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Der Rosinenpicker

Der nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sagt, die CDU lasse  sich ihren Ministerpräsidentenkandidaten „nicht entmannen“. Er meint damit, dass sich NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen nicht zwingen lasse, sich ganz für Düsseldorf zu entscheiden –  im Fall einer Wahlniederlage auch als Oppositionsführer.

Für Wittke ist offenbar auch ein Eunuch ein ganzer Mann. Umgekehrt ist es richtig. Um in Wittkes Bildsprache zu bleiben: Wenn Röttgen Eier in der Hose hätte, würde er sich ganz für NRW entscheiden.Das wäre mannhaft.  Denn Wähler mögen keine mutlosen und risikoscheuen Politiker, keine Absicherer mit Rückfahrkarte.

Wer sich wie Röttgen verhält, signalisiert den Wählern, ich nehme die Wahl, die Kandidatur und damit auch euch nicht ernst. Die Kandidatur verkommt zum Spielerischen, zur persönlichen Karrieretaktik. Ein Verhalten, das Wähler hassen.

Wähler hassen dann besonders Sätze wie diesen von Röttgen: „Ich sage nicht, dass das Amt des Oppositionsführers für micht nicht in Frage kommt“. Typische Politikersprache, wenn Entscheidungsschwäche verschleiert werden soll. Die doppelte Verneinung sagt schon alles.

Mit seinem Zaudern hat Röttgen den Wahlkampfstart verpatzt und, je länger er mit einer klaren Aussage zögert, um so sicherer verpatzt er auch die Wahl. Seine Mutlosigkeit führt zu einem mutlosen Wahlkampf. Die CDU ist jetzt schon demotiviert. Und Christian Lindner von der FDP freut sich über die unerwartete Wahlkampfunterstützung.

Jetzt rächt sich, dass Röttgen ein Rosinenpicker ist. Er wollte die Rosine CDU-Landesvorsitz, um seine bundespolitische Karriere (auch für die Nach-Merkel-Zeit) zu befördern, nicht aber notfalls auch die saure Traube Oppositionsführer. Man tut ihm wahrscheinlich nicht unrecht, wenn man ihm unterstellt, an NRW-Landespolitik nie ernsthaftes Interesse gehabt zu haben.

Röttgens Absicherungsmentalität wird auch bestätigt durch sein früheres Verhalten. Als ihm der hochdotierte Posten eines BDI-Hauptgeschäftsführers winkte, wollte er sein Bundestagsmandat behalten und entschied sich erst wieder ganz für die Politik, als ihm Angela Merkel klarmachte, dass die Doppelfunktion mit ihr nicht geht.

Wenn Röttgen jetzt Pech hat, verliert er alles. Erst das Ministeramt und im Laufe der fünfjährigen NRW-Legislaturperiode auch das Amt des Oppositionsführers und Landesvorsitzenden. Aber es hat ihn  ja keiner gezwungen, Politiker zu werden. Frau Merkel muss vor ihm keine Angst mehr haben. Und Hannelore Kraft auch nicht.