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Samstag, 19. Mai 2012, 12:34 Uhr

Die Christlich-Demokratische Merkel-Union

Die CDU ist eine arme Partei. Arm an Talenten, arm an Führungsnachwuchs, arm an innerparteilicher Diskussion. Sie ist nach sieben Jahren der Kanzlerin Angela Merkel eine verkümmerte Partei. Sie strahlt keine geistige Faszination aus. Sie ist unattraktiv für Menschen, die sich an Politik beteiligen wollen, die für ihre Ideen und Standpunkte kämpfen und sie durchsetzen wollen.

Die CDU lebt, aber sie ist tot zugleich. Die CDU lebt im Grunde nur noch für Angela Merkel. Sie könnte sich auch in Christlich-Demokratische Merkel-Union (CDMU) umbenennen. Früher, unter Helmut Kohl,  nannte man einen solchen Zustand Kanzlerwahlverein.

Es ist aber heute schlimmer als unter Kohl. Damals gab es noch Wolfgang Schäuble als Kronprinzen, in der Bundestagsfraktion und in den Ländern tummelten sich damals vielversprechende Talente wie Friedrich Merz,  Roland Koch, Christian Wulff, Ole von Beust, Jürgen Rüttgers, Günther Oettinger. Kohl hatte die Partei zwar geistig lahmgelegt, aber nicht personell.

Heute kommt nach Merkel das personelle Nichts. Die wenigen CDU-Ministerpräsidenten, die es noch gibt, sind allesamt politisch eine Nummer zu klein. Einige von ihnen müssen verzweifelt darum kämpfen, um überhaupt auf Landesebene noch bestehen zu können.

Danach, mit Ausnahme der überehrgeizigen Ursula von der Leyen, kommt nach Merkel die totale Mißfelderisierung der Partei. Politiker, die im Windschatten Merkels ein bisschen nach oben gesegelt sind, dabei aber ihr Profil (wenn sie es je hatten), ihren Mut, ihre Authentizität verloren haben.

Angela Merkel, für die Loyalität ihrer Gefolgsleute immer wichtiger war als deren Sachkompetenz und geistige Unabhängigkeit, hat sich eine Garde glattgeschmirgelter, abhängiger Politiker herangezüchtet, die ihr nützen, aber nicht gefährlich werden können. Norbert Röttgen war der letzte gefährliche Mann. Er hat sich aber, wie die meisten vermeintlich starken CDU-Männer, überschätzt und selbst gestürzt.

Andere wie Koch verzweifelten an der stoischen Machtausübung der Kanzlerin und gingen in die Wirtschaft, zogen sich ins Privatleben zurück wie Ole von Beust oder ließen sich wie Günther Oettinger nach Europa wegkomplementieren.

Die CDU darf sich aber nicht beschweren. Nicht Merkel ist verantwortlich an ihrem traurigen Zustand, sondern der mangelnde Mut, die mangelnde Diskussions- und Konfliktbereitschaft der Partei und ihrer Protagonisten. Sie haben jahrelang nicht aufbegehrt, wenn Wahlniederlagen nicht analysiert wurden, wenn Konflikte ausgesessen und wegmoderiert wurden, als die innerparteiliche Diskussion dahinsiechte.

Deshalb ist es zwar richtig, wenn ein Mann aus der zweiten Reihe wie Wolfgang Bosbach eine Kursdebatte sowie eine nüchterne und gründliche Analyse des Wahldesasters von Nordrhein-Westfalen fordert. Es ist aber naiv zugleich. Denn dafür gibt es keine potenten Mitstreiter mehr. Bosbach kommt mit seiner Forderung ein paar Jahre zu spät. In der CDMU sind nüchterne Analyse und Debatten nicht mehr vorgesehen.

Frau Merkel muss das persönlich alles nicht beunruhigen. In der CDMU gibt es nur noch Merkel. Sie hat es geschafft: Sie ist alternativlos. Ihre Macht ist uneingeschränkt. Cool zieht sie ihre Bahn.

Merkel ist auf dem Zenit und ihre Partei fast unter der Erde. Die Restbestände sind Merkel für 2013 auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und die CDMU kann 2013 vielleicht sogar noch einmal siegen, sich in eine große Koalition retten.  Die CDU aber bleibt auf der Strecke.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

84 Kommentare

1) Michael H., Samstag, 19. Mai 2012, 13:15 Uhr

Diesem Kommentar muss man zu 100% zustimmen. Man stelle sich mal vor, Frau Merkel stößt mal irgendetwas zu (was ich ihr natürlich – bei aller Kritik – nicht wünsche). Dann rutscht die Union in den 20% Bereich ab. Und da gehört sie eigentlich auch hin. Eine Partei, die sich auf Gedeih und Verderb einer einzelnen Person ausliefert, einer Person zumal, die kein Programm, keine Ziele, keine Ideale, kein “Feuer” hat… eine solche Partei hat es nicht verdient, gewählt zu werden.

2) Mark, Samstag, 19. Mai 2012, 13:39 Uhr

Ui, toller Kommentar. Jedes Wort ein Treffer. Jeder Satz ein Kübel Häme für eine Partei, die unter Kohl wenigstens noch gewisse konservative Werte hatte und für die soziale Marktwirtschaft eintrat. Unter Merkel ist auch noch dieser letzte Rest an “Markenkern” verloren gegangen. Die Partei verbiegt sich kritiklos im Takt der Kanzlerin. Stramme Parteisoldaten verteidigen auch den letzten Unsinn, beschimpfen die wenigen Aufrechten, die noch verblieben sind und schämen sich noch nicht mal dafür.

Es bleibt: Eine gigantische Lücke im liberal-konservativen Spektrum. Vielleicht können Sie im nächsten Kommentar mal beleuchten, was aus Ihrer Sicht eine Partei tun oder können müsste, um dieses gewaltige Vakuum anzuzapfen? Fänd’ ich spannend.

3) Malte Steckmeister (@Stecki), Samstag, 19. Mai 2012, 13:49 Uhr

Die CDU ist nun endgültig rest- und erbarmungslos der Beliebtheit, der Beliebigkeit und dem Belieben Merkels ausgeliefert.

4) Thomas Hillebrand, Samstag, 19. Mai 2012, 14:47 Uhr

Ich stimme Ihrer Analyse umfassend zu. Die Leiden eines aufrechten Konservativen (kein Gesülze!) werden aus Ihrer Feder, Herr Spreng, natürlich noch glaubhafter. Man nennt es ja üblicherweise abwertend “Krokodilstränen”, wenn das jeweils andere politische Lager zu gegebenem Anlass bekennt, wie wichtig doch die SPD oder in diesem Falle eine wertkonservative CDU fürs Gleichgewicht der Kräfte und politische Heimat vieler Bürger sei und wie schade oder sogar gefährlich, wenn sie sich dezimierten oder selbst unkenntlich machten und allen Lack verlören. Und doch ist es, Krokodilstränen hin oder her so, was die CDU betrifft! Ich brauche zwar keine griffbereite Cleenex-Packung, wenn ich an die CDU unter Merkel denke, aber richtig wohl kann selbst einem Linken dabei nicht sein.

5) Erika, Samstag, 19. Mai 2012, 14:50 Uhr

Schön, sind wir über den “dummen August” doch noch beim eigentlichen Thema angekommen.

Allerdings mit der CDU sollten sie nicht ganz so streng sein:

“Die CDU darf sich aber nicht beschweren. Nicht Merkel ist verantwortlich an ihrem traurigen Zustand, sondern der mangelnde Mut, die mangelnde Diskussions- und Konfliktbereitschaft der Partei und ihrer Protagonisten. Sie haben jahrelang nicht aufbegehrt, wenn Wahlniederlagen nicht analysiert wurden, wenn Konflikte ausgesessen und wegmoderiert wurden, als die innerparteiliche Diskussion dahinsiechte.”

Wer oder Was hätte daran etwas ändern können, bei der Unterstützung die Frau Merkel bis heute in einem Großteil der Medien hat?

Und mit Verlaub Herr Spreng auch von Ihnen: Darf ich Sie an ihren Artikel vom 6.5.2012 “Menschen machen Stimmen” erinnern?

“Für Angela Merkel ist das Ergebnis neutral, selbst dann, wenn es in Kiel für Rot-Grün plus SSW am Ende reichen sollte. Menschen machen Stimmen. Das gilt auch weiterhin für die populäre Kanzlerin. Ihr droht keine Gefahr aus den Bundesländern. Sie schwebt präsidial über den Parteiniederungen.”

Ich bin kein CDU-Wähler, aber ich hoffe, dass die Partei sich bald aus den Klauen von Frau Merkel befreien kann, weil Demokratie dringend Alternativen braucht und eine ausgewogene Berichterstattung.

Für mich wäre es Pressefreiheit, wenn man mal lesen könnte: Die Politik von “Frau Merkel ist wie ihre Kleidung – trotz Geld und Berater – uninspiriert wechselt permanent die Farbe und manchmal geht es zu dem am “guten Stil” vorbei.”

6) Ekkehard von Weiher, Samstag, 19. Mai 2012, 14:52 Uhr

Merkel -
allein zu Haus :
Innovatives Lernen
als Chance – Fehlanzeige !
Demokratie und Pluralismus ?
verkommen wegen Parteienklüngel
und vielbeschworener Alternativlosigkeit
zur bleiernen Polit-Farce Kohl’scher Dimension,
die mit den Forderungen eines Club of Rome von 1979
nach Antizipation und Partizipation längst abgeschlossen hat.

7) manni.baum, Samstag, 19. Mai 2012, 15:00 Uhr

eigentlich sollte man nicht die Partei sondern die 36 % Stammwähler für “geistig sehr arm” halten , Merkel hält sich nur über eigene Beliebtheit.

8) der Herr Karl, Samstag, 19. Mai 2012, 15:06 Uhr

“Die CDU lebt, aber sie ist tot zugleich”

Was habe ich geschmunzelt! Untote werden umgangssprachlich auch Vampire genannt. Sie ernähren sich vom Blut der Menschen (Bürger). Von Kannibalismus bei Vampiren war mir bisher nichts bekannt.
“Damals gab es noch Wolfgang Schäuble..” Auch er inzwischen ein Untoter. Bei ihm würde ich eher auf die Gattung der Wiedergänger tippen.

Vielleicht sollte mal jemand die Doktorarbeit der Gräfin Merkula unter die Lupe nehmen.

9) Horst Klohocker, Samstag, 19. Mai 2012, 15:15 Uhr

Gratulation, Herr Spreng! Sie haben voll ins Schwarze getroffen mit ihrem Bericht über die Christlich Demokratische Union. Von Union kann dabei schon lange keine Rede mehr sein, sondern viel mehr von einer „Ein-Frau-Show“!

Oftmals ist die einzige Option einen solchen Zustand zu ändern die Opposition. Doch wie lange eine Umgestaltung und eine personelle Erneuerung einer Partei dauern kann, das sieht man deutlich an der SPD nach der Ära Schröder. Noch immer ist das Vertrauen der Wählerschaft nach Hartz IV und der Liberalisierung für das Kapital nicht wieder her gestellt. Das kann also dauern und ich denke genauso ergeht es der CDU nach der Zeit mit „Angie“!

10) Mokanter Beobachter, Samstag, 19. Mai 2012, 15:23 Uhr

Nicht “Unsinn” trifft es, schließlich soll der Kommentar ja einen Sinn und Zweck verfolgen und ist auch nicht “dumm”.
“Durchaus falsch” nenne ich ihn.

Röttgen “entsorgte” sich nicht “selbst”, sondern wurde “entsorgt”.
Falls Merkel und die “alte Union”, sofern sie existiert, dereinst mal “weg sein” sollte, kann und wird er wieder kommen. Er ist kein Lügner und Betrüger wie Guttenberg. Wahlen verloren auch schon Andere.

Bosbach mag “aus der zweiten Reihe” sein, aber kaum ein Politiker äußert sich in den letzten Jahren so klar, deutlich und medial oft wie er.
Auch er steht nicht für eine “alte CDU”.

Wer “Ole von Beust” sagt, muss auch sagen, dass dieser mit “Konservatismus”, wie er im eigenen Buch selbst schreibt, nicht unbedingt viel zu tun hat. Muss nicht schlecht sein, sollte man nur wissen und merken. Er steht ganz sicher für eine “neue CDU”, die aber in bisheriger und “alter Basis” sicher nicht mehrheitsfähig ist. Das gestrige Phoenix-Interview sei stark anempfohlen.

Thomas de Maiziere nicht vergessen, Tanja Gönner, Kramp-Karrenbauer. Letztere beiden halte ich für “kommende Leute” in der CDU. Julia Klöckner und Kristina Schröder würde ich auch noch nicht abschreiben.

Also: Mal genauer hinsehen, da gibt es schon noch Leute. Wie in den anderen Parteien übrigens auch, wird nur seit Jahren übersehen bzw. absichtlich nicht thematisiert.

VG
Mokanter Beobachter (mokanterbeobachter.blogspot.com)

11) StefanP, Samstag, 19. Mai 2012, 15:41 Uhr

Die [] ist eine arme Partei. Arm an Talenten, arm an Führungsnachwuchs, arm an innerparteilicher Diskussion. Sie ist (..) eine verkümmerte Partei. Sie strahlt keine geistige Faszination aus. Sie ist unattraktiv für Menschen, die sich an Politik beteiligen wollen, die für ihre Ideen und Standpunkte kämpfen und sie durchsetzen wollen.

Diese Zustandsbeschreibung trifft derzeit unbestritten neben der Union (CDU und CSU zusammen) auch auf SPD und Linkspartei zu. Daneben werden die Grünen von diesem Problem der personellen Auszehrung öffentlicher Institutionen gestreift. All diese Parteien altern im Zeitraffer, die Sozialdemokraten und die Linke wollen ernsthaft Spitzenkandidaten nomminieren, die seit Jahrzehnten die politische Agenda bestimmen. Das scheint das Problem satuierter Wohlstandsdemokratien zu sein, erst existenzielle Krisen wie in Griechenland oder Spanien spühlen neue Politiker nach oben.

Dazu kommt, was die Tage ein Journalist in einem intelligenten Kommentar formulierte: Parteien verbrauchen sich im Regierungsgeschäft, personell und programmatisch. Das ist ja eigentlich auch der Sinn von Demokratie, dass der beste Ansatz und das beste Personal für eine bestimmte Zeit die Politik bestimmen bis sie verbraucht sind. Was Sie schreiben, Herr Spreng, wurde vor 20 Jahren während der Kohlzeit kommentiert und spätestens seit 2002 über die SPD Schröders. Die Sozialdemokratie hat sich bis heute nicht von der Auszehrung erholt, was mit Sicherheit daran liegt, dass ihr wie den genannten Parteien der Nachwuchs feht. Dagegen ist die programmatische Debatte in der FDP geradezu aufregend.

Schäuble war wie sich in der Rückschau herausstellte, zur damaligen Zeit ein Scheinriese, der warten musste, bis ihm die Macht herangetragen wurde. Überhaupt waren die CDU-Rebellen weitgehend politische Leichtgewichte, denen wie beispielsweise Ole von Beust der unbedingte Wille zur Macht abging. Roland Koch, der Talentierteste von allen, litt unter den Wirren seines Starts. Für die hessische CDU-Affäre war er nur am Rande verantwortlich, musste in der Öffentlichkeit aber die Verantwortung übernehmen. Darüber hinaus hat die damalige populistische Unterschriftenaktion sein Negativimage so determiniert, dass er nie ernsthaft als Kanzlerkandidat in Frage kam.

Merkel wird mit einer ausgelaugten Regierungsmannschaft möglicherweise nochmal 2013 gewinnen in einer historischen Ausnahmesituation. Ihre Partei wird jedoch mindestens zwei Legislaturperioden brauchen, um sich danach zu erholen.

Stefan Pietsch

12) rainer, Samstag, 19. Mai 2012, 15:49 Uhr

…..”tummelten sich damals vielversprechende Talente wie Friedrich Merz, Roland Koch, Christian Wulff, Ole von Beust, Jürgen Rüttgers, Günther Oettinger.”…

…mal laut gelacht….alles Typen, die weder Arsch noch Eier in der Hose hatten……..sonst hätte eienr mal den Suftsand gewagt…aber die hatten ja nur die eigene Tasche im Blick…..

13) M.M., Samstag, 19. Mai 2012, 16:12 Uhr

Die für mich wahre letzte verbliebene CDU-interne-Opposition sind die Mitglieder der CDU geführten Landesregierung im Saarland.
Die sogenannte katholische Frau KK als MP mit einem evangelischen südhessischen Saar CDU-Gesundheitsminister Storm (Ex Staatssekretär von Frau Schavan), der schon alles mögliche (Arbeitsministerium, Rentenministerium jetzt also Gesundheit, dazwischen noch Forschung) im CDU Betrieb erledigt hat. Und nun in Koalition mit Maas’-SPD.
Frau KK fordert den flächendeckenden! Mindestlohn und Herr Storm gibt aussen auf der Regierungsbank sitzend immer als einziger der CDU im Saar-Kabinett ordentlich Beifall.
Bundestagsmandat verloren – macht nix. Wäre Herr Storm noch in Berlin würde er Beifall wahrscheinlich gegen den flächendeckenden Mindestlohn klatschen.

CDU Rechenfehler in der Saar-Sparorgie werden nicht thematisiert sondern nur von Oskar L. enttarnt.
Nicht weiter schlimm, wen interessiert schon das Saarland. Aalglatt. Weiter gehts.

Herr Storm wurde vorher bereits von Frau vdLeyen in Berlin seiner Kompetenzen beschnitten. Jederzeit bereit über Südhessen, Saarbrücken wieder durch seine Telefonliste weiter aufzurücken. Hessen, Berlin, Saarbrücken, dazwischen noch den Bundespresseball besucht, damit der nächste Schritt kein Zufall wird. Und immer wieder in Amt und Würden bereit zum nächsten Coup. Er hält sich bedeckt. Windelweich aber noch da im CDU Ranking, ganz hinten zwar, aber wer weiss schon was passiert. Niemand.
Nur so ueberlebt man im Merkel Betrieb. Weiter so. Nicht jetzt schon outen. Durchhalten bis zum grossen Coup, in der “Nach-Merkel-CDU”.

14) Frank Reichelt, Samstag, 19. Mai 2012, 16:12 Uhr

Die Analyse ist richtig aber nicht neu. Schon nach dem Abgang von Roland Koch waren gleichlautende Kommentare zu lesen.

Jede Partei verschleißt sich in Regierungsverantwortung, auch Schröder hat nach seinen sieben Jahren ein paar politische Leichen und eine verstörte SPD hinterlassen.

Die Amtsinhaber scheinen ihren Eid ernster zu nehmen als ihnen im allgemeinen unterstellt wird. Erst das Land, dann die Partei! Nato-Doppelbeschluss, Agenda 2010, Atomausstieg, alles von Bundeskanzlern gegen die Beschlusslage ihrer Parteien durchgesetzt. Die Realität des Amtes ist härter als die wolkiger Parteiprogramme. Bisher haben alle Bundeskanzler zum Glück danach gehandelt.

15) nona, Samstag, 19. Mai 2012, 16:16 Uhr

Merklich-Undemokratische Christensimulation.

16) Oma Schmitz, Samstag, 19. Mai 2012, 16:29 Uhr

Wenn man erlebt, wie CDU-Funktionäre noch jeden Richtungswechsel schönreden, um im Gefüge der Partei nicht negativ aufzufallen, bekommt man als Westdeutscher eine kleine Ahnung davon, wie es in einer Eine-Partei-Diktatur zugegangen sein muß. Das Denken wird abgeschaltet, es mendeln sich nur die nach oben, die nicht durch Widerspruch auffallen.
Ob in diesem Führungsstil unbewußt mehr DDR-Geschichte drin steckt, als Frau Merkel vielleicht sogar selbst möchte?
(Nicht, dass es in anderen “Volks”-Parteien derzeit anders wäre)

17) Michael A. Nueckel, Samstag, 19. Mai 2012, 16:46 Uhr

Mit der Beschreibung kann ich leben, früher nannten wir das Kanzlerwahlverein. Und jetzt? Ist Merkel auf ihre Art die späte Rache der DDR an uns? Alle Kronprinzen gingen -nicht in das Gefängnis- sondern in die politische Verbannung. Wer bzw. was ist also Angela Merkel? Eine Bundeskanzlerin und gleichzeitig Vorsitzende der größten Partei im BTag o d e r eine bis in das Kanzleramt durchregierende Parteivorsitzende? … den Europäischen Rat als weiteren Machtzuwachs lasse ich hier außen vor.

18) Ulrich, Samstag, 19. Mai 2012, 17:06 Uhr

Abwarten, was sind die Alternativen? Sieht generell nch gut aus in unserer Parteienlandschaft.

19) Carsten Blöcker, Samstag, 19. Mai 2012, 17:16 Uhr

Merz, Koch, von Beust, Rüttgers usw., alle hat sie weggebissen. Eine starke Leistung? Für mich schon immer ein Armutszeugnis, wenn man keine starken Leute neben sich erdulden kann. Das wird sich rächen, schlimmer, das schadet der Partei, vor allem unserem Land.
@2)Mark: wie das Vakuum anzuzapfen? sehr gute Frage.
@Spreng: CDMU: auf den Punkt gebracht.

20) horst scharnhorst, Samstag, 19. Mai 2012, 17:21 Uhr

Wie Angela Merkel aus der CDU eine unter 20% Partei macht: Köln III 13,7% (Landtagswahl 2012), 17,6 Hamburg Mitte (Senatswahl 2011). In der ehemaligen CDU Hochburg Stuttgart stimmten mehr als 40% der Bürger für die Grünen. Nur 26,9 erreichet dort die CDU (Landtagswahl 2011). NRW ist kein Einzelfall. Es ist auch nicht Röttgen. Es ist Merkel, die die CDU zum Abgrund führt. Eine breite Strategie-und Personaldebatte in der CDU ist dringend notwendig. Aber wer könnte Merkel nachfolgen?

21) Panther, Samstag, 19. Mai 2012, 18:30 Uhr

Nicht nur in der Wirtschaft gilt: Bei der Führung ist es teiweise wie in der Landwirtschaft, nach der Monokultur folgt die Brache. Und von Führung versteht Frau Merkel nun wirklich nichts, sondern nur von Machterhalt. Sonst würde sie nicht zulassen, dass ihr Kabinett voller Schattengewächse dahin kümmert.

22) Don Corleone, Samstag, 19. Mai 2012, 18:46 Uhr

Eine Katharsis, eine Auszeit der Besinnung (auf die verlorene Identität) und Befreiung (von opportunistischen Apparatschiks, die nicht für, sondern von der Politik leben), hat noch keiner Partei geschadet. Eine Handvoll Oppositionsjahre wäre heilsam für die CDU, nicht minder für die FDP; denn Lindners NRW-Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Sosehr ich die real existierenden Folgen einer rotgrünen Regierungsperiode ablehne — ich wünsche sie der Bundesrepublik zu ihrer überfälligen Gesundung. Auch der Wähler wird dadurch den heilsamen Leidensdruck spüren, der die zwangsläufige Folge von Jahrzehnten der Wählerbestechung mit dem Geld ungeborener Generationen ist. Auch das verhängnisvolle, primitiv populistische Regieren nach wöchentlich wechselnden Meinungsumfragen könnte damit ein Ende finden.

Auch die dilettantische “Energiewende”, die Enteignung der Bürger durch eine “Klimaerwärmung”, die längst zur Abkühlung der Erde geworden ist, das Euro-Fass ohne Boden, der anbiedernde Kniefall vor dem Islam, der Quoten-Unfug … all dies und noch viel mehr könnte durch den Aufenthalt der C-Parteien und der FDP in einer Reha-Klinik der Wahrheit ins gnadenlose Licht der Realität gerückt werden. Lassen wir Rotgrün und die Linke ein paar Jährchen regieren, con brio!

Die können anschließend in die Reha, sobald C- und F-Genossen als geheilt entlassen wurden — was erst der Fall sein wird, wenn sie keine Genossen mehr sind, sondern sich auf die Wurzeln der freien und der sozialen Marktwirtschaft besonnen haben, ohne die Deutschland bald nur noch den PIIGS-Staaten das Wasser wird reichen können.

Bleibt nur noch die Anregung zu wiederholen, die
2) Mark, Samstag, 19. Mai 2012, 13:39 Uhr,
an Sie gerichtet hat, lieber Herr Spreng:

Es bleibt: Eine gigantische Lücke im liberal-konservativen Spektrum. Vielleicht können Sie im nächsten Kommentar mal beleuchten, was aus Ihrer Sicht eine Partei tun oder können müsste, um dieses gewaltige Vakuum anzuzapfen? Fänd’ ich spannend.

Ich auch.

23) Marita, Samstag, 19. Mai 2012, 18:47 Uhr

Ich habe schon lange den Eindruck, dass Merkel im Grunde in der falschen Partei ist. Sie wäre in der SPD besser aufgehoben gewesen. Ich glaube, sie ist nach der Wende nur deshalb nicht in die SPD eingetreten, weil ihr “sozialistisches” Trauma zu groß war. Eigentlich schade!

24) mambo, Samstag, 19. Mai 2012, 19:57 Uhr

und frau merkel wird an ihrem (euro)pa -pfusch zugrunde gehen ,
die einschläge kommen näher und bis 2013 werden die ersten
milliarden-rechnungen hier eingehen.
ihre bisherige leistungsbilanz ist ein einziges desaster,
ohne die springerpresse wäre sie längst demaskiert.

25) Dieter Carstensen, Samstag, 19. Mai 2012, 20:31 Uhr

DIE CDU? War da nicht mal was?

26) M.Hofmann, Samstag, 19. Mai 2012, 23:11 Uhr

Richtig, Herr Spreng.
Aber die Tragik für mich als Wähler ist doch, dass die SPD -mit Verlaub- genauso beschissen da steht. Wen präsentiert sie mir denn als Alternative?
Die beiden großen “Volksparteien” sind in einem jämmerlichen Zustand … ist die Alternative eine Koalition aus Grünen, FDP, Linke und Piraten? … das kann es wohl nicht sein.
Unsere politischen System braucht zwei große Parteien, die Alternativen bieten und damit Wähler eine Wahl lassen … wenn morgen gewählt wird, pardon Herr Bundespräsident, ich gehe nicht hin.

27) Christian Himberger, Sonntag, 20. Mai 2012, 00:13 Uhr

Und wen hat die SPD?

28) Claus Drullmann, Sonntag, 20. Mai 2012, 09:03 Uhr

Ich glaube nicht an Gott, dennoch hoffe ich, dass es einen gibt.

Möge er mich beschützen vor der CDSU!
Möge er mich schützen vor einer SPD, deren einzige Stärke die Schwächen der Wettbewerber ist!
Möge er mich vor Mitbürgern beschützen, die einer FDP immer noch “Welpenschutz” gewähren!
Amen und schönen Gruß!

29) PeterK, Sonntag, 20. Mai 2012, 10:13 Uhr

Volle Übereinstimmung, man hätte sogar noch mehr Schärfe rein bringen können/müssen.
Das diese Person (Kanzlerin mag ich sie gar nicht mehr nennen) immer noch die beliebteste Politikerin des Landes ist, zeigt aber auch wie weit die Verblödung unseres Volkes schon fortgeschritten ist.

30) Sabine Zielke-Esser, Sonntag, 20. Mai 2012, 13:10 Uhr

Das Bild rundet sich. Frau Merkel ruiniert mit ihrer Handlungsweise nicht nur ihre Partei, auch unser Land. Frau Merkel handelt aktiv – aber erst nach verpassten Gelegenheiten, ihr Timing ist katastrophal.

Nach Tschernobyl hat sie 25 Jahre gebraucht, um den Atomausstieg zu verkünden. Für eine Physikerin hat sie eine unfassbar lange Leitung. Bundespräsident Gauck hätte sie schon zwei Jahre früher haben können – und uns die Causa Wulff erspart. Herr Roettgen hätte VOR dem Wahlkampf in NRW sein Amt niederlegen müssen. Entweder Bundesminister in Berlin oder Spitzenkandidat in Düsseldorf. Und wenn er das nicht begriffen hätte, wäre es Sache der Kanzlerin gewesen, ihm das klarzumachen – vor zwei Monaten.

Und dann der Euro: Vor zwei Jahren wäre Gelegenheit gewesen, den Griechen ein Angebot zu machen, das sie nicht hätten ablehnen können: Raus aus dem Euro und wir helfen Euch mit Milliarden über die nächsten Jahre. Wie kann man es zulassen, dass ein Gesprenkel auf der Landkarte seit Jahren das gesamte Weltwirtschafts- und Finanzsystem am Abgrund hält – ohne absehbares Ende?

Ich vermute, dass der Kanzlerin in den nächsten Monaten der Wind so massiv ins Gesicht blasen wird, dass uns das alltägliche Bild der Tränensäcke und hängenden Mundwinkel erhalten bleibt. Eine Frage zum Schluss: Was macht eigentlich die Opposition daraus?

31) dado, Sonntag, 20. Mai 2012, 13:50 Uhr

Die CDU ist unter Merkel eingeschlafen, aber nicht tot. Das ist immer noch ein signifikanter Unterschied. Sollte die Wahl 2013 für die CDU verloren gehen, wäre dieses der richtige Zeitpunkt für einen Neuanfang, um nach der Wahl mit neuen Gesichtern und neuer Dynamik eine effiziente Oppositionsarbeit zu leisten. Dieses wird jedoch nicht passieren, da die SPD genau diesen Neuanfang verschlafen hat und nun mit den heiligen drei Königen Steinmeier, Gabriel und Steinbrück keine wirklichen Konkurrenten für Merkel ins Rennen um die Kanzlerschaft schickt. Hier täte der SPD eine Hannelore Kraft sicher gut. Merkel wird dies freuen. Sie wird ihre Partei auch nach 2013 weiter lahmlegen. Als Regierungsgrundlage wird dieses hilfreich sein, für den innerparteilichen Diskurs sicher nicht. Nur es bleibt die Frage, was man lieber möchte: Regieren oder einen anständigen innerparteilichen Diskurs führen, aber dabei auf der Oppositionsbank sitzen? So läuft es nun mal.

32) Doktor Hong, Sonntag, 20. Mai 2012, 13:59 Uhr

Mißtfelderisierung der CDU? Keine Hüft-OP’s für ältere Menschen, Zweiklassen-Wahlrecht gegen Rentner und ALG2-Bezieher?

Es spricht in der Tat Bände über die CDU, dass so jemand im Bundestag abhängt.

33) Doktor Hong, Sonntag, 20. Mai 2012, 14:07 Uhr

@ 23) Marita

Nein, sie erblickte in der CDU die größeren Karrierechancen. Zu recht, wie man konstatieren muss.

Wenn man sich mal anschaut, wer die SPD in den frühen 90er Jahren angeführt hat: Lafontaine, Scharping. Dass Merkel sich diesem Laden nicht angeschlossen hat, kann man irgendwie verstehen.

Es kann auch sein, dass die Tatsache, Pfarrerstochter zu sein, nicht komplett ohne Einfluss gewesen ist.

Erst mit Schröder kam ein Kandidat, der mehrheitsfähig war. Damit meine ich in ganz engem Sinne: Jemand, der eine Mehrheit der Wähler überzeugen konnte. (So ein bisschen im Sinne von “Menschen machen Stimmen”, um mal ein Bonmot unseres Blog-Hostes zu gebrauchen. ) Da war Merkel aber schon fest in der CDU integriert.

34) Frank, Sonntag, 20. Mai 2012, 19:47 Uhr

Ein herrlicher Kommentar, Herr Spreng. Man könnte den Aufzug mit weiteren Rollen komplettieren: Den CDU-Wölfen, die ihre vorrangige Aufgabe darin sehen, von keinem Schaf gebissen zu werden.

35) Gustav Wako, Sonntag, 20. Mai 2012, 19:50 Uhr

Sie haben Recht Herr Spreng, aber diese Auszehrung der politischen Klasse scheint mir kein CDU Phänomen zu sein. Suchen Sie doch mal in SPD, FDP, Linke, Piratenpartei nach Köpfen, denen es zuzutrauen ist, die entscheidenden Zukunftsfragen mitzugestalten. Sei es im Diskurs oder in praktischer Regierungsarbeit. Diese Liste ist erschreckend kurz.

Mir graust vor dem Zeitpunkt, wo sich Merkel und Schäuble aufs Altenteil zurückziehen. Man kann nur beten, dass sich die Eurozone bis dahin wieder in ruhigerem Fahrwasser befindet.

36) Erwin Gabriel, Montag, 21. Mai 2012, 09:41 Uhr

@ 12) rainer, Samstag, 19. Mai 2012, 15:49 Uhr

>>> …..”tummelten sich damals vielversprechende Talente wie Friedrich Merz,
>>> Roland Koch, Christian Wulff, Ole von Beust, Jürgen Rüttgers, Günther Oettinger.”…

> …mal laut gelacht….alles Typen, die weder Arsch noch Eier in der Hose hatten
> ……..sonst hätte eienr mal den Suftsand gewagt…aber die hatten ja nur die
> eigene Tasche im Blick…..

Merz, Koch, Wulff, von Beust, Rüttgers, sogar Oettinger – jeder von denen hat extrem lichte Momente und bockstarke Auftritte gehabt (natürlich auch teilweise erhebliche Schwächen). Aber “nur die eigene Tasche im Auge” trifft nicht mal auf Wulff zu.

Wie auch immer – wenn für Sie nur der zählt, der sich in innerparteilichen Machtkämpfen zerfleischt, dann haben Sie ja noch die Linke. Da gibt es noch genug Typen, die die von Ihnen beschriebenen Kriterien für “Arsch und Eier” erfüllen. Mir scheint nur, da fehlt es dann weiter oben, so zwischen den Ohren. Aber man kann nicht alles haben….

37) Thomas Angler, Montag, 21. Mai 2012, 10:32 Uhr

“Kohl hatte die Partei zwar geistig lahmgelegt, aber nicht personell.” – Da musste ich laut lachen. Weil irgendwie war das damals doch schon so schlimm, dass man weinen musste. Und jetzt diesen Zustand unter den Vorzeichen “damals war’s besser” lesen zu müssen ist schon sehr bitter. Aber wahr!

38) Michael A. Nueckel, Montag, 21. Mai 2012, 11:27 Uhr

@ Doktor Hong, 33)
Richtig, denn warum sollte sie 1989/90 mit Blick auf die dt. Einheit schon wieder -als SPD-Mitglied- in die politische Opposition gehen? Die Union besaß damals einen ungleich größeren Charme (inkl. Kanzler-bonus). Die ersten Wahlen mit vier CDU-Ministerpräsidenten in fünf Ländern sowie die Volkskammerwahl waren insoweit recht deutlich.

@ Marita, 23)
Ihre “Trauma-Einschätzung” kann zutreffen, nur wie weit hätte sie es in der SPD -wenn überhaupt- nach oben geschafft? Nachwirkungen der (politischen) Sozialisierung in der DDR möchte ich keineswegs ausschließen. Mitunter setzt sich das in ihrem Regierungsstil, im Guten, wie im Schlechten, bis heute fort.

39) StefanP, Montag, 21. Mai 2012, 12:58 Uhr

Das ist eine ziemlich alberne Debatte, warum Angela Merkel vor über 20 Jahren in diese und nicht in jene Partei gegangen ist. Hier fehlt allein schon die Sensibilität für politisch-soziales Denken. Ähnliches sagte man ja auch Helmut Schmidt oder Peer Steinbrück nach. Dabei werden allein fachliche Positionen herangezogen. Doch man kann durchaus Sozialdemokrat sein und steuerliche Entlastungen für richtig ansehen. Und genauso kann man liberal sein und dennoch einen höheren Spitzensteuersatz befürworten. Das macht nicht politische Grundüberzeugungen aus.

Beschäftigt man sich jedoch mit der Vita eines Parteimitglieds, schaut auf seine Detailargumentation, sollte eigentlich klar werden, warum er Christdemokrat, Sozialdemokrat, Liberaler oder Grüner ist. Parteien sind für langjährige Mitglieder wie Familien, es gehört also mehr zu einer Parteizugehörigkeit als Verständnis für ökonomische und soziale Fragen.

Angela Merkel hat, trotz ihrer Politik, möglicherweise ein liberal-theologisch geprägtes Verständnis zur individuellen Freiheit. Sie hat in der Vergangenheit eine große Begeisterung für das “Land der Freiheit”, die USA, erkennen lassen. Gerade zur Wendezeit neigte die Union sehr stark der amerikanischen Politik und Gesellschaft zu, ihr Präsident George Walker Bush, spielte eine sehr entscheidende, wichtige Rolle zur Herstellung der deutschen Einheit. Mit diesem Hintergrund scheint Merkels Beitritt zur CDU logisch und nachvollziehbar, unabhängig von Karriereüberlegungen – die hier einfach nur albern sind.

40) der Herr Karl, Montag, 21. Mai 2012, 15:56 Uhr

@ 39) StefanP

George W. Bush kümmerte sich im Vorfeld der deutschen Einheitswerdung mehr um die Texas Rangers oder trieb sich besoffen in irgendwelchen Bars rum.
Merkel und Karriereüberlegungen – absurd.

41) Don Corleone, Montag, 21. Mai 2012, 21:41 Uhr

@ 39 StefanP

Machen Sie sich’s nicht ein bisschen zu einfach mit der Geschichte?

Im Vorfeld der deutschen Einheit hatte nur einUS-Bürger was zu sagen: Ronald Reagan, von 1981 bis 1989 der 40. Präsident der Vereinigten Staaten.(Er war sehr dafür, anders als M. Thatcher und F. Mitterand.)
Dann kam George H.W. Bush, nur für eine Wahlperiode (erster Irak-Krieg) im Amt, gefolgt von …
Bill Clinton (1993 – 2001), US-Präsident Nr. 42.
George Walker (Dabbl-Juh) Bush, Sohn von George H.W., war Präsident Nr. 43, von 2001 bis 2009.

Weder Papa noch Sohn Bush hatten auch nur den geringsten Einfluss auf den Fall des Eisernen Vorhangs oder die deutsche Wiedervereinigung. Ronald Reagan wirkte entscheidend daran mit — anfangs belächelt, doch heute sogar von Democrats als einer der besten US-Präsidenten bewundert, die Amerika je hatte.

42) Ulrich, Montag, 21. Mai 2012, 23:47 Uhr

Manchmal denke ich fast die CDU braucht Merkel mehr, als Merkel die CDU braucht. Wenn Merkel jetzt austritt und ne Merkelpartei macht würden diese sofort den Sprung über die 5% schaffen. Die CDU hat jedes Profil verloren. Nach merkel droht der CDU die gleiche Profilsuche, wie der SPD nach Gerd.

43) StefanP, Dienstag, 22. Mai 2012, 08:44 Uhr

@41) Don Corleone

Da habe ich wohl nicht exakt geschrieben, ich meinte natürlich den damals amtierenden Präsidenten George Herbert Walker Bush. Ich hatte nicht die Absicht, objektiv die Umstände der Wiedervereinigung zu bewerten, sondern Motive aufzuzeigen, weshalb eine politisch zurückhaltende Frau wie Angela Merkel in die CDU eintrat und nicht z.B. in die SPD.

Ich habe geschrieben, George Bush sen. habe eine entscheidende Rolle bei der Wiedervereinigung gespielt. Was ist daran bitte falsch? Tatsächlich stand Deutschland damals unter politischer Kuratel der drei Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich, wovon zwei Parteien die Wiedervereinigung zu hintertreiben versuchten. Ohne den Republikaner im Oval Office wäre es ungleich schwerer geworden, die politische Unabhängigkeit zu erlangen. Es gab nämlich mal so etwas wie die 2+4-Gespräche, die nicht einfach Folklore waren, sondern wo genau diese Unabhängigkeit festgelegt wurde. Und um nicht missverstanden zu werden: damit soll keinesfalls die Bedeutung von Michail Sergejewitsch Gorbatschow kleingeredet werden.

Amerikaner haben ein anderes Freiheitsverständnis als wir Europäer, das sehr von einem sozialstaatlichen Gedanken durchdrungen ist. Nachdem, was ich über die Kanzlerin gelesen habe, war sie so fasziniert von den USA, da sie sich vorstellen konnte, später dort zu leben. Gesetzt den Fall dieses Freiheitsempfinden hätte auf die geborene Hanseatin zugetroffen, dann ist eine CDU-Mitgliedschaft plausibler als eine bei der SPD, oder?

44) Frank Reichelt, Dienstag, 22. Mai 2012, 13:20 Uhr

@ StefanP.

Die Bush-Regierung war für die Wiedervereinigung, allerdings unter der unverhandelbaren Voraussetzung, dass Gesamtdeutschland Mitglied der NATO bleibt. Wenn die Sowjets das abgelehnt hätten, wäre es nicht zur Wiedervereinigung gekommen, die Entscheidung lag also eigentlich nur bei Gorbatschow. Der entscheidende Satz, nämlich das Deutschland souverän selbst über seine Bündniszugehörigkeit entscheiden könne, wurde wesentlich von der damaligen Bush-Beraterin Condoleezza Rice, die fließend Russisch spricht, ausverhandelt. Sie war eine starke Befürworterin der deutschen Einheit und hat die Russen davon überzeugt, dass ein vereintes Deutschland in der NATO keine Bedrohung für die UdSSR darstellt.

45) der Herr Karl, Dienstag, 22. Mai 2012, 14:22 Uhr

@ 43) StefanP

“Gesetzt den Fall dieses Freiheitsempfinden hätte auf die geborene Hanseatin zugetroffen, dann ist eine CDU-Mitgliedschaft plausibler als eine bei der SPD, oder?”

Wenn Sie die “Freiheit der Märkte” meinen, dann kann ich Ihnen uneingeschränkt zustimmen.
Oder hatten Sie nicht die Absicht, objektiv die programmatischen Unterschiede der beiden Parteien zu bewerten?

46) Benjamin, Dienstag, 22. Mai 2012, 15:07 Uhr

Merkel hat sich mir ihrer – für sie untypischen – übereilten Aktion in der Causa Röttgen keinen Gefallen getan. Die NRW-Abgeordneten werden sich auch denken: man sieht sich immer zweimal.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-in-nrw-wegen-rauswurf-von-roettgen-empoert-ueber-merkel-und-seehofer-a-834464.html

47) StefanP, Dienstag, 22. Mai 2012, 16:31 Uhr

@45) der Herr Karl

Ich weiß nicht, welchen Freiheitsbegriff Sie meinen. Ich meine jedenfalls den, weshalb die überwältigende Mehrheit der US-Amerikaner weitgehende Eingriffe des Staates in ihre Lebensführung ablehnt. Ich meine den, weshalb in den USA trotz relativ niedriger Steuerquote Steuersenkungen immer populär sind. Ich meine das Freiheitsverständnis, weshalb jedes Jahr 700.000 Immigranten in die Vereinigten Staaten übersiedeln. Die Freiheit, weshalb Schwangere ihr Kind in den USA zur Welt bringen, damit dies amerikanischer Staatsbürger werden kann.

Ich habe nicht behauptet, dass Sie Verständnis für diese Arten von Freiheit haben. Ich habe nur gesagt, dass diese Freiheit eine enorme Anziehungskraft auf Menschen in aller Welt ausübt – im Gegensatz zu der Freiheitsform, die wir in Kontinentaleuropa pflegen.

Und nein, ich hatte nicht die Absicht, objektiv programmatische Unterschiede zwischen CDU und SPD zu bewerten. Sondern aufzuzeigen, dass die CDU im Jahr 1990 eine politische Heimat für jene sein konnte, die in ihrem Denken den Vereinigten Staaten nahe sind.

48) Don Corleone, Dienstag, 22. Mai 2012, 16:52 Uhr

@41) Don Corleone

Lieber StefanP.,
damit ist alles geheilt, klargestellt und aufs richtige Quarterhorse gesetzt. Danke für Ihre Replik.
Das amerikanische Freiheitsverständnis (nur ein wenig vereinfacht: “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott”) kenne ich sehr gut, hab’ fünf Jahre dort gearbeitet und komme auch jetzt noch oft hin.
Diese Art zu denken und zu handeln — und nicht bei jedem Wehwehchen nach einem allsorgenden Staat zu winseln —, würde auch hierzulande vieles zum Besseren wenden.
Aber dieser Zug ist wohl abgefahren: Gewählt werden in Europa die, von denen die Bürger mit ihrem eigenen und dem Geld ihrer Nachkommen am (vermeintlich) lukrativsten bestochen werden. Auf Kredit, versteht sich.
Herzliche Grüße!

49) Don Corleone, Dienstag, 22. Mai 2012, 16:54 Uhr

Pardón! Muss heißen:
43) StefanP, Dienstag, 22. Mai 2012, 08:44 Uhr

50) Doktor Hong, Dienstag, 22. Mai 2012, 17:40 Uhr

@ 39) StefanP

Ja, man braucht wohl sehr viel Phantasie, um bei Angela Merkel Ehrgeiz und Machtwillen zu vermuten, Einfach absurd!

Letztendlich kann man über Frau Merkels Motive, in die CDU einzutreten, nur spekulieren. Meine These, väterlicher Einfluss, der Pfarrer war und Ehrgeiz, halte ich für plausibler als Ihre These von einem idealistisch verklärten, auf Wild-West-Romantik beruhendem Freiheitsideal, das angeblich in den USA verwirklicht sei.

Dieser Kommentarabschnitt ist sicher nicht der Ort, eine Diskussion über verschiedene Freiheitsbegriffe loszutreten. Zwei Bemerkungen mögen genügen. Erstens gibt es nicht “den” amerikanischen Freiheitsbegriff. In Wahrheit finden seit längerem heftigste innenpolitische Auseinandersetzungen in den USA statt, die mittlerweile die traditionelle Zusammenarbeit zwischen republikanischen und demokratischen Abgeordneten vergiften. Zweitens finde ich die Behauptung, dass “der” europäische Freiheitsbegriff vom Sozialstaat geprägt sei, doch recht erstaunlich. Immerhin wurde die Sozialversicherung von Bismarck eingeführt, dessen politische Auffassungen weder damals noch heute als besonders freiheitlich, ja nicht einmal als rechtstreu gelten können.

Was die CDU angeht, würde ich die haarsträubende Behauptung wagen, dass Figuren wie Konrad Adenauer und Helmut Kohl einen gewissen Einfluss auf die Politik der CDU gehabt haben. Womöglich muss man da jahrelang in historischen Archiven graben, um Hinweise auf Indizien auf Spuren dafür zu finden, aber vielleicht schafft es ja ein hochbegabter Historiker. Diese Herren kommen aus dem rheinisch-katholischen Milieu und waren von dessen konservativen Wertvorstellungen geprägt. Was diese mit amerikanischer Wild-West-Freiheit und deren Attraktivität für Angela Merkel zu tun haben sollen, ist mir offen gestanden ein Rätsel. Norbert Blüm war als einziger Minister durchgängig Mitglied im Kohlschen Kabinett, und ihn als Verfechter Westerwellescher “Liberalität” zu identifizieren, wäre mir neu. Aber man lernt ja nie aus.

51) Doktor Hong, Dienstag, 22. Mai 2012, 17:49 Uhr

@ 44) Frank Reichelt

Korrekt. Dem ist nur hinzuzufügen, dass Deutschland sich verpflichtet hat, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die Stationierung weder von amerikanischen Truppen noch von Atomwaffen zuzulassen. Gelesen habe ich das bei Richard von Weizsäcker. Aber es kann sein, dass ich in den Details falsch liege. In jedem Fall wurden Auflagen gemacht, was die Stationierung der Truppen und Waffen in der ehemaligen DDR angeht.

52) Günter Springer, Dienstag, 22. Mai 2012, 19:43 Uhr

Hallo Herr Spreng
Prima Beschreibung des Zustandes der unter dem Komando der Frau Merkel sich ständig duckenden Parteisoldaten der CDU. Wenn es nicht so traurig wäre könnte man Lachsalven von sich geben.
Die von Ihnen als ehemalige Hoffnungsträger der CDU benannten Herren Friedrich Merz, Roland Koch, Cristian Wulff, Ole von Beust, Jürgen Rüttgers, Günther Oettinger haben zwar unbestritten Fähigkeiten, die man mit Ausnahme des Herrn Wulff in der heutigen Situation brauchen könnte, sie waren aber die ersten, die Fahnenflucht begangen haben und sind daher am gegenwärtigen Zustand der CDU mit Schuld.
Ihre angebliche Beliebtheit in Europa hat sie mit barer Münze erkauft und aus dieser Beliebtheit resultiert auch ihre Beliebtheit in Deutschland…seht nur, wie sie sich überall durchsetzt, macht sie das nicht fein…? So urteilen vielerorts Oma und Opa.
Na und die Medien nicht zu vergessen. Sie tragen mit zu dem Duckmäusertum in Deutschland bei.
Wenn man sich die schwülstigen Lobgesänge in Wort und Bild erinnert, die über die Frau Merkel allerorts und ständig erscheinen braucht man sich über den Einfluß der Medien auf das Wahlvolk nicht wundern.
Ich kann mich gut erinnern als Gerhard Schröder noch Bundeskanzler war wurde alles an ihm vom Schnürsenkel bis zu den Haarwurzeln Breitgetreten in den Medien und alles was seiner Regierung
nicht recht glückte wurde in der Hautsache ihm angelastet. Und nun vergleiche mit der heutigen Regierung, fällt da nichts auf.
Im Gegensatz zu Frau Merkel hat Gerhard Schröder einen hoch anzurechnenden Verdienst, daß er viele deutsche Mütter vor dem Verlust Ihrer Söhne in einem sinnlosen Krieg der Amerikaner bewahrt hat. Das war mutig und verantwortungsvoll. Gleiches hat die Frau Merkel nicht mal im Ansatz aufzuweisen.
Die Frau kann es nicht. Letzter Beweis der Rausschmiss von Röttgen. Höhrt man sich die Nachrufe über die kolossalen Verdienste des Herrn Röttgen an, wird sein Rausschmiss immer rätselhafter.
Nein nein, diese Frau kennt nur eines, den eigenen Machterhalt. Das ist zu wenig um die Geschicke eines Landes wie die Bundesrepublick Deutschland zu lenken und zu leiten . Zu ihrem Machtpocker ist sie nicht gewählt worden und deshalb halte ich ihr ihre in ihrer damaligen Oposition gebetsmülenhaft vorgetragenen Vorwurf an die Regierung Schröder: ” Versprochen-gebrochen.
Sie sollte sich daran erinnern.

53) Peter Christian Nowak, Dienstag, 22. Mai 2012, 20:00 Uhr

Guter Beitrag!
Merkels wohlwollende Zustimmung aus der Wählerschaft resultiert aus der Tatsache, dass viele CDU-Wähler von den Auswirkungen der Europakrise noch nicht betroffen sind. Bleibt das so, bleibt Merkel 2013. Dann aber Kanzlerin in einer Koalition mit der SPD. Die ist für sie nicht fremd. Und allemal besser, als die Erfahrungen, die sie mit der FDP macht. Insgesamt wird das für sie zwar knapp, aber sie bleibt. Von den untersten 30% der Bevölkerung wird sie eh nicht gewählt.
Kommt es allerdings auch bei ihrer Wählerklientel zu persönlichen finanziellen Verwerfungen, wird sie von der selben Klientel in die Wüste geschickt. Und dort kommt sie auch nicht mehr raus.
Insofern hatte Röttgen schon Recht, wenn er sagte, dass sein Erfolg vom Erfolg Merkelscher Europapolitik abhängt: Das NRW-Desaster – ein Schuss vor den Bug Merkels.
Und nun? Schon fügt sie ihrer auschließlichen Austeritätspolitik die Wachstumskomponente ein. Ich gehe jede Wette: Merkel wird im Laufe der kommenden Monate Dingen zustimmen, die bis dahin für sie wirtschafts- und finanzpolitisches Teufelszeug gewesen ist. Sie wird es tun, nicht aus Überzeugung, sondern rein aus Gründen ihres Machterhalts

54) StefanP, Dienstag, 22. Mai 2012, 20:06 Uhr

Ein Thema, off topic, aber brandaktuell: Lafontaine zieht sich, wahrscheinlich endgültig, aus der bundesdeutschen Politik zurück. Er ist damit der einzige Politiker in der Nachkriegsgeschichte, der gleich in zwei Parteien nach seinem Rückzug einen Trümmerhaufen hinterließ. Soweit man bei Politikern von eitlen Egomanen spricht, hat der Saarländer den Vogel abgeschossen. Vielleicht ein letztes Mal gebärdete er sich als der Saar-Napoleon, eine Rolle, die er sehr verinnerlicht hat.

55) peterpan4670, Mittwoch, 23. Mai 2012, 00:06 Uhr

Ich drücke es bewusst etws martialisch aus! Ich hoffe, dass AM bald abtritt, zusammen mit ihren ganzen Schleimern von gerstern, die sie noch am leben halten. Wie hat einst ein römischer Feldherr geschrieben?! Egal, wie viele du auch umbringst, du kannst deinen Nachfolger nicht töten . . .

56) JT Karno, Mittwoch, 23. Mai 2012, 09:41 Uhr

Einfach Klasse!! Hut ab!

57) W. Zimmer, Mittwoch, 23. Mai 2012, 10:38 Uhr

@M. Spreng
getroffen…versenkt. Sie haben die momentane Situation (in) der CDU korrekt dargestellt. Leider können Sie – als Medienprofi – aber auch nicht erklären, wie Frau Merkel unter diesen Umständen bei Umfragen immer noch so sensationell gut abschneidet? Das will mir irgendwie nicht einleuchten, dass das Bild, was die ganze Union zur Zeit abgibt, so spurlos am Ansehen einer Frau Merkel vorbeigeht. Oder ist die Fragestellung bei derartigen Befragungen so geschickt gewählt, dass eine Ablehnung nahezu unmöglich ist? Ich kann das nicht beurteilen, weil ich bisher noch nie von diesen Forschungsinstituten befragt wurde.

@Stefan P.
Sie schreiben: “Angela Merkel hat, trotz ihrer Politik, möglicherweise ein liberal-theologisch geprägtes Verständnis zur individuellen Freiheit.”
Wenn es zu einem liberal-theologisch geprägtem Verständnis von individueller Freiheit gehört, alle Bundesbürger unter Generalverdacht zu stellen und ein Überwachungsinstrument wie die VDS zu installieren, weitere grundgesetzwidrige Gesetze zu befürworten, wie z.B. den ESM, dann habe ich wohl eine andere Auffassung zur individuellen Freiheit.

58) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 23. Mai 2012, 19:30 Uhr

@47)Stefan P.
^^Ich habe nur gesagt, dass diese Freiheit eine enorme Anziehungskraft auf Menschen in aller Welt ausübt – im Gegensatz zu der Freiheitsform, die wir in Kontinentaleuropa pflegen.^^
Na, dann können wir ja getrost die FRONTEX abschaffen…kommt eh keiner über die grüne Grenze…

Die Leute kommen illegal über Arizona, Calif., Texas) nach USA, weil es in ihnen anderswo noch schlechter geht (Mexico, Mittleamerika). Dieses Phänomen erleben Sie immer wieder dort, wo es Menschen schlechter geht, als im Zielland. Das hat mit dem Freiheitsbegriff der Amerikaner so wenig zu tun, wie der Teufel mit dem Weihwasser.
Und: der Freiheitsbegriff – a la Mitt Romney wie “Teaparty” beispielsweise – wird für viele Amerikaner zum existentiellen Problem, aufgrund eigener ” daily experience”, dass diese Art der “Freiheit” bedrohlich für ihre Existenz wird. Für deren Existenz, wohlgemerkt, nicht für die der Reichen!
Ihr Wissen, StefanP., über Amerika lässt sehr zu wünschen übrig. Es reicht nicht im Internet zu recherchieren, sondern man muss längere Zeit dort gelebt haben. Und selbst dann ist es schwer, den Jetztzustand zu beschreiben, weil Bewusstsein nichts Statisches ist.

59) wschira, Mittwoch, 23. Mai 2012, 19:40 Uhr

@StefanP Nr. 54

genauso off topics aber auch so aktuell: Was Sie schreiben, ist Nonsens. Lafontaine hat sich aus der SPD zurückgezogen, weil Absprachen nicht eingehalten wurden. Wenn die SPD einem Trümmerhaufen gleicht, hat sie sich das selbst zuzuschreiben, weil sie nichts unternommen hat, dass die Partei von den Neoliberalen (Seeheimer, Schröder, Clement etc) okkupiert wurde. Und dass er sich bei den Linken zurückzog, hatte zunächst einmal mit seinem Gesundheitszustand zu tun. Daraus zu versuchen Ihm einen Strick zu drehen, halte ich für schäbig. Dass er nun seine Kandidatur zurückzieht, ist einerseits gut für die Partei, weil sie sich moglicherweise Zereissproben erspart, andererseits schlecht, weil sie nur mit ihm die Ergebnisse insbesondere im Westen erzielt hat. Ohne ihn hat sie bei dem fortgesetzten Linkenbashing des Mainstreams keine Chancen. Im Übrigen habe ich nichts davon gehört, dass er sich im Saarland zurückzieht.

@Herr Spreng, haben Sie bei der Vielzahl von Auftritten (sogar bei Lanz) überhaupt noch Zeit, sich um so profane Dinge wie das Blog zu kümmern? :-)

60) heinz, Mittwoch, 23. Mai 2012, 22:14 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=X8MWKqGhTXo ;MERKEL-ALLEIN

61) S1, Donnerstag, 24. Mai 2012, 01:00 Uhr

Was heißt hier nach sieben Jahren Kanzlerschaft? Nach zwölf Jahren CDU Parteivorsitz müsste man doch eigentlich fragen…

62) StefanP, Donnerstag, 24. Mai 2012, 09:06 Uhr

@58) Peter Christian Nowak

Ich sprach von den legal einreisenden 700.000 Migranten jährlich, das sollte auch für Sie erkennbar gewesen sein. Und das sind Menschen aus wohlhabenden Ländern wie Europa (UK, Germany), als auch aus asiatischen Aufsteigerstaaten als auch aus den Nachbarländern Canada und Mexico. Das Interesse, ins soziale Netz der USA einzuwandern, ist aus naheliegenden Gründen sehr gering. Also muss es andere Motive geben. In Deutschland wandern 4 von 5 Migranten direkt in die Sozialsysteme. Welche Gründe mögen diese Menschen wohl haben?

Ich habe längere Zeit in den USA gelebt als auch dort gearbeitet. Ich habe amerikanische Freunde, mit einem Teil tausche ich mich fast jede Woche aus. Und ich bin fast alle 2 Jahre in dem Land. Ich glaube, ich weiß, wovon ich spreche.

Sie müssen ja den amerikanischen Freiheitsbegriff nicht teilen, das hat niemand behauptet. Aber Fakt ist, dass die amerikanische Politik und Gesellschaft sich von dem dahinsiechenden Europa abwenden. Der Fokus richtet sich mehr und mehr auf Asien und noch ein Teil auf Südamerika. Europa außerhalb Deutschlands stagniert, überaltert und muss sehen, wie es Anschluss an globale Entwicklungen behält. Wir führen Diskussionen in Europa, die im Rest der Welt nur noch Kopfschütteln auslösen.

Ob sich Angela Merkel so mal ihre Aufgabe als Kanzlerin vorgestellt hat, als sie im Herbst 2005 gewählt wurde?

63) StefanP, Donnerstag, 24. Mai 2012, 09:20 Uhr

@50) Doktor Hong

Meine These, väterlicher Einfluss, der Pfarrer war und Ehrgeiz, halte ich für plausibler als Ihre These von einem idealistisch verklärten, auf Wild-West-Romantik beruhendem Freiheitsideal, das angeblich in den USA verwirklicht sei.

Im Jahr der Wiedervereinigung war Angela Merkel 36 Jahre alt, ich möchte behaupten, das ist nicht das Alter, wo man seine politische Orientierung von den unpolitischen Eltern ableiten kann. Und Karriere? Glauben Sie ernsthaft, die Physikerin, bis dato nicht mit sonderlichem politischen Engagement in Erscheinung getreten, habe vor 20 Jahren im Hinterkopf gehabt, eines Tages Bundeskanzlerin zu werden? Ehrlich gesagt, das halte ich für extrem weit hergeholt. Ich vermute ja auch nur und die Beschreibung Merkels als eine Frau, die von den USA begeistert sei, stammt von Journalisten. Öffentlich hat sich das selten erkennen lassen.

1990 stand keine Partei der amerikanischen Politik so nahe wie die CDU. Wahrscheinlich gibt es dort auch zahlenmäßig die meisten “Transatlantiker”. Wie gesagt, ich versuche nur zu verstehen und nachvollziehen, nachdem hier eine Debatte aufkam, Merkel sei wegen der potentiellen Aussichten, Kanzlerin zu werden, in die Union eingetreten.

Ich kenne natürlich auch die Geschichte der CDU und ihre Wurzeln. Ich habe sie hier niemals kommentierend als Hort des amerikanischen Freiheitsbegriffs beschrieben. Da haben Sie mich missverstanden. Die Freiheitsdebatte nicht nur in Deutschland, sondern auch in Westeuropa dreht sich zunehmend um einen Wert, der nur zusammen mit einem bestimmten persönlichen Einkommen zu verwirklichen sei, welches der Staat ggf. sicherzustellen habe. Das ist kein Freiheitsbegriff, mit dem sich die Mehrheit der Amerikaner identifizieren kann.

64) StefanP, Donnerstag, 24. Mai 2012, 09:42 Uhr

@59) wschira

Sie haben eine sehr eigenwillige Geschichtsinterpretation. Im Frühjahr 1999 hatte der damalige SPD-Parteivorsitzende Oskar Lafontaine den gewählten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland nahe am Rücktritt. Als Bundesminister hatte der Saarländer sämtliche Partnerländer, inklusive den Nachbarn Frankreich mit dem damaligen Superminister und Parteifreund Strauss-Kahn, gegen sich aufgebracht. Wolfgang Clement war ein in der Partei einflussloser Landesfürst, der Seeheimer Kreis in der Bundestagsfraktion in der Minderheit.

Die SPD war ein halbes Jahr zuvor erfolgreich gewesen mit der Ausrichtung auf das Duo Schröder / Lafontaine. Schröder als der Part, der die Sozialdemokraten für breite Bevölkerungsgruppen wählbar machte (“Neue Mitte”), Lafontaine zuständig für die Parteidisziplin und Seelenmassage. Als er ging, hinterließ er die Partei, nicht die Regierung, führungs- und orientierungslos. Die SPD ist schließlich keine geborene Regierungspartei, dazu hat sie zuviel Spass an ziellosen Sachdebatten und der Ausrichtung auf Minderheitenthemen.

Lafontaine wusste wahrscheinlich schon Anfang 2009, wie es um seine Gesundheit steht. Dennoch kandidierte er als Spitzenkandidat und suggerierte den Wählern, er würde im Erfolgsfall für sie Politik in Berlin machen. Ein typischer Lafontaine, tricksen, täuschen.

Dass er nun seine Kandidatur zurückzieht, ist einerseits gut für die Partei, weil sie sich moglicherweise Zereissproben erspart,

Witzig, schließlich war es Lafontaine, der eine der spektakulärsten Kampfkandidaturen in der Geschichte des Landes hinlegte und seinen Parteichef aus dem Sessel fegte. Es ist genau der selbe Lafontaine, der nun eine Kampfkandidatur verweigert.

Sie schnitzen sich die Interpretationen, wie es immer so passt, dass der Saarländer gut wegkommt. Politische Fehler scheint dieses political animal nicht zu machen, zumindest wenn ich linke Foren lese. Seltsamerweise stehen jedoch die Parteien, die er hinterlässt, in seinem Abgang schlecht da. Also das, wofür er unmittelbar Verantwortung trägt. Und das öffentliche Bild ist ja dementsprechend. War Lafontaine vor 20 Jahren einer der populärsten Politiker, so ist er heute einer der unbeliebtesten. Anziehungskraft besitzt er lediglich noch auf Hardcore-Fans.

65) StefanP, Donnerstag, 24. Mai 2012, 12:11 Uhr

Eine gute, abschließende Charakterisierung des Mephisto der deutschen Politik liefert Professor Franz Walter auf Spiegel Online:

Dabei hatte es seine unmittelbare Umgebung schon damals nie einfach mit ihm. Er zeigte oft Ungeduld, trat herrisch auf, verlangte, dass alle ihm bedingungslos folgten, wenn er, oft einsam, eine Entscheidung für sich getroffen hatte. Seine Reden waren damals wie später laut, mitunter brüllend vorgetragen, mit peitschenden Stakkatosätzen, in denen er seine Gegner – nicht selten als Ignoranten, Dummbeutel, Schwätzer verächtlich gemacht – an den Pranger der sozialen Empörung stellte

66) Dr. Dr. Joachim Seeger, Donnerstag, 24. Mai 2012, 13:22 Uhr

CDU muss mehr Profil zeigen!

Angela Merkel hat durch ihr Engagement der CDU in einer schwierigen Zeit eine Perspektive gegeben. Das sollte man nicht vergessen. Die CDU hat durchaus auch gute Chancen, ihre politische Überzeugung dem Wähler zu vermitteln. Was ich vermisse, ist das christliche und konservative Profil dieser Partei, das allerdings vorhanden ist. Unter Kohl trat dieses Profil der CDU deutlicher in Erscheinung. Merkel hat die Exponenten dieser Richtung fast völlig aus der Partei getrieben: Koch, Merz, Röttgen, etc. Damit hat sich die CDU kein Gefallen getan. Vielleicht sollte man mehr auf den Nachwuchs setzen: Philipp Mißfelder steht bereit. Ein fähiger Mann, der auch das christlich-konservative Profil der CDU wieder stärker verkörpert. Man sollte Mißfelder nicht immer “alte Jugendsünden” vorhalten!

67) Frank Reichelt, Donnerstag, 24. Mai 2012, 14:10 Uhr

@ StefanP.

Sehr geschickt von ihnen
Da sie beim Spiegelfechter nicht mehr mitdiskutieren dürfen, lagern sie die Debatte über Thorsten Beermanns Artikel “König Oskar dankt ab” einfach nach hier aus, obwohl das Thema hier nicht das geringste zu suchen hat. Wenn sie wollen, kann ich ja unter meinem Namen einen Kommentar auf dem Spiegelfechter platzieren, bei diesem Thema sind wir ausnahmsweise mal einer Meinung.

68) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 24. Mai 2012, 14:43 Uhr

Naja, dieses ewige Auflisten der (angeblich) weggemobbten Hoffnungsträger wird auf die Dauer langweilig. Eine ähnliche Liste ließe von Kohl auch anlegen, wobei ihm der größte Klotz durch dessen Tod abhanden gekommen war (ich meine Strauß). In einigen Kommentaren klang es schon an: Wenn diese Herren schon soooo toll gewesen sein sollen, warum haben sich dann beim ersten Böller aus dem Staub gemacht – also in dem Moment, als der Krieg noch gar nicht ausgebrochen war? (Die Ausnahme war Koch, der tatsächlich durch seine “Unterschriftenaktion” für immer und ewig diskreditiert gewesen war.)

Interessant wie die Attribute hinsichtlich der Bundeskanzlerin wechseln: Mal ist sie zu zaudernd und man verlangt mehr Programmatik. Dann handelt sie sehr spontan und überraschend (Energiewende) – das kommt auch nicht gut. Mal ist sie Mutti, mal Basta-Kanzlerin. Das Wendehalswesen einiger Journalisten und Beobachter ist ähnlich öde wie die dauernden Abgesänge auf Kohl waren (und jetzt auf Merkel sind).

“Volksparteien” im Sinne der Bonner Republik gibt es nicht mehr. Die Atomisierung unterschiedlichster Interessen treibt diverse Parteien in Landtage und demnächst auch in den Bundestag. Dreierkoalitionen werden die Regel werden (wenn man CDU/CSU mal einen Monolith nimmt, was per se gefährlich ist). Hinzu kommen inzwischen zuverlässig am Ende von Legislaturperioden die Blockaden aus dem Bundesrat. Hier schweißen sich die Parteien zu einer speziellen Form von Konkordanzdemokratie zusammen. Dies wiederum nivelliert Unterschiede, was sich an Wahlverhalten zeigt: Tatsächlich waren die Bundestagswahlen 1972, 1980 und 1990 zu Schicksalswahlen ernannt worden (mal von der einen, mal von der anderen Seite). Das klappte nur noch mal ansatzweise 1998, als auch breite Teile des bürgerlichen Lagers Kohl weghaben wollten. Meine These: Deutschland ist im großen und Ganzen mit Merkel zufrieden (und zwar parteiübergreifend). Die Unterschiede sind marginal; die alten innenpolitischen Themen sind längst entschieden und abgeräumt. 2013 kommt noch mal die Große Koalition (das fehlende CDU-Personal wird dann von der SPD aufgefüllt).

69) wschira, Donnerstag, 24. Mai 2012, 15:21 Uhr

@StefanP
Im Interpretationsschnitzen sind Sie ja der unbestrittene Meister, da muss ich zurückstecken (und tue es auch gerne). Es geht ja nicht darum, was L. vor 20 Jahren gemacht hat, sondern wie er sich heute verhält. Und wenn ich es schäbig nenne, dass Sie ihm ankreiden, wenn er sich krankheitsbedingt aus der Politik etwas zurückgenommen hat (nicht jetzt, aber als er sich nach Saarbrücken zurückgezogen hat), dazu stehe ich auch. Und dass Ihr Geschichtsbild, gelinde gesagt, von einem marktradikal festgezurrten Tunnelblick geprägt ist, ist sattsam bekannt. Und dass SIe ausgerechnet Professor Franz Walter zum Zeugen Ihrer Ergüsse machen, ist der Witz des Tages.

70) Erwin Gabriel, Donnerstag, 24. Mai 2012, 17:17 Uhr

@ Dr Hong

Auch ich halte es für wahrscheinlich, dass Frau Merkel nach der Wende einerseits aufgrund des kirchlich geprägten Elternhauses, andererseits einer eher freiheitsorientierten Grundeinstellung den Weg in die CDU fand (sozusagen weitmöglichst weg von der SED).

Dass Frau Merkel die CDU aus Karrieregründen wählte, wird zum damaligen zeitpunkt sicherlich nicht der entscheidende Faktor gewesen sein – gleichwohl sie nach einer kurzen Eingewöhnungsfrist ihre Chancen durchaus zu nutzen wusste.

71) Erwin Gabriel, Donnerstag, 24. Mai 2012, 17:24 Uhr

@ 68) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 24. Mai 2012, 14:43 Uhr

Naja, dieses ewige Auflisten der (angeblich) weggemobbten Hoffnungsträger wird auf die Dauer langweilig. Eine ähnliche Liste ließe von Kohl auch anlegen, wobei ihm der größte Klotz durch dessen Tod abhanden gekommen war (ich meine Strauß). In einigen Kommentaren klang es schon an: Wenn diese Herren schon soooo toll gewesen sein sollen, warum haben sich dann beim ersten Böller aus dem Staub gemacht – also in dem Moment, als der Krieg noch gar nicht ausgebrochen war?
_______________________________________________________

Nun ja, die Herren waren durchaus nicht nach dem ersten Böller verschwunden. Aber wenn ich der einzelne Charakterkopf in der großen Menge bin, die ich gegen mich habe, und ich erkenne, das Recht haben (im Sinne von “richtig liegen”) und gute Argumente über Jahre nichts nützen, weil da oben einer nicht nach “richtig” oder “falsch” entscheidet, sondern nach “gut für ihn” oder “nicht gut für ihn”, dann ist es doch durchaus legitim, seine Fähigkeiten dort einzubringen, wo sie erwünscht sind und nutzen.

72) Jung, Donnerstag, 24. Mai 2012, 17:38 Uhr

Zwei Anmerkungen:
1. Man muss doch irgendwie anerkennen, dass Frau Merkel den Traum jedes Politikers lebt. Sie ist so alternativlos, dass keiner an ihrem Stuhl sägt. Jeder, der Kritik wagt, wird aus der CDU gemobbt.

2. Ich halte das jetzige Personalproblem der CDU für strukturell bedingt. Seit Jahren kommt in der CDU nur nach oben, wer Linientreue vorweist; der Rest wird gnadenlos abgesägt. Das betriffft Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Die CDU ist nichts anderes als eine riesiggroße Seilschaft, in der sämtliche Posten (in der Verwaltung), Plätze (auf Listen) und Positionen (in der Parteihierarchie) auf Jahre hinaus in konkreter Reihenfolge der Personen festgelegt sind.
Wen wundert da dieses Ergebnis?
(Andere Parteien sind von dieser Kritik selbstverständlich nicht ausgenommen.)

73) Thomas Hillebrand, Donnerstag, 24. Mai 2012, 19:03 Uhr

@ 59), 68) wschira

Passt alles! Danke!

74) Doktor Hong, Donnerstag, 24. Mai 2012, 19:25 Uhr

@ 63) StefanP

Es muss ja nicht gleich Bundeskanzler sein. Soweit ich weiß, sprang Merkel erst auf den Demokratisierungszug in der DDR auf, als erkennbar wurde, dass die Stasi keine Gewalt anwenden und Honecker keinen Rückhalt aus Moskau haben würde, während andere aus freiheitlicher Überzeugung auf die Straße gingen und große persönliche Risiken eingingen.

Es ist auch ein Unterschied, ob man im Ortsverein ehrenamtlich Plakate klebt, oder ob es in einer Regierungspartei viele Landtags- und Bundestagsmandate zu besetzen gibt. Von dort aus kann man sich voranarbeiten zur Ministerin oder Fraktionsvorsitzende. Ein Kalkül, wie wahrscheinlich es ist, ein Parlamentsmandat über die Landesliste erhalten zu können, finde ich so abwegig nicht, und als Physikerin wird sie nicht lange gerechnet haben, um zu sehen, dass die W’keit am größten bei der Partei ist, die die meisten Mandate besitzt, und die sich während der Wendezeit des größten Zuspruches in Ostdeutschland erfreute.

Dass sie einmal Bundeskanzler werden würde, konnte sie natürlich nicht wissen. Ihren ausgeprägten Machtinstinkt habe ich in voller Klarheit während der Parteispendenaffaire wahrgenommen, als sie sich mit perfektem Timing von Kohl distanziert hatte.

Während ich nicht den geringsten Zweifel über Merkels Fähigkeit zur Macht hatte, war ich mir nicht sicher, ob sie als ostdeutsche Protestantin in einer Partei, die wie erwähnt sehr stark vom rheinischen Katholizismus geprägt war, den Rückhalt der Partei gewinnen würde.

Das entscheidende Duell war wohl das gegen Friedrich Merz. Spreng hat darüber berichtet, wie sie in Allianz mit Stoiber Merz ins Abseits manövrierte. Danach war sie so gestärkt, dass sie bekannten politischen Erfolge erringen konnte.

Im übrigen meinte ich nicht, dass ihr Vater ihr mit 36 Jahren geraten hätte, doch die CDU zu wählen. Vielmehr meine ich, dass das Aufwachsen als Pfarrerstochter ihr Wertesystem so geprägt haben wird, dass sie am Ende am ehesten einer nach außen hin christlichen Partei zuneigen würde.

75) rainibabe, Donnerstag, 24. Mai 2012, 20:18 Uhr

gut so, aber leider fällt mir bei dieser absolut bieder auffallenden Opposition auch nichts besseres ein, ob dies wohl wirklich besser machen??????????(Großes Fragezeichen)

76) Alexis, Freitag, 25. Mai 2012, 11:32 Uhr

@ 75 rainibabe

Die Oppo ist nicht nur “bieder” sondern schlichtweg dummdreist und blöd. Wer heute früh Gabriel im DLF gehört hat, weiß was ich meine: Thema Eurobonds. Gabriel leugnete doch glatt, jemals Eurobonds gefordert zu haben. Als der DLF-Moderator ein älteres Gabriel-Zitat original einspielte, da eierte der mächtige (leider nur körperlich) Vorsitzende der größten Oppo-Partei herum, wie es schlimmer nicht geht. “Bieder” ginge ja noch ….
Die Merkel-Union muss nur bei den nächsten BW-Wahlen plakatieren: “Wer SPD- wählt bekommt Gabriel und Eurobonds” – und schon hat sie die Wahl gewonnen. Programme brauchen die Parteien sowieso nicht, siehe Erfolg der Piraten. Oder sehr frei nach Klaus Staeck: “Deutsche Arbeiter, wählt SPD – die CDU will Euche Eure Eurobonds nicht gönnen.”

77) riskro, Freitag, 25. Mai 2012, 15:34 Uhr

76) Alexis, Freitag, 25. Mai 2012, 11:32 Uhr
………Programme brauchen die Parteien sowieso nicht,……………………….

Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass in Deutschland jemals nach Parteiprogrammen gewählt wurde und zukünftig gewählt werden wird. Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

78) Anonym, Freitag, 25. Mai 2012, 18:23 Uhr

Herr Spreng, diesmal muss ich Ihnen zu 100% Recht geben. Die CDU ist derzeit ohne Angela Merkel NICHTS. Und das wird sich bitter rächen. Wenn sie bei der nächsten Bundestagswahl nicht vollkommen abschmiert, dann nur aufgrund der Popularität von Frau Merkel. Doch auch die kann schnell vorbei sein; bereits ein Kompromiss mit Hollande kann hierzu führen. Und dann? Dann stürzt die Partei ins Bodenlose und hat nicht einmal einen möglichen Nachfolger parat.

79) Peter Christian Nowak, Freitag, 25. Mai 2012, 19:26 Uhr

62) StefanP,

Wenn Sie wirklich jemals in den Staaten gelebt und gearbeitet hätten, würde man das an Ihren Äußerungen merken. Sie geben Skizzen ab, die Sie allenfalls vom Hörensagen kennen. Die sind weder realistisch noch authentisch. Wäre das anders, dann wüssten Sie auch, dass das Land gegenwärtig seine größte Polarisierungswelle in seiner Geschichte durchmacht. Nie war das Land offensichtlicher gespalten wie jetzt. Nie war der `American Dream´ so sehr in Frage gestellt. Nie war die Armut dort so groß wie jetzt. Nie gab es so viel Widerstand gegen den Finanzkapitalismus wie jetzt. Nie hat man sich dort über die Ursachen des eigenen sozialen Abstiegs so viele Gedanken gemacht wie derzeit.
Aus Ihrer schönen Statistik geht ausserdem nicht hervor, wie viele das Land wieder verlassen. Ihre Zahlen berücksichtigen nicht die Relation zu Europa. Allein nach Deutschland sind wegen der Krise in den Südländern in 2011 435 000 Zuwanderer gekommen. Dagegen sind die 700 000 Zuwanderer in die riesige USA ein Witz, was natürlich damit zusammenhängt, dass die Lebensverhältnisse hierzulande in Teilen besser sind, als gegenwärtig in den USA. Aber, ich füge hinzu, noch sind sie es.

80) StefanP, Samstag, 26. Mai 2012, 10:35 Uhr

@79) Peter Christian Nowak

Ich werde jetzt mit Ihnen sicher nicht diskutieren, ob ich in den USA gelebt habe. Sie haben gefragt, ich habe Ihnen eine Antwort gegeben, nun bestreiten Sie den Einblick in meinen Lebensweg. Entschuldigung, das ist Kindergarten.

Ich war dort, als die Finanzkrise ausbrach, erst in Florida, dann in Kalifornien (San Francisco). Unsere Büros waren im Financial District um die Market Street. Beim Aufzugfahren liefen die Meldungen mit den Entlassungen bei Microsoft und anderen über einen kleinen Minibildschirm. Das waren keine schönen Zeiten.

Die amerikanische Gesellschaft ist seit mehr als über 20 Jahren tief gespalten, das ist kein neues Phänomen. Und Freiheit hat nicht nur Vorzüge, das ist ja das, was den Europäern so Angst macht. Doch Amerikaner blicken viel zuversichtlicher in die Zukunft, sie kämpfen, wie z.B. die Tea Party, gegen staatliche Bevormundung, während die Kontinentaleuropäer genau beim Staat mehr Schutz suchen. In Deutschland wäre eine solche Bewegung undenkbar. Hier gibt’s höchsten ein paar Camp-Bewohner, die aus lauter Langeweile an ihrem beschäftigungslosen Leben den Platz vor der ECB belagern und das Ziel haben, möglichst viele Menschen in Frankfurt von der Arbeit abzuhalten.

Sie kommen nicht darum herum, die Motive, warum Menschen in die USA einwandern, sind ganz andere als die, warum sie nach Deutschland kommen. Das mag in den letzten Monaten aufgrund der heftigen Krise etwas anders geworden sein, ändert jedoch nichts am Befund. Wenn über 80% der Migranten nach Deutschland direkt in die Sozialsysteme gehen, weiß ich, welche Motive hinter der Einwanderung stehen. Und das sind keine, die man befürworten müsste. Wer in den USA als Migrant keine Arbeit findet, muss gehen. Wer in Deutschland keine findet (und Sie sind ja einer der Vertreter, die behaupten, das Arbeitsvolumen sei nicht ausreichend), bleibt erst recht.

P.S.: Wenn Sie in San Francisco uhrig essen wollen, gehen Sie zu Bubba Gump am Pier 39. Das ist zwar mitten im Touri-Viertel, aber der Blick auf die Bay und die Golden Gate entschädigen für alles. Es gibt keinen schöneren Ort. Bubba Gump gibt’s zwar auch u.a. in New York auf dem Broadway mit Blick auf den Times Square und in Miami, aber in SF ist das Beste.

81) Doktor Hong, Samstag, 26. Mai 2012, 10:41 Uhr

Davon unberührt bleibt allerdings, dass die politischen Herausforderungen unserer Zeit wirklich sehr groß sind. Bankenkrise, Verschuldungskrise, Eurokrise, Energiewende.

Ich beneide Angela Merkel überhaupt nicht um diese sehr schweren Aufgaben.

Die Probleme unserer Zeit sind mindesten seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellos. Niemand weiß, wie richtig zu handeln ist. Dass ich glaube, dass Frau Merkel von Ehrgeiz getrieben ist, ist eine Sache.

Aber dass sie in einer Lage, wo niemand wirklich weiß, was zu tun ist, auf Sicht fährt, ist in der Tat das einzig richtige. Die Wirtschaftstheologen sind der Wissenschaftlerin keine Hilfe, sie haben nur Ideologie und Interpretation anzubieten. Das kennt sie aus SED-Zeiten bereits zur Genüge.

Angela Merkel ist in der Tat nicht zu beneiden. Bei aller Kritik möchte ich nicht die Schwere ihrer Aufgaben und die Ratlosigkeit ihrer Berater aus den Augen lassen.

82) Doktor Hong, Samstag, 26. Mai 2012, 10:59 Uhr

@79) Peter Christian Nowak

Sie haben völlig Recht mit Ihren Äußerungen über die USA. Ich war als Student in Kalifornien und verfolge seitdem – dem Internet sei dank – regelmäßig, d.h. wöchentlich, die politischen Vorgänge in den USA.

Es werden in den USA immer mehr Stimmen laut, die die extrem ungleiche Einkommens- und Besitzverteilung in Frage stellen. Die Mittelklasse ist dort extrem unter Druck, die Menschen müssen zwei oder drei Jobs annehmen, um überleben zu können.

Wer erzieht in dieser Zeit die Kinder und bringt ihnen familiäre Werte bei, frage ich besonders jene Konservativen, die den Mindestlohn ablehnen – sogar in den USA gibt es einen Mindestlohn!! (der allerdings so niedrig ist, dass ein Job das Überleben einer Familie nicht mehr sichern kann).

Es gibt eine religiöse Rechte, die fundamentalistisch und anti-demokratisch ist, und die sich in ihrem Fanatismus nicht im geringsten von den Mullahs im Iran unterscheiden – nur, dass jene die Atombombe schon haben. Es wird brenzlig werden, sollte es diesen religiösen Spinnern tatsächlich gelingen, einen Präsidenten zu stellen, denn die glauben an den jüngsten Tag und Armageddon und haben auch gewisse Vorstellungen darüber, wie das konkret herbeizuführen wäre, wobei rote Knöpfe in deren Phantasien eine Rolle spielen.

Die USA nehmen die Entwicklung zu einem Land der Dritten Welt, ohne Industrie, einer gigantischen verarmten Masse und einer ganz kleinen, superreichen Elite. Die Nation, die einmal Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück brachte, ist nun auf Russland angewiesen, um Zugang zum Weltraum zu bekommen. Das kann nicht mehr unser Vorbild sein!

83) StefanP, Samstag, 26. Mai 2012, 11:22 Uhr

@69) wschira

Kann ein Geschichtsbild marktradikal sein? Kann es das? Wenn man weiß, dass Bill Clinton den amtierenden Präsidenten George Bush mit dem Slogan schlug: “It’s the economy, stupid!”, ist dieses Wissen dann marktradikal?

Professor Walter ist doch ein guter Zeuge und dass ich Sinn für ironische Spitzen habe, sollte ja auch keine Überraschung sein. Darf Professor Walter nicht einen Politiker in seiner Persönlichkeit als eitel und selbstherrlich charakterisieren?

Doch nochmal zur Klarstellung: ein ehrlicher Politiker kandidiert nur für ein Amt, wenn er dieses auch auszuüben gedenkt und dazu geistig und gesundheitlich in der Lage ist. Wer krank ist oder sonst persönlich belastet, zieht sich vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurück, statt Wahlkampf mit seinem Namen zu machen.

84) TanjaKrienen, Montag, 28. Mai 2012, 10:53 Uhr

Wenn es so wäre: warum rebellierte nie jemand offen? Ich befürchte hingegen, dass kaum jemand in der Union die Fakten richtig begreift…

http://www.campodecriptana.de/blog

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