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Mittwoch, 14. November 2012, 12:43 Uhr

Wenn sich eine Zeitung selbst aufgibt

Natürlich ist es traurig, dass die “Frankfurter Rundschau” eingestellt wird. Ich trauere auch, denn meine Eltern hatten sie abonniert, sie hat mich an die Politik herangeführt, und als junger Journalist bekam ich das Angebot, von der “Frankfurter Neuen Presse” zur FR zu wechseln. Das verbindet.

Jeder Titel weniger ist ein Verlust für die Presselandschaft und die Meinungsvielfalt. Aber die FR von früher, die vielbeachtete linke und linksliberale Stimme, die Zeitung von Karl Gerold und Karl Hermann Flach, gab es schon lange nicht mehr.

Die Zeitung wurde so lange zurechtkonfektioniert, bis sie sich selbst überflüssig machte. Die vielen Geschaftsführer- und Chefredakteurswechsel, die teure und sinnlose Umstellung auf das unattraktive kleinere Format, die personelle Auszehrung, der Verlust an namhaften, analyse- und meinungsstarken Journalisten – all das konnte nur zum Niedergang führen.

Und der teuer erkaufte nationale Anspruch war seit dem Aufkommen der “taz” nicht mehr zu verwirklichen. Die linken Milieus in den anderen Großstädten wandten sich von der “Frankfurter Rundschau” ab.

Die Antwort auf den Auflagenverlust der Printmedien kann nur die Stärkung der journalistischen Kompetenz sein. Aber dafür war es in Frankfurt schon zu spät.

Ich erinnere mich, dass ich sie noch einige Mal kaufte, als das Ypsilanti-Desaster bundesweit Schlagzeilen machte. Ich erhoffte mir zusätzliche Informationen und Hintergründe über die Zustände in der hessischen SPD.  Aber der Kauf wurde zur bitteren Enttäuschung: nur Berichterstattung auf Agenturniveau, nichts Eigenes, nichts Exklusives.

Das sind die Hauptgründe für das Aus. Natürlich spielte auch der dramatische Niedergang des Kleinanzeigengeschäftes und die allgemeine Zeitungskrise aufgrund der Online-Konkurrenz eine Rolle. Aber nicht die ausschlaggebende.

Die “Frankfurter Rundschau” hatte sich schon lange journalistisch aufgegeben. Deshalb ist der Verlust, über die allgemeine Trauer hinaus, auch nicht mehr groß.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

29 Kommentare

1) wurstbewacher, Mittwoch, 14. November 2012, 13:07 Uhr

“Jeder Titel weniger ist ein Verlust für die Presselandschaft und die Meinungsvielfalt.”

Ähem, naja…

ich würde sagen: Das hängt vom Titel ab.
Es gibt durchaus Titel, deren Verschwinden ein Gewinn wären…

2) StefanP, Mittwoch, 14. November 2012, 13:16 Uhr

Vor wenigen Wochen stellte das altehrwürdige Newsweek seine Printausgabe ein. Das Ende der FR leitet lediglich das große Zeitungssterben in Deutschland ein. Das mag man bedauern, aber für nichts gebt es eine Ewigkeitsgarantie. Der junge, informationssüchtige Bürger bis 40 greift heute eher zum iPad und lädt sich die Online-Ausgabe seiner Tageszeitung herunter. Oder er nutzt gleich die kostenlosen Online-Seiten.

Information als solche besitzt in Zeiten, wo sich Meldungen binnen Sekunden weltweit verbreiten, keinen eigenen Wert. Bezahlt wird nur noch für das, was mit den Informationen gemacht wird und werden kann. Das ist eine ganze Menge, Studien kosten viel Geld und sind deswegen nicht kostenkos verfügbar.

Daneben hatte die FR schon vor über 20 Jahren wirtschaftliche Probleme, ihr Profil blieb immer etwas unklar. Nach dem marktwirtschaftlichen Gesetz trifft es diese Kandidaten als erstes.

3) Maurice la Chance, Mittwoch, 14. November 2012, 13:23 Uhr

Lieber Herr Spreng,

was könnte denn die “Zeitungskrise aufgrund der Online-Konkurrenz” noch stoppen? Werden nicht sowieso schon ganz bald alle Papierzeitungen aufgeben müssen?

MfG
MlC

4) Olaf, Mittwoch, 14. November 2012, 13:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,
an der Insolvenz der FR kann man viel aufhängen: was ist die “allgemeine Zeitungskrise”? Ist das Anzeigengeschäft wirklich noch so schlecht, wie vor fünf Jahren geklagt wurde?
Stellenanzeigen müsste es reichlich geben.
Sicher kam die FR aus dem schmalen Segment der überregionalen, hier bundesweiten Verbreitung, aber die echte Krise sehe ich im Geschäft der regionalen/lokalen Blätter, die rationalisieren, bis es nicht mehr rational ist. Sie legen Redaktionen zusammen, verkleinern oder schließen sie, drucken viel zu bunt zwischen großen weißen Rändern zu Lasten der Texte, die aus dem Ticker kommen.
Hier geht verloren, was auf publizistischem Gebiet Kultur und Demokratisierung bedeutet.
Was man aufgibt ist verloren. Neue Ideen sind rar.
Fest steht: das Onlinegeschäft trägt auch nicht und kann mir eine Zeitung nicht ersetzen.

5) Frank Reichelt, Mittwoch, 14. November 2012, 14:53 Uhr

“Jeder Titel weniger ist ein Verlust für die Presselandschaft und die Meinungsvielfalt.”

In diesem unserem Land liegt ja einiges im Argen, über einen Mangel an Meinungen können wir uns aber nun wirklich nicht beklagen!
Wenn eine Zeitung vom Markt verschwindet, ist das keine Gefahr für die Pressefreiheit oder die Meinungsvielfalt, sondern ein Beweis dafür, dass die Verlage die Veränderungen in der Branche immer noch zu wenig zur Kenntnis genommen haben!

6) W. Zimmer, Mittwoch, 14. November 2012, 16:07 Uhr

“der Verlust an namhaften, analyse- und meinungsstarken Journalisten” ist leider allgegenwärtig. Und mit diesem Verlust geht leider auch die Meinungsvielfalt und letztlich auch die Pressefreiheit über den Jordan. Weil die Meinung von Verlegern und Chefredakteuren vorgegeben wird, die über die entsprechenden Parteibücher verfügen. Unabhängiger Journalismus ist reine Utopie.

7) Frank, Mittwoch, 14. November 2012, 16:20 Uhr

@StefanP: Ausgerechnet die iPad-Zeitungen als Sargnagel der “FR” zu nennen, verwirrt mich. War die entsprechende App der “FR” doch ihr letztes großes As und Verkaufsschlager, 30 Eier im Monat und das iPad ist Deins, inklusive “FR”-iPad-App.

Ansonsten gebe ich Spreng weitgehend Recht: An dem Blatt wurde so lange herumgedoktert, bis hin zu einer gemeinsamen Mantelredaktion mit der “Berliner Zeitung”, dass man gar nicht mehr wusste, was man da in Händen hielt. Zumal es die “Berliner” im netteren Format für einen lauen Euro am Kiosk gibt, die “FR” kostet deutlich mehr.

8) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 14. November 2012, 16:53 Uhr

Der Informationsbedarf wird aus vielen Quellen gedeckt: Vom Zeitungspapier zur Cyber-Info. Das ist die Entwicklung.
Auch das Lesen und Vertstehen hat sich geändert. Schnell muß es gehen. Dabei bleibt vieles in mangelnder Wahrnehmung stecken. Vielfach wird zu oberflächlich gelesen. Für viele ist das Lesen viel zu anstrengend. Zur kognitiven Entfaltung kommt es dann jedenfalls nicht mehr.
Aber vielleicht spielen solche interaktiven Blogs wie dieser hier beim Niedergang der Printmedien auch eine Rolle. Hier kann man schnell sich in Diskurse einklinken – ohne viel Mühe damit zu haben.
Das Fernsehen hat ähnliche Probleme wie die Zeitungen. Als Autor einer Sendung gibt man sich viel Mühe. mit den Vorbereitungen, den Terminierungen, mit der Recherche, mit der Kameraarbeit, mit dem Schnitt, mit der gesamten Postproduktion überhaupt…für einen vielleicht nur zehnminütigen Beitrag für plus-minus, Report, Frontal21, die story (mit mehr Sendeminuten)…und der Konsument wird seiner Bequemlichkeit gerecht: Er “konsumiert”, aber reflektiert nicht.
Trotzdem, es lohnt sich für Autoren. Immer noch. Man gibt nicht auf und hat den festen Willen die Objektivität die zur seriösen “Berichterstattung mit kritischer Komponente” beizubehalten. Viele Zeitungsjournalisten verfolgen diese Linie. Vorausgesetzt, sie bekommen keine Steine in den Weg gelegt.

Allein die Nachricht langweilt. Hinzukommen muß die Würze. Und zwar dann, wenn die Nachricht zur interaktiven Kommunikationsmöglichkeit mit anderen Konsumenten führt. Das wirkt emotionalisierend. Emotionen, wie immer man sie auch bewerten mag, sie sind für den Gefühlsträger Mensch Motor für Reaktionen. Der Zuschauer, der Leser will eingebunden sein. Aus einer Nachricht muss der Diskurs erwachsen. Und sie sollte von allgemeinen Interesse sein. Das ist das Erfolgsrezept von Blogs. Sicherlich auch von diesem hier.
Trotzdem. Zeitungen müssen weiter eine Zukunft haben. Unbeeinflusst, möglichst frei von politischen Akteuren und den Interessen der Wirtschaft. Das wird immer schwieriger. Besonders in Zeiten, in denen die Meinungsbildung von kapitalkräftigen Verbänden mitgestaltet wird. Um sich von manipulativen Einflüssen zu lösen bedarf es der finanziellen Sicherung. Da müssen die Leser mitmachen. Sie entscheiden als Kunden.
Ich wünsche der FR und seiner Belegschaft für die Fortführung viel Glück!

9) Sig, Mittwoch, 14. November 2012, 17:02 Uhr

Warum ist das “kleinere Format” denn so unattraktiv? Die “taz” und viele andere erfolgreiche Zeitungen erscheinen doch auch in diesem Format (nicht zu vergessen die “monde diplomatique”, wohl eine der besten Zeitungen überhaupt).

Persönlich ist mir das Tabloid-Format wesentlich lieber, so kann man auch freihändig eine Zeitung lesen ohne halb wahnsinnig dabei zu werden.

Nicht dass es langfristig eine große Rolle spielen würde, Sie wissen schon, “digital ist besser” und so…

10) Erika, Mittwoch, 14. November 2012, 17:07 Uhr

Ja, die Rundschau, ein Relikt aus der Vergangenheit. Habe mich immer gerne mit den Artikeln von Richard Meng auseinandergesetzt. Aber das ist lange her.

11) Winfried, Mittwoch, 14. November 2012, 18:47 Uhr

Das linke Hauptstraßen gefasele ist doch nur noch Propaganda, machen wir es doch an der Hähme des Betreungsgeldes fest, Säuglingsinternate werden als Normal deklariert. Da kommen keine klügeren Kinder heraus sondern Kinder die Anpassungsfähiger sind, an wen ist noch offen!

12) Marc, Mittwoch, 14. November 2012, 22:49 Uhr

Die Rundschau hätte hier in der Stadt (mit nur einer Lokalzeitung) mit ihrem Lokalteil gut Punkte machen können. Aber der damalige Chefredakteur machte einige südhessische Lokalredaktionen dicht ohne lange zu fragen. Der erste Besuch in der hiesigen Lokalredaktion war auch sein letzter: Er verkündete, dass dicht gemacht wird. Und dass, obwohl die Abozahl hier gestiegen war.

Die Lösung, die FR-Leser halten sollte, war, dass hier die Lokalzeitung ihre Artikel in der FR zweitverwerten konnte, weil die FR sie dort einkaufte. Somit hatte die FR die Vielfalt im Lokalen schonmal aufgegeben. Dann kam der Mantel aus Berlin, sodass man sich schon fragte was an der FR denn noch aus Frankfurt oder Hessen kommt.

Ok, das kleine Format fand ich gut, die Zeitung war handlicher. Und auch die Recherche zu den Affären Wolski (http://www.fr-online.de/der-fall-wolski/2641740,2641740.html) oder dern hessischen Steuerfahndern waren gut.

13) Frank, Donnerstag, 15. November 2012, 09:16 Uhr

“Dann kam der Mantel aus Berlin, sodass man sich schon fragte was an der FR denn noch aus Frankfurt oder Hessen kommt.”

Tja, quasi ein echt globalisiertes Produkt, bei dem der Rezipient nicht mehr weiß, woher welcher Teil kommt. Wie bei den Autos. Hab’ ich mich aber auch immer gefragt, denn meine Frau hat seit letztem Jahr die FR-iPad-App im Abo.

14) der Herr Karl, Donnerstag, 15. November 2012, 14:02 Uhr

“Die Antwort auf den Auflagenverlust der Printmedien kann nur die Stärkung der journalistischen Kompetenz sein”

Stimmt vermutlich schon, aber ob das noch genügend Menschen interessiert? Ich komme abends beruflich in viele Häuser. Ich bin erschreckt, wenn nicht sogar erschüttert, in wievielen Stuben die RTL-Reality-Soaps unterster Schublade laufen.
Ich sehe das Problem inzwischen nicht mehr so sehr bei den Verlagen mit mehr oder weniger gutem Journalismus, sondern immer mehr beim Volk.
[zum Thema "Volk" erlaube ich mir einen Hinweis auf Flatterwatch.de]

Wobei: Oft sind es vermutlich die grossen Medienkonzerne, die auf der einen Seite Schund à la RTL produzieren und auf der anderen Seite eigenen Traditionsblättern den finanziellen Hahnen abdrehen (ich kenne mich zu wenig aus, um Beispiele oder Namen nennen zu können).

Ein Blogger mutmasste: “Ach ja, die Frankfurter Rundschau ist auch pleite. Das heisst aber nichts. Die Zeitung gehört M. DuMont Schauberg, und das Verlagshaus ist mitnichten bankrott. Die Schlagzeile müsste korrekt also heißen: M. DuMont Schauberg lässt ‘Frankfurter Rundschau’ pleite gehen.
Es kann also auch sein, dass die Zeitung bald wieder da ist, aber nur ein Teil der Mitarbeiter (“divide et impera”) mit schlechteren Verträgen (das ist oft die Geschäftsidee einer Insolvenz) weitermachen darf.”
(burks.de/burksblog)

15) Namensvetter, Donnerstag, 15. November 2012, 14:51 Uhr

Bleibt es wirklich bei einer Zeitung? Nach meiner Wahrnehmung gibt sich der Journalismus an sich gegenwärtig auf. Das hat wenig damit zu tun, dass ihn niemand bezahlen wollte – man müsste ihn erst mal wieder anbieten.
Natürlich klicke ich gern auf die kostenlosen Online-Angebote der Verlage. Sie haben für mich einen gewissen Nutzen, um auf aktuelle Themen gestoßen zu werden. Doch einen persönlichen Gewinn bringen sie mir damit leider nur deshalb, weil sie eben kostenlos sind. Geld wäre mir die gelieferte Qualität nicht wert. Ich laufe täglich oft genug an ebenso kostenlos ausliegenden Zeitungen vorbei. Gestern z.B. das Handelsblatt mit dem Titel “Grande Nation ganz klein” oder so ähnlich. Wenn man bedenkt, dass eine “Witschafts- und Finanzzeitung” halbwegs gebildetes Publikum vermutlich nicht völlig von ihrer Leserschaft ausschließen möchte, finde ich das in speziellem Sinne mutig.

16) Horst, Donnerstag, 15. November 2012, 19:06 Uhr

Ich glaube, daß vieles, was Herr Spreng schrieb, richtig ist. Er kennt die Probleme sicherlich sehr genau.

Das Fatale dabei wird aber nicht geschrieben und wahrscheinlich auch verschwiegen. Es sind die unverschämt hohen Gehälter der Redakteure, die ihre Mitarbeiter mit Trinkgelder abspeisen. Das ist wie überall in der Arbeitswelt. Die kriegen den Hals nicht voll, schleimen ohne Ende, betätigen sich in Talk-Shows und suhlen sich im Kreise der Eliten. Je bekannter, um so schneller bekommen sie einen neuen Wirkungskreis. Die werden immer profitieren.

Ich weine der Presse/den Redakteuren keine Träne nach. Denn ihre Macht, auf die Politik zu schauen und sie maßzuregeln, haben sie verloren. Sie sitzen mit im Boot, das Volk zu belügen und zu verraten. Kontakte und Einladungen von der Macht ändert jegliche Sicht auf die Wahrheit.

Vor 3-4 Jahren hatten sie die Chance, als es um Griechenland ging, den Kurs der Politik zu wenden. Sie taten es nicht, sondern belogen den Leser mit der Richtigkeit von der Deregulierung des Arbeitsmarktes, des Schutzes von Banken, der Rettungspakete, dem EFSF/ESM usw. Die zog sich über Jahre hin. Der Bürgerwille wurde nicht beachtet. Der Leser bestraft Geklüngel mit Kaufunlust.

Wer bitteschön kauft noch Zeitungen? Ich schon Jahre nicht mehr. Selbst die Online-Zeitungen sind kaum noch ertragbar. Sie gleichen einer Schmierei, Zeilen mit Sinnlosem zu füllen. Und sieht man sich die vielen Rechtschreibfehler an, dann weiß man, wie die Schreiber bezahlt werden. Wahrscheinlich mit 5 Euro die Stunde oder sind es Leiharbeiter? Kein Wunder, daß so viele Journalisten H4 beziehen.

Herr Spreng, wie ehrlich und fair geht es noch in der Presse zu? Wann fängt die Presse endlich an, ihren Job zu machen und nicht den Bürger zu verarschen? Das Hauptproblem besteht nämlich darin, daß fast jeder Artikel nicht der Wahrheit entspricht. Denn liest man 1-2 Tage später, wird plötzlich genau das Gegenteil vermittelt. Erst waren Deutschlands Bürger noch nie so reich wie heute, dann waren die Renten plötzlich auf Sozialhilfeniveau abgesunken. Ja wie denn nun?

Die Lügerei und Recherchemüdigkeit kotzt langsam an.

17) Al Rhein, Donnerstag, 15. November 2012, 21:59 Uhr

Als alter Frankfurter kann ich es auch nur betrauern, dass die alte Tante FR pleite ist und verschwinden wird. Bis vor 10-15 Jahren da konnte man in Frankfurt eigentlich nur die FR lesen. Die FAZ war zu rechts, die Neue Presse zu alter-Opa-maessig, die Bild, na lassen wir das…

Aber die FR hat es sich auch selber zu zu schreiben: Sie wurde zu einseitig links, vorhersehbar. Die FAZ hingegen hat sich von ihrer strikt konservativen Haltung geloest und wenn sie einen besseren Lokalteil haette, waere sie eigentlich perfekt.

Dann fing man bei der FR an auf Kosten der journalistischen Qualitaet zu sparen: Lokalteil wurde eingedampft, die Neue Presse hat immer noch Reporter bei jeder Dorfversammlung dabei (leider ist das aber auch alles bei der FNP). Immerhin deckt das die Leser ab, die sich ueber die lokalen Vorkommnisse informieren wollen, soweit reicht das Internet dann auch nicht.
Dann das fehlende Korrekturlesen: In manchen Artikeln hatte man den Eindruck, dass niemand auch nur die Rechtschreibung pruefte. Schlechter Stil, mangelnde Rechtschreibung finde ich kostenlos im Internet reichlich.

Das Internet ist sicherlich eine wesentliche Herausforderung. Dennoch glaube ich, dass echter Qualitaetsjournalismus (FAZ, Zeit, taz, Sueddeutsche) als Printmedium ueberleben kann. Denn Hintergrundberichte, gut aufgemacht (hier ragt m.E. die FAZ am Sonntag heraus) lese ich lieber Print als Online. Auch absolut lokal orientierte Blaetter moegen diese Chancen haben. Und natuerlich der Boulevard.
Aber alles dazwischen wird schwierig.

18) Horst Klohocker, Freitag, 16. November 2012, 11:16 Uhr

Die Frankfurter Rundschau – eine Zeitung, welche ich ein paar Mal las vor ca. 15 Jahren als ich im Großraum Frankfurt wohnte. Besonders berauschend fand ich sie nicht und jetzt hat sich der Markt eben gegen sie entschieden, wenn ich in der neoliberalen Sprache es ausdrücken möchte.

Ich informiere mich heute Online und immer mehr Menschen in Deutschland tun dies scheinbar auch. Viele Tageszeitungen scheinen nur noch für die ältere Generation geschaffen zu sein, welchen das Internet nicht so vertraut ist. Die Frankfurter Rundschau wird wohl nicht die letzte Tageszeitung sein, welche eingestellt wird. Die Zeit ist eben eine andere geworden – nicht besser oder schlechter – nur anders!

19) wschira, Freitag, 16. November 2012, 11:47 Uhr

@17) Al Rhein

Sagen Sie mal, von welcher Zeitung sprechen Sie denn? Die FR zu einseitig links? Zum Quieken!

20) Politikverdruss, Freitag, 16. November 2012, 11:53 Uhr

Die deutsche Medienlandschaft ist verunsichert. Zeitungen verlieren dramatisch an Auflage. So z.B. die FTD. „Nur Berichterstattung auf Agenturniveau, nichts Eigenes, nichts Exklusives.“ Sind das wirklich die „Hauptgründe“, wie Michael Spreng behauptet.

Ich bin nicht überzeugt! Vielmehr erkenne ich eine innere und inhaltliche Auszehrung des Journalismus. Die Pressefreiheit ist aus dem „Inneren“ heraus und von „Außen“ bedroht. Zusätzlich zu diesen Gefahren kommt noch die politisch einseitige Selbstbindung der Journalisten. http://meedia.de/print/jeder-dritte-journalist-liebaeugelt-mit-gruenen/2012/10/29.html

Wer will denn derart „geprägte“ Presseprodukte lesen? Vielleicht noch die „eigene Klientel.“ Wer aber von politischer Einseitigkeit ungefärbte Presseprodukte sucht, wird dort kaum noch fündig. Die Medien werden hoffentlich bald begreifen, dass sie derzeit kräftig an dem Ast sägen, der sie nicht mehr lange trägt. Der Leser will ungefärbte Informationen und nicht politisch einseitige „Glaubensbekenntnisse“. Er will, dass die Vierte Gewalt gegenüber der Politik tatsächlich als Korrektiv auftritt. Und er will, dass es keine Tabuzonen gibt, über die nicht oder nur einseitig berichtet wird.

21) Winfried, Freitag, 16. November 2012, 17:47 Uhr

Zeitungen die sich als Links positionieren sind eher Propagandaentenitäten die kein Mensch mehr braucht!
Einfache Frage: Welche Zeitung erklärt die Geldsystemkrise? Keine! Wie will man Schulden zahlen wenn Geld Schulden ist?

22) Bernhard Paul, Samstag, 17. November 2012, 00:17 Uhr

Die Rundschau war für uns Gymnasiasten der Achtundsechziger-Generation vor mehr als 40 Jahren eine Faszination. Wir verglichen Sie mit der WELT. Für beide gab es Gymnasiasten-Abos. Die FR hat über ihrer großen kulturellen Funktion der Vergangenheit hinweg wohl vergessen, dass es bei allem Tun immer auch eine kaufmännische Seite gibt.

23) Journalist, Samstag, 17. November 2012, 10:43 Uhr

@ m.spreng

>> wenn sich eine Zeitung selbst aufgibt

Entscheidungen wie diese werden nicht von ‘der Zeitung’ respektive der Redaktion/Chefredaktion getroffen, sondern von der Verlagsleitung.
______________________

@ 21) Winfried, Freitag, 16. November 2012, 17:47 Uhr

>> Zeitungen die sich als Links positionieren sind eher
>> Propagandaentenitäten die kein Mensch mehr braucht!

Zeitungen, die sich rechts positionieren, auch?

24) NightCom, Samstag, 17. November 2012, 13:24 Uhr

Zeitungen und Journalismus machen sich selber überflüssig.
Wo gibt es denn noch investigativen Journalismus,
der den Leser umfassend und vor allem wahrheitsgetreu informiert ?

Da draussen gibt es jede Menge Themen, die einen Aufmacher wert währen,
wenn man die Eier hätte, denen, die da ganz oben stehen,
vors Schienbein zu treten.

Das war mal die selbstegestellte Aufgabe des Journalismus,
den Finger da drauf zu halten, wo was Übles schwärt.

Was ist daraus geworden ?
Werbesprüche für Politik und Wirtschaft.
Systemimmanente Banken … der Journalismus hat sich zum
Gehilfen der Eliten degradiert, der sabbernd dem dummen Volk die Pläne der Großen
schmackhaft macht.

Wo sind die Aufschreie der Journalisten gegen den Ausverkauf von Europa ?
Zu ACTA und Co musste man sie hintragen, kam erst höflich Kritik,
als die da oben das Projekt schon begraben.

Zeitung ‘? Journalisten ? Früher nannte man das Werbemacher.

25) manni.baum, Samstag, 17. November 2012, 14:02 Uhr

Wer sich nicht engagiert braucht sich auch nicht sonderlich informieren, vielleicht hat die Zielgruppe für FR-Leser erkannt erkannt dass der Masse der Kohl & Merkel-Wähler nicht zu helfen ist und zieht sich lieber ins Privatleben zurück.

26) DrMushnik, Samstag, 17. November 2012, 17:59 Uhr

Hier wurde bereits viel Wichtiges zur “Rundschau”-Misere gesagt. Als langjähriger Leser möchte ich noch dies beisteuern:

Allzu oft merkte man den ungeschminkten Versuch, die Leser umzuerziehen. Die widerwärtigste Form der PC lief auf den Seiten der “FR” Amok, jedes noch so absurde linke Projekt wurde hochgejubelt, Gegenstimmen totgeschwiegen und Andersdenkende diskreditiert. Ich kündigte mein FR-Abo vor einigen Jahren, nachdem der Verlag sich außerstande sah, eine regelmäßige und zuverlässige Zustellung der Zeitung innerhalb der Frankfurter Innenstadt zu gewährleisten. Der Vertrieb bot mir an, ich könne auch regelmäßig Gutscheine erhalten, um mir die FR am Kiosk aushändigen zu lassen. Kommentar überflüssig!

Solche Amateurhaftigkeit im Wirtschaftlichen – zwei Tage später riefen übrigens Abo-Werber an und wollten mich mit Elektronikprämien zum FR-Abonnement überreden – paßt zum inhaltlichen Gestümper der letzten Jahre.

Sobald man über einen Vorgang oder ein Thema Bescheid wußte, war es offenkundig, daß die FR mehr kompiliert als recherchiert wurde, daß Meinungsmache leichter war als Analyse und Bewertung von Fakten. Nicht das Tabloid-Format war das Problem, sondern die fehlenden Inhalte und der anhaltende Versuch, die Leserschaft entgegen ihrer eigenen Realitätswahrnehmung in einer engen und konfliktreichen Stadt wie Frankfurt auf eine bestimmte politische Schiene zwingen zu wollen. Ich kenne ehemalige FR-Leser, die sich irgendwann fragten, wie lange sie sich noch von der FR beschimpfen und belehren lassen sollten, und warum sie für dieses zweifelhafte Vergnügen noch bezahlen sollten.

Der alten “Rundschau”, mit der ich aufgewachsen bin, traure ich hinterher, sie ist aber längst gestorben. Persönlich sehe ich den Untergang des Blattes als gerechte Strafe für die Zerstörung des alten Rundschau-Hauses am Eschenheimer Tor, mit dem ein wichtiger Bau der 1950er-Jahre der üblichen gesichtlosen Müll-Architektur der letzten Jahre geopfert wurde.

27) Wolfgang Wabersky, Samstag, 17. November 2012, 23:37 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng!

Zu Recht beklagen sie in der bundesdeutschen Presselandschaft den „Verlust an namhaften, analyse- und meinungsstarken Journalisten”, an deren Stelle oftmals Lohnschreiber getreten sind, die lediglich die vorgegebene Meinung ihrer Verleger und Chefredakteure 1 : 1 umsetzen, die sich dabei allein nach der vermeintlichen political correctness richten. Wenn man sich vor Augen hält, was uns die Leitmedien (ich nenne stellvertretend SPIEGEL, ZEIT, FOCUS) in Bezug auf den unakzeptablen Afghanistan-Krieg, auf das Hochschreiben politischer „Heroen“ wie KTvuzG oder Steinbrück, auf die unsägliche Rettungsschirm-Politik von Merkel/Schäuble angeboten usw. besser gesagt: v o r e n t h a l t e n haben, weiß man, dass es eine kritische, unabhängige Zeitung in Deutschland nicht mehr gibt. Aufklärung, die wichtigste Aufgabe der Presse, wurde sträflichst vernachlässigt, weil für eine echte Recherche kein Geld mehr ausgegeben wird. Eine stromlinienförmige Presse, die den mainstream bedient, führt auf Dauer bei kritischen Lesern eben zu Kaufunlust und fördert das Zeitungssterben.

28) Sommerzeit 14, Dienstag, 20. November 2012, 21:26 Uhr

Das Schicksal der FR wird auch die Berliner Zeitung ereilen, denn seit der Umstellung vor einiger Zeit mutiert sie zum Boulevard-Blatt. Ich bin ein Zeitungsleser und habe 2-3 Stunden mit Lesen verbracht, jetzt ist nach 50-60 Minuten alles gegessen. Meine Kinder haben das Abo schon aufgegeben, und wir überlegen auch eine Kündigung.

29) Jakobiner, Montag, 26. November 2012, 11:22 Uhr

“Verlust an meinungs- und analysestarken Journalisten”–dass ich nicht lache.Die deutsche Presselandschaft und die öffentlich-rechtlichen Medien ist doch wirklich nicht meinungsstark–alle sind z.B. für den Euro. Alle sind für den Transatlantismus, über eine mehr euraische Ausrichtung wird nie diskutiert.Alles andere wird runtergeschrieben und Kritiker gar nicht gehört.Über Hintergründe wird zumeist gar nicht berichtet, weiterführende Szenarien oder Optionen gar nicht gebracht.Wenn man sich analytisch informieren will, dann eher im Internet bei irgendwelchen Think Tanks wie Jamestown Foundation, Hoover Institution,AEI, Brookings Institution, Heritage Foundation, SWP,International Crisis Group,etc., aber man wird wohl kaum tiefergehende Informationen bei SPIEGEL, BILD, FAZ,SZ finden.Der sogenannnte Qualitätsjournalismus ist ein Mythos, der so gar nicht existiert.

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