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Der freudige Lückenschließer

Joachim Gauck hat seine Agenda erweitert. Soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe, mehr Europa, Kampf gegen den Rechtsextremismus. Das war zu erwarten. Nur notorische Gauck-Gegner hatten nicht damit gerechnet.

Die Schlüsselwörter im Reichstag waren Freude (Freude an der Demokratie, Freude an der Freiheit, auch Freude über den neuen Präsidenten) und Selbstvertrauen. Beides empfindet und hat Gauck und das erwartet er auch von der Bürgern. Denn es sei möglich, „nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen“.

Verbunden mit dem Bekenntnis zur Integrationspolitik seines Vorgängers, dem Lob für die 68er-Generation und der Absage an die Rechtsextremisten („Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“) ergibt sich daraus ein Themenspektrum, das fünf Jahre tragen kann. Gauck hat vielleicht nicht seine größte, aber eine sehr gute Rede gehalten.

Sein schönster Satz: „Ich empfinde mein Land vor allem als ein Land des Demokratiewunders“. Das ist pure Freude. Ein Satz, den glaubhaft nur einer sagen kann, der nicht aus dem etablierten Politikbetrieb kommt, und der noch weiß, dass demokratische Freiheit nicht selbstverständlich ist.

Ein schöner Freitag. Auch für die Parteien. Für sie ist der neue Präsident ein Geschenk. Gauck ist nach Wulff kein Lückenbüßer, sondern er kann zum Lückenschließer werden. Er kann auf dem Weg, den er skizziert, die Lücke zwischen Bevölkerung und etablierter Politik verkleinern, eine Brücke bauen, auf der viele Menschen wieder den Weg zur Politik finden, ihr wieder Vertrauen schenken. Dazu gehört aber auch, dass die Parteien auf diese Brücke gehen.

Wenn Gauck dies gelingt, dann wird er ein großer Präsident. Es wäre uns eine Freude.