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Pädagogische Nackenschläge

Die alten Lateiner haben es gewusst: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Was du auch tust, handele klug und bedenke das Ende. Wer diesen Grundsatz nicht beachtet, wird auch in der Politik des Jahres 2012 dafür bestraft.

So ist es in dieser Woche der CDU-Führung ergangen und den Fraktionsvorständen von SPD, CDU/CSU und FDP.

Die CDU-Führung wollte eine Bekräftigung des innerparteilich umstrittenen Betreuungsgeldes unauffällig in einen Vorstandsbeschluss über Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum schmuggeln, um so den Widerstand dagegen zu ersticken.

Die Führungen der beiden größten Bundestagsfraktionen und der FDP wollten überfallartig die Geschäftsordnung des Bundestages ändern, um das Rederecht der freigewählten und nur ihrem Gewissen verantwortlichen Abgeordneten auszuhebeln.

Beides ist dank des öffentlichen und politischen Aufstandes misslungen, weil die Inititoren weder klug gehandelt, noch das Ende bedacht hatten. Einschmuggeln und überfallartiges Handeln funktioniert nicht mehr in einer immer transparenteren Demokratie. Es kommt alles so rechtzeitig heraus, dass sich der Widerstand noch formieren kann.

Beide Vorgänge enthüllen einen erschreckenden Realitätsverlust der politischen Akteure. Inzwischen klafft nicht nur eine immer größere Kluft zwischen Wählern und Politikern, sondern auch zwischen politischer Führungsorganen und ihren Parteien und Mandatsträgern.

„Die da oben“ wissen nicht einmal mehr, was und wie ihre eigenen Parteien oder ihre eigenen Fraktionen denken. Die sogenannten politischen Eliten haben den Respekt vor ihren eigenen Leuten verloren.

Deshalb ist es nicht nur in der Sache wichtig, dass beide Vorhaben gescheitert sind. Es ist auch pädagogisch sinnvoll, denn nur solche Nackenschläge können eine abgehobene Elite wieder der Realität annähern. Hoffentlich. Oder bis zum nächsten Versuch.