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Freitag, 09. November 2012, 11:49 Uhr

Leere Köpfe, leere Schubladen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, schrieb einst Hermann Hesse. Für einen gilt das nicht: Peer Steinbrück. Seinem Anfang als SPD-Kanzlerkandidat wohnt eher ein Fluch inne. Er und seine SPD haben den Start ins Wahljahr gnadenlos verstolpert.

Der Kandidat schwächelt, bevor er Stärke entfalten kann. Steinbrück schmiert in den Umfragen ab. Und das liegt nicht nur an der verlogenen Kampagne von Schwarz-Gelb wegen seiner lukrativen Vortragstätigkeit (Steinbrück sei ein “Produkt der Finanzindustrie”).

Charakterliche Vernichtung, nennt man das in US-Wahlkämpfen, wenn die Persönlichkeit des Kandidaten substanziell beschädigt werden soll. Sie ist fast gelungen.

Aber das ist nicht nur die Schuld der Urheber der Kampagne. Steinbrück selbst hat zuerst überheblich und unsensibel reagiert, dann zu spät die Offenlegung aller Honorare angekündigt, bei der Veröffentlichung auch noch einen Teil weggelassen und sich schließlich in ein nicht gewinnbares Scharmützel mit den Stadtwerklen Bochum verstrickt. Da hilft auch nichts mehr, dass er das Phantasiehonorar jetzt spendet.

Und die SPD hat zu spät versucht, den Spieß herumzudrehen und die Scheinwerfer auf die deutlich größere Zahl der Nebentätigen von Schwarz-Gelb zu richten

Jetzt ist der Makel eines unsensiblen Millionärskandidaten, der Steinbrück besonders bei SPD-Sympathisanten schadet, kaum noch zu tilgen.

Dass es so weit kommen konnte, liegt daran, dass es sich bei der SPD-Troika Steinbrück/Steinmeier/Gabriel nicht um die professionelle Spitze der SPD handelt, sondern um drei egomane Amateure.

Der eine (Gabriel) hielt die Illusion dreier möglicher Kanzlerkandidaten noch monatelang aufrecht, als schon längst klar war, dass es nur noch um ein Duell gehen kann. Ein Fall von Wählertäuschung. Für Gabriel ging es immer nur um 2017. 2013 hat er schon abgehakt.

Der zweite (Steinmeier) plauderte seinen Verzicht zur Unzeit bei einem Journalistengespräch aus und machte dadurch die Inthronisierung des dritten zum Holterdiepolter-Unfall.

Völlig unvorbereitet musste die SPD-Spitze ihren Kandidaten präsentieren. Kein Profi-Team an seiner Seite, keine Strategie gegen mögliche Anwürfe und der immer noch schwelende Rentenstreit in der SPD, der vor der Kandidatenpräsentation abgeschlossen hätte sein müssen.

Die SPD beschäftigt sich mit sich selbst, statt mit dem politischen Gegner.

Leere Köpfe, leere Schubladen.

Wer, ohnehin weit hinten liegend, Angela Merkel bezwingen will, zerstört so seine eigenen Chancen. Steinbrück muss jetzt einen Neustart versuchen. Er ist aber gefesselt durch den misslungenen Start. Beinfreiheit sieht anders aus. Er wird kein schneller Läufer mehr.

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51 Kommentare

1) Gregor Keuschnig, Freitag, 09. November 2012, 12:20 Uhr

Die Wahl wird von der SPD eh als verloren angesehen. In einem der wichtigsten Themen – der Euro-Politik – gibt es einfach keine Unterschiede zwischen Merkel und der SPD. Da kann dann Gabriel ruhig Steinbrück aufstellen. Im Wissen darum, dass dieser an keinem Kabinett Merkel teilnehmen will, macht Gabriel dann den Vize-Kanzler in der Großen Koalition. 2017 wird’s dann wieder interessant.

2) Dr. Karin Gerstel, Freitag, 09. November 2012, 12:56 Uhr

Angela Merkel ist eine sehr schlechte Kanzlerin der unterirdischsten Regierung, die unser Land jemals ertragen mußte – und das, nachdem wir 16 bleischwere Jahre unter Kohl erdulden mußten. Diese Regierung ist eine geistige Zumutung für die Bundesbürger und eine noch viel größere für Europa und die Welt. Das Einzige, was Obama jetzt mißfallen dürfte, nach seiner – Gott sei Dank – geglückten Wiederwahl, wird sein, daß er es nicht wird vermeiden können, diese entsetzlich unbegabte und historisch total ungebildete Angela Merkel treffen zu müssen. zu sagen haben sich die beiden ohnehin nichts.
Daß die SPD besonders clever agiert kann man ihr – leider – nicht attestieren. Was da aber von CDU und CSU an Heucheleien vom Stapel gelassen wird, ist schon eine riesengroße Zumutung. Ich hätte das Volk nicht für so blöd gehalten, dieses Verhalten nicht zu durchschauen. Und, wenn ausgerechnet die Oberklientelpartei FDP “Kreuziget ihn” (Steinbrück) schreit, dann wird’s reine Satire. Gewählt wird aber nicht jetzt, sondern im kommenden Jahr. Und da wird die Regierung eine andere werden und die jFDP hoffentlich in der Versenkung verschwunden sein.

3) Carsten Blöcker, Freitag, 09. November 2012, 13:55 Uhr

Kann Ihnen nur zustimmen, vermisse aber zumindest einen Absatz über das unmögliche und verschwenderische Verhalten der Verantwortlichen in Bochum. Das ist der eigentliche Skandal,
nicht die Auftritte von Steinbrück. Und das verlogene Gebrülle von CSU/FDP/CDU ist abstoßend.

4) Gerald Fix, Freitag, 09. November 2012, 14:53 Uhr

Man kann das nicht so einfach abtun, Steinbrück als Opfer von Schwarz-Geld hinzustellen und auch der Hinweis auf vergleichbare Fälle hilft nicht weiter. Es trifft die SPD-Basis ins Mark, dass einer der Ihren ‘genauso ist wie die anderen’. Steinbrück hatte es sowieso schwer, die SPD-Linke hinter sich zu bringen. Jetzt kann er das abhaken.

Ich habe die Nominierung Steinbrücks immer für eine Dummheit gehalten. Er schlägt sich, ohne ein scharfes Thema in der Hand zu halten, in der von Merkel besetzten Mitte und lässt die Linke wegbröckeln. So gewinnt man nur Wahlen, wenn in der Öffentlichkeit ein Wechselwille besteht. Aber der ist nicht zu sehen.

5) Politikverdruss, Freitag, 09. November 2012, 15:13 Uhr

Susanne Höll von der SZ hat in der Phoenix-Runde am 08.11.12 das Verhalten von Steinbrück mit (Geld)-Gier zu erklären versucht. Nun sollen nach Angaben der Bochumer Stadtwerke von acht Politikern, deren „Auftritte“ auch mit 25.000,- Euro „honoriert“ wurden, nur zwei ihr Honorar gespendet haben. Deshalb wissen wir auch nicht, ob Genscher oder von Weizsäcker, die ja auch diesen „wichtigen Termin“ in Bochum nicht versäumten, ihr Honorar gespendet haben. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/stadtwerke-honorar-affaere-schadet-steinbruecks-ansehen/7367856.html

Da fragt man sich doch, was ist an den Stadtwerken von Bochum so interessant, dass selbst politische Schwergewichte wie Genscher oder Weizsäcker dorthin eilen. Die Stadtwerke werden es nicht sein. Deshalb ist zu vermuten, dass Frau Höll nicht ganz falsch liegt, wenn sie hier von „Gier“ spricht.

Aber auch der heutige Schlagabtausch im Bundestag dürfte bei der SPD nicht als „Sieg“ verbucht werden. „ Für den Millionär wird’s schwer“, titelt die SZ. „Doppelmoral und Heuchelei“ wird dem Kanzlerkandidaten vorgeworfen. http://www.sueddeutsche.de/politik/steinbruecks-rede-zum-betreuungsgeld-fuer-den-millionaer-wirds-schwer-1.1518975 Da fragt man sich unwillkürlich: Will die SPD diesen Kanzlerkandidaten wirklich?

6) CitizenK, Freitag, 09. November 2012, 15:38 Uhr

Alles richtig, Herr Spreng.

Über den berechtigten Spott über die Kandidaten-Präsentation sollte man aber nicht die perfide Strategie der Gegenseite übersehen. . Die Profis von SchwarzGelb wussten genau, dass was hängen bleiben wird. Auch wer im Glashaus sitzt, kann mit Steinen werfen – und hat Erfolg. Nix mit Bumerang.

Aber über der politischen sollte man die moralische Bewertung nicht ganz vergessen.

7) Peter Christian Nowak, Freitag, 09. November 2012, 15:56 Uhr

Wie gesagt, Steinbrück wird kein Kanzler. Aber nicht nur, weil Multimillionäre bei SPDleuten nicht so gut ankommen – Stichwort Neid -, sondern weil die politische Alternative zur CDU nicht erkennbar ist. Nicht die Parteimiglieder sind für den Sieg ausschlaggebend, sondern am Tag der Wahrheit auch die Wähler.
Steinbrück macht keinen Hehl aus seiner politischen Richtung. Denn die von Steinbrück gewünschte Beinfreiheit zielt auf den Sozialflügel ab: Will heißen, er möchte im Zweifel Politik machen in erster Linie für Wirtschaft und Finanzmarkt. Und in gedanklicher Parenthese heißt das: Auch wenn dabei die soziale Komponente etwas den Bach runter ginge. Das ist nichts anderes als eine vorbeugende Entschuldigung für seine provokante Politik, die unter Umständen zu erwarten wäre. Die kommt beim linken Flügel der SPD nicht gut an. Das weiß auch Steinbrück.
Sie widerspricht insbesondere den Vorstellungen der Idealisten in der SPD, die sich eher eine Rückkehr zur gesellschaftlich-sozialen Ausrichtung seiner Politik wünschten. Denn in Steinbrück steckt ein gewisses negatives Deja-vu drin, das den SPD-Sozialflügel an die Agenda- und Bastapolitik von Schröder erinnert. Für viele, und nicht nur für Mitglieder, ein deutliches Signal zur Habacht-Stellung. Handelt es sich etwa hier um einseitige Nähe zu den Interessen von Wirtschaft und Finanzmarkt? Wie nah sind sich die Interessen der Wirtschaft und Steinbrück wirklich? Sind die Vorträge schon Ausdruck einer gewissen Korrumpierbarkeit? Ja, das wäre ein harter Verdacht.
Sicher ist aber meiner Meinung nach, dass Steinbrück zumindest in Teilen eine erheblich größere Nähe zur CDU-Politik hat, als zu dem linken Flügel seiner SPD. Die sagen: “Das ist reine CDU-Politik, was Steinbrück da macht”. In der Tat, auszuschließen ist das nicht. Wer weiß, vielleicht entspricht die Politik der Konservativen eher seinem politischen Geist und würde im Falle der Kanzlerschaft auch sein Weg, seine Agenda sein. Da kann man auch gleich das Original wählen – die Meinung von Wählern wie Parteigängern.

Dass der Marktwert von Steinbrück als Vortragender so ist wie er ist, das ist ihm persönlich nicht vorzuwerfen. Das liegt in der Verantwortung der Stadtwerke Bochum und anderen Auftraggebern. Erklären müssen das die jeweiligen Verantwortlichen, wie hier die Vorstände der Stadtwerke Bochum ihren Energiekunden.

Aber viel Geld macht nachweislich süchtig. Süchtig nach mehr. Es wirkt wie eine Droge. Dieser Gefahr ist auch ein Herr Steinbrück ausgesetzt. Den Sozialstatus eines Millionärs in einer sozial-orientierten Partei zu haben macht verdächtig. Und noch mehr, wenn derartige Honorare für Vorträge gezahlt werden, die gerade nicht von einem Wirtschaftsnobelpreisträger gehalten werden Für viele Parteimitglieder scheint es jedenfalls so zu sein. Die Skepsis kann ungerechtfertigt sein, aber sie kann auch gerechtfertigt sein. Daher schadet ein grundsätzlich kritisches Augenmerk nicht.
Denn es ist wichtig für den Wähler zu wissen, wen er da wählen soll. Und mit wem und welcher Politik er zu rechnen hat, wenn er ihn denn gewählt hat.
In den anderen Parteien sieht es übrigens diesbezüglich der eigenen Lobbykontrolle, wenn man so will, nicht besser aus. Gerade dort sind die “Nebenjobs” unübersehbar häufig. Da wird auch schon mal in Anwaltskanzleien gearbeitet, die nachweislich ausschließlich Wirtschaftsinteressen dienen. Und wenn dann dort darüber hinaus noch wichtige Gesetze ausgearbeitet werden, die existentiell für die Gesamtgesellschaft sind, aber in Wirklichkeit ausschließlich den Partikularinteressen der Wirtschaft und Finanzen dienen, liegt der Verdacht einer möglichen Vorteilsnahme nahe.
Also, wer von den Damen und Herren der Koalitionsparteien hier mit Steinen schmeißt, wird sich in einem Haufen Glassplitter wiederfinden.

8) Andreas Moser, Freitag, 09. November 2012, 16:02 Uhr

Wird Peer Steinbrück zum Mitt Romney der SPD?

9) Maren P., Freitag, 09. November 2012, 16:12 Uhr

Genau so wie Sie es beschreiben, Herr Spreng, ist es gelaufen. Die SPD selbst weiß das auch und hofft nur, irgendwie 2013 zur Bundestagswahl nicht völlig baden zu gehen. Ich kann hier nur wiederholen, was ich überall sage: Glaubwürdigkeit, Glaubwürdigkeit, Glaubwürdigkeit …
Wie wenig die derzeit Peer Steinbrück vermittelt, wurde heute in der Debatte um das Betreuungsgeld deutlich. Angela Merkel kann zumindest mit Blick auf die Bundestagswahl entspannt bleiben. Ich fürchte, das wird wieder mal so ein völlig verschnarchter Wahlkampf …

10) “Überzeugter Protestwähler”, Freitag, 09. November 2012, 16:14 Uhr

Ein Satire-Magazinhat das schon köstlich auf Punkt gebracht:

“SPD hat entschieden: Merkel bleibt Kanzlerin bis 2017!”

Quelle: http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html?&tx_ttnewscat=26&cHash=1c33bb274e4423118ac9890fc7dc4c98

11) Alex, Freitag, 09. November 2012, 16:53 Uhr

Es fehlt mal wieder eine gut durchdachte Strategie!

Mir ist unbegreiflich, wie die SPD so lange mit einem Trio mit drei überaus ehrgeizigen Alpha-Wölfen hausieren gehen konnte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der erste Ausbrecher kommen musste.

Es fehlt jegliches Profil und dazu auch eine klare und einfach verständliche Kommunikations-Strategie!

Das politische Profil sollte wesentliche Inhalte/Ziele widerspiegeln wie etwa:
• Wofür steht die SPD?
• Was wollen sie erreichen?
• Was sind die grundlegenden gesellschaftlichen und politischen Problemstellungen und was für Antworten hat die SPD?
• Wie wollen sie das europäische Desaster lösen? Welchen europäischen Führungsanspruch haben sie?
• Wie wollen sie die Bevölkerung auf schwierige Zeiten vorbereiten?

Obwohl ich fleißig seriöse Zeitungen lese und viele Talkshows bis zur Bewußtlosigkeit schaue, kann ich diese Fragen nicht beantworten. Und viele Bürger können es auch nicht. Oder anders gefragt: Wer kann es mir denn erklären? Und dann bitte ohne diese diffuse, unkonkrete Wischiwaschi-Argumentation. Die kapiere ich nie und nimmer – trotz Abitur.

Und damit bin ich bei der Ursache des Desasters: Die SPD hat nicht nur kein sauber definiertes politisches Profil, sondern der SPD fehlt insbesondere eine gute Kommunikations-Strategie!
Wer kapiert denn als einfacher Bürger, was die SPD-Politiker für uns erreichen wollen? Man sehe sich drei Talkshows jeweils mit SPD-Politikern an und bekommt dann mindestens vier unterschiedliche Sichtweisen, Werte und Programmatiken um die Ohren gehauen.
Mir geht es dabei um grundlegende Aussagen und wie mit der Öffentlichkeit kommuniziert wird.
Dummerweise oder besser gesagt glücklicherweise haben alle Parteien im Bundestag dieses Problem. Da wird gnadenlos rumgegackert, jeder Provinzgockel á la Dobrindt kräht von seinem Misthaufen. Und der, der am lautesten kräht, hat gewonnen. So lautet die Spielregel Nummer 1 all dieser eitlen Provinzgockel. Und unsere Journalisten: Unsere Journalisten geben dieses Gegackere auch noch begierig wieder.

12) Minassian, Freitag, 09. November 2012, 17:30 Uhr

Das nennt man voll in die eigene Falle getappt…. von Siggi Pop genial eingefädelt. Er wußte, wie man den eigenen Kandidaten kippt – wetten, daß ? So ist Steinbrück verbrannt und nun gilt es noch, die chancenreichere Hannelore Kraft zu verhindern, dann ist der Weg zum Vizekanzler und wahrscheinlich Außenminister frei, wenn es – wie wahrscheinlich – zur Großen Koalition kommt. Die Niedersachsen haben’s irgendwie drauf, vom Wulff-Desaster mal abgesehen.

13) Günter Springer, Freitag, 09. November 2012, 17:40 Uhr

Das werden noch viele bedauern, den Weg für Frau Merkel auf diese Art zu bereiten, spätestens dann, wenn Frau Merkel Ihren vielen (vermeintlichen) Anhängern das letzte Geld aus den Taschen genommen hat, um es unsinnig in die Welt zu streuen und um sich Anerkennung zu erkaufen. Einer Frau, die aus dem Milieu der FDJ kommend die Fahne derart gewendet hat,
kann ich nicht vertrauen.
Liebe Anhänger von Frau Merkel, vergeßt nicht, jeden Abend ein Stoßgebet gen Himmel zu senden, das diese famose Person euch erhalten bleibt, Amen!

14) Günter Springer, Freitag, 09. November 2012, 17:44 Uhr

Der Personenkult, der sosehr der DDR angekreidet wurde, wohlgemerkt mit Recht, kann seine Auferstehung in der Bundesrepublik feiern, mit Unrecht.

15) sge, Freitag, 09. November 2012, 18:10 Uhr

Steinbrück hat sich selbst erledigt – noch bevor es zu einem echten Duell mit Angela Merkel kommen konnte.
Mir ist schleierhaft, wie die SPD diesen Polit-Pensionär, der bereits auf seiner Abschiedstournee war und seine politischen Kontakte und rhetorischen Fähigkeiten versilberte, so unvorbereitet auf die Bühne zurückholen konnte. Es war doch jedem bekannt, wie Steinbrück seit 2009 sein Mandat wahrgenommen hat. Die SPD hätte das Thema “Neben”-Tätigkeit vorher abräumen oder zumindest angehen müssen. Dass das nicht gelungen ist, zeigt die ganze Unfähigkeit der SPD-Führung. Schröder und Müntefering wäre das so nicht passiert. Mit Blick auf 2017 kommt das Scheitern von Steinbrück so manchem Spitzengenossen aber ja vielleicht auch ganz gelegen.
Auch wenn Dobrint und Döring Fehlbesetzungen sind. Aus Sicht von Union und FDP haben sie hier einen guten und erfolgreichen Job gemacht. Wenn auch einen zum Fremdschämen.

16) Mario Egger, Freitag, 09. November 2012, 18:21 Uhr

Neben aller Kritik oder Ironie, die mir nun einfiele, verstehe ich eines nicht.

Warum hat Peer Steinbrück nicht von Anfang an klar Schiff gemacht? Wo eine Salamitaktik hinführt, haben wir genügend in den letzten Jahren gesehen. Soviel, dass es hier nicht mehr aufgezählt werden muss.

Es scheint, dass sein Gutsherrenego seine Einsicht bei weitem übersteigt. Das ist gefährlich, und so einen Kanzler brauchen wir nicht.

Und die Alternative?

17) Anonym, Freitag, 09. November 2012, 19:14 Uhr

Die SPD hat das ganze schon verstolpert, da war Peer Steinbrück noch längst nicht Kandidat. Ironischer weise wird diese Regierung tagtäglich auseinander genommen von allen Bloggern und allen Journalisten; beste Voraussetzungen also insbesondere für einen harten, brutalen Lagerwahlkampf und die Präsentation einer vernünftigen und klaren Alternative. Steinbrück ist zwar bei weitem nicht größter Sympathieträger der SPD, aber immerhin ist eigentlich ein Mann, der die klare, gnadenlose Attacke beherrscht (hat man auch heute beim Betreuungensgeld wieder gemerkt). Aber er hat so gut wie nichts neues und nichts eigenes vorzuweisen. Die Europolitik von SPD und Grünen ist nicht neu, ebenso wenig wie die Verlogenheit, erst der Regierung immer wie bei einer großen Koalition zuzustimmen und ihr dann etwa in der Generaldebatte Totalversagen vorzuwerfen. Die Rente ist nicht das Thema von Peer Steinbrück, sondern von Sigmar Gabriel. Was sind denn seine Inhalte, seine persönlichen Inhalte? Ich sehe keine, außer einer relativ unauffälligen Abgeordnetentätigkeit bis zur verpatzen Inthronisierung und stattdessen durchgeführten Vorträgen. Die Chance, aus Angela Merkels Profillosigkeit Profit zu schlagen, kann er folgerichtig auch nicht ausnutzen, da er selbst kein Profil besitzt. Und was ist mit seiner Haushaltskompetenz? Die hat er durch die Eurobonds und den Schuldentilgungsfonds, die beide von der großen Mehrheit der Deutschen abgelehnt werden, ad absurdum geführt. Denn das BVG hat ja schon beim ESM zu Bedenken gegeben, dass das Überschreiten einer Grenze droht, ab der die Aufstellung eines verfassungskonformen und seriösen Bundeshaushaltes unmöglich wird. Das ist eigentlich ein klarer Warnschuss, den die SPD dringend hätte registrieren müssen, um endlich und dauerhaft jeglichen Eurobonds eine Absage zu erteilen. Ganz nebenbei: So hätte man sich auch die Option für eine Ampen offen lassen können. Aber wie auch immer, mich stört das nicht. Denn so sehr ich auch mit dieser Regierung unzufrieden bin, aber ich finde es immer noch besser, wenn man sich vor statt nach der Wahl als schlechtere Alternative positioniert. Nur wird es die SPD und damit Steinbrück zumindest die Kanzlerschaft kosten.

18) Mark, Freitag, 09. November 2012, 19:22 Uhr

> Steinbrück sei ein “Produkt der Finanzindustrie”

Seine zahlreichen Reden in Kreisen der Finanzindustrie und der Umstand, dass er ja seinerzeit maßgeblich an der Rettung eben jener “Industrie” beteiligt war, legen den Schluß nahe, dass es so sein könnte.

Dass die Mitglieder von schwarz-gelb sich ebenfalls gerne aushalten lassen, das steht auf einem anderen Blatt. Steinbrück reagiert zum Glück so berechenbar unberechenbar und ungehobelt, dass der politische Gegner (so er es denn überhaupt ist!) unbehelligt den Geschäften weiterhin nachgehen kann.

> Wer, ohnehin weit hinten liegend, Angela Merkel bezwingen will

Nein, nein. Das war doch NIE der Plan. Nach der Bundestagswahl werden wir eine große Koalition haben. Das ist aus der Sicht der SPD -entgegen aller Beteuerungen- erstrebenswert, denn es hält die grünen Verfolger auf Abstand und sichert den Zugang zu den Trögen der Macht. Blöd wäre nur, wenn die CDU es alleine oder wieder mit der FDP schaffen könnte. (Aber DAS wird wohl bei der Union auch wenig Begeisterungsstürme auslösen.)

Wichtig bleibt (aus der Sicht von CxU und SPD), dass die Wähler dies nicht spannen! Es MUSS zwingend die Illusion aufrecht erhalten werden, dass beide Parteien für eine unterschiedliche Politik stehen. Dies trifft aber nur auf Nebenkriegsschauplätzen zu. Für die GROSSEN Themen – Eurorettung, Europapolitik, Sozialabbau, Kriegspolitik – gibt es de facto die große Koalition schon.

Ein Trauerspiel.

19) Wolfgang Wabersky, Freitag, 09. November 2012, 19:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng!

Von den drei „Spitzenkräften“ der SPD ist keiner wählbar. Steinbrücks extrem überhöhtes Selbstbild stand immer in krassem Gegensatz zu seinen tatsächlichen Fähigkeiten. Sowohl als Finanzminister als auch als MP von NRW war er äußerst schwach. Steinmeier, Schröders Ex-Kofferträger und Mitarchitekt der Agenda 2010 strebt ersichtlich nur den Vizekanzlerposten unter Merkel an, gegen die er bereits die letzte BT-Wahl völlig vergeigte. Gabriel versuchte in letzter Zeit durch platten Populismus zu punkten. Das eigentliche Problem ist doch, dass alle drei kein tragfähiges sozialdemokratisches Konzept vorweisen können. Mit den eigentlich sozialen Themen, die traditionsgemäß eine Herzensangelegenheit der SPD sein sollten, hat besonders Steinbrück absolut nichts am Hut. Er ist ein Mann des Kapitals, ein Neoliberaler, der statt Parlamentsarbeit zu leisten lukrativen Nebenbeschäftigungen bei Banken und Versicherungen nachging. Durch sein raffgieriges Gebaren hat sich dieser Spezialdemokrat letztlich selbst demontiert. Auch weil die SPD als Oppositionspartei völlig versagt und den Kurs von Frau Merkel permanent als alternativlos abgenickt hat, ist diese Partei auf Bundesebene absolut überflüssig geworden. Eine CDU-light braucht nun wirklich niemand. Schade um die gute alte Tante SPD. R.I.P.

20) riskro, Freitag, 09. November 2012, 19:41 Uhr

m. Spreng schreibt: <>

einen Fall von Wählertäuschung vermag ich darin beim besten Willen nicht erkennen.

21) Doktor Hong, Freitag, 09. November 2012, 20:35 Uhr

Zum Haareraufen.

Es ist nicht gut für die Demokratie, wenn die Opposition ein so schwaches Bild abgibt. Es muss ja nicht eine hasserfüllte Kampagne wie der Tea Party gegen Obama sein, was übrigens der Demokratie auch nicht gut tut.

Aber eine eigene politische Position, auf vernünftigen Überlegungen gegründet, vernünftig kommuniziert, das wäre nicht schlecht.

Interessant übrigens, Merkel mit Mitt Romney zu vergleichen. In den USA haben sich die liberalen Medien über die “Flexibilität” seiner politischen Ansichten ziemlich lustig gemacht. Sehen Sie da Parallelen, Herr Spreng?

22) Frank Reichelt, Samstag, 10. November 2012, 08:42 Uhr

Tja, so ist das in der “Eierschleifmaschine” und Herr Spreng schleift tüchtig mit! Erstaunlich ist, wie schwach das Nervenkostüm mancher Genossen ist. Der designierte Kanzlerkandidat ist noch nicht mal offiziell gekürt und schon werden Rufe nach Alternativen (Hannelore Kraft) laut. Gehts noch? Diese Partei hat wie keine andere den Hang zur Selbstdemontage. Ich sehe das Szenario schon am Horizont heraufscheinen, wer Steinbrück wählt bekommt am Ende Gabriel!

23) Werner Berger, Samstag, 10. November 2012, 11:57 Uhr

Komisch, dass bei Steinbrück noch nicht das Wort von der “Salami-Taktik” die Runde macht wie einst bei Christian Wulff (und das, obwohl Steinbrück doch viel dickere und “fettere” Salami-Scheiben zu verwalten hat). Die Journaille braucht diesen Kandidaten noch.

24) RCB, Samstag, 10. November 2012, 13:31 Uhr

Beim Streit um die Vortragshonorare des Peer Steinbrück handelt es sich ausschließlich um eine Neiddebatte derer, die selber nicht über ähnliches Potential, wie Steinbrück verfügen. Die damit verbundene Behauptung, Steinbrück sei ein Produkt der Finanzindustrie oder zumindest dieser hörig ist so absurd, dass ich als Steinbrück darauf überhaupt nicht reagiert hätte. Ich hätte allerdings schon etwas deutlicher die Vorträge herausgestellt, für die kein Honorar bezogen wurde. Das kam meiner Meinung nach zu kurz!

Was Spreng hier geschrieben hat, stimmt ansonsten vollends. Leider!

Es liegt nun an der SPD, Ihren Kandidaten wieder ins rechte Licht zu rücken und zwar mit Macht und ohne weitere zeitliche Verzögerung! Ansonsten riskiert sie, dass Steinbrück irgendwann einmal das Handtuch wirft, weil er sich das Alles eigentlich gar nicht antun muss; er könnte von seinen Altersruhegeldern (er ist ja schon im Rentenalter), seinen Honoraren und Tantiemen wesentlich besser und ruhiger leben, was ich persönlich ihm ehrlich gesagt sogar wünschen würde. Ihm ja, Deutschland aber eher nein!

25) riskro, Samstag, 10. November 2012, 16:53 Uhr

Erstaunlich wie viele Hellseher es gibt Alles Spekulation. Warum wartet man das Ergebnis nicht ab. Manchmal kommt es anders als man denkt.

Wenn es zu einem Einbruch der Wirtschaft -der sich leider abzeichnet- kommt, werden die Karten neu gemischt. Dann kann auch der Nimbus einer Merkel schnell Schaden nehmen. Allerdings wird eine Ablösung Merkels, solange man die LINKEN nicht für koalitionfähig hält, schwer werden. Schade eigentlich.

26) Sabine Zielke-Esser, Samstag, 10. November 2012, 18:49 Uhr

Tja, die SPD. Die hatte mal einen Herbert Wehner, der bellte ins Mikrofon: „Ich diene!“ Peer Steinbrück wettert dagegen: „Ich verdiene was ich verdiene!“

Und da sind noch die möglichen Koalitionäre, die Grünen. Selbst denen geht ihre omnipräsente Schwätztante Claudia Roth mittlerweile auf den Geist. Die Arbeit der nächsten Monate wird an Jürgen Trittin hängen bleiben. Denn Wahlkampf mit Katrin Göring-Eckardt ist ja wie Karneval am 1. Advent. Wohin man blickt: Das ist das politische Personal, wir haben kein anderes.

27) Max, Samstag, 10. November 2012, 19:39 Uhr

Mittlerweile haben Sie wohl mit allen Parteien gebrochen, Herr Spreng.
Rot-Grün hat nicht den besten Start hingelegt, aber Ihre Konkurrenz hat immerhin den Titel ’schlechteste Regierung aller Zeiten’.
In den Umfragen liegt Rot-Grün 2-4 % vom Sieg entfernt, unter der Voraussetzung, dass FDP und Piraten nicht in den Bundestag kommen. Da den Wählern sämtlicher anderen Parteien klar sein wird, dass Ihre Stimme de facto eine Stimme für Schwarz-Rot unter Merkel wird halte ich die paar Prozent für schaffbar und hoffe auf den ersten Bundestag mit nur drei(schlimmstenfalls vier) Parteien seit Dekaden.

Gruß

28) Erika, Samstag, 10. November 2012, 20:03 Uhr

Am 8.11.2012 sagte Sharma, Raju (die Linke)in der Bundestagsdebatte, dass

http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?isLinkCallPlenar=1&action=search&ids=2002499&instance=m187&categorie=Plenarsitzung&destination=search&mask=search

das Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages, Dr. Rolf Koschorrek 28 bezahlte Vorträge vor allem bei der Pharma-Industrie gehalten hat.

Daraufhin habe ich mal den Namen gegoogelt, was denn unsere unabhängige Presse über Herrn Dr. Koschorrek berichtet: Es war nicht viel nur, dass

http://www.shz.de/nachrichten/lokales/norddeutsche-rundschau/artikeldetails/artikel/abgestraft.html

Wo ist in diesem Fall eigentlich die Presse?

Aber es ist ja eh klar:
Die unfähige “SPD hat zu spät versucht, den Spieß herumzudrehen und die Scheinwerfer auf die deutlich größere Zahl der Nebentätigen von Schwarz-Gelb zu richten.” (Die SPD mit ihrer Medienmacht, hat wahrscheinllich nur vergessen, einen Artikel in Auftrag zu geben oder beim ZDF anzurufen?;-)).

Wie war doch der Vorwurf an Ulla Schmidt bei ihrer Verteidigung der Rechtmäßigkeit der Dienstwagenfahrt. Wenn es rechtens war, dann hat sie zumindest “unsensibel” reagiert., wie eben auch Herr Steinbrück.

Gibt es dieses Kriterium “unsensibel” auch bei anderen Parteien?

29) Stefan Dold, Samstag, 10. November 2012, 21:52 Uhr

Herr Spreng, ich warte gespannt auf Ihren Kommentar zur Urwahl der Grünen!

30) Erwin Gabriel, Sonntag, 11. November 2012, 09:23 Uhr

@ 23) Werner Berger, Samstag, 10. November 2012, 11:57 Uhr

>> Komisch, dass bei Steinbrück noch nicht das Wort von der “Salami-Taktik”
>> die Runde macht wie einst bei Christian Wulff (und das, obwohl Steinbrück
>> doch viel dickere und “fettere” Salami-Scheiben zu verwalten hat).

Peer Steinbrück hat sich nicht ‚hintenrum‘ bereichert, sondern sein Geld ehrlich verdient und versteuert – da gibt es keine Salami. Dazu auf jede bezahlte Rede, die man ihm vorwirft, drei oder vier Reden umsonst gehalten oder das Honorar gespendet. Wenn Sie da den Unterschied zu Christian Wulff nicht sehen (wollen), ist Ihnen nicht zu helfen.

Das Vergehen von Steinbrück nicht nur liegt darin, dass er ganz ordentlich Geld verdient hat (wiederum: um die etwa 5,2 Millionen Euro auf dem Konto zu haben, die ein durchschnittlicher Top-Lottogewinner in Deutschland an einem Wochenende einsackt, müsste auch ein so fleißiger Redner, Spender, Steuerzahler wie Peer Steinbrück 24 Jahre lang auf Tournee gehen) – sondern hauptsächlich darin, dass er der SPD angehört. Und dort, so scheint mir, gilt alles oberhalb Facharbeitergehalt schon als unanständig.

________________

24) RCB, Samstag, 10. November 2012, 13:31 Uhr

>> Steinbrück … könnte von seinen Altersruhegeldern (er ist ja schon
>> im Rentenalter), seinen Honoraren und Tantiemen wesentlich besser
>> und ruhiger leben, was ich persönlich ihm ehrlich gesagt sogar wünschen
>> würde.

Die Hetzkampagne der CDU greift. Und große Teile der SPD, erstarrt in Neid und einer Piefigkeit, die dort wohl als Moral gilt, gibt der CDU inhaltlich eher Recht, anstatt mit Vehemenz die vorhandenen, aber nicht aufgeklärten finanziellen Verstrickungen und Abhängigkeiten von CDU- und FDP-Politikern auszuleuchten. Wie bitter, wie arm.

Hoffentlich hat die SPD genug Eier in der Hose, die nächste Regierungsbeteiligung nur dann zu akzeptieren, wenn endlich die seit Jahren von CDU und FDP verhinderten Transparenz- und Anti-Korruptionsgesetze in den Koalitionsvertrag übernommen werden (verbunden mit einer rückwirkenden Aufklärung über die Einkünfte ALLER Abgeordneten á la Steinbrück).

31) Horst Klohocker, Sonntag, 11. November 2012, 10:20 Uhr

Zugegeben, Peer Steinbrück als Kanzler könnte ich mir wahrlich nicht so recht vorstellen! Aber welche Alternativen hätte die SPD denn? Ich sehe keine.

Hannelore Kraft wäre eine Kanzlerkandidatin, welche Frau Merkel wirklich Paroli bieten könnte und mit ihr würde die SPD vermutlich die Wahl auch gewinnen. Aber Frau Kraft tut gut daran, dass sie Ministerpräsidentin bleibt. Also muss die SPD die Wahl nächstes Jahr mit Herrn Steinbrück durchziehen, frei nach einem chinesischen Sprichwort „Es muss eine schlechte Maus sein, die nur ein Loch hat.“

32) Horst, Sonntag, 11. November 2012, 10:32 Uhr

Die Frage ist doch, warum die SPD mit seiner Führung seit 2000 so weit rechts abgedrifftet ist? Und wieso passieren dadurch immer wieder Fehlentwicklungen, die im Volk sehr übel genommen werden? Die Antwort ist, daß die Sozial-Demokratie nicht mehr in den Köpfen der Führenden verankert ist und demzufolge mit Steinbrück oder ohne, nicht mehr dem Wohle der Gesamtbevölkerung dient. Die Arbeits- und Lebenbedingungen werden nicht mehr als oberste Priorität gesehen, sondern als Nebensache. Denn in der Europa-Politik wurde das deutsche Volk vollends enttäuscht. Steinbrück verkörpert genau wie Schröder damals, Arroganz und Hochmut. Das bestätigt sich heute, denn Neben-Einkünfte vertragen sich nicht mit Sozialem. Die Glaubwürdigkeit, sich wirklich für das Wohl ganzer Bevölkerungsschichten einzusetzen, ist verspielt. Sie sind Lügner.

Es ist daher keine Frage, die SPD muß wieder zurück zu ihren Wurzeln, der arbeitenden Bevölkerung dienen. Mit dem heutigen Personal allerdings ist dies nicht möglich. Sie stehen der Sozial-Demokratie im Sinne des Volkes im Wege. Das Scheitern ist vorprogrammiert. Die SPD wird nie wieder gewinnen.

Was mich zu dem Schluß bringt, 2013 geht es um Volkes Wille. Und die Zeiten stehen für alle Parteien auf Messers Schneide. Ich glaube nicht, daß die Bundestagswahl stattfinden wird. Ein gravierendes Ereignis wird dies verhindern.

33) Erika, Sonntag, 11. November 2012, 10:56 Uhr

“Journalistenfutter”

ein schöner Begriff, leider nicht von einem deutschen Journalisten

http://www.cicero.de/videos/meyers-monolog-steinbrueck-ist-journalistenfutter

34) Günter Springer, Sonntag, 11. November 2012, 11:47 Uhr

2) Dr.Karin Gerstel,
Stimme Ihren Beitrag vollinhaltlich zu!

35) Alex, Sonntag, 11. November 2012, 13:31 Uhr

Profillosigkeit der Parteien und deren PR-Strategien!

Ich möchte auf einen interessanten Artikel von Wolfram Weimer im Handesblatt hinweisen, siehe Link: http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/weimers-woche/weimers-woche-die-cdu-ist-ein-scheinriese/7368984.html

In diesem Link geht es darum, wie sehr unsere Bundestagsparteien bereits inhaltlich-programmatisch entkernt sind und wie sehr machtpolitische und machttaktische Schachzüge die Politik bestimmen.

Damit kommen wir aus meiner Sicht dem eigentlichen Problem sehr nahe: Unsere Parteien – egal ob SPD, CDU, FPD oder Gründe bieten uns keine gut durchdachten Politik- und politische Problemlösungs-Konzepte mehr an, sie sind inzwischen selber das eigentliche Problem in der Politik.

Herr Sprengs´s Verdienst ist es, auf den steigenden Einfluß machttaktischer Faktoren hingewiesen zu haben. Die von ihm kritisierte “Verzwergung” der Politik ist in der Tat ein Grauen.

Man schaue sich nur das billige Kasperletheater mit Dobrindt, Rösler, Bahr, Nahles, Pofalla, Döring etc. an. Diese billige Schwatzhaftigkeit, Machtgeilheit und die unreife Persönlichkeit von vielen in der Politik agierenden Personen ist kaum noch auszuhalten. Und in dieser Legislaturperiode haben wir uns einem Höhepunkt genähert: Erst die gefälschten Promotionen so vieler Spitzenpolitiker, dann die Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Wulff und parallel dazu die Selbstzerstörung der guten alten FDP, und dann noch das Entstehen der Piratenpartei zeugen von dieser Tendenz.

Mir scheint, dass die Kinderpiraten, die politischen “Zwerge” in der Politik das Ruder übernommen haben.

36) karel, Sonntag, 11. November 2012, 15:47 Uhr

21 – Doktor Hong

Seit Schröder die SPD in die “Mitte” geführt hat, haben wir nur noch Mitte.
Links steht dank Lafontaine DIE LINKE mit der SED/PDS als stärkste Kraft als “Schmuddelkind”.
Rechts stehen die “Tumben” mit den Springerstiefeln dank des Mantras: “Kampf gegen rechts”

Die vorauseilende mediale Landschaftspflege erlaubt also nur noch den politischen Standort MITTE.

Und nun jammern sehr viele über die Einheitspartei CDUCSUSPDFDPDIEGRÜNEN.

37) horst scharnhorst, Sonntag, 11. November 2012, 15:48 Uhr

Kommentatorin 2 bringt es auf den Punkt. Gerade vor diesem Hintergrund muß man sich doch fragen, warum die SPD uns dann ausgerechnet Peer Steinbrück präsentiert. Bei soviel Wechsel in der Bel Etage der Partei (Vorsitzende kommen und gehen) – darf man sich nicht wundern, daß die Programmarbeit unterbleibt. Die SPD hat keine Antworten auf Zukunftsfragen. Peer Steinbrück ist ihr ideenloser Vorbeter. Anworten haben aber die Grünen. Es wäre doch ein faszinierendes Model: die Grünen werden stärker als die SPD. Warten wir es ab.

38) FF, Sonntag, 11. November 2012, 18:26 Uhr

Liebe frühere “Sozialdemokraten”! Ihr könnt’s einfach! Euer toller Herr Steinmeier (?) hat es beim letzten Mal geschafft, daß ich als alter SPD-Wähler erstmals “die Linke” ankreuzen mußte. Das ging ja noch. ;-)

Aber der famose Herr Steinbrück setzt jetzt noch gewaltig einen drauf: je länger ich ihm zuschaue und -höre, desto mehr fange ich plötzlich an: Angela Merkel sympathisch zu finden – zumindest im direkten Vergleich mit ihm. Autsch! Furchtbar!! Hilfe!!! :-(

Liebe “Sozis”, DAS muß doch nun wirklich nicht sein. Keine Angst, ich werde es nicht zum äußersten kommen lassen – und der verdienten ehemaligen FDJ-Sekretärin für “Agitation und Propaganda” etwa meine Stimme geben. Gottseibeiuns!

Aber wenn das so weitergeht, kann ich so langsam wirklich für absolut nichts mehr garantieren. ;-)

39) Frank Reichelt, Sonntag, 11. November 2012, 18:31 Uhr

@ 32, Horst

Und welches gravierende Ereignis wird das sein?
Nicht nur den Mund spitzen, bitte auch pfeifen!

40) Don Corleone, Sonntag, 11. November 2012, 18:49 Uhr

@ 35) Alex, Sonntag, 11. November 2012, 13:31 Uhr:

Mit Ihrem finalen Satz “Mir scheint, dass die Kinderpiraten, die politischen ‘Zwerge’ in der Politik das Ruder übernommen haben” haben Sie den Nagel aufs Haupt getroffen. Und er gilt, auch wenn Sie die Altlinken vergessen (oder verschwiegen?) haben, quer durch wirklich alle Couleurs.
Wen soll man noch wählen? Sie sind doch alle gleich, unsere Volksbeglücker, unterscheiden sich nur in geringen Nuancen der schon in Vorwahlzeiten ausgelobten Wundertüten. (Herdprämie und Abschaffung der Praxisgebühr sind nur das Präludium der Köder-Symphonie, die an allen Ufern des Karpfenteichs der Stimmberechtigten erklingt.)

Einzig die Backbord-Abteilung der SPD hält besondere Bonbons bereit: einen Schulterschluss mit der Fatah, der unversöhnlichsten und aggressivsten “Vertretung” der Palästinenser. Dort plädiert man, von der EU verschwenderisch subventioniert, nach wie vor dafür, die Juden “ins Meer zu schmeißen”, “Israel von der Landkarte zu tilgen” — und feiert heimtückische Mörder,die nachts wehrlose israelische Familien massakrieren. Doch Andrea Nahles stört sich nicht daran:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article110901881/Will-Andrea-Nahles-etwa-Bundeskanzlerin-werden.html

Henryk M. (für Modestus) Broder mag nicht everybody’s cup of tea sein, da er von (meist geistreicher) Polemik lebt; aber er bestätigt, was Sie sagen: “Sie [unsere Parteien] sind mittlerweile selber das eigentliche Problem in der Politik.”

Wer soll den Inhabern eines solchen (höflich ausgedrückt: wetterwendischen, faktisch gesehen: nicht vorhandenen) Charakters noch sein Vertrauen schenken? Eine Demokratie, deren Parteien — die sich als staatstragend aufplustern, wonach wir im Grundgesetz aber vergeblich suchen — nur noch als geringeres Übel wählbar sind, nicht aber als überzeugte, standfeste Alternative für wenigstens eine Legislaturperiode, hat sich selbst aufgegeben.

41) M.M., Montag, 12. November 2012, 00:23 Uhr

Ich habe mich bei Ihrem vorhergehenden Kommentar schon gewundert, warum Steinbrueck der richtige Kandidat sein soll.
Wie schlimm es um die SPD aussieht kann man an der anstehenden Buegermeisterwahl in Suedhessen sehen. Der SPD Kandidat Laut plakatiert auf seinem Kandidatenplakat mehrere Rentner. Jahrelang hat sein SPD-Vorgaenger schnelles Internet verhindert.Die neue Shopping mall entstand in der Nachbarstadt.

42) Politikverdrossen, Montag, 12. November 2012, 03:35 Uhr

Steinbrück verdeutlicht gerade nachdrücklich, dass selbst sozialdemokratischer Steinzeit-Liberalismus (“Leistung muss sich wieder lohnen…”) nicht mehr verfängt, außer in den Kreisen, in denen die Seeheimer verkehren (Möchtegerne-Drückerkolonnen, die die Zukunft der Kleinsparer veriestern wollen). Einen grünen Anstrich besitzt Steinbrück nicht, also ist die intellektuelle rhetorische Grundausstattung aktuell äußerst spartanisch. Während die schwarz-gelbe “Wildsau- und Gurkentruppe” (gewisse Selbsterkenntnis erkennbar) mit dem Opportunismus einer Dampfnudel, bzw. dem der Kanzlerin, “Energiewende” hausieren gehen kann, bleibt dem bekennenden Eurorettungsopportunisten Steinbrück nur das schäbige liberale Zerrbild einer wohlfahrtsorientierten Wachstumsgesellschaft, ohne die gegenläufigen Strömungen überzeugend argumentativ aufzugreifen, zu verarbeiten und zum Ausgangsstoff neuer visionärer Traumgebilde zu formen (der Eichel-Euro liegt allen doch schwer im Magen). Medienklüngel (“die hanseatischen Schachspieler”) und eilfertige Transparenz zu verdeckten Provisionen (?) helfen dann hier auch nicht weiter. Dass der Liberalismus sich neu erfinden muss, angesichts reaktionärer deutscher Großmannssucht und Kraftmeierei (Schäuble lässt grüßen), der auch Steinbrück nahesteht (Kavallerie), bedarf angesichts einer heruntergewirtschafteten Klientel-FDP keiner weiteren Begründung. Nur sich den “Heilsbringer” Steinbrück für diese Rolle auszudenken, grenzt schon an Inhaltsirrtum. Wer etwas über “Liberalismus” erfahren will, muss sich schon selbst die Mühe machen, eine Vorstellung von menschlichen Freiheit zu “bilden”, damit ist die aktuelle politische Schavan- und Schamanen-Kultur überfordert.

43) Erika, Montag, 12. November 2012, 09:14 Uhr

@alex

Ein typischer Merkel-Artikel:

“Mindestens ein Drittel des CDU-Erfolges geht auf das individuelle Konto Angela Merkels. Ihre Beliebtheit gewinnt zusehends institutionellen Charakter, sie avanciert zur nationalen Selbstverständlichkeit. Wie eine Großmutter der Macht wird sie inzwischen wahrgenommen. Das sie Deutschland clever durch die Schuldenkrise steuert, erklärt nicht einmal die Hälfte ihres Erfolges. In Wahrheit verkörpert sie das Prinzip Vertrauen.”

Diese “Lichtgestalt” war es auch, die Herrn Ackermann (Deutsche Bank) eine Geburtstagsfeier im Kanzleramt ausgerichtet hat. Erfahren davon, hat Deutschland durch ein “Verplappern von Ackermann” nicht etwa durch Journalisten

und wie heißt es in der sz:
“Handverlesen auch die Medienvertreter, vorneweg die des Springer-Verlages: Kanzlerin-Freundin Friede Springer wurde gesehen, ihr Vorstandschef Mathias Döpfner, sowie Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Vom Nachrichtenmagazin Focus hatte sich der dortige Kulturchef Stephan Sattler einladen lassen. Und nicht zuletzt gab sich Bestseller-Autor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, die Ehre.”

Bezüglich der “Transparenz” musste erst vor Gericht geklagt werden.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ackermann-empfang-regierung-muss-gaesteliste-offenlegen-11691594.html

Und über das Gerichtsurteil wird dann ganz sachlich berichtet, damit Angela Merkel, die “Unbefleckte” bleiiben kann.-

Übrigens heute ist Steinbrück mal wieder auf der Titelseite meiner Tageszeitung:
“Steinbrück: Das war ein Fehler” und weiter unten: Neuer Vorwurf, wegen eines Honorars von 1.500,– €, das Steinbrück erhalten habe. Laut Sprecher von Steinbrück, wurde kein Honorar bezahlt, sondern eine Spende überwiesen.

Medienwirklichkeit in Deutschland

44) StefanP, Montag, 12. November 2012, 10:08 Uhr

Als Mephistopheles steht man feixend am Rand und grinst: Demokratie ist die Herrschaft des Durchschnitts, weil der Durchschnitt keine Klasse erträgt. Möglicherweise erleben wir derzeit eine epochale Veränderung des Wahlkampfes, so wie wir ihn in Europa gewöhnt sind. Schon längst führen die Amerikaner den politischen Streit über die persönliche Auseinandersetzung, es war eine Frage der Zeit, wann dies auch in Europa Einzug hält, lässt sich – wie die alten Römer schon wussten – der Gegner doch am Effektiefsten durch Zerstörung seiner Integrität vor dem Pöbel erledigen.

Genau darauf zielte von Anfang an die Strategie der Regierungsparteien und der innenpolitischen Gegner Steinbrücks. Seine Vortragsreisen waren hinlänglich bekannt, ebenso seine üppige Entlohnung. HIer war nichts mehr aufzudecken, höchstens auszuschlachten, so man die ungeschriebenen Regeln zu brechen bereit ist. Während man in Deutschland ernsthaft die Frage stellt, ob ein Millionär Regierungschef werden kann, da es diesen qua Portemonaie an der sozialen Kompetenz mangele, sind die Amerikaner längst weiter.

Wie Anno Berlusconi unterstellt der gewerkschaftlich organisierte und müllsammelnde Amerikaner jenen skrupelosen Rittern in eigener Sache Gemeinwohlinteresse. Der Pöbel Italiens hat schon vor 2000 Jahren jene auf den Schild gehoben, welche am lautesten das Gemeine für sich reklamierten. Doch während sich jenseits des Atlantiks inzwischen der fähigste Spitzengeneral wegen einer amorösen Affäre selbst erledigt, dürfen europäische Politiker nahezu jedes Häschen vernaschen, so sie nicht genügend Geld in der Tasche haben.

Der ehemalige Chef des IWF war da schon ein Sonderfall. Bis heute ist ja nicht restlos geklärt, ob Dominik Strauss-Kahn nicht einem politischen Komplott zum Opfer fiel, um die Präsidentschaftskandidatur des beliebten Lebemanns zu verhindern. Wenn ja, dann war es genial. In den USA war DSK erledigt, weil er fremdgegangen war, in Frankreich, trotzdem er andere Betten, pardon, Duschen aufgesucht hatte. Nur, Gewalt beim Sex geht gar nicht, so der politisch korrekte Franzose.

Die Nachfahren der Römer hingegen scheinen zu merken, dass demokratische Selbstverantwortung so nichts für das korrupte Italien ist und übergeben die Macht gleich einem neuen diktatorischen Herrscher. So wie es ihnen die Ungarn, noch so ein “EU-Staat”, vor einiger Zeit vorgemacht haben. Die Bürger begreifen: wenn die politische Klasse macht, was der Pöbel will, ist es auch nicht recht.

Zurück zu Steinbrück: da hatte gerade die Speerspitze des Vulgärkeynesianismus, die Nachdenkseiten, behauptet, fünfstellige Beträge für Vorträge seien reine Phantasiehonorare, da kam heraus, dass gerade das links regierte Bochum solche Phantasiehonorare im Dutzend zahlte. Als aufmerksamer Leser, von denen die Nachdenkseiten bekanntlich keine haben, fragte man sich unwillkürlich, weswegen eigentlich die Stadt Bochum nun abgehalftere Politiker bestochen haben sollte. Oder war das Honorar die späte Rache, dass der ehemalige NRW-Ministerpräsident der Perle des Ruhrpotts keine Hollywood-Studios vor die Tür zu setzen vermochte?

Egal, Deutschland ist auf dem besten Wege, ein neues Herrscherhaus zu implementieren. Nichtstun mit vorgetäuschtem Aktionismus ist in einer Demokratie die wirkungsvollste Strategie, keinen Überdruss zu erzeugen. Das musste “Mister ruhige Hand”, Gerhard Schröder, erst lernen. Angie Merkel hat es verinnerlicht, nachdem sie selbst wegen zuviel ernst gemeinten Aktionismus dereinst abgestraft wurde. Böses Mädchen!

45) karel, Montag, 12. November 2012, 17:43 Uhr

43) Erika

Mir ist es wesentlich lieber,
wenn Politik Wirtschaft “bewirtet”,
als wenn Wirtschaft Politik “bewirtet”.

46) zboson, Montag, 12. November 2012, 23:47 Uhr

@ 43) Erika

Um Frau Merkel abzuwählen, benötigt die SPD einen Kandidaten mit einem anderen Format als Steinbrück/Steinmeier.

Für was steht Peer Steinbrück? Für was steht die SPD?

Zitat Jakob Augstein betreffend der Einkünfte: “Aber voller Erstaunen müssen die Sozialdemokraten feststellen, dass die Leute von ihnen immer noch etwas anderes erwarten als von Union und Liberalen.”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/a-866612.html

Ja, so ist es. Sonst kann man gleich CDU wählen, wenn es einem nur ums Geld geht (“mir wähle die Geldleut”, wie man im Odenwald sagt :-)

Und das hat nicht nur etwas mit den Medien zu tun. Willy Brandt wurde trotz der massiven Kampagnen gegen ihn gewählt, ab einer gewissen Ausstrahlung springen die Medien von selbst “on the bandwagon”, weil sie es sich sonst mit ihren Rezipienten verscherzen.

47) Günter Springer, Dienstag, 13. November 2012, 09:14 Uhr

45) Karel
Den Unterschied gibt es aber nur rein theoretisch, auch wenn einem das Eine oder das Andere lieber ist.

48) Erika, Dienstag, 13. November 2012, 16:53 Uhr

Q46) zboson, Montag, 12. November 2012, 23:47 Uhr

“Sondern um Glaubwürdigkeit. Warum immer nur die anderen Geld verdienen dürfen? Das kann man ihm erklären: Weil die anderen nicht Kanzler im Namen der Sozialdemokratischen Partei werden wollen.”

ich halte dies für eine sehr verquere Sicht auf die Dinge, aber wir leben in einem freien Land und Herr Augstein muss regelmäßig eine Kolumne schreiben.

Und gegen Merkel ist Steinbrück durchaus eine Alternative oder soll etwa gelten: Merkel, solange sie lebt?

http://soundcloud.com/spdde/rede-von-peer-steinbr-ck-im

Allerdings war die SPD bei der Wahl von Willy Brand nicht die stärkste Fraktion im Bundestag. Stärkste Fraktion war CDU/CSU. Es war die FDP unter Walter Scheel, die dann erstmals mit den Sozialdemokraten eine Koalition bildete.

49) zboson, Dienstag, 13. November 2012, 20:31 Uhr

@48) Erika

Bei dem Satz stimme ich Herrn Augstein natürlich nicht zu :-)

Es geht doch nicht um das Geld an sich. Ich denke, wir sind uns doch einig: hätte ein Politiker sein Geld mit einem Beruf, einer Erfindung, einem Unternehmen gemacht, würde niemand etwas sagen. Oder auch mit strengem, schwäbischem Sparen seines Beamtengehalts :-)

Aber “Vorträge”? Die vermutlich eh von Mitarbeitern geschrieben werden? “Beratungsverträge”? Eine gute Lösung, große Summen ohne etwas zu übergeben, was normale Menschen als “Leistung” bezeichen würden. Es mag ja sein, dass das in Kreisen der “Elite” mittlerweile als völlig normal angesehen wird, da kenne ich mich nicht so aus, aber es ist doch recht weit von der Lebenswirklichkeit der Wähler entfernt. Das betrifft doch nicht nur den Peer, seit Rot-Grün hat es aber meinem Eindruck nach unverhältnismäßig zugenommen.

Außerdem: kein Unternehmen überweist Geld “nur so”, wir sind doch nicht im Sozialismus. Es gibt immer einen Hintergedanken. Gegen was soll man das sonst buchen :-) ? PR, soziales Engagement, Gehalt, oder was auch immer nützlich ist :-)

Jetzt sagen manche: ist doch egal, soll er doch nehmen, was er kriegen kann, machen doch alle so. Das würde ich jetzt aber nicht als “klassische” SPD-Ansicht sehen, dafür gibts andere Parteien :-)

Tja, Merkel. Ich hätte ja auch gerne eine Alternative. Aber woher nehmen? Und nach zweimal Schröder, Hannover-Connection, Zerstörung des Sozialsystems überlege ich mir sehr genau, ob ich nochmal SPD mit einem “lupenreinen Sozialdemokraten” mit “Beinfreiheit” wähle. Auch der Clement steckt mir noch in den Knochen ;-)

Und mal ehrlich, was sind ein paar schwarze Kassen auf der rechten Seite gegen die Privatisierungs- und Agenda-Lohndumping-Orgien von Rot-Grün, die jetzt den Zusammenhalt von ganz Europa gefährden?

Und bevor jetzt wieder alle kommen mit “Aber die Griechen mussten doch kein Geld ausgeben!”: wer hat es ihnen denn gegeben und verdient weiter gut an den Zinsen?

Insofern, die SPD hat eine schwere Hypothek und macht es dem politischen Gegner ausgesprochen leicht, sich selbst rauszuhalten und der Selbstzerstörung zuzusehen.

Ich glaub, ich probiere mal die Piraten ;-)

50) Erika, Mittwoch, 14. November 2012, 09:06 Uhr

@49) zboson, Dienstag, 13. November 2012, 20:31 Uhr

“Aber “Vorträge”? Die vermutlich eh von Mitarbeitern geschrieben werden? “Beratungsverträge”? Eine gute Lösung, große Summen ohne etwas zu übergeben, was normale Menschen als “Leistung” bezeichen würden.”

Soweit ich informiert bin, hält Herr Steinbrück seine Reden meist mit der Hilfe von Handezetteln. Die meisten Menschen wären wohl nicht in der Lage dies auf informative und aber auch unterhaltsame Art (dafür gibt es wahrscheinlich die Honorare) zu leisten. Und warum soll ein Mensch nur weil er “Sozialdemokrat” ist, dafür nicht das “hierfür” übliche Honorar erhalten?

Viel Freude mit den Piraten, wenn Sie darin die Lösung ihrer Probleme sehen!

51) Peter Christian Nowak, Freitag, 16. November 2012, 19:04 Uhr

Die Erhaltung der sozialen Sicherungssysteme werden die Wahl `13 mitentscheiden
Wäre die SPD eine Partei mit kluger Wahlkampfstrategie, eine Partei also, die sich vom Dauergerede “private Vorsorge muss sein” lösen könnte, so würde sie mit Sicherheit punkten. Denn eins ist klar: Nichts stimmt an den Behauptungen wie Argumenten, die das Umlagesystem krank redet. Auch die SPD kommt so langsam ins Grübeln, ob man der Bevölkerung mit dieser Dauerbombardierung “wir brauchen die private Vorsorge” weiterhin noch kommen kann. Das Misstrauen gegenüber der Versicherungswirtschaft und ihrer Rückendeckung aus der Politik wächst zusehends. Es melden sich mehr und mehr kritische Stimmen zu Wort. Auch kritische Journalisten des Fernsehens. Die zweifelnden Stimmen kommen nicht nur aus den Reihen der Politik, sondern auch von ernstzunehmenden
Versicherungsmathematikern und Statistikern, die das Demographie-Desaster als gesteuerte Demographie-Lüge enttarnen. Die „dramatische Demographie-Entwicklung“ scheint eher ein Promotion-Slogan für lukrative Produkte der Versicherungswirtschaft zu sein, als eine zu erwartende Katastrophe. Die SPD hat sich selbst die Mausefalle gebaut, in der sie nun im Kreis läuft. Eine totale Revision ihrer Meinung in dieser Sache scheint für viele Parteigänger überfällig, für die Parteispitze denn doch vielleicht zu peinlich, brächen doch alle bisherigen Argumente für das Kartenhaus Agenda 2010 in sich zusammen. Daran will die SPD festhalten. Auf Teufel komm raus. Daher wird’s nix mit Steinbrück und Kanzler.
„Monitor“ (WDR) beleuchtet das Thema „Private Altersvorsorge“:

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/1115/alter.php5

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