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Immer diese Realität

Die Verdrängung und Leugnung der Realität gehören zu Verhaltensauffälligkeiten politischer Parteien – besonders in Wahlkampfzeiten. Oberstes Ziel ist es, erst einmal über die nächste Wahl zu kommen. Die Schönung der Lage gehört zum Wahlkampfstandard.

Deshalb leugnet zum Beispiel die FDP die soziale Realität in Deutschland und lässt aus dem Armutsbericht der Bundesregierung alle kritischen Sätze streichen. Plötzlich sind die Privatvermögen nicht mehr „sehr ungleich verteilt“, die sinkenden Reallöhne verletzen nicht länger „das Gerechtigkeitsempfinden“ und gefährden nicht den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

Was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Realitätsverdrängung ist auch in der Eurokrise zu beobsachten. Jeder halbwegs beschlagene Experte weiß, dass Griechenland ohne einen Schuldenschnitt nie mehr auf die Beine kommt. Weil aber auf den Bundeshaushalt vor der Wahl keine riesigen Milliardenbelastungen zukommen sollen, wird die Tatsache verdrängt und die Lösung auf 2014 vertagt.

Oder die SPD. Obwohl jeder mit „Grundschule Sauerland“ (Franz Müntefering) weiß, dass das Rentenniveau nicht mehr zu halten ist und deshalb deutlich sinken wird, verdrängt die Partei das Problem und verschiebt die Lösuung in die Zukunft. Nur kein Streit vor der Bundestagswahl.

Das Ergebnis ist immer dasselbe: nach der Wahl holt die Realität die Parteien ein und die Wähler zahlen die Zeche.

Dieser Artikel ist heute im Rahmen meiner wöchentlichen Kolumne für den „Berliner Kurier“ erschienen.