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Dienstag, 02. Oktober 2012, 12:38 Uhr

Der kalte Kandidat?

Peer Steinbrück ist ein tough guy, ein harter Hund. Schnell im Kopf, hart im Austeilen, provokativ, polemisch, witzig, ironisch und selbstironisch. Einer nach dem Motto: lieber einen guten Freund verlieren als eine gute Pointe. Ein Typ, dem man gerne zuhört – Unterhaltungswert garantiert. Aber reicht das für Kanzler?

Gut, er ist auch sachkundig, kann regieren oder mitregieren, ist krisenerprobt, führungstark. Aber reicht das, um Kanzler zu werden?

Dafür müssen erst noch andere Fragen beantwortet werden: Ist Steinbrück auch mitfühlend? Hat er Herz? Ist er sympathisch? Oder ist er der kalte Kandidat?

Diese Fragen offenbaren seine Achillesferse. Denn schon einmal ist ein Kandidat gescheitert (Edmund Stoiber, ich kann da mitreden), der zwar als kompetent wahrgenommen wurde, aber nicht als sympathisch. Und das, obwohl Stoiber nachweislich mehr soziale Kompetenz besaß als sie jetzt bei Steinbrück wahrzunehmen ist. Dafür fehlten Stoiber aber Steinbrücks Rhetorik, Witz, Ironie und vor allem Selbstironie.

Wenn Steinbrück Kanzler werden will, muss er an seiner Persönlichkeit nacharbeiten oder bisher versteckte Seiten zeigen – wenn das nicht bei einem 65jährigen zu spät ist. Steinbrück muss “raus aus den Kaviaretagen, rein in die Leberkäsetagen” (oder Currywurst-Etagen), wie es einmal Franz Josef Strauß  formulierte.

Bei Bankern, Versicherungsbossen, Sparkassenchefs hat Steinbrück genug gesessen und geredet. Er muss in die Jobcenter, Behindertenwerkstätten, Ausbildungsbetriebe, Sportvereine (nicht im Aufsichtsrat), Kleingartenvereine, Jugendzentren. Er muss dorthin, wo die Wähler leben und arbeiten, die am Ende die Wahl entscheiden. Fremdelt er da oder kann er das? Seine ersten TV-Auftritte nach seiner Nominierung verstärken die Bedenken.

Hat Steinbrück einmal öffentlich Hartz-IV-Empfängern, die nach einem langen Arbeitsleben in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind, für ihre Lebensleistung gedankt? Hat er den Unternehmenschefs, die ihre Produktion mit Zeitarbeitern und Kettenverträgen verbilligen, einmal ins Gesicht gesagt, wie asozial ihr Verhalten ist? Hat er in Jobcentern einmal die Verzweiflung der Arbeitssuchenden und der Arbeitsvermittler erlebt? Hat er seiner Friseurin nicht nur ein Trinkgeld gegeben , sondern auch ihrer Chefin gesagt, dass sie von dem Hungerlohn keiner leben kann?

Akademisch hat er das eine oder andere sicher schon gesagt, aber mit echter Empathie? Weiß einer, der von der “driftenden Einkommens- und Vermögensentwicklung” spricht, was die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich real bedeutet?  Angela Merkel weiß das wahrscheinlich auch nicht. Aber sie ist schon Kanzlerin (wenn auch weniger aus eigenem Verdienst), sie ist den Wählern offenbar sympathisch in ihrer zurückgenommenen, uneitlen Art.

Steinbrück hat gesagt, er habe aus “Eitelkeit, Ehrgeiz und Bestätigung” die Kanzlerkandidatur angestrebt. Das ist ehrlich und vielleicht selbstironisch. Aber es zeigt auch die Defizite. Und es kann ja wohl kaum die Überschrift über seine Kampagne und seine Botschaft sein. Er selbst reicht als Botschaft nicht aus.

Steinbrück braucht keine machiavellistischen Wahlkampfberater. Er braucht einen Empathie-Coach. Sonst scheitert er nicht nur an Merkel und den Umständen, sondern an sich selbst.

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73 Kommentare

1) etg, Dienstag, 02. Oktober 2012, 13:10 Uhr

Interessant, woran Sie das Scheitern von Stoiber festmachen.

Für mich war es eher genau das, was sie jetzt empfehlen, was ihn unwählbar gemacht hat. Erst ist er hart in der Sache, plötzlich menschelt er und das für ihn völlig fremd.

Was ist gegen einen kühlen Kopf als Kanzler zu sagen? Nicht, dass ich Steinbrück wählen würde, aber diese Ideen sind so boulevardesk, so bar jeder Realität. Immerhin ist mir jetzt etwas klarer, warum Stoiber seinen Wahlkampf zum Schlechteren verändert hatte. Schlechte Berater.

2) Erika, Dienstag, 02. Oktober 2012, 13:18 Uhr

“Eitelkeit, Ehrgeiz und Bestätigung”

das waren seine wohl seine ehrlichen Motive. Glauben Sie Steinbrück wäre besser rübergekommen, wenn er wie damals Angela Merkel : “Ich will Deutschland dienen” geantwortet hätte? Mir persönlich ist der Ehrliche lieber.

Stoiber ist meiner Meinung nach ein schlechter Vergleich

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gescheiterte-kanzlerkandidaten-als-stoibers-ende-seinen-anfang-nahm-a-479966.html

Man kann Herrn Steinbrück ja raten, dass er keine “Torschüsse” abgibt und bei Länderspielen sollte er sich neben Angela Merkel auf die Tribüne setzen, dann kann das Volk betrachten, wer besser jubeln kann.

3) rwetroja, Dienstag, 02. Oktober 2012, 13:29 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

die von Ihnen beobachteten Defizite des Herrn Steinbrück sind, denke ich, zutreffend beschrieben. Und wo ist das damit implizit geforderte “soziale Gewissen” der Regierungskoalition?

Viele Grüße

4) W. Zimmer, Dienstag, 02. Oktober 2012, 13:38 Uhr

Ich finde den letzten Absatz bemerkenswert: “Steinbrück braucht keine machiavellistischen Wahlkampfberater. Er braucht einen Empathie-Coach. Sonst scheitert er nicht nur an Merkel und den Umständen, sondern an sich selbst.”

Ich wage zu behaupten, dass er mehr Empathie besitzt als Angela Merkel. Warum diese Frau von manchen als “herzlich” beschrieben wird, ist mir ein Rätsel.

Auf der anderen Seite ist es ja (leider) beim deutschen Wähler üblich, seine Gunst dem(der)jenigen zu schenken, der sich in Homestories und Gala-Auftritten in das Bewusstsein drängt, trotz der erheblichen Defizite an Kompetenz. Ich denke da an zwei gescheiterte Unionsgranden in der jüngeren Vergangenheit.

5) Gregor Keuschnig, Dienstag, 02. Oktober 2012, 13:44 Uhr

Merkwürdiger Text. Hat all das, was Sie von Steinbrück abfordern, auch schon einmal Frau Merkel gesagt? Gibt es einen Kodex der politisch-korrekten Phrasen, die man gebetsmühlenartig absondern muss, bevor man den Ritterschlag durch die Presse (!) als “tauglichen” Kandidaten empfängt? Aber man macht es sich ja – wie gewohnt einfach: Hätte er die “sozialen” Bekenntnisse abgegeben, hätten Sie geschrieben, er biedere sich an. Es passt immer.

Ach ja: Wieviel Trinkgeld geben Sie eigentlich Ihrer Friseurin? Da wir jetzt schon mal beim Bekenntnisbloggen sind.

6) Jürgen S., Dienstag, 02. Oktober 2012, 14:07 Uhr

In den Augen der sogenannten Schröderianern, zu denen Steinbrück zählt, ist die Agenda 2010 ein voller Erfolg. Man habe alles richtig gemacht. Warum also sollte der Kanzlerkandidat bei Unternehmenschefs Zeitarbeit & Kettenverträge anprangern? Warum sollte er Niedriglöhne anprangern?

7) bee, Dienstag, 02. Oktober 2012, 14:15 Uhr

Die Currywurstetage ist nichts für Steinbrück. Erst recht nicht das Jobcenter. Er hat sich zum Auftakt seiner SPD-Bürgerfragestunde angesichts real existierender Jugendlicher bereits keine Mühe gegeben, etwas weniger angewidert zu erscheinen – ein abgehobener Machtmensch, der das Volk verachtet. Der einzige Bonuspunkt im Vergleich zu ähnlichen Dialogsimulationen mit der Kanzlerin dürfte sein, dass er gar nicht erst Interesse heuchelt. Der Michel wird’s bestimmt zu schätzen wissen.

8) Dirk Beyer, Dienstag, 02. Oktober 2012, 14:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Seehofer bestreitet, dass Steinbrück durchsetzungsstark ist. Ihr Kommentar vertritt die Gegenansicht. Seehofer liegt m.E. nicht ganz falsch: Als er mit Merkel den “deutschen Sparer” rettete, hat er sich eher pflegeleicht gegenüber den Banken gezeigt und nur ein Versprechen gegenüber den Bürgern über das TV-Mediium abgegeben, wofür er selbst nicht zahlen muss. Gegenüber der WestLB war er ebenso nicht führungsstark.

Die angebliche Durchsetzungskraft Steinbrücks wird meines Erachtens aufgebauscht und wird im Punkt Durchsetzungskraft tief fallen, sobald ihm SPD-Freunde Zweige in die Radspeichen halten.

D. Beyer

9) Peter Christian Nowak, Dienstag, 02. Oktober 2012, 15:21 Uhr

@m.spreng

Einer Ihrer besten Artikel! Schnörkellos und klar. Möge er seine Wirkung nicht verfehlen!
(ich glaube, Sie sehen das auch so)

10) Kritiker des Bösen, Dienstag, 02. Oktober 2012, 15:32 Uhr

Emphatie hat man oder nicht! Das kann man nicht coachen und lernen!

Steinbrück hat, wie die gesamte SPD Spitze, mit den “normalen” Menschen nichts am Hut. Das ist das eigentliche Elend in diesem Land.Es ist schlicht egal wer uns ( das Volk) verarscht. Und ehrlich gesagt, ertrage ich diese Verarsche besser, wenn sie von der CDU kommt…

Gruß

11) Peter Christian Nowak, Dienstag, 02. Oktober 2012, 15:36 Uhr

5) Gregor Keuschnig,

Herr Keuschnig, es bleibt Ihnen unbenommen die SPD und Steinbrück zu wählen – falls Sie denn SPD-Wähler wären. Es bleibt aber jedem anderen überlassen, ob er für sich diese Entscheidung trifft. Wenn gerechte Kritik auf Emotionen trifft, kommt bei anschließender Auseinandersetzung meist nichts Gutes raus. Merkel ist nicht Kanzlerkandidatin der SPD. Steinbrück stellt sich zur Wahl. Das ist der aktuelle Anlass. Daher steht Steinbrück in der Betrachtung und nicht vielleicht Merkel. Und: Gute Kritik hat nichts mit Vorurteil oder Ressentiment zu tun.

12) H.F., Dienstag, 02. Oktober 2012, 15:53 Uhr

Verdient hätte er es. Ja, “verdient”. Als er Finanzminister war, hat er die Finanz- und Bankenkrise ungebremst kommen lassen. Jetzt wäre es an der Zeit, dass er die Suppe auslöffelt. Ja, das hätte er verdient. Damit er sich rehabilitiert.

Aber Hurtig bitte! This time is different. Diesmal können wir uns kein Versagen leisten.

Ob Steinbrück der richtige dafür ist?

13) Gregor Keuschnig, Dienstag, 02. Oktober 2012, 16:08 Uhr

Ihre Analyse zu Stoiber ist im übrigen nur halb richtig. Dieser erzielte mit 38,5% das höchste Ergebnis für CDU/CSU seit 1998. Die Merkel-Stimmen gingen trotz der angeblichen Beliebtheit der Kanzlerin, die sich zumeist auf 1000 Befragungen zusammensetzt und im Kleingedruckten alles andere als repräsentativ ist, kontinuierlich zurück.

Die SPD hatte keine andere Wahl als Steinbrück zu nominieren; er ist m. E. auch der richtige. Gewählt werden wird er dennoch nicht. Zum einen kritteln die Medien an ihm herum (er ist ein dankbareres Objekt als Frau Merkel) und den meisten weichgespülten Wohlfühlbürgern ist er zu direkt. Das Volk mag keine Leute, die ihnen im Zweifel auch einmal die Wahrheit sagen. Zum anderen hat er in der SPD keine Hausmacht. 2013 gibt es dann die Große Koalition mit Gabriel als Vizekanzler.

14) Nobby, Dienstag, 02. Oktober 2012, 16:08 Uhr

Ob Steinbrück ein ehrlicher Makler ist mit seinem Bankenkonzept in dem Sinne, dass er im Allgemeinwohl handelt und nicht die Agenda einer Lobby-Gruppe verfolgt, das wird sich in der Rentenfrage zeigen.

Sie Herr Spreng, haben in einem vorhergehenden Beitrag ausgeschlossen, dass Steinbrück eine Chance habe, wenn er dem Drängen der Linken in dieser Frage nachgibt. Ein unverständlicher Standpunkt, ist doch ein Stopp des Renteniveaus oberhalb von 50 Prozent in der Bevölkerung zur Zeit hoch populär. Warum also sollte Steinbrück mit einer entsprechenden Agenda scheitern?

Das Gegenteil ist der Fall. Steinbrück kann sich nur dann von dem Verdacht befreien, nicht mehr unabhängig zu sein, wenn er dem berechtigten Mehrheitswillen in der Bevölkerung folgt. Denn ansonsten hätten wir schon den ersten Beweis, dass seine Papiere gegen Banken nur Camouflage sind.

Denn er hat schon viel Geld von der Geld-Branche bekommen und das ist kein unwichtiges Faktum. Die würde bei einem Stopp der Rentenniveauabsenkung eine lukrative Einnahmequelle (die der Betriebs- und Privatrenten) nicht mehr in der erwarteten Größe realisieren können. Würde er sich demnach auf die Seite der Privatisierungsbefürworter in der Rentenpolitik schlagen, wie die CDU/FDP, wäre das ein deutlicher Beleg, dass er ein doppeltes Spiel spielt. Da kann er behaupten was er will. Tja, hätte er kein Geld von der Branche genommen, dann wäre er glaubwürdig. Ansonsten darf man aufgrund allgemeiner Lebenserfahrung durchaus Abhängigkeit vermuten.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an Herrn Jörges. Der hat sich gestern in “Hart aber Fair” offensiv für einen Stopp der Absenkung des Rentenniveaus positioniert. Weil wir es uns als hochentwickeltes Land einfach leisten können! Richtig! Alles andere ist Rabulistik. Von Ihrem oben bekundeten Mitleid mit Hartz-IV’lern und Niedriglöhnern hat keiner der Betroffenen etwas. Aber eine klare Parteinahme für eine konkrete wirksame politische Maßnahme, wie die von Herrn Jörges, die trägt eher dazu bei, dass die Politik sich wieder am Allgemeinwohl orientiert und nicht am Willen mächtiger Interessengruppen.

15) Erwin Gabriel, Dienstag, 02. Oktober 2012, 16:21 Uhr

Ich kann dem Kommentar nicht zustimmen.

Ich denke, dass Peer Steinbrück durchaus bei dem einen oder anderen CDU– bzw. Wechselwähler punkten kann. Das wäre weder bei Frank-Walter Steinmeier noch bei Sigmar Gabriel der Fall gewesen. Steibrück tut sich bei den Linken und den “klassischen” Sozialdemokraten schwer, die ihrer warmen Kuscheldecke hinterher weinen. Aber die ist definitiv weg und wäre auch ohne Agenda 2010 weggewesen.

Ein paar warme Worte an Hartz-IV-Empfänger (die ich in der genannten Form auch von CDU, CSU, FDP, Grünen oder anderen SPD-Oberen nicht vernommen habe) versöhnt diese nicht mit ihrem oft harten Schicksal. Aber die Journalistenmeute würde sich mit Wonne darüber hermachen, etwas von Berechnung schreiben, und dem Kandidaten deswegen wieder eine mitgeben.

Mit Anbiedern kann Peer Steinbrück also nicht punkten, mit einen Angriff auf die allzu oft verantwortungslose Gewinnsucht der Banken schon eher. Die Alternative heißt Steinbrück oder Merkel, das muss auch der linke Parteiflügel begreifen. Wenn die Steinbrück nicht wollen und ihr Kreuzchen bei den Linken, den Grünen oder den Piraten setzen, können sie gleich Angela Merkel wählen. Und das wird gruselig….

16) Claus Drullmann, Dienstag, 02. Oktober 2012, 16:56 Uhr

Sehr verehrter Herr Spreng, ich bewundere Sie für Ihre bejahende Gutgläubigkeit, für Ihre große Hoffnung, die Sie somit ausdrücken. Ich bin genau aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Aber Steinbrück ist nur ein Gesicht, manche sagen, eine Maske, wie das einer Spielpuppe, deren Bewegungen und Äußerungen von den großen Parteiensponsoren gesteuert werden. Da sie bei allen Parteien die gleichen sind, betone ich es auch hiermit wieder: Es ist gleich-gültig, welche der vier etablierten bürgerlichen Parteie ich wähle, unterm Strich gibt es keine Unterschiede.

Wenn ich Veränderung will, und gerade positive will ich, müssen wir ausserhalb dieser “glor-Reichen” vier wählen.

17) m.spreng, Dienstag, 02. Oktober 2012, 17:03 Uhr

@ 13) Grogor Keuschnig

Das war auch keine Wahlanalyse (die habe ich schon zigmal gemacht), sondern ein Teilaspekt, der sich bei diesem Vergleich anbot. Und natürlich war das Stoiber-Ergebnis besser als beide Merkel-Ergebnisse. Verloren hat Stoiber in erster Linie wegen der Flut im Osten (und Schröders und seiner Reaktion darauf) und wegen der Irak-Kampagne Schröders und der zu beiden Themen in der CDU/CSU einsetzenden Kakophonie. Und es gab eben auch persönliche und kulturelle Unterschiede.

18) Black-Jack, Dienstag, 02. Oktober 2012, 17:33 Uhr

Der derzeitige Politiker-Typus fordert, beanstandet, oder spricht im wesentlich drängende Fragen nur Öffentlichkeitswirksam kurz an. Die eigene Karriere und geldwerten Vorteile stets im Auge. Egal ob schwarz, rot, gelb oder grün.
Den nach dem Krieg erarbeiteten Wohlstand nicht nur zu verschleudern sondern über Wahlgeschenke sich die Zuneigung von spezifischen Wählerschichten zu erkaufen, war und ist keine tragfähige und nachhaltige Handlungsweise. Probleme müssen jetzt auf den Tisch (mit sicherlich gravierenden Nachteilen für die eine oder andere Gruppierung) und nicht an unsere Kinder weiter gereicht werden.
Mit ist ein Politiker lieber, der im fortgeschrittenen Alter wirtschaftlich sicher nichts mehr erreichen muss; und zudem mit seiner klaren Kante von einer Partei “beaufsichtigt” wird, zehnmal lieber, als ein alternativloser Schwatzhaufen, der auch den größten Schwachsinn (vom Meldeparagraphen bis zu den EU-Hilfspaket) aus Parteiräson nur noch abnickt. Das Erkaufen von Zeit bezahlte bisher in der Geschichte immer nur der kleine Mann!
Demokratie lebt auch von der Polarisierung oder Überspitzung. Wenn dann am Ende was halbwegs sinnvolles raus kommt; d.h. nicht immer nur vertagt, verdrängt und verniedlicht wird.
Das römische Reich ist an der Trägheit und Dekadenz seiner Bürger gescheitet. Allen wohl und keinem Weh führt in den -wirtschaftlichen- Untergang.
Wie schon im Fall der Agenda 2010 müssen Weichen rechtzeitig gestellt werden. Wenn wieder nur vier Jahre für die Galerie debattiert wird, also bekannte offene Punkte (Bankenseparation, Rentenniveau, Transparenz im Gesundheitswesen, alternative Energien, zielführende Mobilitätsalternativen, Bildungsperspektiven für alle Kinder, uvm.) liegen bleiben, dürfte auch unser Wohlstand und Gesellschaft schon bald an ihre -bezahlbaren- Grenzen stoßen! Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!

19) Christian Tölken, Dienstag, 02. Oktober 2012, 17:34 Uhr

Lieber Herr Spreng,

“Hat Steinbrück einmal öffentlich Hartz-IV-Empfängern, die nach einem langen Arbeitsleben in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind, für ihre Lebensleistung gedankt? Hat er den Unternehmenschefs, die ihre Produktion mit Zeitarbeitern und Kettenverträgen verbilligen, einmal ins Gesicht gesagt, wie asozial ihr Verhalten ist? Hat er in Jobcentern einmal die Verzweiflung der Arbeitssuchenden und der Arbeitsvermittler erlebt? Hat er seiner Friseurin nicht nur ein Trinkgeld gegeben , sondern auch ihrer Chefin gesagt, dass sie von dem Hungerlohn keiner leben kann?” Zitat Ende.

Hat Frau merkel das je getan?

Mit freundlichen Grüßen
Christian Tölken

20) Frank Reichelt, Dienstag, 02. Oktober 2012, 17:43 Uhr

Von einem der führenden Bundesbedenkenträger war so ein Artikel zu erwarten.
Als ob mit Empathie jemals jemand Bundeskanzler geworden wäre. Nur mit Steinbrück kann die SPD die Wahl gewinnen und die Finanz- und Bankenkrise wird das Hauptwahlkampfthema werden. Auf diesem Feld kann Steinbrück punkten, sein Papier zur Bankenregulierung ist hierfür ein guter Anfang.
Ich denke, die Steinbrück-Kritiker, die ja auch hier zahlreich vertreten sind, werden sich noch im positiven Sinne über ihn wundern.
Ich freue mich jedenfalls auf ein spannendes Duell auf Augenhöhe, Ausgang offen!

21) RCB, Dienstag, 02. Oktober 2012, 18:23 Uhr

Lieber Sprengmeister,
diesmal glaube ich haben Sie sich überhoben! Schon die Tatsache, dass Sie unter 9) von PCN ein solches Lob erhalten haben, würde mich an Ihrer Stelle mehr als stutzig machen.

Ob Steinbrück nun in den “unteren Etagen” herumtingelt und sich dabei verbiegt, oder ob er auf der Ebene, wo er was bewegen kann sattelfest ist und dabei ehrlich bleibt, diese Frage stellt sich m.E. gar nicht. Wichtig ist, dass ein Macher in das Amt aller Ämter kommt! Und wenn er dabei mehr bewegt, auch und vor Allem innenpolitisch für die mittlere und untere Einkommensschicht, dann hat er bei all den von Ihnen kritisierten Defiziten eine Menge mehr getan, als seine Vorgängerin im Kanzleramt, die dieselben Defizite besitzt und trotzdem (zumindest bis jetzt noch) so beliebt bei der Bevölkerung ist.

Viel wichtiger ist, wie sich die sog. Parteilinken in der SPD und die Jusos jetzt und in Zukunft in der Öffentlichkeit und Steinbrück gegenüber verhalten. Man sollte nie vergessen, dass der heute von allen Seiten zu Recht so hochgelobte Ex-Kanzler Helmut Schmidt genau darüber, also über die Uneinigkeit seiner eigenen Partei gestolpert ist. Und die Beiden, Schmidt und Steinbrück sind sich verdammt ähnlich und schon jetzt verhalten sich die SPD-Linke und Teile der Jusos ebenfalls verdammt ähnlich wie damals!

Ich bestreite, dass die von Ihnen geforderten, angeblich fehlenden Tugenden des Peer Steinbrück notwendig und ausschlaggebend sind. Lassen Sie ihn nur machen. Kanzler ist sowieso ein Amt, das in der heutigen Zeit eigentlich Keiner wirklich haben wollen kann (Sie versehen, was ich meine?). Es werden aufgrund der derzeit weltweiten Krisen, vor Allem aber auch aufgrund der massiven Versäumnisse der aktuellen schwarz-gelben Regierung auf den nächsten Kanzler derart gigantische Aufgaben zukommen, dass wohl Niemand der aufrichtig ist, dieses Amt für sich innehaben möchte. Nur “Mutti” würde so weiterwursteln wie bisher, mit unabsehbaren Langzeitfolgen!

22) Alex, Dienstag, 02. Oktober 2012, 18:56 Uhr

Angesichts der aktuellen politischen, globalen und gesellschaftlichen Randbedingungen benötigen wir keinen Kuschelhasen als Bundeskanzler, sondern einen Bundeskanzler, der eben klare Kante spricht und handelt und umsetzt.

Mir ist Steinbrück zuweilen auch zu arrogant, im Ausland ist er wegen seiner arrogant-spröden Art eher unbeliebt. Das darf aber keine Rolle spielen!

Ich habe alle diese Kuschelpolitiker so was von satt! Ich will endlich mal wieder einen kantigen Politiker, einen fachlich kompetenten Macher in der Politik haben, der etwas bewegen will.

Es kann nicht sein, dass sich viele, nahezu alle Politiker verbiegen, möglichst kuschelig, weich und lieb rüberkommen wollen und wir dann wieder Stillstand haben. Es kann nicht sein, dass sich Politiker bei der Unterschicht oder Prekariat anbiedern und darüberhinaus dann Deutschland vergessen.

Wir brauchen endlich einmal wieder einen Macher mit Mut und vor allem auch Lust auf Reformpolitik!

Und bitte keinen weiteren Empathiecoach! Dann bekommen wir wieder weichgespülte, psychogruppen-erfahrene Labertanten in den Talkshows. Und die Politik wird noch langweiliger.

Mir ist ein kantiger Steinbrück lieber, der in ein Jobcenter oder einem Sozialamt seine eben nicht ganz politisch korrekte Meinung kundtut. 95% der Politiker haben nicht so viel Mumm und Rückgrat!

23) Günter Springer, Dienstag, 02. Oktober 2012, 19:13 Uhr

Warum in alles in der Welt werden solche harten Masstäbe , zum Teil noch beleidigend, an den Kanzlerkandidat Herrn Steinbrück angelegt? Nun ist mal einer da, der die ganzen Dinge klar bei Namen nennt und schon wird mit dem Fallbeil gedroht.
Legt doch mal die selben Masstäbe an die Kanzlerin an, objektiv natürlich. Was gibt sie denn von sich außer vagen Andeutungen?
Ihre Beliebtheit und angebliche Stärke in Europa kann sie doch nur darauf gründen: wer das meiste Geld zu bieten hat und es auch immer hergibt, ist natürlich beliebt und gern gesehen.
Ihre Beliebtheit in Deutschland wird offenkundig von den Medien gebetsmühlenhaft dem Wahlvolk suggeriert und auch zum Teil geglaubt.
Ich mache da aus meinem Umfeld ganz andere Erfahrungen.

24) Cem Dursun, Dienstag, 02. Oktober 2012, 20:25 Uhr

Ja, diesmal bin ich absolut Ihrer Meinung, Herr Spreng.

Auch ich frage mich bei Steinbrück ganz schlicht: Ist das wirklich ein Sozialdemokrat? Wo unterscheidet er sich nun von Merkel? Naja, am Ende tut man der Linkspartei einen gefallen und rettet sich auf einen guten (+- 28 Prozent) zweiten Platz.

25) Bernd, Dienstag, 02. Oktober 2012, 21:33 Uhr

So so, ein Empathie-Coach muß her, und der sollte dann wohl an besten Michael Spreng heißen, oder warum sonst zerbrechen sie sich den Kopf für Peer Steinbrück? Ich glaube, es wird kommen wie beim -Mensch ärgere dich nicht-, sie würfeln eine eins und müssen zwei Felder zurück: „wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“.

26) Wolfgang Wabersky, Dienstag, 02. Oktober 2012, 23:20 Uhr

Es ist unglaublich, wie schnell vergessen wird, was Herr Steinbrück in der Vergangenheit versemmelt hat, dagegen ist seine fehlende Empathie vernachlässigbar. Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass 2005 in der Großen Koalition weitere Deregulierungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft vereinbart wurden. Die Finanzkrise und deren Auswirkungen hat er gar nicht kommen sehen und unterschätzte sie in der Folge viel zu lange. Als MP fuhr er für die SPD das je schlechteste Wahlergebnis 2005 in NRW ein und verlor für die SPD dieses Stammland, nachdem die Schulden des Landes unter seiner Ägide erheblich zugenommen hatten. Als Finanzminister befürwortete er die Liberalisierung der Finanzmärkte und sperrte sich gegen eine Finanztransaktionssteuer bzw. Börsenumsatzsteuer, trat aber vehement für die Rente mit 67 ein. Ich fasse es nicht, dass ein Dampfplauderer und Selbstinszenierer wie Steinbrück glaubt, auf Kanzler machen zu müssen. Mit den eigentlich sozialen Themen, die traditionsgemäß eine Herzensangelegenheit der SPD sein sollten, hat Steinbrück nichts am Hut. Das ist ein Mann des Kapitals, ein Neoliberaler im Gewand der SPD – wie seinerzeit Wolfgang Clement! Die SPD braucht dringend eine Rückbesinnung auf sozialdemokratische Inhalte und somit auch eine generelle personelle Runderneuerung an der Spitze, die schon gar nicht mit Steinbrück zu machen ist, dessen ökonomischer Sachverstand unverständlicherweise enorm überschätzt wird, wenn man z. B. genau hinschaut, wie er in der Finanz- bzw. der Eurokrise agiert hat.

27) Bernhard Paul, Dienstag, 02. Oktober 2012, 23:49 Uhr

#17) M. Spreng hat zu Stoiber vollständig recht. Es gibt einen dritten, entscheidenden Punkt, der die Wahl beeinflusste. 2002 wurde das Paket der Hartz-Gesetzgebung verhandelt, das unterm Strich öffentlich gut ankam und Schröder als Macher auswies und ausweisen sollte. Die Brisanz von Hartz IV kannte man noch nicht.

Apropos: Steinbrück würde trotz Empathie-Coach kein Willy Brandt. Das ist überhaupt so eine Sache, kantige Kandidaten im Wesenskern verändern oder abschleifen zu wollen, Herr Spreng. Das haben Sie zum Beispiel 2002 mit Stoiber gemacht, quasi auf norddeutsch getrimmt, mit dem Ergebnis, dass sich der Süden fragte, ob das noch der Original-Stoiber ist oder ein Klon.

Gregor Keuschnigs Beiträge sind (fast) immer ebenso sachlich wie substanziell. Was ist diesmal los? Formkrise? #5 ergibt keinen Sinn.

28) Baden-Baden, Dienstag, 02. Oktober 2012, 23:56 Uhr

Die Zeiten sind ungewöhnlich geworden – starke politische Schwankungen sind nicht auszuschließen.

Der Frustbürger ist schwer berechenbar und macht alle demoskopische Prognosen aufgrund von langfristigen politischen Bindungen und Überzeugungen zunichte

Wir leben in einer “alles-ist-möglich-Republik”

29) gast, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 00:17 Uhr

Damit es bei der nächsten Wahl eine Wahl gibt!

Eine Wahl zu haben – das ist das Ziel unserer Initiative von Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

Denn unbeirrt vom wirtschaftlichen Niedergang in Südeuropa, unbeirrt von der schwersten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sind CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne einer Meinung: Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, die erhalten bleiben muss, koste es, was es wolle.

http://www.wa2013.de/index.php?id=198

30) sugar base, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 05:03 Uhr

Man kann es kurz formulieren,
Merkel weiter wurschteln, oder Herrn Steinbrück ´s angebliche harte Hand(ich wünsche sie ihm) endlich tun zu lassen, diese Option gibt es nur!
Dann doch lieber einen unbequemen, offenen und manchmal zu sehr zur zu direkten Wahrheit neigenden Steinbrück wählen, denn unser Fähnchen im Wind bekommt nichts auf die Reihe!

31) von Freiburg, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 06:14 Uhr

Zwei Legislaturperioden sollten auch uns genug sein.

Peer Steinbrück wird sich treu bleiben.

Und unsere erkaltete politische Leidenschaft wecken.

Ich finde ihn cool, nicht kalt

32) Minassian, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 07:28 Uhr

Wahlen werden nicht durch Partei- oder Kongreßauftritte gewonnen. St. ist eher glaubhaft als Unternehmens-Chef, der Mitarbeiter gnadenlos schaßt, wenn die Rendite nicht stimmt. Als Bundeskanzler-Kandidat fehlt es ihm an menschlicher Wärme. Da ist mir zuviel Sarkasmus und Zynismus. Sachlich mag ja vieles richtig sein, was er von sich gibt. Aber dieses Oberlehrerhafte, die ewige Besserwisserei kommt beim Wahlvolk nicht an. Und wer gegen Krafft verliert, kommt gegen Merkel schon gar nicht an. Vor allem : wen hat er denn in der zweiten Reihe zu bieten ? Meine persönliche Prognose : Steinbrück wird die 23% des zumindest sympathischen Steinmeier nochmals unterbieten. Ich möchte von einem solch naßforschen vermeintlichen Schlauberger jedenfalls nicht regiert werden. Geschweige denn in Koalition mit seinen Artverwandten Trittin und/oder Künast

33) Maren P., Mittwoch, 03. Oktober 2012, 07:47 Uhr

Ach, Herr Spreng, glauben Sie ernsthaft, man könne Peer Steinbrück Empathie einimpfen? Durch Herztransplantation? ;-) Ist er glaubwürdig? Nein! Ist die SPD glaubwürdig? Nein! Vielmehr versteckt sich die SPD jetzt in ihren Minimal-Korrekturen beim sozialen Kahlschlag hinter ihrem Kandidaten mit Verweis auf die von ihm benötigte “Beinfreiheit”. So wird die Basis gelegt für die nächste GroKo. Rot-Grün bleibt nur eine semantische Pirouette, solange die Inhalte nicht stimmen. Alles wie gehabt mit den Sozen: Links blinken – rechts abbiegen! Hier ein, wie ich finde, sehr stimmiger Kommentar zu Peer Steinbrück: http://www.taz.de/Debatte-Peer-Steinbrueck/!102766/

34) Maren P., Mittwoch, 03. Oktober 2012, 07:51 Uhr

Die Ziffern gehören noch zum Link: http://www.taz.de/Debatte-Peer-Steinbrueck/!102766/
Sorry!

35) Erwin Gabriel, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 08:27 Uhr

@ 11) Peter Christian Nowak, Dienstag, 02. Oktober 2012, 15:36 Uhr

>> Merkel ist nicht Kanzlerkandidatin der SPD. Steinbrück stellt sich zur Wahl.
>> Das ist der aktuelle Anlass. Daher steht Steinbrück in der Betrachtung und
>> nicht vielleicht Merkel. Und: Gute Kritik hat nichts mit Vorurteil oder Ressentiment zu tun.

Stimmt, Steinbrück ist der Kandidat der SPD, nicht Merkel. Aber beide bewerben sich um den gleichen Job. Und wenn da kritisiert oder analysiert wird, sollte (bzw. muss!) man gleiche Maßstäbe anlegen.
___________________________________________________

@ 20) Frank Reichelt, Dienstag, 02. Oktober 2012, 17:43 Uhr
@ 21) RCB, Dienstag, 02. Oktober 2012, 18:23 Uhr
@ 22) Alex, Dienstag, 02. Oktober 2012, 18:56 Uhr
@ 23) Günter Springer, Dienstag, 02. Oktober 2012, 19:13 Uhr

Zustimmung!

36) m.spreng, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 08:45 Uhr

@ 27) Bernhard Paul

Im Süden (Baden-Württemberg und Bayern) erhielten CDU und CSU 2002 eine Million Stimmen mehr als 1998.

37) JG, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 08:50 Uhr

Sie haben den Punkt getroffen, Herr Spreng: Steinbrücks schnöselige, auf Dauer arrogant wirkende Art, dazu die Weigerung der SPD, den ganzen neoliberalen Mist, den sie elf Jahre lang gemacht hat, zurückzunehmen, last but not least die unklare Machtperspektive (erinnern Sie sich an den Wahlkampf von Johannes Rau 1987, der nie erklären konnte, wie er denn Kanzler werden wollte, außer mit einer absoluten Mehrheit für seine Partei, die nun wirklich niemand für die SPD erwartete, nicht mal deren Vorsitzender) – vielleicht werden es am Ende 27 Prozent (es gibt ja immer noch genügend Naive und Vergeßliche). Die PR-Linie wird dann sein: Na, immerhin mehr als beim letzten Mal! Und wieder in der Regierung sind wir jetzt auch – in jener großen Koalition, die sowieso alle erwarten.

38) StefanP, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 10:30 Uhr

Ein Thema, bei dem Michael Spreng sein eigenes soziales Profil schärfen konnte. Wenn man also ein paar Mal in eine ARGE geht, Verständnis und Empathie mit der Kundschaft zeigt (die häufig einfach austickt), dann kann aus einem Kanzlerkandidaten ein Kanzler werden.

Ratschläge, die in die Luft schlagen. Erstens, keine andere Wählergruppe ist so politikfern wie die des sozialen Prekariats. Weit mehr als die Hälfte geht hier gar nicht wählen oder ist nicht wahlberechtigt. Von den etwas über 6 Millionen ALG-2-Leistungsempfängern fallen vielleicht etwas unter einer Millionen Menschen in die erwähnte Kategorie (über 55 Jahre, lebenlang gearbeitet), von denen nicht mal bekannt ist, wie viele sich mehr oder weniger freiwillig für den Transferbezug entschieden haben. Nebenbei erwähnt: Die SPD kämpft um 62 Millionen Wahlberechtigte.

Nicht nur am unteren Ende der Einkommensskala werden Arbeitsverhältnisse labil. Ein wachsender Teil von Mittel-, Besser- und Topverdienern lebt mit kurzfristigen Anstellungen. In vielen IT-Bereichen liegt die durchschnittliche Verweildauer bei 1-2 Jahren, Unternehmen beschäftigen Spezialisten als Freelancer und Interims-Manager. Diese müssen sich der europa- und weltweiten Konkurrenz stellen. Das “Cloud-System” von IBM steht hier als Vorbild. Nichts davon gehört? Klar, in der Presse kommt nur das schwere Schicksal von Leuten vor, die nach Jahren der Arbeitslosigkeit in Zeitarbeitfirmen ihren ersten Arbeitgeber seit langem finden. Aber, diese Menschen entscheiden nicht die Wahl.

Den meisten ist nicht bekannt, dass die Einkommensungleichheit nicht an individuellen Löhnen und Gehältern gemessen wird. Über die Einteilung entscheidet das verfügbare Haushaltseinkommen. Beispiel: Mann, Architekt mit einem Nettoeinkommen von 5.000 EUR, und Frau in Teilzeit mit 800 EUR netto. Zusammen gehören die beiden zu den oberen 10% der Einkommenspyramide. Doch die Frau wird als prekär Beschäftigte gezählt. Ob sie wohl deshalb 2013 die Linkspartei wählen wird oder sich nur durch die Forderung nach Mindestlöhnen persönlich angesprochen fühlt?

Es lassen sich heute weniger denn je echte Wählerprofile erstellen, dafür ist die Gesellschaft zu heterogen geworden. Nicht bei bestimmten Politikanalytikern, aber sonst.

39) rainer, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 11:10 Uhr

…wenn man so das alles leist….Steinbrück, Stoiber und alle die so kompetenten…..genauso kompetent wie die, die über deren Kompetenz schreiben……

40) Ein Fan, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 11:44 Uhr

Danke Herr Spreng!

41) Ein Fan, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 12:12 Uhr

LIeber Herr Spreng,

Sie als Kenner der ganzen politischen Landschaft über Jahre und mit Ihrer Intuition drücken doch mit dem Artikel auch ein Unbehagen aus: die ganze zunehmende soziale Schieflage und offenbar nur noch kaltes, berechnendes Spiztenpersonal egal ob in Vorständen oder in der Politik…Wie soll es da in die andere Richtung gehen? Der Fisch stinkt nun mal vom Kopf.

Aber ist ja nun mal offenbar so, dass die sowohl sachlich fähigen als auch empathischen Kräfte nur noch ganz selten in die Nähe der Spitzenpositionen kommen. Ist Empathie heutzutage nicht schon fast ein Hindernis, um wirklich an die Schalthebel zu kommen? Weil Empathiefähigkeit Skrupellosigkjeit behindert? Wo sehen Sie jemand, der beides in sich vereint: die nötige Härte und Empathiefähigkeit? Wen sehen Sie da? Würde mich Ihre Sichtweise sehr interessieren.

Vielen Dank!

42) Karsten Lucke, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 14:01 Uhr

Die Betrachtungen scheinen mir ein wenig zu rückwärtsgewandt. Sicherlich könnten diese Optionen eintreten, aber Steinbrück hat es selbst in der Hand. Denn:

Die deutschen Konservativen zittern… vor Steinbrück und die Parteilinke sollte das erkennen.

http://kielspratineurope.eu/?p=1053

43) Christian Erhart, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 16:51 Uhr

Lieber Herr Spreng

Anbei die Art und Weise wie die beiden K-Kandidaten parlieren…..

Steinbrück:”Die agrikulturellen Erträge subterrarer Kollengewächse, verhalten sich umgekehrt-propotional zum Inteligenzquotienten des Ökonomen”

Merkel:”Der dümmste Bauer, hat die grössten Kartoffeln”

Ich bin wahrlich kein Liberal/Konservativer …aber dem Steinbrück kann man zuhören aber sicher nicht wählen.

Sogesehen, habt ihr Deutschen die Wahl zwischen Past oder Chollera.

Liebe Grüsse aus der Schweiz

44) Günter Springer, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 17:46 Uhr

@43) Christian Erhart.
Ausgerechnet Wünsche aus der Schweiz, die einen Großteil Ihres Reichtums auf die Einlagerung von Geldern auch aus Deutschland begründet, die den deutschen Bürgern verloren gehen.
Wettert dann ein Herr Steinbrück völlig gerechtfertigt darüber, dann sind die Schweizer auch noch beleidigt.
Merkwürdige Weltanschauung und Nachbarschaft !
Liebe Grüsse aus Deutschland!

45) riskro, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 17:51 Uhr

Interessant, man hat den Eindruck, dass die, die Steinbrück charakterlich analysieren, ihn besser kennen als er sich selbst. Oder sollte es doch nur die „subjektive“ Meinung eines jeden Einzelnen sein.
„Für mich“ ist er von den Dreien, „die zur Wahl gestanden haben“, die beste Wahl.
Weitere Kandidaten standen nicht zurAuswahl.

Wer von Ihnen, der Steinbrück für schnöselig, arrogant, unnormal, empathielos usw. hält, kennt ihn persönlich. Ich kenne ihn nicht persönlich. Deshalb maße „ich mir“ kein Urteil über die Person Steinbrück an.
Er kann bis zur Wahl sagen was er will. Er wird „immer“ Ablehnung „und“ Zustimmung erfahren. Den Ausgang, den ich mir bei der nächsten Bundestagswahl wünsche, wird es nicht geben.
Im Gegensatz zu Kommentar (10 Kritiker des Bösen) möchte ich mich aber von Schwarz/Gelb nicht weiter „verarschen“ lassen. Was ein Armutszeugnis dieser Kommentar.

Wenn sich ja nichts durch die nächste Wahl ändern wird –so soll ja die überwiegende Meinung der Bürger sein, – wäre „für mich“ Rot-Grün (Linke) das kleinere Übel.

Übel wäre „für mich“ weitere 4 Jahre FDP in der Regierung und sei es nur mit einem Minister.
„Ich“ wünsche mir bezogen auf die Person Steinbrück, dass er sich “nicht“ verbiegt, dass er „authentisch“, dass er Steinbrück bleibt. Staatsschauspieler haben wir genug.

Da halte ich es wie Erika (Kommentar 2), auch „mir“ ist der Ehrliche, der Klartext redet, lieber.

12) H.F.schreibt: Verdient hätte er es. Ja, “verdient”. Als er Finanzminister war, hat er die Finanz- und Bankenkrise ungebremst kommen lassen. Jetzt wäre es an der Zeit, dass er die Suppe auslöffelt. Ja, das hätte er verdient. Damit er sich rehabilitiert.
Aber Hurtig bitte! This time is different. Diesmal können wir uns kein Versagen leisten. Ende

H.F. Haben Sie vielleicht vergessen, dass Steinbrück Finanzminister im Kabinett Merkel war.
Laut GG bestimmt immer noch der Kanzler(in) die Richtlinien der Politik. Merkel hat 2008 ins Mikrofon gesprochen. Steinbrück stand rechts hinter ihr.
Wäre es dann nicht an der Zeit, dass sich auch Frau Merkel rehabilitiert. Kann Deutschland sich Merkel weiter leisten!

Guten Abend

46) kleinErna, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 18:12 Uhr

Man muss einfach nur Steinbrück zuhören, in den vielen Interviews, die er seit seiner Nominierung gegeben hat, dann weiß man, wie falsch unser “Sprengsatz” diesmal liegt. Er gibt auch Fehler zu, die er in der Vergangenheit gemacht hat; nicht Viele, aber doch Einige (und wer von uns hat noch keine Fehler gemacht?). Steinbrück wirkt zwar für etwas einfacher gestrickte Mitbürger arrogant, weil sie halt nicht alles verstehen, was er sagt (aber sie verstehen ja auch nicht Alles, was in der Politik zur Entscheidung ansteht; da geht es ihnen wie so manchem Abgeordneten), hat es aber faustdick hinter den Ohren und ist darüber hinaus absolut nicht unsozial. Er ist das, was man eine Führungspersönlichkeit nennt, ein Macher, einer der sich nicht so ohne Weiteres verbiegt, nur weil ein paar Andere anderer Meinung sind.

Genau sowas brauchen wir jetzt, nach dieser schwarz-gelben, grottenschlechten Regierung. Frau Merkel kümmert sich überhaupt nicht um innenpolitische Themen, die überlässt sie fast ausnahmslos ihrem nur sehr eingeschränkt qualifizierten Personal (außer sie macht mal was zur Chefsache, aber auch dann geht nicht wirklich etwas weiter). Und in der Außenpolitik, vornehmlich in der Europapolitik zaudert und zögert sie, fällt um, steht wieder auf und macht in gleichem Stil weiter. Gelegentlich wird sie dabei von den Ereignissen regelrecht überrollt.

So kann es unmöglich weitergehen und ich möchte auch keine große Koalition mehr mit Frau Merkel als Kanzlerin! Schauen wir also, “was der Wähler spricht”. Ich hoffe sehr auf einen Wechsel und werde in meinem Bekanntenkreis nun auch für Peer Steinbrück werben (was ich nicht für jeden SPD-Kandidaten machen würde!).

47) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 20:33 Uhr

@)21) RCB
Mit Ihrer Kritik blenden Sie in Wahrheit die Realität aus, die mit Steinbrück verbunden ist. Sie verschließen die Augen vor der Wirklichkeit.
Auch wenn man Fan der SPD ist, so gehört es zum fröhlichen Miteinander dazu, sich nicht vor der Wahrheit blind und taub zu stellen.

Steinbrück ist nie und nimmer der Kandidat, der die SPD aus dem Niemandsland der Bedeutungslosigkeit führt. Er wird krachend scheitern. Merkel wird bis 2013 den ökonomischen Status Quo noch halten können. Und sie wird ihre derzeitige passable Reputation in der Bevölkerung halten. Das ist ihre Strategie bis zur nächsten Wahl. Daher wird es Steinbrück nicht gelingen, von der CDU die Stimmen zu erobern, die er braucht.
Denn Steinbrück ist mitverantwortlich für das Europa-Desaster. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Nicht notwendig hier an dieser Stelle diese Tatsache noch einmal zu vertiefen . Jeder weiß es. Also, was wollen Sie eigentlich mit dieser Koryphäe?
Steinbrücks Politik ist eine Mischung von Schröder und Merkel. Träumen Sie mal weiter den Traum von einem Steinbrück, der mehr für die mittleren und unteren Einkommen tun würde. Ihr Hoffnungsträger wird dazu kaum den (finanziellen) Spielraum haben.
Und einen Bastakanzler hatten wir schon. Dem Volk reichts.
PS. Stecken Sie sich Ihre Arroganz des Besserwissers in die Hosentasche. (von wegen “Sprengmeister”….)

48) Al Rhein, Mittwoch, 03. Oktober 2012, 21:44 Uhr

Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist einen Peer Steinbrueck auf Empathie zu polen. Der wesentliche Charakterzug von Steinbrueck – zumindest so wie er rueberkommt – ist doch seine “klare Kante” Art. Ihn jetzt weichzuspuelen ware kontraproduktiv, man wuerde es ihm einfach nicht abnehmen.
Besser waere es doch, er wuerde sich einen Buddy im Wahlkampf zulegen, der diese Positionen glaubwuerdig vertreten wuerde und den er anerkennen wuerde (ihn also nicht wegbisse); so eine Art Schattensozialminister.
Da sollte es doch genug Potential in der SPD geben. Fragt sich nur wer sich dazu hergibt? Es waere also eher die Kunst, innerhalb der SPD ein glaubwuerdiges Team zusammen zustellen, dass Steinbrueck die Kante zulaesst, die ihn auszeichnet, seine Kompetenz als Finanzfachmann darstellt und die m.E. eine Reihe von bisherigen Nicht-SPD-Waehlern ueberzeugen koennte und gleichzeitig das Soziale glaubwuerdig von einem loyalen Wassertraeger vertreten zu lassen.

Die einzige Chance der SPD ist doch, wenig am linken Rand abzugeben aber in der Mitte hinzu zu gewinnen.

49) Erika, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 09:31 Uhr

26) Wolfgang Wabersky, Dienstag, 02. Oktober 2012, 23:20 Uhr

“Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass 2005 in der Großen Koalition weitere Deregulierungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft vereinbart wurden. Die Finanzkrise und deren Auswirkungen hat er gar nicht kommen sehen und unterschätzte sie in der Folge viel zu lange. ”

Und “seine” Kanzlerin hat sich mit aller Macht dagegen gewehrt und er musste sie fesseln und foltern?

Vielleicht geht es ja Steinbrück so, wie Merkel im Fall Gorleben:

“damals war ich noch nicht so perfekt, wie heute”

50) riskro, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 10:21 Uhr

47) Peter Christian Nowak schreibt: Er wird krachend scheitern.

Was für ein Demokratieverständnis. Wenn er nicht die Mehrheit erhält um mit welcher Koalition auch immer eine Regierung stellen zu können, ist er nicht krachend gescheitert, sondern nicht gewählt worden.
Nochmal ich bin nicht unbedingt ein Steinbrück-Fan, aber auch kein Merkel-Fan. kleinErna 46) hat zu recht darauf hingewiesen, dass Merkel innenpolitisch das Feld ihrer überforderten Ministerriege überlassen, mit dem Ergebnis: Chaos in allen Bereichen. Innenpolitik ist aber genau so wichtig wie Außenpolitik.
Diese reale Situation nicht zur Kenntnis zu nehmen, heißt ebenfalls die Augen vor der Wirklichkeit verschließen.
Auch wenn man Nicht- Fan der SPD ist, gehört es zum fröhlichen Miteinander dazu, sich nicht vor der Wahrheit blind und taub zu stellen.

51) FF, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 10:39 Uhr

Steinbrück? Pffffft… Er soll “an seiner Persönlichkeit nacharbeiten”, sich gar richtiggehend ändern?

Bißchen viel verlangt für einen notorisch selbstverliebten 65jährigen, finden Sie nicht, Herr Spreng?

Der zweitgrößte Hamburger Staatsmann aller Zeiten überzeugt ja nicht mal seine eigenen Leute. Und diejenigen, die er vielleicht überzeugt, wählen noch im Grab CDU oder FDP.

Und dann noch dieses gräßlich autoritäre, rechthaberische, hochfahrende, ellbogenschonerhafte Gehabe des aufgerückten Büroleiters…

Nee, das wird nix. Nie und nimmer.

52) Günter Springer, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 11:38 Uhr

@47) Peter Christian Nowak,
ich habe mir Ihren Beitrag durchgelesen und ich muß sagen Ihr Beitrag steckt voller Haß.
Ihre Meinung, daß Herr Steinbrück für das Europa-Desaster verantwortlich ist, ist geradezu lächerlich!
Wo war denn die vielgepriesene Bundeskanzlerin zu Zeiten der großen Koalition? Wohl mit dem Geldköfferchen auf Reisen?
Die Politik der Regierung bestimmt immer noch der Kanzler, da für ist er schließlich da und er ist verantwortlich für das, was die Regierung tut. So war es jedenfalls in allen Regierungen vorher. Seit der Aera Merkel ist das nicht mehr so und sie wird in ihren Versuchen oft in Deckung zu bleiben ja ausgiebig von den Medien unterstütz. Weitere ausgiebige Unterstützung erfährt sie ja von der Großindustrie und den Banken, die sich damit dankbar zeigen , da ihnen von Seiten der Merkel kein Schaden entstehen wird.
Gerade auf diesem Gebiet hat der Herr Steinbrück eine andere Haltung als die Frau Merkel, damit wird er zu unbequem für die Schichten in Deutschland, die (Ausnahmen bestätigen die Regel) unverdientermaßen den Reichtum einstreichen, im Ausland bunkern und damit den ehrlichen deutschen Steuerzahler prellen. Mit Verlaub, eine Sauerei, die nicht mehr zu überbieten ist.
Ich wünsche, daß Herr Steinbrück die Bundestagswahlen gewinnt und Kanzler wird.
Noch eines: dieses platitüdenhafte >der Euro muß gerettet werden, dann ist Europa gerettet> aus dem Munde von Frau Merkel erinnert mich sehr an die Aussprüche der Regierung der ehemaligen DDR. Dort hieß es auch > es ist alles der Sicherung des Friedens geschuldet<.
Danke, wohin wir damit gekommen sind, kenne ich aus eigener Erfahrung.

53) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 12:42 Uhr

@17/m. spreng
Flutkatastrophe und Irakkrieg – beides ist sicherlich wichtig gewesen. Aber deswegen hat Stoiber nicht verloren. Der entscheidende Punkt war, dass die PDS an der 5%-Hürde scheiterte, die sie 1998 mit 5,1% noch knapp erreichte (auch bei 4,9% wäre sie 1998 im Bundestag gewesen, da sie 4 Direktmandate gewann statt 2 wie 2002). Sie verlor ein fünftel ihrer Stimmen (knapp 500.000 Wähler). Nur die SPD büßte noch mehr Stimmen ein (knapp 600.000). Mit einer starken PDS-Fraktion hätte es schon damals eine Große Koalition gegeben. Die kulturellen Unterscheide zwischen Schröder und Stoiber waren zwar virulent, werden aber m. E. überbewertet. Tatsächlich litt Stoiber viel zu lange an rhetorischen Defiziten, die nicht zu kompensieren waren. Das linke Lager mißtraute damals schon Schröder, blieb aber entweder zu Hause oder wählte Grün.

Wenn Sie für eine empathiegewaschenen Steinbrück eintreten, so müssten Sie wissen, dass er damit erst recht scheitern wird: Niemand wird ihm glauben. Interessant in den Kommentaren ist, dass diejenigen, die Steinbrück Hochmut und Rechthaberei attestieren, selber hochmütig und rechthaberisch sind.

54) Gela, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 15:11 Uhr

Ihr Beitrag ist ganz wunderbar… er benennt, was vielen Politikern abgeht: echte Empathie. Dafür gibt es viel zu viel Ich, Ich, Ich.

Aber im Zeitalter des Narzissmus ist das kein Wunder, und bei (vielen) Politikern schon gleich gar nicht. Oder?

55) H.F., Donnerstag, 04. Oktober 2012, 17:14 Uhr

#Dafür müssen erst noch andere Fragen beantwortet werden: Ist Steinbrück auch mitfühlend? Hat er Herz? Ist er sympathisch? Oder ist er der kalte Kandidat?

Diese Fragen offenbaren seine Achillesferse.#

Nicht nur diese Fragen, die Diskussion über seine Nebeneinkünfte offenbaren noch ander Achillesfersen: Ist er integer?

Mag sein, dass es zu früh ist hier negative Spekulationen zu äußern. Aber vom Tisch wischen kann man mit der Heimlichtuerei diese Fragen nicht. Und dass er die Einkünfte seiner Frau nicht veröffentlichen will, kann man zwar verstehen, aber vielleicht sollte sie in diesem Fall darauf verzichten, Kanzlergattin zu werden.

56) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 20:24 Uhr

@52)Günter Springer
@50) riskro,

Steinbrück wird Ihre Wünsche nach einer gerechteren (Innen)- Politik nicht erfüllen. Dass er nach Merkel der Wunschkandidat vieler ist, mag für den einen oder anderen verständlich sein.
Sie greifen zu kurz in Ihren Gedanken zu Steinbrück. Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich Anzeichen, dass Steinbrück von den Medien in den nächsten Monaten hoch geschrieben werden wird. Und zwar, weil er als Antipode zur Merkel als Alternative für eine Merkel-überdrüsssigen Wählerschaft gehandelt wird. „Merkels gefährlichster Gegner“, war unlängst in der SZ zu lesen. Steinmeier bekommt allüberall Zustimmung, weil man vergessen hat, welchen erheblichen Anteil er an der Krise hat
„Denn Peer Steinbrück täuscht: Er gibt sich als unabhängig und kritisch gegenüber Banken und Spekulanten – und ist doch einer der ihren. Er gebärdet sich als schnoddrig, aber gradlinig und verantwortungsbewusst – tatsächlich leugnet er Verantwortung. Er wird als guter Wahlkämpfer dargestellt – doch er war es nicht und wird es auch nicht sein.“ (der Freitag)
Sie übersehen in Ihren beiden Bewertungen, welchen Anteil Steinbrück an den Deregulierungen der Finanzmärkte hat. Eines der schlagendsten Argumente gegen Steinbrück. Mir völlig unverständlich warum Sie das übersehen. Die völlig sinnlose Rettung von IKB und HRE kostet die Wählerschaft dreistellige Milliardenbeträge. Die Banken seien „systemisch“. Bei tausendmaliger Wiederholungen dieser These bleibt es bei unbewiesenen Behauptungen, mit dem Effekt, dass die Leute es glauben. Das Ziel ist erreicht.

Steinbrück war Finanzminister zu Beginn der Krise. Er kämpfte vehement für die Deregulierungen auf dem Finanzmarkt. Das war 2005 und im Kontext der Koalitionsvereinbarungen. Unter anderem forderte er den Verbriefungsmark. Die Kontrollfunktion der BaFin hat er per ordre de mufti eingeschränkt, wohl wissend, dass ansonsten die BaFin für derlei Betrugsgeschäfte kein Verständnis haben dürfte. Er wollte den Finanzplatz Deutschland zu einem Prestige trächtigen Platz machen, ähnlich der London City oder der Wall Street. Steinbrück musste zu diesem Zeitpunkt über die drohende Krise längst unterrichtet sein. Denn Warnungen kamen aus allen Richtungen. Der Zustand der HRE und IKB, schon frühzeitig von Experten erkannt, war der Beginn einer sich abzeichnenden Krise. Über die Erkenntnisse von Fachleuten setzte sich Steinbrück einfach hinweg. Damals war sogar schon die Rede von einer Bad Bank, die notwendigerweise gegründet werden müsse. Das war zu Schröders Zeiten. Steinbrück war gewarnt. Heute schiebt er die Schuld auf die Vereinigten Staaten. Sie seien die Ursache.
Steinbrück ist wie auch Merkel in den Fängen der Finanzwirtschaft. für Josef Ackermann ist er der Wunschkandidat. Hier wiederhole ich mich. Insofern bleibe ich dabei, dass Steinbrück zu Merkel keine Alternative bietet. Diejenigen, die ihn als Hoffnungsträger sehen, werden enttäuscht werden, und mit einem deja-vu konfrontiert sein: Schröder und Rot/Grün nach ´98.

57) H.Dieske, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 20:39 Uhr

Das ist eine sehr gute Einschätzung der Wirkung Steinbrücks auf die Masse der Wähler. Ich glaube, dass ihm genau dies bei ebendieser Masse daß “Genick brechen” wird.
-Holger Dieske-

58) Mark, Freitag, 05. Oktober 2012, 08:40 Uhr

Steinbrück wird eine harte Zeit haben bis zur Bundestagswahl. Der Streit um seine “Nebeneinkünfte” (die in Wahrheit ja seine Haupteinkünfte sind, da sie ein vielfaches der Abgeordnetenbezüge darstellen) wird lauter.

SPON meldet gerade: “Nebeneinkünfte Transparency International rügt Steinbrück / Die Kritik an Peer Steinbrück wird lauter: In den Streit um die Nebeneinkünfte des SPD-Kanzlerkandidaten schaltet sich jetzt auch Transparency International ein. Die Anti-Korruptions-Wächter fordern ihn auf, seine wahren Auftragnehmer offenzulegen.”

Wie lange (und wie?) wird Peer Steinbrück sich dem Druck der Öffentlichkeit entziehen können? Wird er schon genervt zu Wahlkampfveranstaltungen gehen und mit angewidertem Gesichtsausdruck Fragen danach barsch zurückweisen (das gibt schöne Bilder!)? Wird er die Fragen mit einem Lächeln ignorieren?

Es ist wie bei Wulff und vielen anderen: Wenn die Öffentlichkeit mal einen Fisch an der Angel hat, dann lässt sie in der Regel nicht mehr los. Tja, und nun scheint also Steinbrück der Fisch zu sein.

Nein, die SPD hat sich keinen Gefallen getan mit Steinbrück. (Allerdings hat sie sich auch keinen Gefallen mit ihrer Politik getan, worin ich den größten Schwachpunkt sehe.) Blöd nur, dass die Alternativen genauso schlimm sind. Steinmeier? Schonwaschgang mit Weichspüler bitte. Gabriel? Zu unbeliebt, zu oft schwafelnd. So gewinnt man keine Wahlen!

Es bleibt spannend.

59) Mark, Freitag, 05. Oktober 2012, 09:17 Uhr

Nee, wirklich. Steinbrück macht m.E. alles falsch, was man nur falsch machen kann.

Nicht nur, dass er sich jetzt schon in seinen Nebeneinkünften zu verheddern scheint, nein, jetzt will er auch noch Gerhard Schröder (ja, den Gerhard Schröder!) als Wahlkampfhelfer in die Arena nehmen:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article109633948/Das-Image-vom-Gruenenfresser-ist-konstruiert.html

Es würde ihn freuen, so Steinbrück im Interview, wenn Gerhard Schröder in seinem Wahlkampf aufträte. Meine Schlußfolgerung: Steinbrück hat wirklich wenig verstanden und ist absolut nicht in der Lage, die Stimmung in der Bevölkerung zu erkennen. Holt er tatsächlich Schröder in den Wahlkampf, dann wird sich die SPD über ein Ergebnis von 20% noch freuen dürfen. Wobei, warum nicht? Ich sehe da vor meinem geistigen Auge schon einen Steinbrück, der sich nach der Wahl ausgibig bei den Wahlhelfern bedankt und die 20% als unglaublichen Sieg betitelt. Daraufhin minutenlanger, frenetischer Applaus im Willy-Brandt-Haus und hunderte von Menschen, die “Danke, Peer!”-Schildchen in die Kameras halten…

Oh Mann, womit haben wir das bloß verdient?

60) riskro, Freitag, 05. Oktober 2012, 10:08 Uhr

56) Peter Christian Nowak, Sie haben meinen Kommentar 50 wohl gelesen, aber nicht verstanden.
Gelesen heißt nicht gleichzeitig verstanden. An keiner Stelle habe ich eine gerechtere Innenpolitik gewünscht. Sondern nur aufgezeigt, das Politik aus Innen und Außenpolitik besteht, für Frau Merkel anscheinend nur aus Außenpolitik.

ich sollte mir wohl doch überlegen, Steinbrück zu wählen,wenn Ackermann ihn für den richtigen Mann hält. Sachverstand kann man Ackermann ja nicht absprechen (Sie vielleicht doch) und da er nicht mehr an der Spitze der Deutschen Bank steht, unterliegt er keinen Interessenkonflikt.
Ansonsten gibt ihr Kommentar außer nicht bewiesenen Behauptungen nichts her und über die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin gehen Sie geflissentlich hinweg.

61) Alexander, Freitag, 05. Oktober 2012, 11:16 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie sich der ehemalige Walhkampfleiter Edmung Stoibers zu gewissen Themen äussert. Gibt es also tatsächlich – unabhängig von link und rechts – so etwas, wie den gesunden Menschenverstand? Der scheint bei Ihren Beiträgen jedenfalls federführend zu sein und auch der Grund, warum sie so lesenswert sind.

Ich frage mich, warum bei mir das gleiche Gefühl selten bis nie bei aktiven Politikern vorkommt – egal welcher Partei sie angehören. Ist die Politik also kein Ort der Vernunft? Das wäre eine traurige Erkenntnis.

Ich glaube Sie werden deshalb oft von (traditionell eher linken) Bloggern und Nachrichten zitiert, weil sehr viele Menschen sich durch eine Sache mit Ihnen verbunden fühlen, nämlich den gesunden Menschenverstand. Und der ist glücklicherweise parteilos.

Liebe Grüsse,
Alex

62) Erwin Gabriel, Freitag, 05. Oktober 2012, 11:36 Uhr

@ 56) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 04. Oktober 2012, 20:24 Uhr

Einiges von dem, was Sie schreiben, ist nicht von der Hand zu weisen: Natürlich hat sich Peer Steinbrück energisch für eine Deregulierung der Finanzmärkte eingesetzt. Aber: Die Liberalisierung der Finanmärkte in Deutschland hat mit der Finanz- (und der daraus folgenden Euro-)Krise nur sehr, sehr wenig zu tun: Dieser Mist wurde in den USA produziert, in der deutsche Gesetzte deutlich weniger Auswirkungen haben als amerikanische Gesetze hier. Dazu scheint er verstanden zu haben, dass das ein Fehler war und Banken an die Kette zu legen sind.

Letztendlich verhält es sich so: Merkel oder Steinbrück sind die beiden zur Wahl stehenden Kanzlerkandidaten (es werden Parteien gewählt, ich weiß, aber einen der beiden läuft es letztendlich hinaus). Und letztlich mache ich mein Kreuz für die SPD, wenn Peer Steinbrück mir lieber ist oder von mir als kleineres Übel angesehen wird. Oder ich mache mein Kreuz bei irgend einer anderen Partei, etwa den Linken, den Rechten, den Piraten, den Liberalen, den Grünen. Dann helfe ich direkt oder indirekt dabei, Angela Merkel eine weitere Kanzlerschaft zu sichern.

Das ist die Situation, das ist die Wahl, die wir haben.

63) Alex2, Freitag, 05. Oktober 2012, 11:48 Uhr

56) Peter Christian Nowak

Vielen Dank, Herr Nowak, für Ihren fundierten Kommentar, den ich nur zustimmen kann.

Das zackige Auftreten, der “klare Kante”-Stil von Herrn Steinbrück gefallen mir ja insgesamt sehr gut. Politikdarstellung und die Entwicklung und Umsetzung von Politik-Strategien sind zwei völlig unterschiedliche Dinge – leider! Der beste Selbstdarsteller ist niemals auch der beste fachlich geeignete Politiker. Diese Lektion lese/lerne ich aus diesem Blog und den vielen Kommentaren.

Die in sich zerstrittene SPD, die profilneurotischen SPD-Linken werden schon alles tun, um Steinbrück im Wahlkampf zu blockieren oder aber ihn als Bundeskanzler so viele Knüppel zwischen die Beine werfen, dass er nicht weit kommt.

Und wie wir sehen, sind die SPD-Linken schon fleißig dabei. Steinbrück ist gerade mal eine Wche Kanzlerkandidat und hat schon die ersten Knüppel von den SPD-Linken mit der Aufschrift “Nebeneinkünfte” zwischen den Beinen bekommen.

Das Kasperletheater kann losgehen!

64) riskro, Freitag, 05. Oktober 2012, 12:10 Uhr

59) Mark, wie wär es wenn Sie sich als sein Wahlkampfhelfer zur Verfügung stellen. Dann wäre ihm der Sieg 2013 nicht mehr zu nehmen. Wäre zwar nur dadurch gut, dass wir Angie los wären.

65) Rainer Braendlein, Freitag, 05. Oktober 2012, 13:12 Uhr

Vorwort Friedrich’s des Großen (König von Preußen, Förderer der positiven Aufklärung) zu seinem Buch “Antimachiavel”:

“Der Fürst” (ein Buch von Machiavelli) bedeutet auf dem Gebiet der Moral, was das Werk von Benedikt Spinoza im Bereich des Glaubens darstellt: Spinoza untergrub die Fundamente des Glaubens und versuchte nichts Geringeres, als die Religion insgesamt umzustürzen; Machiavelli verdarb die Politik und unternahm es, die Gebote der gesunden Moral zu vernichten. Die Irrtümer des Einen waren nur Irrtümer der Spekulation, die des Anderen der Praxis. Dennoch haben Theologen gegen Spinoza Sturm geläutet und Alarm geschlagen, ist sein Werk in aller Form widerlegt und die Gottheit gegen die Angriffe des Ungläubigen bewiesen worden, während Machiavelli nur von einigen Moralisten zur Rede gestellt wurde und er sich ihnen zum Trotz und ungeachtet seiner verhängnisvollen Moral bis heute auf dem Lehrstuhl der Politik gehalten hat.

Ich wage es, zur Verteidigung der Menschheit gegen ein Ungeheuer anzutreten, das sie zerstören will; und ich habe mich erkühnt, meine Überlegungen zu seinem Buch Kapitel für Kapitle darzulegen, daß sich das Gegengift gleich neben dem Gift befindet.

Ich habe Machiavellis “Fürsten” immer als eines der gefährlichsten Werke betrachtet, die in der Welt verbreitet sind. Es liegt in der Natur dieses Buches, daß es den Fürsten und den Liebhabern der Staatskunst in die Hände fallen muß. Und da es sehr leicht geschieht, daß ein ehrgeiziger junger Mann, dessen Herz und Verstand noch nicht reif genug sind, um Gutes und Böses zu unterscheiden, durch Maximen verdorben wird, die seinen ungestümen Leidenschaften schmeicheln, muß man jedes Buch, das dazu beitragen kann, als ganz und gar schädlich und dem Wohl der Menschen abträglich halten.

Wenn es schon schlimm ist, die Unschuld eines einzelnen Menschen, der die Angelegenheiten der Welt nur wenig beeinflußt, zu verführen, dann ist es umso schlimmer, die Fürsten – die Völker regieren, für Gerechtigkeit sorgen und ihren Untertanen ein Vorbild sein sollen – zu verderben, Fürsten, die berufen sind, durch ihre Güte, Großmütigkeit und Barmherzigkeit sichtbare Abbilder der Gottheit zu sein und die weniger durch ihre Standeshoheit und ihre Macht als vielmehr durch ihre persönlichen Eigenschaften und ihre Tugenden zu Königen werden.

Überschwemmungen, die ganze Landstriche verwüsten, ein Blitz, der ganze Städte in Asche legt, das tödliche und ansteckende Gift der Pest, das Provinzen entvölkert, all das ist für die Welt nicht so verhängnisvoll wie die gefährliche Moral und die zügellosen Leidenschaften bei den Königen. Denn wenn sie den Willen haben, Gutes zu tun, dann haben sie auch die Macht dazu, und wenn sie das Böse wollen, dann hängt es auch allein von ihnen ab, es zu tun.

Wie beklagenswert ist doch die Lage der Völker, die alles vom Missbrauch der Herrschermacht zu fürchten haben, wenn ihr Hab und Gut zur Beute der Habgier ihres Fürsten wird, ihre Freiheit seinen Launen, ihre Ruhe seinem Ehrgeiz, ihre Sicherheit seiner Tücke und ihr Leben seiner Grausamkeit ausgeliefert ist! Das jedenfalls wäre die Beschreibung eines Reiches, in dem ein politisches Ungeheuer, wie Machiavelli es zu formen sich anmaßt, regieren würde.

Selbst wenn das Gift des Autors nicht bis zum Thron vordringen würde, behaupte ich, das eine einziger Schüler Machiavellis und Cesare Borgias Anlass genug ist, ein derart abscheuliches Buch mit Entrüstung zurückzuweisen. Manche haben zwar gemeint Machiavelli beschreibe eher das, was die Fürsten tun, als das, was sie tun sollen. Dieser Gedanke fand Anklang, weil er richtig zu sein scheint. Man hat sich freilich mit einer glänzenden Fehleinschätzung zufrieden gegeben und sie wiederholt, weil sie einmal ausgesprochen war.

Es sei mir erlaubt, für die Fürsten und gegen ihre Verleumder das Wort zu ergreifen, um diejenigen vor der abscheulichsten Anklage in Schutz zu nehmen, deren einzige Aufgabe es ist, für das Glück der Menschheit zu arbeiten.

Diejenigen, die ein derartiges Urteil über die Fürsten gefällt haben, sind zweifellos durch das Beispiel schlechter Fürsten, von denen einige bei Machiavelli erwähnt werden, verleitet worden oder durch die Geschichte kleiner italienischer Fürsten zu Machiavellis Zeiten und das Leben einiger Tyrannen, die nach solchen bedenklichen Staatslehren gehandelt haben. Ich möchte indes daran erinnern, daß es in jedem Land anständige und unanständige Menschen gibt, so wie in jeder Familie neben den schön Gewachsenen auch Bucklige, Blinde oder Hinkende zu finden sind. Und so gab es zu jeder Zeit und wird es zu jeder Zeit unter den Fürsten Ungeheuer geben, die nicht würdig sind, diesen heiligen Namen zu tragen. Ich könnte noch hinzufügen, daß die Versuchung auf dem Thron außerordentlich groß ist, und daß es einer aúßergewöhnlichen Tugend bedarf, um ihrer zu widerstehen. Kein Wunder also, daß es so wenige gute Fürsten gibt. Dennoch sollten sich alle, die so leichtfertig urteilen, daran erinnern, daß es neben Caligula und Tiberius auch Titus, Trajan und die Antonine gibt; es wäre nämlich eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit einem ganzen Stand das zuzuschreiben, was nur für einige seiner Mitglieder zutrifft.

In der Geschichte sollte man nur die Namen der guten Fürsten aufbewahren und die anderen mit samt ihrer Trägheit und ihrem Unrecht dem Vergessen überlassen. Die Geschichtsbücher würden dann zwar um vieles schmäler werden, aber die Menschheit könnte nur gewinnen und die Ehre, im Gedächtnis weiter zu leben, wäre dann einzig und allein die Belohnung der Tugend, Machiavellis Buch würde nicht länger die Schulen der Politik vergiften, man würde lernen, den kläglichen Widerspruch, in dem er immer mit sich selber liegt, zu verachten, und erkennen, daß die wahre, nur auf Gerechtigkeit und Güte gegründete Staatskunst der Könige sich erheblich vom zusammenhangslosen System voller Grauen und Falschheit unterscheidet, das Machiavelli die Dreistigkeit besaß, der Öffentlichkeit vorzulegen.

(Ende von Friedrich’s Vorwort)

Was hat Politik mit einer christlichen Website ( http://glaubereal.wordpress.com ) zu tun?

Es gibt heute keine öffentlich bekannten politischen Führer, die für ihre Gerechtigkeit, Güte, Tugend, usw. bekannt wären. Es entsteht in der Gesellschaft immer mehr ein Klima, das zu dem Schluß verführt, Gerechtigkeit, Güte, Tugend, etc. würden nicht mehr belohnt werden, sondern im Gegenteil, wer sich korrekt verhält, der wird am Ende der Dumme sein.

Wir brauchen wieder Politiker wie Friedrich der Große, die durch und durch tugendhaft sind und die Tugendhaftigkeit auch in den führenden Schichten der Gesellschaft durchsetzen, sodaß so etwas wie eine staatstragende Schicht entsteht, wie sie es im alten Preußen noch gab.

Es ist wirklich schwer und deprimierend in einer Gesellschaft als Christ zu leben, wo es immer mehr als Schwäche und Dummheit oder gar fast als Behinderung bzw. Naivität gilt, tatsächlich als Christ im Alltag zu leben. “Lieber einer ist Junky oder Alkoholiker, als Christ.” Wir kommen allmählich wieder im heidnischen römischen Reich an.

Möge jeder Politiker den Antimachiavell von Friedrich lesen, damit er erkennt, was seine wahre Aufgabe ist: Nicht sein Volk melken, sondern es glücklich machen. Glück kommt durch Güte, Gerechtigkeit, Tugend, usw.. Es muß wieder der Mensch zum Leitbild werden, der nicht mit allen Mitteln nach Macht, Reichtum, Ruhm und Ehre strebt, sondern seine Mitmenschen liebt und ihr Glück und ihre Wohlfahrt sucht in Verbindung mit Tugend und Gerechtigkeit

66) Tiedgen, Freitag, 05. Oktober 2012, 16:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

es hat so seine Tücken, von der “coolen Art” und der “stoischen Mimik” bzw. der Neigung zur verbalen Zuspitzung auf die innere Verfassung und die emotionale Kompetenz eines Mannes in einer Führungsposition zu schließen. Ein Teil dieses Habitus´ ist der Rolle geschuldet, um negative Assoziationen zu vermeiden (schwach, ängstlich, weinerlich …). Und ein anderer Grund kann auch der emotionale Selbstschutzes sein.
Wenn ich Sie mir so bei Talkshow-Auftritten anschaue, dann wirken Sie dort ebenfalls cool, zeigen kaum eine mimische Regung und neige zu verbalen Zuspitzungen. Dennoch würde ich mir nicht anmaßen, ein Urteil über ihre emotionale Kompetenz abzugeben.

Als Familienangehörige und Freundin vieler “cooler” Typen kenne ich auch die innere Seite von Männern, die von Außenstehenden als “cool” eingestuft worden sind. Die, die ich kennengelernt habe, können in anderen sozialen Situationen auch ganz anders agieren.

Zudem: ein Kandidat, der “Klartext” redet, dem kann man auch “Klartext” zumuten. (Ich stelle mir da ein Gespräch zwischen Herrn Steinbrück und Herrn Buschkowsky vor). Es steht doch allen Wahlbürgern und Funktionären frei, offen ihre Meinung zu sagen.
Ich halte Herrn Steinbrück für einen der wenigen klugen Politiker, die kontinuierlich ihr inneres Modell der Welt der Realität anpassen und sich nicht in hohle Phrasen oder in elitäre Kreise zurückziehen. Genauso wie die Menschen von ihm lernen, weil er konplexe Sachverhalte anschaulich auf den Punkt bringen kann (zuweilen auch undipkomatisch: die “Kavallerie”), Allein die Statements im Wahlkampf werden sicher ein Erkenntnisgewinn (oder eine Anregung zum eigenständigen Denken) für eine breite Bevölkerung darstellen. Da gibt es durchaus einiges aus der altuellen Politik zu hinterfragen.

Im übrigen: Diese Wählerbefragungen, welche Person man als Kanzler bevorzugen würde, sind sehr eingeschränkt in ihrer Aussagekraft. Auch wenn sie nach statistischen Gesichtspunkten “repräsentativ” sind (nach einzelnen Kriterien: Alter, Geschlecht etc.), so stellen sie immer nur die Meinung von max. einigen Tausend Menschen dar (die man zur Befragung erreicht hat), aber die vielen Millionen Wahlbürger könnten auch ganz anders denken.

Wer 2013 Kanzler wird(bleibt, zeigt sich erst NACH der Wahl.

67) Peter Christian Nowak, Freitag, 05. Oktober 2012, 19:30 Uhr

@)62) Erwin Gabriel,
Und am Ende des Tages wird sich nicht viel geändert haben. Kein Wunder also, wenn immer die gleichen (wenigen) Leute zur Wahl gehen.

@60) riskro
Merkel hat sehr wohl mit ihren Entscheidungen eine innenpolitische Agenda verfolgt. Die stringente Austeritätspolitik hat natürlich Auswirkungen auch auf die wirtschaftliche Entwicklung im Innern. Sie sollten wissen, dass sich Zusammenhänge aus Entscheidungen ergeben und nicht wie sie ettiketiert werden. Ansonsten verliert man schnell den Überblick, welche Konsequenzen sich aus ihnen ergeben.

68) H.F., Samstag, 06. Oktober 2012, 10:09 Uhr

@45) riskro

#H.F. Haben Sie vielleicht vergessen, dass Steinbrück Finanzminister im Kabinett Merkel war.
Laut GG bestimmt immer noch der Kanzler(in) die Richtlinien der Politik. Merkel hat 2008 ins Mikrofon gesprochen. Steinbrück stand rechts hinter ihr.
Wäre es dann nicht an der Zeit, dass sich auch Frau Merkel rehabilitiert. Kann Deutschland sich Merkel weiter leisten!#

Nein, habe ich nicht vergessen. Aber wenn Sie jeden, der daran beteiligt war, aufzählen wollen, dann bitte sehr: tun Sie es.

Herr Steinbrück war Finanzminister und hat nichts Wirksames getan. Das ist sein Versagen. Dass andere ebenfalls beteiligt waren und Frau Merkel sich ebenfalls rehabilitieren müsste, gehört nicht unter die Überschrift “Steinbrück” ist jedoch fraglos sachlich richtig.

69) Erwin Gabriel, Samstag, 06. Oktober 2012, 14:26 Uhr

@ 67) Peter Christian Nowak, Freitag, 05. Oktober 2012, 19:30 Uhr

>> Und am Ende des Tages wird sich nicht viel geändert haben.
>> Kein Wunder also, wenn immer die gleichen (wenigen) Leute zur Wahl gehen.

Ja

70) riskro, Sonntag, 07. Oktober 2012, 10:24 Uhr

68) H.F. schreibt: Nein, habe ich nicht vergessen. Aber wenn Sie jeden, der daran beteiligt war, aufzählen wollen, dann bitte sehr: tun Sie es.
12) H.F. schreibt: Diesmal können wir uns kein Versagen leisten. Ende

Es liegt mir fern, Jeden, der daran beteiligt war, aufzuzählen. Nur hätten Sie der Fairness halber ihm nicht “Alleine” einen eventuellen Fehler anlasten dürfen. Für mich ist der Träger der Richtlinienkompetenz in erster Linie für Fehler seines Kabinett verantwortlich, ansonsten können wir sie uns sparen.
Führungsstärke zeigt sich auch darin, frühzeitig evtl. Fehlern entgegen zu wirken und gegebenenfalls personelle Konsequenzen zu ziehen.

Ich bin kein Freund vom Nachkarten, wie es regelmäßig von welcher Seite auch immer im Falle eines Reg.-Wechsel geschieht.
Eine Entscheidung kann zu dem Zeitpunkt zu dem sie getroffen werden muss, immer nur auf der Grundlage der zur Zeit vorliegenden Fakten erfolgen. Im Nachhinein ist es durchaus möglich, dass sich die Entscheidung als falsch herausstellt kann.
Wollen Sie ernsthaft behaupten, Merkel und Steinbrück haben damals “wissentlich” einen Fehler begangen?
Fehler haben alle Regierungen, angefangen bei Adenauer gemacht. Diese aber nur einer Person eines Kabinetts anzulasten, ist unfair.

71) Peter Christian Nowak, Freitag, 19. Oktober 2012, 17:52 Uhr

Das Thema Steinbrück wird wohl in den kommenden Monaten noch mehr als gehabt in den Focus der Öffentlichkeit rücken. Zwangsläufig. Steinbrück ist der Kandidat der SPD.
Zu Steinbrück: Man muß sich nicht entschuldigen dafür, wenn die eigene Meinung dahin tendiert, dass Steinbrück jemand ist, der keine grundsätzlich andere Politik fahren wird zu Merkel. Rente, und die durch das Schleifen der Rente bedingte Altersarmut, die bewußte Privilegierung der Versicherungswirtschaft, um einige wichtige zu nennen.
Alles Themen, die der Wähler in die Waagschale seiner Abwägung werfen wird, bevor er sein Kreuzchen macht….
Die Europakrise steht per se in direkter Verbindung zu innenpolitischen Themen. Deren Lösung ist davon abhängig, wie sich die Finanzkrise Europas weiterentwickeln wird. Und ob Steinbrück den Mut hat, von einer Politik des Neoliberalismus abzurücken. Ansonsten stehen nicht mehr Instrumente zur Lösung zur Verfügung, als Merkel. Das liegt dann an der Ähnlichkeit von Lösungsmodellen beider Politiker. Gerade auch in den Kernfragen, den innenpolitischen wie europapolitischen. Beide verfolgen die gleiche neoliberale Ideologie. Steinbrück wird nicht den Mut haben der neoliberalen Ideologie den Rücken zu kehren. Damit hat er für seine Partei die Wahl schon verloren.
Zum Thema Armut im Alter:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=14782#more-14782

72) Horst, Freitag, 26. Oktober 2012, 16:33 Uhr

Für mich ist Steinbrück unwählbar, da er der Politiker mit den höchsten Nebeneinkünften ist. Und das noch vor den üblichen Verdächtigen von der Union. Wo ist das die soziale Ader, die die SPD so gerne betont?

Er hat auch nie in der Wirtschaft ordentlich gearbeitet. Sondern immer nur bei Vatter Staat oder der Partei. Natürlich hat er damit in NRW verloren. Er hat nie eine Wahl zum Ministerpräsidenten gewonnen. Er hat immer nur von der Partei seine Posten erhalten. Selten einen verqueren Kandidaten gesehen.

73) Peter Christian Nowak, Samstag, 27. April 2013, 21:48 Uhr

zu 71)
Deutschlands Renten:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oecd-studie-deutsche-rentner-bekommen-weniger-als-andere-12162202.html

Wie ist Ihre Meinung?

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