Dienstag, 20. März 2012, 12:09 Uhr

Der Rosinenpicker

Der nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sagt, die CDU lasse  sich ihren Ministerpräsidentenkandidaten „nicht entmannen“. Er meint damit, dass sich NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen nicht zwingen lasse, sich ganz für Düsseldorf zu entscheiden –  im Fall einer Wahlniederlage auch als Oppositionsführer.

Für Wittke ist offenbar auch ein Eunuch ein ganzer Mann. Umgekehrt ist es richtig. Um in Wittkes Bildsprache zu bleiben: Wenn Röttgen Eier in der Hose hätte, würde er sich ganz für NRW entscheiden.Das wäre mannhaft.  Denn Wähler mögen keine mutlosen und risikoscheuen Politiker, keine Absicherer mit Rückfahrkarte.

Wer sich wie Röttgen verhält, signalisiert den Wählern, ich nehme die Wahl, die Kandidatur und damit auch euch nicht ernst. Die Kandidatur verkommt zum Spielerischen, zur persönlichen Karrieretaktik. Ein Verhalten, das Wähler hassen.

Wähler hassen dann besonders Sätze wie diesen von Röttgen: „Ich sage nicht, dass das Amt des Oppositionsführers für micht nicht in Frage kommt“. Typische Politikersprache, wenn Entscheidungsschwäche verschleiert werden soll. Die doppelte Verneinung sagt schon alles.

Mit seinem Zaudern hat Röttgen den Wahlkampfstart verpatzt und, je länger er mit einer klaren Aussage zögert, um so sicherer verpatzt er auch die Wahl. Seine Mutlosigkeit führt zu einem mutlosen Wahlkampf. Die CDU ist jetzt schon demotiviert. Und Christian Lindner von der FDP freut sich über die unerwartete Wahlkampfunterstützung.

Jetzt rächt sich, dass Röttgen ein Rosinenpicker ist. Er wollte die Rosine CDU-Landesvorsitz, um seine bundespolitische Karriere (auch für die Nach-Merkel-Zeit) zu befördern, nicht aber notfalls auch die saure Traube Oppositionsführer. Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.

Röttgens Absicherungsmentalität wird auch bestätigt durch sein früheres Verhalten. Als ihm der hochdotierte Posten eines BDI-Hauptgeschäftsführers winkte, wollte er sein Bundestagsmandat behalten und entschied sich erst wieder ganz für die Politik, als ihm Angela Merkel klarmachte, dass die Doppelfunktion mit ihr nicht geht.

Wenn Röttgen jetzt Pech hat, verliert er alles. Erst das Ministeramt und im Laufe der fünfjährigen NRW-Legislaturperiode auch das Amt des Oppositionsführers und Landesvorsitzenden. Aber es hat ihn  ja keiner gezwungen, Politiker zu werden. Frau Merkel muss vor ihm keine Angst mehr haben. Und Hannelore Kraft auch nicht.

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49 Kommentare

1) romeias47, Montag, 26. März 2012, 14:28 Uhr

Möglicherweise hat Frau Kramp-Karrenbauer davon profitiert, dass sie den Anti-Röttgen gegeben hat, indem sie versichrt hat, dass sie auch bereit wäre in dr zweiten Riege mit Maas zusammenzusrbeiten. Die Wähler im Saarland haben verstanden ….

Hoffentlich lässt sich Maas von La Fontane und den Medien nicht kirre machen, bleibt souverän und geht auf die offierierte Augenhöhe ein. Dann muss am Ende kein negatives Gschmäckle bleiben.

2) Ralf H.M., Montag, 26. März 2012, 22:20 Uhr

Nun hat sich ja auch Frau Kraft (mal wieder) als berechnende Karrieristin enttarnt. Bei Markus Lanz kündigte sie im ZDF für den Fall eines SPD-Wahlverlustes an: „Dann muss ich sehen, was ich mit meinem Leben weiter mache. Das sage ich ganz offen.“

Ich erinnere mich noch genau, wie sie ihren Lebenslauf im Internet schönte und so mehr auf Parteilinie brachte.

Allein schon für das streng karriereorientierte Verhalten haben die bürgerlichen Parteien in NRW eine Abstrafung verdient. Ich wünsche den NRW-Piraten mindestens 15%.

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