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Unsinn als Methode

Luxus war schon immer etwas teurer. Und es ist ein besonderer Luxus, sich zwei Regierungsparteien wie die CSU und die FDP zu leisten.

Weil die eine vor einer Landtagswahl steht und die andere ums Überleben kämpft, werden großzügig teure Wahlgeschenke verteilt. Die einen erhalten die unsinnige Kindergarten- und Kinderkrippen-Fernhalteprämie, Betreuungsgeld genannt, die anderen die Abschaffung der Praxisgebühr. Das eine Geschenk kostet bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr, das andere zwei Milliarden.

Das Ganze nennt sich Politik, in Wirklichkeit sind es Versuche, die Wähler zu bestechen. Es wird nicht einmal mehr verschleiert, wie der für neue Gesetze ungewöhnliche Termin 1. August 2013 für die Einführung des Betreuungsgeldes zeigt – sechs Wochen vor der bayrischen Landtagswahl.

Künftig gibt es eine Prämie dafür, dass auch Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Schichten von frühkindlicher Erziehung ferngehalten werden. Und Gutverdiener bekommen das Betreuungsgeld auch dann, wenn sie weiter berufstätig bleiben und sich die Oma oder ein Au-Pair-Mädchen ums Kind kümmern.

Damit ist auch  die hinter dem Betreuungsgeld steckende Familienideologie ad absurdum geführt. Gleichzeitig steht heute schon fest, dass die Kita-Garantie im nächsten Jahr nicht eingehalten werden kann.

Das wissen im Grunde alle Parteien und Abgeordneten. Im Bundestag gibt es eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegen das Betreuungsgeld, aber es kommt dennoch. Unsinn als Methode.

Das Feigenblatt für die FDP, dass es einen weiteren Zuschuss gibt, wenn das Betreuungsgeld auf ein Bildungskonto eingezahlt wird, widerspricht völlig der Lebenswirklichkeit. Warum sollten ausgerechnet Eltern, die ihr Kind aus finanziellen Gründen von der Kita fernhalten, ein Bildungskonto einrichten?

Und die Abschaffung der Praxisgebühr wird dazu führen, dass beim nächsten Defizit der Krankenkassen früher die Beiträge erhöht werden müssen oder Zusatzbeiträge kommen.

Und wir haben noch etwas gelernt: es gibt eine “strukturelle Null”. Das ist keine wirkliche Null, sondern eine um Konjunktureffekte und Einmalzahlungen bereinigte Null. In dieser Null, die von Schwarz-Gelb für 2014 bei der Neuverschuldung angestrebt wird, lassen sich auch teure Wahlgeschenke verstecken.

Diese Koalition, von der sich viele so vieles versprochen hatten, war von Anfang an ein unheilvolles Bündnis aus Vernunft (CDU) und Unvernunft (CSU und FDP). Deshalb ist es gut, zu wissen, dass sie nur noch knapp ein Jahr regiert.

Angela Merkel wird wahrscheinlich dennoch wieder Kanzlerin, weil sie von den Wählern nicht an ihrer verkorksten Innenpolitik, sondern an ihrem Nimbus als europäische Krisenmanagerin gemessen wird.

Während Merkel Weltpolitik macht, kämpft ihr Herausforderer Peer Steinbrück mit den Stadtwerken Bochum. Damit ist alles gesagt.