- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Machtversessenheit

Es gibt immer wieder Politiker, neben vielen ehrenwerten und fähigen natürlich, die ihrem Amt und dessen Anforderungren nicht gewachsen sind. Die einen steigen nach dem Peter-Prinzip bis zur Stufe der Inkompetenz auf, die anderen sind Spitzenämtern charakterlich nicht gewachsen.

Einer von der letzeren Gruppe war Christian Wulff, ein zweiter der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus.

Mappus ist eine Musterbeispiel der unheilvollen Mischung Machtversessenheit und Größenwahn. In seinem unbedingten Willen, die Landtagswahl zu gewinnen, ließ er sich von einem französischen Energiekonzern und skrupellosen Bankmanagern über den Tisch ziehen. Das war die Machtversssenheit.

Und in seinem Größenwahn überging er das Kabinett und das Parlament und glaubte, er als studierter Diplom-Ökonom könne wie Superman im Alleingang einen Milliardendeal durchziehen. Er wollte sich ein Denkmal als der Mann setzen, der Baden-Württembergs Energieversorgung gesichert und vor bösen Investoren gerettet hat.

Die Einzelheiten dieses Skandals sind bizarr (“Truppen gegen Mutti” Merkel in Marsch setzen) und passen eigentlich gar nicht zu einem schwäbischen Konservativen. Aber so wie Wulff jede Vorsicht im Umgang mit den Berühmten und Reichen des Landes außer acht ließ, so überging Mappus alle Regeln des Haushaltsrechts und der normalen menschlichen und finanziellen Umsicht – zum Millionenschaden des Landes, dessen Nutzen zu mehren, er geschworen hatte.

Mappus glaubte, eine Treibender und Macher zu sein und merkte gar nicht, dass er getrieben und gemacht wurde. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen waren wie bei Wulff überfällig, letzlich ausgelöst durch einen niederschmetternden Bericht des Rechnungshofes. Mappus ist tief gefallen, tiefer geht es kaum, aber er selbst ist der Urheber seines Abstiegs. Machtgier hatte ihm Verstand und Sinne umnebelt.

Die baden-württembergische CDU wird jetzt Jahre damit zu tun haben, den Wählern zu vermitteln, das Mappus kein Systemfehler war. Wenn das überhaupt geht. Denn das System steht auch einem neuen Wulff oder Mappus offen.