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Sonntag, 26. August 2012, 18:31 Uhr

Wenn ein Hühnerhaufen Europa führt

“Ziel der gesamten Bundesregierung ist es, dass Griechenland Teil der Euro-Zone bleibt.”
Angela Merkel am 24. August 2012.

“Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone. Nach meiner Überzeugung führt an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kein Weg vorbei”.
Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU, am 26. August 2012

“Ein Land, das nicht in der Lage ist, dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein innerhalb der Euro-Zone, stellt sich besser außerhalb”.
Thomas Silberhorn, CSU-Bundestagsabgeordneter, am 26. August 2012

“Das Gerede muss aufhören, dass Griechenland raus müsse aus der Euro-Zone”.
Markus Ferber, Chef der CSU-Gruppe im Europa-Parlament, am 26. August 2012

“Das Mobbing gegen einzelne Euro-Länder aus parteitaktischem Kalkül muss aufhören. Es schadet dem Ansehen Deutschlands. Dieses Griechenland-Mobbing untergräbt die Politik der Bundesregierung, auch der Bundeskanzlerin”.
Bundesaußenminster Guido Westerwelle (FDP) am 26. August 2012

“Wir sind im Augenblick in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise. Meine Bitte: Jeder sollte die Worte sehr wägen. Wir haben füreinander in Europa Verantwortung”.
Angela Merkel am 26. August 2012

Stimmen aus der schwarze-gelben Koalition innerhalb von nur drei Tagen. Es gilt der bekannte Satz: “Ein Hühnerhaufen ist dagegen eine geordnete Formation”.

Diese Kakophonie ist Ausdruck einer europapolitisch kaum noch konsensfähigen Regierungskoalition. Und einer täglich schwindenden Autorität der Bundeskanzlerin. Innenpolitisch könnte Deutschland damit notfalls leben. In einem Jahr wird gewählt.

Außenpolitisch aber nicht. Die Euro-Krise fordert heute eine handlungsfähige Regierung und nicht erst im Herbst 2013. Die Krise hat ein höheres Tempo als die deutsche Parteipolitik mit ihren taktischen Spielchen.

Es geht um mehr, und da hat Westerwelle recht, nämlich um das Ansehen Deutschlands als Führungsmacht Europas. Wer soll im Ausland noch Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der deutschen Bundesregierung haben, wenn die sie tragende Koalition “die Politik der Kanzlerin untergräbt”?

Welche Politik eigentlich? Genau diese Frage dürfte das Problem und der Grund für die Kakophonie sein.

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45 Kommentare

1) StefanP, Sonntag, 26. August 2012, 18:50 Uhr

Schaue ich mir die Stimmen in Frankreich der letzten Tage an oder die finnische Regierung oder die Gerüchte in Italien um einen bevorstehenden Sturz des Technokraten Mario Monti, so befindet sich die deutsche Bundesregierung nicht allein. Über den Gartenzaun schauen nennt man so etwas. Zugegeben, für Gartenzwerge ist das meist nicht so einfach.

In unserem westlichen Nachbarland hat der frisch gewählte Präsident Francois Holland binnen drei Monaten mächtig an Zustimmung eingebüßt. Gerade die Hälfte seiner Landsleute traut ihm noch. Die finnische Regierung plant den Ausschluss Griechenlands und empfiehlt den Hellenen die Ausgabe von Pfandanleihen. Allein, inzwischen scheint Samaras sogar Inseln in der Ägäis verkaufen zu wollen, wenn sie denn jemand haben wolle. Nur bei diesem Chaosladen, wo Athener Beamte einen Heidenspass am Erfinden neuer Verwaltungsvorschriften austoben, möchte sich kein Investor auf ein solches Abenteuer einlassen.

In der amtierenden Bundesregierung marschiert nur der aktuelle FDP-Vorsitzende und angebliche Wirtschaftsminister quer. Das kann man durchaus aushalten.

2) Wikinger, Sonntag, 26. August 2012, 18:59 Uhr

Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr sagt der Volksmund.

Aber wir müssen uns bei solchen Äußerungen immer klar werden wer da was sagt. Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen das wenn Dobrindt, Söder oder Seehofer etwas polemisches fordern dies immer am Samstag gegen die Mittagszeit geschieht? Damit schaffen sie es Samstag nachmittags in die Onlinemedien und die Nachmittag-/Abendnachrichten. Damit ist Sonntag Feuer frei am Stammtisch angesagt. Montags ist man wieder verdächtig still und kriecht unter Muttis Hosenanzug. Ich frage mich was schlimmer ist, solche Pfeifen als verantwortliche Politiker oder Menschen die auch noch glauben was diese Herren vor sich hin salbadern. Ich hab mal den Test gemacht mit der Kneipe hier um die Ecke, der Stammtisch mit leicht älteren Herren schwarzbraun angehaucht diskutiert wie gewünscht über dieses Thema. Damit hat Dobrindt erreicht was Horst der Scheinheilige wollte, die Lufthoheit über den Stammtischen.

Wir dürfen auch nicht vergessen dass der CSU im allgemeinen die Muffe saust, es steht schließlich eine Wahl ins Haus bei der man die Regierungsgewalt verlieren könnte. Man wehrt sich in Bayern nicht umsonst mit Händen und Füßen gegen eine Zusammenlegung von Bundes- und Landtagswahl weil man Angst hat für die Politik der Kanzlerin, die von der CSU ja voll mitgetragen wird, ab gestraft zu werden. Die Polemik wird mit näher rückendem Wahltermin und schlechter werdenden Umfrageergebnissen noch schriller werden. Ich könnte mir sogar vorstellen das man den Raubkopiergrafen von Guttenberg wieder aus dem Hut zaubern will, weil er hat die Haare schön…

Die Herren der CSU können sagen was sie wollen, solange sie in Berlin allem zustimmen was Merkel ihnen vorkaut sind sie nicht glaubwürdig. Da können sie noch so viel in jedes Mikrofon das nicht schnell genug weg gezogen wird erzählen. Aber solange es genug, entschuldigen sie den Ausdruck, Idioten gibt die ihnen alles abkaufen bleiben aber die Herren an der Macht.

3) Erwin Gabriel, Sonntag, 26. August 2012, 19:10 Uhr

Scheint, als hätte Frau Höhler recht.

4) Katja Neutze, Sonntag, 26. August 2012, 19:21 Uhr

Nein, Herr Spreng!
Wir sind gerade in einer Phase der öffentlichen Meinungsbildung.
Dies ist kein Problem oder ein Rückschritt, sondern ein Fortschritt gegenüber der Situation, dass es EINE offizielle Meinung zu diesem Themenkreis gab, die alle Parteien vertreten haben (die Nationale Front der DDR lässt grüßen) und jeder, der sich öffentlich vorsichtig dagegen positioniert hatte, marginalisiert und verunglimpft wurde.
Es ist kein Zufall, dass die kritischen Stimmen aus Bayern kommen. Dort gibt es eine politische Gruppierung mit guten Wahlchancen, die sich getraut hat, eine abweichende Meinung zu äußern, ich meine die Freien Wähler. Die CSU muss jetzt dieses Feld besetzen, um nicht viele Stimmen an diese Freien Wähler zu verlieren.
Zugegeben, außenpolitisch macht es das der wackeren Bundeskanzlerin nicht leicht. Aber es kann nicht sein, für eine pflegeleichte Außenpolitik die Grundsätze der Demokratie zu opfern.
Erinnern Sie sich?
‘Auf einen Hinweis Bosbachs auf die im Grundgesetz garantierte Entscheidungsfreiheit von Abgeordneten soll Pofalla zudem geantwortet haben: “Ich kann den Scheiß nicht mehr hören.” Auch soll er dem Kollegen vorgeworfen haben: “Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt.”‘

5) Peter Christian Nowak, Sonntag, 26. August 2012, 19:23 Uhr

“Welche Politik eigentlich?” Das fragt man sich. Und Sie stellen die Frage zu Recht.
Es geht auch um die Frage, wie es um die Architektur Europas bestellt ist. Keine Verfassung, nur ein Vertrag, schnellstens mit vielen Fehlern zusammengezimmert. So wurde die Währung Euro entgegen der eigentlichen Absicht zum Spaltpilz, anstatt zur Triebfeder der Integration.
Auf solch fehlerhafter Grundlage kann man wirklich nicht stabil bauen. Und schon lange kein Haus Europa. Chaos allenthalben. Die Bier- und Bauernpartei der Weiss-Blauen und deren Äußerungen zur Euro-Rettung genügt allenfalls niedrigstem Niveau der Biertischler. Sie erreichen nur die Einfachstgestrickten.

6) Peer Sylvester, Sonntag, 26. August 2012, 19:24 Uhr

Wie wahr! Wenn ich zum ersten Mal Herrn Westerwelle bei irgendwas zustimmen muss, ist das ein Zeichen für die Auflösungserscheinungen…

7) Karsten Lucke, Sonntag, 26. August 2012, 19:33 Uhr

Habe dazu auch vorhin gebloggt, aber die CDU Perspektive eingenommen. Wo bleibt in dieser unsäglichen Debatte die alte Europa-Partei von Adenauer und Kohl? Und warum spricht die BK kein Machtwort bei dem Getöse von CSU und FDP? Die kleine Rüge im Bericht aus Berlin hilft da auch nicht.

Die “Europa-Partei” CDU… kriegt das Maul nicht auf

http://wp.me/p2iNnv-gl

8) Werner Berger, Sonntag, 26. August 2012, 19:48 Uhr

Ist es wirklich ein “Hühnerhaufen”? Speziell die Aussage des Herrn Silberhorn wird man doch auch dann unterstreichen können, wenn man grundsätzlich für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ist. Und ich bin mir sicher, dass auch Herr Dobrindt sich eines Besseren belehren lässt, wenn die Griechen alle Auflagen erfüllen und sich damit der ihnen erwiesenen Hilfe würdig erweisen. Und wenn nicht …

Die Autorität von Angela Merkel sehe ich nicht in Frage gestellt.

9) Anonym, Sonntag, 26. August 2012, 19:59 Uhr

Das Problem ist doch, dass man jetzt sieht, dass man im Jahr 2010 einen fundamentalen Fehler gemacht hat: Man hat exakt die Leute, die für die griechische Kriese maßgeblich mit verantwortlich waren, angewiesen, diese nun im Gegenzug zu Nothilfen zu lösen, aber übersehen, dass die griechischen Regierungen dazu schlicht nicht in der Lage sind. Und nicht nur das: Die Zustände haben sich verschärft. Und dann verliert Merkel auch noch zum ersten Mal gegen den von ihr mittelbar an die Macht gebrachten italienischen Premier Monti in Brüssel und wird von diesem ebenso wie den ihn unterstützenden Zeitungen verhöhnt. Angesichts dessen finde ich es durchaus legitim, seine Meinung zu 2010 zu ändern. Selbst Hollande, der französische Präsident, will ja inzwischen den Griechen keine weiteren Zugeständnisse mehr gewähren. Das spricht aus meiner Sicht schon Bände dafür, wo Griechenland eigentlich steht. Es wäre nur schon, wenn die komplette Regierung endlich einmal einen Fehler anerkennen und Fakten schaffen würde!

10) Horst Klohocker, Sonntag, 26. August 2012, 20:24 Uhr

„Ich sehe die Akropolis noch stehen, wenn der Euro schon längst Geschichte ist!“ Dieser Spruch ist von mir und da ich nicht vor habe nächstes Jahr mich für ein politisches Amt zu bewerben, kann ich diesen Spruch auch wagen.

Was mir aber in der Zwischenzeit nicht gefällt ist die Tatsache, dass die kleinen Bürger in Griechenland das ausbaden müssen, was Banken verursacht haben. Weiter gefällt mir nicht, dass dem kleinen Bürger in Deutschland glaubhaft gemacht wird, dass der kleine Bürger in Griechenland auf seine Kosten lebt und das Schlimmste: viele klein(…) Bürger in Deutschland glauben es sogar.

Warum machen unsere Politiker nicht endlich Politik für die kleinen Deutschen, Franzosen, Griechen, Europäer, Menschen….. Warum lässt man Banken nicht pleite gehen, wenn sie sich verspekuliert haben? Der Staat hilft dann, indem er sie übernimmt und auf ein gesundes Maß schrumpfen lässt. Manche würde eventuell sogar ganz verschwinden, wenn sie ökonomisch unnütz oder gar schädlich sind. Warum hilft man nicht endlich den wahren Opfern der Krise – Menschen welche in ihrer Existenz bedroht sind. Solche Gedankenansätze sehe ich so gut wie gar nicht – weder bei der Regierung noch bei der Opposition!

11) Venjan, Sonntag, 26. August 2012, 20:27 Uhr

Und all das ohne verfassungsmäßiges Wahlrecht…

12) Der Doctor, Sonntag, 26. August 2012, 21:59 Uhr

Joachim Endemann schrieb im Spiegelfechter:

“Es ist wirklich Ausdruck von Dummheit, glaubt man, daß es möglich sei, Nationen nach
betriebswirtschaftlichem Muster in Wettbewerb treten zu lassen. Nationen sind keine Unternehmen (und das meine ich jetzt nicht moralisch). Ein „Sieger“ in einem solchen Nationenwettbewerb verliert alles, wenn er glaubt, er habe alles gewonnen.”

Damit ist das ganze Dilemma des Euros erklärt,weil es zeigt ,warum der Euro eine Fehlkonstruktion ist.Es hätte vor seiner Einführung EU-weite mindestlohn-sozial-Arbeitsschutz-und Steuerstandards gebraucht,um genau diesen ruinösen und deflationären Unterbietungswettbewerb zu vermeiden,den nunmal keine Gemeinschaftswärung aushält.
Das Gerede von einer Führungsmacht Deutschland in Europa bestätigt Jens Bergers Feststellung,das wir uns in Europa auf Zustände von 1914 zubewegen.Mit der Selbstherrlichkeit ,sich als Herrschermacht von Europa aufzuspielen, hat die Regierung Merkel den Ruf Deutschlands in Europa bereits massiv beschädigt.Übrigens: Die griechische Staatsquote(Staatsausgaben im Verhältnis zum BiP) lag zu beginn der Krise knapp unter der Deutschen(2007:43,5,D:43,8),womit die These,der zu hohen Staatsausgaben ,die in die Krise führten widerlegt ist.Das wird sie im übrigen auch ,dadurch,das Zypern und Slowenien unter den Rettungsschirm müssen,obwohl ihre Staatsverschuldung(60,bzw.47% vom BiP) deutlich unter der deutschen(80%) liegt.Auch sie müssen jetzt ihre Banken retten.

13) apex, Montag, 27. August 2012, 00:07 Uhr

Was zu beobachten sind sind Auflösungserscheinungen eines politischen Kartells in einer Sachfrage. Frau Merkel hätte vermutlich erheblich weniger Schwierigkeiten, eine geschlossene Politik zu präsentieren, wenn diese nicht gegen eine Zweidrittelmehrheit der Wahlberechtigten und mutmasslich eine noch größere Mehrheit der eigenen Wähler stellen würde. Was sie als Kakophonie bezeichnen ist Teil des demokratischen Prozesses, nicht mehr, nicht weniger, Das mag unordentlich wirken (und auch sein), aber nur eine politische Willensbildung durch diesen Prozess und legitimiert mit breiter Mehrheit durch den Souverän ist dauerhaft tragfähig, wo es “Basta” und “alternativlos” (die passiv-aggressive Version von “Basta”) nicht mehr sind.

14) kleinErna, Montag, 27. August 2012, 01:14 Uhr

Welche Politik, welche Linie? Jeder Gefragte oder auch Ungefragte kräht in jedes ihm (oder ihr) hingehaltene Mikrophon, erzählt etwas von “seiner/ihrer Meinung” oder gar der “seiner/ihrer Partei”, obwohl dort die Meinungen unterschiedlicher sind, als in der Bevölkerung selbst.

Wie oft wurde eigentlich schon gesprochen und (nicht nur hier) geschrieben, dass diese Koalition nicht in der Lage ist zu regieren? Seit ca. den ersten 100 Tagen! Und was hat sich geändert? Nichts! Es wird tagtäglich neu bewiesen!

Noch immer versucht die CSU und dort dieser unartige, unerzogene und unfähige Alexander Dobrindt aus dem Oberland (der offenbar einmal auf dem Hohenpeissenberg ausgerutscht und beim Herunterfallen ein paar Mal unsanft mit dem Kopf aufgeschlagen zu sein scheint) mit dummen Reden beweisen zu wollen, dass die CSU die bessere der Regierungsparteien ist. Die FDP hat nach dem Westerwelle-Schreihals nun den schlafmützigen Nuschel-Phillipp, der zwar gelegentlich einen Witz erzählen, aber nicht regieren kann und bringt noch immer nichts auf die Reihe. Uns Angela, das Mutti-Mädel verschleißt sich in der selbstgestrickten Außenpolitik und überlässt alles Innere den nur sehr bedingt geeigneten Fachministern und den völlig überforderten Herren Pofalla und Kauder.

Es war, ist und bleibt ein Desaster und man kann nur inständig hoffen, dass die immer noch in der Überzahl befindlichen Merkel-Verehrer uns diese Truppe bei der Wahl 2013 nicht noch einmal auf die Pelle wählen! Es wäre mehr als schädlich, auch und vor Allem für unser Image nach außen; mit allen negativen Folgeerscheinungen!

Man könnte Stunden und Tage, ja sogar Wochen damit verbringen, gegen diese Pseudo-Regierung zu polemisieren und man hätte immer Recht und säße immer am längeren Hebel. Trotzdem muss man zumindest hinter vorgehaltener Hand zugeben, dass das Regieren in heutiger Zeit nicht einfach ist, und dass seit den 16 Jahren Kohl-Regierung ein Vorbeikommen an den Lobbyvertretern aus Wirtschaft und Finanzen nicht leichter geworden ist. Trotzdem könnte man Vieles sicher besser machen.

Ob es Andere besser können, weiß ich auch nicht, man sollte ihnen aber bei der nächsten Wahl einmal eine Chance geben; für eine Legislatur zumindest einmal.

15) Sabine Zielke-Esser, Montag, 27. August 2012, 07:56 Uhr

Ich habe gestern Herrn Dobrindt die folgende Mail geschickt:

Sie sehen einen „geordneten Austritt“ Griechenlands aus dem Euro und einen anschließenden „Marshall-Plan“. Das klingt gut – meine Frage ist: wer organisiert den „geordneten Austritt“ und gar den „Marshall-Plan“? Wer trifft die Vorbereitungen? Irgendeine Institution, irgendein Gremium, irgendwer? Oder fällt das vom Himmel?

Es ist Sache der Opposition zu reden, es ist Sache der Regierung zu handeln. Falls es Ihnen entgangen sein sollte: SIE sind an der Regierung! Also quatschen Sie nicht nur, gehen Sie endlich an die Arbeit! Legen Sie ein Konzept vor: Erstens, zweitens, drittens… Ohne diese Mühe bleiben Sie leider nur ein Schwätzer unter vielen.

Griechenland ist in so auswegloser Lage, weil seine Politiker seit zwei Jahren nur reden und nicht handeln – ebenso wie Sie.

16) j.m.backhaus, Montag, 27. August 2012, 07:58 Uhr

Endlich! Mit Ihrem letzten Satz Herr Spreng, haben Sie den zarten Nerv dieser Leichtmatrosentruppe getroffen.
In der Klasse bis 30 kg wäre M unschlagbar und in einer Welt ohne biologische Ressentiments könnte man diesen Außenminister auch in alle Länder schicken.
Aber so wie es ist, ist es ein Drama, das rasch beendet werden muss, damit Deutschland seine Aufgaben wahrnehmen kann. Oppermann aufwachen, Sie werden gebraucht. Siggi2stein (Entschuldigung, ein Plagiat) wäre damit überfordert.

17) Erwin Gabriel, Montag, 27. August 2012, 08:48 Uhr

4) Katja Neutze, Sonntag, 26. August 2012, 19:21 Uhr

>> Wir sind gerade in einer Phase der öffentlichen Meinungsbildung.

Die öffentliche Meinung hatte sich schon lange gebildet. Nun bildet sich im typischen “ja, aber”-Stil die Regierungsmeinung – in der Öffentlichkeit.

Unter demokratischen Aspekten gebe ich Ihnen aus vollstem Herzen recht – dass jetzt verschiedene Meinungen zu diesem wichtigen Thema öffentlich und ohne Diskriminierung diskutiert werden können, tat not.

Die Regierungsmeinung zur Euro-, Griechenland- oder gar Europa-Frage öffentlich auszufechten (erst recht, nachdem die Kanzlerin nach langem Zaudern sich gegen, dann doch “alternativlos” für eine “Rettung” von was auch immer eingesetzt hat), ist ein politisches Armutsszeugnis sondergleichen.

18) Erwin Gabriel, Montag, 27. August 2012, 09:12 Uhr

@ 12) Der Doctor, Sonntag, 26. August 2012, 21:59 Uhr

>> Das Gerede von einer Führungsmacht Deutschland in Europa bestätigt …

Führungsmacht…. Wir haben nicht mal eine “Führung” in Deutschland (bestenfalls eine Verwaltung), wie soll Deutschland denn da Europa machtvoll führen….

Deutschland hat die mit Abstand stärkste Wirtschaftsmacht im Euro-Raum, mithin das meiste Geld. Die Führung, die “Europa” von uns verlangt, ist die Führung der Brieftasche. In allen anderen Bereichen sollen wir die Klappe halten.

Ob wir auf unsere Bevölkerungszahl, auf unsere Wirtschaftskraft oder auf unsere Beiträge schauen – nach allen Kriterien sind wir “untervertreten”. Der Spielraum, den Deutschland hat, ist einfach nur, die Brieftasche irgendwann zuzulassen.

Europa ist allzu oft genug die Bühne für Zicken, Diven, Eitle und Selbstdarsteller. Natürlich profitiert auch Deutschland von Europa, keine Frage, aber in Relation profitieren alle anderen Länder mehr. Das ist, in einem gewissen Rahmen, gewollt und aufgrund unserer enormen Wirtschaftsleistung auch akzeptabel .

Doch obwohl Deutschland das europäische Land ist, dass weit und breit die europafreundlichste Einstellung hat, dass von allen Ländern am meisten tut, um den europäischen Gedanken nicht sterben zu lassen, dass jederzeit am tiefsten in die Tasche gegriffen hat und zu greifen bereit ist, gilt Deutschland als Buhmann.

Europa will von Deutschland unbegrenzte Solidarität, koste es uns, was es wolle. Unser Geld soll spanische, griechische französische Banken retten. Deutschland selbst hat keine Solidarität zu erwarten – mit unseren Banken standen wir allein im Regen.

Ich bin – wie sicherlich viele auch unter den Mitkommentatoren hier – bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen. Aber die eigene Volkswirtschaft, die eigene Zukunft und die meiner Kinder aufs Spiel zu setzen und mich dafür auch noch beschimpfen zu lassen, ist nicht meine Vorstellung von Europa.

Europa soll sich aussuchen, wo Deutschland steht. Nur eine Stimme wie alle anderen, nur ein Beitrag wie alle anderen. Oder aufgrund unserer Wirtschaftsleistung die fettesten Beiträge, aber dann auch einen entsprechenden Stimmanteil. Alles andere ist Verarsche.

19) Werner, Montag, 27. August 2012, 09:19 Uhr

Treffende Analyse. Ich habe dazu nie einen so krassen Gegensatz zwischen Zuspruch für die Kanzlerin und der fehlenden Qualität der Handelnden erlebt. Alles was Merkel in der Eurokrise (“Schuldenkrise” ist die Folge nicht die Ursache) nicht wollte, ist gekommen – Hilfspakete, immer mehr Haftung Deutschlands, noch mehr Arbeitslose, noch mehr Schulden, noch weniger Wirtschaftsleistung in den Krisenländern. Warum wohl? Wegen des desaströsen Kaputtspardiktats von der Troika, Merkel und Co. Wie sagte Merkel 2008 “Wir dürfen nicht in die Krise hineinsparen.”
Warum sollen es die Krisenländer? die von Deutschlands niedrigen Lohnstückkosten niederkonkurriert wurden?

Deutschland schaffte es nicht mal in einem robusten Aufschwung einen Cent im Saldo zu sparen – wie sollen es die Krisenstaaten da sogar ohne Aufschwung schaffen? Logisch unmöglich! Dass das nicht nicht eingesehen wird, ist ein Offenbarungseid der die Risiken für die Implosion der Eurozone verschärft. Es ist völlig unbegreiflich, was an der grottenschlechten Krisenpolitik der Merkel-Regierung gut sein soll.

20) Klaus Jarchow, Montag, 27. August 2012, 09:46 Uhr

Hörnsedochma uff, zu mosern: Das ist die berühmte feste Hand, mit der Frau Merkel diese Republik und unsere hochweise Regierung in eine leuchtende Zukunft zu führen weiß! Und alle Umfragen sagen das auch: Dies Volk will nicht den Barrabas – dies Volk will mehr Mutti wagen!

21) Erika, Montag, 27. August 2012, 10:01 Uhr

@13) apex, Montag, 27. August 2012, 00:07 Uhr

“Frau Merkel hätte vermutlich erheblich weniger Schwierigkeiten, eine geschlossene Politik zu präsentieren, wenn diese nicht gegen eine Zweidrittelmehrheit der Wahlberechtigten und mutmasslich eine noch größere Mehrheit der eigenen Wähler stellen würde.”

Aber mit Verlaub, es war doch Frau Merkel, die diese Situation geschaffen hat. Sie war es doch, die im Wahlkampf in NRW 2010 “Kein Cent für Griechenland” populistisch benutzt hat um als die eiserne Kanzlerin dazustehen.

http://www.ftd.de/politik/europa/:kritik-an-faulen-europaeern-merkels-griechen-bashing-im-faktencheck/60054457.html

Dies ist doch ein gutes Beispiel für die Thesen von Frau Höhler. Der Machtanspruch von Angela Merkel (Wahl in NRW) ist wichtiger als die Lösung der Griechenlandproblematik. Aber die Presse und auch Herr Spreng reden ja nicht über die Thesen von Frau Höhler, sie reden über Frau Höhler.

Es ist wie beim Zauberlehrling: “Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los”

22) Frank Reichelt, Montag, 27. August 2012, 10:32 Uhr

Soweit ich weiß, sind weder Alexander Dobrindt noch Thomas Silberhorn Mitglied der Bundesregierung und haben auf einem europäischen Gipfel kein Entscheidungsmandat.

Ich muss mich immer wieder über die von Herrn Spreng gespielte Naivität amüsieren, mit der er hier den scheinbar empörten politischen Beobachter gibt! Als ob das nicht früher, besonders unter Strauss Zeiten nicht genauso oder sogar noch schlimmer gewesen wäre, schon vergessen Herr Spreng?
Wie einer meiner Vorredner schon richtig erkannt hat, ist es im Ausland ganz genauso, meistens ist der Ton noch viel rüder als in Bayern.

Wenn Herr Spreng Dobrindt oder Silberhorn ernst nimmt, ist er selber schuld, ein langjähriger und erfahrener Beobachter der Bonner-Berliner Szene sollte es eigentlich besser wissen.

23) Politikverdruss, Montag, 27. August 2012, 10:58 Uhr

Es ist merkwürdig. Wenn der Oberspekulant Herr Soros sich wöchentlich in „keynesianischer Ausrichtung“ in die Euro-Politik einmischt, nimmt niemand daran Anstoß. Auch nicht daran, dass er sich mal mal so eben ein „Wirtschaftsforschungsinstitut“ (INET) „kauf“t und durch „17 renommierte Ökonomen“ seine Sicht der Dinge verkünden lässt. Die politische Richtung „stimmt eben“. Werden dagegen Euro-kritische Stimmen laut, bricht ein medialer Sturm über die Kritiker herein. Dadurch aber wird aber ein politischer Willensbildungsprozess, der in einer Demokratie natürlich öffentlich stattfindet, gefährlich untergraben. Frau Höhler hat sehr wohl Recht, wenn sie von einer schleichenden Entdemokratisierung spricht.

„Die von der Politik diskutierten Projekte einer Fiskalunion und einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung Europas sieht die große Mehrheit kritisch.“ Vielleicht könnte man das mal zur Kenntnis nehmen.http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesverfassungsgericht-das-bollwerk-11863396.html. Es geht nicht um Deutschlands „Ansehen“, sondern um die ökonomische Existenz des Staates und um den Fortbestand der grundgesetzlichen Ordnung.

„Insgesamt 71 Prozent der Bevölkerung wünschen eine Mitsprache des Gerichts bei Entscheidungen über eine Verlagerung nationaler Kompetenzen auf die europäische Ebene, 62 Prozent auch generell eine Mitsprache bei Rettungsmaßnahmen für den Euro.“ So das Allensbach-Institut. Warum ist das so? Warum vertrauen die Deutschen inzwischen dem BVerfG mehr als der deutschen Politik. Darüber sollte man sich mal Gedanken machen und nicht darüber, was irgendwelche Parteipolitiker so täglich von sich geben.

24) Satzzeichenfehler, Montag, 27. August 2012, 11:27 Uhr

Ganz persönlich betrachtet kann ich diese harte Kritik nicht nachvollziehen. Weil: Als überzeugter Europäer war ich 2002 110% vom Euro überzeugt. Dass die Währungsunion aber nur bei schönem Wetter funktionieren kann, weil die politische Einigung Europas ( ich weiß, das ist illusionär) zwingend der Währungsunion hätte vorausgehen müssen ist mir erst spät gedämmert. Wie so manches andere auch. Und das ist der Punkt: Das ist nicht nur mir so gegangen. Die momentane Diskussion, der Hühnerhaufen, spiegelt nur die Erkenntnisklage der breiten Bevölkerung wieder. Mir sind die, die momentan alte Positionen überdenken und unsicher nach neuen suchen lieber, als die Fraktionen der jetzt-erst-recht Europäer und der ich-hab’s-ja-schon-immer-gewusst Eruo-Gegener. Weil von denen können keien neuen Impulse kommen. Wer natürlich einer der beiden genannten Parteien anhängt wird das anderst sehen, das ist mir klar.
Und noch was: Ich bin mir auch nicht sicher ob das wirklich alles so ziellos ist. Angenommen unser aller Kanzlerin hätte schon längst eine Ahnung, dass Griechenland keine Zukunft mehr in der Währungsunion hat, wie würde sie dann erfahrungsgemäß vorgehen ? Würde sie sich vor die Bundespressekonferenz stellen und uns alle an ihren neuen Erkenntnissen teilhaben lassen ? Oder würde sie den ein oder anderen, der ausspricht was sie selbst vielleicht nur denkt, einfach mal laufen lassen um so die Reaktionen abzuwarten und, davon abhängig, den eigenen Kurswechsel sanft vorzubereiten. So wie ich Mutti die letzten Jahre wahr genommen habe wäre das zweite wahrscheinlicher. Ohne das werten zu wollen…..

25) T.D., Montag, 27. August 2012, 11:36 Uhr

Das Interview mit Frank Schäffler im DLF hat mir die Augen geöffnet.
Wir ordnen alle unsere Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mittlerweile dem Europa-Gedanken unter. Es herrscht in der deutschen Politik eine unheilvolle “Europa-Doktrin”. Diese Doktrin ist darin begründet, dass die Deutschen ihre Machtansprüche in Europa nicht mehr als Nationalsstaat verwirklichen können, sondern nur noch “verkappt” als Teil von Europa.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1850195/

26) der Herr Karl, Montag, 27. August 2012, 12:29 Uhr

Deutschland als Führungsmacht Europas – in Bezug auf was?
Bei den Waffenexporten trifft dies bestimmt zu: Nach USA und Russland auf Platz 3.

27) mkveits, Montag, 27. August 2012, 12:55 Uhr

Tipp: Radiosendung, heute – Montag – 20.05 WDR 5

Der Hintergrund der Krise – Machtergreifungsmodell -

Weil man offenbar die Lage, in der sich ganz Euro-Land befindet, nicht erkennt – erkennen kann oder will, findet die Regierung auch zu keiner konsistenten Politik.

Denn sie wissen nicht, was sie tun sollen … und müssen.

Die Kakophonie in den Ländern hat i.E. nur mit eigenen regionalen Interessen der Macht zu tun. Die Lösung der Euro-Krise – ob das den CSU-Mann-Dobrindt überhaupt interessiert?

Es fehlt den meisten an der Erkenntnis der Notwendigkeit, kurz- und langfristig wirkende Maßnahmen JETZT zu ergreifen, die aus der Ebene führen hin zu einem gestärkten Europa der Bürger, nicht der Banken.

28) DerBayer, Montag, 27. August 2012, 13:24 Uhr

22) Frank Reichelt

Da verkennen Sie die Regularien der Politik aber leider völlig. Figuren wir Alexander Dobrindt, zumal in der Funktion eines Generalsekretärs, werden natürlich von den “handelnden Personen” vorgeschickt um Stimmung zu machen, sowohl in der Bevölkerung, wie auch in der Regierung. Sie sind die “Vorkoster ihres Parteivorsitzenden” und insofern leider genauso ernst zu nehmen, als würden das Regierungsmitglieder oder die Verantwortlichen in den Koalitionsausschüssen selbst so sagen!

Naiv, mein Lieber, sind Sie und Ihr Vergleich der Strauß-Zeiten mit heute ist so weit hergeholt, wie es weiter gar nicht mehr geht. Dieser Herr, würde er in der heutigen Zeit leben und genauso agieren wie zu seiner Zeit, säße längst hinter Schloss und Riegel. Mappus hat das ansatzweise versucht.

Naiv, verehrter Herr Reichelt sind Sie, wenn sie meinen, dass man Leute wir Dobrindt und Silberhorn NICHT ernst nehmen sollte und naiv sind auch die Wähler, die diese für Jedermann sichtbaren und von oben gesteuerten Aussetzer ignorieren und weiterhin eine verantwortungslose CSU wählen, die mit dem Feuer spielt und zündelt.

Pech gehabt, mein Junge, gerade weil der Sprengmeister ein langjähriger und erfahrener Beobachter ist, hat er das im Gegensatz zu Ihnen erkannt und hier zum Thema gemacht.

29) Hutchinson, Montag, 27. August 2012, 13:46 Uhr

Der Tatbestand, daß Guido Westerwelle Außemninister ist, DAS schadet das Ansehen von Deutschland. Weltweit.

Zum eigentlichen Thema:
Buchautorin/Publizistin Gertrud Höhler hat Angela Merkel übelst genommen, daß sie damals die Kandidatur von Horst Köhler vorgeschoben hat. Ich kann verstehen, daß Fr. Höhler lieber den Teufel als Merkel sehen möchte. Nichtsdestotrotz: Ihre Argumentation über den merkelischen politischen Stil hat Hand und Fuß.
Alles um Frau Merkel herum wird ausgeschaltet, von ihr höchstpersönlich “unschädig” gemacht.
Der Enkel von Konrad Adenauer ist aus der CDU ausgetretten und hat jetzt seine politische Heimat bei den Freien Wählern. Das spricht Bänder !
Merkel allein zu Hause. In Deutschland und in Europal. Allesamt schadet es der Demokratrie und fördert mit hohem Tempo und ohne absehbare Folgen, die Politikverdrossenheit in diesem Lande.

30) Erwin Gabriel, Montag, 27. August 2012, 14:18 Uhr

Ein kleiens bisschen off Topic, aber auch mal interessant:

Unilever stellt sich auf neue Armut in Europa ein

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/unilever-stellt-sich-auf-neue-armut-in-europa-ein-1.17529971

31) Doktor Hong, Montag, 27. August 2012, 14:35 Uhr

Vielleicht ist es ja die grassierende Zunahme allzu selbstbezogener Tendenzen in unserer Gesellschaft, die dafür sorgt, dass es fast keinen Konsens mehr zu geben scheint.

Wollen wir Europa? Ja oder nein?

Wir sehen heute, dass das Eurosystem in der jetzigen, rudimentären Form schlecht funktioniert.

Packen wir es also an und schaffen auf europäischer Ebene Organisationen analog zur Weltbank und zum IWF, deren Aufgabe es u.a. ist, Aufbaukredite zu geben und die Zahlungsunfähigkeit einzelner Staaten abzuwenden?

Werden wir ein vereinheitlichtes Basissteuersystem auf die Beine stellen, mit europaweit einheitlich erhobenen Europasteuern, deren Erlöse in die Finanzierung dieser Organisationen fließen?

Bedenkswert finde ich folgenden Vorschlag, wie Thomas Fricke von der FTD referiert:

Danach könnte sich jedes Land verpflichten, einen festen Prozentsatz jener Steuereinnahmen in einen Fonds zu zahlen, die – wie die Mehrwertsteuer – besonders stark konjunkturgetrieben sind. Im Gegenzug würde das so gesammelte Geld nur in dem Umfang an die Länder zurückgegeben, wie es den Steuereinnahmen bei normal-durchschnittlicher Konjunktur entspricht, also nach normaler Größengewichtung.

Weiter:

Wenn es so ein Modell zum Euro-Start gegeben hätte, hätten die Deutschen spätestens Mitte der 2000er-Jahre Nettotransfers von Iren, Spaniern und (Achtung) Griechen bekommen müssen, was die hiesige Konjunktur vor dem damaligen Dauerstagnationsdrama geschützt hätte. Die Bundesregierung hätte deutlich weniger Druck verspürt und inmitten der Flaute nicht alle drei Monate heillos Abgaben erhöhen oder Investitionen kürzen müssen.

http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/08/03/die-kolumne-auch-mal-geld-von-den-griechen/#more-20904

32) Frank Reichelt, Montag, 27. August 2012, 14:45 Uhr

@ 28, Der Bayer

Sie teilen ja dann mit Sicherheit auch Herrn Sprengs Ansicht, dass Kommentatoren die sich anonym hinter einem Pseudonym verstecken, zumal wenn sie andere angreifen, Feiglinge sind!

Schönen Gruß von “ihrem Jungen”!

33) Eric B., Montag, 27. August 2012, 15:15 Uhr

Die Bundesregierung ist derzeit unfähig, irgendeine Entscheidung zu Griechenland zu treffen. Finanzminister Schäuble und Wirtschaftsminister Rösler haben sich als Hardliner positiniert, während Kanzlerin Merkel wider Erwarten versucht, Griechenland in der Eurozone zu halten. Vermutlich hat dabei der Besuch von Frankreichs Staatschef Hollande eine wichtige Rolle gespielt: er redete Merkel ins Gewissen, um einen “Grexit” zu verhindern.
http://lostineurope.posterous.com/warten-auf-die-troika

34) DerBayer, Montag, 27. August 2012, 16:40 Uhr

32) Frank Reichelt

Ja-mei (wie wir Bayern sagen), ob ich mich Hans Huber nenne, was nicht stimmt, oder Frank Reichelt, was möglicherweise auch nicht stimmt, spielt m.E. keine große Rolle. Daher bin ich im Netz “DerBayer” und das stimmt wenigstens.

Übrigens entspricht Ihre Antwort dem Unsinn, den schon unsere Eltern gepredigt haben: “Wer schreit, hat nie recht, auch wenn er recht hat”! grins

35) Thomas, Montag, 27. August 2012, 20:43 Uhr

In die BILD wickle ich gern alten Fisch ein. Im Ernst, BILD liest man nicht. Dagegen sind ja sogar WELTWOCHE-Leser intellektuell.

36) Ovid, Montag, 27. August 2012, 22:48 Uhr

Jeder Privatmann weiß wie wichtig es ist, seine Schulden nach Vereinbarung zu bezahlen, sonst gibt es Ärger Hoch 3. Auch in der Politik gilt das Prinzip, nehme nie mehr Geld auf, als das was du auch zurückzahlen kannst, denn läuft das Geschäft nicht, ist die Pleite da. Nun kann der Staat zwar Geld drucken und sich verschulden, muss es aber nach Vereinbarung zurück zahlen, Bundesschätzchen, etc.
Fazit: Ich kann mich nur verschulden, wenn ich genau weiß, ab morgen wird es besser und ich kann die Schulden termingemäß zurück zahlen.
Wer in Europa konnte das bisher? – Keiner!!!
Somit erübrigen sich alle Fantasien zum Beispiel des griechischen Präsidenten, “er zahlt es garantiert zurück.” Wer so argumentiert, dem sollte vor dem Frühstück die Bastonade gegönnt werden, 10 Schläge auf die Fußsohle, das macht er nur einmal und nicht wieder. Wer da noch in der Schlange steht, es sind Tausende – auch unsere selbst gewählten Leute, wir wissen es.
Ach die Reihe ist so lang, von Brüssel über London nach USA, usw., die Reihe würde über den Mond zum Mars und wieder zurück führen. Vergessen wollen wir die Politiker nicht, die schon vor drei Jahren Griechenland reichlich Kredit geben wollten, wegen der Konjunktur, wir haben es ja, auch unsere Rente ist ja noch da.
Der Euro ist nicht zu halten, warum ist das so schwer zu begreifen? Übrigens, die Amis sind schon länger pleite, aber in Ermangelung anderer Möglichkeiten wird denen der ganze Bond-Schrott immer noch abgekauft, weil zuviel Geld herumvagabundiert. Das haben uns die Amis eingebrockt. Wer einen Keller hat, sollte sich genügend Dosenfutter besorgen, ist nicht die schlechteste Idee. Außerdem noch ein paar Silbermünzen, kan auch nicht schaden.
Ovid

37) Erwin Gabriel, Dienstag, 28. August 2012, 10:34 Uhr

Hier die Meinung der NZZ:

Zwar denken mit Sicherheit viele in der politischen Klasse so wie Dobrindt. Aber hören mag’s halt keiner, denn es steht im Widerspruch zum Credo der Kanzlerin, die Athen erklärtermassen in der Euro-Zone behalten möchte – ob sie ernsthaft glaubt, dass dies gelingen werde, ist eine andere Frage. Entsprechend leidenschaftlich wurde Dobrindt zurechtgestutzt. Die Sozialdemokraten sprachen, wieder einmal, von der Regierung als «Chaos-Truppe». Die übrigen Qualifikationen reichten von «unerträglich» über «töricht» bis hin zum «provinziellen Gemecker». Nicht einmal Koalitionäre schonten Dobrindt. Ruhig und abgeklärt blieb wie immer nur Kanzlerin Merkel. «Meine Bitte: Jeder sollte die Worte sehr wägen», sagte sie liebenswürdig in einem Fernsehinterview und konnte darauf zählen, dass Dobrindt sich angesprochen fühlte.

Es gibt zwei Interpretationen dieser bemühenden politischen Show. Die konventionelle: Faktionen in der Regierungskoalition, aus der CSU vor allem, glauben tatsächlich – wie ein Grossteil der Wirtschaftsexperten und des Volkes – nicht mehr an eine Rettung Athens und nehmen sich die Freiheit, das auch zu sagen, worüber sich der Rest der Regierungsmannschaft dann tatsächlich ärgert. Die andere Version geht in Richtung «Good cop, bad cop». Dobrindt bedient den konservativen Teil der schwarz-gelben Klientel und lässt so Merkel, die sofort korrigierend eingreift, umso abgeklärter und reifer aussehen, was dem anderen Teil gefällt.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/gerede-ueber-athens-euro-exit-csu-generalsekretaer-dobrindt-aergert-merkel-1.17531358

38) Politikverdruss, Dienstag, 28. August 2012, 11:32 Uhr

EZB Direktor Asmussen: „EZB kann bei der Euro-Rettung nicht auf Demokratisierung warten.“ http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/28/asmussen-ezb-kann-bei-der-euro-rettung-nicht-auf-demokratisierung-warten/

So langsam geht‘s an die demokratische Substanz. Die selbsternannten Retter stellen die Euro-Rettung über das Recht. Warum wird das in den deutschen Medien nicht thematisiert? Stattdessen „hackt“ man auf den Generalsekretär einer Partei herum, zu dessen Aufgaben auch die politische Zuspitzung gehört.

39) Erwin Gabriel, Mittwoch, 29. August 2012, 12:36 Uhr

@ 38) Politikverdruss, Dienstag, 28. August 2012, 11:32 Uhr

>> So langsam geht‘s an die demokratische Substanz.
>> Die selbsternannten Retter stellen die Euro-Rettung
>> über das Recht. Warum wird das in den deutschen
>> Medien nicht thematisiert?

Vermutlich, weil man das alles nicht mehr versteht. Das Thema ist sehr komplex, kaum ein fachmann kennt sich wirklich aus, noch dünner das Wissen bei Politikern. Und so sabbelt jeder nach, was ein nach eigener Einschätzung kompetenterer Fachmann so erzählt. Und auf geht’s zum nächsten Thema, zur nächsten Schlagzeile.

40) Malota, Mittwoch, 29. August 2012, 19:37 Uhr

Der ganze Euromurks ist zur Zeit der Treuhand geplant geworden.
Wie diese ausgegangen ist wohl noch bekannt.
Es waren die gleichen Akteure = Nieten, welche heute noch schwätzen.
Kohl konnte nicht einmal Englisch, aber Altgriechisch.
Hätte doch mal “die schönsten Sagen des Klassischen Altertums” lesen sollen.
Von Gustav Schwab.
Dort ist kein Wort von Demokratie zu lesen.
Nur von Krieg, Mord und Betrug.
Und ein Vorspann zur Gründung Roms ist dabei.
Was daraus geworden ist, siehe heutige Misere.

41) storchnixe, Donnerstag, 30. August 2012, 15:38 Uhr

Mensch, man kann die Jammerei in den Blogs und Foren nichtmehr lesen. Hebt eure Ärsche aus den Sesseln und geht auf die Straße; jagt den Euro und unsere Politdeppen übern Jordan ! Aber man hat die Hose voll; es könnte ja eine Beule ins eigene Auto getreten werden.

42) rundertischdgf, Samstag, 01. September 2012, 16:41 Uhr

Die Gefährlichkeit ihres Verhaltens in der Eurokrise erkennen durchaus so manche Politiker, wie zum Beispiel der FDP Haushaltsexperte Fricke.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/08/30/fdp-haushaltsexperte-fricke-erklart-die-esm-brandmauer/

Ziemlich ausführlich erklärt er sein Abstimmungsverhalten zum ESM. Er nennt aber wieder eine rote Linie der FDP, die nicht überschritten werden darf, es sei denn die Verhältnisse ändern sich. So sind sie eben, die auf einer Rasierklinge tanzen.

43) Steve, Samstag, 01. September 2012, 17:44 Uhr

“Die Euro-Krise fordert heute eine handlungsfähige Regierung …”

Handlungsfähig um bitte was zu tun????

Die Vielstimmigkeit in den Regierungsparteien ist doch ein Ausdruck der Ratlosikeit darüber, wie in der gegenwärtigen Situation zu verfahren ist. Und das ist ja kein Wunder. Der EURO ist ein einmaliges Experiment in der Menschheitsgeschichte. Historische Vorbilder auf die man sich berufen könnte gibt es nicht. Wir fahren seit Jahren auf sicht, und werden das auch weiterhin tun. Da bringen Geschlossenheitsappelle wenig, wenn völlig unklar ist, welche Entscheidungen zu welchen Konsequenzen führen.

44) Steve, Samstag, 01. September 2012, 17:59 Uhr

…Es fängt ja schon damit an, dass keiner wirklich benennen kann worin die Krise eigentlich besteht bzw. wodurch sie aufrecht erhalten wird. Wie kann man da Einigkeit darüber verlangen, wie sie zu lösen ist? Wir kratzen lediglich an der Oberfläche, sehen die hohe Arbeitslosigkeit unserer südlichen Nachbarn, die auseinanderfallenden Zinsspreads bei Staatsanleihen, den immer noch schwer belasteten Bankensektor…. Das alles fügt sich aber nicht zu einem einheitlichen Bild zusammen, das es uns ermöglichen würde an der Stelle anzusetzen, wo es wirklich harkt.

45) Erwin Gabriel, Sonntag, 02. September 2012, 12:22 Uhr

@ 44) Steve, Samstag, 01. September 2012, 17:59 Uhr

>> …Es fängt ja schon damit an, dass keiner wirklich benennen
>> kann, worin die Krise eigentlich besteht bzw. wodurch sie
>> aufrecht erhalten wird. Wie kann man da Einigkeit darüber
>> verlangen, wie sie zu lösen ist?

Während “die Märkte” Griechenlands Situation mit schlechten Zahlen und Reformstau begründen, gibt es andere Länder in vergleichbarer Situation, die nicht auf der Abschlussliste stehen. Spanien wiederum, dass sehr fleissig an Reformen und Verbesserungen arbeitet, wird ähnlich kritisch wie Griechenland gesehen. Eigentlich sollten für vergleichbare Länder gleiche Regeln gelten, trifft aber nicht zu. Also gibt es eigentlich keine “Regeln”.

Es ist meiner Meinung nach eine reine Frage der Psychologie. Auf der einen Seite die Interessenlage diverser Zocker auf noch mehr Gewinn, auf dere anderen Seite die Chance der Finanz-”Szene”, vom eigenen Versagen abzulenken und den Schwarzen Peter an ebenfalls versagende Regierungen weiterzureichen, verbunden mit dem Reiz zu sehen, wie weit die Regierungen den Banken entgegenkommen, etwas Hybris der Macht, vielleicht auch Vorahnung oder erste Anzeichen einer richtig großen Krise, die uns noch bevorsteht – von allem etwas dabei. Wo will man da erfolgreich ansetzen?

Glauben ist halt stärker als Wissen – deswegen greifen die Maßnahmen nciht.

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