann darf er halt nicht kandidieren.

Jetzt steckt Röttgen in einem Dilemma: egal wie er sich „entscheidet“, – er wird ramponiert aus der Sache hervor gehen. Das hat er seinem unüberlegten Streben nach Höherem, aber auch den eigenen Parteifreunden zu verdanken, die ihn jetzt schon drängen, auf der Oppositionsbank Platz zu nehmen. Um ein gutes Abschneiden der CDU, wie sie vorgeben, kann es den Kollegen dabei wohl kaum gehen. Das wird ja durch die lautstarke Debatte erst recht verhindert. Die wollen ihn auf diese Weise in Berlin wohl eher loswerden. Pfui Teufel!

Na warten wir es ab.
Ist doch schön, dass Taktierereien und Machtkalkül oft auch so gar nicht zum erstrebten Ergebnis führen… Hintze verteidigt Wulff mit flammenden Schwertern – und versetzt ihm dabei den Todesstoß. Rösler kocht nach seinem Coup extra noch ein Frosch-Süppchen und Kubicki erzählt allen, wie scharf er in der Damenwelt unterwegs ist – aber die Umfragewerte für die FDP wollen einfach nicht steigen. Merkel hat mit aller Kraft versucht Gauck zu verhindern – und muss ihm am Ende doch gratulieren.

Sie haben recht, Verschleierungssprech aus Politikermund, geht mir kolossal auf die Nerven. (Übrigens, @… doppelte Verneinungen sind vor allem ein ein rhetorisches Stilmittel, nicht immer ein Verschleierungsmanöver!).

Hinstehen – klare Aussagen machen – dazu stehen – die Konsequenzen tragen.
Das ist anscheinend unglaublich schwierig, wenn man in der Politik arbeitet.

Da können wir uns wenigstens auf den neuen Bundespräsidenten freuen. Der kann das. Der braucht unsere Wählerstimmen nicht, und er erlaubt sich, die Meinungs-Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Besonders nach den Ereignissen der letzten Monate war ich richtig wie ausgehungert nach einer Persönlichkeit mit Rückgrat, Haltung und Lebensklugheit.

Unser Neuer hat das alles und ist dazu noch unglaublich gewinnend. Wenn man ihn partout nicht mögen will, dann muss man das mit dem Kopf tun… :)
Wir haben großes Glück mit diesem Bundespräsidenten.

27) Martha Mumenschanz, Dienstag, 20. März 2012, 22:50 Uhr

So so, im Jahr 2012 verwenden manche Leute also allen Ernstes noch das Wort “mannhaft” und halten es gar für eine erstrebenswerte Eigenschaft. Gruselig, aber im Dunstkreis der CDU leider nicht wirklich überraschend.

28) JG, Dienstag, 20. März 2012, 23:35 Uhr

Wie Röttgen sich hier dagegen sträubt, gemäß sämtlicher Erfahrungen im Politikbetrieb zu handeln, wie er der Konkurrenz eine Steilvorlage liefert und die Eröffnung eines Nebenkriegsschauplatzes um seine Person zuläßt, disqualifiziert ihn bereits für höhere Aufgaben.

Zumal es ja nicht darum geht, in irgendeinem Provinzkaff Oberbürgermeister zu werden oder meinethalben Ministerpräsident im Saarland oder in Meck-Pomm.

Besonders unangenehm: Womöglich kommt so die FDP doch noch über fünf Prozent, weil sie von enttäuschten CDU-Anhängern gewählt wird – oder CDU-Anhänger demotiviert zuhause bleiben.

29) Polt, Mittwoch, 21. März 2012, 09:52 Uhr

Ganz kurz und ganz einfach:

“Wer taktiert, verliert.”

Stammt, glaube ich, von Sepp Herberger.

30) Alexander, Mittwoch, 21. März 2012, 10:06 Uhr

Röttgen manövriert sich ins aus durch sein nicht Festlegen:

Röttgen sagt in einem Interview im August 2010 der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“:

„Ich stelle mich der wichtigen Aufgabe, die nordrhein-westfälische CDU zu führen. Da ist es selbstverständlich, auch für die Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl und als Ministerpräsident oder Oppositionsführer zur Verfügung zu stehen!“

Und in einem Interview mit der “WELT” sagt er nun Folgendes:

„Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich mir meiner Verantwortung für die CDU in Nordrhein-Westfalen uneingeschränkt bewusst bin. Im Falle des Sieges, aber auch im Fall der Niederlage. Es geht nach den Interessen der CDU Nordrhein-Westfalens.“

In beiden Statements bemüht Röttgen Ausflüchte, was fehlt ist Klartext. Gibt er sein Bundesminister-Mandat auf? JA oder NEIN?

Dieses Herumtaktieren, Schwafeln und Einlullen macht mich wahnsinnig. Wenn ich meinen Kunden mit derartigen Ausflüchten kommen würde, hätte ich ganz schnell ein Glaubwürdigkeits- und Vertrauen-Problem.

Und dies gilt auch analog dazu für Politiker: Das einzige wirkliche Kapital, was sie haben, ist Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Und genau das signalisiert Röttgen eben nicht.

31) romeias47, Mittwoch, 21. März 2012, 11:32 Uhr

Man kann es auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: NRW repräsentiert zwar ein Viertel der Republik, aber die Republik als Ganzes ist darauf angewiesen, dass die Energiewende effizient und ohne exorbitante Energiepreiserhöhungen vonstatten geht. Wenn der Umweltminister, dann meint, für eine Portion “Abenteuer und Karrierepflege” das Projekt aus der Hand geben zu können, es aber wieder übernehmen möchte, falls er “auf die Schnauze fällt” , erinnert er an eine olle Tussy, die nicht an der Konditorei vorbeikommt, wenn sie eine Sahnetorte sieht.

Natürlich ist NRW ein wichtiges Bundesland, aber die Energiewende halte ich für vordringlicher und nicht dafür geeignet, sie als Guckposten für bessere Gelegenheiten zu missbrauchen.

In diesem Zusammenhang auch noch zum Solarspielchen: Vielleicht ist mir in ein paar Jahren jeder Solarproduzent “lieb und teuer”, der mit seinem Beitrag zu Regionalisierung und Produktion vor Ort beiträgt und Druck von den Leitungskapazitäten nimmt – der Frühstückskaffee wäre mir die paar Euro Wert und meine Rente ist nicht fürstlich.

32) M.M., Mittwoch, 21. März 2012, 11:56 Uhr

Auf solche Führungskräfte kann man als Wahlvolk getrost verzichten.

33) der Herr Karl, Mittwoch, 21. März 2012, 12:19 Uhr

@ 27) Martha Mumenschanz

Da Sie sich am Wörtchen “mannhaft” stossen und dieses für ein Folterinstrument der Rechten halten…

Zum Thema “Warum Gleichstellung eine rechte Politik ist”:
“Die Gleichstellungspolitik der dritten Frauenbewegung zielt darauf ab, die längst erreichte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen durch eine Privilegierung von Frauen mittels einer Diskriminierung von Männern auszuhebeln. Eine Politik der Privilegierung und der Diskriminierung ist objektiv eine rechte Politik, die im Gegensatz zu einer linken Politik steht.

Und Quotenpolitik ist eine Form der Gleichstellungspolitik, die lobbyistische Interessen verfolgt, denn sie dient der Privilegierung einer relativ kleinen Teilmenge der Frauen.”
http://genderama.blogspot.com/2012/03/professor-gunter-buchholz-warum.html

Wenn “man/frau” keine anderen Probleme hat…

(Ausserdem: In der Schweiz sagt man statt “man” “mer”. Und das kommt meines Erachtens nicht von “Mann”.)

34) Thomas Hillebrand, Mittwoch, 21. März 2012, 13:05 Uhr

@ 27) Martha Mumenschanz

Wunderbar! Die Vorreiterin der “Feministischen Linguistik”, Luise F. Pusch, sagt ja eh, dass der Mann als das “sekundäre Geschlecht als eine Art Abweichung des weiblichen Bauplans” zu betrachten sei und daher eine “sprachliche Benachteiligung” verdiene. Womit sie sicherlich Recht hat.

Ich fürchte nur, dass Mannsbilder wie Michael Spreng, ein paar andere und meine Wenigkeit noch ein Stück weit weg von dieser uns sicher erlösenden Erkenntnis in der Wüste atavistischer Männchenlaute verhaftet bleiben werden. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

35) Tilman, Mittwoch, 21. März 2012, 13:11 Uhr

Mal was anderes, ist Röttgen für Merkel nicht eigentlich fast unverzichtbar? Klar, der Mann ist politisch ein Leichtgewicht. Der Wähler schätzt ihn nicht, er wird kaum ernst genommen. Trotzdem: er hat sich seine Haltung gegen Atomkraft und für Erneuerbare Energien lange und mühevoll erkämpft, er gilt zwar als schwacher Verhandlungspartner innerhalb der Koalition, aber seine Meinung wird weitesgehend anerkannt.
Was soll Merkel tun, wenn Röttgen als Umweltminister ausfällt?
Sie braucht dann einen anderen, der den Atomausstieg und den Ausbau der Erneuerbaren halbwegs glaubwürdig vertritt. Eine Kehrtwende kann es nicht geben, wie wohl eininge in der Union hoffen (und deshalb gegen Röttgen schießen).
Mir fällt da derzeit niemand ein. Am Ehesten wäre vielleicht ein Markus Söder auf erhöhter Kreidedosis, bloß der ist jetzt ja Finanzminister und Kronzprinz in Bayern. Töpfer reaktivieren? Der wäre Glaubwürdig, aber auch der Union vermittelbar?

Also, das würde wieder ein ganz neues Faß aufmachen, und das kann Merkel eigentlich nicht wollen!

36) Frank, Mittwoch, 21. März 2012, 14:27 Uhr

Schon gehört?

Der Stimmzettel von Otto Rehhagel war auch ungültig. Er warf den falschen Stimmzettel in die Urne (Wahl eines neuen Liberos).

Berlin: demokratische Diktatur

37) Frank Reichelt, Mittwoch, 21. März 2012, 17:51 Uhr

@ 35) Tilman

Sie haben Recht, Frau Merkel hat ein Problem wenn ihr mit Norbert Röttgen ein Verbündeter bei der Durchsetzung der Energiewende abhanden kommt!

Die NRW-Wahl muss ihr ziemlich ungelegen kommen. Die Widerstände in der CDU-Fraktion gegen den Atomausstieg sind meiner Meinung nach größer als es nach aussen hin scheint. Ein Jahr nach Fukushima sind nicht wenige der Meinung, dass die Japaner an dem Unglück selber Schuld sind und ein so abrupter Atomausstieg in Deutschland nicht nötig gewesen wäre!
Schließlich gibt es in Deutschland keine Tsunamis, oder?

Ein geeigneter Nachfolger für Röttgen fällt mir spontan nicht ein, die von ihnen genannten Kandidaten kommen wohl kaum in Frage.

Auch deshalb glaube ich, dass Röttgen die NRW-Wahl mit Anstand verlieren wird, der Wahlsieg von Rot-Grün scheint sowieso sicher, und dann als Umweltminister die Energiewende weiter vorantreibt.

Das kann man als Rosinenpickerei bezeichnen, ich halte das in der jetzigen Situation für pragmatisch!

38) Jost Kremmler, Mittwoch, 21. März 2012, 18:01 Uhr

Natürlich gibt jetzt Röttgen keine gute Figur ab.
Aber: Norbert Blüm trat auch als Bundesminister mit Rückfahrkarte zur Wahl in NRW an. Er wurde nicht Ministerpräsident, sondern konnte weiter in Kohls Kabinett bleiben; es hat ihm auf lange Sicht nicht geschadet. Röttgen ergeht es vermutlich ähnlich.

39) theo, Mittwoch, 21. März 2012, 18:59 Uhr

Will Markel mit Röttgen einen unliebsamen Mann loswerden? Ich glaube nicht, dass das ihr Motiv ist. Merkel sieht Röttgen beileibe nicht als Gefahr. Sie weß aber:

1. die CDU muss sich die Option auf Schwarzgrün erschließen, und das auch personell.

2. die Option schwarz-grün ist in NRW noch nicht völlig ausgeschlossen, wenn auch unwahrscheinlich

3. Röttgen wäre ein wichtiges Bindeglied zwischen Union und Grünen, diese Position kann er auch außerhalb der Bundesregierung ausbauen (vielleicht sogar noch einfacher, ohne Kleinkrieg mit Rösler)

4. Röttgen muss mit ganzem Gewicht und nicht als Halb-Kandidat antreten. Nur so schafft er es, die Reihen der NRW-CDU geschlossen zu halten. Ein Führungsspieler, der schon vor dem entscheidenden Match andeutet, bei einer Niederlage zu gehen, kann kein guter Führungsspieler sein.

5. Sollte Röttgen die Wahl verlieren und Oppositionsführer in NRW werden, kann er doch rechtzeitig zur nächsten BT-Wahl reaktiviert werden. Ich vermute, dass selbst so elementar wichtige Dinge wie die Energiewende von Mutti vorrangig partei- und wahltaktisch betrachtet werden. Ihr selbst scheint es recht wurscht zu sein, in welche Richtung es geht. Sie sieht für sich keine Notwendigkeit, dem Land einen langfristigen Kurs vorzugeben.

40) Dr. Dr. Joachim Seeger, Mittwoch, 21. März 2012, 20:56 Uhr

Norbert Röttgen wirkt unglaubwürdig!

CSU-Chef Seehofer hat wieder einmal Recht, wenn er die Forderung aufstellt, Norbert Röttgen (CDU) müsse sich zwischen Berlin und Düsseldorf entscheiden. Es ist dem Wähler kaum vermittelbar, dass Röttgen sich bei einer Wahlniederlage wieder nach Berlin zurückzieht und nicht die Rolle des Oppositionsführers im Düsseldorfer Landtag einnimmt. Der Wähler könnte vermuten, dass Röttgen eigentlich gar kein ernsthaftes Interesse an NRW besitzt. Marum sollte man einen solchen Ministerpräsidenten wählen? Röttgen mindert durch sein Verhalten ganz stark die Chancen der CDU in NRW. Die CSU weist besorgt darauf hin!
Dr. Dr. Joachim Seeger, Recklinghausen

41) Doktor Hong, Mittwoch, 21. März 2012, 21:59 Uhr

@ 27) Martha Mumenschanz

Aha, es ist 2012 also etwas Schlimmes, ein Mann zu sein? Das ist in meinen Augen ein ziemlich fragwürdiges Verständnis von “Emanzipation”.

Ansonsten habe ich den Kommentaren 33 und 34 wenig hinzuzufügen.

42) Minassian, Donnerstag, 22. März 2012, 08:27 Uhr

Was soll’s ? Im Ernstfall bleibt immer noch das Endlager Brüssel – dahin werden doch alle Gescheiterten wegversorgt. Die Karriere war ihm immer schon wichtig – geht aber nur in der Politik. Was sollte die freie Wirtschaft mit so einem ?

43) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 22. März 2012, 10:22 Uhr

Wir führen hier wohl eine Scheindiskussion, Röttgen hat sich einen Wahlkreis ausgesucht, der eine Wahl in den Landtag unwahrscheinlich macht, siehe http://www.sueddeutsche.de/politik/landtagswahl-nordrhein-westfalen-roettgen-allein-im-roten-wahlkreis-1.1314680

Ganz besonders aus SZ: “Röttgens Problem: Sowohl 2005 als auch 2010 hat die Landesliste der CDU gar nicht gezogen. Wer kein Direktmandat geholt hat, der war schlicht nicht im Landtag vertreten. Das geschieht dann, wenn eine Partei besonders große oder mit einer zweiten Partei etwa gleich hohe Stimmanteile hat.”

= Nach der (wohl verlorenen) Wahl stellt sich die Frage doch gar nicht.

@ Jost Kremmler, 38)
Richtig, und auch wieder nicht, denn was der Wähler dem populären, volkstümlichen Norbert Blüm verzieh, darauf kann Röttgen bei ungleich schlechterer Sympathiewerte in evtl. vergleichbarer Ausgangslage nicht hoffen.

@ Minassian, 42)
Das Endlager, soweit das überhaupt zutrifft, hat in Bezug auf die Kommission für D immer nur einen von 27 Plätzen frei. Oder was wollen Sie mit Brüssel meinen?

44) Minassian, Donnerstag, 22. März 2012, 12:44 Uhr

´@Michael A. Nueckel, 43)

Nicht verstanden ? Stoiber, Koch-Mehrin, früher Bangemann, usw. usw. wurden gut versorgt nach Brüssel verschoben.
Gorleben ist ein Zwischenlager, Brüssel das Endlager für die Politiker, die hier nix mehr werden können.
Da wird sich in irgendeiner Kommission selbst für ihn ein kommodes Plätzchen finden lassen. Sachverstand ist keine zwingende Voraussetzung. Bald finden wir dann auch Westerwelle und Niebel dort ….

45) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 22. März 2012, 14:28 Uhr

@ Minassian, 42), 44)
Ich habe Ihren mutmaßlichen EU-Groll erahnt, doch überzeugt mich Ihre Brüsseler-Sichtweise nicht: Nach meiner Einschätzung kennen Sie die Werdegänge der genannten Politiker nicht: Stoiber, *1941, kann man mit 71 Jahren getrost als Ruheständler ansehen, die Tätigkeit ist eher ehrenamtlich. Auch wenn M. Spreng die Geschichte wohl besser und näher kennt, so hat Stoiber Ende 1999 das Angebot von Schröder & Chirac, als EU-Kommissionspräsident nach Brüssel zu gehen, abgelehnt (!); er blieb MP in Bayern. Koch-Mehrin kann schon deswegen nicht als abgeschoben gelten, da ihre politische “Karriere” nie in D begann, sie fing sofort gut verdrahtet seit ihrer Brüsseler Consultant-Tätigkeit in Straßbourg im EU-Parlament 2004 mit Wiedereinzug der FDP nach 10 Jahren an. Bangemann, seit 1972 MdB, wurde vor seiner Zeit als Wirtschaftsminister in D aus Straßbourg, wo er seit 1973 (!) im EU-Parlament saß, zurück geholt. Er ging danach nur nochmals als Kommissar für 10 Jahre zurück. Vielleicht haben Sie ja noch bessere Beispiele? Wir haben aus dt. Sicht mehrfach exzellente Personen nach Brüssel geschicht: von der Groeben, Dahrendorf und Hallstein nicht zu vergessen. Mit Ihrer Pauschalkritik beschmutzen Sie auch deren Werk.

46) kleinErna, Donnerstag, 22. März 2012, 18:02 Uhr

Also mal ganz konkret, was wäre denn, wenn Röttgen alle Mandate auf einmal verlieren würde? Es wäre doch nicht schlimm, er hat doch eh bisher nichts auf die Beine gestellt. Beim Atom-Ausstieg vom Ausstieg hat er versagt, beim erneuten Ausstieg wieder. Im Bereich Atom-Endlager bringt er Nichts auf die Reihe und bei den erneuerbaren Energien hört man ihn auch nur reden und nichts geht voran.

Dass er sich nicht für die Landespolitik entscheiden kann, im Falle einer Niederlage kann ich sogar verstehen. So wie er allerdings gleich am Tag des Scheiterns der bisherigen Landesregierung aufgetreten ist, so nach dem Prinzip “hoppla, jetzt komm ich”, hat er sich dieses Offenhalten beider Optionen eigentlich verscherzt. Nach diesem Auftritt müßte er sich dann doch für hopp oder top entscheiden!

Den Coup mit dem Landesvorsitz kann man ihm m.E. nicht übel nehmen, dass das gelungen ist, ist voll und ganz der NRW-CDU anzulasten. Da haben die Damen und Herren mal wieder nicht aufgepasst! Warum lassen sie das Alles zu? Waren die zu blöd zu merken, was Röttgen vor hatte und wofür?

Grundsätzlich aber kann Im ganzen bisherigen Handeln des Herrn Röttgen eigentlich nur den “Spieler” in ihm erkennen und von Spielern sollte man in der Politik die Finger lassen. Wenn die CDU in NRW das noch immer nicht gemerkt hat, geschiet es ihnen recht, wenn sie für längere Zeit aus der Regierung verbannt bleibt. Das tut letztlich auch dem Land gut, das mit der SPD-/Grüne(n)-Politik zuletzt auf einem guten Weg war und wohl auch weiter sein wird.

47) Minassian, Freitag, 23. März 2012, 17:30 Uhr

@ michael Nueckel : es lag und liegt mir fern, diese letztgenannten, ehrenwerten Persoen hier in einen Topf zu werfen. Da stimme ich Ihnen voll zu.

48) romeias47, Montag, 26. März 2012, 14:28 Uhr

Möglicherweise hat Frau Kramp-Karrenbauer davon profitiert, dass sie den Anti-Röttgen gegeben hat, indem sie versichrt hat, dass sie auch bereit wäre in dr zweiten Riege mit Maas zusammenzusrbeiten. Die Wähler im Saarland haben verstanden ….

Hoffentlich lässt sich Maas von La Fontane und den Medien nicht kirre machen, bleibt souverän und geht auf die offierierte Augenhöhe ein. Dann muss am Ende kein negatives Gschmäckle bleiben.

49) Ralf H.M., Montag, 26. März 2012, 22:20 Uhr

Nun hat sich ja auch Frau Kraft (mal wieder) als berechnende Karrieristin enttarnt. Bei Markus Lanz kündigte sie im ZDF für den Fall eines SPD-Wahlverlustes an: „Dann muss ich sehen, was ich mit meinem Leben weiter mache. Das sage ich ganz offen.“

Ich erinnere mich noch genau, wie sie ihren Lebenslauf im Internet schönte und so mehr auf Parteilinie brachte.

Allein schon für das streng karriereorientierte Verhalten haben die bürgerlichen Parteien in NRW eine Abstrafung verdient. Ich wünsche den NRW-Piraten mindestens 15%.

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