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Steinbrück in der Grube

Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Entweder gilt für Peer Steinbrück diese alte Fußballerweisheit oder er will gar nicht Kanzler werden. Oder zumindest seine Berater wollen es nicht. Nur so ist die bizarre Abfolge von Ereignissen um Steinbrücks Vortragstätigkeit zu erklären.

Am Dienstag hatte Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer Presseberichte bestätigt, wonach Steinbrück noch drei Tage vor seiner offiziellen Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten einen Vortrag auf einer Verkaufsveranstaltung der Schweizer Privatbank Sarasin halten werde. Das ginge nichts anders, weil bei einer Absage eine Konventionalstrafe drohe. Das Honorar in Höhe von 15.000 Euro wolle Steinbrück spenden.

So weit, so schlecht. Ein Musterbeispiel an politischer Instinktlosigkeit. Denn, um mit Steinbrück zu sprechen, bei einer auf deutsche Kunden spezialisierten Schweizer Privatbank lässt man besser die Steuerkavallerie einreiten und nicht einen leibhaftigen SPD-Kanzlerkandidaten, der gerade eine Anti-Banken-Wahlkampf anführen soll.

Vertragstreue hin oder her, Steinbrück hätte den Vortrag absagen müssen. Der finanzielle Schaden wäre geringer gewesen als der politische. Außerdem wird sich eine Schweizer Bank dreimal überlegen, einen SPD-Kanzlerkandidaten mit Konventionalstrafen zu traktieren.

Aber es kam noch schlimmer. Denn am Mittwoch veröffentlichte die “Süddeutsche Zeitung” eine Meldung im Wirtschaftsteil, wonach genau diese Bank im Zentrum eines gigantischen Steuerbetrugs zu Lasten des deutschen Staates stehe. Die Büros der Bank wurden durchsucht.

Erst jetzt kapierten Steinbrück und seine Berater. dass sie den Vortrag absagen müssen. Da war es aber schon zu spät: Steinbrück sitzt in der Grube, die er selbst gegraben hat. Er stolpert bis zuletzt auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur. Was ihm an politischem Instikt fehlt, müssten seine Berater haben. Aber Steinbrück scheint von Ratlosen umzingelt zu sein.