Mittwoch, 24. Oktober 2012, 14:14 Uhr

Ein CSU-Dummkopf und das ZDF

Der Versuch, Medien unter Druck zu setzen, politischen oder wirtschaftlichen Einfluss zu nehmen, Berichte zu platzieren oder zu verhindern, ist so alt wie die Medien selbst. Auch die deutschen Parteien haben immer wieder versucht, die Berichterstattung oder die Auswahl des journalistischen Personals zu beeinflussen.

So wurde Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur von der konservativen Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat aus dem Amt gedrängt, weil er zu kritisch und unabhängig war. Eines Senders übrigens, der gegründet worden war („Adenauer-Fernsehen“), um ein Gegengewicht zur angeblich linkslastigen ARD zu schaffen.

Ich selbst war mehrfachen Versuchen Helmut Kohls und seines Freundes, des Springer-Anteilseigners Leo Kirch ausgesetzt, mich als Chefreakteur von „Bild am Sonntag“ abzulösen. Und der frühere SPD-Sprecher Lothar Schwartz war berüchtigt dafür, unliebsame ZDF-Redakteure telefonisch nachts bis in ihr Haus zu verfolgen, um SPD-kritische Berichte zu verhindern oder sich darüber zu beschweren.

Insofern ist es also nichts Neues, dass der CSU-Sprecher Hans Michael Strepp versucht haben soll, durch einen Anruf bei der „heute“-Redaktion zu verhindern, dass das ZDF in der Hauptnachrichtensendung über die Nominierung von Christian Ude als SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl berichtet.

Das Überraschende daran wäre nur, dass es offenbar immer noch Sprecher und Politiker gibt, die meinen, dass solche Anrufe zum gewünschten Ergebnis führen. Und die glauben, auch noch mit Konsequenzen drohen zu können.

Deshalb ist Strepp zumindest ein dummer Mensch, der nicht kapiert hat, dass die Zeiten eines feudalen und autoritären Verständnisses von Pressefreiheit vorbei sind. Er hätte wissen müssen, dass er sich an den Journalisten um ZDF-Chefredakteur Peter Frey die Zähne ausbeißt.

Allein das ist schon ein Grund, ihn sofort zu feuern. Denn nichts ist schlimmer für eine Partei als ein dummer Pressesprecher – insbesondere vor einer Landtagswahl.

Solange es nur um diesen Strepp geht, ist der Fall ein Skandälchen. Zum Skandal würde der Fall allerdings, wenn ein Politiker aus der CSU, gar der Generalsekretär, dem armen  Tropf gesagt hätte: „Ruf doch mal beim ZDF an. Die sollen das mit dem Ude sein lassen. Das macht nur die schöne Wirkung unseres Parteitages kaputt“.

Dann hätten wir einen handfesten CSU-Skandal. Aber die Gefahr ist gering, dass dies herauskommt. Notfalls gilt immer noch die politische Omerta.

Eine Konsequenz aus solchen Anrufen ist aber überfällig: Die Befreiung der Aufsichtgremien der öffentlich-rechtlichen Sender von Parteipolitikern. Sie haben bei einem Sender nichts verloren. Sie haben erstens keine Ahnung von Presse und Pressefreiheit und zweitens verführt ihre Position nur dazu, diese Macht auch zu mißbrauchen.

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49 Kommentare

1) Umlandt Gerhard, Dienstag, 30. Oktober 2012, 04:20 Uhr

Nur ein „Szenario“ oder die Realität?

Dobrindt, der sich schon als „heimlicher Chef“ der
CSU fühlt, versucht durch Medienbeeinflussung
eine drohende Wahlniederlage der CSU (wegen
geheimer, nur Parteiführungs-intern bekannter
Umfrageergebnisse) abzuwenden, da sonst der
von ihm angepeilte Ministerpräsidentenjob (durch
evtl. vorzeitige Ablöse Seehofers) SPD-mässig
aus dem Blickfeld verschwinden würde.

Und Strepp wurde offenbar von Dobrindt so
motiviert für die Partei die „Alleinschuld“ auf sich
zu nehmen, dass Dobrindt ihm, wenn er dann
Ministerpräsident sei, Strepp einen Ministerposten
in Aussicht stellen würde.

*

Interessant ist weiters, dass in den Medien diese
Strepp-Affaire (die eigentlich eine Dobrindt-Affaire
ist) mit der früheren Spiegelaffaire verglichen wird,
aber der sehr viel näher liegende Vergleich zum
Stoiber-Skandal in 2006/7 mit dessen Untergebenem
Höhenberger, der auch dumm rumtelefoniert hatte
– was dann ja zum Rücktritt Stoibers führte(!) –
nicht einmal erwähnt wurde.

.

2) Young Believer, Mittwoch, 31. Oktober 2012, 15:04 Uhr

Habe schon mehrfach feststellen können, dass „kritische“ oder auch „politisch zur Unkorrektheit tendierende“ Beiträge der Nachmittags-BR-Rundschau in der Abend-BR-Rundschau (18.45) herausgenommen oder verändert waren. Wahrscheinlich hat Strepp gedacht das geht auch beim ZDF so.

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