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Montag, 27. August 2012, 15:48 Uhr

Der Abschied vom “Spiegel” rückt näher

Bindungen an eine Zeitung oder Zeitschrift sind Beziehungsgeschichten. Man hängt aneinander oder man lebt sich auseinander. Manchmal dauert die Beziehung ein Leben lang, in anderen Fällen sind es nur Lebensabschnittspartnerschaften.

Jetzt stehe ich wieder einmal vor der Frage, ob ich einen solchen, langjährigen Lebensabschnittspartner verabschiede.

Es geht um den “Spiegel”, den ich seit meinem 13. Lebensjahr lese, aus dessen Geschichten ich mir als Jugendlicher ein politisches Privatarchiv aufgebaut hatte. Früher nahm ich ihn mehrmals in die Hand: in der ersten Lesung die vier oder fünf spannendsten Artikel, in der zweiten und dritten fast den ganzen Rest. Mindestdauer: drei bis vier Stunden. Heute bleibt es bei einer Lesung und die dauert kaum eine halbe Stunde.

Nehmen wir den neuesten “Spiegel”. Schon der Titel ist ein Signal: Kauf mich nicht! “Aufstand der Bundesbank” mit dem blassen Bankbürokraten Jens Weidmann auf dem Titel, Chef einer einflusslosen Behörde, die personell so aufgebläht ist wie der griechische Staatsapparat.  Aha, sage ich mir, eine Maus klopft von unten gegen den Tisch. Lesen muss ich das nicht, denn die Ansichten des Bundesbank-Chefs sind mir aus der Tagespresse weidlich bekannt.

Nach den üblichen dpa-Zusammenfassungen der Woche bleibe ich bei dem bewegenden Interview mit Wolfgang Bosbach hängen – über Krebs, Leben, Tod und die politische Sucht, die den Nichtraucher und mäßigen Alkoholtrinker nicht loslässt.

Warum ist das keinen Titel wert? Das Schicksal eines der bekanntesten deutschen Politikert, der Bilanz zieht. Das hätte man vertiefen können, daraus hätte man mehr machen können. Oder ist das zu boulevardesk?

Mehr, außer zwei Personalien und der Würdigung Georg Lebers in den Todesnachrichten, war in der ersten Lesung nicht drin. Ich bezweifle, ob ich das Blatt noch ein zweites Mal zur Hand nehme. So weit geht die alte Liebe nicht. Zwingen will ich mich nicht.Trotz der 4,20 Euro.

Ich frage mich, bin ich inzwischen ein desinteressierter alter Sack oder ist der “Spiegel” von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche uninteressanter und langweiliger geworden? In der letzten Ausgabe zum Beispiel war mir nur die Wulff-Geschichte wirklich wichtig. Ansonsten viel Kolportage und Routine.

In der eigentlichen Wulff-Affäre lebte der “Spiegel” von BILD-Brosamen, die letzte relevante Enthüllung war der geplante Verkauf deutscher Leopard-Panzer an Saudi-Arabien. Und das ist mehr als ein Jahr her. Die Vorabmeldungen werden immer mehr, der Inhalt immer dünner.

Zeitungs- und Zeitschriftenmacher pflegen eine wohlfeile Lebenslüge: das Internet nimmt uns die Leser weg, besonders die jüngeren. Das stimmt zwar zum Teil, aber die meisten Käufer und Leser vergraulen die Journalisten selbst. Der “Stern” zum Beispiel seit Jahren.

Ihn zu lesen, ist schon lange keine Pflicht mehr. Seine Titel sind unverständlich, seine Stories abgehangen wie ein Steak, das seit drei Monaten an der Wäscheleine hängt (zum Beispiel die Reportage über Mitt Romney).

Die “Stern”-Macher verleihen einen Henri-Nannen-Preis, wissen aber nicht mehr, wie der brillante Provokateur die Leser bewegt hat.Den “Stern” kaufe ich nur noch wegen der Hans-Ulrich-Jörges-Kolumne und der Rätsel, worauf meine Frau besteht. Ein bisschen wenig für 3,50 Euro.

Dass es auch anders geht, beweisen die beiden wichtigsten, an- und aufregendsten Blätter der Republik: die “Süddeutsche” und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS). Sie präsentieren die exklusiven News, die im “Spiegel” schon lange nicht mehr stehen, und überraschen die Leser mit Themen, die kein anderer hat.

Für beide gilt der Satz: “Guter Journalismus zeigt sich darin, dass ich etwas lese, wovon ich vorher nicht wusste, dass es mich interessiert”. Ein Werktag ohne “Süddeutsche”, ihren blendend geschriebenen Reportagen, ihren fundierten Hintergrundberichten, Analysen und Kommentare ist ebenso ein armer Tag wie ein Sonntag ohne FAS.

Lesen muss auch Spaß machen, neue Einsichten bringen, muss die Gedanken anregen, den Leser länger beschäftigen als nur die Zeit der Lektüre. Diesen Anspruch erfüllen beide Blätter. Vom “Stern” und “Spiegel” rückt der Abschied näher. Unsere Wege werden sich trennen. Leider.

P.S. Meine Lektüre besteht zurzeit aus den genannten Blättern sowie “Spiegel-Online” (unverzichtbar!), Google-News, DWDL.de (ein Medienmagazin), BILD und der immer noch guten alten Tante  FAZ, die manchmal erfrischend jung ist.. Wenn ich viel Zeit habe auch noch aus der FTD und dem “Tagesspiegel”.

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144 Kommentare

1) StefanP, Montag, 27. August 2012, 16:25 Uhr

Klar, wer sich zunehmend mit Hahnenkämpfen zweit- und drittranigiger Politiker beschäftigt, wer Politik ausschließlich auf Personen zu reduzieren vermag, wer den Höhepunkt politischer Kommentierung in boulevardesker Erregung sieht, der wird dem durchaus spannenden Richtungsstreit zwischen Europäischer Zentralbank und Deutscher Bundesbank wenig abgewinnen können, der in der letzten Woche an Schärfe weiter gewonnen hat. Entschuldigung, das lange Interview mit Wolfgang Bosbach ist stellenweise interessant, auf den Titel eines Nachrichtenmagazins gehört es nicht umbedingt.

In der Aufzählung der Pflichtlektüren fehlt jedes ausländisches Presseerzeugnis, gerade in so aufregenden internationalen Zeiten wie diesen lassen sich durch die Gartenzwergperspektive wenig neue Einsichten gewinnen. Und ganz nebenbei hat für mich auch die WELT deutlich an Wert gewonnen, während ich mit der FTD immer weniger anfangen kann. Dann doch lieber das Original.

2) Jaccomo, Montag, 27. August 2012, 16:27 Uhr

Interessant, den gleichen Gedanken trage ich auch schon eine Zeit lang mit mir herum. Früher war Montag Abend mein Laßt-mich-in-ruhe-meinen-Spiegel-lesen-tag aber seit vielleicht 1-2 Jahren blättere ich oft lustlos darin herum. Mein Sohn fragte kürzlich “Liest Du den *** immer noch?” Wenn auf dem Titel mal wieder die RAF oder das 3. Reich stehen frage ich mich, ob in der Welt nichts passiert ist. Wer schreibt da für wen? Und wenn dann mal interessante Themen aufgegriffen werden, frage ich mich nach der Lektüre, ob ich jetzt das Gefühl habe, wirklich etwas gelernt zu haben oder das Thema neu sehe oder mich rundum informiert fühle.

Der Stern ist nur noch für den Friseur, weil ich in der Zeit in Ruhe den oft guten Jörges lesen kann. Rest belanglos.

FTD und Capital sind kein Ersatz aber oft frisch und unkonventionell und einfach lustig.

Ganz tief im Keller ist das Manager Magazin. Was für ein oft niveauloses und durchsichtiges Geschreibsel. Gelegentlich eine langweilige Flugzeuglektüre aber mehr nicht. Hatte ich mal im Abo… lang ists her.

Ich glaube ich schaue mir den economist mal wieder genauer an.

Gruß

3) Tobi, Montag, 27. August 2012, 16:28 Uhr

Mal provokant gefragt: Was ist denn an Spiegel-Online unverzichtbar? Ich dachte immer, das würden nur die Kollegen lesen, die nicht dabei erwischt werden wollen, wie sie im Büro die Bild.de geöffnet haben.

4) Heiko G., Montag, 27. August 2012, 16:32 Uhr

Nicht so dumm stellen. Statt solcher Ablenkungsmanöver in Artikelform sollten Sie sich lieber mit den Einlassungen von Frau Höhler beschäftigen. Räumt Euren CDU-Saustall endlich auf!

5) Norbert, Montag, 27. August 2012, 16:52 Uhr

Spiegel Online finde ich ganz furchtbar. Da werden Artikel aus (tatsächlich! zweifelsfrei nachweisbar!) dubiosen Quellen gekauft, mit dem Namen eines SpOn-Redakteurs versehen und die Leser geben sich dann dem Irrtum hin, einen professionell recherchierten und redaktionell bearbeiteten Artikel zu lesen.
Ich habe mal in einem Kommentar gefragt, warum sie das machen, der Kommentar ist aber nicht veröffentlicht worden.

Da werden zum Beispiel betont sachliche Informationen von Wissenschaftlern zum Klimawandel erst bis ins Unkenntliche aufgebläht. In einem späteren Artikel wird dann die selbst produzierte Übertreibung auf das ungefähre Normalmaß der ursprünglichen Nachricht zurückgestutzt, womit der Eindruck erweckt wird, dass Spiegel Online die Wissenschaftler beim Übertreiben überführe.

Das ist wohl eine der wenigen Gemeinsamkeiten, dich ich mit Helmut Kohl habe: Ich lese die “Bild für Intellektuelle”, die “Bild am Montag” nicht.

Der deutsche Zeitungsmarkt konzentriert sich bei mir auf Die Zeit, FAZ und Süddeutsche. Gelegentlich schaue ich auch mal beim Cicero vorbei.

6) Adrian Bunk, Montag, 27. August 2012, 17:04 Uhr

Die Zeit ist ein anderes gutes Beispiel dass “überraschen die Leser mit Themen” auch heutzutage noch mit steigender Auflage belohnt werden kann.

Oder die taz, die sich in ihren Themen und Meinungen von der Masse der Nachrichtenquellen abhebt.

7) Katja Neutze, Montag, 27. August 2012, 17:34 Uhr

Lieber Herr Spreng,
von der Tendenz mögen Sie Recht haben, dass der Spiegel etwas schwächer geworden ist, doch so schlimm, wie Sie es darstellen, ist es mit Sicherheit nicht. Haben Sie mit 13 bereits täglich die Süddeutsche Zeitung gelesen? Hätten Sie das getan, hätten Sie die anderen Medien (einschließlich des heutigen Spiegel-Online) verfolgt, hätten Sie darüber hinaus auch damals schon Jahrzehnte Medienerfahrung gehabt – ich kann Ihnen versichern, dann hätten Sie auch damals schon den Mehrwert des gedruckten Spiegels ganz erheblich niedriger eingeschätzt. Umgekehrt, für denjenigen, der sonst eher wenig Medien konsumiert, für den wird auch heute noch der gedruckte Spiegel eine Menge zu bieten haben.
Übrigens, wie ich darauf gekommen bin: Nach meiner Erinnerung waren die Filme und Serien meiner Kindheit viel, viel besser als das, was heute gesendet wird. Naja, mag wirklich Schrott sein, das Fernsehangebot von heute, aber wenn man sich dann mal Wiederholungen von dem anschaut, was man als Kind toll fand, dann merkt man, dass es in der Erinnerung erheblich besser war, als es tatsächlich ist, wenn man es heute nüchtern und erwachsen betrachtet.

8) Marc, Montag, 27. August 2012, 17:37 Uhr

DWDL ist doch nicht nur ein Mediendienst, Sie sind doch sogar Gesellschafter?

9) m.spreng, Montag, 27. August 2012, 17:54 Uhr

@ Marc

Gut, ein Medienmagazin.

10) Radbert Grimmig, Montag, 27. August 2012, 17:55 Uhr

BILD?

11) FF, Montag, 27. August 2012, 18:37 Uhr

Abonnent, Gelegenheitskäufer, Im-Stehen-Durchblätterer, Titelblatt-Kibitz, Achtlos-dran-vorbei-Geher: meine “Spiegel”-Karriere.

12) Fabrizius, Montag, 27. August 2012, 19:08 Uhr

Na ja, sooo schlimm isser nu auch nicht, der SPIEGEL. Für mich immer noch Pflichtlektüre, eben gerade bin ich fertig geworden. Ich muss zugeben, die heutige Ausgabe ist nicht die stärkste, aber das wird sich wieder ändern, da bin ich Optimist. Was ich sonst noch lese? DIE ZEIT; SÜDDEUTSCHE; CICERO und Bild online (das muss sein)

13) Peter Christian Nowak, Montag, 27. August 2012, 19:50 Uhr

Ein paar Anmerkungen zum “Spiegel”l. Früher eher eine Institution (habe immer den Spiegel bei meinem Bruder geklaut. Beide waren wir Schüler. Er kaufte, ich las mit.). Die Strauß-Affäre, die Flick-Affäre. Und überhaupt, der Reflektor der 60er, 70er Jahre. Auch im Hinblick der Ost-West-Konfrontation. Damals war die Brandt´sche Entspannungspolitik auch das große Thema im Spiegel.
Heute ist der Spiegel fest in der neoliberalen Linie implementiert. Wenn der neoliberale Meinhard Miegel im Spiegel zum Zitatengeber avanciert, dann läuten bei mir die Alarmglocken. Denn Meinhard Miegel spricht immer nur in seiner Lobbyfunktion für die Finanzwirtschaft. Daher sind seine Zeugnisse niemals „echt“, sondern tragen die Fehlfarben, für die er Zeugnis ablegt. Der Spiegel macht heute mobil gegen die Schwachen – gegen die Arbeitslosen, Arbeitnehmer und sozial Schwache. Er ist ein Blatt der Gutverdiener, wozu ohne Zweifel ein Großteil vor allem seiner Redakteure der Generation nach dem Spiegel-Herausgeber Augstein gehört. Er reiht sich gerne ein in die Reihen derer, die lieber heute als morgen den Sozialstaat in die Tonne treten würden. Der Spiegel ist einer der Leitorgane der Neoliberalen. Er kann gut und gerne mit der „Die Welt“ und deren sonntäglicher Dependance genannt werden. Es lohnt ihn wirklich nicht mehr. Längst kein Reflektor mehr, sondern Sprach- und Nachplapperorgan der Neoliberalen.

14) Hans Röcknagel, Montag, 27. August 2012, 20:51 Uhr

Seltsamerweise habe ich mein SPIEGEL-Abo vor 14 Tagen gekündigt… Ich denke, es liegt alles ein bisschen am Alter. Insofern gebe ich Frau Neutze recht. Es liegt aber auch an einer immer schneller rotierenden Zeit. Die Medien-Maschinerie kurbelt immer schneller, die berühmten “langen” SPIEGEL-Artikel haben nicht mehr die Substanz, die sie mal hatten und wenn man sich einmal dabei erwischt, zu allererst den Hohlspiegel und dann – ganz hinten – irgendein Hochglanzbild einer tollen Frau aufzuschlagen, dann ist das wohl bedenklich. Und wenn einer der “langen” Texte von fünf Autoren unterschrieben wird, dann kommt man schon ins Grübeln.
Aber ich glaube nicht, dass der SPIEGEL das Problem ist. Das Problem ist unser Konsumverhalten. Wenn Sie schreiben “Meine Lektüre besteht zurzeit aus den genannten Blättern sowie “Spiegel-Online” (unverzichtbar!)” dann sind selbst Sie nicht mehr in der Lage, einen mittelmäßigen Artikel des SPIEGEL auszuhalten. Weil Sie wahrscheinlich denken, Ihre Zeit zu verschwenden. Aber mittelmäßiger als SPON geht es eigentlich nicht. Was denn nun? Doch FOCUS?

Gruß!

15) Erika, Montag, 27. August 2012, 22:13 Uhr

ich z.B. habe mir zu meinem 50. Geburtstag das Geschenk gemacht, mein über 25 Jahre laufendes Spiegelabo zu kündigen, damit ich mich nicht mehr jede Woche ärgere. Früher ging es mir ähnlich wie Ihnen (ohne Archiv – mein Ordnungssinn hält sich in Grenzen) Aber die Montage und das erste Durchblättern waren wunderbar – eine Welt voller Eindrücke und Informationen.

Für Herbst und Winter habe ich auch wieder am Sonntag die FAZ im Briefkasten.

16) Ovid, Montag, 27. August 2012, 22:17 Uhr

Es ist noch viel schlimmer! Ich las bis vor vier Jahren Spiegel, Focus per Abo, FTD und Zeit per Kurzabo,
die anderen Dinge im Internet. Jetzt lese ich nur noch WiWo fast regelmäßig, wegen der Nähe zum Handelsblatt und der vielen Wirtschafts-Infos, die SZ mag ich nicht wegen des Bärtigen Überschlauen,
sonst ist im Internet alles zu lesen (NZZ u.a.) was wichtig ist. Unsere Presse allgemein hat noch nicht gemerkt, dass wir mit Informationen nur so zugeschüttet werden und alle voneinander abschreiben, man liest also täglich immer den gleichen Mist nur mit anderem Label. Deutlich zu sehen/lesen am Montag, wenn der SID die Seiten der Tageszeitungen füllt mit den Bundesliganachrichten. Sehr schön zu sehen auf nachrichten.de. Und so weiter…
Wir könnten die Hälfte der deutschen Presse einfach einstampfen, es wäre gut für die Umwelt und uns selbst auch, dann hat die Frau mehr von uns, die Kinder auch, egal wie alt, die Nachbarn ebenso.
Ovid

17) Erika, Montag, 27. August 2012, 22:26 Uhr

@4) Heiko G., Montag, 27. August 2012, 16:32 Uhr

Es gibt einen Artikel mit dem Titel: “Höhlers Merkel-Komplex”

Dazu müssen Sie den Artikel “Ein Freund ein guter Freund” aufmachen und am Artikelende gibt es einen Link dazu.

18) Bert, Montag, 27. August 2012, 22:32 Uhr

Lesenswert ist – auch in Deutschland – meines Erachtens noch die Neue Zürcher Zeitung und natürlich der Economist. Der Spiegel hat übrigens gerade auch was die Titelseiten betrifft sehr nachgelassen.

19) Amigo Seure, Montag, 27. August 2012, 23:12 Uhr

Spiegel mit 13 Jahren für 1 DM. Das verbindet mich mit Herrn Spreng.
.

20) Martin, Dienstag, 28. August 2012, 00:31 Uhr

Ich war Spiegelleser seit 1967 und habe das Abo jetzt gekündigt.

21) Lars, Dienstag, 28. August 2012, 06:33 Uhr

“…P.S. Meine Lektüre besteht zurzeit aus den genannten Blättern sowie “Spiegel-Online” (unverzichtbar!), Google-News, DWDL.de (ein Medienmagazin), BILD und die immer noch gute alte Tante FAZ, die manchmal erfrischend jung ist.. Wenn ich viel Zeit habe auch noch aus der FTD und dem “Tagesspiegel”…”

oh gott! das sind genau die blätter, die aufgeklärte menschen heutzutage nicht mehr lesen.

22) Minassian, Dienstag, 28. August 2012, 07:15 Uhr

Den SPIEGEL zu lesen, habe ich nach 48 Jahren (mit dem Abgang von Stefan Aust) aufgegeben. Seitdem sehe ich nur noch gähnend langweilige Titel und Beiträge, wenn ich mir am Kiosk einen Blick in das Inhaltsverzeichnis antue.
Den STERN lese ich gerade wegen des selbstverliebten, stets allwissenden Hans-Ulrich Jörges nicht mehr. Er ist ein beliebiges Bilderblatt geworden.
So bleibt nur noch die tägliche SZ und die ganz hervorragende Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.
Damit fühle ich mich vielseitig und ausgezeichnet informiert.
Wer liest eigentlich FOCUS ?

23) Gregor Keuschnig, Dienstag, 28. August 2012, 08:48 Uhr

Die Rückbesinnung auf die “guten alten, ‘Spiegel’-Zeiten” dürfte doch zum größten Teil eine Verklärung sein. So gut war der nie, wie er jetzt zuweilen dargestellt wird. Die Artikel trieften schon immer vor Selbstgerechtigkeit, Spekulationen und Pseudo-Insiderwissen. Das machte den “Spiegel” groß und nicht die paar wenigen Skandale und Skandälchen, die man enthüllt hat. Die waren Beiwerk.

Der “Spiegel” bezog seine Popularität auf einer bipolaren Welt. Von dieser Sicht hat man sich immer noch nicht befreit. Im Grunde genommen gibt es dort nur “gut” und “böse”; gutes, altes Augstein-Erbe. Das funktionierte ja Jahrzehnte wunderbar In den Zeiten maximaler Verunsicherungen wirken solche dichotomischen Weltbilder für einen unabhängigen Geist altbacken und langweilig. Da leisten die “alten Tanten” FAZ und SZ weit mehr, wenngleich es ja Wochenzeitungen sind und streng genommen ganz andere Intentionen verfolgen sollten.

“Spiegel Online” lese ich ganz selten; die originellsten Artikel sind zumeist Abgeschriebenes aus anderen Zeitungen, wie bspw. die New York Times.

24) Roger, Dienstag, 28. August 2012, 09:16 Uhr

Ich weiß jetzt nicht, ob ich mich zu den jüngeren Lesern zählen darf (29), aber ich für meinen Teil lese den Spiegel schon seit Jahren nicht mehr.
Ich las ihn so von 16-18 und dann nochmal im Studium (günstige Tarife), aber da auch schon nur noch als Klolektüre.
Stern habe ich noch nie gelesen. Ich denke, die großen Zeiten dieser Magazine endeten in meiner Jugend, und seitdem sind sie immer schlechter und uninovativer geworden.
Das Lob der Süddeutschen kann ich nur unterstützen, ich lese mit zunehmender Begeisterung seit ein paar Jahren auch die ZEIT und höre seit ewigen Zeiten die Deutschlandsender (dradio/dlf).
Ach ja, online greife ich gerne auf Welt online zurück und schaue auch mal bei sueddeutsche.de oder faz.net rein. (Wobei ich die Printausgabe der Welt schlecht finde, ist keinesfalls ihr Geld wert.)

Soweit meine Medienvorlieben ;)

Roger

25) C. Setzer, Dienstag, 28. August 2012, 09:19 Uhr

Der Spiegel ist in der Tat schwächer geworden in den letzen Jahren. Aber es gibt immer noch relevante Artikel, die wichtig und gut sind. Dass neben diesen Glanzpunkten so viel blabla im Spiegel steht, führt zu der Rückhaltung am Montag am Zeitungsstand. Herr Aust, wo sind Sie?

26) Jeeves, Dienstag, 28. August 2012, 09:26 Uhr

Rätsel? im Stern?

ich erinnere mich auch an die beiden Kreuzworträtsel, eins das übliche doofe, eins etwas besser a la ZEIT.
Doch: Im Urlaub in Südtirol auf’s Essen wartend, nehm ich ein, zwei ein paar Wochen alte “Stern” zur Hand und suche… und suche… und finde kein Kreuzworträtsel. Gibt’s die nicht mehr? (seit wann?).
Ist mir nicht so wichtig, ich les’ den Stern ja nur bei Langeweile im Urlaub… aber auch der Pensionswirt, ein kluger Kopf, wunderte sich: Nanu, wo sind denn die Rätsel im Stern? Und da das hier oben erwähnt wird…
Zum SPIEGEL die gleiche Meinung: las ihn seit etwa 1960 bis in die achtziger Jahre, dann nicht mehr. Oder nur selten. Gestern beim Inder, auch wieder auf’s Essen wartend: Nix drin, was ich nicht schon wusste…

27) Doktor Hong, Dienstag, 28. August 2012, 10:07 Uhr

Ich kann Sie gut verstehen. Zwar habe ich mit 13 den Spiegel eher nur sporadisch gelesen, weil er bei uns nur sporadisch herumlag. Aber mit 15 habe ich ihn dann regelmäßig gelesen.

Nicht nur waren die Artikel politisch interessant, sondern trugen auch sehr zu meiner Allgemeinbildung bei mit Themen, die mich sonst eher nicht interessierten.

Das ist alles nicht mehr der Fall. Bei mir fing es um 2002 an, dass ich den Spiegel zunehmend als neoliberales Hetzblatt empfunden und in meinem Bekanntenkreis auch so tituliert habe. Spätestens seit 2004 habe ich so gut wie keinen Spiegel mehr gekauft.

Das Tagesgeschehen verfolge ich nur noch über tagesschau.de. Wozu 4,20 Euro ausgeben, wenn eh keine gescheite Analyse zu lesen ist.

Ich finde es nicht gut, wenn ein Blatt versucht, eine Meinung zu befördern. Besser ist eine inner-redaktionelle Auseinandersetzung von Standpunkten, die der Leser verfolgen kann. Dann kann der Leser sich tatsächlich seine Meinung bilden, indem er beurteilt, welcher Standpunkt argumentativ besser überzeugt.

(Das ist auch der Grund, warum dieser Blog der einzige ist, auf dem ich Kommentare verfasse, wenn auch unter Pseudonym.)

Aber ich stelle bei mir selber ehrlich gesagt eine schleichende Entpolitisierung fest. Langsam setzt sich in mir die Überzeugung fest, dass es eh egal ist, was ich denke – (gut, das war schon immer so) – aber ich werde sowieso der Dumme sein, der alles bezahlen darf, neben den heutigen Renten sogar meine eigene.

Der Eindruck entsteht, dass sich die politisch Mächtigen verbündet haben mit den wirtschaftlich Mächtigen, und dann steht die Demokratie nur noch auf dem Papier. Dann könnte man froh sein, dass es wenigstens keinen Überwachungsstaat gibt, aber man liest von Einsätzen einer Bundeswehr im Inneren, die durch Abschaffung der Wehrpflicht nicht mehr in der Mehrheitsgesellschaft verankert sein wird, von Bundestrojanern und Wohnraumüberwachung.

Natürlich gibt es auch ein berechtigtes Interesse zur Abwehr von Schwerstkriminalität. Ist halt alles nicht so einfach.

Der Spiegel hilft jedenfalls nicht dabei, das alles differenzierter sehen zu können.

28) Strabo, Dienstag, 28. August 2012, 10:09 Uhr

Spiegel Online ist sehr verzichtbar. Ich habe den Schritt vor 3 Jahren getan, weil SpOn immer weniger von Bild Online unterscheidbar wurde.

29) Alfons, Dienstag, 28. August 2012, 10:10 Uhr

Auch ich lese den Spiegel seit ich ca 13 war, kein Montag ohne Spiegel, meist auf dem Rückweg von der Schule. Inzwishen fliege ich über das Inhaltsregister und lese dann nur wenige Artikel bis gar nichts.
Focus wurde nie ein Thema für mich. Ich habe ein paar Mal ein Heft gekauft und war nur enttäuscht,
habe die große Aufmerksamkeit für den Focus nie verstanden.
SZ und FAZ oder die taz sind als täglich erscheinende Blätter natürlich näher am Geschehen, können eine weniger lesenswerte Ausgabe schon am nächsten Tag wieder vergessen lassen.

30) Andreas G., Dienstag, 28. August 2012, 10:56 Uhr

@Bert: Auch ich kann den Economist uneingeschränkt empfehlen.

Sicher, dessen liberaler Grundton ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich persönlich finde es gerade spannend, sich mit einer anderen als der eigenen Meinung auseinanderzusetzten.

31) Olaf, Dienstag, 28. August 2012, 11:16 Uhr

Der SPIEGEL wird von mir nicht mehr gekauft/gelesen, seit er sich spätestens mit Ersterscheinen des FOCUS trivialisierte: “Layout”, echte Geschichten und Analyse wurden durch Graphiken, Meldungen und Häme ersetzt. Die unsachliche Demontage der Schröder-Regierung (aus den Kabinettssitzungen). hat das Blatt langfristig schwer beschädigt. Dazu kommen die lächerlichen TV-Formate und der SPON-Boulevard. Folge ist, dass Deutschland nun eine Menge fehlt.
Die thematischen Polarisierungen und Übertreibungen der Süddeutschen helfen dabei auch nicht.
Der stern ist seit den Tagebüchern nur noch eine Illustrierte, eine sehr gute, aber halt kein Magazin, das auch mal sich und anderen wehtun könnte.
Der FOCUS scheidet schon immer aus, dieser beleidigt den interessierten Menschen in jeder Form.

32) W.Haselberger, Dienstag, 28. August 2012, 11:16 Uhr

Ich habe den Spiegel von 1955 an gelesen.2005 habe ich die Lust verloren.Neben meiner Tageszeitung(Reutlinger Generalanzeiger) lese ich die Süddeutsche,Cicero und surfe über die Welt und den Tagesspiegel.Das reicht.

33) Olaf, Dienstag, 28. August 2012, 11:23 Uhr

WELT?: Naja, das Blatt regt ja auch auch nicht so zum Denken an wie ZEIT und FAS, sondern liefert fertige Meinungen und Stimmungen an Hedonisten mit CDU-Parteibuch

34) Olaf, Dienstag, 28. August 2012, 11:39 Uhr

Es wundert mich schon, dass BILD heute als Zeitung gilt. Springer scheint die Aufklärung besiegt zu haben. Ich ürde mich schämen, mit dem Baltt in der Hand gesehen zu werden.

Generell verpennen die Printmedien eine Riesenchance, um gegenüber dem Netz zu differenzieren und damit zu bestehen, da das Netz an einer Grenze der Zumutung und Innovation herumkrebst. DERWESTEN als Beispiel ist doch ziemlich unpraktisch und unergiebig, während eine WR und WP entsetzlich ausgedünnt wird und darch lokale Anzeigenblätter weiter an Wert verliert, nicht erst seit McAllister…
“Web 2.02″ ist ein Flachstart, der hauptsächlich Forum für Hass bietet.

35) siddartha, Dienstag, 28. August 2012, 11:52 Uhr

STERN , SPIEGEL (anteilig), FTD, RTL, RTL2, VOX, MANAGERMAGAZIN oder N-TV befinden sich alle im Privatbesitz von Bertelsmannchefin und Merkelfreundin Liz Mohn. Der Höhepunkt wurde am letzten Wochenende erreicht, als in einem SPONartikel das Merkelkritische Buch von Frau Höhler diffamiert wurde, da ja Frau Höhler angeblich fälschlicherweise von den Medien als Kanzlerberaterin bezeichnet wurde!? Ohne jeglichen Hinweis am Artikel, daß es sich beim Autor um einen langjährigen ranghohen CDU Politiker handelt und nebenbei noch um den persönlichen Biographen Angela Merkels. Da schreiben bereits CDUmitglieder und Merkelanhänger direkt ohne Kennzeichnung die SPONbeurteilungen über Kanzlerkritiker.

Wer als Medienmensch die zahlreichen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Politik und Medien immer noch nicht begreift, den sollte man nicht als Journalisten bezeichnen.

Zum Beispiel die Sendung von Günther Jauch am Sonntag. Jauch als mittelständischer Medienunternehmer arbeitet eng mit dem Sender RTL zusammen, welcher sich im Privatbesitz von Frau Liz Mohn befindet und wesentliche Aufträge an Herrn Jauchs Produktionsfirma vergibt. Ministerpräsidententochter von der Leyen hat ihr Buch über Familienpolitik nicht nur im Verlag von Liz Mohn veröffentlicht, sondern es sogar mit ihr zusammen geschrieben. Der Bruder von Frau von der Leyen managt ein Medienimperium in Ost- und Nordeuropa, welches zahlreiche Berührungspunkte zu dem von Frau Liz Mohn hat. Die Familie von Lothar de Maizière ist auch heute noch der Kanzlerin sehr verbunden durch den verwandten derzeitigen Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

Die Fernsehsender von Frau Liz Mohn sind die Hauptkunden von SPIEGELtv. SPIEGELtv hat zum Beispiel damals die PR Reise von Guttenberg und Kerner nach Afghanistan finanziert. PR für Herrn Guttenberg, der wiederum privat die Gedenkrede zum Todestag des verstorbenen Bertelsmanngründer gehalten hat und dessen Frau eine Exclusivsendeformat bei RTL2 von Liz Mohn bekam. Als Herr Sarrazin seine kruden Thesen in einem Buch beim Bertelsmannverlag veröffentlichte, wurde es praktisch von den Medien des gleichen Konzerns politisch beurteilt. Im Verlagswesen besitzt Frau Liz Mohn gemeinsame Firmen mit dem SPRINGERverlag, welcher sich im Privatbesitz von Frau Friede Springer befindet, die nicht nur ebenfalls CDU Mitglied ist sondern bekanntermaßen auch eine enge Freundin der Kanzlerin. Nebenbei ist der Ehemann der Kanzlerin im Beirat der millionenschweren Springerstiftung von Frau Friede Springer.
Sehr oft bestimmen Umfragen und Studien über “arm und reich”, Bildungspolitik, Kommunalverwaltung, Städteranking oder andere Themen die Medienlandschaft bis in die Tagesschau hinein, ohne das die Leser und Zuschauer merken, das dahinter die Bertelsmannstiftung von Frau Liz Mohn mit den von ihr finanzierten Hochschulen und Meinungsumfragen steckt.

Dies ist nur eine kleine (leicht verquere) Auswahl der politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen im Medienbereich. Solange man diese nicht begreift, kann man die Hintergründe und den Sinn zahlreicher Pressemeldungen nicht erkennen.

36) Frank Reichelt, Dienstag, 28. August 2012, 12:22 Uhr

Ja, auch ich gestehe unter Tränen, früher den SPIEGEL gelesen zu haben, man musste das in meinen Gymnasialzeiten tun, wenn man nicht als Aussenseiter geschnitten werden wollte!

Aber ich habe mich mittlerweile von diesem Zwang befreit, seit die Hochglanzprospekte und die Boss-Werbung den redaktionellen Teil bei weitem übertreffen ist mir ein Licht aufgegangen!

Ausserdem, warum soll ich mir Montags ein teures Printexemplar kaufen, wenn im Laufe der Woche mehrere Artikel wortgleich auf SPIEGEL-Online erscheinen, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt einfach nicht mehr!

37) Doktor Hong, Dienstag, 28. August 2012, 13:16 Uhr

BILD sollte eigentlich FRISS heißen :)

FRISS doch unsere Meinung!

Aber man muss es konzedieren: Die Jungs bringen ihre Botschaften unter Ausschaltung des Verstandes sehr gut auf den Punkt. Das erfordert großes sprachliches Können.

Ansonsten lese ich seit Jahren Foreign Affairs, in der die von mir bevorzugten Auseinandersetzungen tatsächlich stattfinden. Beispiel Iran: Es gibt Artikel, deren Tenor ist: “Lasst dem Iran seine Atombombe”, dann “Sie werden es sowieso vermasseln”, bis zu: “Bombt den Iran kaputt, bevor es zu spät ist”. Das ist intellektuell stimulierend, ehrlich und respektvoll gegenüber dem Leser. Ich brauche keinen halbgebildeten Journalisten, der mir seine Meinung vorkaut, sondern einen informierten Menschen, der einen durchdachten Standpunkt präsentiert.

IHT.com ist lesenswert, deutsche Medien bis auf tagesschau.de wg. des Zeitgeschehens weitgehend uninteressant, da qualitativ nicht akzeptabel. Einziger Lichtblick sind die Blätter für deutsche und internationale Politik, http://www.blaetter.de.

38) kleitos, Dienstag, 28. August 2012, 13:23 Uhr

Spiegel = BILD am Montag

39) der Herr Karl, Dienstag, 28. August 2012, 13:26 Uhr

@ siddartha 35)

Danke, grossartige Analyse!

40) Miguel, Dienstag, 28. August 2012, 13:53 Uhr

Danke – kann mich diesem Beitrag im Grunde nur anschliessen. Was mir als mehrsprachiges und weitgereistes “Multi-Kulti Kind” noch besonderst störend auffällt ist die seit etwa 10 Jahren voranschreitende Seichtigkeit im Auslandsressort des SPIEGEL. Vom Pendant bei SpOn will ich gar nicht erst reden.
Egal ob bei Politik oder Gesellschaftsthemen in diesem Bereich, die Mängelliste ist m.E. extrem lang. Da wären mal schlicht Recherchepatzer und Fehlübersetzungen, falsche Hintergrundinfos zu Politik und Geschichtsfakten – dies fällt mir in erster Linie bei meinen “Domänen” Lateinamerika und Osteuropa auf. Ich denke, Leute die kulturelle Wurzeln in Asien, Afrika oder Nahost haben, bzw. sich dort besser aukennen, dürften für ihre Regionen den gleichen Eindruck haben.
Abgesehen davon und m.E. noch weit schlimmer wiegt der seichte, fast auschliesslich auf Befindlichkeitsjournalismus getrimmte Reportagestil. Berichtet wird durch die Brille und mit dem Mind-Set des links angehauchten, leicht hipsterigen deutschen Grosstadt-Akademikers ohne grosse interkulturelle Kompetenz (Erasmus-Semester in Barcelona zählt m.E. nicht!). Es fehlt seit ein paar Jahren einfach der Anspruch, differenziert und objektiv Hintegründe zu erörtern. Stadtdessen kriegt man allerlei “Vorinterpretationen” und Meinungsmache von Leuten dargebracht – die i.d.R. weder Politik, Geschichte noch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ausreichend kennen. FAZ, SZ und an guten Tagen sogar die taz machens da besser und kommen bei ihren Einordnungen und Analysen teilweise fast schon an Economist oder Foreign Policy Niveau heran – ganz ohne “ich finde das furchtbar toll oder schlimm, obwohl ich gar keinen Schimmer von den Hintegründen habe”.

41) Strichnid, Dienstag, 28. August 2012, 13:59 Uhr

Der Aufsatz ist unglaubwürdig:

1. Der Autor überlegt nur, das Abo zu kündigen. Eigentlich hätte er das schon längst tun müssen, denn der Spiegel ist wirklich nicht mehr als eine leere Hülle, die gelegentlich von neoliberalen Gedanken gefüllt wird.

2. Er bezeichnet Spiegel-Online als unverzichtbar. Äh, ja. SpOn ist doch Boulevard in Reinform. Ein und dieselbe Möchtegern-Nachricht wird 3mal am Tag mit unterschiedlich reißerischen Überschriften dargeboten – Hauptsache Klicks generieren.

Als Online-Lektüre empfehle ich eher FTD.de. Auch wenn ich nicht immer mit deren Ansichten übereinstimme, so ist die Auswahl der Themen und deren Bearbeitung äußerst sachlich und beschränkt sich auf das Nötige.

42) Christoph, Dienstag, 28. August 2012, 13:59 Uhr

Google News produziert keine Nachrichten, sondern aggregiert sie nur. Welche Onlinemedien werten Sie denn damit aus, Herr Spreng?

43) raumfuernotizen, Dienstag, 28. August 2012, 14:05 Uhr

“Ich sammle Sporen, Grünspan und Schimmelpilze.”

Dutzende “ha! Ich auch!”-Antworten. Unsere Kommentarspalte hier war auch schon mal besser. Wird echt Zeit, das Abo hier zu… ach nee, ist ja kostenlos.

44) m.spreng, Dienstag, 28. August 2012, 14:10 Uhr

@ 42) Christoph

Diejenigen, die mir wichtig erscheinen. Erstaunlich häufig lande ich bei WELT-online. Die Zeitung habe schon vor Jahren aus meiner Pflichtlektüre gestrichen.

@ 41 Strichnid

1. Ich habe kein “Spiegel”-Abo, sondern kaufe ihn.

2. SPON ist für mich deshalb unverzichtbar, weil die Redakteure schnell sind, den Nachrichtentakt und Tendenzen vorgeben. Und weil SPON die Startseite sehr vieler Politik-Journalisten ist.

3. “Unverzichtbar” heißt nicht, das Angebot kritiklos gut zu finden.

45) Tim, Dienstag, 28. August 2012, 14:12 Uhr

Es ist sehr schwer diesen Artikel ernst zu nehmen, wenn im unteren Teil bei Spiegel Online der Vermerk “unverzichtbar” steht. Dann lieber Boulevard, der auch dazu steht!!

46) Lemmy, Dienstag, 28. August 2012, 14:37 Uhr

Aust hat es geschafft, aus dem Sturmgeschütz der Demokratie eine Zimmerflag für die Fliegenjagd zu machen.

Was denn nun an SPON lesenswert sein soll, erschließt sich mir nicht. Ich persönlich nutze SPON wie die BILD im Kiosk: Im vorbeigehen kurz die Schlagzeilen lesen und sich dann kopfschüttelnd abwenden.

Alternativ zu der SZ, die ich jeden Tag mit Genuss lese, gehören auch der ein oder ander Blog (die NDS zum Beispiel) zur täglichen Pflichtlektüre.

47) AlterPirat, Dienstag, 28. August 2012, 14:45 Uhr

Ich frage mich, bin ich inzwischen ein desinteressierter alter Sack oder ist der “Spiegel” von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche uninteressanter und langweiliger geworden?

Das eine schließt das andere ja nicht aus ;)

Im Ernst: das “Sturmgeschütz der Demokratie” ist doch schon lange in die Hand des neoliberalen Feindes geraten. Wer braucht schon eine “Bild am Montag”?

48) Ste, Dienstag, 28. August 2012, 14:48 Uhr

@35): Ist ja schön und gut, aber die Moral von der Geschicht heißt jetzt wie? Dass etwa Frau Höhler sowas von Recht hat?! Sie spricht vieles richtiges an, aber strauchelt sich in Verschöwrungstheorien und arbeitet sich zu sehr nur an eine Person (Merkel) ab. Das ist und bleibt mehr als unglaubwürdig.

Dazu: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37507/1.html

49) Heiko G., Dienstag, 28. August 2012, 14:50 Uhr

@ 17) Erika, Montag, 27. August 2012, 22:26 Uhr
Danke für den Link. Aber auch in diesem Artikel von Spreng findet man keine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema. Stattdessen übt er sich in Pro-Merkel-Propaganda
Höhler hat eben auch gerade dieses feige und kriecherische Verhalten der CDU-Anhänger kritisiert. Nibelungentreue hilft nicht, wenn es um die Verteidigung demokratischer Traditionen geht. Nibelungentreue dokumentiert selbst auch nur wieder eine zutiefst undemokratische Grundhaltung.

50) Maren P., Dienstag, 28. August 2012, 15:29 Uhr

Klare Analyse, Herr Spreng! Den “STERN” kaufe ich schon seit Jahren nicht mehr – zu viel Lifestyle, Schickimicki und andere Belanglosigkeiten. Immerhin fast 30 Jahre war er donnerstags Pflichtkauf. Jetzt lese ich ihn nicht mal mehr im Wartezimmer.
Mein SPIEGEL-Abo habe ich trotz des günstigen Studentenpreises vor zwei Jahren gekündigt. Ich glaube, dass der investigative Journalismus, “Speerspitze der Demokratie”, auch deshalb dort nicht mehr zuhause ist, weil inzwischen zu viele (Nachwuchs)Journalisten gar nicht mehr wissen, was das ist – geschweige denn, wie man das schreibt. Der SPIEGEL ist nicht nur inhaltlich, sondern auch textlich von einer schwachen Qualität.

51) Tartarin, Dienstag, 28. August 2012, 15:29 Uhr

Seit Oktober 2001 habe ich mir zweimal Focus Money gekauft, sonst nichts (welche 2 dürfen Sie raten).
Und beim Fliegen nehme ich mir eine Zeitung mit Kreuzworträtsel oder Sudoku.
Früher habe ich den Spiegel gelesen. Märchen lese ich aber nicht mehr.

52) Stefan H., Dienstag, 28. August 2012, 15:50 Uhr

Den Spiegel lese ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr regelmäßig, weil ich ihn einfach langweilig finde. In den vergangenen Jahren habe ich ihn mir ab und zu mal im Urlaub gekauft, um am Strand etwas leichtes zum Lesen dabei zu haben. Selbst dafür taugt er inzwischen nicht mehr.

53) Tilman_s, Dienstag, 28. August 2012, 16:11 Uhr

Also ich kann mich dem Artikel praktisch uneingeschränkt anschließen. Ich lese den Spiegel etwa seit ich 18 bin, das ist mehr als zehn Jahre her, und seitdem hat er für mich etwa in dem Maße an Qualität verloren, wie für Sie seit sie 13 sind. Für mich um so schlimmer, weil es das einzige Print-Erzeugnis ist, das ich lese. Früher las ich öfters den Cicero, aber der hat ebenfalls nachgelassen bzw. die letzten Jahre kann ich nicht beurteilen, da habe ich keine einzige Ausgabe mehr gelesen.

Meine Online-Informationsquellen sind neben SPON auch die Online-Angebote von FAZ und der Süddeutschen, sowie Focus (Focus schreibt zwar oft unsäglichen Käse, aber wenigstens liest man dadurch eine zweite Meinung).

Bild kommt bei mir nicht in die Tüte.

54) Martin, Dienstag, 28. August 2012, 16:37 Uhr

Ich gehöre zur jüngeren Generation und muss zugeben, dass ich keine Tageszeitung abonniert habe. Mir fehlt leider die Zeit dafür. Für die Nachrichten aus der großen weiten Welt lese ich täglich SPON (gelegentlich SZ oder FAZ). Zudem sehe ich abends häufig das heute-journal.
Einzig lokale Nachrichten wären für mich ein Grund für eine Tageszeitung. Aber da holen Online-Medien glücklicherweise auch auf. Da kann man öfter mal kurz reinschauen.
Was mir bei o.g. Lektüre fehlt, sind Themen, die über die Tagesaktualiät hinausgehen, sowie Meinungen und Analysen. Dafür habe ich das Monatsmagazin Cicero abonniert. Das muss ich immerhin nicht an einem Tag oder in einer Woche durchgelesen haben, sondern habe einen ganzen Monat Zeit.

55) Thomas Angler, Dienstag, 28. August 2012, 17:20 Uhr

Also ich würd gern das Lob auf die SZ etwas einschränken. Die vermischen Meinung und Information sehr oft in ungebührlicher Weise. Und mit dem Kommentar ist dann meist schon alles gesagt, die längeren Artikel zum gleichen Thema weiter hinten im Blatt dann nur noch Abklatsch der Leitlinie. Da machen die es sich gerade in themenarmen Zeiten etwas zu einfach.

Und dann mein Lieblingsthema: Karikaturen. Gerade die SZ hat so unglaublich unfähige Cartoonisten, dass es mir jedes Mal die Lektüre vermiest, wenn Ledehosenfiguren auf eine Euroschießbude ballern. Wahrscheinlich machen die das so, weil die Leitartikler nicht wollen, dass man die Meinungsseite wegen der guten Karikatur liest… wie dämlich.

56) Baden-Baden, Dienstag, 28. August 2012, 17:40 Uhr

… die Trennung vonn SPIEGEL habe ich schon seit vielen vollzogen. aber auch von WELT, SZ, Focus und FAZ.

Was man an Fakten wissen muss, erfahre ich über die online-Ausgabe der Zeitungen

Die gedruckten Ausgaben sind mir zu nervig – zu viel Infos, zu unhandlich, zuviel Starreporter-oroientiert (dumme Schwätzer), ideologisch zu einseitig, oft einfach dumm und geschwätzig

57) Roland F., Dienstag, 28. August 2012, 18:56 Uhr

An alle Kritiker des “Spiegel” – schon mal “Frau im Spiegel” gelesen?

58) Wolfgang Wabersky, Dienstag, 28. August 2012, 19:02 Uhr

Der “SPIEGEL” als selbsternanntes “Sturmgeschütz der Demokratie” – das liegt Jahrzehnte zurück. Vergessen die großen Skandale, die durch investigative Journalisten aufgedeckt wurden (Strauß-, Flick-, Neue Heimat-Affäre). Heute zieren Geschichten den Titel, die man qualitativ besser in der Fachpresse lesen kann (über Introvertierte, angstbesetzte Menschen oder über Hermman Hesse). Kritische Analysen etwa zu der katastrophalen Rettungsschirmpolitik von Frau Merkel und Co. – absolute Fehlanzeige. Das einstmals als politisches Magazin gegründete Blatt hat sich längst dem meinstream verschrieben, ist beliebig geworden wie auch der STERN, leider auch die ZEIT. Ich habe meine langjährige, seit Studentenzeiten bestehende Beziehung zu den o. a. Blättern schon lange eingestellt. In der Tat: die “FAS” und die “Süddeutsche” gehören noch zu den wenigen Printmedien, die sich noch dem Begriff der “Aufklärung” verpflichtet wissen. Den traurigen Rest können wir getrost vergessen.

59) wschira, Dienstag, 28. August 2012, 19:05 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ihr Artikel erzeugt in mir ein déjà-vu-Erlebnis. Auch für mich war einstmals der Spiegel montags Pflicht. Ich hatte sogar während meiner Studentenzeit ein Abonnement. Ich habe das gekündigt, nicht etwa, weil ich den Spiegel damals nicht mehr lesen wollte, sondern weil ich schon früh am Montag zur Vorlesung musste, und der Postbote erst gegen 11 Uhr kam und ich erst am Abend zu meiner Montagslektüre kam. Ich habe dann den Spiegel immer am Kiosk an der Strassenbahnhaltestelle gekauft. Heute lese ich den Spiegel nicht mehr, es gibt kaum noch sauber recherchierte Artikel, insgesamt ist das Magazin vom einstigen Sturmgeschütz der Demokratie zur selbsternannten Artillerie des neoliberalen Mainstreams verkommen.
Zwei Dinge sehe ich allerdings anders als Sie. Erstens sehe ich kaum einen Unterschied zwischen Print- und Onlineausgabe. In beiden schluderig recherchierte Artikel von “Journalisten”, die Rudolf Augstein in hohem bogen gefeuert hätte. Zweitens steht ja ausser Frage, dass der Stern sich von der Affaire um die angeblichen Hitlertagebüchernie mehr erholt hat. Aber gerade ein Beliebigkeitsschreiber wie Joerges ist für mich ein absolutes No-Go den Stern trotzdem zu kaufen.

Noch eine kleine Anmerkung zu meinem Spezialfreund Herrn Pietsch (Nr 1). Dass Sie Herrn Spreng als Gartenzwerg einordnen, weil er angeblich keine ausländischen Zeitungen in seiner Litteraturliste hat, ist schon Putzig. Aber schliesslich kann ja nicht jeder so ein Geistesriese wie Sie sein.

60) Marc, Dienstag, 28. August 2012, 20:52 Uhr

Bei mir wurde der Spiegel 2001 oder 2002 Opfer seiner damals eingeführten Paywall. Archivinhalte sollte es nur gegen Gebühr geben. Ok, sagte ich mir und fragte in einer E-Mail, was denn mit Abonnenten sei und ob es da eine andere Lösung geben könnte.

DIese Mail musste ich dreimal schreiben. Als ich schließlich an den SpOn-Chefredakteur schrieb, und fragte, ob ich erst mit Abokündigung drohen muss, damit ich eine Antwort bekomme, kam eine Antwort. Das war mir dann zu doof und ich habe mein Abo gekündigt.

Und seitdem vermisse ich nichts. Wenn ich mal einen Spiegel kaufte, hatte ich danach das Gefühl, ich lese das meiste im Lauf der Woche auch online. Also wozu? Aber offensichtlich haben die genug Geld. Ich traf hier in der Provinz mal einen Spiegel-Journalisten, der wegen für einen Tag in der Stadt eingeflogen war. Die Geschichten, die damit später verbunden waren, kamen dann aber doch in der Lokalpresse.

61) hardy, Dienstag, 28. August 2012, 21:09 Uhr

warum sollte ich eine zeitung lesen, die wie der spiegel gestern nach einem ganzen jahr über etwas berichtet, daß mir beate hinrichs schon im september 2011 unter dem titel “das schweigen brechen” in swr2 tandem erzählte. wer liest schon zeitungen von gestern, mit denen kann man sich doch höchstens noch …

62) Bernhard Paul, Dienstag, 28. August 2012, 23:11 Uhr

Augstein war der Spiegel und der Spiegel war Augstein. Mit dessen Tod Ende 2002 war das Schicksal des Spiegel besiegelt. Ihre Analyse vor sieben oder acht Jahren placiert – ja, da hätten Sie ins Schwarze getroffen, Herr Spreng. Aber heute??

Ich widerspreche @23) Gregor Keuschnig entschieden in Absatz 1, stimme zu in Absatz 2 und frage zu Absatz 3, woher Sie diese Erkenntnis gewinnen, wenn Sie SPON höchst selten lesen?

63) hobo, Mittwoch, 29. August 2012, 00:02 Uhr

>Es geht um den “Spiegel”, den ich seit meinem 13. Lebensjahr lese, aus dessen Geschichten ich mir als Jugendlicher ein politisches Privatarchiv aufgebaut hatte. Früher nahm ich ihn mehrmals in die Hand: in der ersten Lesung die vier oder fünf spannendsten Artikel, in der zweiten und dritten fast den ganzen Rest. Mindestdauer: drei bis vier Stunden. Heute bleibt es bei einer Lesung und die dauert kaum eine halbe Stunde.<
Das erklärt einiges.

64) Olaf Hodeck, Mittwoch, 29. August 2012, 00:03 Uhr

Zu SPON muss ich Herrn Spreng recht geben, ist einfach am schnellsten, insbesondere wenn es wirklich um Tempo geht, aktuelle Entwicklungen sich überschlagen. Ich kenne kein online-Medium, welches schneller ist. Das viele (Rand-)Themen äußerst boulevardesk sind, teilweise auch einfach schlecht geschrieben, unsachlich, oberflächlich hingeschmiert, auch wenn Zeit keine Prämisse ist: geschenkt.
Zur Printausgabe des SPIEGEL ist alles gesagt. Wenn ich mir früher einen Tag frei nehmen musste, auch welchen Gründen auch immer, dann hab ich gern den Montag genommen: “man könnnte ja noch in Ruhe den SPIEGEL lesen…”
Neben den guten und erfrischenden, bereits genannten FTD, Tagesspiegel, FAZ und SZ, finde ich auch im Handelsblatt immer sehr aufschlussreiche Stücke. Seit ex-SPIEGEL Journalist Gabor Steingart Chefredakteur ist, hat sich einiges getan dort. Ich empfehle da auch seine tagliche Mail “Mornig-Briefing” mit den (zu erwartenden) Highlights des Tages. Allerdings ist vielleicht eine gewisse Wirtschaftsaffinität von Vorteil bzw. der Grund meiner Präferenz.
Online-Angebote sind bekanntlich größtenteils werbefinanziert, also darf man vielleicht hier auch nicht die letzte journalistische Perfektion erwarten.
Im Übrigen schwöre ich, dass ich im Leben noch nie BILD.de angeklickt habe und auch für den Rest desselben dies nicht zu tun gedenke. In die Printausgabe würde ich nicht mal Fisch einwickeln. Herr Spreng hat ja dankenswerterweise sein heutiges Verhätnis zu diesem Meinungsblog (etwas anders ist es nicht) eindeutig beschrieben.

65) hjsbi-nrw, Mittwoch, 29. August 2012, 05:09 Uhr

Leider kann/ muß ich Ihnen nur zustimmen!
Aber unser derzeitiger “Blätterwald” taugt doch inzwischen nicht einmal mehr dazu sich damit den “Allerwertesten” abzuwischen. An “Verlautbarungsjournalismus” à la Fernsehen habe ich wirklich keinen Bedarf! Bevor ich unsere “Qualitätsmedien” auch nur anrühre, habe ich längst
die “NachDenkSeiten” von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb durchgesehen/gelesen und erst
dann entscheide ich mich welche Online-Ausgabe ich noch hinzuziehe. Seitdem ich das so
mache bin ich wesentlich besser informiert und muß mich über unsere derzeitige “Journaille”
einfach nicht mehr ärgern. Den “Der Spiegel” habe ich nach einer einer Abo-Zeit von mehr als
40 Jahren einfach abbestellt. Dort ist man inzwischen soweit verblödet, daß man mir ein ver-
meintlich attraktives Werbegeschenk (das letztlich doch wohl die Leserschaft bezahlt) ange-
boten hat, sollte ich meine Entscheidung revidieren!!!
hjsbi-nrw

66) Werner, Mittwoch, 29. August 2012, 08:33 Uhr

Spiegel, vor allem SPON, meide ich heute, wenns geht. Da wird die völlig gescheiterte, neoliberale Politik die auf Ausbeutung setzt, zu oft gerechtfertigt. Süddeutsche ist ok, aber Marc Beise, lebt in seiner eigenen, neoliberalen Welt. Der sollte zur neoliberalen Welt gehen,oder zum Focus. Bild ist ein sich selbst widersprechendes Kampfblatt, wie z. B. die haltlosen Attacken gegen Grass (“Antisemit”) deutlich machten, viel zu viel Macht haben diese relativ wenigen Leute. Merkel hat da einen Persilschein, kein Wunder, dass selbst der größte Stuss den sie mitverantwortet, ihr nicht zur Last gelegt wird. (z. B. das verfassungswidrige Wahlrecht.) Es fällt auf, dass Deutschland von solchen Medien dominiert wird.

67) StefanP, Mittwoch, 29. August 2012, 08:55 Uhr

@59) wschira

Die Formulierung mit der Gartenzwergperspektive war doppeldeutig formuliert und auch so gemeint. Die deutschen Aufgeregtheiten kann man mit einem externen Blick kaum nachvollziehen. Im übrigen schätze ich Herrn Spreng als intelligenten, interessierten Menschen, mit einem solch putzigen Vorgartentier würde ich ihn nicht direkt vergleichen.

Allerdings könnte das Niveau doch langsam wieder höher gezogen werden…

68) Mark, Mittwoch, 29. August 2012, 10:04 Uhr

Der SPIEGEL ist in der Tat verkommen vom Vorzeigeblatt des investigativen Journalismus zum schwachen Widerkäuer von Agenturstories. Der einst mächtige, kräftige Agent der Leser hängt nun alt, schlapp und zahnlos in der Gummizelle herum und redet nur mehr wirres Zeug. Hin und wieder blitzt noch mal etwas Mut durch, aber wieviele Artikel muß man anlesen, um diese Stories tatsächlich zu finden? Ziemlich viele. Der SPIEGEL ist damit in seiner heutigen Form überflüssig. Und natürlich viel, viel zu teuer. Deshalb geht es auch mit den Abo-Zahlen bergab; ein Ende des Siechtums ist nicht in Sicht.

Oh, und wie fürchterlich ist erst SPIEGEL Online?! Meine Güte. Ich verstehe ja, wenn man sich keine Top-Journalisten leisten kann, weil die Online-Unit nun mal nicht denselben Umsatz generiert. Aber müssen es denn wirklich Leute wie Sven Böll sein, die unwidersprochen Durchhalteparolen zur Euro-Krise schreiben dürfen? (Unvergessen bleibt Böll’s fünfteilige Serie über “Die fatalen Irrtümer der D-Mark-Nostalgiker” vom letzten Jahr, die angesichts der gigantischen Ausweitung der Krise seither wie eine beissende Satire wirkt.) Für mich sind die Foren das einzig Lesenswerte an SPON. In 98% aller Fälle überspringe ich gleich den Hauptartikel, weil ich die Sachlage schon aus anderen Medien kenne, und klicke gleich auf “Forum”. Dort herrscht noch überwiegend intelligentes Leben, wenn man mal von grauenhaften Trollen wie “Kurt Köster” oder “marcaurel1957″ absieht. Naja, und die Nasen, die in jedem Kommentar ihren eigenen, erbärmlichen Blog verlinken. Wenigstens kennt man die Nicks nach einer Weile und kann sie getrost überspringen.

Tja, der Niedergang der Print-Publikationen ist hausgemacht. Würden die Redaktionen bissig sein und ihrem Auftrag nachkommen, den Mächtigen mit Vehemenz auf die Finger zu schlagen, dann hätten die Verlage überhaupt keine Probleme. Nur mag man das nicht. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Fühlen sich die Schreiberlinge durch Politik und Wirtschaft so sehr gebauchpinselt, dass sie er verlernt haben, unbefangen und kritisch an Themen heranzugehen? Ist die Abhängigkeit von exklusivem Zugang zu Politikern so überlebenswichtig, dass man vergisst, was Kritik überhaupt bedeutet? Ist die Abhängigkeit von den Anzeigenkunden so übermächtig, dass nur mehr seichtes Zeug den Tag zu retten scheint? Haben die (jüngeren) Journalisten den Beruf nicht mehr aus Berufung ergriffen, so wie wir alten, sondern weil sie schön durch die Welt jetten wollen mit den Mächtigen?

Da lobe ich mir die FAZ. Die schafft es wenigstens, eine gewisse Neutralität zu behalten und interessante, konträre Standpunkte zu beleuchten. (Die von Ihnen, Herr Spreng, so gelobte SZ finde ich leider viel zu oft in trauter Einigkeit mit den anderen, scheinbar gleichgeschalteten Medien.)

Wie dem auch sei, wenn der SPIEGEL untergeht, dann wird es kein großer Verlust sein. In der Todesanzeige wird es heißen: “Gestern verstarb nach langer, schwerer Krankheit der SPIEGEL in aller Ruhe. Die Beisetzung fand im engen Familienkreis statt. Statt Blumen bitten wir um eine kleine Geldspende auf das Konto des Verlages.”

69) Mark, Mittwoch, 29. August 2012, 10:28 Uhr

@ 43) raumfuernotizen, Dienstag, 28. August 2012, 14:05 Uhr

> “Ich sammle Sporen, Grünspan und Schimmelpilze.”

Witzigerweise hat gerade dieses Zitat ein großes Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Völlig unerwartet, hier plötzlich an “Ghostbusters” erinnert zu werden. Naja, irgendwie passt’s ja auch: So wie die Ghostbusters eben Geister verjagten, so will Herr Spreng ja auch die dumpfen Geister des (schlechten) Journalismus vertreiben. Geht also in Ordnung. :-)

70) Martel Alt, Mittwoch, 29. August 2012, 10:59 Uhr

Kann mir einer der politisch gebildeten und sprachlich versierten Diskutanten bitte erklären, was mit dem hier inflationär gebrauchten Begriff “neoliberal” eigentlich gemeint ist? Ist es in etwa das, was in den 1980er Jahren noch “Fascho” hieß? Also ein inhaltsleerer Kampfbegriff für Polit-Schwaller?

71) Nicolas Regiani, Mittwoch, 29. August 2012, 11:19 Uhr

Sehr interessanter Kommentar, Herr Spreng!

MIch würde nur noch interessieren, ob sie auch ”Die Zeit” lesen
und wie sie die bewerten, den zu der haben sie gar nichts gesagt.

72) siddartha, Mittwoch, 29. August 2012, 11:39 Uhr

Unter #48ste spricht ein Kommentar die persönliche Diffamierung von Frau Höhler an. Auch wenn es nicht direkt zum Blogthema paßt, hier eine Auflistung von Themen, welche die sogenannten “Leitmedien” seltsamerweise nicht zusammenfassend aufgreifen. Auch an Anlehnung an Kommentar #66 gedacht.

Nur eine kleine Auswahl für Frau Höhlers Thesen:

Morgens den Entwurf zum ESM Vertrag einreichen, dessen eigendlichen Ziele noch am Tag davor auf EU Ebene verwässert wurden, am späten Freitag nachmittag darüber abstimmen lassen, danach direkt das absegnen des Bundesrates und dann die sofort folgende Unterschrift des Bundespräsidenten, ohne das dieser seiner institutionellen Pflicht zur Gesetztesprüfung nachkommt. Am folgenden Montag dann das Inkrafttreten des Gesetzes, welches unwiederruflich wesentliche Teile der Finanzhoheit des deutschen Staates langfristig an ein kleines geheimtagendes Europagremium abtritt. Dies begleitet von der unterschwelligen Drohung, das ansonsten in der nächsten Woche das ganze Eurosystem zusammenbricht. Das war selbst für das Bundesverfassungsgericht zuviel, so daß es in einer bisher einmaligen Aktion öffentlich Frau Merkel erstmal gestoppt hat.
Das Meldegesetz, welches Freitagabend während eines wichtigen Fußballspieles kurzfristig ins Gegenteil verkehrt wurde. Der Bundestrojaner, der trotz eindeutiger Verneinung des Bundesverfassungsgerichtes eingesetzt wurde. Der Versuch, das Rederecht von Bundestagsabgeordnete mit anderer Meinung einzuschränken, welcher von Bundestagspräsident Lammert gerade noch über die Öffentlichkeit verhindert wurde. Die dubiose langjährigen Verbindungen zwischen Verfassungsschutz und der Zwickauer Terrorzelle. Die Verfassungswidrigkeit der Berechnung von Sozialleistungen für Kinder und deren halbherzige Beseitigung. Die Mahnungen des Bundesverfassungsgerichtes an Frau Merkel, bei den Eurorettungsschirmen das verfassungsgemäße Mitspracherecht des Parlemtes nicht außer Acht zu lassen. Das derzeit fehlende gültige Wahlrecht in Deutschland, das die Merkelpartei noch immer nicht verfassungskonform angepaßt hat. Die Aufhebung der Gewaltenteilung durch die unheilige Allianz zwischen Merkel und ihren engen Freundinnen Friede Springer (BILD, WELT, u.a. ) und Liz Mohn (STERN, SPIEGEL, N-TV, RTL, RTL2, VOX, u.a.). Zwei Damen, die man wohl als die einflußreichsten Medien- und Verlagsbesitzerinnen Deutschlands bezeichnen kann.

73) m.spreng, Mittwoch, 29. August 2012, 12:04 Uhr

@ 71) Nicolas Regiani

“Die Zeit” lese ich nicht. Das ist aber kein Werturteil. Ich habe keinen Zugang zu ihr gefunden. Wer wie ich Jahrzehnte im harten, politischen Journalismus tätig war und breiten Zugang zu den Quellen hatte, der tut sich schwer mit ausgeruhtem Aufsatzjournalismus. Vielleicht ist das ungerecht, aber so habe ich es empfunden. Ich sah “Die Zeit” immer als Blatt für Leser von Regionalzeitungen, die einmal in der Woche breiter und hintergründiger informiert werden und geistig etwas zum Kauen haben wollen.

Bei “Focus” übrigens war die Abfolge so: Lesen, blättern, Montagmorgen im Supermarkt-Regal schnell die Medienmeldungen lesen, nicht mehr lesen. Wenn ich etwas am Rücken oder an den Augen habe, gehe ich zum Arzt, nicht zu einer Zeitschrift.

74) StefanP, Mittwoch, 29. August 2012, 12:30 Uhr

@70) Martel Alt

Hoffentlich meinen sich unter anderem mich mit den sprachlich versierten Mitdiskutanten. ;-)

Da ich mich als neoliberal empfinde, versuche ich Ihnen dennoch soweit es geht objektiv zu antworten. Sie bemerken es ja selber, der Begriff wird sehr inflationär verwandt, in den meisten Fällen ohne konkreten Bezug zu einem Sachverhalt. Solche Menschen meinen damit Ansichten, die eine Politik der Privatisierung befördern, bei welcher der Staat sich aus der öffentlichen Infrastruktur, Bildung und Sozialpolitik bis auf ein Minimum zurückzieht, dies dem Spiel von Markt und Wettbewerb überlässt und die Finanzkraft des Staates durch Steuersenkungen unterhöhlt. Die Ansichten liegen dann sehr im Auge des Betrachters, wenn bereits prominente Vertreter des linken Spektrums und der Linkspartei als “neoliberal” charakterisiert werden. So betrachtet mutiert das Wort zu einem Kampfbegriff.

Protegiert wie in Verruf geraten ist der Neoliberalismus in den 1970er und 1980er Jahren unter den Politikern Ronald Reagan und Magret Thatcher, die sich auf den Monetaristen und Nobelpreisträger Milton Friedman (“Capitalism and Freedom”) sowie den Österreicher Friedrich August von Hayek (“Der Weg zur Knechtschaft”) stützten. Der Monetarismus ist dabei eine Spielart des Neoliberalismus wie in Deutschland die von Ludwig Erhard verfolgte Ordnungspolitik in der Nachkriegszeit. Insbesondere der Amerikaner befürwortete tatsächlich eine sehr ausgeprägte Angebotstheorie.

Tatsächlich entstand der Neoliberalismus als eigene Form der Wirtschaftstheorie in den späten 1930er Jahren als Antwort auf die Schockwellen, die der Nationalsozialismus (Deutschland, Italien) und der Sozialismus (Russland) in die freie Welt sendeten. Ihre Vertreter Rüstow oder Röpke sahen den Neoliberalismus in scharfer Abgrenzung zum Laissez-faire-Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Dem Staat, das ist allen Theorien weitgehend gemeinsam, steht dabei die Rolle des Regelsetzers in Markt und Wettbewerb zu. Im Zentrum steht dabei eine Wettbewerbsordnung, wo der Staat für freien Marktzutritt und niedrige Eintrittsbarrieren zu sorgen hat. Ein Mindestlohn lässt sich in diesem Gerüst nicht einfach in die eine oder andere Sicht bewerten lassen. Würde der Staat allerdings diese Lohnuntergrenze in der Nähe des Durchschnittseinkommens ansetzen, würde er damit erhebliche Marktzutrittsbarrieren setzen, weshalb eine neoliberale Sichtweise von dem Einfluss des Instruments abhängt.

Zumindest der kontinentaleuropäische Neoliberalismus sieht in dem Sozialstaat ein wichtiges Instrument zum sozialen Ausgleich, der jedoch nicht den Markt ausschalten darf und die Menschen prinzipiell zur Eigenverantwortung als Grundlage jeden eigenbestimmten Lebens, anhalten sollte, der Kern aller liberalen Überzeugungen.

75) Politikverdruss, Mittwoch, 29. August 2012, 13:24 Uhr

@siddartha 72,

Sie verweisen erneut auf interessante Sachverhalte. Das Problem(Liz Mohn/Friede Springer etc.), das Sie anreißen, gehört zum Problemfeld der „inneren Pressefreiheit“.

Sehr Aufschlussreich sind die Forschungsergebnisse(empirische Kommunikationsforschung) von Prof. Kepplinger/Mainz: „Nur knapp die Hälfte der Redakteure hat generell das Gefühl, „innerhalb der Zeitung genug Freiheit als Journalist zu besitzen“. Und fast genauso viele (41 Prozent) fühlen sich als Journalist „eingeengt“.“ http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/medienkrise-klimawandel-in-den-redaktionen-1208883.html “Die Innere Pressefreiheit, als besonders sensible Seite der Medienfreiheit, ist gefährdet.“

Hinzu kommt die politisch einseitige Selbstbindung der Journalisten. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum für eine „freie“ journalistische Arbeit. Dem Leser bleibt dies natürlich nicht verborgen. Er wendet sich ab. http://www.focus.de/politik/deutschland/debatte-in-treue-fest_aid_629716.html

Die „Vierte Gewalt“ spielt nicht mehr die Rolle in den „Checks and Balances“, die besonders in Krisenzeiten erforderlich ist. Frau Höhler hat Recht! Der Demokratie droht Gefahr. Schade, dass sie sich mit ihren überzogenen Schlussfolgerungen so angreifbar macht.

76) Maren P., Mittwoch, 29. August 2012, 13:42 Uhr

Da wir uns hier gegenseitig gerade unsere Hopp oder Top der Medienlandschaft gestehen, will ich auf ein sehr lesenswertes Maganzin, das der taz beiliegt, hinweisen: Le Monde diplomatique in der deutschen Ausgabe! Eine Kostprobe: http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/08/10/a0052.text

77) Guido Hartmann, Mittwoch, 29. August 2012, 13:58 Uhr

Den Spiegel lese ich schon seit langer Zeit nicht mehr. Er ist die Bildzeitung für Lehrer – keinerlei Informationen oder Nachrichtenwert, aber dafür Psychologismen bis zum Erbrechen, also die pseudo-intellektuelle Version des BILD-Empöhrungszirkus.
So ist man im Spiegel gegen Islam, Arbeitslose, Killerspiele und jede Form von Jugendkultur – und leistet sich als Rest von Subversivität gelegentlich mehr oder weniger gute Regierungskritik.
Das Käseblatt für Spießbürger mit Revoluzzergehabe.

78) Ingo von Scheffer, Mittwoch, 29. August 2012, 14:10 Uhr

seit ich vor etwa 11 Jahren versucht habe einen Spiegel Redakteur dazu zu bewegen, doch mal über die Machenschaften im Bauhauptgewerbe bzgl. Kurzarbeit auf der einen und den Einsatz von Kontingentarbeitern aus Osteuropa auf der anderen Seite zu recherchieren und mir eine Absage erteilt wurde, nach dem Motto: Das interessiert keinen Menschen, habe ich mir nur noch hin und wieder den Spiegel gekauft und zwar bis zu dem Tag, als ich in einer Spiegelausgabe eine ganzseitige Werbeanzeige für die “BILD” mit Roland Berger gesehen habe. Diese Anzeige hat meine 11Jahre zuvo geäußerte Meinung gegenüber dem Spiegel Redakteur bestätigt, nämlich: Der Spiegel ist heutzutage nichts anderes, wie eine auf Hochglanz polierte BILD in Form einer Wochenzeitschrift.
Im übrigen gehört zu meiner täglichen Lektüre die Internetseite “Nachdenkseiten” und natürlich darf auch der Bloger “Feynsinn” nicht fehlen.

79) Alex, Mittwoch, 29. August 2012, 14:17 Uhr

Ich empfehle die “Junge Freiheit”

80) Florian Huber, Mittwoch, 29. August 2012, 14:26 Uhr

Ich kann noch empfehlen:
- Telepolis (heise.de/tp): manche Artikel öffnen einem wirklich die Augen, manche Artikel wollen aber zu sehr die Augen öffnen
- das/den Bildblog: immer wieder witzig geschrieben. Bleibt sich dem Stefan Niggemeier´schen Stile treu.
- Lawblog

Die beiden letzteren haben zwar nur bedingt mit politischem Journalismus zu tun, sind aber vor allem für politisch Uninteressierte zumTeil politisch sehr erhellend. Ohne dabei politisch zu sein.

Bei Telepolis finde ich vor allem die Umsetzung für mobile Geräte sehr interessant; SPON etc. sind bei deaktiviertem Javascript, Flash (und Bildern) kaum zu ertragen.

Florian Huber

P.S.: Für diese Werbung werde ich nicht bezahlt o.Ä.

81) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 29. August 2012, 16:37 Uhr

@62/Bernhard Paul
Sehr oft, wenn ich etwas viel Verlinktes auf SpOn lese, fällt mir auf, dass das einige Tage vorher in anderen, zumeist ausländischen Organen ähnliche Artikel gab. Alles andere ist tägliches Nachrichtengeschäft: Agenturmeldungen mit Redakteursarroganz versetzt – das bekomme ich bei tagesschau.de oder faz.net genau so, wenn nicht besser.

82) zboson, Mittwoch, 29. August 2012, 17:41 Uhr

Ich habe den Spiegel noch, weil meine Frau Mama ihn gerne liest und ich ihr so eine Freude machen kann, Geschenkabo sozusagen :-) Ansonsten blättere ich ihn höchstens mal durch, ich finde als langjähriger Leser auch, dass er sich sehr zum Schlechten gewandelt hat, bzw. besser: er ist einfach irgendwie irrelevant. Früher war das Lesen der aktuellen Ausgabe das Highlight an jedem Montagabend, heute vermisse ich einfach gute Hintergrundberichte, abseits des Tagesaktuellen, und “überraschende” Artikel, die ich nicht erwartet hätte. Es gibt sie, aber mittlerweile zu selten. Oder er war immer so und die Möglichkeiten der Online-Welt haben meine Wahrnehmung verändert.

Heute sind die Nachdenkseiten mein morgentlicher “Verteiler” online. Gedruckt lese ich die SZ und die FAS.

Online:
- Nachdenkseiten
- Heise Telepolis
- Spiegelfechter
- Sprengsatz
- Lawblog
- Feynsinn
- SPON

83) Martel Alt, Mittwoch, 29. August 2012, 17:46 Uhr

@74) StefanP

Mit Genuss und Belehrung gelesen – Ironie aus. Dass erklärte Neoliberale den Begriff im Wortsinne erschöpfend erklären können, war mir so klar wie der Begriff selbst. Trotzdem Danke. Mich hätte eher interessiert, was die andere Fraktion dazu zu sagen hat. Zum Beispiel

66) Werner

Zitat: “… die völlig gescheiterte neoliberale Politik, die auf Ausbeutung setzt… in seiner eigenen neoliberalen Welt… sollte zur neoliberalen Welt gehen…” Ja, wir haben’s verstanden!

Dieser Duktus zieht sich durch praktisch alle Diskussionen dieses Blogs. Einfach ermüdend. Kann man nicht über die Presselandschaft oder was auch immer diskutieren, ohne ständig vorgefertigte Worthülsen aus dem Agitations-Antiquariat abzusondern? Wie gesagt: errinnert an den leicht nuscheligen “Gemeinschaftskundelehrer-Sprech” der 1980er. Der war auch so langweilig.

84) Martel Alt, Mittwoch, 29. August 2012, 18:01 Uhr

By the way: die offenkundige Mehrheitsmeinung zur Qualität des Spiegel teile ich. Aktuelle, leider noch abonnierte Ausgabe heute in die Hand genommen und gleich wieder weggelegt. Zwei regionale Tageszeitungen, ab und an die Zeit, um ein bisschen intellektuell zu tun und – autsch – Fernsehnachrichten. Das muss für die Aktualitäten reichen. Der Rest in Buchform.

85) Bernhard Paul, Mittwoch, 29. August 2012, 18:32 Uhr

Die Bewertung von @73) M.Spreng zur ZEIT ist hochinteressant – “ausgeruhter Aufsatzjournalismus”. Habe ich noch nie gehört oder gelesen, trifft’s aber wohl punktgenau. Ich habe vergangenes Jahr auch nach 30 Jahren aufgehört, die ZEIT zu lesen – wegen des Aufsatzjournalismus’.

Andererseits: Die ZEIT legt gegen den Trend an Auflage zu. Diese Leser suchen dann wohl die Ruhe im Auge des Hurrikans.

86) Doktor Hong, Mittwoch, 29. August 2012, 18:55 Uhr

@74) StefanP

Das Problem am Neoliberalismus ist nicht der Markt als Tool zur Güterverteilung, sondern seine Erhebung zu einer virtuellen Gottheit.

Es gibt Güter des öffentlichen Lebens, die kann man ziemlich schlecht marktwirtschaftlich regeln. Wie soll denn das bei Autobahnen funktionieren? Bauen drei Hersteller drei Autobahnen parallel nebeneinander, und dann scheiden zwei Autobahnen aus dem Markt aus und liegen unbefahren in der Landschaft?

Das Problem in den Staatsbetrieben ist ja nicht, dass sie Staatsbetriebe sind, sondern u.a. die Unkündbarkeit der Mitarbeiter. Daher gibt es keine Sanktionen gegen schlechte Performance und Verschwendung öffentlicher Gelder.

Und wie sollte ein Staat aus “dem Markt” (zwischen Staaten) ausscheiden?

Kein Naturwissenschaftler hat einen Größenwahn, wie man ihn bei manchen Ökonomen beobachten kann. Als man merkte, dass die Newtonsche Mechanik für hohe Geschwindigkeiten nicht mehr stimmte, wurde die Relativitätstheorie entwickelt, die die Beobachtungen besser erklärte. Wenn ein Ökonom postuliert, der Markt sei ideal und stabil, damit er sein DGL-System gelöst bekommt, weil es sonst unterbestimmt ist, und dann brechen Märkte zusammen, dann sagt er hinterher: “Naja, dann war halt die Politik nicht marktradikal genug.” Es ist genau diese Art von ideologisiertem Quatsch, der mich so aufregt. Stattdessen hätte ich Respekt, wenn ein Ökonom dann sagen würde: “Hmm, dann war unser Modell wohl ziemlicher Schrott.” Das ist es eben, was ich unter meinem Verständnis von Wissenschaft so unglaublich finde.

Sorry, war wohl zu sehr off-topic.

87) StefanP, Mittwoch, 29. August 2012, 19:13 Uhr

@83) Martel Alt

Kann mir einer der politisch gebildeten und sprachlich versierten Diskutanten bitte erklären, was mit dem hier inflationär gebrauchten Begriff “neoliberal” eigentlich gemeint ist? Ist es in etwa das, was in den 1980er Jahren noch “Fascho” hieß? Also ein inhaltsleerer Kampfbegriff für Polit-Schwaller?

Und dann:

Dass erklärte Neoliberale den Begriff im Wortsinne erschöpfend erklären können, war mir so klar wie der Begriff selbst.

Und dann so pampig? Was soll das bitte? Wenn Sie etwas wissen, warum fragen Sie dann? Und wenn Sie die Antwort nur von jemandem Bestimmten wollen, warum fragen Sie nicht direkt? Ansonsten: Höflichkeit ist eine Zierde – nicht Ihre.

88) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 29. August 2012, 19:24 Uhr

@70)Martel Alt

Zugegeben, der Begriff “Neoliberalismus” wird inflationär gebraucht. Sein üblicherGebrauch ist auch fälschlich. Aber wenn er kommt, dann weiß so ziemlich jeder, was gemeint ist: unsoziale Effekte eines vermeintlich liberalen Marktes. Mittlerweile ist diese epidemische Ausbreitung so bekannt wie “Maggi”, “Nivea” oder “Vivil”. Dann stört auch kaum der fälschliche wie inflationäre Gebrauch.

89) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 29. August 2012, 19:38 Uhr

@75)Politikverdruss

Sehr gut ausgeführt, so wie auch das Statement von Siddharta72.

In den Chefetagen der Redaktionen macht sich mitunter so etwas wie Gesinnungsschnüffelei breit. Das ist nicht die Regel, kommt aber vor. Die Angst vor den Inserenten, die es gilt, nicht zu verlieren, ist so etwas wie der Motor. Zeitungen haben es heute schwer. Die digitale Welt scheint auch Konkurrent zu sein. Vieles an journalistischer Unbefangenheit bleibt auf der Strecke. Man findet sich damit ab, oder sucht sich einen anderen Job. Da wo die Freiheit und das Geld zur aufwendigen Recherche noch vorhanden sind, lohnt sich jede Mühe: Ich nenne die Magazine “Monitor”, “Panorama”, “Fakt”, “Frontal21″ u.a.

90) spielkarussell, Mittwoch, 29. August 2012, 19:43 Uhr

Interessante und umfangreiche Seite, ich mochte meinen Freunden über diese Seite via Facebook erzählen. spielkarussell

91) rudow1, Mittwoch, 29. August 2012, 20:07 Uhr

Ich vermisse Stefan Aust als SPIEGEL-Chef, egal ob der SPIEGEL mit ihm nicht mehr “links” war.
Starke Strömungsbindung bei Medien finde ich sowieso bedenklich, insofern war ich mit weniger “links” unter Stefan Aust sehr glücklich (auch wen Hr. Aust wohl nicht jedermanns Typ zu sein scheint).

Aber nun empfinde ich den SPIEGEL auch irgendwie inhaltlich leer, sehr schade ……

92) anfromme, Mittwoch, 29. August 2012, 20:33 Uhr

SPIEGEL Online finde ich ausgesprochen verzichtbar. Aus meinen im Browser festgehefteten “Morgens als erstes lesen”-Tabs wurde es vor inzwischen drei Jahren rausgeschmissen. Zwischenzeitlich fand ich noch die Blogger-Kolumnen (Georg Dietz, Jan Fleischhauer, Sascha Lobo usw.) interessant – aber die schreiben letztlich auch immer nach demselben Schema. Nach dem letzten von mir beobachteten Stand ist Fleischhauer wohl auch endgültig zu einer Art F.J. Wagner mit mehr Platz degeneriert.
Heutzutage schaue ich auf SpOn noch vorbei wenn mir wirklich langweilig ist. In 90% der Fälle verbringe ich auf der Seite dann vielleicht eine Minute oder weniger.

2004 hatte ich bereits mein langjähriges SPIEGEL-Abo beendet, nach einigen sehr unsauber recherchierten und reißerisch aufgemachten Titelgeschichten. Wie um mich zu bestätigen, kam wenige Monate nach meiner Abo-Kündigung der SPIEGEL-Titel “Der Irre mit der Bombe” über Kim Jong Il. Ohne Fan von Kim zu sein, finde ich schon allein diese Art Aufbereitung abstoßend.

Im Printsegment lese ich seit etwa 2006 wöchentlich DIE ZEIT – eine Zeitung, die tatsächlich ihre Leser von Woche zu Woche noch zu überraschen vermag und sich obendrein mehr Mühe als die meisten anderen macht, Themen von mehreren Seiten zu beleuchten. Ärgerlicherweise mit der Ausnahme von Netzthemen, die im Print immer wieder negativ dargestellt werden. Die Ausgabe von letzter Woche war wieder so ein schönes Beispiel – fast drei volle Seiten Anti-Amazon-Propaganda. Ohne wirklich Lösungsansätze zu beleuchten, die auf mehr als ein implizites “Man sollte Amazon bändigen!” hinauslaufen.

93) wirhätteneswissenmüssen, Mittwoch, 29. August 2012, 21:36 Uhr

War Spiegelleser, solange ich denken kann, mit der ganzen Familie. Mein erwachsener Sohn hat am Spiegel lesen gelernt. Hab schon vor ein paar Jahren nach und nach aufgegeben; mein Sohn hat jetzt sein Abo nicht mehr erneuert. SPON ist alles andere als “unverzichtbar”; dort schreiben anscheinend Anfänger (es gibt wenige rühmliche Ausnahmen); die Artikel wimmeln von sachlichen Fehlern. Ganz unerträglich ist dort die brutale und willkürliche Zensur der Kommentare – man scheut sich nicht, Kommentare ohne jeden Hinweis so zu verstümmeln, daß sich ihr Sinn ins Gegenteil oder Sinnlose verkehrt.

Die Zeit (die sowieso auch nachgelassen hatte) war für mich erledigt, als mein Sohn feststellen mußte, daß ausgerechnet die keine Ermäßigung für Wehrpflichtige gibt (als es noch die Wehrpflicht gab).

Absolut empfehlen (bin leider selbst erst spät drauf gestoßen) kann ich Fefes Blog. Kenne kein Besseres.

94) Jekob, Mittwoch, 29. August 2012, 21:55 Uhr

Was mich ernsthaft interessieren würde ist eine Diskussion darüber, warum der SPIEGEL, da sind wir uns ja wohl fast alle einig, so an Qualität eingebüßt hat. Ist das der Entwicklung im Printmedienbereich insgesamt geschuldet? (warum ist die FAS dann so gut?) Der Schnelllebigkeit unserer Zeit? Einer schlecht(er) ausgebildeten Journalistengeneration? Und könnte ein Blatt wie der SPIEGEL überhaupt wieder zu alter Qualität zurückfinden?

95) Max, Donnerstag, 30. August 2012, 02:37 Uhr

Statt Google News den Economist und statt FTD Telepolis. Im Rest stimme ich zu und bedanke mich für die weiteren Tipps der anderen Kommentatoren.

96) Oliver, Donnerstag, 30. August 2012, 08:01 Uhr

Spannend. Den Spiegel habe ich früher sporadisch als Druckerzeugnis gelesen und für interessant befunden. Im Rahmen der wirklich großartigen iPad-App hatte ich ihn auch einige zeitlang abonniert. Letztlich wurde es mir aber inhaltlich zu dünn. Einige gedruckte Ausgaben habe ich noch gekauft – vor einem Monat die letzte. Die erste Hälfte des Blattes ist gefüllt mit Politik-Blablah ohne Neuigkeiten und Relevanz, die zweite mit längeren und durchaus lesenswerten Artikeln. Auffällig war, dass die erste Hälfte voller Polemik und Unterstellungen war. Schon sprachlich nicht mehr lesbar. Der Stil der zweiten Blatthälfte war lesbarer. Insgesamt aber nicht mehr als eine Nachrichtenillustrierte, die nur noch vom alten Ruf lebt.

Spiegel Online habe ich dagegen vor etwa zwei Jahren in meinem Browser blockiert. Die ständigen Fehler in Artikeln haben mich zu sehr aufgeregt.

Was übrig bleibt: Zeit (online, nicht print oder Digi-Abo), Nachdenkseiten, Publikative, Netzpolitik, Tagesschau.de und etliche kleinere Blogs.

97) Alex, Donnerstag, 30. August 2012, 09:21 Uhr

@ 83) Martel Alt

Ich finde Ihr Statement über den reichlich ermüdenden Duktus wunderbar! Igrendwie werden die Medien immer langweiliger. Nicht nur der Spiegel wird langweiliger, sondern auch das Fernsehen, die ewigen Talkshows, die Seifenblasen in irgendwelchen Internet-Foren und Bloggs. Und Provokationen werden mit der langweiligen “Political Correctness”-Empörung plattgemacht.

Wo bleiben denn die erfrischenden intellektuellen Provokateure? Von linker wie von konservativer Seite?

98) RM München, Donnerstag, 30. August 2012, 10:01 Uhr

Inhalt und die Repräsentanten des “Print-Spiegel“ reflektieren auch für mich oft “Recycling“ und nicht mehr spannende Recherchen, Analysen und Kommentare. Es fehlt der Biss – da ist eine Überheblichkeit eingedrungen, die ich als Reflektion der etablierten Mediengesellschaft ansehe – investigativ sind “SZ“ und “FAS“ interessanter und aktueller. Oder wollen Sie evtl. (nur ein Gedanke} zur Online Paywall Diskussion einen Beitrag leisten? Es wird ja aktuell über einen bitteren “Machtkampf“, auch beim “Spiegel“ über dieses Thema gemunkelt?

99) Frank Reichelt, Donnerstag, 30. August 2012, 10:13 Uhr

@ Martel Alt

Endlich mal ein neuer Name in diesem Blog und jemand der sich anschickt, die eingefahrenen Strukturen hier etwas aufzubrechen, hoffentlich kommentieren sie hier jetzt regelmäßig, erfrischend!

100) Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, Donnerstag, 30. August 2012, 10:21 Uhr

Am Schluss entwertet der Autor den eigenen Artikel selbst, wenn er schreibt: “…P.S. Meine Lektüre besteht zurzeit aus den genannten Blättern sowie [...] BILD…”

mfg
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

101) Bruno, Donnerstag, 30. August 2012, 10:24 Uhr

Vor 7 Jahren geschrieben:

http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/09/17/a0015

und keinen Tag gealtert.

102) Martel Alt, Donnerstag, 30. August 2012, 11:49 Uhr

@87) StefanP

Ironie = versteckter (feiner) Spott. Quelle: DUDEN

103) wschira, Donnerstag, 30. August 2012, 12:14 Uhr

@StefanP, 59

Nichts da. Die Semantik eines Satzes (oder auch mehrerer) bin ich durchaus in der Lage zu erfassen. Und in Logik bin ich auch ganz gut. Nun bin ich aber nicht dazu da, Herrn Spreng zu verteidigen, der kann das schon selbst. Im Übrigen, warum regen Sie sich auf? Das war doch nur ein augenzwinkernder Beitrag, den Sie doch immer anmahnen :-)
Dass Sie in einem anderen Beitrag einem Mitdiskutanten Unhöflichkeit attestieren, ist gemessen an Ihrer Diktion, köstlich. Man kann auch sagen: You made my day.

104) StefanP, Donnerstag, 30. August 2012, 12:34 Uhr

@86) Doktor Hong

Absolut nicht off-topic, schließlich ist ein wesentlicher Vorwurf an den SPIEGEL, er sei zu “neoliberal” geworden.

Ich weiß nicht, ob die Wirtschaftswissenschaften wirklich so von Dogmen durchzogen sind und die Konkurrenz von Ländern umfasst eher das, was Daron Acemoglu und James A. Robinson in ihrem Werk “Why Nations Fail” umreißen, nämlich die Schaffung guter Lebensbedingungen, unter denen Wohlstand entsteht. Man weiß auch, dass der Markt nicht immer perfekt ist, aber das beste Suchinstrument zum Finden von problemorientierten Lösungen. Außerdem zeigen die politischen Debatten in Deutschland immer wieder, dass es nicht um ein Minimum an Staat geht, sondern dass der Staat seine Beute nicht mehr rausrückt, selbst wenn Gesetze und Verfassung dagegen stehen. Beredete Beispiele sind hierfür zuletzt die Abzugsfähigkeit von Vorsorgeaufwendungen, “kalte Progression” und aktuell die Diskussion um die gesetzlich vorgeschriebene Senkung der Rentenbeiträge. Nein, wir sind sicher nicht auf dem Weg zu zuwenig Staat.

Diejenigen, die alles als “neoliberal” beschimpfen, meinen eigentlich den frühen Liberalismus. Dummerweise ist das Wort jedoch positiv besetzt und in Deutschland will jede Partei irgendwie liberal sein. Hilfsweise bedient man sich also eines anderen Wortes, das allerdings etwas anderes meint.

Übrigens: bei der Bahn behindert der Staat gerade die Entwicklung eines echten Marktes, da er sich nicht dazu durchringen kann, die Infrastruktur von seinem Staatsunternehmen Bahn zu trennen. Leidtragende sind die Bürger in Form von suboptimalem Service, hohen Preisen und Zweckentfremdung von Steuergeldern. Dann lieber dreifache Autobahnen, die es übrigens in manchen Gegenden gibt. ;-)

105) Wolfgang Kreuz, Donnerstag, 30. August 2012, 12:51 Uhr

Zu Ihrem Beitrag und dem Kommentar 35 von siddartha möchte ich folgendes anmerken.
Bereits um 1850 aüßerte sich ein Wessi aus Trier, Dr. der Philosophie, in seiner
Schrift “Die Deutsche Ideologie” wie folgt über die Deutsche Presselandschaft:
“Die herrschende Meinung ist stets die Meinung der Herrschenden”.
Burda, Bauer, Bertelsmann, Springer und Holtzbrink belegen diese These.
Ein Journalist, Paul Sethe, (besimmt kein Anhänger des Philosophen aus Trier)
sagte in den 60er Jahren: “Pressefreiheit ist die Freiheit von 160 reichen
Menschen sich die Meinung zu sagen”.
Lesen Sie doch mal die Jungle World oder riskieren Sie einen Blick auf die Nachdenkseiten!
Gruß aus Berlin

106) Mark, Donnerstag, 30. August 2012, 12:55 Uhr

@ 94) Jekob, Mittwoch, 29. August 2012, 21:55 Uhr

> Was mich ernsthaft interessieren würde ist eine Diskussion
> darüber, warum der SPIEGEL [...] so an Qualität eingebüßt hat.

Dieses Phänomen betrifft meiner Meinung nach nicht nur den SPIEGEL. Es betrifft nahezu alle ehemaligen “Vorzeigepublikationen” im Print-Bereich.

Zum einen hat sich das Leserverhalten -auch wegen des Internet- grundsätzlich geändert. Gab es damals (also: vor etwa 1996/97) nur wenige Möglichkeiten, sich unabhängig und umfassend zu informieren, so stellt sich die Situation heute gänzlich anders dar: Auf Knopfdruck kann ich Nachrichten und Analysen aus (vermeintlich) seriösen Quellen zu nahezu jedem Thema in gefühlter Echtzeit abrufen, und das in vielen Fällen auch noch kostenlos. Je größer der zeitliche Abstand die Nachricht eines Ereignisses vom eigentlichen Ereignis ist, umso wertloser wird die Nachricht für den Leser.

Ich sage immer: “Das Produkt ‘die Nachrichten von gestern schon heute’ ist fast wertlos.” Umso mehr betrifft das ein wöchentlich erscheinendes Blatt. Da liegt der durchschnittliche Abstand zwischen Ereignis und Bericht schon bei 3,5 Tagen (im Vergleich zu 12 Stunden bei einer Tageszeitung und wenigen Minuten in der Online-Welt).

Als Schlußfolgerung müsste ein Blatt, das wöchentlich erscheint, die Probleme der Aktualität kompensieren durch ANDERE Produkteigenschaften. Als Beispiel seien hier genannt:

* Investigative Berichte (“Enthülluingen”)
* Exklusive Berichte mit neuen, frischen Aspekten
* Aufwändige Recherchen mit Tiefgrund (“Referenzartikel”)
* Standpunkte, die von allgemein verfügbaren, generischen Standpunkten abweichen (“Kontrastartikel”)
* Besondere Neutralität (Klare Trennung von Nachricht und Meinung)

All dies gelingt dem SPIEGEL (und anderen) nicht. Die Frage ist: Warum?

Investigative Berichte – Haben den Nachteil, dass man Dinge enthüllt, die andere lieber nicht enthüllt sehen wollen. Das macht den Reiz für den Leser aus. Wenn dann auch noch die Mächtigen im Fadenkreuz der Journalisten sind, wird’s richtig spannend (auch was die Auflage angeht). Dumm nur, dass man damit den Mächtigen (bzw. der “Elite”) auf die Füsse treten muss. Und das kann unerwünscht sein, weil man dann den Zugang verlieren könnte (z.B. zu Politikern, Parteien, Anzeigenbudgets…). Die Furcht vor diesem Verlust scheint inzwischen so groß zu sein, dass nur mehr “politisch korrekt” berichtet werden darf. Alles, was irgendwie anecken könnte (und eben Politiker, Parteien, Wirtschaftsführer verschrecken könnte), wird nicht gebracht. Die Konsequenz ist: langweiliges, uninspiriertes Zeug, das man überall lesen kann.

Exklusive Berichte mit neuen, frischen Aspekten – Nun ja, wenn es schon nicht mit den investigativen Stories klappen will, so könnte man es wenigstens mit deren kleiner Schwester versuchen, den exklusiven Berichten. Dinge zeigen, die abweichen vom Mainstream, die den Geist anregen, die inspirieren, die aufwühlen, die Alternativen aufzeigen. Aber auch hier ist das Mittelmaß der Feind des Guten, denn: Eine Anregung des Geistes findet i.d.R. über konträre Ansichten und Meinungen statt. Konträr, das haben wir oben schon gesehen, ist aber schlecht, weil man eben Dinge kritisch beleuchten muss. (Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Nehmen wir mal an, jemand erfände einen tollen Weg, aus Solarenergie und Sand Benzin zu schaffen. Das ist sicherlich hochinteressant und würde viele, viele Menschen brennend interessieren. Ich sehe eine tolle Titelgeschichte mit dem Mann, der die Welt vor dem Energiekollaps rettet. Blöd nur, dass die Erdöl-Produzenten das nicht mögen. Und die Stromkonzerne auch nicht. Und das eine oder andere Land hätte wohl auch etwas dagegen. Also wird nicht oder nur “klein, unten rechts” berichtet.) Pfffft.

Aufwändige Recherchen mit Tiefgrund – Gehen also 1) und 2) nicht, kann man sich immerhin noch als “Referenzmagazin” versuchen. Der SPIEGEL punktet hier ganz ordentlich, weil sie so ein gigantisches Archiv haben. Da kann man zu jedem Thema soviel Background-Informationen herausholen, dass man immer eine gewisse “Tiefe” erlangt. Blöd nur, wenn es wieder Themen betrifft, die kritisch oder investigativ sind. Dann greift wieder die Regel, dass man ja niemanden verschrecken darf. Warum kann z.B. der SPIEGEL nicht bei der ganzen Euro-Rettungsdiskussion ganz neutral alle Auswege bewerten OHNE selbst Stellung zu beziehen? Warum wird z.B. die Möglichkeit des Austrittes Deutschlands aus der Währungsunion nicht als gangbare, gleichberechtigte Alternative angeboten und analysiert? Eben. Man möchte das einfach nicht. Der Austritt Deutschlands aus der Währungsunion wird verteufelt.

Standpunkte, die von allgemein verfügbaren, generischen Standpunkten abweichen – Nun gut, da klingt ja schon Rebellion mit. Die FAZ ist z.B. so gut, weil sie völlig problemlos mit allen Seiten (z.B. in der Euro-Krise) redet und auch Kommentare mit allen Standpunkten und Meinungen zuläßt. Da werden die allmonatlich geschönten Zahlen der Arbeitsagentur ebenso abgedruckt wie die scharfe Kritik an eben diesen geschönten Zahlen. Zumindest scheint es keinerlei Denkverbote zu geben. Fein! Der SPIEGEL schafft das nicht. Man wird das Gefühl nicht los, dass man immer in eine bestimmte Richtung gedrückt werden soll.

So, und das war’s auch schon. Andere Optionen gibt es nicht. Womit sonst will man den Verlust der Aktualität kompensieren?

Die Misere verschlechtern noch durch Jungjournalisten, die nicht mehr aus Berufung (“ich will die Mächtigen kontrollieren”) den Beruf ergreifen, sondern sich nach Coolness und Ruhm sehnen (“ich will auf die ABC-Party gehen, weil ich dort BCD und XYZ interviewen kann”). Die anderen, die durchaus noch soetwas wie Berufsehre haben, haben oft auch eine Familie zu ernähren. Da überlegt man sich zweimal, welche Themen und Ansichten man in der Redaktionskonferenz vorschlägt. Man weiß ja, dass Redakteure im Print nicht gerade zu einer besonders nachgefragten Berufsgruppe gehören. Also tut derjenige, der heute einen Job hat, gut daran, an ihm festzuhalten. Sonst geht’s schnell in die dauerhafte Arbeitslosigkeit.

Und der omnipräsente Kostendruck ist ebenfalls nicht förderlich für die Produktqualität. Bei sinkender Auflage sinken v.a. die Anzeigenerlöse. Und irgendwann MUSS das Produkt an Qualität einbüßen, entweder durch: (a) geringeren Umfang, z.B. 80 statt 96 Seiten, oder (b) höhere Effizienz der Redaktion z.B. dadurch, dass weniger Redakteure den gleichen Umfang schaffen müssen. Beides merken die Leser irgendwann: “Huch, das XYZ-Magazin wird ja auch immer dünner”, “Da steht auch nix interessantes mehr drin”, “Ach, die müssen jetzt schon Bilder aus Wikipedia abdrucken. Mein Gott, geht’s denen soo schlecht?” – Als Folge setzt ein Teufelskreis ein: Die Produktqualität sinkt – die Käufer bleiben aus – die Auflage wird nach unten korrigiert – die Kosten müssen sinken – die Produktqualität sinkt… und so weiter und so fort.

Es geht auch anders: Schauen Sie sich an, welche Print-Titel lt. IVW zulegen. Sie werden feststellen, dass vor allem Hochglanz-Lifestyle-Titel mit regionalem, ländlichen Bezug massiv zulegen (z.B. Landlust, Landliebe, Landleben). Das ist NEU. Das ist FRISCH. Das ist SCHÖN. Das ist unpolitisch. Das ist unkritisch. Bumms: Die Auflage geht durch die Decke.

@ m.spreng: Sorry für den langen Kommentar, aber ich denke das geht angesichts der Frage, was denn eigentlich falsch läuft, in Ordnung. :-)

107) unbequemer, Donnerstag, 30. August 2012, 13:04 Uhr

Es war einmal … schreiben einige, das sie den Spiegel gelesen haben. Die habe ich nur mal beim Arzt während der Wartezeit gelesen, nie gekauft.

Auch wenn das Format unbequemer war und ist, ich habe DIE ZEIT gelesen. Aber das ist auch schon etwas länger her, dass ich die im Abo hatte. Gelegentlich kaufe ich mir die noch.

Und zur Presselandschaft allgemein – da hat August Strindberg Recht.

Ein Lesebuch für die niederen Stände

(Zweites Hauptstück – Die Lügen der Oberschicht)

Erster Artikel: Die Religion

Da halte ich es mit Lukrez, nachdem ich >Die Wende< von Stephen Greenblatt gelesen habe.

Strindberg hat das früher erkannt.

Zweiter Artikel: Politk!

Das dort die Lüge (nicht erst seit Bimbeskanzler) zu erkennen ist, hat ja schon Machiavelli beschrieben.

Mündige Bürger! Das Schreckgespenst für Unterdrücker! Deswegen halten sich die Parteien schon lange nicht mehr an das Grundgesetz – Artikel 21 (1) – Sie wirken NICHT an der Willensbildung des Volkes mit, sie ignorieren den Willen der Bevölkerung.

Manchmal ist es vielleicht sogar besser, da es zu viele "unmündige Bürger" gibt. Aber daran tragen die Parteien die Verantwortung.

Ein weiterer Punkt, da kommt Henry David Thoreau zu Wort: Die Mehrheit hat nicht automatisch Recht. Und wenn ich dann an Gandhi denke, der auch, aber nicht nur, durch die Schriften Thoreaus geprägt wurde, wie Martin Luther King ebenfalls, halte ich einen humanistisch orientierten "Diktator" im Grunde für gerechter, als eine Mehrheitsentscheidung aus egoistischen Motiven. Denn der Unterschied wird oft übersehen, eine Diktatur KANN eine Tyrannis sein, ist es aber nicht automatisch. Auch eine Demokratie kann tyrannisch sein, wenn EINE Mehrheit immer EINE Minderheit unterdrückt. Das erlebt das "Prekariat" seit vielen Jahren.

Wenn es ginge – haltet die Welt an, ICH will aussteigen. Schade, als "Anhalter" durch die Galaxis zu reisen … geht leider auch nicht.

Und weil so mancher meint, an anderer Stelle gelesen, Kommentatoren würden sich hinter einem Pseudonym verstecken, was würde es bringen, (m)einen Realnamen zu benutzen? Denn den gibt es unzählige Mal und so würde ein "Namensvetter" in den Verdacht geraten. Und ob die angegebenen Namen auch echt sind, ist eine andere Frage. Es kommt nicht auf den Namen an, sondern auf den Inhalt des Kommentars.

108) glaubdir, Donnerstag, 30. August 2012, 13:11 Uhr

hi zusammen,

sternenklar herausgesehen, aus dem forum alter kinder,
spiegelig ergibt es sich, dieses immer gleiche bild,
immer zeit für nebenplätze, “du bist doof” in manchem sätze,
dreht sich ewiggleich die welt, und mit ihr die lügenpressen,
wahrheitsüberrollend gar, was war thema, achja, zeitung,
dieser reim ist wunderbar. ;-)

sonnige grüße
glaubdir ;-)

109) Erika, Donnerstag, 30. August 2012, 16:58 Uhr

@106) Mark, Donnerstag, 30. August 2012, 12:55 Uhr

Nehmen Sie z.B. von und zu Guttenberg. Als Guttenberg Wirtschaftminister wurde, gab es einen regelrechten Medienhype.Es war in vielen Medien nachzulesen, dass er Erfahrungen als Geschäfsführer eines mittelständigen Unternehmens habe.

http://www.youtube.com/watch?v=Sb4Qkg0ihlM

Auch oben besagter Herr Jörges vom Stern hatte dies als Information in seiner Kolumne.

Herr von und zu Guttenberg hat offenbar auch selbst den Schein erweckt, dass er diese Qualifikation hätte, also sich besser dargestellt hat als es den Tatsachen entsprach. Damals hatte ich mir die Mühe gemacht die Redaktion von Herrn Jörges per e-mail anzuschreiben und auf die Falschinformation hinzuweisen. Nach einigem Hin und Her, erhielt ich von Herrn Kinkel die Mitteiliung, dass sie dies in Zukunft nicht mehr schreiben würden. Damit war der Fall für die Stern-Redaktion erledigt. Eine Richtigstellung oder ein vorsichtigeres Umgehen mit den Angaben von Herrn von und zu Guttenberg fand nicht statt. Der Medienhype ging ungebrochen weiter.

Wie soll eine Demokratie unter diesen Bedingungen funktionieren?

110) Claus Drullmann, Donnerstag, 30. August 2012, 18:53 Uhr

Lieber Herr Spreng, sie sind halt vorbei, die “guten” alten Zeiten, da nur an jedem Donnerstag ein mehr oder weniger heftiges Erdbeben drohte. Nun gibt es campact, attac, transparency, peta, occupy, avaaz, … Und die Transmissionsriehmen Twitter und Facebook sind ohnehin unschlagbar.

111) Dieter Carstensen, Donnerstag, 30. August 2012, 19:23 Uhr

Lieber Michael Spreng,

fast 17 Jahre hatte ich den SPIEGEL abonniert, aber dann 2001 abbestellt. Er langweilte mich nur noch. Ähnlich ergeht es mir auch mit der Zeitung DER FREITAG des selbstgefäliigen Jakob Augstein, dessen Zeitung ich niemals abonnieren würde, da er dieselbe Sebstgefälligkeit wie sein Vater an den Tag legt. Die Sendung “Augstein und Blome” auf Phönix empfinde ich nur als billige Effekthascherei, an inhaltlicher Substanz ist sie kaum zu unterbieten.

Spätestens als der FOCUS auf dem Markt erschien, verlor der SPIEGEL an Substanz, versuchte sich darin, gegen den mehr boulevardmässig aufgemachten Focus durch Anpassung zu punkten, in der Hoffnung, die Marktanteile zu halten.

Ich würde sagen, das ist schief gelaufen.

“Spieglein, Spieglein an der Wand ….”

M.f.G.

112) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 30. August 2012, 20:08 Uhr

@)94) Jekob,

Sie werden im Kreis Intellektueller immer wieder den “Spiegel” als Aushängeschild für angeblich kritischen Journalismus finden. Dort gilt er nach wie vor als kritisches Organ. Bei objektiver Betrachtung nimmt der “spiegel” aber ungeprüft (oder gewollt) neoliberale Positionen ein. Er verbreitet im Namen der Versicherungswirtschaft zum Beispiel die Slogans (unter anderem), die von selbigen Inserenten auch erwartet werden. Er deklariert bestimmte Meldungen nicht als “persönliche” Meinungsäußerungen, sondern erwartet vom Leser sie als Doktrin, sozusagen als unverbrüchliche Wahrheit anzunehmen. So beteiligt sich der “spiegel” an Meinungsmanipulationen, die in die Meinungsbildung der Mehrheit der Bevölkerung eingehen sollen. Aus Sicht seriöser Kommunikationswissenschaftler ist das, was der “spiegel” als korrekt und für durchaus wissenschaftlich tragfähig hält, in Wahrheit Kampagnenjournalismus. Das wird z.B. hier deutlich: In den statistischen Verzerrungen, die der Mathematiker und Statistiker Prof.Bosbach in ausführlichen Studien nachgewiesen hat, wird der Kampagnenjournalismus des “spiegel” auch unbedarften Lesern klar.
Der Einfluss der Versicherungswirtschaft, aber auch der von Banken (selbst in der Bankenkrise) auf “Spiegel” (wie “Focus” auch) zeigt sich hier am deutlichsten. Darüberhinaus wirkt die Einflussnahme aus allen Richtungen wirtschaftsliberaler Interessengruppen Stilistische Komponenten aus dem Werkzeugkasten für übertriebene Dramatisierungen kennzeichnen nicht nur Layout der Titelseiten, sondern bestimmen auch die Semantik. Das war so bei Gabor Steingart (Buchautor “Abstieg eines Superstars”) und ist bis heute so.
Erst wenn sich die Leser mehr auf ihre Fähigkeit zur Kritik besinnen, nicht alles ungeprüft zu glauben, nur weil es im “spiegel” steht, werden sich auch Magazine wie der “spiegel” eines Besseren besinnen. Die rückgängige Auflage sollte eigentlich schon Indiz zur Rückbesinnung und Nachdenklichkeit sein.

113) Doktor Hong, Donnerstag, 30. August 2012, 21:24 Uhr

@104) StefanP

Ich muss zugeben, dass ich die ökonomische Fachliteratur nicht in dem Maße verfolge wie die meines eigenen Gebiets. Dazu habe ich einfach die Zeit nicht, schließlich muss ich hier ja meinen Senf dazugeben :) Was ich mitbekomme, ist, dass es sicher verschiedene Strömungen in der Ökonomie gibt, aber scheinbar die Marktradikalen der Chicagoer Schule den Mainstream abgeben. Das ist mein persönlicher Eindruck, der auch falsch sein kann.

Ich denke, wir brauchen über Sinn und Unsinn des Marktes und seiner Beschränkungen nicht diskutieren, da liegen wir nahe genug beieinander.

Der Spiegel hat sich ja massiv in die Rentendiskussion eingeschaltet. Ich bin mal in die Archive gegangen und habe folgende Ausgabe aus dem Jahre gefunden: Titel: Sterben die Deutschen aus?

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41521215.html

Nicht nur der Hamburger Hobby-Anthropologe Jürgen Rieger, nach eigenem Bekunden “national gesinnt”, hat solche Erkenntnis für das nächste Jahrtausend extrapoliert: Danach müßte der “Volksbestand” der Republik in etwa 30 Jahren auf 37 Millionen geschrumpft und in 300 Jahren ganz und gar verschwunden sein.

Nun, 2005 waren die Deutschen nicht bloß 37 Millionen, und trotzdem könnte vorhergehendes Zitat aus eben diesem Jahre 2005 stammen.

Zu den vielschichtigen Ängsten der Deutschen scheint wohl auch zu gehören, ständig auszusterben.

Aber trotzdem war der zitierte Artikel sehr lehrreich für mich, er enthält einige Betrachtungen darüber, wie der Trend zu weniger Kindern zustande kommt und ob wirklich bloß das Aufkommen der “Pille” dafür verantwortlich zu machen sei.

Diese Art der Diskussion vermisse ich in den heutigen Spiegel-Artikeln völlig. Das meinte ich, als ich schrieb, dass früher der Spiegel immer auch eine Bereicherung meiner Allgemeinbildung darstellte.

Inzwischen bin ich nicht mehr so recht davon überzeugt, ob sich ein derartiges realwirtschaftliches Problem wie die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung durch private Versicherungen lösen lässt. (Es lässt sich auch nicht mit einem staatlichen System lösen.) Ich vermute, da wird einiges auf uns zukommen, wo wir einfach durch müssen.

Und was die Bahn angeht: Wir sind vielleicht von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der alten Bundesbahn verwöhnt. Wir haben hohe Ansprüche an unsere Bahn. Eine englische Freundin sagte einmal zu mir: “Ihr Deutschen habt ja gar keine Ahnung, wie gut eure Bahn im Vergleich zu unserer funktioniert. Ich fahre sehr gern in Deutschland Bahn; in England ist es fast eine Katastrophe.”

Tatsächlich hat der Kostendruck bei der englischen Bahn dazu geführt, dass Wartungsarbeiten gespart wurden und dadurch die Unfallquote rasant angestiegen ist. Das kann auch nicht im Sinne des Erfinders sein.

Wenn Sie eine Bahntrasse hinlegen, dann liegt die da für 100 Jahre. Sie stellt auch massive Eingriffe in das Privateigentum vieler Menschen dar, z.B. indem ihre Häuser durch den Verlauf einer Bahntrasse nahezu wertlos werden. Ich sehe nicht, wie man solche Fragen, bei solchen Zeithorizonten, irgendwie marktwirtschaftlich lösen sollte. Kaum ein Marktsignal kann doch in annehmbarer Zeit durch den schnellen Bau einer Trasse beantwortet werden. Da muss man tatsächlich einfach planen und hoffen, dass die Planungsannahmen wenigstens halbwegs eintreten werden.

114) Frank Reichelt, Freitag, 31. August 2012, 08:40 Uhr

Früher hat der SPIEGEL mit interessanten Artikeln und Interviews regelmäßig über die Sportart Schach berichtet, in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr.
Das mag einigen nicht so wichtig erscheinen, mir aber schon, denn der SPIEGEL hatte im Gegensatz zur Schachpresse einen unvoreingenommenen und kritischen Blick auf die deutsche und internationale Schachszene. Ein kleiner Baustein in meiner Entscheidung, die Printausgabe des SPIEGEL nicht mehr zu lesen!

115) CitizenK, Freitag, 31. August 2012, 09:53 Uhr

@ Doktor Hong, 86

Nicht OT, im Gegenteil. Das Autobahn-Beispiel ist plakativ, aber erhellend. Danke dafür.

Kaum einer der Groß-Ökonomen, in Deutschland kein einziger, würde Ihren Kernsatz sagen: Unser Modell war Mist, bauen wir ein neues.

116) StefanP, Freitag, 31. August 2012, 13:42 Uhr

@113) Doktor Hong

Was ich mitbekomme, ist, dass es sicher verschiedene Strömungen in der Ökonomie gibt, aber scheinbar die Marktradikalen der Chicagoer Schule den Mainstream abgeben.

Eher nein. In den USA ist die Struktur sehr heterogen und sehr pragmatisch. Natürlich gibt es auch dort den ewigen Kampf zwischen der (neo-) klassischen / (neo-) libertären und der keynesianischen Schule und auch in Kontinentaleuropa haben die Keynesianer sehr an Boden gewonnen, sichtbar beim Weisenrat und der Neuausrichtung des bedeutensten Think Tank DIW.

Inzwischen bin ich nicht mehr so recht davon überzeugt, ob sich ein derartiges realwirtschaftliches Problem wie die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung durch private Versicherungen lösen lässt. (Es lässt sich auch nicht mit einem staatlichen System lösen.)

Damit liegt die Lösung auf der Hand, oder? Das ist übrigens auch die vorherrschende Lehransicht – beides.

Nun, 2005 waren die Deutschen nicht bloß 37 Millionen, und trotzdem könnte vorhergehendes Zitat aus eben diesem Jahre 2005 stammen.

Nun, das war wohl ein kleiner Trick, oder? Der Artikel ist von 1975, ohne Berücksichtigung der Wiederveinigung haben wir so 60 Millionen Menschen in West-Deutschland, hiervon sind jedoch sieben Millionen ausländischer Staatsangehörigkeit, dazu kommen seit den 1970er Jahren 2,1 Millionen Eingebürgerte. Somit kämen wir auf gut 50 Millionen “reinrassige” West-Deutsche aus der Perspektive 1975. Ich bin den Artikel ob der Länge nur überflogen, doch so nähern sich die Zahlen an, was dennoch eine deutliche Fehlertoleranz ergibt.

Ich bin durchaus dafür zu gewinnen, sehr große Infrastrukturprojekte in staatlicher Hand abzuwickeln. Auf und mit dieser Infrastruktur sollten dann jedoch Private agieren können – wie das schließlich im Luft- und Straßenverkehr auch stattfindet. England ist in Teilen ein schlechtes Beispiel für Privatisierung solcher Verkehrsträger. Ich habe mich zuwenig mit dem britischen Markt beschäftigt, um die Gründe dafür nennen zu können, schließlich gibt es bei London Underground auch ein sehr positives Beispiel im Osten. Ein großes Problem der Deutschen Bahn ist die logistische Vernetzung verschiedener Transportwege, also mit Anschlusszügen längere Strecken zu bewältigen.

Davon abgesehen: meine Erfahrung mit Journalisten ist generell nicht sonderlich positiv. Sie haben generell Schwierigkeiten, sich in sehr komplizierte Prozesse einzufinden, sie zu beschreiben und sie dann so verständlich zu machen, dass der Wesenskern nicht verfälscht wird. Das gilt z.B. für das Finanzmarktgeschehen oder die Umsatzbesteuerung in ausgewählten Fällen (Stichwort: Hotelgewerbe). Wie in den meisten Bereichen gibt es viel zu kritisieren, Fehlentwicklungen etc. Leider treffen jedoch Politik und Medien selten den Punkt. Sie kritisieren das Falsche und loben das Falsche als richtig.

117) sakia, Freitag, 31. August 2012, 15:09 Uhr

Für den Begriff “Neoliberalismus” kann ich diesen Nicht-SPON Artikel empfehlen:
http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/08/es-gibt-keine-missstande.html

118) nachdenkseiten.de-Leser, Freitag, 31. August 2012, 15:12 Uhr

…und ich lese täglich die nachdenkseiten.de !!!
Das ist aufklärend und mir auch eine Fördermitgliedschaft wert, mehr als jedes Zeitungsabo!
Übrigens verlinken die NDS auch immer öfters Artikel vom “Sprengsatz” ;-)

119) Martel Alt, Freitag, 31. August 2012, 15:28 Uhr

OT
Der “Spiegel” ist ja (hoffentlich) eine bewusst gewählte Metapher. Der Betrachter sieht darin sich selbst und das, was sich von hinten anschleicht. Und das hat M. Spreng klar benannt: SPON, Google, BILD und ein paar alte Tanten. Schöne Aussichten das.

120) Dieter Carstensen, Freitag, 31. August 2012, 23:19 Uhr

Lieber Michael Spreng,

selbst hier unten auf dem Südostpeloponnes in Griechenland kann man den SPIEGEL kaufen, in der Stadt Neapolis, ist ca. 20 km von dem kleinen Dorf entfernt, wo wir uns zur Zeit befinden. Die Wohnmobiltouristen fahen da eh zum Einkaufen, da der kleine Dorfladen hier nur ein sehr begrenztes Angebot hat.

Heute hatte ein sehr sympathischer Zahnarzt aus Garmisch-Partenkirchen den SPIEGEL mit am Strand. Ich habe ihn freundlich gefragt, ob ich den auch mal lesen dürfe. Hier liegen die Touristen am Strand mindestens mit 300 m Abstand zueinander, es ist Natur pur und alle wollen ihre Ruhe.

Hier mal ein Foto, wie es hier am Strand aussieht, rechts unten auf dem Foto liegt meine Jessica in der Sonne:

http://twitpic.com/ae6ztp

Aber man kennt sich hier untereinander und trifft sich beim Strandwandern, Schwimmen oder abends in einem der beiden Esslokale des Dorfes.

Jedenfalls habe ich dann am Strand den aktuellen SPIEGEL gelesen und konnte der Lektüre ehrlich gesagt nur wenig abgewinnen. Ich habe den Zahnarzt dann gefragt, warum er sich denn den SPIEGEL gekauft hätte? Seine Antwort war, wörtlich wiedergegeben:

“In der Not frisst der Teufel Fliegen”.

Die Auswahl der hier angebotenen deutschsprachigen Zeitungen hier ist begrenzt, da gibt es keine grosse Auswahl. Ich habe dann Ihren Kommentar erwähnt, er hatte ihn dann wohl auch in seinem Wohnmobil im Web 2.0 gelesen und abends war unser Thema dann der SPIEGEL. Wir sitzen abends immer in grosser Runde zusammen und hier sind nur recht wohlhabende Touristen, oberer Mittelstand, Bildungsbürgertum.

Wir sind hier die Ausnahme, wir haben kein teures Wohnmobil. sondern hier ein schönes Zimmer mit Meerblick in einer der beiden kleinen Pensionen gemietet.

Hier macht eigentlich die klassische SPIEGEL Leserschaft Urlaub. In der Diskussion ging es hoch her, aber in einem waren wir uns alle einig: Den heutigen SPIEGEL kauft man höchstens noch im Urlaub als Notlösung, wenn nichts anderes zu bekommen ist, das seine inhaltliche Qualität dermassen nachgelassen hat.

Und bei dem Wort FOCUS haben alle nur gelacht, der sei ja noch schlimmer, er sei, so formulierte es Jochen, emiritierter Professor für Philosophie wörtlich: “Der FOCUS ist der SPIEGEL für die geistig etwas minderbemitteltere Klasse, aber der SPIEGEL gibt sich alle Mühe, dieses Niveau ebenfalls zu erreichen.”

Daraufhin brach die ganze Runde in schallendes, zustimmendes Gelächter aus und ich musste dann den griechischen Freunden mühsam übersetzen, worum es ging, sie wollten ja wissen, warum wir so lachten.

M.f.G.

121) der Herr Karl, Samstag, 01. September 2012, 10:46 Uhr

@Dieter Carstensen

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass es bei Ihren Kommentaren mehr darum geht, Ihren Aufenthalt in Griechenland zu beweisen, als etwas zum Thema beizutragen. Alle Ihre auf Twitter veröffentlichten Fotos sind entweder aus dem Internet (Google, Fotocommunity) oder standen schon seit Jahren auf Ihrer inzwischen gelöschtes Homepage. Es sind immer die sechs, sieben gleichen Bilder.
Wenn ich Sie um wenigstens 1 aktuelles Bild von Ihnen in Griechenald bitte dürfte…?
Langsam mache ich mir echt Sorgen um Sie.

122) gabriele, Samstag, 01. September 2012, 11:28 Uhr

@ 111) Dieter Carstensen, Donnerstag, 30. August 2012, 19:23 Uhr
Zitat: “DER FREITAG des selbstgefäliigen Jakob Augstein, dessen Zeitung ich niemals abonnieren würde, da er dieselbe Sebstgefälligkeit wie sein Vater an den Tag legt”
Hihi..wessen Vaters Selbstgefälligkeit meinen Sie denn, die von Martin Walser, dem leiblichen Papa,
oder die von R.Augstein dem Ziehvater?
Uiuiui…da läßts sich´s nu aber heftig über Gene vs. Umfeld grübeln.

Ich lese den Spiegel seit meiner Jugend.
Spannend und wichtig fand ich DAMALS das Gefühl zu den “Bescheidwissern” zu gehören.
Man wurde mit dem sog. Spiegeljargon in die Falle gelockt.
Die Journalisten schrieben so – als säße man mit ihnen in der Westentasche,
gar im Hirn des jeweiligen Protagonisten: Herr Sowieso dachte….
Das ärgerte mich schon damals.
Ich kaufte IHN also nicht mehr. Doch der Spiegeljargon wirkte!
Das vermeintliche “NICHT-Bescheidwissen” erzeugte “Entzugs”- Erscheinungen.

Nur: Informieren kann man sich halt heutzutage übers Internet.

Ich erwarte also von einer Wochenzeitung Hintergrund und Diskurs.

Das Spiegel-Format finde ich prima, man kann es in jede Tasche stecken,
unterden Arm klemmen und dann überall lesen…
OHNE ein RASCHEL RASCHEL als Distinktionsgebaren,
dass mancher kluge Kopf hinter den Blättern einem aufnötigt.

Also – ich will ein Zeitungsleser sein – ich will das es Zeitungen gibt,
also kaufe sie auch. Doch das geht ins Geld, bei ca. 1000€ Einkommen.

Um so mehr hasse ich es durch schnippische Praktikantenschreibe abgespeist zu werden.
Ich will beim Lesen (einer Wochenzeitung) mich auch an der Sprache erfreuen.
Die gibt es zum Glück (noch)
Ich schaue nie Fussball, das infernalische Geschrei und die nationalistischen Auswüchse
widern mich an…
aber ich lese gerne gute Fußballgeschichten, jaja.

Noch was: ich habe auf einem Flohmarkt eine alte Zeitschrift LETTRE (von 2004!) erworben.
Wunderbar gestaltet und formuliert und heute (noch) sehr interessant:
“Spaniens Europa, Europas Spanien – von Eduardo Subirats”

123) Bernhard Paul, Samstag, 01. September 2012, 21:38 Uhr

122) gabriele

Sehr schön! Musste auch ein wenig schmunzeln bei Dieter C. und Vater Augstein.

Es gab einmal die typische Spiegel-Sprache, den typischen Spiegel-Stil, der von den Ober-Spiegelanern immer als nichtexistent zurückgewiesen wurde. Aber es gab ihn, die Leser nahmen ihn wahr, die Sprachwissenschaftler wiesen ihn nach – oder versuchten es. Allein der war schon faszinierend. Von den Infos, über die der Spiegel verfügte, ganz zu schweigen. Oder dass man in der Westentasche sitzen durfte oder mittendrin im geheimen Zirkel.

Dagegen ist die heutige Spiegel-Sprache einfach gewöhnlich und leer. Es ist schade, dass sich auch von der Sprache nichts gehalten hat.

@121) der Herr Karl

Pianissime! Zwischendurch hat mich Freund Dieter C. auch genervt. Mittlerweile kann ich mich wieder prächtig amüsieren.

124) Politikverdruss, Samstag, 01. September 2012, 22:22 Uhr

@ gabriele 122,

LETTRE erworben, wie können Sie nur? Wissen Sie denn nicht, dass Herr Sarrazin in LETTRE veröffentlicht. Ein bisschen Sensibilität kann man schon erwarten.

125) Dieter Carstensen, Sonntag, 02. September 2012, 07:11 Uhr

@ 111 gabriele

Liebe Gabriele,

danke für Ihren Hinweis :)

Ich wusste wirklich nicht, dass Jakob Augstein der leibliiche Sohn von Martin Walser und nicht der leibliche Sohn von Rudolf Augstein ist. Durch Ihren Kommentar habe ich etwas dazu gelernt, ich habe nach dem Lesen erstmal gegoogelt und dann die Bestätigung Ihrer Aussagen gefunden unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Augstein

Ich meinte, so besehen, dass Jakob Augstein die Allüren und Selbstgefälligkeit seines Ziehvaters Rudolf Augstein übernommen hat, zumindest empfinde ich das so.

Leider habe ich nicht Ihre profunden Kenntnisse über den SPIEGEL, aber Ihr Kommentar hatte inhaltlich was zu bieten, ich habe ihn sehr interessiert gelesen und er hat mir etwas gegeben :)

Ich habe nie behauptet alles zu wissen und lerne auch mit 55 Jahren immer noch gerne dazu.

Herzliche Grüße,

Ihr Dieter Carstensen

126) Dieter Carstensen, Sonntag, 02. September 2012, 10:39 Uhr

Mal ein kleiner Tipp, ausser der Reihe:

Wer Problem mit meinen Kommentaren und Aussagen hat, dem empfehle ich die kostenfreie Telefonnummer 0800 / 111 0 111. Da hört rund um die Uhr jemand zu, egal welchen Blödsinn man auch mitzuteilen hat.

Dort anzurufen könnte sinnvoller sein, als seinen unrelektierten Fruststuss hier auf dem Blog von Michael Spreng abzugeben.

Dieser Tipp von mir ist selbstverständlich kostenfrei, man tut für seine Mitmenschen halt was man kann.

127) Helmut Badekow, Sonntag, 02. September 2012, 11:34 Uhr

Mit dem “Spiegel” ging und geht es mir ganz genauso. Aber wieso ist “spiegel online” unverzichtbar?

128) CitizenK, Sonntag, 02. September 2012, 11:43 Uhr

@ Bruno

Danke für den taz-Link.

Kernsatz: Die journalistische Freiheit wird in der Bundesrepublik heute viel weniger durch obrigkeitsstaatliche Pressionen bedroht als durch die weiche Knechtschaft einer eitlen Selbstverliebtheit.”

129) CitizenK, Sonntag, 02. September 2012, 13:10 Uhr

Eben im Presseclub war der SPIEGEL-Mann (Michael Sanga) noch derjenige, der beim Thema Rente am ehesten sozial(demokratisch) argumentierte.

130) Doktor Hong, Sonntag, 02. September 2012, 21:47 Uhr

@ 116) StefanP

Als Trick war das nicht gedacht; ich war mir auch nicht sicher, ob der “national gesinnte” Amateur die Deutschen aus der DDR mit einbezogen hat oder nicht.

Aber selbst wenn er das nicht tat, wäre die Schätzung immer noch massiv zu niedrig gewesen. Sich mal um 20 Millionen Menschen zu vertun, ist kein vernachlässigbarer Fehler.

Was lernen wir daraus? Es gilt wohl immer noch das alte Bonmot, dessen Urheber mir gerade nicht einfällt: “Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen.”

131) Doktor Hong, Sonntag, 02. September 2012, 23:25 Uhr

Steve Jobs hat in einem Interview mal etwas sehr Richtiges gesagt.

Es ging um die Frage, warum im amerikanischen Fernsehen nur so ein Schrott zu sehen ist. (Inzwischen hat unser eigenes Fernsehen durchaus nachgezogen.)

Er meinte, dass die Fernsehsender kommerzielle Organisationen sind, die maximalen Profit machen wollen. Und der Grund, warum sie so einen Schrott senden, ist, weil eben die Menschen so einen Schrott sehen wollen.

Ich meine, er hatte Recht. Wenn also der Spiegel die Auflage erhöhen will, um die Gewinne hochzuschrauben, dann muss der Inhalt so gestaltet werden, dass er von breiteren Schichten gekauft wird. Und das bedeutet eben, bräsiger zu schreiben.

Dass Leute wie meine Mitdiskutanten und der Blog-Inhaber dadurch zunehmend abgestoßen werden, fällt für die Verkaufsquote nicht weiter ins Gewicht. Eher vermute ich das Gegenteil.

Man kann ja von Steve Jobs halten, was man will. Aber wo er Recht hatte, hatte er Recht. Daran sollte man denken, wenn man das nächste Mal die Nase über die BILD rümpft. Sehr viele Leute wollen genau so etwas lesen, sonst würden sie sie nicht kaufen.

132) Dieter Carstensen, Montag, 03. September 2012, 09:00 Uhr

@ 131 Doktor Hong

Liebee Doktor Hong,

ich schätze Sie als fairen Mitsdiskutanten bei unserem lieben Michael Spreng, meist haben Ihre Aussagen hier eine wirkliche inhaltliche Qualität, jedendalls lese ich Ihre Kommentare immer mit zugeneigtem Interesse.

Was mir allerdungs zu Ihrem letzten Kommentar einfällt ist Folgendes:

Computer sind dumme Rechenmaschinen, sie arbeiten nur mit 0 für Stromfluss aus und 1 für Stromfluss ein. wer sich mal mit der Funktionsweise menschlicher Gehirne beschaäftigt hat, weiss, das unsere Gehiirne ähnlich funktionieren, nur kommen zu den rein elektrischen Impulsen auch noch biocehmische Impulse hinzu, ich mchte da mal die chemischen”Glücksbotenstoffe” für unser Gehiirn, wie Serotin, Endorfine, Dopamin und Noradelanin erwähnen.

Wer sich damit beschäftigen will, hier ein Link zum Thema:

http://www.brain-effect.com/de/botenstoffe-gehirn

er führt auf die Seite des wissnschaftlich in der Sozialmedizin allseits anerkannten ” Institut für Glücksforschung (IFG) “in München.

Es ist interesant, dort zu lesen, wie Computer entstanden und welchen Sinn sie für das menschliche Leben wirklich bringen. Wen interessiert ein Steve Jobs wirklich? Er hat bei Apple nur die Computerprogrammiersprache von 0 und 1 etwas verfeinert, mehr nicht.

Ist das eine wirklich lobenswerte Leistung, einfache mathematische Logarithmen in eine für moderne Computer taugliche Computersprache umzuwandeln?

Das wage ich zu bezweifeln, ich meine, es gehört nicht besonder viel Intelekt dazu, aus 0 und 1 bei der Compterprogrammierung etwas evtl. sinnvolles herzustellen.

Man muss nur wíssen, wie es von der Grundstrktur her geht und mit traumwandlerischer Sicherheit schaffen es jährlich Millonen von sog. “Hackern” in fremde Computersysteme eindringen und diese dann lahm zu legen.

Ich verzichte auf die Auflistung von Beispielen, jeder der “Googeln” kqnn, wird es selber nachlesen können.

M.f.G.

133) Mark, Montag, 03. September 2012, 09:13 Uhr

@ Doktor Hong

> Dass Leute wie meine Mitdiskutanten und der
> Blog-Inhaber dadurch zunehmend abgestoßen
> werden, fällt für die Verkaufsquote nicht weiter
> ins Gewicht. Eher vermute ich das Gegenteil.

Naja, also nach den vorliegenden Informationen ist die Auflage des SPIEGEL weiterhin auf Sinkflug:

http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/IVW-Einzelverkaeufe-von-Spiegel%2C-Stern-und-Focus-brechen-ein_108795.html

Es ist also nicht etwa so, dass die wegbrechenden Leser durch Leser, die auf eine “bräsigere” Schreibe stehen, kompensiert werden. Ich denke eher, dass sich die Leser einfach nur vom Produkt abwenden. Gründe sind in Herrn Sprengs Artikel und den vielen Kommentaren reichlich genannt.

(Zugegeben, wir wissen wenig über das tatsächliche Kaufverhalten und die zugrundeliegende Motivation. Es könnte natürlich sehr wohl eine Kompensation stattfinden, d.h. ohne eine Anpassung auf andere Zielgruppen würde der Verlust noch schlimmer ausfallen. Dies glaube ich aber nicht, denn der SPIEGEL trägt immer noch eine Aura des intellektuellen, schwierigen mit sich. Das schreckt auch weiterhin neue Zielgruppen zuverlässig ab.)

134) Doktor Hong, Montag, 03. September 2012, 14:58 Uhr

@132) Dieter Carstensen

Persönlich würde ich die Leistungen von Steve Jobs nicht so schmälern wollen. Darüberhinaus meine ich nicht, dass es so einfach ist, gute Software zu schreiben, wie vermutlich jeder Benutzer eines Computers täglich feststellen kann, wenn einmal wieder etwas nicht funktioniert.

Nun ging es aber in seiner Bemerkung nicht um Computer, sondern um Marktkräfte und deren Zusammenhang mit dem Angebot von Fernsehsendungen in den USA. Seine Kernaussage war, dass deswegen soviel Mist gesendet wird, weil die Leute eben Mist sehen wollen.

Darüberhinaus würde ich seine Ansichten zu Bildung und Lernen nicht unterschätzen. Er sagte sehr viele richtige Dinge, lange bevor es sich zu Leuten wie Precht und seinem Talk-Gast gestern abend herumgesprochen hat.

Sie können gerne der Meinung sein, dass es höchst trivial sei, Smartphones, Tablets, PCs und Großrechenanlagen zu konstruieren. Vielleicht meinen Sie auch, nichts sei einfacher, als gute Programmiersprachen zu entwerfen und effiziente Übersetzer zu implementieren, von guten APIs und guter Software ganz zu schweigen. Ich bin diesbezüglich absolut nicht Ihrer Meinung.

135) wschira, Montag, 03. September 2012, 16:33 Uhr

@ 130) Doktor Hong,

Das Zitat stammt von dem grossen bayrischen Komiker Karl Valentin.

136) Journalist, Dienstag, 04. September 2012, 12:35 Uhr

@ 132) Dieter Carstensen, Montag, 03. September 2012, 09:00 Uhr

>> ich meine, es gehört nicht besonder viel Intelekt dazu,
>> aus 0 und 1 bei der Compterprogrammierung etwas evtl.
>> sinnvolles herzustellen.

Ein Bildhauer, der aus einem riesigen Felsblock ein gewaltiges Denkmal von einem Löwen erschuf, wurde gefragt, wie er denn dieses Meisterwerk habe erschaffen können. Die Antwort des Künstlers: “Ich habe alles weggehauen, was nicht nach Löwe aussah”.

Spaß beiseite: Es gehört immer viel mehr Intellekt dazu, eine geistige Leistung zu erbringen, als sie madig zu machen.

137) Doktor Hong, Dienstag, 04. September 2012, 15:48 Uhr

@ 135) wschira

Vielen Dank für den Quellenhinweis.

Da sieht man mal, dass es komisch sein kann, lediglich die Wahrheit auf den Punkt zu bringen. Jon Stewart macht in seiner Daily Show nichts anderes, und es ist wahnsinnig komisch. Er sagt auch selber, dass er keine politische Agenda hat, sondern nur die Absurditäten der öffentlichen politischen Kommunikation bloßstellen will. Das macht er wirklich meisterhaft :)

Über den deutschen Abklatsch kann ich meistens leider nicht lachen.

138) Ovid, Dienstag, 04. September 2012, 21:09 Uhr

Vollkommen richtig Herr Spreng, aber die Agonie der Parteien ist leicht zu erklären, die haben einfach keine Ideen, ihre Miseren zu ändern. Die sind so paralisiert von dem Euro-Chaos, dass sie über andere Dinge nur bedingt nachdenken können. Wenn sie dann denken, kommt solch eine klägliche Idee wie bei von der Leyen heraus. Linke Tasche, rechte Tasche. Neue, ungewöhnliche Ideen lassen sie aber auch nicht zu, wie ich feststellen musste. Die sind dermaßen beratungsresistent, dass wir eigentlich nur noch nach Berlin marschieren sollten um die Ämter zu besetzen.
Gruß Ovid

139) Peter Michael, Samstag, 08. September 2012, 01:08 Uhr

BILD und SPON? Naja, wer das liest kann sich über SPIEGEL nicht beschweren.

140) zboson, Dienstag, 11. September 2012, 08:21 Uhr

Für die Titelgeschichte des neuen SPIEGEL auch mal ein Lob von mir: das ist der “alte” SPIEGEL, der ein Problem beleuchtet, dass seit der Rot/Grünen-Regierung für mich sehr brennend ist: die ungehemmte Eigenvermarktung von Spitzenpolitikern an jeden, der genug bezahlt, trotz Übergangsgeld, Pensionen und ähnlichem.

Vielleicht wird es ja doch irgendwann mal Regelungen geben, um diese Auswüchse einzudämmen.

Ein frommer Wunsch :-)

141) m.spreng, Dienstag, 11. September 2012, 08:39 Uhr

@ 140) zboson

Dazu empfehle ich Ihnen ein Frühwerk von mir:” Wie Politiker ihre soziale Frage lösen” vom 2. Februuar 2009

142) Doktor Hong, Dienstag, 11. September 2012, 14:31 Uhr

Letzte Woche war ja auch wieder super: “Droge Zucker”

Wer soll den so einen sch** noch ernst nehmen?

Bin mal gespannt, was als nächstes kommt:

“Nahrungsmittel – Die neue Sucht” – “Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass 99% der Menschen täglich essen – und das mehrmals! Hinzu kommt eine schwere Abhängigkeit von Wasser oder wasserhaltigen Getränken. Die Entzugserscheinungen wiegen so schwer, dass die meisten Menschen bereits nach ca. 3 Tagen verenden. – Wie es anders geht, zeigt der indische Guru Sri Schmu Quacksalbonanda, der sich nur von Licht ernährt.”

Naja. Das Gehirn kann eben nur Glucose verstoffwechseln. Komisch, dass Diabetiker bei akuter Unterzuckerung ins Delirium fallen. Komisch also, dass Zucker so gut schmeckt. Aber man kann ja nicht davon ausgehen, dass das Gehirn bei jedem Menschen das wichtigste Organ ist, wie man an solchen Titelgeschichten sehen kann.

143) Sammy 61, Dienstag, 11. September 2012, 16:16 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng!

IchMit Ihrer Spiegel-Kritik ist Ihnen offensichtlich ein Volltreffer gelungen, da er eine große Resonanz hatte und viele Spiegel-Leser sich Ihnen anschlossen. Ihre Analyse ist jedoch im Gegensatz zu den Anmerkungen im Forum wohltuend sachlich und zeigt immer noch eine gewisse Grundsympathie für das Hamburger Magazin. Ich lese den Spiegel regelmäßig seit etwa 40 Jahren und habe sehr viel von der Lektüre profiitiert. Er ist m.E. immer noch das Flaggschiff im deutschen Journalismus. Daran ändern auch gelegentlich schwache Titelgeschichten nichts. Das Konkurrenzblatt Focus bringt fast jede Woche einen Titel mit Nutzeffekt für die Leser, z.B. Deutschlands beste Mediziner oder Wie schütze ich mein Geld? Der Stern ist eine Illustrierte mit hohem Werbeanteil, also auch kein klassisches Nachrichtenmagazin. Bleibt der Spiegel. Die Redakteure des Spiegel haben in den langen Jahren seiner bisherigen Existenz viele Skandale und Missstände aufgedeckt. Leider ist die Welt nicht besser geworden, da ständig neue unschöne Dinge ans Tageslicht kommen und der Eindruck entstehen könnte, dass engagierte Journalisten zu wenig tun. Und die Leute vom Spiegel dafür besonders in Haftung genommen werden. Meine Meinung: Die Lektüre des Spiegel lohnt nach wie vor. Lesen Sie “Mayers Krieg” von Alexander Osang (diese Woche), eine sachliche und daher wirkungsvolle Reportage über einen Offizier, der seine Leute auf Afghanistan vorbereitet. Sie werden nichts Besseres finden.

144) Petterson, Montag, 09. Dezember 2013, 11:37 Uhr

Der Eindruck täuscht nicht. Die aktuelle Aust-Personalie erinnert wieder daran, ab dem Ausscheiden Austs aus dem Spiegel wurde das Magazin immer uninteressanter. Ich lese es immer noch, weil es nichtsdestotrotz immer noch das wichtigste deutsche Wochenmagazin ist, aber die Tendenz zum langweiligen Wurstblatt ist leider klar erkennbar.

Wie ist Ihre Meinung?

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