Freitag, 30. August 2013, 13:45 Uhr

Die zwei Seiten eines Top-Managers

Top-Manager haben wie Spitzenpolitiker häufig zwei Gesichter: Ein hartes – meist nach innen – und ein freundliches nach außen.

So ist es wohl auch bei Josef Ackermann, der jetzt mit seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident des Versicherungskonzerns Zurich endgültig die erste Reihe verlässt. Dort, beim Selbstmord seines Finanzvorstandes, geht es offenbar um die harte Seite des Ex-Bankers – zumindest nach den Vowürfen der Familie des toten Finanzchefs.

Ich dagegen habe seine freundliche, verbindliche Seite kennengelernt. Ich sollte ihn vor einigen Jahren beraten, als der Chef der Deutschen-Bank mit massiven Image-Problemen kämpfte. Es war kurz nach dem Mannesmann-Victory-Desaster, als ich ihn in seinem Büro in den Banktürmen in Frankfurt besuchte.

Ackermann nahm sich viel Zeit (knapp eineinhalb Stunden), um zuzuhören, was ich ihm rate. Er war sehr freundlich, zurückhaltend, ohne jede Chef-Allüren. Während des Gesprächs holte er sich einen Block und Bleistift und schrieb mit. Danach waren wir uns einig, dass ich ihn künftig beraten solle.

Aus der Beratung ist über das einmalige Gespräch hinaus allerdings nichts geworden. Sein damaliger Pressesprecher und ein Vorstandsmitglied hintertrieben mein Engagement. Einige Ratschläge aber habe ich dennoch später wiederentdeckt.

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5 Kommentare

1) Rapunzel, Montag, 02. September 2013, 08:42 Uhr

Ergänzend sei erwähnt:
Ackermann, das ist untypisch für den Mitteleuropäischen Durchschnittsmanager, ist kein in erster Linie als (rechter) Wirtschaftsideologe (in BWL) ausgebildeter.
Ackermann war zu allererst mal qua Ausbildung Geisteswissenschaftler, was wohl auch seinen Erfolg begründet.

2) Werner Berger, Dienstag, 03. September 2013, 23:23 Uhr

Ich hoffe, dass Ihnen die anderthalb Stunden ordentlich honoriert wurden, auch wenn es zu einem dauerhaften Engagement nicht gekommen ist.

3) Nichtwähler, Samstag, 14. Dezember 2013, 13:57 Uhr

Ich würde bei der Wahl meiner Berater (gerade für eine solche hervorgehobene Toposition) auch immer Wert legen auf eine gewisse Fähigkeit zur Diskretion, Kontinuität sowie eine vertrauenswürdige und belegte Fähigkeit zur Loyalität.
Einen Selbstdarsteller würde ich niemals als Berater empfehlen.

4) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 08. Januar 2014, 15:49 Uhr

Ackermann ist bis heute umstritten. Er ist umstritten, weil er Teil der gegenwärtigen Krise ist. Auch Ackermanns Bank mußte mit Steuermitteln gerettet werden. Nur ist das bei den Leuten kaum wahrgenommen worden.

Und auch deswegen ist er bis heute umstritten:

Das berühmte Ziel von Josef Ackermann, 25% Eigenkapitalrendite vor Steuern zu erzielen, war und ist ohne spekulative Geschäfte nicht zu erreichen.
Dafür sind die Margen im Wettbewerb zu knapp. Und, wichtiger noch, dafür kann auch die beste aller Volkswirtschaften nicht schnell genug wachsen: real, also mit echtem Güterzuwachs unterlegt, kann es keine jährliche Steigerung um ein Viertel geben, auch nicht in der Finanzbranche.
Es sei denn, es fände eine Umverteilung zulasten anderer Branchen und Einkommensbezieher statt, etwa der Arbeitnehmer.

Zum Beispiel durch die bekannten, und immer noch in der Kritik stehenden Arbeitsmarktreformen.
Aber auch durch Kürzungen im Gesundheitswesen, die Einführung des legalisierten Riesterbetrugs, wie Kürzungen im Sozialbereich (u.a. Renten durch „Rente mit 67“). All diese Wünsche der Finanzindustrie wurden von der Politik auch reichlich erfüllt. Liberalisierung, Lieberalisierung…!

Ich kann mich nicht erinnern, die Deutsche Bundesbank oder die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Liberalisierung des deutschen Finanzplatzes wettern gehört zu haben, als der Sachverständigenrat exakt diese Liberalisierung in seinem Gutachten vom November 2005 anmahnte.

Jörg Asmussen, ein ebenso treuer Gefolgsmann neoliberaler Ideologie wie ein Bewunderer Ackermanns, forderte seinerzeit in einem Aufsatz für die „Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen“ eine zeitgemäße Kapitalmarktgesetzgebung” und konkret die Weiterentwicklung des Marktes (im Sinne von weiteren Liberalisierungen und die totale Entfesselung bestehender Regulierung) für Asset Backed Securities (Forderungsbesichertes Wertpapier) in Deutschland.

Das Motto, gemäß der neoliberalen Ideologie: „Systematischer Abbau des staatlichen Einflusses! Wirtschaft geht vor Gemeinwohl! Wirtschaft geht den Staat erst dann erst was an, wenn Bankvorstände ihre Banken gegen die Wand gefahren haben und der Steuerzahler dafür haften muss!“

Dazu die kräftigen Formulierungen auf der Internetseite des Bundesministeriums für Finanzen aus. 2005 stand dort beispielsweise “Die gewaltigen Potenziale des deutschen Finanzmarktes müssen als Motor für Wachstum und Beschäftigung der Volkswirtschaft vollständig ausgeschöpft werden… Die Bundesregierung hat es Kreditinstituten erleichtert, Kreditforderungen zu verbriefen …“.

Heute sind diese Eintragungen längst gelöscht!

Ob Ackermann jemand ist, dessen „Image“ durch „Beratung“ aufzupolieren ist, ist daher fraglich.

Man kann zwar Menschen allenfalls eine neue, „sympathischere“ Maske, ihnen eine gewisse mediale Performance geben. Ihnen aber den grundsätzlichen Markenkern ändern zu wollen, ist nach allem, was die Neurowissenschaften wissen, nicht möglich.
Eher produziert man ein Trugbild, eine unauthentische Persönlichkeit, die für jedermann erkennbar, nicht seinem Wesen, seinen Überzeugungen entsprechen.

Man bleibt der, der man ist.

5) Gundi Hawrami, Donnerstag, 13. März 2014, 12:19 Uhr

Herr Spreng,

warum wollten seine Berater Sie nicht?

MfG
Gundi Hawrami

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