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Sonntag, 17. Juni 2012, 12:21 Uhr

Wenn Politik privat wird

Als junger unabhängiger Journalist in Bonn geriet ich schnell in die Mühlen der ideologisch agierenden Kollegen, die sich in Partei-Freundeskreises links und rechts sortierten. Mir war das mit meinen 25 Jahren völlig fremd.

Und so dachte ich mir auch nichts dabei, mich mit einer hübschen, sympathischen jungen Dame aus dem Juso-Bundesvorstand im Anschluss an einen Juso-Bundeskongress zu verabreden. Sie wollte unbedingt in die “Schumann-Klause”, die trinkerische Heimat der linken Bonner Journalisten. Sie habe schon so viel von dem Lokal gehört.

Wir gingen also in die “Schumann-Klause” – zum Entsetzen der dort sitzenden linken Kollegen. Eine Juso-Frau und ein WELT-Redakteur – das verstieß gegen die Umgangsregeln der journalistischen Jakobiner. Als ich auf die Toilette ging, bestürmten sie inquisitorisch die junge Frau: Ob sie denn wisse, mit wem sie hier sei. Ich sei doch von der WELT. Das ginge doch gar nicht.

Als ich zurückkam, war der Abend gelaufen.

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8 Kommentare

1) Dieter Carstensen, Sonntag, 17. Juni 2012, 14:46 Uhr

Lieber Michael Spreng,

als ich 25 Jahre alt war, war ich noch Mitglied der Jungsozialisten in der SPD. Ein Lagerdenken, wie von Ihnen beschrieben, war mir persönlich schon damals fremd. Ich hatte immer freundschaftliche Kontakte zu Menschen ganz unterschiedlicher politischer Herkunft und so ist das heute geblieben.

Ich war z.B. jahrelang Personalrat bei der Stadtverwaltung Velbert, ich duzte mich sowohl mit unserem Stadtdirektor Dr. Reinhard Fingerhut (SPD),wie auch unserem langjährigen Bürgermeister und Miglied des Bundestages Heinz Schmenken (CDU).

Und ich mochte sie beide, menschlich, auch wenn wir uns manchmal in der Sache hart auseinandersetzen mussten, aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben im Betrieb, so haben wir uns immer unseren gegenseitigen menschlichen Respekt bewahrt.

Ich dachte gerade, na, wenn das mit der jungen Juso-Dame und dem Michael Spreng, damals in der Schumann – Klause zu Bonn, die ich auch noch kenne, meine Heimatstadt Waldbröl ist ja quasi “um die Ecke”, was gegeben hätte, wer weiss, wäre der Michael Spreng dann später Chefredakteur des “Vorwärts” oder der “Frankfurter Rundschau” anstelle der “BILD am Sonntag” geworden? :)

Liebe in dem Alter hat bekanntlich schon so manche Wunder vollbracht …

M.f.G.

2) S1, Sonntag, 17. Juni 2012, 16:20 Uhr

Geht mir auch immer so mit den Frauen. Kopf hoch!

3) Sigmund, Sonntag, 17. Juni 2012, 18:27 Uhr

Ehrlich gesagt, mit Henryk Broder oder ulf Poschardt oder was bei der Welt so rumläuft hätte ich auch keinen geselligen Abend. :-)

4) Albert F., Montag, 18. Juni 2012, 23:18 Uhr

Ach kommen Sie, das ist doch falsche Bescheidenheit. Als versierter Womanizer haben Sie es doch bestimmt noch in die Wohnung der Jungsozialistin geschafft. Wenn nicht: Immerhin haben Sie überlebt. Gibt ja Romeo und Julia – Stories, bei denen das anders ist.

5) m.g.t., Montag, 18. Juni 2012, 23:36 Uhr

Nun, einmal waren das natürlich andere Zeiten… Zeiten, in denen man die damals noch Volksparteien wirklich auseinander halten konnte. Jede Abstimmung im Bundestag war eine Frage von Krieg und Friedn, und bis hinunter zum letzten Gemeinderat im kleinsten Dorf wurden Stellvertreterkriege gefochten.

Aber andererseits: Typisch links. Anstatt zu überzeugen, zu diskutieren, zu reden oder generell den anderen einfach zu akzeptieren und den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen, haben sie lieber ausgegrenzt und isoliert. Wie gesagt, eine typisch linke Eigenart. Nicht dass die anderen auf ihre Art besser wären…

Die einzigen Linken, die in den 80ern gut und überhaupt diskutieren konnten, waren die armen Kerle von der DKP. Die hatten einen schweren Stand am Infostand, weil sie nicht an irgendeiner Bundesregierung beteiligt (gewesen) waren und deshalb beleidigt über einen Machtverlust waren – da sie ja nie Macht gehabt hatten. Die mussten tatsächlich und hauptsächlich über ihre politischen Ziele reden und hatten doch immer die DDR als Klotz am Bein und nicht einen verbündeten Gemeinderat im Ort. Gerade als Linker machte es Spass, mit diesen Parteivertretern zu diskutieren, auch wenn man oft als JU-Mensch eingeschätzt wurde.

Aber schon die 80er waren wohl harmloser als noch die wilden 70er.

6) Dieter Carstensen, Dienstag, 19. Juni 2012, 09:13 Uhr

@ 5) m.g.t Lieber Mitkommentator,

in der Nachbargemeinde von Waldbröl, Oberbergischer Kreis, Süd/NRW, dem Dorf Morsbach gab es bis in die achtziger Jahre im Gemeinderat eine Fraktion der DKP. Hing damit zusammen, dass ihr Vorsitzender ein von allen Seiten anerkannter Widerstandskämpfer gegen die Nazis gewesen war.

Stimmt, die Jungs hatten, gerade im eher konservativen oberbergischen Kreis, die DDR wie einen Klotz am Hals, wie Sie richtig schreiben, aber gut argumentieren konnten sie.

Gespräche mit ihnen waren nie langweilig, sie hatten ihre Dialektik drauf.

Überzeugen konnten sie mich zwar nicht, aber ich bin als junger Mensch jährlich zu den Pressefesten der UZ (Unsere Zeit) der damaligen Zeitung der DKP gefahren, weil dort einfach zig gute Musiker umsonst auftraten und man Spass zusammen haben konnte, wenn man die Ideologie aussen vor liess.

Fiel mir gerade so ein, aus meinem Leben,

M.f.G.

7) der Herr Karl, Donnerstag, 21. Juni 2012, 15:52 Uhr

Gut zu wissen: Journalisten agieren ideologisch. Jedenfalls dann, wenn sie über 25 Jahre alt sind.

8) m.g.t., Freitag, 22. Juni 2012, 17:49 Uhr

@Dieter Carstensen
Also ich glaube, dass Sie Namen wie Waldbröl und Morsbach erfunden haben :-)

Im Ernst: Sie haben völlig Recht. Da die meisten Musiker links stehen und die SPD oft als zu staatstragend angesehen wird, weil sie eben bis auf Halbsätze im Parteiprogramm (“Sozialismus”, “männliche Gesellschaft überwinden”) KEINE Revolution will, war die DKP der Ort des Widerstands. Und alten Widerstandskämpfern nahm man eben noch ab, gegen was sie waren. Aber das ist sicher überall so: Charismatiker finden immer ihr Publikum. Und das ist dann wieder das Manko der 150prozentigen: Die glauben, es komme eben nicht auf den/die Chef/in an, sondern auf das Wahlprogramm. Und da der Anteil der 150prozentigen wohl steigt mit zunemendem Abstand zur politischen Mitte, sind solche Randparteienimmer der eingebauten Selbstzerstörung ausgesetzt. Mit jedem Misserfolg werden die verbleibenden Getreuen fanatischer und kämpfen doppelt um den .. naja, [belasteter Begriff hier einsetzen].
Die DKP dagegen hatte Jahrzehnte Zeit, sich mit ihrr Bedeutungslosigket anzufreunden, vielleicht war sie deshalb souverän genug, Stimmenanteile unter der Nachweisgrenze stoisch einzustecken und immer wieder aufzustehen. Das verbitterte Krampfaderngeschwader beider Geschlechter war da schon längst in anderen Parteien beheimatet.

Schönes Wochenende,
m.g.t.

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