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Die sprachlose Partei

Natürlich ist jeder TV-Auftritt von Piraten-Geschäftsführer  Johannes Ponader eine schwere Belastung für die Partei. Und natürlich hat Julia Schramms verlogene Position, einerseits das Urheberrecht zu verachten und anderseits für ihr eigenes Buch das Urheberrecht streng zu reklamieren, der Piratenpartei geschadet. Und natürlich lösen Talkshowauftritte von Sebastian Nerz Einschlafreflexe aus.

Das alles stimmt, aber es hat nur vordergründig mit der Krise der Piraten zu tun.

Die Piraten haben keine Personalkrise, sondern eine Inhaltekrise.

Euro-Rettung, Griechenland-Hilfe, Altersarmut, Rentenformel, Stromsteuer, Betreuungsgeld, Praxisgebühr, CSU-Telefonaffäre, Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten. Gleichgültig, welches aktuelle Thema man herausgreift, die Piraten sind sprachlos. Sie finden im öffentlichen Diskurs nicht statt, weil sie sich nicht daran beteiligen.

Die Piraten setzen auch keine Themen. Sie beschäftigen sich nicht mit den Problemen der Menschen, sondern mit sich selbst. So etwas nennt man Wählermissachtung oder Wählerverachtung.

Kein Wunder, dass sie in den Umfragen abschmieren. Der reine Reiz des Neuen als Projektionsfläche für Protestwähler hat sich verbraucht, weil die Piraten sich nicht weiterentwickelt haben.

Die Piraten  haben die Zeit zwischen ihren Erfolgen bei den Landtagswahlen und heute nicht genutzt, um ihre Hausaufgaben zu machen, um Inhalte und Positionen zu entwickeln. Und sich zu professionalisieren. Die angebliche Internet Partei nutzt nicht die Chancen des Internets: sie ist kein lernfähiges Wesen.

So lautet nach wie vor der zentrale Satz ihres Programms: Wir haben noch keine Position. Das ist inzwischen der Running-Gag jeder Talkshow.

Und weil ihre Vorstände kein Mandat haben, auf aktuelle Fragen zu antworten und eigene Positionen zu vertreten, ohne einen Shitstorm zu ernten, verstärkt sich die Sprachlosigkeit. Inzwischen wissen interessierte Wähler alles über die Piraten, aber nicht, was sie wollen.

Eine Partei mit Innen, aber ohne Außenleben. Und die tägliche Doku-Soap über ihr Innenleben nervt. Die Einschaltquoten sinken.

Deshalb werden sie für die Wähler von Woche zu Woche unattraktiver. Und deshalb ist auch völlig egal, ob sie den verstörenden Ponader feuern oder nicht, solange sie ihr Hauptproblem nicht lösen. Sie sind nicht einmal mehr eine Methodenpartei, denn ihre Liquid Democracy funktioniert entweder nicht oder ist selbst für die übergroße Mehrheit der Piraten-Mitglieder kein attraktives Instrument mehr.

Das war ´s. Eigentlich schade. Denn die etablierten Parteien gehören nach wie vor aufgemischt. Und die jungen Wähler, die von der Piratenpartei hätten mobilisiert werden können, werden jetzt wieder zuhause bleiben.