- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Wenn sich eine Zeitung selbst aufgibt

Natürlich ist es traurig, dass die „Frankfurter Rundschau“ eingestellt wird. Ich trauere auch, denn meine Eltern hatten sie abonniert, sie hat mich an die Politik herangeführt, und als junger Journalist bekam ich das Angebot, von der „Frankfurter Neuen Presse“ zur FR zu wechseln. Das verbindet.

Jeder Titel weniger ist ein Verlust für die Presselandschaft und die Meinungsvielfalt. Aber die FR von früher, die vielbeachtete linke und linksliberale Stimme, die Zeitung von Karl Gerold und Karl Hermann Flach, gab es schon lange nicht mehr.

Die Zeitung wurde so lange zurechtkonfektioniert, bis sie sich selbst überflüssig machte. Die vielen Geschaftsführer- und Chefredakteurswechsel, die teure und sinnlose Umstellung auf das unattraktive kleinere Format, die personelle Auszehrung, der Verlust an namhaften, analyse- und meinungsstarken Journalisten – all das konnte nur zum Niedergang führen.

Und der teuer erkaufte nationale Anspruch war seit dem Aufkommen der „taz“ nicht mehr zu verwirklichen. Die linken Milieus in den anderen Großstädten wandten sich von der „Frankfurter Rundschau“ ab.

Die Antwort auf den Auflagenverlust der Printmedien kann nur die Stärkung der journalistischen Kompetenz sein. Aber dafür war es in Frankfurt schon zu spät.

Ich erinnere mich, dass ich sie noch einige Mal kaufte, als das Ypsilanti-Desaster bundesweit Schlagzeilen machte. Ich erhoffte mir zusätzliche Informationen und Hintergründe über die Zustände in der hessischen SPD.  Aber der Kauf wurde zur bitteren Enttäuschung: nur Berichterstattung auf Agenturniveau, nichts Eigenes, nichts Exklusives.

Das sind die Hauptgründe für das Aus. Natürlich spielte auch der dramatische Niedergang des Kleinanzeigengeschäftes und die allgemeine Zeitungskrise aufgrund der Online-Konkurrenz eine Rolle. Aber nicht die ausschlaggebende.

Die „Frankfurter Rundschau“ hatte sich schon lange journalistisch aufgegeben. Deshalb ist der Verlust, über die allgemeine Trauer hinaus, auch nicht mehr groß.