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Das ganz Private in der Politik

Das Private und das angebliche Private  in der Politik spielen nicht erst seit Bettina Wulffs Buch eine große Rolle. Immer wieder macht das Privatleben auch Politik, beim Sturz Willy Brandts zum Beispiel.

Sind es reine Gerüchte, ist der Fall schnell geklärt: nicht zu verifizieren, also keine Veröffentlichung. Schwieriger wird es dann, wenn die Gerüchte sich zur möglichen Tatsache verdichten. Geht es dabei um Spitzenpolitiker, muss auch schon mal der Chefredakteur ran, wenn er die Politiker gut kennt.

So sind mir zwei peinliche Gespräche in Erinnerung. In dem einen Fall ging es um einen Minister, der seine alkoholkranken Frau verlassen habe und mit einer neuen, sehr bekannten Lebensgefährtin zusammenlebte. Ich sprach mit ihm und verzichtete, nachdem er mir die Krankheitsgeschichte und die möglichen Folgen von Presseberichten erklärt hatte, auf eine Veröffentlichung.

Der andere Fall war wesentlich pikanter: die Frau eines Ministers hatte angeblich in der Gemeinschaftssauna eines Mehrfamilienhauses einen anderen Saunagast belästigt. Dieser zeigte die Frau an.

Darüber mit einem Politiker zu sprechen, ist nicht einfach. Er bestritt den Vorfall erwartungsgemäß und ich sagte ihm, solange kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei, würden wir darauf nicht eingehen. Dazu kam es nicht. Offenbar hatten sich die Frau und der Saunagast außergerichtlich geeinigt.

Grundsätzlich galt früher die Regel: solange Ereignisse im Privatleben von Politikern keine politischen Ursachen oder Folgen haben, sind sie für die Veröffentlichung tabu. Es gab viele Geschichten, die ich deshalb unter den Tisch fallen ließ.