Mittwoch, 05. Dezember 2012, 18:47 Uhr

Steinbrück in der Grube

Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Entweder gilt für Peer Steinbrück diese alte Fußballerweisheit oder er will gar nicht Kanzler werden. Oder zumindest seine Berater wollen es nicht. Nur so ist die bizarre Abfolge von Ereignissen um Steinbrücks Vortragstätigkeit zu erklären.

Am Dienstag hatte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer Presseberichte bestätigt, wonach Steinbrück noch drei Tage vor seiner offiziellen Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten einen Vortrag auf einer Verkaufsveranstaltung der Schweizer Privatbank Sarasin halten werde. Das ginge nichts anders, weil bei einer Absage eine Konventionalstrafe drohe. Das Honorar in Höhe von 15.000 Euro wolle Steinbrück spenden.

So weit, so schlecht. Ein Musterbeispiel an politischer Instinktlosigkeit. Denn, um mit Steinbrück zu sprechen, bei einer auf deutsche Kunden spezialisierten Schweizer Privatbank lässt man besser die Steuerkavallerie einreiten und nicht einen leibhaftigen SPD-Kanzlerkandidaten, der gerade eine Anti-Banken-Wahlkampf anführen soll.

Vertragstreue hin oder her, Steinbrück hätte den Vortrag absagen müssen. Der finanzielle Schaden wäre geringer gewesen als der politische. Außerdem wird sich eine Schweizer Bank dreimal überlegen, einen SPD-Kanzlerkandidaten mit Konventionalstrafen zu traktieren.

Aber es kam noch schlimmer. Denn am Mittwoch veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ eine Meldung im Wirtschaftsteil, wonach genau diese Bank im Zentrum eines gigantischen Steuerbetrugs zu Lasten des deutschen Staates stehe. Die Büros der Bank wurden durchsucht.

Erst jetzt kapierten Steinbrück und seine Berater. dass sie den Vortrag absagen müssen. Da war es aber schon zu spät: Steinbrück sitzt in der Grube, die er selbst gegraben hat. Er stolpert bis zuletzt auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur. Was ihm an politischem Instikt fehlt, müssten seine Berater haben. Aber Steinbrück scheint von Ratlosen umzingelt zu sein.

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51 Kommentare

1) Erika, Dienstag, 11. Dezember 2012, 11:44 Uhr

@47) Satzzeichenfehler, Dienstag, 11. Dezember 2012, 07:35 Uhr

„Und deshalb wähle ich ihn nicht.“

Wir sind ein freies Land und jeder darf aus jedem Grund jemand wählen oder nicht.

Aber vielleicht sollten Sie das eine oder andere noch bedenken?

Peer Steinbrück ist 65 Jahre alt. Laut Bildzeitung:
„Daneben absolvierte Steinbrück 237 unbezahlte Vorträge – vor der Friedrich-Ebert-Stiftung, in Schulen, gemeinnützigen Organisationen. Hinzu kamen rd. 250 Veranstaltungen in seinem Wahlkreis Mettmann (NRW). Die Nebeneinkünfte erhielt Steinbrück zusätzlich zu Bezügen als Bundestagsabgeordneter: Er hat Anspruch auf 7960 Euro Diäten im Monat, die sämtlich mit Steinbrücks Pensionsansprüchen verrechnet werden. Dazu kommen 4029 Euro/Monat steuerfreie Kostenpauschale für „mandatsbedingte Ausgaben“ (z. B. Zweitwohnung, Bürokosten etc.).

Als Beamter, Ex-Staatssekretär, -Landesminister (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen), früherer NRW-Ministerpräsident und Bundesminister hat Steinbrück auch diverse Pensionsansprüche. Sie sollen sich laut Berechnungen des Bundes der Steuerzahler auf 9330 Euro belaufen, werden aber zum großen Teil verrechnet. Rentenexperten schätzen, dass Steinbrück zurzeit Anspruch auf rd. 1800 Euro Pension/Monat hat.“

Also, wenn dies so ist, wie die Bild-Zeitung schreibt, spart Herr Steinbrück dem Steuerzahler sogar Geld, weil die Diät mit der Pension verrechnet wird. Also säße ein anderer Abgeordnete an seiner Stelle, müsste eine zusätzliche Diät bezahlt werden.
Wie man auch aus dem kurzen „Bildausschnitt“ sieht, hat Herr Steinbrück auch sehr viele Vorträge (237) und vor allem in seinem Wahlkreis (ca. 250) einfach so geleistet. Interessant wäre doch, wie andere Abgeordnete hier abschneiden, weil auch dies zu den Aufgaben eines Abgeordneten gehört.
Zudem kann man davon ausgehen, dass Herr Steinbrück für seine „bezahlten“ Verträge einen nicht unerheblichen Teil an Steuern gezahlt hat.

Wenn es Herrn Steinbrück ausschließlich um Geld gehen würde, hätte er doch einfach seine Reden weiterhalten können und richtig absahnen. Schlechter stellen würde sich Steinbrück durch die Kanzlerschaft allemal.

Da Ihnen ja, das Geld des Steuerzahlers, das Wichtigste zu sein scheint, hätte ich ein Beispiel für Sie über das Sie auch nachdenken könnten. Wegen Machttaktischer Spielchen von Angela Merkel hatten wir für 18 Monate einen Bundespräsidenten, der bis zum Ende seines Lebens „Ehrensold“ in nicht unerheblicher Höhe erhält. Ich wünsche der Familie Wulff ein langes und angehmes Leben, aber der „Machtwille“ von Angela Merkel wird den Steuerzahler noch einiges kosten.

Also, wenn „Schlechtleistung“, dann nicht nur bei Steinbrück.

2) Erwin Gabriel, Mittwoch, 12. Dezember 2012, 13:25 Uhr

@ 47) Satzzeichenfehler, Dienstag, 11. Dezember 2012, 07:35 Uhr

>> Ich bin Steuerzahler. Und Wähler. Und als solche kann ich mir das
>> ganz einfach machen, das mit dem Steinbrück.

Ja. Ob Wähler oder nicht, einfach machen kann es sich jeder, der will.

>> Das wofür er von mir, vom Steuerzahler bezahlt wurde
>> hat Steinbrück allenfalls teilweise geleistet, er war selten in
>> Bundestagssitzungen …..

Sehr eigenartige Argumentation, weil …

… Peer Steinbrück wie alle anderen Abgeordneten nicht für seinen Arsch bezahlt wird, sondern für seinen Kopf. Die reine Aufenthaltszeit im Plenum ist also nicht ausschlaggebend für die geleistete Arbeit.

… es viele andere Abgeordnete gibt, die ebenfalls aus unterschiedlichen Gründen fehlen. Sich nur auf Peer Steinbrück einzuschießen, weil man den Namen gerade kennt, geht also am Problem vorbei (so es überhaupt ein Problem gibt / ist).

… Peer Steinbrück auch als Redner im Sinne der Partei / des Bundestags / Deutschlands wirkt, nicht nur als Im-Bundestag-Sitzer (immerhin hat er für zwei bezahlte Reden sieben unbezahlte Reden gehalten)

… Sie gar nicht beurteilen können, zu welcher Zeit Peer Steinbrück seine Reden gehalten hat, mithin auch nicht sagen können, inwieweit er seine „Pflichten“ als Bundestagsabgeordneter überhaupt vernachlässigt hat.

etc etc etc

Aber wie heißt es so schön: Lassen wir doch die Fakten einfach mal beiseite.

Wie Sie zurecht schrieben, kann man es sich als Wähler auch leicht machen. Und da Sie da nciht der Einzige sind, geht es hier im Land eben zu, wie es zugeht.

Nix für ungut.

E.G:

3) riskro, Mittwoch, 12. Dezember 2012, 17:20 Uhr

26) Anonym, Donnerstag, 06. Dezember 2012, 20:48 Uhr schreibt:

Die Performance von Herrn Steinbrück war nie schlechter als jetzt, wo er Kanzlerkandidat ist. Das ist ziemlich traurig, denn es beweist, dass er, sobald er im Mittelpunkt des Interesses steht, einer moralischen Durchleuchtung nicht standhält. Man kann ja Angela Merkel viel vorwerfen (was, auch Sie, Herr Spreng, wiederholt getan haben), aber Sie vermeidet zumindest erfolgreich eine enge Verwicklung in die Wirtschaft. Ende

Ihre Verwicklungen werden (siehe Geburtstagsprty für Ackermann) von den gesteuerten Medien nicht aufgegriffen, daran liegt es, nicht in einer angeblichen Vermeidung. Steter Tropfen höhlt den Stein!

4) karl august, Sonntag, 06. Januar 2013, 17:56 Uhr

Steinbrück ein gewissenloser Mensch; eine Schande für Deutschland!

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