Samstag, 20. Oktober 2012, 12:29 Uhr

Im Koalitionsgefängnis

Wer alle Türen schließt, macht sich selbst zum Gefangenen. So geht es zur Zeit den deutschen Parteien, vornehmlich Grünen und FDP. Sie werden zu Gefangenen ihrer Koalitions-Ausschließeritis.

Ein Jahr vor der Bundestagswahl werden die Mauern zu möglicherweise notwendigen  Koalitionspartnern so hoch gezogen, dass sie entweder unüberwindbar werden oder nach der Wahl nur unter dem Vorwurf des Wahlbetrugs wieder eingerissen werden können.

Die Alternative heißt: Blockade oder Wortbruch. Wählertäuschung als Wahlkampfstrategie? Wie soll in einem Fünf- oder Sechs-Parteien-Bundestag noch eine Regierungsmehrheit hergestellt werden können, wenn die meisten Akteure dazu nicht mehr bereit oder fähig sind?

Die SPD will nur mit den Grünen, ihr Kanzlerkandidat Steinbrück ginge lieber in Rente als in eine große Koalition.

Die Grünen wollen nur mit der SPD, auf keinen Fall mit der CDU, auch nicht in eine Ampelkoalition mit der FDP.

Die FDP will nur mit der CDU, auf keinen Fall (Ausnahmen Wolfgang Kubicki und möglicherweise Christian Lindner) mit der SPD und den Grünen. Was bei einer Vier-Prozent-Umfragenpartei noch am ehesten nachvollziehbar ist.

Mit der Linkspartei will gar keiner.

Und von Woche zu Woche wird die Tonlage verschärft (zuletzt Claudia Roth gegenüber einer Ampel-Koalition), so dass die Mauern immer unüberwindbarer werden.

Das bedeutet: nach der Wahl könnten die Beteiligten ihr selbstgewähltes Koalitionsgefängnis nur um den Preis eines Wahlbetruges verlassen. Und dabei wissen sie eigentlich doch ganz genau, dass dann die Flexibilität verlangt wird, die sie jetzt kategorisch ausschließen.

Insbesondere Grüne und FDP führen – wenn sie keine Wahlbetrüger werden wollen – das herbei, was sie auf keinen Fall wollen: eine neue Regierung Merkel/Steinmeier. Deshalb kann sich die CDU als einzige Partei mit Gelassenheit zurücklehnen und das Theater beobachten.

Absurde Welt. Hauptgrund für die Selbstblockade ist die Annahme der Parteien, sie würden ihre Stammwähler demobilisieren, wenn sie gedanklich andere Koalitionsmöglichkeiten zulassen würden als die angestrebte Wunschkoalition. Mit dieser Annahme begeben sie sich freiwillig ins Gefängnis.

Die Parteien jagen lieber eine Chimäre hinterher, als zu versuchen, den Wählern die schwierige Lage zu erklären. Sie könnten doch sagen, wir wollen mit Partner A koaliieren, wenn es aber nicht reicht, dann sind wir, wenn ein gesichtswahrender Kompromiss, wenn die Durchsetzung zentraler Ziele möglich ist, notfalls auch für Partner B oder Konstellation X offen.

Sie glauben offenbar, dass die Wähler so dumm sind, dass sie die wahrscheinlichen  Zwänge einer Regierungsbildung 2013 nicht kennen und schon gar nicht akzeptieren. Dass sie belogen werden wollen. Wer die Wähler für so dumm hält, kann sich sie eigentlich nicht achten und mögen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

64 Kommentare

1) Doktor Hong, Donnerstag, 25. Oktober 2012, 15:36 Uhr

@ 47) StefanP

Gut, ein Unternehmen steht also im Preiswettkampf und kann nur einen Vorteil herausholen, indem er die Löhne seines Personals drückt.

Das Personal muss dann aufstocken gehen. D.h., im Grunde subventioniert die Allgemeinheit die niedrigen Preise besagter Unternehmen, damit es niedrige Löhne zahlen kann und so einen Wettbewerbsvorteil erlangt.

Wie passt das zu Ihrem Verständnis von Marktwirtschaft?

2) StefanP, Donnerstag, 25. Oktober 2012, 16:40 Uhr

@51) Doktor Hong

Wie passt das zu Ihrem Verständnis von Marktwirtschaft?

Einfach. Was wäre, wenn als Folge der Nicht-Unterscheidbarkeit der Leistungen der Markt sich zu einem Oligopol oder gar Monopol entwickeln würde? Es entständen Monopolgewinne zu Lasten aller Konsumenten. Monopole gleich schlecht.

In einem Polypol sind alle Preisnehmer. Die Margen sind äußerst gering, der Konsument erhält die Leistungen zu geringen Preisen. Ihr Argument: diese sind von der „Allgemeinheit“ subventioniert. Doch wann gilt dieses Argument? Doch nur in einer Vollbeschäftigtensituation, Arbeitnehmer werden aus höher bezahlten Tätigkeiten in subventionierte Tätigkeiten geschleust. Doch das passiert ja gerade nicht bei Vollbeschäftigung. In den USA musste McDonald um die Jahrtausendwende sogar Antrittsprämien für Burger-Brater zahlen.

Logischerweise treten so niedrig entlohnte Tätigkeiten nur solche Menschen an, die sonst keine Jobchance hätten oder sich einen Teil ihres Lebensunterhalts anders finanzieren. Von den rund 1,4 Millionen Aufstockern in Deutschland sind 100.000 selbständig und – aus dem Kopf heraus – 700.000 teilzeitbeschäftigt. Würden diese als Selbständige „anständige“ Honorare verlangen oder Vollzeit arbeiten, würden wir gar nicht über Aufstocker diskutieren. In anderen Ländern tun wir dies nämlich auch nicht.

Damit stürzt das Argument, die Allgemeinheit würde solche Geschäftsmodelle finanzieren, doch ziemlich zusammen, oder?

Noch eine Anmerkung: die Post will nun, da die einstmals aufgetretenen Wettbewerber wie die PIN-Gruppe verschwunden sind, das Porto erhöhen. Bekanntlich subventioniert die Post einen Teil ihres defizitären Paketgeschäfts mit den Gewinnen aus dem Briefporto quer, weil sie anderswo auf Konkurrenz treffen. Die Beschäftigten der Post wurden zwischenzeitlich nicht besser entlohnt, sondern Teile in Billiglohnbereiche ausgelagert. Hm, das ist definitiv nicht mein Verständnis von Marktwirtschaft.

3) Erwin Gabriel, Donnerstag, 25. Oktober 2012, 20:24 Uhr

50) StefanP, Donnerstag, 25. Oktober 2012, 13:35 Uhr

Nach Wilhelm Busch: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf“

Sie prüfen (was selbstverständlich Ihr gutes Recht ist) Ansichten über die eigene Meinung. Doch nicht alle Lobbyisten sind kompetente Berater, nicht alle Linkspartei-Mitgleider sind ahnungslose Theoretiker, nicht alle, die sich als leistungsorientiert betrachten, sind es auch (bzw würden Knochenjobs am unteren Ende des Marktes überstehen). Die Welt ist zwar auch so, wie Sie sie sehen, aber nicht nur.

Ich bin da eher bei Dr. Hong.

4) StefanP, Freitag, 26. Oktober 2012, 08:43 Uhr

@53) Erwin Gabriel

… nicht alle, die sich als leistungsorientiert betrachten, sind es auch…

… hat keiner behauptet. Obwohl, es ging um Motive und die Wahlentscheidung daraus. Was treibt Sie an und was sehen Sie als wichtig an? Und nicht jeder, der sich als sozial engagiert betrachtet, ist es auch.

5) Doktor Hong, Freitag, 26. Oktober 2012, 10:29 Uhr

@52) StefanP

Ich könnte darauf länger antworten, werde aber meine Position verkürzt darstellen.

Man soll Ihrer Ansicht nach Menschen, die Vollzeit arbeiten, einen gerechten Lohn verweigern, weil es keine Grundlage für den Maßstab gebe.

Gleichzeitig scheint es aber kein Problem zu sein, Maßstäbe dafür zu finden, Millionenboni zu zahlen, selbst dann, wenn die Leistung darin besteht, eine Bank in den Bankrott zu treiben, sodass sie mit Steuergeldern gerettet werden muss. Oder es ist kein Problem, Vermögenswerte in Bilanzen aufzulisten. Was aber ein Existenzminimum für eine Person ist, das ist auf einmal unmöglich zu bewerkstelligen.

Weiterhin halte ich es für naiv zu glauben, dass ein Langzeitarbeitsloser mit einem Weltkonzern wie der Deutschen Post eine Verhandlungsmacht „auf Augenhöhe“ habe, insbesondere, wenn 10 Leute in der Schlange stehen, die ihn aus Verzweiflung unterbieten wollen, und daraus abzuleiten, dass sie eben selbst schuld seien. Ich denke, das dient nur dazu, sein eigenes Gewissen zu beruhigen.

Im Rheinland sagte man immer: „Leben und leben lassen“. Das ist eine ethische Maxime. Man kann versuchen, ein Menschenleben hinter einer Kostenrechnung zu verstecken, um für sich zu rechtfertigen, dass man (mitunter sehr gut) lebt, aber den anderen nicht leben lassen will. Ich lehne diese Position ab.

6) StefanP, Freitag, 26. Oktober 2012, 12:11 Uhr

@55) Doktor Hong

Man soll Ihrer Ansicht nach Menschen, die Vollzeit arbeiten, einen gerechten Lohn verweigern, weil es keine Grundlage für den Maßstab gebe.

Nein. Den Gerechtigkeitsmaßstab für „gerechten Lohn“ haben Sie nicht gefunden. Das jemand davon leben kann? Von 8 EUR Mindestlohn bei Vollzeitarbeit kann man höchstens als Single leben, das trifft auf die wenigsten Menschen zu – erst recht nicht für solche, die 8 EUR und weniger bekommen. Wie vorgerechnet reden wir über den Daumen von 400.000 Vollzeiterwerbstätigen, die aufstocken müssen. 400.000 von 40 Millionen macht 1%. Eine Politik, die sagt, wir wollen keine Politik für die oberen 1% machen, aber nichts dabei findet, andere 1% der Gesellschaft in den Fokus zu rücken, ist unglaubwürdig, so sie sich auf das Gemeinwohl beruft.

Die Millionenboni zahlen private Eigentümer und ich habe das natürliche Recht, jemanden dafür 1 Millionen Euro zu zahlen, dass er mein Auto gegen die Wand fährt. Dann soll das aber auch privat bleiben, soweit sind wir uns einig.

Was aber ein Existenzminimum für eine Person ist, das ist auf einmal unmöglich zu bewerkstelligen.

Ja. Zumindest, solange Sie nicht auf den genormten Bürger abstellen. Mit Hartz-IV und der Sozialhilfe tun wir genau das und die Lobbygruppen sind’s nicht zufrieden. Eben weil man ein Leben lang streiten kann.

Weiterhin halte ich es für naiv zu glauben, dass ein Langzeitarbeitsloser mit einem Weltkonzern wie der Deutschen Post eine Verhandlungsmacht “auf Augenhöhe” habe

Ein Langzeitarbeitsloser hat generell gar keine Marktmacht. Doch niemand wird als Langzeitarbeitsloser geboren so wie keiner von Geburt an mächtig ist. Womit soll der Langzeitarbeitslose drohen: „Wenn ihr mir keinen den mir angemessen erscheinenden Lohn zahlt, kassiere ich weiter Sozialhilfe von Euch“? Das ist kaum Ihre Argumentation, oder? Doch genau darauf läuft’s hinaus.

Fast jeder von uns fängt oder fing mal klein an. Als Student habe ich jahrelang auf ein Leben verzichtet, das Gleichaltrige längst hatten. Noch davor habe ich Toiletten geputzt, in Hotelkantinen Geschirr abgewaschen, im Akkord stupide Spielzeug monitiert. Ich habe meine Zeit in zwei Studiengänge investiert, war dazu gerade noch Vater geworden, jobbte die ganzen Semesterferien, fing eine Stelle mit durchschnittlicher Bezahlung aber hervorragender Karrieregrundlage an. Dafür habe ich ein mir liebes Hobby, die Schiedsrichterei, aufgegeben. Auch das nenne ich ein ethisches Verhalten.

7) Erwin Gabriel, Freitag, 26. Oktober 2012, 13:53 Uhr

@ 54) StefanP, Freitag, 26. Oktober 2012, 08:43 Uhr

… nicht alle, die sich als leistungsorientiert betrachten, sind es auch…

… hat keiner behauptet. Obwohl, es ging um Motive und die Wahlentscheidung daraus. Was treibt Sie an und was sehen Sie als wichtig an? Und nicht jeder, der sich als sozial engagiert betrachtet, ist es auch.

_____

Wir sind uns ja darüber einig.

Ich stimme auch zu, dass es viele Menschen gibt, die aus eigenem Antrieb etwas aus ihrem Leben machen (können). Es gibt auch viele, die in den entscheidenden Jahren keinen Bock haben, ihr späteres Leben darunter leiden, und anschließend Gott und die Wellt dafür verantwortlich machen.

In jedem Falle ist die Welt in weiten Bereichen so, wie Sie sie sehen, in anderen Bereichen aber nicht. Also sind Ihre Verallgemeinerungen falsch.

Und genau so, wie viele Boni NICHT von Privateigentümern bezahlt werden, sondern von der Allgemeinheit, gibt es auch viele Fälle im Erwerbsleben, die amn als Ausbeutung bezeichnen kann. Und genau so, wie ein mancher ohne wirkliche Leistung aufgrund bestimmter Umstände in eine gut bezahlte Tätigkeit rutscht, rutschen manche aufgrund blöder Umstände aus ihrem Job heraus. Ich habe das schon mehrmals gesehen, dass ein Geschäftsführer oder Vorstand eine Fehlentscheidung traf, für die dann ‚zig Angestellte gehen mussten (etwa e.on).

Der Vorstand kriegt viel, viel Geld (ich habe bewußt nicht ‚verdienen‘ geschrieben), kriegt Boni bzw. beim Abgang eine happige Abfindung mit Rentensnspruch. Das hohe Gehalt wird in der Regel mit der ‚hohen Verantwortung‘ begründet. Die ist aber folgenlos – die Folgen tragen die Entlassenen.

Ist nicht immer so, ich weiß, aber wenn, dann… das wissen Sie auch.

PS: Wenn Sie Schiedsrichter waren, verstehe ich, warum Sie so ‚energisch‘ Ihre Standpunkte vertreten 🙂

8) Erwin Gabriel, Samstag, 27. Oktober 2012, 10:04 Uhr

@ Stefan P. (vollkommen OffTopic)

Ich hatte vor ein paar Wochen im Rheinland zu tun und die Gelegenheit genutzt, mir das Spiel 1. FC Köln gegen St. Pauli anzuschauen (das erste Spiel vor dem ‚Durchbruch‘). Schwungvoll, zumindest von Köln, aber ohne Tore. Gegen Kaiserslautern hätten Sie mit Klasse-Moral den Sieg verdient gehabt. Aber die Jungs sind noch jung und haben einen erfahrenen Trainer. Das nächste Mal halten sie den Vorsprung fest.

9) StefanP, Samstag, 27. Oktober 2012, 11:18 Uhr

@57) Erwin Gabriel

Ich habe das schon mehrmals gesehen, dass ein Geschäftsführer oder Vorstand eine Fehlentscheidung traf, für die dann ‘zig Angestellte gehen mussten (etwa e.on).

Gut, soll jemand anders die Entscheidungen treffen.

Wie viele von den Entscheidungen, die Sie im Jahr treffen, stellen sich hinterher als richtig heraus? 100%? 80%? Ein kluger, respektierter Manager hat mal gesagt: Wenn von seinen 10 Entscheidungen sich 6 als richtig herausstellen, ist er zufrieden. Ich habe festgestellt, diese Regel ist gar nicht so verkehrt.

Das, was Sie anprangern, führt dazu, dass viele Topmanager gar keine Entscheidung mehr treffen wollen. Safety first. Zwei Jahre, nachdem die amerikanische Regierung in Folge des Enron-Skandals die Berichtsregeln geändert hatte, dass jeden Finanzvorstand persönlich für Fehler in der Buchhaltung verantwortlich macht, hatten rund die Hälfte der Fortune 500-Finanzchefs den Dienst quittiert.

Managergehälter sind in weiten Teilen Schmerzensgeld. Viele Aufsichtsratmandate werden heute abgelehnt, weil die Haftung zu hoch geworden ist. Warum sollte jemand für ein paar Tausend Euro dieses Risiko eingehen?

10) Erwin Gabriel, Sonntag, 28. Oktober 2012, 12:32 Uhr

59) StefanP, Samstag, 27. Oktober 2012, 11:18 Uhr

>> Wie viele von den Entscheidungen, die Sie im
>> Jahr treffen, stellen sich hinterher als richtig heraus?

Weniger, als mir gut tun 🙂
Aber das ist nicht der Punkt. Wenn ich eine Fehlentscheidung treffe, trifft sie nur mich.
.

>> Managergehälter sind in weiten Teilen Schmerzensgeld.

Welche Schmerzen? Welches Risiko? Wenn ich als Chef von Arcandor, e.on etc irgendeinen Mist baue, wer muss dann Schmerzen erleiden? Der Vorstand, der mit prall gefüllten Taschen das Unternehmen verlässt und sich schlimmstenfalls um seinen Ruf kümmern muss? Oder die zahlreichen Mitarbeiter, die zwar keine Fehler machten, aber trotzdem gehen müssen?

Ich weiß durchaus, dass es auch Vorstände nicht immer leicht haben. Aber das Risiko, die Verantwortung und die Konsequenzen tragen in der Regel die Mitarbeiter.

Es muss Vorstände und Geschäftsführer geben, und es muss akzeptiert werden, dass die auch mal Fehlentscheidungen treffen. Aber das Gejammere über die Situation der da oben, die ‚Schmerzensgeld‘ erfordert, ist in Relation zur Situation am unteren Ende des Arbeitsmarkts schlichtweg albern.

11) StefanP, Sonntag, 28. Oktober 2012, 21:46 Uhr

@60) Erwin Gabriel

Wenn ich eine Fehlentscheidung treffe, trifft sie nur mich.

Und Sie meinen, Verantwortung für andere verringert die Fehlerquote oder erhöht die Urteilsfähigkeit? Oder das Gehalt? Dann ist Ihre weitere Argumentation doch eher amüsant:

Oder die zahlreichen Mitarbeiter, die zwar keine Fehler machten, aber trotzdem gehen müssen?

und:

Aber das Risiko, die Verantwortung und die Konsequenzen tragen in der Regel die Mitarbeiter.

Also, die Mitarbieter machen keine Fehler, tragen aber alle Verantwortung. Was für Menschen sind das, Übermenschen? Menschen machen dann keine Fehler, wenn sie nichts tun und vor allem keine Entscheidungen treffen. In meinen Teams machen meine Mitarbeiter Fehler. Wahrscheinlich habe ich nicht die richtigen Leute.

Es gibt zunehmend sehr hoch qualifizierte Menschen, dazu zähle ich, die nicht die Topposition des Unternehmens anstreben, sondern sich im Windschatten halten. Schauen Sie bitte mal ins AktG, ins GmbHG, in die Abgabenordnung (AO), ins Insolvenzrecht, um zu sehen, welche umfangreichen rechtlichen Pflichten Vorstand und Geschäftsführung heute haben.

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung an Millionengehälter, bestenfalls vielleicht tausend bekommen diese im Angestelltenverhältnis. Und die Gehaltsexzesse, wahrscheinlich angeregt durch „Transparenzregeln“ des Gesetzgebers, sind vorbei.

12) Erwin Gabriel, Montag, 29. Oktober 2012, 10:08 Uhr

@ 61) StefanP, Sonntag, 28. Oktober 2012, 21:46 Uhr

Ich habe nie behauptet, dass Verantwortung für andere die Fehlerqoute verringert, oder das Manager perfekt sein müssen. Ich habe auch nicht behauptet, dass die Mitarbeiter keine Fehler machen. Sie unterstellen mir eine Meinung und argumentieren gegen diese Unterstellung, was immer das soll.

Was ich behaupte, ist Folgendes: Wenn ich als Mitabrbeiter einen schweren fejhler mache, werde ich oft genug entlassen. Wenn der Vorstand einen schweren Fehler macht, werde ich oft genug auch entlassen. Sollte es den Vorstand auch erwischen, kriegt er eine üppige Abfindung bzw. keine Vetragsverlängerung, und (in entsprechend großen Unternehmen wie der genannten e.on), schickt man dann 10000 Leute in die Arbeitslosigkeit.

Oder nehmen Sie jemanden wie Jürgen Schrempp. Der hat als Chef der Daimler-Benz-Tochter DASA den Laden ’saniert‘, indem er weit über 10.000 Leute entließ. Falls das wirklich in der Form notwendig gewesen sein sollte, haben ja wohl seine Vorgänger den Mist gebaut, oder?

Anschließend wurde Fokker ge- und nach einigen Jahren wieder verkauft – verbunden mit mehreren Milliarden Euro Verlust und wiederum vielen Entlassungen. Das von ihm verursachte Drama um Dornier – mehrer hundert Millionen Verlust durch ungeschicktes bzw. vertragswidriges Verhalten. Schrempp wurde dann Vorstandschef der Daimler-Benz-AG und für den Kauf von Chrysler. Wurde echt teuer, und Mercedes hat sich bis heute nicht erholt.

Es gab sicherlich für jede Situation genug Argumente, die Entscheidungen zu fällen, wie sie gefällt wurden. Es gab aber auch genug Argumente für andere Entscheidungen. Und Schrempp ist nicht der Einzige, der seine Eitelkeit für Intelligenz hält und alles auf die Umstände schiebt.

Was soll ich sagen: Wer einmal zu spät zur Arbeit kommt, weil Stau war, oder das Auto kaputt, oder ein Unfall direkt vor der Nase, hat vielleicht ‚Pech‘. Wem das jeden Tag passiert, der hat kein Pech, der ist unpünktlich.

Wenn solche Leute ihre Gehälter mit „Schmerzensgeld‘ begründen und über ‚Verantwortung‘ resonieren, wird mir nur noch schlecht. Und dann stehen Sie da mit ihrer idealisierten Vorstellung…

13) StefanP, Dienstag, 30. Oktober 2012, 09:50 Uhr

@62) Erwin Gabriel

Okay, das war vielleicht nicht ganz fair, aber Sie haben das so geschrieben wie ich es zusammengestellt habe.

Wenn ich als Mitabrbeiter einen schweren Fehler mache, werde ich oft genug entlassen. Wenn der Vorstand einen schweren Fehler macht, werde ich oft genug auch entlassen.

Sie sagen es, Sie behaupten. Das ist aber vorbei an Fakten und Arbeits- sowie Vertragsrecht. Ich kann einen Mitarbeiter nicht wegen eines Fehlers entlassen, dagegen steht das Arbeitsrecht (BGB, SGB, KSchG). Kommt es zur Kündigung wegen dauerhaft verschlechterter Leistung (die Sie vor Gericht fast nie beweisen können!), so steht dem Arbeitnehmer tatsächlich keine Abfindung zu. Allerdings: fast jeder Arbeitsrechtsstreit endet mit einer Abfindung. De facto erhält ein Arbeitnehmer also bei Kündigungen eine Entschädigung.

Organe einer Gesellschaft können jederzeit ohne Angabe von Gründen abberufen werden. Was daneben bestehen bleibt, ist jedoch das Arbeitsverhältnis. Soweit dies ein unbefristetes Dienstverhältnis ist, gelten die Regeln für normale Arbeitnehmer (siehe oben). Viele Vorstände haben jedoch Zeitverträge (gilt im normalen Arbeitnehmerverhältnis als „unanständig“). Zeitverträge, das gilt für alle Vertragsverhältnisse dieser Art, müssen im Falle der vorzeitigen Kündigung entschädigt werden. Meist wird dabei nicht der komplette Vertrag ausbezahlt (siehe Beispiel Felix Magath / VfL Wolfsburg). Das nennt man dann „Abfindung“.

Zu Jürgen Schrempp: Schauen Sie sich die Wirtschaftspresse von damals an, der Zusammenschluss von Daimler und Chrysler würden allgemein als sinnvoll betrachtet. Zwei Drittel aller Merger scheitern, doch für die unvereinbare Kultur der beiden Konzerne war der Unternehmenschef nicht alleine verantwortlich.

Leider neigen wir dazu, das notwendige Maß an Fairness an der Beurteilung von Spitzenleuten vermissen zu lassen. Also beklagen Sie sich nicht, wenn Sie mal unfair behandelt werden. 😉

14) Erwin Gabriel, Dienstag, 30. Oktober 2012, 12:24 Uhr

@ Stefan P

Die Spitzenleute bekommen die mangelnde Fairness ihnen gegenüber fürstlich bezahlt. Die Mitarbeiter, die in den genannten und vielen anderen Fällen gehen müssen, nicht.

Ich habe mal nach vier Jahren harter Arbeit einen gut bezahlten Job verloren, weil ich die Vorstellungen eines ahnungslosen Vorstands nicht umsetzen wollte. Der wollte ein gut laufendes ‚Produkt‘ verändert haben, weil er es ‚langweilig‘ fand – nicht, dass er sich privat je für dieses Produkt interessiert hätte.

Ich erklärte ihm (anfangs sehr behutsam) die Schwächen seiner Idee, bis zu direkten Aussagen wie „der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Alles vergeblich. natürlich musste ich gehen, natürlich erhielt ich eine gute Abfindung, und natürlich setzte mein Nachfolger den Wunsch des Vorstands um.

Innerhalb eines Jahres brach der Absatz auf unter 40 Prozent ein, mein Nachfolger musste gehen, über die Hälfte der Abteilung wurde gefeuert. Inzwischen wurde der Bereich aufgelöst und einem anderen Bereich angegliedert, von den ‚alten‘ Kollegen haben zwei überlebt.

Ich schimpfe hier nicht wegen mir, ich konnte mich über meine Abfindung wirklich nicht beklagen. Meinen ehemaligen Mitarbeitern war das aber nicht vergönnt. Viele von ihnen fanden keinen neuen Job bzw. wursteln sich auf extrem niedrigen Niveau durch. Der Vorstand verdient immer noch ein 7stelliges Jahresgehalt (mit WIRKLICH bemerkenswerten Steigerungsraten), schimpft über sein unfähiges Personal und darüber, wie schwer es ist, gute Leute zu kriegen.

Acandor, Alcatel, Axel Springer, Eon, Mercedes, Mobilcom, Siemens, Thyssen etc – von diesen Geschichten habe ich einige Dutzend parat, Sie sicherlich auch.

Ich halte nichts davon, beispielsweise einem Herrn Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung seine unternehmerischen oder menschlichen Fähigkeiten abzusprechen. Der war, soweit es mir meine eingeschränkten Möglichkeiten der Beurteilung erlauben, ein guter Mann.

Aber es gibt einen Haufen ******* an der Spitze, die sich weniger um die vernünftige Geschäftsführung als um ihre ganz persönlichen Einträge in die Geschichte bemühen (Reuter / Schrempp). Und die, um ihre Fehler zu beheben, problemlos einige Tausend Mitarbeiter entlssen, aber sich selbst trotz bestem bemühen nie einen Fehler vorwerfen könnten. Waren halt blöde ‚Umstände‘ (oder wie man das nennt, dass die zwischen ihren Ohren haben) ….

Wie auch immer, wir sind inzwischen mit unserem Privat-Chat weit vom Thema abgekommen, vielleicht sollten wir es hier einfach lassen.

In jedem Falle meinen Dank an Herrn Spreng für seine Geduld 🙂

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


granny - the social agency from Berlin