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Mittwoch, 16. Mai 2012, 21:24 Uhr

Röttgen vom Schlitten

Im alten Russland galt die Regel: Wenn die Wölfe näher kommen, muss einer  vom Schlitten. So hat sich Angela Merkel heute verhalten.

Der schwarz-gelbe Schlitten musste nach dem NRW-Debakel wieder an Fahrt gewinnen. Deshalb musste Norbert Röttgen den Wölfen zum Fraß vorgeworfen werden.. Wenn es sein muss, kann die zögernde und zauderne Kanzlerin eiskalt sein.

Der Wolf, der näher kam, war Horst Seehofer, die anderen Wölfe, die sich noch als Schafe tarnten, warteten in der CDU, um ihre Zähne in Merkels Schlitten zu schlagen. So war das Schicksal des Ex-CDU-Hoffnungsträgers besiegelt. Der Ballast musste weg.

Für Angela Merkel ist der Rauswurf Röttgens ein Befreiungsschlag. Sie hofft, mit Peter Altmeier gewinnt der Schlitten wieder an Fahrt. Da ist keine Zeit für Sentimentalitäten. Röttgens Sturz ging schneller als gedacht. Alle Demutsgesten nützten ihm nichts. Die Energiewende ist zu wichtig, um sie Losers zu überlassen.

Mit Altmeier hat Merkel ihren stärksten Mann aus der Fraktion ins Kabinett geholt. Das zeigt, wie ernst die Lage ist. Jetzt müssen die letzten Reserven an die Front. Die Personaldecke ist ganz dünn geworden. Nach Altmeier kommt nicht mehr viel.

Norbert Röttgen ist am Ende seiner Karriere. Er kann sich nur noch einen Job außerhalb der Politik suchen. Der Weg vom potenziellen Merkel-Nachfolger zum Ex-Politiker ist ganz kurz geworden.

Der heutige Tag zeigt: Der Endkampf Merkels für die Bundestagswahl 2013 hat begonnen. Aber noch hat sie nicht verloren.

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73 Kommentare

1) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 16. Mai 2012, 21:38 Uhr

Die Art und Weise der Demission zeigt an, wie dünn die Luft geworden ist. Wenn sich Merkel 2013 nicht in eine Große Koalition retten kann, stürzt die CDU (und mit ihr die CSU) personell und intellektuell noch stärker ab als die SPD in der Nach-Schmidt-Ära.

2) StefanP, Mittwoch, 16. Mai 2012, 21:52 Uhr

Da möchte ich eigentlich nur nochmal meinen Kommentar von heute mittag einstellen:

Boah, Mutti kann auch hart sein.

Laut Spiegel Online schmeißt Angela Merkel den Umweltminister Röttgen aus dem Kabinett. Die Art des Wie ist für politische Verhältnisse außerordentlich undiplomatisch. Der Minister a.D. darf nichts sagen und Worte des Bedauerns fallen auch nicht. Da hat die Kanzlerin zum Revanche-Foul gegriffen. Das Zerwürfnis muss sich im Zeitraffer vollzogen haben.

Es gab mal drei potentielle Nachfolgekandidaten für Angela Merkel: Norbert Röttgen, Theodor zu Guttenberg und Ursula von der Leyen. Zwei sind politisch vollständig erledigt und die Bundesarbeitsministerin ist seit dem gescheiterten Angriff aufs Schloss Bellevue einen Kopf kürzer. Von den Mitgliedern des Andenpakts ist kaum noch jemand in der Politik.

Eine ganz schöne Blutspur, dagegen war Kohl harmlos.

3) Quentin Quencher, Mittwoch, 16. Mai 2012, 22:17 Uhr

Der Röttgen musste gehen, weil er einer Neuausrichtung der Energiewende im Wege stand. Und dass diese notwendig ist, ergibt sich aus der Naturwissenschaft. Soziologen und Juristen sind für solche Vorhaben wie die Energiewende eben eher weniger geeignet, vor allem dann, wenn sie sich auch wieder nur von Juristen und Soziologen beraten lassen. Peter Heller geht im Science-Skeptical-Blog noch weiter und schreibt: “Norbert Röttgen: An der Physik gescheitert ”
http://www.science-skeptical.de/blog/norbert-rottgen-an-der-physik-gescheitert/007740/

4) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 16. Mai 2012, 22:38 Uhr

Merkel wird 2013 Kanzlerin unter einer schwarz-roten Koalition. Es wird knapp, aber sie bleibt Kanzlerin.

5) Michael H., Mittwoch, 16. Mai 2012, 22:40 Uhr

Das größte Problem von Frau Merkel ist ihre mangelnde Empathie. Sie serviert ja nicht nur interne Rivalen der Reihe nach kalt ab. Auch ihre Politik zeichnet sich durch atemberaubende Gefühllosigkeit aus: da wird um jeden Euro Erhöhung für Hartz4-Empfänger gefeilscht, gleichzeitig werden Lobbygruppen aus purer Machtarithmetik heraus Steuergeschenke gemacht.
Noch fataler ist Frau Merkels fehlende Empathie aber in der Europapolitik. Es war doch von Anfang an klar, dass der rigide Sparkurs, den sie Griechenland aufgezwungen hat (ohne Perspektive, ohne sozialen Ausgleich, ohne Hoffnung), zum völligen Kollaps dieses Staates führen würde – finanziell und vor allem sozial. Jetzt sitzen extrem linke und rechte Parteien im Parlament, bekommen bei den nächsten Wahlen sogar die Mehrheit, auf den Straßen regiert das Chaos. Vielleicht gibt es bald einen Militärputsch. Dieses griechische Drama war absehbar. Frau Merkels Unfähigkeit, mal nicht in nüchtern-physikalischen Bahnen, sondern emotional zu denken, hat zu dieser Entwicklung leider maßgeblich beigetragen. Schon viele sind Opfer Merkels geworden, nicht nur missliebige Einzelpersonen à la Röttgen, sondern neuerdings auch ganze Staaten. Es ist eine Schande.

6) Frank Reichelt, Mittwoch, 16. Mai 2012, 22:50 Uhr

Na hoffentlich haben die CDU-Wölfe gute Zahnärzte, wenn sie ihre Zähne in einen Schlitten schlagen müssen!

7) Werner Berger, Mittwoch, 16. Mai 2012, 22:55 Uhr

Röttgen hat nicht plagiiert, Röttgen hat nicht auf Fremder Kosten geurlaubt, Röttgen hat nur eine Wahl verloren.
Auch andere Wahlverlierer sind wieder ganz nach oben gekommen, einer wurde sogar Bundespräsident, ein anderer wird vielleicht Bundeskanzler.

8) Michael A. Nueckel, Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:04 Uhr

OK, im wesentlichen wie zuvor im FOCUS-online-Interview von 18:47 h, http://www.focus.de/politik/deutschland/nrw-wahl/michael-spreng-zu-roettgens-rauswurf-merkel-kann-sehr-schnell-und-brutal-entscheiden_aid_754087.html. Dennoch tut sich für mich ein Widerspruch auf. In Ihrem Vorbeitrag vom Wahlabend bestand noch die Option als “eunuchisierter Umweltminister”, jetzt lag es an der fehlenden Autorität – für mich paßt das nicht zusammen. Das wird jetzt als konsequentes Ereignis (un)schön geredet. Das gilt auch für Ihren Schlußsatz in diesem neuen Kommentar, der im Vorbeitrag mit “Aber noch ist die Rechnung ohne die Kanzlerin gemacht.” optimistischer klang. Was ist -in der Union intern- seit Sonntag/Montag passiert? Und was Seehofer betrifft, so kann ich trotz aller Kritik keine -wie oft so tituliert- Wutrede o.ä. im ZDF-Interview erkennen, er bleibt ausgesprochen ruhig. Für was muß er herhalten? Nun gut, Röttgen hat sich (zu) viele Feinde (auch in Berlin) gemacht, doch ein wenig bringt es Laumann auf den Punkt:„Die heutige Entlassung von Norbert Röttgen erschreckt mich. Ich verstehe nicht, dass Norbert Röttgen bis Sonntagabend 18 Uhr als der hervorragende Umweltminister galt, der er war, und heute entlassen wird“, http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nach-der-wahlniederlage-in-nordrhein-westfalen-merkel-entlaesst-roettgen-altmaier-wird-nachfolger-11753740.html. Gilt noch ihr hartes Focus-Votum: “Er sollte sich eine Zukunft außerhalb der Politik suchen. Es gibt bestimmte Abstürze, die nicht korrigierbar sind”? Dann wäre Merz noch vergleichsweise glimpflich damals davongekommen.

9) HeikoG, Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:25 Uhr

Wir haben einen Bank-Run in der Eurozonenperipherie der von Merkel tatkräftig mitverursacht worden ist und Sie halten es für sinnvoll wenn Röttgen den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird? Das kann nur ein schlechter Witz sein.

Erledigt endlich das eigentliche Problem. Es lautet Merkel. Bevor diese Frau noch mehr Schaden anrichtet. Wir stehen in der Euro-Zone vor einer beispiellosen Katastrophe! Das komplette Bankensystem in der Peripherie ist pleite. Wir brauchen jetzt endlich kompetente Leute.

10) Bernd, Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:36 Uhr

Och, Herr Spreng, warum so ein dramatischer Aphorismus? Da ist doch nur ein Bundesminister entlassen worden, der ein ziemlicher Blender ist und das ist halt im NRW Wahlkampf öffentlich geworden. Der Herr Röttgen hat ja noch sein Bundestagsmandat und wenn das 2013 auch weg ist, kann er ja mal wieder beim BDI anfragen. Die Frau Merkel mußte mal Frust abbauen. Nachdem sie 2011 Westerwelle aus Koalitionsräson nicht rausschmeißen konnte, war eben jetzt Röttgen dran.

11) Hutchinson, Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:41 Uhr

Das Stimmt. Nach Altmeier kommt nicht mehr viel.
Der CDU-Dauergast bei Polit-Talks steigt jetzt ins Kabinett.
Fr. Merkel does it, again ! Loser und unbequeme werden knallhart gegen
loyale und fleißige Schreibtischtäter.
Was hat wohl Altmeier mit Umweltfragen zu tun ?
Hat man ihn schon im Zusammenhang gesehen ? Nein !
Frau Merkel mag die Zustimmung!

Röttgen war das gesichtsloseste Mitglied dieses mehr als trauriges Kabinett.
Wenn ich mir anschaue, wie Frau von der Leyen tapfer bei Jauch die CDU verteidigt,
habe ich kein Zweifel daran, daß sie große Ambitionen hat.
Vielleicht ist sie die nächste, die über Board geworfen wird ?

Wir sahen heute, wie Frau Merkel, leise aber knallhart ihre Fiesheiten erledigt.
Wenn schon der Rauswurf, hätte man den armen Röttgen und uns allen den Pressetermin, will heißen, das Kaspertheater, damit die gespielte Harmonie, am Montag und erspart.

12) M.M., Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:43 Uhr

Mittelalter: Dieser eiskalte Schnitt erinnert mich eher an ein Fallbeil. Das was Frau Merkel in der blutroten Robe da macht ist völlig uebertrieben. Und das mit Jemandem, der schon am Boden liegt und 3 Mal auf die Matte geklopft hat. (PS: Der Richter im Judo erkennt dann die Niederlage an und fällt das Urteil “Verloren”)

13) JG, Mittwoch, 16. Mai 2012, 23:55 Uhr

Wie Sie, verehrter Herr Spreng, habe auch ich gedacht, als ich die Meldung hörte:

Im Englischen gibt es die schöne Redewendung “jemanden vor den Bus schubsen”. Mutti hat heute, um ein Bauernopfer zu erbringen, in bemerkenswerterweise geschubst – nach einem ebenso bemerkenswert inszenierten Fernsehinterview von Horst Seehofer (wen, außer den üblichen Verdächtigen aus der politischen Klasse, hätte schon interessiert, was er sagt, wenn das im normalen Rahmen einer Nachrichtensendung geschehen wäre?).

Und: Wie groß ist die personelle Not in der CDU-Spitze und in Merkels Umfeld? Ihren treuen Adlatus Altmaier, der auch noch die größte Pleite schönredet ohne mit der Wimper zu zucken und auch sonst das schwarz-gelbe Gewürge tapfer verkauft, hätte sie doch auch auf seinem bisherigen Posten dringend weiter benötigt. Statt dessen soll er nun wenigstens noch die “Energiewende” retten? Und wer macht dann, was er bisher gemacht hat? In dieser Qualität?

14) Namensvetter, Donnerstag, 17. Mai 2012, 00:44 Uhr

Der stärkste Mann der Union außerhalb des Kabinetts ist für mich Wolfgang Bosbach – er ist halt nur nicht “ihr” Mann.
Möchtegern-Pirat Altmaier ist dagegen ein bequemer, anschmiegsamer Platzwarmhalter für Merkel ohne die Gefahr eines eigenen Profils. Nach ihm steckt für solche Aufgaben noch Peter Hinze im Köcher.

Insgesamt wird es der Regierung Merkel nicht mehr viel nützen. Das personalpolitische Muster, sich montags – nur augenscheinlich – zu einem Minister zu bekennen und ihn am Mittwoch zu feuern werden auch blind Mutti-treue Wähler irgendwann in der Tagespolitik wiedererkennen. Bloß nicht festlegen, kein Interesse an Sachfragen zeigen, man könnte ja dabei verlieren. Alles wird so lange ohne Eingehung persönlicher Verbindlichkeiten vertagt, bis man vor vollendeten Tatsachen steht, sei es nun im Kleinklein durch einen Seehofer oder ganz groß durch ökonomische Gesetzmäßigkeiten – letzteres eben mit verheerenden Folgen für das Land.
Nur schade wäre es, wenn die Alternative 2013 ausgerechnet Kraft hieße. Dieselbe in Rot: Macht-Erhalt durch -Nichtausübung. Das ist ja so viel sympathischer als die “Kraftmeierei” des Altherrenpolitkstils. Es kommt nur nix ‘bei rum.

15) Minassian, Donnerstag, 17. Mai 2012, 06:52 Uhr

Die Hybris, Ignoranz und Arroganz von Röttgen war auch nur schwer zu ertragen. Immer besonders clever sein zu wollen, sich Hintertürchen auf einen lukrativen Posten offen zu halten, war dem Wähler in NRW nur schwer zu vermitteln. Der äußerst schlichte Slogan der SPD ‘Currywurst ist SPD’ erweist sich im nachhinein als genial. Aber keine Sorge – der Karrierist Röttgen wird weich fallen – in die Wirtschaft gehen oder nach Brüssel entsorgt werden. Der Opportunist Seehofer kann sich im Moment freuen – bei der eiskalten Personalpolitik der Unionsparteien droht ihm bei Niederlagen ein ähnliches ‘Schicksal’. Langsam wird es dünn mit der Personaldecke – die letzten Bataillone treten an. Meine Prognose : die nächsten, die fallen werden, sind Rösler (FDP) und Bosbach (CDU) ! Wetten, daß…. ?

16) Mark, Donnerstag, 17. Mai 2012, 06:57 Uhr

> Sie hofft, mit Peter Altmeier gewinnt der
> Schlitten wieder an Fahrt.

Naja, als Physikerin weiß Frau Dr. Merkel ja wie das ist, mit der Beschleunigung und der Erdanziehung und dem Gewicht. Besonders auf dem Weg nach unten. Da ist Altmaier bestimmt eine gute Wahl.

Für mich als ehemaligen konservativen Wähler, der gerne wieder eine konservative Heimat finden würde, ist die Auswahl Altmaiers für diesen Posten ein weiterer Tiefpunkt in der CDU. Bisher zeichnete sich Altmaier nur dadurch aus, dass er auch den letzten Unsinn, der von der Kanzlerin verzapft wurde, vehement öffentlich verteidigte – ein klassischer Ja-Sager, der noch weniger Rückgrat als Röttgen hat. Mißerfolge schönreden, Fehler kleinreden – in einer führenden Position in der Fraktion muß das vielleicht so sein, aber es bleibt ein ganz übler Nachgeschmack.

Wo Röttgen wenigstens Ansatzweise noch so etwas wie “Charme” hatte, da sehe ich jetzt nichts mehr.

> Die Personaldecke ist ganz dünn geworden.
> Nach Altmeier kommt nicht mehr viel.

Ach was. Die Quellen sprudeln! Man muss sie nur anzapfen: Die Kanzlerin kann aus dem Vollen schöpfen! Volker Kauder steht Altmaier in nichts nach (und ich bin erstaunt, dass er nicht zum Minister gekürt wurde). Philip Mißfelder hat schon häufiger auf sich Aufmerksam gemacht (er ist der vom SPIEGEL zum “Schattenmann” gekürte Unionsabgeordnete). Pofalla ist immer noch zu unsichtbar. Nein, nein, da sind noch viele, viele Ja-Sager und Mitläufer in der CDU, die ihr letztes Bein geben würden, um einen Ministerposten unter Merkel zu ergattern.

*seufz*

17) horst scharnhorst, Donnerstag, 17. Mai 2012, 07:28 Uhr

Wie es Parteien bekommt, wenn sie als “One-Man/Woman” Show organisiert sind, das hat die FDP vorgemacht. Die CDU macht es ihr jetzt nach. Unter Merkel verliert die CDU die “kleine” Macht in den Kommunen und den Ländern. Das führt zu großem Unmut bei denjenigen, die dadurch ihre Mandate und Einkommen verlieren. Merkel muß aufpassen, daß sie nicht selbst vom Schlitten fällt. Ihre Politik in Europa ist schon jetzt gescheitert. Und auch sonst ist unter ihrer Regierung nur das “große Nichts”. Röttgen ist in Wahrheit sie selbst. Vor lauter Taktik und Klugheit fehlt die praktische Umsetzung. Was geht auf Merkel zurück? Das Auseinanderfallen Europas – wie es Helmut Kohl ihr vor einiger Zeit ins Stammbuch schrieb. Die Ära Merkel ist vorbei.

18) lol, Donnerstag, 17. Mai 2012, 08:01 Uhr

“”"Der Wolf, der näher kam,….”"”
also das kann BILD noch etwas besser.

19) Daniel Florian, Donnerstag, 17. Mai 2012, 08:32 Uhr

Schaurige Methapher in Ihrem Kommentar! Eine Frage bleibt jedoch: Was bedeutet das für die Positionierung der CDU? Wird Altmaier auch weiterhin das Türchen zu den Grünen offenhalten (einiges spricht ja dafür) oder wird Merkel – quasi um den Wölfen entgültig zu entkommen – nun auch einen konservativeren Kurs einschlagen?

20) Thomas Ew., Donnerstag, 17. Mai 2012, 09:01 Uhr

Unfassbar, wie Sie einen nach dem anderen verheizt. Es hat doch nicht nur mit Röttgen zu tun, Merkel hätte es sehen und unterbinden müssen. Oder war es Absicht? Wieder einen entsorgt, der ihr hätte gefährlich werden können? Es ist schon seltsam oder fast besordniserregend, wie sich alle ernstzunehmenden Gegner verdünnisieren aufgrund eigener Fehler (Gutti) oder aus Kalkül (Wulff als BuPrä).

Noch viel schlimmer ist allerdings, das Leute, die für 4, 5 Jahre gewählt sind, nicht mehr durchhalten. Nach 2, 3 Jahren gehen sie. Politik macht sich aber an Köpfen fest, das sieht man in Schlesw.-Holst. und in NRW. Was sollen die Bürger noch davon halten, wenn geht und kommt, wer gerade ins tagesaktuelle Konzept passt?!?

21) Cato, Donnerstag, 17. Mai 2012, 09:05 Uhr

Das tönerne Fundament der Merkelschen Cadokratie hat Sprünge bekommen! Der Einsturz ist
vorprogrammiert! 2013 Merkel adeeeeeeeeeeeeeeeeeee, diese Scheidung tut NICHT weh!

22) @karstenluke, Donnerstag, 17. Mai 2012, 09:24 Uhr

Ich stimmet der Analyse in weiten Teilen zu. Es gibt zwei Seiten derselben Medaille: Röttgen hat sich die Suppe selbst eingebrockt – politisch unsensibel und nicht weitsichtig, also selbst schuld, aber die Kanzlerin hat auch wieder gezeigt wie wenig Rückgrat sie hat, in schweren Zeiten auch mal durch ein Tal der Tränen zu gehen und zu einem politischen Weggefährten zu stehen. Das habe ich gestern ausgeführt:

Norbert Röttgen: verspekuliert und alles verloren – ein politisches Drama!

http://kielspratineurope.eu/?p=725

23) Alexis, Donnerstag, 17. Mai 2012, 09:25 Uhr

“Mit Altmeier hat Merkel ihren stärksten Mann aus der Fraktion ins Kabinett geholt. Das zeigt, wie ernst die Lage ist. Jetzt müssen die letzten Reserven an die Front. Die Personaldecke ist ganz dünn geworden. Nach Altmeier kommt nicht mehr viel.”

Finden Sie den A wirklich so toll, Herr Spreng ?? O.K. er sei ein guter Kommunikator und könne twittern, so gestern im TV ein deutscher Politologe. Wenn das die Vorausetzungen für den derzeit wohl wichtigsten Job sind, die Energiewende professionell zum Erfolg zu machen, dann nützen auch Ihre Wölfe nichts mehr. An dem Projekt Energiewende hängt derart viel, dass mir schwindelig wird, wie Merkel das handhabt. Sie hätte eine Riesen-Chance gehabt, nach Seehofers TV-Kracher, eine komplette Regierungsumbildung und einen wirklichen Neustart hinzulegen. Die FDP unter Lindner und Kubicki hätten da sicher mitgemacht und ihre Chance gesehen, die Neurosen der Liberalen endlich abzulegen.

So aber: nix Wölfe, nix Kampfhunde, eine ausgelaugte dahinsiechende Truppe, die nur noch nach dem letzten Tropfen Wasser lechzt. Hätte nicht gedacht, dass ich mal über die, die ich selbst gewählt habe, so böse werden kann, aber was hier dem Publikum vorgeführt wird, ist nur noch grotesk. Die Nichtwähler haben ab sofort einen mehr.

24) CitizenK, Donnerstag, 17. Mai 2012, 09:53 Uhr

Das erinnert doch sehr an Schröder, wie er Scharping gefeuert hat.

So sieht “Solidarität” und “christliches Weltbild” in der Praxis aus.

25) Olaf, Donnerstag, 17. Mai 2012, 10:03 Uhr

Zum ersten Mal hat mir Herr Seehofer, den viele, vor allem der Spiegel, als grenzwertigen Quartalsirren bezeichneten, richtig imponiert: er hat das Tor aufgestoßen und Frau Merkel eher eine Chance gegeben, keine Wolfshatz.
Süffisant stellt man fest, dass Seehofer zuerst kräftig mithilft, in Berlin alles zu verwirren, siehe sog. “Betreuungsgeld”, siehe Guttenberg, siehe “Eurorettung”, um dann als Erster zu rufen ” so geht es nicht weiter – wir müssen ändern, besser werden”. Das ist brillant, perfekt getimet und lächelnd als spontaner Anfall kaschiert. Der Mann ist genial. Er handelt beispielhaft taktisch klüger als ein feiger preußischer Stabsoffitzier, der erst auf dem Rückzug im verlorenen Krieg erkennt, dass man den Diktator sprengen muss. Von einer Regierung erwarte ich aber Strategie, wenig Taktik.
Aber Röttgen ist nur eine Fußnote: immerhin geht es um die Berliner Koalition, da sind Minister und Landesregierungen nachrangig. Bleibt nur in rauchenden Trümmern nach der Zukunft der NRW-CDU zu suchen: Pofalla werden sie dort mit Steinen bewerfen und auf Jahrzehnt kann dieser wichtige Landesverband doch nicht Diaspora bleiben…?!

26) StefanP, Donnerstag, 17. Mai 2012, 10:24 Uhr

@5) Michael H.

Demokratische Politik leidet sicher nicht unter einem Mangel an Empathie. Im Gegenteil, in Westeuropa neigt die Politik dazu, sich für alles zuständig zu erklären, die großen Kümmerer von Hollande über Merkel bis Kraft sind en vogue.

Bei der Höhe des Hartz-IV-Satzes geht es um eine Sachentscheidung gemäß dem Grundgesetz unter Berücksichtigung unterschiedlicher Ziele. Darüber entscheiden nicht Lobbygruppen wie der Paritätische Wohlfahrtsverband, sondern gewählte Abgeordnete, die das große Ganze gepräsentieren. Außerdem lag die Regelung in den Händen der zuständigen Fachministerin.

Der Kanzler ist verpflichtet, gemäß seinem Amtseid zum Wohle des deutschen Volkes zu handeln und Schaden abzuwenden. Dabei ist der deutsche Regierungschef an Verfassung, geltende nationale Gesetze und internationale Vereinbarungen gebunden. Gegen all diese Regeln widersprachen die finanziellen Hilfen an Griechenland. Das kann man kaum als Mangel an Empathie gegenüber den Hellenen auslegen.

Staatliches Handeln vollzieht sich nach festgelegten Regeln und Normen. Empathie ist keine verfassungsrechtliche Kategorie. Wer staatliche Fristen verpasst, der muss mit den Rechtsfolgen leben, so bedauerlich das im Einzelfall sein mag. Das gilt für den armen Transferempfänger wie den reichen Vermögensbesitzer. Da ist und da muss der Staat gnadenlos sein.

27) der Herr Karl, Donnerstag, 17. Mai 2012, 10:29 Uhr

Es kommt Merkel sicher entgegen, wenn wieder ein Kronprinz mehr politisch das Zeitliche segnet. Aber meines Erachtens müssen hinter den Kulissen der Lobbyisten von Strom- und Erdölwirtschaft schon länger Machtkämpfe bezüglich Röttgen getobt haben. Ich interpretiere die öffentliche Hinrichtung durch Merkel nicht als deren Stärke, sondern als Machtdemonstration WEGEN ihrer Schwäche.
So gesehen war die Entlassung Röttgens ein Befreiungsschlag – von den Wölfen der Wirtschaft und Lobbyisten. Nun kann sie mit Altmaier die Energiewende wieder zugunsten der deutschen Stromwirtschaft zurechtbiegen. Fukushima ist schon fast vergessen.

28) StefanP, Donnerstag, 17. Mai 2012, 11:03 Uhr

Die intelligentes Analyse zu den befremdlichen Vorgängen um die Entlassung von Norbert Röttgen kam gestern bei Anne Will von der Publizistin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler.

Jede Regierungspartei verschleißt sich während des Regierens. Sie verbraucht ihre fähigsten Leute in Spitzenämtern bis sie ausgelaugt an Personal und Ideen in die Opposition muss. So haben heute die amerikanischen Republikaner mit dem Ende der Ära Bush zu kämpfen, so verlor letztendlich Helmut Kohl die Macht, so erging es Gerhard Schröder, dessen Regierung bereits nach 4 Jahren schon ziemlich am Ende schien.

Seit Jahren konzentriert Merkel die Politik auf sich und entpolitisiert gleichzeitig die Gesellschaft. Bis heute hat niemand herausgefunden, nach welchen Grundüberzeugungen außer der nach dem Machterhalt sie handelt. Man vermutet eine freiheitsgeprägtes Staatsverständnis, gegen das sie jedoch aus Opportunismus handelt.

Wer an die Macht will und die Führung eines ganzen Landes übernimmt, muss aus sehr hartem Holz geschnitzt sein. Gleichzeitig darf er genau das jedoch nicht durchschimmern lassen. Das ist ein Seiltanz, den der demokratische Bürger abverlangt. Nichts ist daher im politischen Geschäft wichtiger als Loyalität und Zuverlässigkeit. Für beides steht Peter Altmaier und gegen diese Grundsätze hat Norbert Röttgen eklatant verstoßen. Er wollte den Parteivorsitz der NRW-CDU aus Karrieregesichtspunkten, was zur Spitzenkandidatur in den vorgezogenen Neuwahlen führte – was der Umweltminister a.D. erkennbar nicht wollte. Er ist das Opfer seines mißlungenen Karrierepokers geworden.

Der Umgang mit ihm ist eine andere Geschichte.

29) peterpan4670, Donnerstag, 17. Mai 2012, 11:09 Uhr

“Wenn die Wölfe näher kommen, muss einer vom Schlitten”. Was für ein gutes Bild für das, was da gestern passiert ist. Ich hätte als Variante noch im Angebot “Merkel geht der Arsch auf Grundeis”!

Sie weiss genau, dass es nach acht Jahre Regierungszeit besonders schwer ist, nochmal weiter regieren zu dürfen. Jetzt mag ihr der kalte Rauswurf von Röttgen noch Zustimmung bringen, in Deutschland sind ja “Basta-Männer” und “Machtwort-Frauen” beliebt. Aber auf mittlere Sicht dürfte ihr diese Panik-Aktion eher schaden, und es wird sich bei vielen Wählern das Gefühl breitmachen “das hatte er (Röttgen) nun auch nicht verdient, auf so eine Art und Weise entsorgt zu werden”. Sicher, Röttgen hat viele prominete Vorgänger (z.B. Friedrich Merz), aber die Zeiten haben sich geändert.

30) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 17. Mai 2012, 11:21 Uhr

@ Alexis, 23)

Richtig, denn eine Kabinettsumbildung kann Wunder bewirken. Doch gäbe das Material an politischen Talenten diesen Strategieschwenk überhaupt her? Und wer kann (noch) mit wem? Ihr propagierter Neustart 1 1/2 Jahre vor der Wahl erscheint mir verspätet – das Zeitfenster hierfür wurde zuvor verpaßt: Einarbeitung ins Amt, Sommerpause, und dann sind es bis zum Wahlkampf nur noch knapp 9 Monate. Es sieht so aus, als wenn die Energiewende erst nach einer politischen Wende wird kommen können.

Wir haben hier nur die Außenansicht auf die Dinge, M. Spreng dagegen sieht nach innen, kennt innen und spricht mit innen … und kann daher sehr gute Vorhersagen tätigen. Sprengsatz ist zuweilen wie das “Orakel von Berlin”.

31) Horst Klohocker, Donnerstag, 17. Mai 2012, 11:33 Uhr

Nun ist er weg und keiner weint ihm eine Träne nach. Frau Merkel hat wieder einen ihrer Kronprinzen geopfert und hält weiter fest an der Macht in Berlin fest. Wie lange das noch so weiter geht, das wissen nur die Wähler. Schon werden Stimmen für Neuwahlen im Bund laut und ob sich Frau Merkel noch lange an der Macht hält, das bezweifele ich.

Norbert Röttgen würde ich am Ende seiner politischen Karriere als möglichen Kandidaten für die „Christian-Lindner-Gedächtnis-Medaille“ vorschlagen, denn letztendlich hat es die FDP auch seinem Verhalten in der heißen Phase des Wahlkampfes zu verdanken, dass sie wieder den Einzug in den Landtag von NRW schaffte.

32) Erika, Donnerstag, 17. Mai 2012, 11:38 Uhr

Der heutige Tag zeigt: Der Endkampf Merkels für die Bundestagswahl 2013 hat begonnen. Aber noch hat sie nicht verloren.

Sehr geehrter Herr Spreng,

dieser Aussage stimme ich voll zu. Der Unterschied zu vor NRW ist, dass sie “noch nicht verloren hat” bis zu NRW, hatte sie immer schon gewonnen. Das ist eine gute Entwicklung.

Warum glaubte man vorher, dass sie schon gewonnen hätte. Da kam immer ihre “Beliebtheit” ins Spiel.
Permanent konnten wir in den Zeitungen, im Fernsehen auch bei Ihnen lesen, dass Angela Merkel die beliebteste Deutsche ist und regelmäßig gibt es angeblich diese Ergebnisse der Umfrageinstitute. Wie genau diese Fragen lauten, die Angela Merkel zur “Beliebtesten” machen, kenne ich zumindest nicht.

Nehmen wir zum Beispiel diese Wahl in NRW und das Verhalten eines Großteils der Medien.

Röttgen nimmt die alleinige Schuld für die Niederlage auf sich. Aber auch Angela Merkel war in diesem kurzen Wahlkampf 10 mal vor ORT. Angela Merkel hat keine Schuld – vermittelt uns ein Großteil der Presse und auch Sie, Herr Spreng.

Kraft gewinnt die Wahl. Sie hat eine klare Aussage getroffen, dass sie als MP in NRW bleiben möchte.
Was beginnt am Abend der Wahl. Sofort wird Kraft von der Presse, aber auch von Ihnen “Guten Abend Frau Kanzlerkandidatin” als beste Kandidatin ausgerufen. Das Meinungsbild “Frau Kraft wäre die bessere Kandidatin” wird versucht zu setzen.

Das hat für Merkel und ihre Union 2 Vorteile. Kraft, die keine Kandidatin (glaubwürdig) werden kann, wird schöngeschrieben und damit werden gleichzeitig die zur Verfügung stehenden Kandidaten (Troika)
als “minderwertiger” dargestellt.

Diese Methode funktioniert seit langem ziemlich gut.

Angela Merkel wurde zu Miss-Europa – Schröder zum “lupenreinen Demokraten”. Langjährige FdJ-Mitgliedschaft, ihre Unterstützung für Georg W. Bush vor dem Irak-Krieg und mit den Jubelbildern in Stralsund nach dem Irak-Krieg, wird in der Presse so dargestellt, als wäre es eine herausragende Leistung Amerika und Deutschland wieder versöhnt zu haben.

Ich frage mich oft, ob das stimmt, dass Angela Merkel, die “Beliebteste” ist, geht man in die Foren oder unterhält man sich privat, gibt es da oft ein anderes Bild. Sollte sie tatsächlich die Beliebteste sein, hat die Nation u.a. gestern bei Anne Will einen Anstoß bekommen, darüber nachzudenken.

33) Frank Reichelt, Donnerstag, 17. Mai 2012, 12:09 Uhr

@ 30) Michael A. Nueckel

Das “Orakel von Berlin” ist aber nicht immer so treffsicher wie man es von einem Insider erwarten könnte. Weit vor der letzten Bundestagswahl hat er hier z.b. im Brustton der Überzeugung verkündet, dass Ronald Pofalla Arbeitsminister wird und Volker Kauder als Fraktionschef abgelöst wird von….richtig, Norbert Röttgen!

m.spreng, 21.05.2009, “Pofalla wird nach der Wahl abgelöst”

“In der CDU sind die ersten personellen Weichen für die Zeit nach der Bundestagswahl gestellt worden. Zwei Männer, die von Angela Merkel in ihre Ämter eingesetzt wurden, werden nach der Wahl auf jeden Fall den Job wechseln. Generalsekretär Ronald Pofalla, der in der Partei-Funktion als überfordert gilt, soll dafür, dass er die Pfeile für Merkel auf sich gezogen hat, mit dem Arbeitsministerium belohnt werden. Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass es zu einer schwarz-gelben Regierung kommt. Falls wieder eine große Koalition gebildet werden muss und Olaf Scholz Arbeitsminister bleiben will, soll Pofalla ein anderes Ministerium erhalten.

Abgelöst wird auf jeden Fall auch Fraktionschef Volker Kauder. Sein Nachfolger soll der jetzige Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen werden, der einerseits als Merkel-Vertrauter gilt, andererseits aber ein so unabhängiger Kopf ist, dass er auch selbstbewußt die Interessen der Fraktion wahren kann. Kauder soll ebenfalls mit einem Ministeramt abgefunden werden”.

Sie könnten jetzt zu Recht fragen, ob es nicht ein wenig paranoid ist, diese ollen Kamellen wieder aufzuwärmen! Vielleicht, aber nachdem ich diesen Artikel letztens zufällig beim stöbern gelesen habe, kann ich mir nach dem jetzigen Röttgen-Rauswurf die Veröffentlichung hier nicht verkneifen. Mich stört einfach die keinen Widerspruch duldende Art der Formulierung, und das 4 Monate vor einer Bundestagswahl!

34) Michael H., Donnerstag, 17. Mai 2012, 12:21 Uhr

@26) StefanP
Mit dieser formaljuristischen und blutleeren Argumentation begehen Sie ja genau den Fehler, den man Merkel vorwerfen muss. Damit fahren Sie Europa gegen die Wand. Und damit wenden Sie dann auch keinen Schaden mehr vom Deutschen Volke ab, sondern ganz im Gegenteil.

35) Mark, Donnerstag, 17. Mai 2012, 12:22 Uhr

@ Erika:

> Ich frage mich oft, ob das stimmt, dass Angela Merkel,
> die “Beliebteste” ist

Ich bin mir sehr sicher, dass sie NICHT die Beliebteste ist. Die Zahlen werden von den Meinungsforschungsinstituten fabriziert. Wir wissen zuwenig über die Art der Umfrageerhebung. Wie werden die Befragten ausgewählt? Wie werden die Fragen genau gestellt? Werden sie gar vom Interviewer -und sei es nur durch die Art der Fragestellung- beeinflusst? Welche anderen Faktoren beeinflussen noch die Ergebnisberechnung? Und dann die Präsentation, die ja i.d.R. nur die Interpretation der Interpretation der Ergebnisse ist. Gerade im Fernsehen wird da gern noch mal verdichtet.

(Von einem Umfrageunternehmen weiß ich, dass es NUR zufällig generierte Festnetznummern in Deutschland werktags tagsüber anruft, um eine Befragung durchzuführen. Dabei besteht immer noch die Chance, dass der so Angerufene sich nicht beteiligt. Preisfrage: Was für Leute gehen tagsüber werktags an einen Festnetzanschluß und haben Zeit für die Teilnahme an einer Umfrage? Eben.)

Die Eliten haben ein großes Interesse daran, dem Volk zu suggerieren, alles sei in (bester) Ordnung. Niemand soll um Himmels willen auf die Idee kommen, mit der großen Staatsratsvorsitzenden, der Volkskammer oder der EUdSSR wäre etwas nicht in Ordnung. Da könnten die Leute ja auf dumme Gedanken kommen…

36) Dieter Carstensen, Donnerstag, 17. Mai 2012, 12:23 Uhr

Lieber Michael Spreng,

nun ist er weg, der smarte Röttgen. Vermissen wird ihn niemand. Das Ergebnis war vorhersehbar.

In der Politik zählt nur eine Steigerung: “Gegner, Feind, Parteifreund”.

Wer verliert, hat Pech.

M.f.G.

37) Erika, Donnerstag, 17. Mai 2012, 13:43 Uhr

Versuch der Manipulation am Meinungsbild am Beispiel des Duells Merkel / Schröder
in Ergänzung zu meinem Kommentar von 11.38 Uhr

Ausschnitte aus der Analyse vom 4.9.2005 – des IFM (inst. für Medien- und Kommunikationsp.:

————–
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass viele professionelle Beobachter Merkels Auftritt mehr abgewinnen konnten als der gewöhnliche Zuschauer. Hätten die in Adlershof versammelten Journalisten abgestimmt, hätte wohl die Unionskandidatin gewonnen, nicht der Kanzler. Vermutlich liegt es daran, dass Angela Merkel besser als bei anderen Auftritten, aber gleichwohl weniger witzig, schlagfertig und präsent war als Gerhard Schröder. Merkel war gut – für ihre Verhältnisse. Mehr aber auch nicht. Insofern hielt das Duell auch eine kleine Lektion für den Teil der politischen Klasse bereit, der Politiker am liebsten am bereits bestehenden Image und an den etablierten Erwartungen misst.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass viele professionelle Beobachter Merkels Auftritt mehr abgewinnen konnten als der gewöhnliche Zuschauer. Hätten die in Adlershof versammelten Journalisten abgestimmt, hätte wohl die Unionskandidatin gewonnen, nicht der Kanzler. Vermutlich liegt es daran, dass Angela Merkel besser als bei anderen Auftritten, aber gleichwohl weniger witzig, schlagfertig und präsent war als Gerhard Schröder. Merkel war gut – für ihre Verhältnisse. Mehr aber auch nicht. Insofern hielt das Duell auch eine kleine Lektion für den Teil der politischen Klasse bereit, der Politiker am liebsten am bereits bestehenden Image und an den etablierten Erwartungen misst.

Es waren Berater, Ehemalige, Print-Journalisten, die sich gerne auch im Fernsehen zeigen. Ihr Reden folgte Gesetzen, die sie in reflektierenden Artikeln nicht selten kritisieren. Gefragt waren Schnelligkeit, Eindeutigkeit und Originalität. Wer vorn dabei sein wollte, musste ganz schnell über ein fertiges Urteil verfügen; klar, definitiv und pointiert bis an die Grenze zum Absurden seinen Sieger ausrufen. Vorneweg war da der TV-omnipräsente „stern“-Deuter Hans-Ulrich Jörges, der für Angela Merkel nur ein Adjektiv gelten ließ: „brillant“.

So blieb als Fühler in die Wirklichkeit nur die Demoskopie. Wie nie zuvor tat sich eine Diskrepanz auf zwischen den Urteilen der professionellen Beobachter und dem der Zuschauer und Wähler. Sahen die „Profis“ – nach dem Motto: „Außenseiter-Spitzenreiter“ – fast durchgängig Angela Merkel als Siegerin oder zumindest in mildem Licht, empfanden die Zuschauer, dass Gerhard Schröder klar vorne lag, weil er das Maß des Kanzler-Seins vorgab, an dem sich die Kandidatin rieb. Vielen Profis war das wohl zu selbstverständlich.

————-

Damals hatten die Zuschauer und Wähler die Möglichkeit sich selber eine Meinung zu bilden. Leider wird in den Medien zu oft die Meinung gemacht.

38) Marita, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:06 Uhr

Röttgen hatte wohl gedacht, dass er mit seinem überschwänglichen Mea Culpa, bei dem eine gehörige Portion Erleichterung mitschwang, den unrühmlichen Ausflug in die Landespolitik endlich hinter sich hätte. Pustekuchen! Der Schuss ist nach hinten los gegangen, aber ein Mann wie Röttgen wird weich fallen. Die Energiekonzerne werden sich um ihn reißen. Mitleid ist nicht angebracht.

39) Petra, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:15 Uhr

35) Mark
“Preisfrage: Was für Leute gehen tagsüber werktags an einen Festnetzanschluß und haben Zeit für die Teilnahme an einer Umfrage?”

Wahrscheinlich dieselben, die sich erlauben können sich zu jeder beliebigen Zeit in den Sprengsatz einzubringen. :)

40) Andronico, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:23 Uhr

Wenn ich solche Artikel lese dann frag ich mich immer, wie man all dieses Taktik- und Ränkespiel so normal finden kann. Und wie man sich dann wunder kann, dass viele Menschen sich angewidert abwenden und “politikverdorssen” sind. Ein Spiel voller Lügen und Intrigen und nur von den egoistischen Interessen der Akteure getrieben. Wie soll man da noch ersthast hoffen irgend ein Politiker irgendeiner Partei etwas zum Guten bewriken kann? Wie sollen Wahnsinnige den Wahnsinn beenden?

41) Bernhard Paul, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:30 Uhr

Das Dauerklischee der eiskalten, die Rivalen hinrichtenden Angela Merkel wird in den Beiträgen hier dauerbedient.
Man muss dann schon auf zwei Aspekte hinweisen:
1) Über Jahre hinweg ist Angela Merkel der Wille zur klaren Führung und zur Machtausübung abgesprochen worden. Sie galt als lau, unentschlossen, moderierend und sich letztlich dem Mehrheitswillen anschließend, aber alles andere als führungsstark. Nun ist sie es, und das Urteil fällt ins andere Extrem. Für mich war weder die frühere Beurteilung angemessen noch die jetzige.
2) Man muss ferner darauf hinweisen, dass sich einige von Angela Merkels “Rivalen” durchaus selbst erledigt haben: Wulff, Guttenberg, Koch, von Beust, sogar auch ihr ehemaliger unmittelbarer Kanzlerkandidatdauerivale Stoiber. Die “ganze schöne Blutspur, dagegen war Kohl harmlos” (@2 Stefan P.) rührt also nicht von Angela Merkel her.

Im übrigen trifft Ihr Sprachbild von dem Schlitten und den Wölfen, die ihr Opfer fordern, Herr Spreng, eindeutig nicht so gut wie jenes im vorhergehenden Beitrag vom “Dummen August”: Mutti wird ihm (Röttgen) nicht vergessen, dass er sie in in die Mithaftung genommen hat (NRW-Wahl als Abstimmung über Muttis Europa- und Fiskalpolitik). Quod erat demonstrandum!

42) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:38 Uhr

@16) Mark

Auf “meinen” Peter Altmeier lasse ich nichts kommen! Der gehört für mich zu den letzten Berufs- und Charakter-Loyalen, die es in jeder Partei geben muss! In der SPD wäre früher so einer mit dem Ehrentitel Kärrner bedacht worden. Und dafür, dass er stets als letztes Aufgebot geschickt wurde, die Sch… anderer auf allen Talkshow-Sesseln dieser Republik in Gold verwandeln zu sollen, ist dieser Typ für mich trotzdem ein aufrichtiger Kerl: Dem sah man immer sofort an, dass er mitnichten selbst glaubte, was er da jeweils gesagt hatte. Für einen Ja-Sager nicht als Funktion, sondern als Charakter halte ich ihn keinesfalls. Für diese Spezies sind tumbe, leblose Typen wie Kauder zuständig. Auch wenn alle die triefend-huldigenden Charaktervermutungen, mit denen Herr Spreng neulich den Kubicki zusch…äh, zuschüttete auf Altmeier Gott sei Dank garantiert nicht zutreffen, halte ich ihn für einen völlig unterschätzten, blitzgescheiten Vollblutpolitiker, der noch dazu als einer der ganz Wenigen die Gabe des Zuhörens besitzt. Amen.
Aber Umweltminister?!?

43) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 17. Mai 2012, 15:15 Uhr

@28/Stefan P
Frau Höhler wies bei “Anne Will” aber auch darauf hin, wie bspw. Frau Kraft den NRW-Wahlkampf weitgehend entpolitisiert hat und damit reüssierte. Die von ihnen (zu Recht) gesehene Entpolitisierung ist also keine Spezialität von Frau Merkel.

44) Günter Springer, Donnerstag, 17. Mai 2012, 17:39 Uhr

… und wer bleibt übrig um die Frau Merkel zu entlassen? Was nach meiner Meinung längst überfällig ist?
Wer regiert denn da oben überhaupt noch, ich vermute mal die Pillendreher im Hintergrund.
Starke Frau, das ich nicht lache!

45) S1, Donnerstag, 17. Mai 2012, 18:09 Uhr

Sorry Herr Spreng, aber diesen Kommentar mit einer Schlittenfahrt zu beginnen, bei der Ballast abgeworfen werden müsse, passt hier ja überhaupt nicht. Sind nun weniger Minister im Kabinett? Wurde das Kabinett verkleinert? Es wurde ein Mittelgewicht sogar gegen ein Schwergewicht substituiert.

46) Rischeck, Donnerstag, 17. Mai 2012, 18:47 Uhr

Interessant, dass die Online-Redaktionen von SPIEGEL und FAZ noch über eine halben Stunde nach Merkels Pressekonferenz an der Rücktritts-Version festhielten. Siehe http://www.reklamehimmel.de

47) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 17. Mai 2012, 19:38 Uhr

@26)Stefan P.
^^Bei der Höhe des Hartz-IV-Satzes geht es um eine Sachentscheidung gemäß dem Grundgesetz unter Berücksichtigung unterschiedlicher Ziele.^^
…und deshalb ist er dem Bundesverfassungsgericht zum wiederholten Mal zur Entscheidung vorgelegt worden.

^^verfassungsrechtliche Kategorie.^^
Was ist denn das für´n Ding? Erklären Sie mal, wann eine “Kategorie” sozusagen “verfassungsrechtliche” Bedeutung hat und wie der Begriff “Kategorie” sich juristisch, bzw. verfassungsrechtlich als juristischer Terminus Technikus einordnen lässt.
MfG

48) Klaus Preschle, Donnerstag, 17. Mai 2012, 20:17 Uhr

Befreiungsschlag? Sie bringt im eigenen Laden auch noch den letzten Gutwilligen gegen sich auf.
Seehofer ist Röttgen (wahrscheinlich zurecht) gegen das Schienbein getreten, aber er hat den Ball vor allem auf das Tor von Merkel gedräscht indem er richtigerweise einfordert, dass “Berlin besser werden muss”.
Wie wahr! Am Wahltag wurde wie immer sonntags eine Emnid Umfrage für den Bund veröffentlicht:
Union 34%, heißt auf NRW umgerechnet ca. 32% plus 4% FDP, also 36% für die Koalition in NRW im Falle einer Bundestagswahl für Merkel/Rösler. Röttgen/Lindner brachten es bei der Landtagswahl auf 34,9%.
Das ist kein Grund für Berlin, sich aufs hohe Ross zu setzen. Bei einer Bundestagswahl (also bei einer Abstimmung über Merkels Politik) hätte NRW am vergangenen Sonntag das selbe politische Ergebnis hervorgebracht. Die günstige Verteilung zugunsten FDP wird Merkel wohl nicht kritisieren wollen – so war es bei der Bundestagswahl 2009 ja schließlich auch. Dass also die Probleme der Union in Röttgens Kampagnenfehler in NRW liegen sollen ist wenig überzeugend. Sein Rauswurf ist ein Ablenkungsmanöver.

49) jens, Donnerstag, 17. Mai 2012, 20:28 Uhr

Herr Spreng, Sie schreiben von “Befreiungsschlag”, “die letzten Reserven an die Front” und “Endkampf”. Haben Sie oft Wickis “Die Brücke” gesehen aber nicht kapiert oder das lächerliche Werk “Der Untergang” zu oft bewundert? Guido Knopp grüßt aus dem Jenseits.
Oder ist Ihre Generation einfach nur wurzellos…? W.Schäuble hat in einem wachen Moment Gutes dazu gesagt!

50) Erika, Donnerstag, 17. Mai 2012, 20:42 Uhr

Ach, sieh mal da, da ist ja die passende Umfrage zum Meinungsbild

Am 16.5.2012 veröffentlicht das Politbarometer eine neue Umfrage.

Eine Frage lautet:

Wer sollte Kandidat der SPD werden?

Kraft / Steinbrück / Steinmeier / Gabriel / weiß nicht

dann wird das Ganze aufgeschlüsselt in SPD-Anhänger

Frau Kraft hat sich klar und deutlich dafür ausgesprochen, dass sie in NRW bleibt, steht also defacto nicht zur Auswahl.

Was ist der Sinn dieser Umfrage?????

Da kann die SPD ja richtig froh sein, dass sie noch keinen designierten Kandidaten hat.
Was für ein Ergebnis hätte dieser kurz nach der Wahl im Vergleich zu Frau Kraft erhalten?

51) Erika, Donnerstag, 17. Mai 2012, 21:17 Uhr

und nicht zu vergessen, die wöchentliche Meinung von Herrn Güllner:

“2012 wird Angela Merkel jedoch viel mehr Anerkennung entgegengebracht als Kohl 1986/1987. Viele, die 2012 in NRW Hannelore Kraft sympathischer fanden als Norbert Röttgen, wollen Angela Merkel 2013 als Kanzlerin behalten und keinen Politikwechsel in der Republik.

NRW kann insofern nicht als kleine Bundestagswahl oder ein Signal für den Ausgang der Wahl 2013 interpretiert werden. Es war eine Landtagswahl, bei der die Wähler die Parteien an Rhein und Ruhr und nicht die Parteien auf Bundesebene bewertet haben.”

Wie bereits geschrieben, Angela Merkel war zwar viele Male im Wahlkampf unterwegs, aber man muss wissen Angela Merkel brachte bisher nur “Glanz”. Wir werden sehen, ob sich dies ändert.

52) Don Corleone, Donnerstag, 17. Mai 2012, 21:27 Uhr

Die Kanzlerin ist klug genug, um zu wissen, dass die aus missglückter Wahltaktik (denn Ba-Wü ging postwendend verloren) ausgerufene Energiewende gescheitert ist: Zu exorbitant sind die Kosten für Bürger, Industrie, Arbeitplätze — aber auch für die Verschandelung der Umwelt, die zu schonen ja der ganze Hype aufs Podest gehoben wurde. Vorgeblich.

Röttgens Abschaltung wird das Dilemma nicht beheben, seiner Chefin aber ein wenig Luft zum Atmen verschaffen. Sein Nachfolger kann nur die Trümmer dieser fehlgeleiteten, populistischen Ausbeutung der japanischen Naturkatastrophe, behutsam entsorgen. Mehr, aber auch nicht weniger, ist zur Zeit nicht drin. (Wir wollen auch nicht vergessen, dass die CO2-Lüge, die Grundlage all der sinnlosen Geldverschwendung, durch Publikationen glaubwürdiger Wissenschaftler, die den IPCC-Lobbyisten weit überlegen sind, prakisch täglich entlarvt wird.

All dies ist auch an Frau Merkel nicht vorübergegangen. Sie mag langweilig sein, ihre Sprechblasen zum unaufhaltsamen Scheitern der Gemeinschaftswährung bräsig — aber dumm ist diese Kanzlerin mit Sicherheit nicht. Sobald sie sich auf das Wohl der ihr anvertrauten Schäfchen, der Bürger Deutschlands, besinnt und ihre politische Karriere dafür aufs Spiel setzt wie einst Margaret Thatcher für die Briten, kann sie eine große Kanzlerin werden. Aber der letzte Kick fehlt ihr noch. (Was großtelis an der EU-Morbidität liegt, die jeden Leichernbestatter überfordern würde.)

P.S.; Ich finde das Posting von
37) Erika, Donnerstag, 17. Mai 2012, 13:43 Uhr
entspannt, klug und bemerkenswert.
Herzliche Grüße!

53) Bernhard Paul, Donnerstag, 17. Mai 2012, 22:25 Uhr

@32) Erika

Sie heben in einem langen Beitrag auf die angebliche Beliebtheit Angela Merkels ab. Dieses positive Stimmungsbild werde in den Medien so verbreitet.

Dazu habe ich ein andere Wahrnehmung. Als beliebt oder populär oder hin und wieder als die mächtigste Frau der Welt wird Angela Merkel vom Ausland aus gesehen. Dieses Bild wird in der Tat in den Medien verbreitet, aber eben als Auslandssicht.

Inländisch gilt Angela Merkel allenfalls als respektiert oder auch mal als kompetente Sachwalterin in heiklen politischen Zusammenhängen. Im übrigen hat sich Angela Merkel den Status des Repekts erst als Krisenmanagerin der diversen Finanz-, Euro-, Griechenland- und sonstigen Krisen erworben. Bis dahin galt sie als Kanzlerin, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist, sondern den Weg des geringsten Widerstands geht. Die Männermordende, wie immer wieder klischeehaft wiederholt wird, war sie allenfalls zu Anfang, als sie den Friedrich Merz zur Seite räumte. Die vielen anderen, die ihr angehängt werden, haben sich doch selbst erledigt, sicher vielleicht aus deshalb, weil sie an dem Alphablock Merkel zerschellten.

54) Bernhard Paul, Donnerstag, 17. Mai 2012, 22:44 Uhr

@37) Erika

Das Duell von 2005, Schröder-Merkel, das Sie ansprechen, hat exorbitant gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, was man sagt, sondern wie man sich darstellt. Das kann Ihnen jeder Kommunikationstrainer erklären. Das kann jeder im Selbstversuch feststellen, wenn er hin und wieder vor Publikum aufzutreten hat.

Einer, der völlig inhaltsleer ist, aber mit Witz und Charme parliert, hat 90 Prozent der Zustimmung im Vergleich zu jenem, der zwar Bedeutendes zu sagen weiß, aber es sachlich und spröde tut. Damit wissen Sie, warum im Fernsehduell das überlegene, aber leere Haifischgrinsen haushoch gegen die ehrliche, aber langweilige Hausfrauenart gewinnt. Wenn sich also die Bürger ohne die Ziwschenschaltung seriöser Erklärer ihre Meinung bilden, sitzen sie leicht den Scharlatanen auf.

Das führt jetzt etwas weg von Sprengs Thema, aber ohne seriöse Medien kann sich ein Bürger definitiv keine seriöse eigene und tragende Meinung bilden.

55) JG, Freitag, 18. Mai 2012, 01:33 Uhr

@ 4) Peter Christian Nowak

Haben Sie das jetzt dem Kaffeesatz oder Ihren Hühnerknochen entnommen oder beruht es auf Überlegungen, die auch in Rechnung stellen, daß sich (nicht nur in Südeuropa) immer deutlicher die unvermeidlichen Folgen Brüningscher Politik zeigen und Griechenland, sollte die Neuwahl wieder nicht so ausgehen, wie es sich das Großkapital wünscht, demnächst mal eben unter EU-Zwangsverwaltung (am besten angeführt von einem deutschen Reichsverweser, denn wir kennen uns ja am besten mit Geld aus) gestellt wird? Oder was passiert, wenn aus Versehen selbst für den naivsten Konsumenten unserer unabhängigen Medien deutlich werden sollte, daß die ganzen Bemühungen um die “Rettung” Griechenlands (und anderer Länder) in erster Linie der Rettung bestimmter Gläubiger dienten, in zweiter Linie dem verbissenen Festhalten an der Zwangsvorstellung “Euro für jedes Land” und nebenher diverse der Schecks, die Deutschland ausgestellt hat, entgegen vieler Versprechungen eingelöst werden?

56) m.spreng, Freitag, 18. Mai 2012, 08:44 Uhr

@49 jens

Das ist mir später auch aufgefallen, leider zu spät. Mit diesem Vokabular habe ich mich sprachlich verirrt. Es ist normalerweise nicht meine Sprache.

57) Frank Reichelt, Freitag, 18. Mai 2012, 09:04 Uhr

@ 49) jens

Also “Befreiungsschlag” ist ja wohl politisch korrekt und nicht zu beanstanden.

58) Erika, Freitag, 18. Mai 2012, 09:31 Uhr

@ 52) Don Corleone

Vielen Dank für die Grüße

Um nicht in den Ruch zu kommen mich mit fremden Federn zu schmücken.
Dies ist nachzulesen unter:

http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=91

Viele Grüße

Erika

59) Frank Reichelt, Freitag, 18. Mai 2012, 09:50 Uhr

In den vielen Kommentaren nach der Röttgen-Entlassung wird Frau Merkel jetzt als eiskalt, Kanzlerin Gnadenlos, Schwarze Witwe u.ä. beschrieben.

Aber, was hätte sie denn machen sollen?

Sie hat erkannt, dass Röttgen eine “lame Duck” ist, mit der die Energiewenden nicht umzusetzen ist. Wie in solchen Fällen üblich, wird dem Delinquenten der Rücktritt nahe gelegt, beide treten vor die Presse, danken sich gegenseitig für die geleistete Arbeit und das Vertrauen und wünschen sich weiterhin alles Gute!

Röttgen zeigte sich aber bockig und uneinsichtig, wollte partout nicht freiwillig zurücktreten. Hätte Frau Merkel dann sagen sollen: ” Na gut Norbert, wenn du nicht zurücktreten willst, dann bleibste eben Umweltminister, ich habs wenigstens mal versucht”.
Zur Wahrung ihrer Autorität musste sie zum Bundespräsidenten gehen und ihm die Entlassung Röttgens vorschlagen. So stehts im Grundgesetz, auf das wir ja, zu Recht, so stolz sind.

Endlich mal eine “ehrliche” ungeschönte Entlassung ohne dieses sonstige Schmierentheater!

60) Erika, Freitag, 18. Mai 2012, 10:08 Uhr

@54)Bernhard Paul

” Damit wissen Sie, warum im Fernsehduell das überlegene, aber leere Haifischgrinsen haushoch gegen die ehrliche, aber langweilige Hausfrauenart gewinnt. Wenn sich also die Bürger ohne die Ziwschenschaltung seriöser Erklärer ihre Meinung bilden, sitzen sie leicht den Scharlatanen auf.”

Deutschland ist ein freies Land und jeder darf seine Meinung haben und äußern.

Wir wissen inzwischen alle, dass Frau Merkel perfekte Rouladen macht und leckeren Pflaumenkuchen backt (übrigens sehr geschickte Imagepflege) aber bitte lassen Sie die Hausfrauen da raus.

Ich hoffe, dass die “ehrlichen aber langweiligen Hausfrauen” mehr Verständnis von einem Rechtsstaat haben, als jemand, der aus dem Kanzleramt heraus und Vorsitzende einer C-Partei in die Kameras verkündet: “Ich freue mich, dass es gelungen ist, Osama Bin Laden zu töten.” Übrigens, auch diesen Satz durfte Angela Merkel so gut wie unwidersprochen sagen.

Schönen Tag noch und weiterhin viel Freude mit den ” seriösen Erklärern”.

61) Michael H., Freitag, 18. Mai 2012, 12:50 Uhr

Mittlerweile wird klar, inwiefern Merkel und Seehofer auf Röttgen eingewirkt haben, er solle doch klar und deutlich sagen, dass er IN NRW bleibt – auch im Falle einer Niederlage. Das Ganze sollte ein Trick sein. Merkel wollte ihn dann, wenn er erwartungsgemäß die Wahl in NRW versemmelt hat, nicht gehen lassen, wollte dann erklären, er sei zu wichtig für die Energiewende, um ihn als Oppositionsführer in NRW zu “verschwenden”. Röttgen wollte diesen kalkulierten Wählerbetrug nicht mitmachen und hat sich für die (etwas!) ehrlichere Variante entschieden: sich gar nicht festlegen. Wenn das so stimmt, was ich für durchaus wahrscheinlich halte, dann ist das massiver Betrug. Merkel hatte vor, das Wahlvolk zu belügen. Ein noch viel krasserer Betrug als damals der von Frau Ypsilanti, denn die war vor der Wahl wahrscheinlich wirklich überzeugt, dass sie nicht mit den Linken zusammenarbeiten würde. Frau Merkel dagegen hat den Wählerbetrug als Trick bewusst VOR der Wahl abgesprochen.
Das zeigt einmal mehr, welch Geistes Kind diese Frau ist. Die Wahrheit zu verschweigen ist eine weitverbreitete Unsitte in der deutschen Politik. Aber bewusster, geplanter Wählerbetrug, eiskalt eingesetzt zur Stärkung der eigenen Position – wer sowas macht, ist für ein hohes Staatsamt untragbar. Nachträglich meinen Respekt für Herr Röttgen, der sich auf dieses schmierige Spielchen nicht einlassen wollte.

62) Peter Christian Nowak, Freitag, 18. Mai 2012, 13:28 Uhr

55) JG,

Entschuldigung, aber Sie rennen bei mir offene Türen ein. Ich habe niemals behauptet, dass die ausschließliche Austeritätspolitik der Regierung Merkel der Stein der Weisen ist. Im Gegenteil, ich streite für eine in wesentlichen Teilen gänzlich andere Politik. Dazu gehört auch eine Wirtschafts- und Finanzpolitik, die nicht von den internationalen Finanzmärkten bestimmt wird. Was damit gemeint ist, kann man bei denkenden Wirtschaftsfachleuten nachlesen, denen ich mehr Zutrauen habe, als in die Entscheidungen der Regierungsnomenklatura, die den Karren an die Wand fährt. Brüning ist und bleibt für mich ein Graus! Kann es sein, dass Sie jemanden anderes verhauen wollten?
Ich bin unschuldig (grins).

63) Peter Christian Nowak, Freitag, 18. Mai 2012, 14:31 Uhr

60) Erika, 53) Bernhard Paul,

Herr Paul, ich stimme Ihnen im Wesentlichen zu. In der Tat spielen Imagepflege und Image-Creating in der modernen Mediendemokratie eine wichtige Rolle. Heute werden Personen in der öffentlichen Meinung zur Kanzlerin gekürt (Frau Kraft in Meinungsumfragen) ohne sich die Kompetenzen näher zu betrachten. Ich beklage das auch. Das Thema war auch schon hier im Sprengsatz durch..
Aber auf die Dauer funktioniert das offenbar nicht. Ex-Schröder half es zum Schluss nichts bei Pils und Currywurst abgelichtet zu werden und hat so ziemlich alle Landtagswahlen verloren, die zu verlieren waren. Letztlich gilt nur das, was “hinten rauskommt”.

64) FF, Freitag, 18. Mai 2012, 17:21 Uhr

“Im alten Russland galt die Regel: Wenn die Wölfe näher kommen, muss einer vom Schlitten.”

Herr Spreng, woher haben Sie diese Weisheit? Ich vermute von Jules Verne, Der Kurier des Zaren. Hab’ ich recht?

Trotzdem – natürlich ein sehr schönes Bild. Hoffentlich nützt dieser “Trick” der (ach so “christlichen”!) Schlittenlenkerin nichts.

65) Rudolph Zeinhofer, Freitag, 18. Mai 2012, 18:42 Uhr

Herr Spreng, Ihre Analysefähigkeit flacht ab. Politik ist Management, Management ist u.a. auch Härte und kompromisslose Rigorosität. Eiertänzer Röttgen kann diesen Spagat nicht. Sein Fokus ist der persönliche Vorteil. Das widert die Menschen nachhaltig an. Diese grundlegende Thematik bleibt bei Ihnen völlig außen vor, obwohl sie ursächlich für diesen wahlseitigen Rohrkrepierer der CDU ist. Und für den politischen Exitus des Herrn Röttgen, der unbedingt glaubte, der Kanzlerin die Stirn bieten zu müssen? Die Selbstüberschätzung eines Uncharismatischen.
Röttgen nimmt Merkel für seinen „Erfolg“ in die Pflicht und demonstriert machtpolitische Unbedarftheit in Reinkultur. Abgesänge und Zorn an der Kanzlerin sind zwar verständlich, werden aber der Situation in keiner Form gerecht. Wie dummdreist muss jemand sein, zu glauben dass sich Frau Merkel von ihrem Minister vorführen lässt? Will eine politische Schwachbrust die studierte Physikerin Merkel darin belehren, wie diese Welt funktioniert? Ihre Liste politischer Kastraten zeigt, dass ihr im Ernstfall keiner gewachsen ist. Schließlich hat sie bei Kohl gelernt. Wenn Merkel geht, zerfleischt sich die CDU. Das ist das einzige, was ich hier mit Wölfen assoziieren kann. Aber das alleine würde wiederum dieser intelligenten Spezies nicht gerecht.

66) Winfried, Freitag, 18. Mai 2012, 20:57 Uhr

Bankenrun in Griechenland und wir reden über diese Pappnasen, die alle den Euro wollen, nun denn alles klar auf der Andrea Doria!

67) JG, Freitag, 18. Mai 2012, 21:38 Uhr

@ 56) Herr Spreng

Och nö, Herr Spreng, ich finde das schon ein sehr schönes, weil treffendes Bild: Mutti wirft die letzten Reserven an die Front, denn für sie ist es Sommer 1918 oder Herbst ‘44. Wenn auch Niedersachsen wieder an Rot-Grün fallen sollte (und die FDP dort aus dem Landtag fliegt, weil sie keinen Zampano à la Lindner oder Kubicki aufbieten kann), ist es Februar. Februar 1945.

68) JG, Freitag, 18. Mai 2012, 22:04 Uhr

@ 62) Peter Christian Nowak

Ich zweifle nur, daß sich jetzt schon sagen läßt, ob Mutti Ende 2013 noch Kanzlerin sein wird. Bis dahin kann nicht nur, sondern wird wahrscheinlich noch viel geschehen.

Doch wer weiß: Vielleicht wird dann ja auch gar nicht mehr gewählt. Wieviel Wert gewisse Kreise der von ihnen in Sonntagsreden so gern beschworenen Demokratie mit all den schönen Bürgerrechten noch beimessen, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen, ist ja dieser Tage in Frankfurt am Main eindrucksvoll zu erleben.

69) dr.friedrich schreyer, Montag, 21. Mai 2012, 08:50 Uhr

Es geht um die Energiewende! Es geht um die Rolle Rückwärts hinsichtlich des Atomausstiegs!

Röttgen ist stellv.CDU-Vorsitzender, war CDU-Vorsitzender NRW – er war der Vorzeigeminister – das kann doch von heute auf morgen nicht komplett anders sein!

Die CDU NRW hat auch, aber nicht nur wegen Röttgen verloren.

Am peinlichsten war die Situation, als Röttgen sagte, es ginge auch um eine Abstimmung über die Euro-Politik, um Merkel!

Warum war das schlecht – alle Medien posaunen doch seit Ewigkeiten, wie beliebt die Kanzlerin ist, wie beliebt die Bundespolitik ist, wie sagenhaft unser Land dasteht! Warum ein solcher Schock bei der Union – absolut nicht verständlich!!

In Wahrheit ist Merkels Politik nicht beliebt, in Wahrheit ist die CDU als Partei am Ende, weil sie keine Vorsitzende mehr hat, die demokratisch Entscheidungen vorbereitet, sondern nur nach dem Zufallsprinzip entscheidet und der Partei die Anweisung erteilt, sich durch Diskussionen ihrer Auffassung zu nähern.

Das ist ademokratische Politik! Und dafür bekommt die CDU seit 18 verlorenen Landtagswahlen die Quittung!!

70) der Herr Karl, Montag, 21. Mai 2012, 12:47 Uhr

Was macht eigentlich Frau Schavan?

71) 68er, Montag, 21. Mai 2012, 13:29 Uhr

Wenn Herr Röttgen in der Politik noch was werden will, muss er jetzt die Ochsentour machen und sein Landtagsmandat in NRW wahrnehmen. Von dort könnte er – wie dereinst Herr Rüttgers – seine Störfeuer in Richtung Kanzleramt schießen.

72) Robert Ping, Mittwoch, 23. Mai 2012, 19:19 Uhr

Für mein Dafürhalten ist Röttgen ein Bauernopfer. Er wurde entlassen, damit keiner auf die Idee kommt, die Merkel persönlich für die Wahlniederlage in NRW verantwortlich zu machen.
Der Vorwurf, er habe die Energiewende nicht entscheidend vorangebracht, ist in meinen Augen nicht stichhaltig. Es war die Merkel, die als Hauruck-Aktion die Energiewende in kürzester Zeit aus wahlpolitischen Gründen veranlaßte, gegen jedwede Vernunft. Daß das unvernünftig war, sieht man auch an den Schadensersatzklagen der großen dt. Stromversorger gegen den Staat, die völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden sind und, wie sich im Nachhinein herausstellt, große Investitionen getätigt haben, die sich nun im Licht der ausgerufenen Energiewende als Fehlinvestitionen herausstellen. Eine so umfassende Energiewende ist in so kurzer Zeit einfach nicht zu realisieren, völlig egal, wie der Minister heißt.

Der nun entlassene Röttgen hätte sich sicher von seiner Chefin auch mehr Rückendeckung als Minister erhofft, der Merkel fehlt wirklich die Empathie und das Einfühlungsvermögen. Sowas von eiskalt!
Ich denke nicht, daß Röttgen in der Politik keine Chance mehr hat. In einer Nach-Merkel-CDU wird er durchaus wieder politische Ämter übernehmen können.

@35) Mark und Erika
Ich wurde einmal abends von einem Meinungsforschungsinstitut angerufen auf dem Festnetz.

Die Merkel ist sicher deshalb so “beliebt”, weil man sie von morgens bis abends in vielen TV-Sendern sehen kann. Das nennt sich dann “Amtsbonus”.

73) Wilhelm, Mittwoch, 14. November 2012, 14:29 Uhr

Na hoffentlich gehen die bei dem Schlitten auch mal auf http://www.schlittenoutlet.de/

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