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Sonntag, 15. April 2012, 12:23 Uhr

Die letzte Schlacht der Konservativen

Konservativer in der CDU/CSU zu sein, das ist ein hartes Los. Nichts mehr ist so, wie es einmal war. Die Wehrpflicht ist abgeschafft, das Ende der Kernenergie beschlossen, der Mindestlohn steht vor der Tür, alte Familienleitbilder werden geschleift, die rechtlich gleichgestellte Homo-Ehe ist nur noch eine Frage der Zeit.

Da bleibt nicht mehr viel, an das sich ein Konservativer klammern kann. Es fängt schon damit an, dass die Konservativen in der CDU/CSU gar nicht mehr definieren können, was konservativ ist. Strukturkonservativ wollen sie nicht sein, reaktionär schon gar nicht. Was ist aber dann noch konservativ? Ein Mythos, ein Lebensgefühl? Bewahren was, zu bewahren ist, verändern, was zu verändern ist? Was aber ist was?

Ein Konservativer ist heutzutage ein zutiefst verunsicherter Mensch. Er wehrt sich gegen den Zeitgeist, ahnt aber, dass er von ihm überrollt wird. Auch deshalb, weil ihm die Alternativen fehlen.

In dieser Lage wird ein Thema zum großen Symbolthema, zur letzten Schlacht der Konservativen – das Betreuungsgeld. Mit ihm soll noch einmal das konservative Familienmodell festgeschrieben werden, bei dem die Frau die ersten Kinderjahre zu Hause bleibt.

Um ihre Erziehungsleistung der staatlich geförderten Kita- und Krippenerziehung gleichzustellen, sollen die Mütter außer dem Kindergeld 150 Euro monatlich dafür bekommen, dass sie ihr Kind nicht in eine öffentliche Einrichtung schicken, dass sie ihr Kind selbst erziehen. Also Geld dafür, dass sie ein staatliches Angebot nicht in Anspruch nehmen.

Eine systemwidrige Absurdität, denn an keiner Stelle gibt es staatliche Ausgleichszahlungen dafür, dass man ein staatliches Angebot nicht annimmt. Außerdem, und das wurde oft beschrieben, ist das Betreuungsgeld fatal für sozial schwache und für Migrantenfamilien, deren Kinder bei der Integration in die Gesellschaft noch weiter zurückgeworfen würden.

Aber in der CDU/CSU ist um das Betreuungsgeld ein Glaubenskrieg entbrannt. Konservative gegen Modernisierer, alte Leitbilder gegen neue. Speerspitze ist die CSU, in Gesellschaftsfragen schon immer konservativer als die CDU. Sie glaubt offenbar, mit ihrem Beharren auf dem Betreuungsgeld Punkte bei der Landtagswahl in Bayern machen zu können. Noch ein letztes Mal ein konservatives Signal an die Wähler, bevor der Zeitgeist auch Nieder- und Oberbayern überrollt.

Weil der Unsinn im leichtfertig ausgehandelten schwarz-gelben Koalitionsvertrag festgeschrieben wurde, wird die CSU wahrscheinlich siegen. Und das, obwohl im Bundestag nicht einmal jeder dritte Abgeordnete für das Betreuungsgeld ist.

Aber der Sieg der CSU und ihrer konservativen Freunde in der CDU wird ein Pyrrhussieg sein. Er wird erkauft mit einer gesellschaftpolitischen Spaltung der CDU/CSU, mit einer weiteren Belastung der schwarz-gelben Koalition und mit Unverständnis einer überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Und mit Unglaubwürdigkeit der Anti-Schulden-Politik, wenn für eine neue soziale Leistung bis zu zwei Milliarden Euro jährlich ausgegeben werden müssen.

Und nach der Wahl 2013 wird das Betreuungsgeld wahrscheinlich vom neuen Koalitionspartner SPD wieder einkassiert -  mit stillschweigendem Einverständnis der Mehrheit der CDU.

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51 Kommentare

1) Politikverdruss, Sonntag, 15. April 2012, 12:53 Uhr

Es ist eine Schande in mehrerlei Hinsicht: Die deutsche Politik ist dabei, die Finanz-und Haushaltshoheit demokratisch völlig unlegitimiert an Brüssel abzutreten und im Parlament und in der Öffentlichkeit wird darüber nicht diskutiert. Stattdessen versucht man allen Ernstes das Rederecht der Parlamentarier auszuhebeln.

Und wer nun glaubt, ein Sturm des Protestes ginge durch den bundesdeutschen Medienwald, erkennt ungläubig, dass dieses Thema in stillschweigender Übereinkunft zwischen Medien und einer Parteieneinheitsfront(CDUCSUSPDFDPGRÜNE) totgeschwiegen wird. Sicher, einzelne künden Widerstand(Däubler/Degenhart z.B.) an. Dass aber eine die Bundesrepublik so grundlegend verändernde Politik am Volk vorbei beschlossen werden soll, ist ein wirklicher Skandal. Stattdessen werden die Bürger medial „vollgemüllt“ und „ruhiggestellt“ mit Themen, wie z.B. „Betreuungsgeld“, über ein Gedicht, das keines ist oder über einen elenden Zocker(Soros), der sich zum „Berater“(ZEIT) der deutschen Regierung aufschwingt.

Was sich gegenwärtig in der deutschen Politik abspielt ist ein Affront gegenüber den eigenen Bürgern und eine tiefreichende Verletzung der Demokratie, die nicht ohne Auswirkungen bleiben wird.

2) Thomas Ew., Sonntag, 15. April 2012, 12:56 Uhr

Wir leben in einer Zeit, in der (leider) der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt, aber auch die Suche nach Abgrenzung der gebildeten besserverdienenden Bevölkerungsschicht von den (scheinbar) “weniger erfolgreichen” – wie immer man das auch definiert – zusehends stärker wird. Der Verlust des Arbeitsplatztes bzw. eine Stagnation der Karriere aufgrund von Lücken in der eigenen Vitae wäre für die meisten inakzeptabel, solange es Alternativen (KITAs) gibt. Ich denke, dass die meisten Damen, karrierebewusst und emanzipiert, die vor der Wahl stehen werden, ihr Kind entweder selbst zu erziehen oder in Betreuung geben, sich aus genannten Gründen für letzteres entscheiden werden, sodass wir in ein paar Jahren über dieses Thema gar nicht mehr groß werden reden müssen.

3) StefanP, Sonntag, 15. April 2012, 13:25 Uhr

“Die letzte Schlacht der Konservativen” lautet die Überschrift zu dem Kommentar. Kann man so sehen: die meisten EU-Staaten werden von sozialistischen Führern regiert, die evangelische Kirche boomt im Gegensatz zur erz-katholischen Konkurrenz und die Menschen sind progressiv gestimmt.

Soviel zur Ironie, weiter probiere ich es mit etwas Ernsthaftigkeit. Konservative mussten sich schon immer gegen den Zeitgeist wehren, dass das etwas Neues sein soll, ist mir neu. Genau deshalb muss von Zeit zu Zeit eine Neujustierung stattfinden, woran festzuhalten wäre. Tatsächlich sind doch heute die ehemals progressiven Parteien und die dahinter stehenden gesellschaftlichen Schichten struktur- bis erzkonservativ. Oskar Lafontaine und seine Linkspartei predigen ein Staatsverständnis, dass vor über 40 Jahren aufkam, ungeachtet der seit dem passierten Veränderungen. Die linken Gruppierungen von Griechenland über Italien bis Frankreich wollen ein gesellschaftliches Verständnis bewahren, dass ebenfalls ein paar Jahrzehnte alt ist.

Der Nutzen von Kita-Plätzen ist nicht völlig unumstritten. Die Erwerbstätigkeit von Frauen wird dadurch gefördert, was an anderer Stelle kritisiert wird, wenn diese Frauen dann als Teilzeitkräfte einen niedrigen Lohn erhalten. DAX-Vorstand wird man alleine auch nicht, wenn man sein Kind in jungen Jahren in eine Kita geben konnte. Tatsächlich können diese staatlichen Einrichtungen in ihrer Qualität nicht mit der Erziehungsleistung von Eltern mithalten, die einen akademischen Bildungshintergrund haben. Dabei könnte man den gesellschaftlichen Nutzen von Kinderverwahrplätzen auf die – man formuliert es so schön harmlos – bildungsfernen Schichten konzentrieren. Das darf man natürlich nicht so nennen, denn das wäre diskriminierend.

So versuchen wir mit viel staatlichem Geld Kinderhorte zu bauen, für deren Betrieb sich weit nicht genug Menschen heute begeistern können und die schon morgen wegen der dramatisch gesunkenen Reproduktionsrate der Gesellschaft wieder überflüssig sind. Wir bezahlen jeden öffentlichen Platz mit 1.100 EUR pro Kind, was nur wieder eine Förderung von Mittelschichtfamilien bedeutet. Oder plastischer: rechte Tasche, linke Tasche. So versuchen wir ein Familien- und Lebensmodell durchzusetzen, was sich in früheren Jahren Feministinnen mit linken Sektierern erdacht haben. Jeder Mensch ist gleich, unabhängig von seinem Geschlecht und hat die gleichen Bedürfnisse. Spielt ein Mädchen partou lieber mit Puppen und versuchen Jungen in der Gruppe Dominanzstreben, so ist dieses frühzeitig zu korrigieren.

In allen OECD-Ländern leisten Frauen mehr Hausarbeit als Männer. Nach Ansicht feministisch gesinnter Politiker und meinungsbildenden Journalisten drückt dies nur männliche Dominanz aus und kann nicht freiwilliges Verlangen sein.Doch es genügte ein Blick in die eigene Familie, um solche Ansichten als Schmärre abzutun.

Mit den 1.100 EUR pro Kind versuchen für eine Reparatur gesellschaftlicher Schäden: die Verblödung bestimmter Schichten, eine misslungene Integrationspolitik und die Durchsetzung von Gesellschaftsmodellen, die bestimmte Leute sich erdacht haben. Doch die Geschichte lehrt: der Staat ist kein guter Reparaturmeister.

Nun hat der Staat ein Versprechen abgegeben und kann zum wiederholten Male seine Omnipotenz nicht belegen. Er weckt Begehrlichkeit und muss doch abweisen. Zu wenige junge Menschen und dann manchmal die Falschen lernen auf Erzieherin, was übrigens nur weiter das weibliche, feministische Lebensmodell determiniert. Doch die internationale Unternehmens- und Arbeitswelt ist nicht weiblich, sie ist einfach hart und lebt von dem Streben nach dem Besten, nicht nach dem Durchschnittlichen und nicht nach dem Wohlfühlfaktor. So bildet das Betreuungsgeld am Ende eine Anerkenntnis, mehr jedoch eine Entschädigung unter dem Gleichheitsgedanken eine Funktion im unübersichtlichen Dschungel der Familienförderung. Für bildungsferne Schichten sollte dagegen eine Kita-Pflicht stehen.

4) Mark, Sonntag, 15. April 2012, 14:54 Uhr

> Die letzte Schlacht der Konservativen

Oha, dachte ich mir, als ich diese Überschrift las: Der Sprengmeister reagiert ja schnell auf die äußerst kritikwürdige Änderung des Rederechts unserer Bundestagsabgeordneten.
siehe auch hier: http://www.tagesschau.de/inland/rederecht104.html

Und dann die Enttäuschung: Erziehungsgeld. :-( Alles richtig, was Sie schreiben. Konservative Wähler haben derzeit kein politisches Zuhause, bloß da ist das Erziehungsgeld das kleinste Problem, ein Nebenkriegsschauplatz. Themen wie ESM, Eurorettung, Target-Salden, Bundeswehr, Afghanistan-Krieg, und nun eben auch die Beseitigung der letzten demokratischen Elemente des Bundestages sind wesentlich schlimmer als das lächerliche Betreuungsgeld.

Wie gesagt, ihre Analyse ist richtig, geht aber m.E. an den wirklich kritischen Themen vorbei.

(Nebenbei: das o.g. Thema “Rederecht” wäre jetzt mal eine gute Gelegenheit für unseren mit Vorschußlorbeeren überschütteten Bundespräsidenten Gauck, sich überzeugend für die von ihm ja so propagierte Freiheit einzusetzen. Wieso nur glaube ich, dass wir von ihm nichts zu diesem Thema hören werden?)

5) Peer Sylvester, Sonntag, 15. April 2012, 15:26 Uhr

@Politikverdruss: Kleine Korrektur: Das Rederecht wird nur von CDUSPDFDP gefordert, die anderen beiden Parteien sehen die Sache wohl (den paar Kommentaren zufolge, die man so liest) eher skeptisch.

Und auch in den genannten Parteien gibt es eine Reihe Abweichler, ich denke und hoffe nicht, dass es zur Änderung kommt. Und Mr. Spreng denkt wohl ähnlich und wartet erst mal ab.
Das Betreuungsgeld ist aber auch einen Artikel wert, ist es doch wohl die Hoteliersteuererleichterung der CSU.

6) Alexis, Sonntag, 15. April 2012, 15:35 Uhr

„Um ihre Erziehungsleistung der staatlich geförderten Kita- und Krippenerziehung gleichzustellen, sollen die Mütter außer dem Kindergeld 150 Euro monatlich dafür bekommen, dass sie ihr Kind nicht in eine öffentliche Einrichtung schicken, dass sie ihr Kind selbst erziehen.“

Sorry, Herr Spreng, das ist absolut dummes Zeug, was Sie da schreiben. Die jungen Mütter „sollen“ überhaupt nichts, schon gar nicht wegen ein Paar Euros vom Staat ihre Kinder nicht in eine Kita schicken. Was haben Sie und andere nur für ein antiquiertes Weltbild, dass Sie glauben, die Mütter würden sich nach materiellen Vorgaben des Staates richten. Die Frauen von heute sind zudem deutlich emanzipierter und selbstbewusster als noch vor Jahrzehnten. Die wissen ganz genau, was sie wollen, und wie Sie ihr Leben – mit oder ohne Kind(er) – gestalten. Warum können Sie einfach nicht akzeptieren, dass über 2/3 (!!) der jungen Mütter sich in den ersten Monaten zuhause um ihr Kind kümmern. Ihre Denke, Herr Spreng, noch mal sorry, entspricht dem Denken der gottlob vergangenen DDR, wo Frauen „in die Produktion“ gehörten, um den Sozialismus aufzubauen. Deshalb waren die in Sachen Kita so “fortschrittlich”. Nehmen Sie einfach mal ohne Häme die Entscheidung der Mehrheit der jungen Frauen zur Kenntnis und freuen Sie sich darüber, dass der Staat das mit einem kleinen Obulus anerkennt, solange er das überhaupt noch finanziell kann. Unabhängig davon sollte der Staat sein Versprechen, den Kita-Ausbau zu forcieren, auch einhalten, um den Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Kinder in eine Kita geben wollen, dieses auch tun können.

7) romeias47, Sonntag, 15. April 2012, 15:53 Uhr

Und wie ist es mit den Kindern selbst, den eigentlich Betroffenen – die hier noch wichtiger sind als die Frauen, weil es für sie um die Basis fürs ganze Leben geht?

Wenn man schon von konservativ spricht, sollte man auch eingestehen, dass Kinder früher mindestens drei Geschwister hatten und oft noch Verwandte im gleichen Haushalt lebten, also immer ein Ansprechpartner für das Kind da war – im günstigen Fall. Im ungünstigen Fall haben sich aber auch die negativen Aspekte des Zusammenlebens potenziert (Mobbing, Gewalt,. Missbrauch). Zwischen Ideal und finstrer Realität gibt es eine große Grauzone, wo Kitas einem Kind vermitteln können, dass das Zuhause nicht die ganze Welt ist und wenn es nur der Tonfall der Ansprache ist.

Eine “Familie” kann auch zur Hölle werden – zur heißen oder zur kalten – und drum fände ich es ganz entschieden wichtiger Mittel für Kinder in “schwellenlose Angebote” zu investieren. Vergangene Woche berichtete der Neukölllner Bürgermeiester Buschkowsky, dass Kinder beim Mittagstisch in Schulen weggeschickt werden, wenn die Eltern in Zahlungsverzug sind. In einem der reichsten Länder des Planeten.

Bei uns läuft Sozialpolitik zu oft auf Sortieren, Diffamieren und Ausgrenzen hinaus. Und im Sortieren waren wir schon immer gut – schwarz/weiß, reich/arm, bildungsnah/bildungsfern, jetzt zunehmend hübsch/hässlich …..
…..

Zum anderen Regierungsklops der vergangenen Woche – dem Antrag zu Fraktionsregiment und Redefreiheit für abweichende Abgeordnete – hätte ich eine sofortige Stellungnahme unseres ebenso freiheitsbewussten wie wortgewandten Bundespräsidenten erwartet. Aber es wird auch im Bellevue wohl nicht so heiß gegessen wie gekocht.

8) drumhead, Sonntag, 15. April 2012, 16:50 Uhr

Am schönsten finde ich den Abschnitt, wo davon die Rede ist, dass es zum Zeitgeist keine Alternative gibt. Tja, dann kann man ja nichts machen. Und der Zeitgeist irrt ja bekanntlich nicht.
Es ist wird aber durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer, dass das Betreuungsgeld für die Nichtinanspruchnahme von Kitas gezahlt wird. Es wird einfach als Unterstützung für Eltern gezahlt, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Punkt. Alles andere ist Interpretation. Oder kommt irgendwer auf die Idee, die Pendlerpauschale als Kompensation für die Nichtinanspruchnahme des hoch subventionierten Öffentlichen Nahverkehrs zu bekämpfen?
Es wäre übrigens auch hilfreich, wenn all jene, die sich ständig (wie auch Spreng) darauf berufen, dass Unterschichtler und Migranten mit dem Betreuungsgeld vom wertvollen Kita-Besuch abgehalten werden, endlich einmal Zahlen liefern würden, wie groß dieser Personenkreis ist. Entweder Deutschland ist bereits in einem außerordentlich besorgniserregenden Zustand oder hier wird der Anspruch erhoben, Gesetze nicht an der Mehrheit funktionierender Familien auszurichten, sondern an einer Randgruppe versagender Sozial-Netze.

9) th pa, Sonntag, 15. April 2012, 17:42 Uhr

Dieser Hinweis auf den Koalitionsvertrag ist doch satirisch gemeint, oder? hat noch nie irgendjemanden interessiert, was da drinsteht (z.B. Mehr Netto vom Brutto).
Ansonsten stimme ich “Politikverdruss” zu. Alles Randthemen, auf die sich Politiker und Journalisten stürzen, weil schön griffig. Euro-Krise und Europa-Krise (‘Deutschland schafft sich ab’ und zwar sowohl politisch (alles nach Brüssel) als auch wirtschaftlich (sog. Energiewende). Das sind die Themen, auch wenn es nur wenige verstehen, geht es doch alle an. Nur ein Beispiel. Die Target2-Salden sind schon wieder vom Tisch.

10) uniquolol, Sonntag, 15. April 2012, 17:56 Uhr

@spreng:
“…Es fängt schon damit an, dass die Konservativen in der CDU/CSU gar nicht mehr definieren können, was konservativ ist. Strukturkonservativ wollen sie nicht sein, reaktionär schon gar nicht. Was ist aber dann noch konservativ?…”

Es gibt ja auch noch so etwas wie Wertkonservatismus, oder die eher pragmatische Anschauung, wie sie von Michael Stürmer im Spiegel vertreten wurde:

“…”Zum Konservativen gehörte immer eine gewisse Theoriefeindlichkeit”, sagt Stürmer über seinen englischen Tee hinweg, “man lebt es mehr, als dass man es Büchern entnimmt.”…”
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-59889952.html

Andererseits: – Was wird eintreten, wenn die Konservativen ihre “… letzte Schlacht…” verloren haben werden? Das Paradies?

PS: die Lebenspraxis ist oftmals nicht theoriekonform, so schicken viele linke Politiker, die in Deutschland verbissen gegen Studiengebühren kämpfen, ihre Kinder auf ausländische Elite-Unis. Über Seehofer brauchen wir hier erst gar nicht zu reden…

11) Frank Reichelt, Sonntag, 15. April 2012, 18:28 Uhr

Sind nicht die Grünen die momentan konservativste Partei im Spektrum?

12) Tom, Sonntag, 15. April 2012, 18:33 Uhr

Der größte Feind der Konservativen sind ideologisch die Linken. In der Praxis sind es die Neoliberalen, die das ganze menschliche Leben als Geschäftsvorgang sehen, für jedes (auch soziale) Problem die Lösung `Wettbewerb’ haben und die ganze Welt durch die Brille des korinthenkackenden Betriebwirtschaftlers sehen.

Und die (FDP) sind ihre Koalitionspartner. Dumm gelaufen!

13) Gregor Keuschnig, Sonntag, 15. April 2012, 19:58 Uhr

Das Betreuungsgeld hat es Ihnen aber angetan. Naja.

Interessanter fände ich die Suche nach unserem Bundespräsidenten Gauck. Grass, Betreuungsgeld, Redezeitregelungen im Parlament – wo ist Gauck?

(Jetzt sehe ich gerade, dass Mark in #4 ähnliches schreibt. Gut!)

14) Dieter Carstensen, Sonntag, 15. April 2012, 20:31 Uhr

Lieber Michael Spreng,

mal wieder eine gute Analyse von Ihnen. Was ist heute noch konservativ?

Ich könnte die Frage ebensowenig beantworten, wie die Frage, was ist heute links?

Unsere Parteien werden immer beliebiger, verlieren ihre Konturen, verblassen untereinander, heute kann ja fast jeder mit jedem, wenn es um Posten und Regierungsämter geht.

Da sind sie sich dann alle einig: Hauptsache Posten und Kohle, um es mal platt zu formulieren.

Und genau so ist es bei dem irren “Betreuungsgeld”: Egal ob verrückt oder nicht, da wird wieder besseren Wissens der pure Irssinn durch den Bundestag gepeitscht und beschlossen werden, weil sonst die Regierungskoalition zerbrechen würde.

Demnächst beschliessen die Parteien dann bestimmt ein NICHTWÄHLERGELD!

Wer nicht wählen geht, bekommt monatlich 200 Euro extra, dann können unsere Parteien in Ruhe untereinander weiter kungeln und mauscheln und haben Wahlkampfkosten gespart …

M.f.G.

15) Z, Sonntag, 15. April 2012, 22:47 Uhr

Danke. Und von genau solcher Politik haben die jungen Leute die Schnauze gestrichen voll und wenden sich eben den Piraten zu. Die brauchen deshalb ja auch kein Programm, da reicht schon die aktuelle Politik der ach so Erfahrenen und Etablierten.

16) FF, Sonntag, 15. April 2012, 23:33 Uhr

@Politikverdruss

Uneingeschränkte Zustimmung! Absolute first-thing-Fragen, essentials von höchstem nationalem Interesse, werden von den “Konservativen” entweder ignoriert oder rhetorisch überkleistert, mit Worthülsen abgetötet.

Statt Politik zum “Wohle unseres Landes” erleben wir: Ersatz- und Alibi-”Politik” im hintersten Winkel entlegenster Nebenkriegsschauplätze.

Ein Herr Gysi, der sich über die Verfassungsmäßigkeit des unseligen “Fiskal-Pakts” Gedanken macht, ist im Wortsinne “konservativer” als diese ganze müde, totgemerkelte CDU/CSU zusammen.

Daher der Boom der Piraten: die können machen was sie wollen und werden gewählt werden – solange sie nicht aussehen und daherreden wie die Herren Kauder, Bosbach, Röttgen, Pofalla, Ramsauer…

17) HubertD, Montag, 16. April 2012, 01:57 Uhr

@StefanP: mein Respekt und Dank für diesen Beitrag.

18) Mirage, Montag, 16. April 2012, 02:14 Uhr

“Mit ihm soll noch einmal das konservative Familienmodell festgeschrieben werden, bei dem die Frau die ersten Kinderjahre zu Hause bleibt [...] sollen die Mütter außer dem Kindergeld 150 Euro monatlich dafür bekommen …”

Das Betreuungsgeld werden VÄTER UND MÜTTER erhalten. Insofern sind die oben zitierten Passagen wohl am ehesten bezeichnend für das Familienmodell, das in Michael Sprengs Denken als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Bei der Kindererziehung soll sich der Staat neutral verhalten. Das Betreuungsgeld ist dabei einerseits ein (kleiner aber sinnvoller) Ausgleich für die Unsummen, die zuhause erziehende Eltern und kommende Eltern über ihre Steuern für den massiven Ausbau von parallelen staatlichen Erziehungsstrukturen leisten müssen. Andererseits honoriert das Betreuungsgeld etwas sehr sinnvolles, nämlich die Erziehungsleistung der Eltern. Es ist eben nicht absurd, Erziehung familiär zu leisten, statt die in diesem Gebiet häufig im Vergleich minderwertigen staatliche Leistungen in Anspruch zu nehmen.

19) m.spreng, Montag, 16. April 2012, 08:42 Uhr

@ 18) Mirage

Das ist mir bekannt. Ich habe nicht die Theorie, sondern die erwartbare Realität des Betreuungsgeldes beschrieben.

20) Horst Klohocker, Montag, 16. April 2012, 09:56 Uhr

Konservativ kommt von conservare (bewahren) und es gibt einige Dinge, welche in unserer Gesellschaft zu bewahren wären. Warum haben die Bewahrer nicht laut aufgeschrien und sie könnten es noch heute tun, als das soziale in der sozialen Marktwirtschaft immer mehr verdrängt wurde und wird?

Konservativ ist also relativ! Auch bei den Grünen sehe ich durchaus sehr viel Konservatives. Viel dieser Alt-Revolutionären sind inzwischen so geworden wie sie nie werden wollten. Sie sind wie ihre Eltern mit etwas umweltpolitischem Anstrich und sie haben Hartz IV mit zu verantworten, was die Konservativen in der CDU wahrscheinlich nie gewagt hätten.

21) Claus D., Montag, 16. April 2012, 09:59 Uhr

DIE “Konserbativen” sind noch lange nicht am Ende, zumindest nicht in Deutschland. Sie werden sich noch Jahrzehnte auf eine ausreichende Menge an Wahlstimmen von “Gestrigen” vor allem unter Rentnern, Arbeitsplatzbesitzern und Industrie-/Gewerbeinhabern sicher sein können. Eine Linke gibts es (noch?) nicht in Deutschland. Das machts noch leichter. Und so werden sie auf sehr lange Zeit koalitionsnotwendig und die größte Partei bleiben. Wichitger als ALLES andere, inklusive der eigenen Weltanschauuung, ist es, an den “Fleischtöpfen” zu bleiben. So können noch lange die Interessen der parteispendenden Lobbys durchgesetzt werden. Gegen alle anderen Mehrheiten.

Das Betreuungsgeld sollte besser Beruhigungsgeld heißen. Wer sollte es hauptsächlich beziehen? Ich schätze, Familien und Alleinerziehende, die keine Arbeit bekommen und somit eine Aufstockung des Kindergeldes “schöne” erhalten. So gewinnt man vielleicht ein paar Stimmen oder so bleiben sie womöglich von den Wahlen fern und können einen Unfug machen.

Alles, was die C-Parteien machen, dient einzig und allein dem Machterhalt. Nichts sonst. “Gute” Christen halt.

Aus Sicht eines kapitalistischen Staates macht das B.geld auch absolut Sinn. Ist es doch weit billiger, als Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, zu Kosten, die sich nur Reiche leisten könnten. Und die würden NIEMALS ihre Kinder in eine öffentliche Einrichtung schicken.

Schönen Gruß!

22) Sabine Zielke-Esser, Montag, 16. April 2012, 11:09 Uhr

Sorry, Herr Spreng, das sollte einem Journalisten nicht passieren: Sie haben das Aufregerthema verfehlt. Kauderle und Brüderle, die Rhetorik-Champs unseres Parlaments wollen die Demokratie abschaffen!!

Und Steinmeier, das knallharte Softeis der SPD findet das prima. Abweichende Meinungen – zumal aus den eigenen Reihen – sind nur noch nervig. Mein Vorschlag zur Haushaltskonsolidierung: Spart den ganzen Bundestag ein. Kauderle und Brüderle bekommen ein Büro im Kanzleramt und machen alles unter sich aus. Lieb Vaterland magst ruhig sein.

Bleibt nur noch die Frage: Was machen wir mit Pofalla? Der wird arbeitslos. Er hat niemanden mehr, den er in die Fresse hauen kann.

23) Frank Reichelt, Montag, 16. April 2012, 11:54 Uhr

@ 22) Sabine Zielke-Esser

Also wenn man sich die rhetorischen Fähigkeiten vieler Bundestagsabgeordneten vor Augen führt, wäre eine Beschränkung des Rederechts gar keine so schlechte Idee. Einige bringen es fertig, ihre Reden monoton vom Blatt abzulesen ohne nur einmal aufzublicken, man kann das Gesicht mancher Redner während des Vortrags gar nicht erkennen, weil sie verkrampft auf ihr Manuskript starren.

Aber natürlich haben sie Recht, sich über diesen Vorstoss aufzuregen. Ich denke mal, das ist erstmal nur ein Test um die Reaktion der “öffentlichen Meinung” festzustellen. Ich hoffe, das ganze wird bald still beerdigt.

24) Politikverdruss, Montag, 16. April 2012, 14:07 Uhr

@Peer Sylvester(5.),
Ihrer Forderung nach präziseren Angaben komme ich gerne nach. Die Initiative, dass Rederecht von „Abweichlern“ einzuschränken, geht m.W. n. vom Geschäftsordnungsausschuss des Bundestages aus.

Der „Ich-kann-Deine-Fresse-nicht-mehr-sehen“-Vorstoß des Geschäftsordnungs-Ausschusses des Deutschen Bundestages sollte als demokratiefeindlichster Vorstoß des Jahres 2012 in die Arbeit des Parlaments eingehen.( http://www.sueddeutsche.de/politik/neuregelung-des-rederechts-im-bundestag-aktion-marionette-1.1333431)

Zum Ausschuss gehören:

CDU
Dr. Wolfgang Götzer

Bernhard Kaster

Christian Freiherr von Stetten

Thomas Strobl (Heilbronn)

Marco Wanderwitz

SPD
Christian Lange (Backnang)

Sonja Amalie Steffen

Dr. Dieter Wiefelspütz

FDP
Jörg van Essen

Otto Fricke

Linke
Dr. Dagmar Enkelmann

Alexander Ulrich

Grüne
Volker Beck (Köln)

Nach derzeitigem Stand sind Linke und Grüne gegen den Vorstoß. Wirklich bemerkenswert ist aber, dass die einzige liberale Partei im Bundestag, die FDP, diesen demokratiefeindlichen Vorstoß unterstützt. Da hat BP Gauck wirklich noch viel Arbeit vor sich.

25) StefanP, Montag, 16. April 2012, 15:43 Uhr

Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie sehr wir Deutschen uns den wirklichen Problemen verweigern und lieber über Moral und Gerechtigkeit philosophieren. Zu Guttenberg, Wulff, Grass, die Piraten, Steuerabkommen mit der Schweiz, Griechenlandkrise – über allem hängt das moralische Verdikt. Und so wird das Betreuungsgeld zum angeblich letzten Aufgalopp des Konservativen.

Auch hier verfehlen Politik und die mit Hingabe politische Moral diskutierende Bloggerszene das Kernproblem. Im Erziehungsbereich gibt es davon zwei, wenn man davon absieht, dass Deutschland eines der kinderfeindlichsten Länder des Globus ist, wo der Kinderwunsch danach bewertet wird, ob er in die sonstigen Ziele reinpasst.

(1) Deutschland hat ein Schichtenproblem. Der Bildungsstatus des Nachwuchses, motorische und sprachliche Fähigkeiten der kleinen Erwachsenen differiert immer stärker. Während bildungsorientierte Eltern High Fligher züchten, die eines Tages mit den Besten der Welt um Ideen, Erträge und Führerschaft konkurrieren sollen, trainieren Generationen von bildungsfernen Unterschichtlern ihren Kindern eine Null-Bock-Haltung mit stark unterentwickeltem Selbstbewusstsein an. Zwar muss dieses Land zunehmend neue Gruppen für die Erwerbsarbeit rekrutieren, um demographische und finanzielle Veränderungen zu kompensieren. Gelichzeitig jedoch leistet es sich dieses Land, auf breiter Basis potentielle Sozialhilfeempfänger heranzuziehen. Wir verweigern uns aus Gleichheitsgründen dem Erkenntnisproblem: weite Teile einer sich verhärtenden Unterschicht können ihren Kindern kein Wissen mehr vermitteln (Seite 34), sie berauben sie mit eingeschränktem Spielmöglichkeiten und exzessiven Unterschichtenfernsehen ihrer Chancen, noch ehe ihr Leben recht begonnen hat.

Manche Eltern geben ihren Kindern beste Möglichkeiten und Chancen, viele nicht. So läge die Konsequenz auf der Hand: steuerliche Begünstigung für die einen, intensive Förderung der anderen. Wenn ein Großteil der Kinder aus bildungsfernen Schichten vom Schulbesuch zurückgestellt wird, weil ihre Entwicklung einfach nicht altersgemäß ist, so liegt der Schluss einer Kindergartenpflicht für diese Jungen und Mädchen nahe. Quasi nebenbei würde man damit das Immigrationsproblem miterschlagen, da einer frühen Indoktrination radikal-islamischer Einflüsse und dem Aufbau von Sprachbarrieren ein Riegel vorgeschoben würde.

(2) Niedrige Reproduktionsrate der Gesellschaft. Mancher mag sich darüber freuen, wenn die Deutschen, na, nicht gerade aussterben, aber weniger werden. Für eine Gesellschaft ist das fatal. Von den ökonomischen Aspekten soll hier nicht die Rede sein. Aber die immer stärkere Ich-Konzentriertheit weiter Teile hat in dem Fehlen von Kindern ihren Ursprung. Eine Gesellschaft ohne Kinder ist arm, sie hat keine Zukunft, nur eine Vergangenheit.

Entgegen den schlauen Philosophen in Medien und Genderstreamern in den Ministerien korreliert die Zahl von Kinderhorten eines Landes nicht mit seiner Geburtenrate. Das seit Generationen übliche Jammern über das Schrumpfen der Familien auf Kleinformat und fehlende (kostenlose) Verwahrzentren, verdeckt nur die Erkenntnis, dass die Einstellung zum Kind keine vorrangig materielle, sondern eine emotionale ist. Fehlt die Emotionalität, fehlen Kinder. Die Franzosen erzielen immer neue Geburtenrekorde mit einer oft privaten Vernetzung der Kinderbetreuung, steuerlich stark unterstützt. Amerikaner erklären Kinder zur Privatsache und haben aufgrund des religiösen Fundaments bestimmter Bevölkerungsgruppen eine beneidenswert hohe Reproduktion. In Deutschland dagegen reden wir lieber von der staatlichen Rente.

So sind sowohl der Ausbau der Kinderbetreuung als auch das Betreuungsgeld in Teilen falsch und richtig. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

26) nurmalso, Montag, 16. April 2012, 15:49 Uhr

ich weiss nicht, was alle haben.
ich finde diesen beitrag (wie auch den umfragehammer) mal wieder ganz gut gelungen.
warum das gezerre um betreuungsgeld nicht auf eine politische blog-agenda gehören soll, bleibt mir schleierhaft. gerade in diesen familienbildern und im verteilungskampf staatlich organisierter vs. privat- und eigenverantwortlicher erziehung zeigt sich doch, “wessen geistes kind” die sind, die wir wählen. im esm einheitsbrei und co. kann man doch schon lange keine unterscheidungen in den parteiprofilen erkennen. alles dieselbe alternativlose politiksoße …

und das nurmalso

27) Heiko G., Montag, 16. April 2012, 15:52 Uhr

Sie fragen: Was macht den konservativen Charakter aus? Kann ich beantworten.

Konservative lieben es für ihr Herrchen übers Stöckchen zu springen. Sie gehorchen gerne. Das ist deren Prinzip. Inhalte sind irrelevant. Das ist heute so und das war im letzten Jahrhundert schon genauso. Deswegen halten die Konservativen auch schnell und bereitwillig bei jedem fundamentalen Machtwechsel ihr Fähnchen in den Wind.

28) Doktor Hong, Montag, 16. April 2012, 16:38 Uhr

Das ist vielleicht der kardinale Denkfehler des Konservativen.

Bewahren will er also.

Wenn ich mir meine mühsam antrainierte Kondition bewahren will, dann muss ich mich dafür bewegen.

Wenn ich eine Stadt oder auch nur eine Wohnung sauber halten will, dann muss ich sie regelmäßig reinigen.

Stillstand heißt Verfall.

Die Dinge ändern sich, die Umstände auch. Menschen und auch Material altern.

Wenn ich also bewahren will, muss ich mich bewegen. Wenn ich verändern will, muss ich mich noch viel mehr bewegen.

Wohin will sich also der Konservative bewegen, um zu bewahren?

Das weiß er nicht, denn er denkt, er könne festhalten, ohne dass ihm der Strom der Zeit die Dinge entreißt. Deswegen bewegt er sich nicht.

Und hinterher, wenn ihm alles fortgerissen wurde, ist die Jammerei groß, weil er seinen Denkfehler nicht begreift.

Nun, ich bin kein Konservativer, und habe deshalb auch nicht die geringste Lust, darüber nachzudenken, was konservativ heißt. Das sollen konservative “Vordenker” tun, die glauben, sie könnten die Umstände festhalten, ohne sich zu bewegen.

29) Mark, Montag, 16. April 2012, 18:04 Uhr

@ 16) FF, Sonntag, 15. April 2012, 23:33 Uhr

> Daher der Boom der Piraten: die können machen was sie
> wollen und werden gewählt werden – solange sie nicht
> aussehen und daherreden wie die Herren Kauder, Bosbach,
> Röttgen, Pofalla, Ramsauer…

Bischen ungerecht, dass Sie Herrn Bosbach mit in diese holde Gruppe aufnehmen. Das hat er nun wirklich nicht verdient, denn wenigsten in Fragen der Euro-”Rettung” hat er ja ziemlich klare Standpunkte, die er auch im Abstimmverhalten deutlich macht. Bosbach ist ein “Abweichler” innerhalb der Union.

Mit auf diese Liste gehören natürlich viele, viele andere: Kampeter, Steinmeier, Steinbrück, Westerwelle, Niebel, Döring, Rösler, der ganze angepasste Verein halt.

Wenn sich die Piraten übrigens Euro-kritisch aufstellen sollten, dann bekommen sie meine Stimme, selbst wenn ich mit der Urheberrechtsposition ganz und gar nicht einverstanden bin.

30) RCB, Montag, 16. April 2012, 19:06 Uhr

Lieber Sprengmeister,
verehrte Mütter dieses Landes,

was konservativ ist und was nicht, entscheidet heute nicht mehr die Partei, sondern der Einzelne selbst. Und da es wohl keine Partei gibt, mit deren Programm in seiner Gänze sich ein(e) Bundesbürger/in) identifizieren kann, kann man eine CSU oder CDU auch nicht wegen ihrer evtl. konservativen Darstellung oder einzelner evtl. als konservativ zu wertender Entscheidungen (Betreuungsgeld) wählen. Das wäre zu kurz gedacht (wozu allerdings einige viele Wahlbürger trotzdem neigen. Woran das wohl liegen mag?).

Wählen kann und soll man also nur die Partei, in deren Programm mehr eigene Interessen vertreten sind, als in einer der anderen Parteien, egal wie diese Partei heißt und ob sie mal konservativ oder sozialistisch, rechts oder links, schwarz, gelb, grün oder rot genannt wurde Wählbar ist also nur das kleinere Übel, egal wie diese Partei heißt; daher ohne bisher vorhandene Inhalte auch niemals die Piraten!

Und nun zum Betreuungsgeld: Einige vorstehende Verfechter(innen) “dieses Unsinns” haben noch immer nicht kapiert, wofür dieses Geld, nämlich zum Ausbau öffentlicher Einrichtungen für Familien, die ihre Kinder nicht selbst “kindgerecht” betreuen können, gedacht war und ist. Kein Mensch, aber auch schon gar Keiner möchte den Frauen oder Familien verwehren, ihr Kind in den ersten Jahren selbst zu erziehen, wenn sie sich dazu berufen und in der Lage sehen. Diese Entscheidung haben sie doch längst schon vor Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder und vor Einführung des zusätzlichen Geldes für die Nutzung von Kinderkrippen gefällt. Sie tun dies auch künftig mit und ohne Betreuungsgeld. Also sollen sie es auch ohne Betreuungsgeld weiterhin tun! Statt dessen sollte dieses “Betreuungsgeld” zusätzlich in die öffentlichen Einrichtungen fließen, damit diese auch richtig ausgestattet und nicht nur provisorisch “hingerotzt” werden können. Das kommt der gesamten Gesellschaft zugute.

Niemand kann behaupten, dass diese EUR 100, später 150 ausreichen, um, falls die Familie sonst nicht existieren könnte, selbst nicht arbeiten zu müssen. Entweder also können sie es sich leisten, sowieso zuhause zu bleiben und ihre Kinder selbst zu betreuen, dann brauchen sie dieses Geld nicht, oder sie müssen arbeiten, dann funktioniert das mit dem Betreuungsgeld sowieso nicht.

Was soll also dieses Geschrei, diese Raffgier nach hundert oder hundertfünfzig Euro? Verpflichtet, es so oder anders zu machen, ist Niemand. Dass aber sogenannte “einfache Leute” mit wenig Geld, Hartz4-Empfänger und Andere, die sich um ihre Kinder entweder nicht oder zu wenig kümmern (können), dies zusätzliche Einnahmequelle “Betreuungsgeld” für eigene Interessen nutzen, anstatt ihre Kinder in die dafür vorgesehenen Einrichtungen zu schicken, geht überhaupt nicht! Und um dies zu vermeiden, sollte das Betreuungsgeld NICHT beschlossen werden!

Und wer das nicht kapiert, muss einem einfach nur leid tun.

31) Art Vanderley, Montag, 16. April 2012, 19:18 Uhr

Die Konservativen versuchen erstaunlicherweise , sich über Werte von vorvorgestern zu definieren.

Was wurden in den letzten Jahren nicht alles für Säue durchs Dorf getrieben.
Rückkehr zum unreflektierten Bild vom Familienidyll ,zu Erziehungsnormen von anno dunnemal, Aufwärmen althergebrachten Arbeitswahns , bis hin zu Äußerungen über “sich rasieren” oder Leute , die zuwenig zu tun hätten und deshalb demonstrieren gingen.

Da soll sich niemend wundern über die Orientierungslosigkeit, dabei haben sich auch Konservative immer erneuert , ohne dabei ihre Idendität einzubüßen , zumindest dann , wenn sie erfolgreich waren.

Themen gäbe es genug , etwa Grenzüberschreitungen im zwischenmenschlichen Bereich , real wie virtuell , die in den letzten Jahren sichtbar zugenommen haben.
Oder der zunehmend unverantwortlich werdende Abbau von Personalstärken im Bereich von Polizei und Justiz.

Auch umweltpolitisches Denken , verbunden mit typisch konservativem Pragmatismus, wäre ein weites Feld.
Alles politisches Brachland und weitgehend unbesetzt.

32) Jürgen Kraaz, Montag, 16. April 2012, 23:13 Uhr

Die Wortwahl, Herr Spreng,

Wer ist denn “sozial schwach”? Ich habe in vielen Milieus gelebt und die sozial Schwächsten waren in aller Regel die Leute, die ihr (vieles) Geld zusammhalten wollten. Da, wo kaum Geld da war, stand das Soziale immer ganz oben an, da ist man sozial stark, hilft sich gegenseitig. Sagt auch die Wissenschaft. So dient der Begriff “sozial Schwache” vor allem der Diskriminierung und der Verherrlichung der eigenen, besitzenden Spezies, die gerade mal mehr Steuern zahlt.

Und nun auf den Punkt:
Wer von sozial Schwachen räsonniert ist sozial schwach.
Achten Sie mal drauf.

Sehr freundliche Grüße von Jürgen Kraaz, Texter

33) Frank Reichelt, Dienstag, 17. April 2012, 12:23 Uhr

@ 32) Jürgen Kraaz

Unser geschätzter Mitkommentator StefanP. hat die Lösung gefunden, es heißt jetzt nich mehr “sozial schwach”, sondern “bildungsferne Schicht”!

Das klingt doch viel besser, finden sie nicht?

34) Dieter Carstensen, Dienstag, 17. April 2012, 12:27 Uhr

@32 Lieber Jürgen Kraaz,

als gelernter Sozialarbeiter würde ich es so formulieren, wobei ich Ihnen natürlich vom Grundsatz her zustimme:

“Nicht der sozial Schwache ist schwach, sondern die Gesellschaft, die ihn dazu macht.”

M.f.G.

35) Alexis, Dienstag, 17. April 2012, 13:11 Uhr

@ 19 M.Spreng

“erwartbare Realität”

Herr Spreng, was für ein famoser Begriff ! Können Sie jetzt hellsehen ? Wie ist denn die “erwartbare Realität” z.B. hinsichtlich
- Euro in den nächsten sechs Monaten
- Wahlausgang NRW mit FDP

(Und, bitte nur für mich privat an die e-mail-Adresse, wie ist denn die erwartbare Realität der Lottozahlen vom nächsten Samstag ? Bekommen Sie auch Erwartungs-Provision, ehrlich!)

36) StefanP, Dienstag, 17. April 2012, 13:21 Uhr

@34) Dieter Carstensen

Dazu passt, wie Jakob Augstein auf Spiegel online seine wöchentliche Kolumne eingeleitet hat:

Kristina Schröder steht für den neuen Konservatismus in der CDU. Ihr Frauenbild wirkt nur scheinbar modern. Denn in Wahrheit ist die Familienministerin Symbol für den Weg der Merkel-Partei zu einer amerikanischen Ideologie: Wer scheitert, hat selbst Schuld.

Das bedeutet im Umkehrschluss, alles was wir erreichen, erreichen wir durch andere. Und wer weniger schafft, wurde nur nicht ausreichend von der Gesellschaft in den Arm genommen. Dabei wissen wir schon aus der Schulzeit, dass auch Schüler, die sonst Außenseiter sind, gute Noten erzielen können.

Ihre Einstellung ist sozialistisch, die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die sozialistische Idee und das Lebensverständnis falsch sind. Erfolgreiche Gesellschaften bauen auf dem Individuum und seinem Drang zum Erfolg auf, nicht umgekehrt. Demgemäß ist sozial schwach, wer nicht soviel Fähigkeiten mitbekommen hat oder sie verkümmern lässt. Nicht, weil ihn die Gesellschaft dazu macht, denn dann müssten sie fragen, warum die gleiche Gesellschaft andere zu Gewinnern macht.

37) Ernst Wilhelm, Dienstag, 17. April 2012, 13:44 Uhr

So ein Unsinn. Kein Konservativer braucht das Betreuungsgeld. Nut die CSU. Die ist naemlich gar nicht konservativ.

38) Doktor Hong, Dienstag, 17. April 2012, 16:06 Uhr

@36) StefanP

Meinen Sie, dass Michael Schumacher mehrfacher Formel-1-Weltmeister geworden wäre, wenn er beim Boxenstop selbst aus dem Cockpit hätte hüpfen und den Wagen auftanken und die Reifen hätte wechseln müssen, während andere ein Boxenteam haben?

Bei allem individuellen Drang, der beste Fahrer zu werden, hätte er es niemals alleine schaffen können.

Es ist schon richtig, dass ein Pferd selber trinken und Heu fressen muss. Man kann es nur auf eine Weide mit einer Tränke führen. Trotzdem wird ein Pferd, das reichlich mit Wasser und Heu versorgt wird, sich besser entwickeln als ein Pferd, das zwar ein tolles Rennpferd werden will, aber niemals eine Weide zu sehen bekommt und stets unterernährt bleibt.

Die Vorstellung, es gäbe entweder nur das Individuum, das völlig allein und ohne jeden Bezug zu anderen agiert und dementsprechend erfolgreich ist oder scheitert, oder als Gegenentwurf dazu lediglich die “sozialistische” Variante, in der Wohl und Wehe allein von der Gesellschaft abhängen, ist viel zu undifferenziert und zu einfach, um richtig zu sein.

Kennen Sie irgend jemanden, der eine Tasse Kaffee machen kann? Und damit meine ich jemanden, in einer Person, der weiß, wie man aus Keramik eine Tasse fertigt, wie man Kaffeebohnen anbaut und röstet, wie man all die Dinge durch den Zoll bekommt, wie man eine Kaffeemaschine konstruiert, und all diese Dinge auch tut, um eine Tasse Kaffee herzustellen?

Selbst der Vorstandsvorsitzende eines DAX-Konzerns, der sich selbst bequemt, sich eine Tasse Kaffee zu machen, ist auf komplexe Vorleistungen durch andere angewiesen.

39) Doktor Hong, Dienstag, 17. April 2012, 16:15 Uhr

Und was das Betreuungsgeld und das damit assoziierte Familienmodell angeht: Wie waren die wirtschaftlichen Umstände, als dieses Modell gang und gäbe war?

Könnte es sein, dass in jenen Zeiten ein alleinverdienender Vater der unteren Mittelklasse genug Geld verdiente, um eine vierköpfige Familie zu ernähren? Und dass dieser Umstand die Regel war?

Wie sieht denn die Realität heute aus? Und wie passt das zur “konservativen” Forderung, den Mindestlohn zu verhindern?

Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass die wenigsten konservativen Vordenker diesen Widerspruch überhaupt wahrnehmen. Man muss sich halt nur mehr anstrengen. Wenn sich jeder nur genug anstrengt, werden wir ein Volk von 82 Millionen DAX-Vorstandsvorsitzenden. Oder?

40) karel, Dienstag, 17. April 2012, 22:50 Uhr

@38 Doktor Hong
Ist das Beispiel Schumacher nicht unzutreffend dargestellt?

Eben diese “Vorleistungen”, nämlich die von den Eltern unterstützte Begeisterung für
die Go-Kart-Szene, diese in der F1 bis dahin beispiellose Selbstdisziplin zur körperlichen Fitness,
auch die kompromißlos positive Haltung zur Team-Leistung, ebenso der kämpferische
Einsatz auf den Rennstrecken haben eher so etwas wie einen “konservativen Anstrich”.

Die Rennställe bieten nämlich allen Rennfahrern die notwendigen technischen Voraussetzungen,
fahren und gewinnen müssen sie schon selbst.

Sind es nicht unsere “Exportweltmeister”, eben die große Gruppe der Unternehmer, die mit einer
eher konservativen Haltung, weniger der Traumtänzerei verfallend, unseren bisher nie gekannten Wohlstand ermöglichten? Sind es nicht diese “Konservativen”, die Millionen von Arbeit-
nehmern Brot und soziale Sicherheit gewährleisten?

Glauben Sie wirklich, daß dieses Land ohne die tragende Kraft der “Konservativen”
überhaupt zukunftsfähig wäre?

Diese ideologischen Selbstüberschätzungen und Verirrungen der medialen und politischen “Kämpfer”
jenseits der “Konservativen” dürften hierzulande das zentrale Problem sein.

41) StefanP, Mittwoch, 18. April 2012, 08:25 Uhr

@38) Doktor Hong

Okay, mit dem Beispiel Michael Schumacher wollen Sie zeigen, wie abhängig der Erfolgreiche von den Leistungen des “Durchschnitts” oder “der nicht so Erfolgreichen” ist, sein Erfolg also nie wirklich nur sein Erfolg ist.

Allerdings hätte ich nicht erwartet, dass Sie es mir anhand eines solchen Beispiels es so leicht machen meine These und mein Argument zu untermauern. Ein besseres Beispiel hätte ich selbst kaum finden können. Sie scheinen ein Formel-1-Fan zu sein (ich nicht), geben zum Erfolg Michael Schumachers keine Details. Holen wir kurz nach und dann wird deutlich, wie sehr dem Kerpener der Erfolg Ferraris zuzurechnen ist und wie das funktioniert mit dem Erfolg und Misserfolg.

Als Michael Schumacher 1996 vom Team Benetton zu Ferrari wechselte, war er gerade zweimal hintereinander Weltmeister geworden und galt als talentiertester Fahrer im Zirkus. Mit dem Aufstieg Schumachers war auch das Team Benetton gewachsen, nicht vorher. Der Alt-Meister Niki Lauda machte sich damals für den Wechsel des Deutschen sehr stark, lag doch Ferrari damals ziemlich am Boden und lebte von seinem verblassenden Mythos. Einen F1-Weltmeister konnte man lange nicht mehr vorweisen.

Die Lethargie Ferraris änderte sich sehr schnell mit dem Wechsel des Wahl-Schweizers. Schumacher motivierte die Ingenieure, gab ihnen mit seinem computerhaften Gedächtnis die Details über das Fahrverhalten des Autos, das ihnen ermöglichte, den hohen Rückstand auf die Wettbewerber aufzuholen. Eine Reihe von Mitarbeitern des Teams wurden ausgetauscht und durch zuvor erfolgreiche oder ambitionierte (z.B. Renn-Ingenieur Ross Brawn und Konstrukteur Rory Byrne) ersetzt.

Der Erfolg stellte sich 2000 mit dem 3. WM-Titel für Schumacher ein und einer Serie weiterer Titel auch für das Team Ferrari.

Wenn Ihre These also wahr wäre, dass ein Erfolgreicher von seinem (beliebig zusammengesetzten) Umfeld abhängig wäre, so basierte der Erfolg von Schumacher auf reinem Zufall. Tatsächlich fallen Wirken des Kerpeners und Erfolg seines Umfeldes mit seinem Kommen und Gehen zusammen.

Tatsächlich ist es so, dass Erfolgreiche sich ihr Umfeld zusammenstellen. Gute Leute ziehen immer gute Leute an. Natürlich konzipiert Schumacher kein Auto, doch er war der Kopf, ohne dass komplexe Teamarbeit nicht wirklich funktioniert. Erfolgreiche Menschen wissen, unter welchen Bedingungen in welchem Bereich sie mit welchem Typus von Mitarbeitern sie Erfolg haben und stellen sich danach das Umfeld zusammen. Nicht erfolgreiche Menschen wissen und können das nicht.

Und da “der Markt” um die Einzigartigkeit von Schumacher wusste, ist er heute so reich.

42) Doktor Hong, Donnerstag, 19. April 2012, 10:32 Uhr

@ 41) StefanP

Naja, ein Formel-1-Fan bin ich eigentlich überhaupt nicht. Daher habe ich auch keine Detailkenntnisse, es war nur das erste Beispiel, was mir so in den Sinn kam.

Dass zum Erfolg Hingabe, Disziplin und harte Arbeit gehören, ist auch für mich völlig unstrittig. Wie ich schon sagte, “fressen” muss jeder selbst, man kann jemandem nur den Trog hinstellen. (natürlich im übertragenen Sinne).

Ich bin trotzdem der Meinung, dass dazu auch förderliche Umstände gehören. Die Tatsache, dass Schumacher schon als junger Mensch auf der Cart-Bahn üben konnte, hat sicher nicht geschadet.

Auch Bill Gates hatte als Schüler in den 1960ern nachts Zugang zu einem Rechner der Universität in seiner Stadt, und konnte sich auf diese Weise zu einem hervorragenden Experten entwickeln. Man kann nur spekulieren, ob er auch diese Entwicklung genommen hätte, wenn er in der Sowjetunion oder auch nur in einem gottverlassenen Ort in Amerikas mittlerem Westen groß geworden wäre, wenn er nicht Eltern gehabt hätte, die sich sehr um die Bildung ihres Sohnes gesorgt haben.

Ich glaube, dass Talent, Fleiß, und aber auch Gelegenheit zusammen kommen müssen, um den Erfolg Einzelner zu bedingen.

Es ist natürlich auch ein interessanter Aspekt, den Sie hinzufügen, dass ein erfolgreicher Mensch sich den richtigen Umgang sucht, um erfolgreicher werden zu könnnen. Da ist sicher eine Menge Wahres dran. Aber das heißt ja trotzdem, dass er Leute braucht, die ihn unterstützen können.

Wenn Sie einen Messi in eine Mannschaft stellen, die keine Zweikämpfe gewinnt und keinen Ball nach vorne heraus bekommt, dann wird er in der Luft hängen und kaum Tore schießen. Ein richtiger Top-Stürmer wie Nistelrooy macht natürlich aus einer halben Gelegenheit ein ganzes Tor, aber er wäre nichts ohne seine Hinterleute, die dann und wann den Ball zu ihm durchmogeln.

Es stimmt, gute Leute versammeln sich umeinander, aber trotzdem würde jeder für sich alleine nicht so wirksam werden können wie im Zusammenspiel.

43) Doktor Hong, Donnerstag, 19. April 2012, 10:47 Uhr

@ 40) karel

Die Rennställe bieten nämlich allen Rennfahrern die notwendigen technischen Voraussetzungen,
fahren und gewinnen müssen sie schon selbst.

Nichts anderes habe ich behauptet.

Ein guter Rennstall ist eine notwendige Voraussetzung für den Sieg, aber keinesfalls eine hinreichende. Aber trotzdem braucht man ihn, ob man nun Weltmeister wird oder nicht. Wenn man keinen guten Rennstall hinter sich hat, dann wird man auf keinen Fall gewinnen, egal, wie gut man individuell vielleicht ist.

Was Ihre Anmerkungen zum Wirtschaften angeht: ich habe überhaupt gar nichts gegen solides Wirtschaften, ganz im Gegenteil. Es gibt sehr viele gut geführte Betriebe in Deutschland, und die machen auch vieles richtig, sonst wäre unsere Wirtschaft ja auch nicht so erfolgreich.

Nur, was hat das mit “Konservatismus” zu tun? Es ist schon richtig, dass viele Menschen aus diesem Umfeld “konservativ” wählen. Solche Geschäftsleute sind meistens nüchtern, bodenständig, verlässlich und fleißig. Dass bei solchen Charakterzügen “revolutionäre” politische Auffassungen keinen besonderen Charme haben, ist kein großes Rätsel.

So gibt es also eine Korrelation zwischen dem Wahlverhalten (“konservativ”) und wirtschaftlichem Umfeld (Führungspersonal, Mittelständler) – wobei diese Aussage nicht absolut und allgemeingültig zu nehmen ist.

Aber, ich behaupte folgendes: Um erfolgreich ein Geschäft zu führen, muss man sich an betriebswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten halten. Ich behaupte, dass jemand, der sein Geschäft nach allen Regeln der Kunst führt, auch z.B. Grüne wählen kann, ohne dass deswegen sein Betrieb gleich in die Insolvenz gerät. Ich meine, dass man nicht deswegen ein guter Geschäftsmann ist, weil man “konservativ” wählt, sondern weil man seinen Betrieb vernünftig führt.

44) StefanP, Donnerstag, 19. April 2012, 13:04 Uhr

@42) Doktor Hong

Sie mogeln sich etwas herum. ;-) Was ich anhand von Schumacher gezeigt habe, ist, dass er Benetton und Ferrari entscheidend besser gemacht hat. Er hat die Rahmenbedingungen entsprechend beeinflusst und stark gestaltet. In diese Richtung geht auch Ihr Messi-Fall fehl. Kennen Sie das “Zidane Clustering Theorem? Es besagt, dass ein Spieler von der Klasse eines Zidane jede Mannschaft besser macht. Eine gute Mannschaft jedoch macht ein Zidane wesentlich besser (Cluster-Effekt).

So bauen Sie erfolgreiche Unternehmen auf: am Anfang und an der Spitze steht derjenige, der das innovative Konzept entwickelt hat, vorantreibt. Nach und nach holt er sich Leute, die ihm zuarbeiten, entlasten, neue Aufgaben übernehmen. Der an der Spitze hält den Laden zusammen, mindestens solange, bis es ein sich tragendes Unternehmen wird. Die Verantwortungsbasis wird verbreitert, Managementkompetenz aufgebaut.

Damit sind wir an einem weiteren Punkt, wo Sie sich drücken: Management- und Organisationsfähigkeiten sind heute Kernkompetenzen für den Erfolg. Nur gut organisierte Unternehmen, Institutionen und Vereine haben dauerhaften Erfolg. Dabei muss ständig neu organisiert werden.Disziplin und Talent reichen dafür bei weitem nicht mehr aus.

Damit kommen wir zurück an den Ausgangspunkt: wem diese Fähigkeiten abgehen, wird auch als Arbeitnehmer häufiger scheitern. Er kommt nicht zu den Erfolgreichen durch, ihm geht die Beharrlichkeit ab, an einer Sache, auch wenn sie erst nicht so läuft, dran zu bleiben. Am Ende stehen eine Vielzahl falscher Entscheidungen (auch dazu gibt es eine Buchempfehlung: Warum die Reichen reicher werden). Menschen die öfters scheitern, sind durchaus an ihrem Misserfolg selber schuld. Genauso wie es einen Grund gibt, warum ein Unternehmen wie Microsoft langfristigen Erfolg hat, gibt es einen selbstverschuldeten Grund, warum es andere nicht schaffen.

Unternehmen scheitern zumeist an falschen Managemententscheidungen (siehe das Wort “Entscheidungen”), fehlendem tragfähigen Konzept, Finanzschwierigkeiten und Kapitalausstattung. Das sind alles selbst verschuldete Ursachen. Und so gibt es auch für Individuen personenimmanente Gründe für das berufliche oder private Scheitern. Nur neigen wir Menschen aus Selbstschutz dazu, solche Gründe nach außen zu kehren und Dritte (meist unbekannter Weise) für das eigene Scheitern verantwortlich zu machen. Doch das ist Psychologie.

45) horst scharnhorst, Samstag, 21. April 2012, 07:07 Uhr

Was nun der Technologie-Flop Kernkraft mit Konservatismus zu tun hat, bleibt mir ein Rätsel. Wähler wählen Zukunftssicherheit. Sie wählen Parteien mit einem modernen Programm-Versprechen: weil sie natürlich an ihrer eigenen wirtschaftlicher Sicherheit interessiert sind.

Technologie verändert Wirtschaft, Gesellschaft und eben die Programme der Parteien. Die CDU hat sich modernisiert. Statt der teuren und gefährlichen CO2-und Atomenergie propagiert sie im Interesse von uns Bürgern und der Natur die uns umgibt, heute die Energiewende. Konservatismus ist im Einklang mit der Natur leben, sie als Lebensgrundlage für uns Menschen betrachten und dem jeweils Bahn brechenden technischen Fortschritt einen Ordnungsrahmen geben Es wundert deshalb nicht, daß der Umweltschutz-Gedanke lange von den Grünen von Konservativen vorangetrieben wurden. Es waren Mitglieder der CSU, die den BUND Bund für Naturschutz gründeten. Und die Umwelt-und Energiefrage ist die zentrale Frage der kommenden Jahrzehnte. Was im 20. Jahrhundert das Auto war – ist heute die Energie. Die CDU hat Antworten formuliert. Die SPD hat keine darauf. Insoweit ist die CDU heute die modernere Partei. Sie bleibt wählbar.

46) adi gold, Samstag, 21. April 2012, 07:16 Uhr

Herr Spreng,sie sind eine linke Ratte!Zum Glueck werden sie aufgrund ihres alters bald sterben!

47) Dieter Carstensen, Samstag, 21. April 2012, 11:30 Uhr

@46 adi gold

Unser lieber Michael Spreng wird sie bestimmt überleben! So wie Sie sich aufregen und beleidigend werden, haben sie ein enormes Herzinfarktrisiko, wohingegen Michael Spreng sogar einen dämlichen Kommentar, wie den Ihren, auf seinem Blog zu lässt.

Das zeugt von Gelassenheit.

Übrigens ist es menschenverachtender Nazijargon, Menschen mit bestimmten Tieren gleich zu setzen. Aber so viel Gripps haben Sie wohl nicht, um das zu merken!.

48) adi gold, Samstag, 21. April 2012, 15:16 Uhr

ich entschuldige mich für meinen unsäglichen kommentar werter herr spreng,er ist resultat eines barbesuchs und dem daraus resultierendem angetrunkenem zustand…

49) KT, Dienstag, 01. Mai 2012, 23:08 Uhr

1. Herr Spreng, wie kommen Sie zu der Meinung, das Betreuungsgeld würde die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund verschlechtern ?? Gerade in diesen Familien wird doch in jedem Fall familiär “erzogen” …. heißt: die Kinder gehen so und so in keine KITA… sie müssen jetzt also begründen warum 150€ mehr pro Monat die Integration von Kindern verschlechtert…

2. Das Betreuungsgeld kann man auch ganz einfach sehen: Für ALLE Eltern gibt es eine staatliche Hilfe zur Kinderbetreuung. Entweder 150 € cash pro Monat oder eine mit 150 € pro Monat subventionierte KITA …. so einfach, so gerecht… aber das wäre ja zu einfach…

50) Walter, Montag, 20. August 2012, 12:53 Uhr

Integration und Bildung sind ein hochkomplexes Feld, erst Recht, wenn sie zusammenfallen. Wie viele hatten postuliert bzw. sich gewünscht, dass die Kita der Schlüssel zum Erfolg sei?!
Pustekuchen.
Wenn in den Familien “Spracharmut” (http://www.berlinportal.org/fehlende-sprachkenntnisse-trotz-kitabesuch/74) herrscht, dann wird es auch für Kitas schwer, dagegenzulenken und für ein adequates Sprachniveau zu sorgen.

51) Rapunzl, Mittwoch, 10. Juli 2013, 12:18 Uhr

Der Untergang der konservativen (ewig gestrigen) Ideologie schleicht weiter voran.
Konservativ sein, dass steht heute doch für Verlogenheit, Werteverfall, Steuerhinterziehung, Akademische Hochstapelei, Gewalt statt Argumentation (siehe auch Frankfurt, Istanbul, Kairo), Vertuschungskultur (von Schmiergeld und Kindesmissbrauch), Wahlbetrug (siehe Merkels in aller Regel gebrochene Wahlversprechen), Fundamentalismus.
Wer sich heute noch als Konservativ bezeichnet der hat die Zeichen der Zeit entweder nicht erkannt oder möchte sich schlicht und einfach auf Kosten anderer bereichern (wie es unter Konservativen so üblich ist).

Genau so wie der Marxismus seine Zeit hatte, hatte dies auch die konservative Ideologie. Einzig auf der Schiene des religiösen Fundamentalismus und unter Ignoranz der dazu gehörigen Verbrechen können sich heute Konservative noch an der Macht halten (wie Erdogan, Merkel und Co.).

Das Ziel des Konservativen (Rückkehr zum Feudalismus) ist per se Demokratiefeindlich.
Das erklärt bspw. auch weshalb die Geheimdienste Deutschlands (in ihrer Führung konservativ besetzt) eigentlich verfassungsfeindliche Ziele verfolgen anstatt die Verfassung zu schützen (wie es die Väter des Grundgesetzes gewollt hatten).
Aber wen wundert das noch ? Das Arbeitsamt macht im Gegensatz zu seinem eigentlichen gesetzlichen Auftrag (Arbeitnehmer in lohn und Brot zu bringen) heute auch lieber ungestraft Profite. Auch dies übrigens eine Konsequenz aus antidemokratischer konservativ-neoliberaler Politik.

Wie ist Ihre Meinung?

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