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Leere Köpfe, leere Schubladen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, schrieb einst Hermann Hesse. Für einen gilt das nicht: Peer Steinbrück. Seinem Anfang als SPD-Kanzlerkandidat wohnt eher ein Fluch inne. Er und seine SPD haben den Start ins Wahljahr gnadenlos verstolpert.

Der Kandidat schwächelt, bevor er Stärke entfalten kann. Steinbrück schmiert in den Umfragen ab. Und das liegt nicht nur an der verlogenen Kampagne von Schwarz-Gelb wegen seiner lukrativen Vortragstätigkeit (Steinbrück sei ein „Produkt der Finanzindustrie“).

Charakterliche Vernichtung, nennt man das in US-Wahlkämpfen, wenn die Persönlichkeit des Kandidaten substanziell beschädigt werden soll. Sie ist fast gelungen.

Aber das ist nicht nur die Schuld der Urheber der Kampagne. Steinbrück selbst hat zuerst überheblich und unsensibel reagiert, dann zu spät die Offenlegung aller Honorare angekündigt, bei der Veröffentlichung auch noch einen Teil weggelassen und sich schließlich in ein nicht gewinnbares Scharmützel mit den Stadtwerklen Bochum verstrickt. Da hilft auch nichts mehr, dass er das Phantasiehonorar jetzt spendet.

Und die SPD hat zu spät versucht, den Spieß herumzudrehen und die Scheinwerfer auf die deutlich größere Zahl der Nebentätigen von Schwarz-Gelb zu richten

Jetzt ist der Makel eines unsensiblen Millionärskandidaten, der Steinbrück besonders bei SPD-Sympathisanten schadet, kaum noch zu tilgen.

Dass es so weit kommen konnte, liegt daran, dass es sich bei der SPD-Troika Steinbrück/Steinmeier/Gabriel nicht um die professionelle Spitze der SPD handelt, sondern um drei egomane Amateure.

Der eine (Gabriel) hielt die Illusion dreier möglicher Kanzlerkandidaten noch monatelang aufrecht, als schon längst klar war, dass es nur noch um ein Duell gehen kann. Ein Fall von Wählertäuschung. Für Gabriel ging es immer nur um 2017. 2013 hat er schon abgehakt.

Der zweite (Steinmeier) plauderte seinen Verzicht zur Unzeit bei einem Journalistengespräch aus und machte dadurch die Inthronisierung des dritten zum Holterdiepolter-Unfall.

Völlig unvorbereitet musste die SPD-Spitze ihren Kandidaten präsentieren. Kein Profi-Team an seiner Seite, keine Strategie gegen mögliche Anwürfe und der immer noch schwelende Rentenstreit in der SPD, der vor der Kandidatenpräsentation abgeschlossen hätte sein müssen.

Die SPD beschäftigt sich mit sich selbst, statt mit dem politischen Gegner.

Leere Köpfe, leere Schubladen.

Wer, ohnehin weit hinten liegend, Angela Merkel bezwingen will, zerstört so seine eigenen Chancen. Steinbrück muss jetzt einen Neustart versuchen. Er ist aber gefesselt durch den misslungenen Start. Beinfreiheit sieht anders aus. Er wird kein schneller Läufer mehr.