Sonntag, 16. Dezember 2012, 13:45 Uhr

Wie die Deutsche Bank Anstand vorlebt

Es gibt Unternehmen, die beschäftigen ehemalige Hacker als Sicherheitsbeauftragte für ihre Computersysteme, weil die am besten wissen, wie man ihre Firewalls knackt. Folgt man dieser Logik und der Logik von Roland Berger, der „Berater-Legende“ (Bild am Sonntag), dann ist Anshu Jain genau der richtige Chef der Deutschen Bank. Denn, so Berger , „er weiß aus eigenem Erleben, was wo und warum schief gelaufen ist“.

Eine wunderbare Umschreibung dafür, dass Jain und seine Leute für fast alle üblen Geschäfte und Skandale verantwortlich sind, die heute die Deutsche Bank belasten.

Angefangen vom Geschäft mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken, mit dem eine Tochter der Deutschen Bank tausende Menschen ins Unglück stürzte, dem Schnüren fauler Kreditpakete, über den Handel mit dubiosen Kreditausfallversicherungen, die Manipulation des Geldmarktsatzes Libor, bis zu dem Milliarden-Steuerbetrug mit Verschmutzungszertifikaten.

Immer waren es Jain und seine Leute. Allein in den USA laufen mehrere Betrugsverfahren. Nur für den finalen Abschuss des Medienunternehmers Leo Kirch, der die Deutsche Bank mindestens eine Milliarde kosten dürfte, kann Jain nichts. Dafür war der  selbstherrliche Rolf Breuer verantwortlich, Vorvorgänger von Jain.

Aber, so Berger, Jain lebe, „geprägt von seiner Religion Leistung, Verantwortlichkeit, Anstand und persönliche Bescheidenheit vor“. Auch sein Co-Vorstandsvorsitzender  Jürgen Fitschen, gegen den jetzt ermittelt wird, „beweist seit Jahrzehnten, dass Bankgeschäft, Moral und Anstand keine Gegensätze sein müssen“.

Deshalb, so Berger, brauche die Deutsche Bank „gerade jetzt das Vertrauen der Deutschen. Sie hat es verdient“. Wirklichkeitsfremder kann eine Einschätzung kaum sein.

Da aber Berger kein dummer Mann ist, kann seine Einlassung nur so interpretiert werden, dass es tatsächlich schlecht um die Deutsche Bank steht und er helfen will, zu retten, was noch zu retten ist.

Was die Deutsche Bank betrifft, kann man das vielleicht noch nachvollziehen, denn sie ist die einzige deutsche Bank von Weltrang. Was aber ihre Vorstandschefs betrifft, ist Bergers Plädoyer völlig unverständlich.

Denn sie sind eindeutig die Falschen an der Spitze. Josef Ackermann, selbst kein Unschuldslamm,  wusste offenbar mehr, als er Jain als Vorstandschef unbedingt verhindern wollte. Hätte der Aufsichtsrat nur auf ihn  gehört.

Nimmt die Deutsche Bank den versprochenen Kulturwandel ernst, dann muss sie einen Neustart versuchen – mit unbelasteten Chefs.

Wenn man alle anderen Bank-Skandale hinzuaddiert, von der Geldwäsche der Bank HSBC für mexikanische Drogenbosse bis zur massiven Beihilfe schweizer Banken für deutsche Steuerbetrüger, dann scheint die SPD mit ihrem ursprünglich geplanten Kampagne gegen die Banken und für eine schärfere Aufsicht und Regulierung gar nicht so falsch zu liegen.

Schade, dass man darüber von Peer Steinbrück kaum noch etwas hört.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

75 Kommentare

1) StefanP, Freitag, 21. Dezember 2012, 22:10 Uhr

@46) Erwin Gabriel

Außerhalb der Naturwissenschaften funktioniert kein System perfekt. Das wiederum liegt in der Natur des Menschen. Und dass die Schädiger eines Systems nicht automatisch zur Verantwortung gezogen werden, liegt an unserer menschlichen Neigung zum Ausgleich.

Gut kann man das jetzt wieder an der Staatsschuldenkrise beobachten, wo sämltiche vereinbarten Regeln außer Kraft gesetzt werden und die Schädiger, konkret die Südländer, nicht für ihre Schulden bezahlen müssen.

2) Bernhard Paul, Freitag, 21. Dezember 2012, 23:25 Uhr

@46) Erwin Gabriel

Entscheidend ist Ihr letzter Satz: „Was nützt ein System, das durch Fehler und moralisches Fehlverhalten jederzeit ausgehebelt werden kann?“ Und: Dass die Profiteure nie die Zeche zahlen.

Die Bankvorstände haben uns über viele Jahre erzählt, dass das System in Ordnung ist, dass die Moral ihrer Häuser in Ordnung ist, dass es eine Weltfinanzkrise und eine daraus entstehende Wirtschaftskrise wie 1929 niemals mehr geben kann. Und was ist passiert?

Vor dem GAU hatten sie mit ihrer Märchenerzählerei bei Politikern wie Margret Thatcher oder Bill Clinton die Entfesselung der Finanzmärkte erreicht, mit allen bekannten Folgen.

Ich habe es auch lange nicht geglaubt, dass es diese Zockerei in der Weltfinanz gibt. Und doch war und ist es so. „Und sie zocken schon wieder!“ Wer hat das erst kürzlich gesagt?

Theoretiker Stefan P. hat für alles ein Theorem, auf alles eine Antwort, auch da, wo es längst keine mehr gibt.

Es waren und es sind nicht die lokalen Geldinstitute, wie Stefan P. weiter oben zu erklären sucht. Das sind Ameisen im Getriebe der Weltfinanz, die so ein Casino niemals zum Einsturz bringen könnten.

Ich erinnere auch an Hans- Werner Sinns Ausspruch vom „Casino-Kapitalismus“. Damit meinte er die Großbanken, Hedgefonds und manchen Versicherungskonzern.

Aber nunmehr soll Schluss sein. Spreng hat längst ein neues Themenfeld eröffnet.

FROHE WEIHNACHTEN allerseits!

3) StefanP, Samstag, 22. Dezember 2012, 12:15 Uhr

@47) Doktor Hong

Endlich begehen Sie den Fehler, zu offensichtlich vom gewünschten Resultat her zu argumentieren, wodurch Bilder schief werden. 😉 Ich versuche dennoch, den Streit kurz zu halten.

Schiefes Bild

Sie vergleichen Investmentbanken mit Ferrari-Fahrern, die auf der Autobahn dahinbrettern. Doch wer hat die Rennstrecken gebaut? Richtig, dafür sind die Autobauer (Kreditinstitute) zuständig. Der Staat beschreibt die Anforderungen an die Pisten, er vergibt die Aufträge, doch gebaut wird privat. Außerdem: Investmentbanker fahren nicht Ferrari, sondern Luxus-SUV und Porsche. Sie beklagen, dass die Straßenbauer Vorteile hätten, weil sie exakt die Streckenführung kennen. Sie wollen ihnen jedoch nicht das Fahren (Eigenhandel) untersagen, was man nachvollziehen könnte. Stattdessen plädieren Sie für Spezialisierung und die Trennung in Autobahn- und sonstige Straßenbauer, das gäbe mehr Stabilität. Wenn der Autobahnbauer sich verhebt, gibt es immer noch die anderen. Tatsächlich haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass das Gemischte stabiler ist.

In den USA und Spanien haben öffentliche Institute ihr originäres Geschäft betrieben, nämlich Hypothekenfinanzierung. Doch aus politischen Gründen und wegen der Geldschwemme haben sie die Vergabekriterien extrem gedehnt. Andere Finanzinstitute haben diese Subprimes in den USA aufgekauft.

Vermischung von Kompetenzen

Zentralbankgeld entziehen Sie dem Kreislauf, indem Sie Steuern erhöhen und Anleihen abbezahlen.
Da vermischen Sie ganz kräftig Verantwortlichkeiten. Für die Steuerung der Geldmenge waren und sind selbst in so unseriösen Staaten wie Italien oder Frankreich die Zentralbanken zuständig. Wird die Geldmenge zu groß oder kommt es zur Kreditklemme, haben sie die Instrumente. Die Staatsverschuldung ist nicht entstanden wegen einer Kreditschwemme, gerade in Deutschland hat die Bundesbank jahrzehntelang gewarnt. Die Bürger wollten mehr staatliche Leistungen als sie Steuern zu bezahlen bereit waren, oder umgekehrt. Staatsanleihen sind die Überschreibung zukünftiger Steuererträge. Dann muss das so gemacht werden. Aber das heißt, bei einem nicht ausgeglichenen Haushalt verschuldet sich die Gesellschaft auf Kosten der eigenen Kinder. Das sagen übrigens Neoliberale. 🙂

Vermischung von Ideologien

Geldversorgung billig machen: Sorry, das ist eine keynesianische Ansicht, Neoliberale plädieren für die Neutralität der Geldpolitik.
Steuern senken: Ich habe Friedrich August von Hayeks Klassiker Der Weg zur Knechtschaft gelesen, dort kommen der Begriff Steuern und die Forderung Steuern senken nicht vor. In diesem Sinne verstehe ich Neoliberalismus.
Schulden dem Staat aufbürden: Der Neoliberalismus plädiert im Gegensatz zu seinem Konkurrent, dem Keynesianismus, gegen öffentliche Verschuldung, weder zur Konjunktursteuerung, noch zur Finanzierung von Sozialleistungen.
Anreize schaffen: Jetzt sind Sie voll bei Keynes!

4) Erwin Gabriel, Samstag, 22. Dezember 2012, 12:52 Uhr

@ 48) StefanP, Freitag, 21. Dezember 2012, 22:10 Uhr

>> Außerhalb der Naturwissenschaften funktioniert kein System perfekt.
>> Das wiederum liegt in der Natur des Menschen. Und dass die Schädiger
>> eines Systems nicht automatisch zur Verantwortung gezogen werden,
>> liegt an unserer menschlichen Neigung zum Ausgleich.

Es stimmt, dass kein System perfekt funktioniert – da ist sie wieder, die griffige und sachlich richtige, Theorie, die trotzdem ein wenig in die Irre leitet. Denn das heißt sinngemäß: Wir werden nie ein perfektes Weiß hinkriegen, wir müssen hinnehmen, dass es auch mal Schwarz gibt.

Wenn man perfektes Weiß nicht bekommen kann, kann man dennoch ein sehr helles Grau anstreben und Schwarz verhindern.

Allen einen schönen Gruß

5) Doktor Hong, Samstag, 22. Dezember 2012, 19:48 Uhr

@ 50) StefanP

Ich will mir durchaus nicht anmaßen zu meinen, ich hätte die Lösung für eine Streitfrage, die die Experten unter sich noch nicht entschieden haben.

Ich beurteile Argumentationen außerhalb meines Kompetenzbereiches ausschließlich nach logischer Schlüssigkeit.

Da ich auch kein Gebrauchtwagenverkäufer im karierten Sportsakko bin, bin ich auch nicht besonders darüber informiert, welche Fahrzeuge von welchen Kundengruppen bevorzugt werden, da irrelevant für mich und mein Auskommen.

Ich gestehe Ihnen auch gerne eine größere Allgemeinbildung bezüglich der Lektüre ökonomischer Klassiker zu. Zumindest kenne ich die Werke von Keynes nicht auswendig, aber ich war immer der Ansicht, eine seiner Grundansichten ist es gewesen, dass bei privater Nachfrageschwäche der Staat als Nachfrager in Erscheinung treten soll, um Konjunkturschwankungen abzufedern.

Wie dem auch sei: zwei Anmerkungen hätte ich doch noch zu machen.

Wenn eine Bank in den USA, meinetwegen auch aus politischen Gründen, Hypotheken verkloppt als gäbe es kein Morgen, dann ist das eine Sache. Wenn dann ein Schuldner der Little Shithole Valley Loan&Savings Bank in Kentucky ausfällt – wen interessiert’s? Wie wird daraus eine globale Finanzkrise?

Man schnürt aus den Einzelhypotheken „Asset Backed Securities“ – total sicher, da ja „Realwerte“ dahinter stehen, lässt sie von den Rating-Agenturen mit AAA-Doppelplus mit Currywurst und Pommes ausstatten, und verkauft sie in alle Welt; an deutsche Landeszentralbanken, Hypo Real Estate und wie sie alle heißen. Das waren aber nicht die kleinen Sparkassen, sondern Riesen wie Goldman Sachs oder Lehman Brothers.

Und wenn diese Konstruktionen dann krachen, war es die Schuld der dummen öffentlichen Banker.

Daher attestiere ich Ihnen:

Vermischung der Aktivitäten von Hypotheken- und Investmentbanken

Was Ihren Passus über „Vermischung von Kompetenzen“ angeht, so habe ich die Kühnheit zu behaupten, dass ich rein gar nichts vermische.

Indem die Zentralbank der öffentlichen Hand oder einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt, steigt die zirkulierende Geldmenge genau um den Kreditbetrag, denn die Zentralbank bezahlt das Geld durch eine Forderung gegen sich selbst, per Bilanzverlängerung. Wird ein Kredit zurückgezahlt, verschwindet dieses Geld wieder.

Das hat mit Kompetenzen und Geldpolitik nicht das geringste zu tun, sondern beschreibt einfach die buchungstechnischen Vorgänge. Sehen Sie, seit 1971 gibt es keinen Goldstandard mehr. 😉

Wenn also ein Staat netto mehr Schulden zurückzahlt als er aufnimmt, entzieht er dem Wirtschaftskreislauf Zentralbankgeld, es sei denn, Private oder Ausland verschulden sich umso mehr. Ist das nicht der Fall, ist die Schuldenrückführung in zu kurzer Zeit deflatorisch. Und das ist ganz genau das, was wir in Griechenland beobachten: Kontraktion der Wirtschaft durch Austeritätspolitik.

Gleichzeitig haben wir in der Finanzkrise das genaue Gegenteil gemacht und sind eine historisch hohe Nettoneuverschuldung eingegangen. Während Griechenland am Boden liegt, stehen wir ganz gut da.

Allerdings befürchte ich, damit nur ein wenig mehr Zeit gewonnen zu haben – denn an „free lunches“ glaube ich auch nicht. Irgendwer bezahlt immer.

6) Doktor Hong, Samstag, 22. Dezember 2012, 19:58 Uhr

@51) Erwin Gabriel

Sie sagen es.

„Da man Kriminalität nie ganz verhindern kann, braucht man eigentlich keine Polizei. Wir geben den Waffenhandel in Supermärkten frei und vertrauen auf die Eigenverantwortung der Kriminellen, Maschinenpistolen, Sprengstoffe und Nuklearwaffen verantwortlich zu gebrauchen.“

Eigentlich möchte man meinen, diese Art der bescheuerten Logik sei einfach zu durchschauen.

7) StefanP, Sonntag, 23. Dezember 2012, 11:12 Uhr

@52) Doktor Hong

Wenn also ein Staat netto mehr Schulden zurückzahlt als er aufnimmt, entzieht er dem Wirtschaftskreislauf Zentralbankgeld, es sei denn, Private oder Ausland verschulden sich umso mehr. Ist das nicht der Fall, ist die Schuldenrückführung in zu kurzer Zeit deflatorisch.

Haben Sie sich das angelesen? Am Besten von „linken“ Wissenschaftlern? Spielen wir Nationalökonomie (Annahme: stabile Geldmenge):

Ich habe ein Einkommen von 100, das mir mein Auftraggeber in Sichteinlagen auszahlt. Hiervon begleiche ich meine Steuerschuld von 50. Gleichzeitig halte ich eine Staatsanleihe in Höhe von 20. Aufgrund der sehr stark sprudelnden Steuereinnahmen zahlt der Staat von meinen Steuerzahlungen 20 an die fällig werdende Anleihe und nimmt sonst keine Schulden auf. Jetzt habe ich also genau 70. Die nehme ich und trage sie jedoch nicht zur EZB, sondern beteilige mich eigenkapitalmäßig an einem mir vielversprechenden jungen Start-up-Unternehmen.

Sie verstehen, ich sehe hier nicht, wo Liquidität dem Geldkreislauf entzogen worden wäre. An der Stelle können mir regelmäßig diejenigen, die „Ihre“ Theorie vortragen, nicht erklären. Erklärbär sprachlos.

Und das ist ganz genau das, was wir in Griechenland beobachten: Kontraktion der Wirtschaft durch Austeritätspolitik.

Dann erklären Sie mir doch bitte, warum Griechenland dennoch immer noch eine Nettoneuverschuldung aufweist. Nach ihrer Darstellung verhält sich die hellenische Fiskalpolitik ja gerade nicht kontraktiv und dennoch schrumpft die Wirtschaft. Muss man nun, um diesen Effekt zu vermeiden, ein besonders hohes Defizit aufweisen?

Klar, und das habe ich bereits zugestanden, ohne den Verkauf von Subprime-Titeln zur Kapitalanlage hätte es wahrscheinlich keine weltweite Finanzkrise gegeben. Aber erstens verhindern Sie das nicht mit einem Trennbanksystem, wie von Ihnen behauptet, und zweitens vermeiden Sie die Lösung des Kernproblems, nämlich von Wirtschaftssteuerung mittels Geldpolitik. Das erinnert mich an die typische Politik: tue viel, beschließe eine Unmenge an Gesetzen, Verboten, Überwachungen und Subventionen. Irgendetwas wird schon funktionieren.

8) Günter Springer, Montag, 24. Dezember 2012, 09:46 Uhr

54) StefanP,
es wäre ein Wunder, hätten Sie nicht das letzte Wort.

9) Bernhard Paul, Montag, 24. Dezember 2012, 14:20 Uhr

Kurz, bevor das Christkind kommt, muss ich mich doch nochmals zu Wort melden.

Lieber Stefan P.

Sie argumentieren ungenau, wie im übrigen öfter mal, wenn Sie Ihre Theorien placieren wollen. Doktor Hong spricht von Zentralbankgeld, Sie setzen dafür den Begriff Liquidität ein. Dass dies ein himmelweiter Unterschied ist, lernt der Oberschüler im ersten Kurs Volkswirtschaftslehre. Mit einem Kniff wollen Sie Ihren Kontrahenten ins Leere laufen lassen.

Wenn Zentralbankgeld aus dem Geldkreislauf zurückfließt, zum Beispiel zum Schuldenabbau, bleibt trotzdem die Liqudität eines Wirtschafts- und Staatssystems in vollem Umfang erhalten, sie kann sich sogar erhöhen.

Noch ein Satz zum Trennbankensystem: Man kann den Schnitt auch woanders ansetzen, nicht zwischem dem klassischen Bankgeschäft von Krediten und Anlagen und dem großen Bereich des Investmentbankings, weil niemand bezweifelt, dass Investmentbanking sinnvoll und notwendig ist. Entscheidend ist, dass der wilde Derivate- und Zertifikatehandel und vor allem der Eigenhandel, der ausschließlich der Profitmehrung eines Finanzinstituts dient, abgetrennt wird und seinem Schicksal überlassen bleibt.

Die Großbanken können, weil sie allen ihren Kunden gegenüber einen klaren Informationsvorsprung haben und wenn sie nicht deren Wohl im Auge haben, setzen und zocken wie sie wollen. Sie sind immer auf der Gewinnerseite – es sei denn, sie lassen sich selbst übertölpeln und toxische Papiere andrehen, was natürlich in der Zeit der Gier auch geschehen ist. Beispiele haben wir beide genannt.

Im übrgen ist meine Frage unbeantwortet, warum die internationale Großfinanz 65 Jahre lang mit dem Trennbankensystem funktioniert hat und schon wenige Jahre nach dessen Abschaffung in die größte Krise seit 75 Jahren geriet.

FROHE WEIHNACHTEN!

10) Bernhard Paul, Montag, 24. Dezember 2012, 15:56 Uhr

@Stefan P. und Doktor Hong

Giechenland ist natürlich ein schlechtes Exempel. Die massive Staatsverschuldung (im übrigen über Jahre hin verschleiert mit Hilfe der Großbank Goldman Sachs, die daran prächtig verdiente – soweit wieder zur Moral der Banken) hat das Land in den Schlamassel gebracht, die unmittelbar aktuellen Probleme sind aber auf die drastischen Spamaßnahmen zurückzuführen. Der griechische Staat hat seine Ausgabenpolitik damatisch zurückgefahren, was sich auf Wirtschaft, Löhne, Gehälter, Konsum auswirkt und breite Schichten verarmen lässt. Hier wurde tatsächlich Liquidität entzogen.

Hingegen bedeutet der Schuldenrückkauf der 30 Mrd. Euro zum Preis von zehn durchaus eine Stärkung der Liquidität.

11) Erwin Gabriel, Dienstag, 25. Dezember 2012, 11:40 Uhr

54) StefanP, Sonntag, 23. Dezember 2012, 11:12 Uhr

Wie schon mal erwähnt bin ich für jede Lösung zu haben, die die offenkundigen Probleme löst. Wie sähe denn Ihr praktikabler Vorschlag aus?

Aber binden Sie mir keinen Bären auf. 🙂

12) StefanP, Dienstag, 25. Dezember 2012, 17:22 Uhr

@55) Günter Springer
@56) Bernhard Paul
@58) Erwin Gabriel
@Doktor Hong ehrenhalber

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest und bedanke mich für den Respekt, den Sie mir entgegen bringen. Er wird erwidert.

Ich habe nicht für alles eine Lösung, ich wehre mich nur gegen die einfachen, in diesem und mit Sicherheit auch im neuen Jahr. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, ich habe bei weitem nicht immer Recht.

Goldman Sachs hat die griechische Regierung nach dem Eurobeitritt kurzzeitig beraten und nach allem, was man weiß, nichts in irgendeiner Form Illegitimes getan. Dann sollte man auch nicht den gegenteiligen Eindruck erwecken wollen. Genauso gut könnte man die vielen Netzseiten beschuldigen, sie hülfen, das Sozialsystem auszubeuten.

Doktor Hong behauptete, durch höhere Steuern würde Zentralbankgeld eingezogen, was dem Abbau von Liquidität entspricht. Dabei tat er, als wären Zentralbank und Staat / Regierung das Gleiche. In diesem Zusammenhang war Zentralbankgeld und Liquidität gleichzusetzen.

13) StefanP, Dienstag, 25. Dezember 2012, 17:31 Uhr

@56) Bernhard Paul

Im übrgen ist meine Frage unbeantwortet, warum die internationale Großfinanz 65 Jahre lang mit dem Trennbankensystem funktioniert hat und schon wenige Jahre nach dessen Abschaffung in die größte Krise seit 75 Jahren geriet.

Die Frage hatte ich nach meiner Überzeugung beantwortet. Anhand der Fakten kann man die Aufhebung der Trennung, die es übrigens in Deutschland und anderen europäischen Ländern so nicht gegeben hat, als ursächlich für die Krise ansehen. Zudem haben sich gerade reine Investmentbanken als besonders instabil erwiesen. Und auch in der Asienkrise, eine sehr große Finanzkrise, war diese Frage nicht vordringlich.

14) Bernhard Paul, Mittwoch, 26. Dezember 2012, 11:09 Uhr

@ 59) StefanP,

Ich hoffe, dass Sie ein schönes Weihnachtsfest haben, muss aber den Eindruck korrigieren, als habe Goldman Sachs nicht erheblich mitgeholfen, die griechische Schuldenkrise zu eigenem Gewinn zu verschleiern. Das wissen natürlich nur Insider, und einer dieser Insider ist der berühmt gewordene Greg Smith, der Goldman Sachs wegen seiner amoralischen Unersättlichkeit verließ. Smith beschreibt auch das Griechenland-Engagement von GS und seine illegalen Praktiken dabei.

15) StefanP, Mittwoch, 26. Dezember 2012, 17:36 Uhr

@61) Bernhard Paul

Also, ich darf meiner Verwunderung über Ihre Argumentationsstrategie Ausdruck geben. Ich hatte Ihre Ursprungsbehauptung bezüglich Goldman Sachs angezweifelt. Das ist dann immer der Zeitpunkt nachzulegen, Fakten und Quellen zu nennen. Stattdessen bleiben Sie wie gehabt im Ungefähren und bieten zu viel Angriffsfläche. Im Fußball wird eine Mannschaft, die so agiert, durch schnelles Umschaltspiel und Diagonalpässe auf die Flügel zerlegt. Widmen wir uns daher Satz für Satz Ihrer Argumentation:

[Ich] muss aber den Eindruck korrigieren, als habe Goldman Sachs nicht erheblich mitgeholfen, die griechische Schuldenkrise zu eigenem Gewinn zu verschleiern.

Was ist wesentlich? Wir reden über das Steuerjahr 2002, damals betrug die griechische Staatsschuld 159 Mrd. EUR, fürwahr ein dicker Brocken. Goldman Sachs verschaffte damals dem griechischen Finanzminister mittels Swap-Geschäften über 10 Mrd. Dollar einen zusätzlichen Kredit von 1 Mrd. Dollar, der nicht in der Staatsschuld auftauchte. Bei Währungsparität sind das 6 Promille oder 0,6% der damaligen Staatsschuld Athens. Nun kann man sicher streiten, wann wesentlich anfängt, die EU, amerikanische SEC und der deutsche Gesetzgeber sprechen von wesentlich bei Anteilen von 20% und mehr. Nach diesen Kriterien haben Sie maßlos in Zeit und Höhe übertrieben. Oder anders ausgedrückt, Ihr Satz ist falsch.

Smith beschreibt auch das Griechenland-Engagement von GS und seine illegalen Praktiken dabei.

Lassen wir die Frage beiseite, wie glaubwürdig ein ehemaliger Mitarbeiter ist, das wird im Netz ja weitreichend diskutiert. Seinen Resignation Letter veröffentlichte er damals in der New York Times und nach deutschem Arbeitsrecht würde dies schon die fristlose Kündigung und ggf. nach BGB Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Jedenfalls, in dem Kündigungsschreiben findet sich kein einziges Mal das Wort „Greece“. Auch sonst passen bei Google die Kombinationen „Greg Smith“, „Goldman Sachs“ und „Greece“ nicht so zusammen.

Meines Wissens ist nirgends Anklage gegen Goldman Sachs erhoben worden wegen illegaler Praktiken, noch hat Eurostat behauptet, das Manöver wäre statistisch falsch bilanziert. Angesichts Ihrer sehr schwerwiegenden Behauptung muss man also auch hier zu dem Schluss kommen: Falsch im Wortsinne und falsch in der Darstellung.

P.S.: Das von Ihnen verwandte „erheblich“ ist unbestimmter Rechtsbegriff, den ich mit dem gesetzlich definierten „wesentlich“ gleich gesetzt habe.

16) Bernhard Paul, Mittwoch, 26. Dezember 2012, 21:29 Uhr

@62)StefanP

Danke, dass Sie mir nochmals die Möglichkeit zur Replik geben.

Greg Smith und seine Publikationen oder der Untersuchungsbericht des US-Senats sind längst nicht die einzigen Quellen. Zu meiner eigenen Überraschung findet man im Internet sehr viel mehr dazu als ich angenommen habe. Die Eingabe der Stichwörter „Goldman Sachs“ und „Griechenland“ bei Google genügt.

Goldman Sachs hat dem Staat Griechenland, der den Eintritt in die Eurozone definitiv nicht geschafft hätte, in einem Ausmaß geholfen, das wahre Schuldenmaß zu verschleiern, unter anderem über Derivate, dass Griechenland diese Hürde übersprang. Es war also „erheblich“ oder „wesentlich“, keineswegs im Promillebereich – und weder den Regeln noch der Gesetzeslage der EU entsprechend, also illegal.

Wer sollte oder könnte in der jetzigen Situation eine Klage gegen Goldman Sachs anstrengen? Doch nur die EU. Die hat daran kein Interesse, weil sie ihre eigenen dicken Fehler aufdecken und anklagen müsste. Es wäre nicht auszuschließen, dass sich in diesem delikaten Fall das Blatt vollständig nicht nur politisch, sondern auch juristisch gegen die EU wendete.

Eurostat spielt in diesem Prozess keine Rolle. Eurostat ist eine EU-Behörde zur Erstellung von Statistiken auf der Grundlage verfügbarer Daten und hat nicht die Aufgabe, zu prüfen, ob diese Daten auch gefälscht sein könnten.

Da Sie ein Mann der Wirtschaft sind, womöglich auch des Bankwesens, mit neoliberaler Grundhaltung, verteidigen Sie aus Ihrer Sicht zu Recht die marktwirtschaftliche Grundordnung in ihren Auswüchsen auch noch in jenen sensibelsten Bereichen, wo sie aufgrund rasanter Deregulierung längst zum Raubtier- oder Casinokapitalismus geworden ist, der wieder eingefangen werden muss. Ich begrüße es sehr, wenn gute Geschäfte gemacht werden, in welchen Größenordnungen auch immer. Aber sie sollten nicht vollends in die Sittenwidrigkeit abgleiten. Das ist in der internationalen Großfinanz passiert.

17) StefanP, Donnerstag, 27. Dezember 2012, 09:49 Uhr

@63) Bernhard Paul

Wir kommen in der Debatte nicht weiter, wenn Sie fast wortwörtlich wiederholen, was Sie bereits gesagt haben. Natürlich kommt man über die Stichworte „Goldman Sachs“, „Griechenland“ zu vielen Artikeln, was denn sonst? So habe ich schließlich den verlinkten Spiegel-Artikel gefunden. Den Minimum-Intelligenztest habe ich also bestanden. Sie haben jedoch behauptet, Greg Smith habe sich ausführlich dazu geäußert, das ist allerdings eine Sackgasse.

Auf den verfügbaren seriösen Seiten werden wie von mir nur die Werte 10 / 1 Mrd. Dollar genannt, das ist in Relation zur Staatsverschuldung Griechenlands nicht wesentlich. Falls Sie anderes vorlegen können, tun Sie das bitte. Aber wir spielen nicht Ping-Pong.

Goldman Sachs wurde 2002 engagiert, zu einer Zeit, als Griechenland längst im Euro war. Sie konnten also unmöglich an der Verschleierung der Verschuldung zur Erreichung des Beitritts mitgewirkt haben. Über den Beitritt wurde 1998 entschieden.

In einem Rechtsstaat gehört es sich, bei einem Rechtsverstoß dem Beschuldigten die Rechtsnorm vorzuhalten. Die gibt es nicht. Eurostat ist sehr wohl berechtigt, sich zu Bilanzierungen zu äußern. Bei diesem extrem populären Fall haben die Statistiker dies unterlassen.

Ein interner Untersuchungsbericht von Goldman Sachs, der Bloomberg zugespielt wurde, legt offen, dass Greg Smith nur wenige Monate vor seinem spektakulären Ausscheiden eine Verdoppelung seines Gehalts auf 1 Millionen US-$ sowie eine Beförderung verlangt hatte, die er beide nicht bekam. Nun macht er große Kasse mit einem Buch. Ein solcher Ex-Mitarbeiter ist natürlich besonders glaubwürdig.

Sie nennen trotz Wiederholung kein einziges Fakt, daher sollten wir es an dieser Stelle gut sein lassen.

18) Bernhard Paul, Donnerstag, 27. Dezember 2012, 18:16 Uhr

@ 64) StefanP

Ihre Fakten sind unrichtig.

Griechenland kam 2001 in die Eurozone, über den Beitritt wurde 2000 entschieden – vorerst mit Vorbehalten, weil mittlerweile schwerste Zweifel an der Korrektheit der griechischen Haushaltszahlen aufgetaucht waren.

Zu diesem Zeitpunkt trat Goldman Sachs als Deus ex Machina auf den Plan und rechnete die griechischen Zahlen schön, indem es knapp 3 Milliarden Euro der Jahresverschuldung über Derivate im internationalen Finanzkreislauf verschwinden ließ. Der Deal wurde für Griechenland zum Fiasko, die Schulden alleine an diesem Deal verdoppelten sich auf 5,7 Mrd., Goldman Sachs strich 600 Mio als Profit ein.

Diese knapp 3 Mrd Euro (exakt waren es 2,8) sind im Rahmen der gesamten Staatsverschuldung Griechenlands in der Tat nicht exorbitant, wohl aber als Teil des Defizits in einem Jahresbudget.

Goldman Sachs war im gleichen Zeitraum auch daran beteiligt, die Gesamtverschuldung Giechenlands schönzurechnen, von damals über 100 Prozent in Richtung der erforderlichen 60 Prozent, die der Maastricht-Vertrag verlangt. Man kennt die genauen Zahlen bis heute nicht, weil Griechenland seine Zahlen bis dahin geschönt hatte, andererseits zwischen den einschlägigen griechischen Kreisen und GS strengste Verschwiegenheit vereinbart wurde. Die EU konnte oder wollte das, aus bereits genannten Gründen, nicht aufklären.

Zu Greg Smith: Goldman Sachs hat mit einer millionenschweren PR-Kampagne über alle großen Medien die Glaubwürdigkeit Smiths zu zerstören versucht, auch, indem es die von Ihnen genannten Gerüchte (Forderung nach Gehaltsverdoppelung und Beförderung) streute, außerdem, dass Smith von Ehrgeiz zerfressen, aber ein mittelmäßiger Trader ohne Überblick und Einblick gewesen sei. Dies habe der interne Untersuchungsbericht ergeben. Dagegen steht, dass Smith überdurchschnittliche Beurteilungen seiner Vorgesetzten hatte und deshalb auch überschurchschnittlich schnell aufstieg.

19) StefanP, Freitag, 28. Dezember 2012, 11:02 Uhr

Nun wissen wir also, dass Sie den Freitag lesen, der allerdings auch nur auf eine Quelle verweisen kann und die wiederum mit einem halben Jahr Verspätung auf eine griechische Blogmeldung reagierte. Einzig die Welt hat das Thema von griechischer Seite aufgegriffen, allerdings ebenfalls ein halbes Jahr zuvor. Der Freitag versteigt sich sogar zu der Behauptung, das sei der Ursprung allen Übels, damit sei der Beitritt erschlichen worden. Doch über die Euro-Mitgliedschaft Athens wurde im Frühjahr 2000 befunden, nicht 2001.

Nun ja, schauen wir auf die Daten: Griechenland wies seit 2000 ein stetig wachsendes Defizit auf. Lag dies zu Beginn bei 5,1 Mrd. EUR, steigerte sich dies in den Folgejahren auf 6,5 Mrd. EUR, 7,5 Mrd. EUR und 9.7 Mrd. EUR im Jahr 2003. Das ist also schon eine ziemlich konstante Reihe. Danach ging es in den zweistelligen Milliarden-Bereich ab.

Des Weiteren behauptet der Freitag, damit sollte die Verschuldung Griechenlands von damals etwas über 100 Prozent des BIP auf den Referenzwert von 60 Prozent gedrückt werden. Das kann man wohl nur als journalistischen Witz abtun, denn mit Zahlen haben die Jungs es offensichtlich nicht. Das angebliche „Verschwinden“ der angeblichen 2,8 Mrd. EUR hätte gerade mal eine Reduktion um 1,6% des BIP, damals 170 Mrd. EUR, bewirkt. Damit wäre Athen also bestenfalls von 101,7% auf 100% Staatsverschuldung gekommen. Kein Wunder, dass kein seriöser News-Sender auf so einen Puff aufgesprungen ist.

Was anderes ist wesentlich interessanter: 1999 wiesen die Statistiker von Eurostat (die ja laut Ihnen nichts zu sagen haben) auf grobe Manipulationen der Griechen hin, die Milliarden EUR von EU-Transferzahlungen umwidmeten.

Sie glauben dem Ex-Mitarbeiter, aber nicht einem unternehmensinternen Untersuchungsbericht, der von mehreren Personen erstellt wurde und Ansätze zur Überprüfung bietet. Warum eigentlich?

Griechenland habe nicht verstanden, was es da gekauft hat und war nicht darauf vorbereitet, die Risiken oder Kosten zu beurteilen, sagen der 61-jährige Sardelis, und sein Nachfolger. „Das Goldman-Geschäft war eine sexy Angelegenheit zwischen zwei Sündern“, beschreibt Sardelis.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

20) Erwin Gabriel, Freitag, 28. Dezember 2012, 12:21 Uhr

@ 65) Bernhard Paul, Donnerstag, 27. Dezember 2012, 18:16 Uhr

>> Diese knapp 3 Mrd Euro (exakt waren es 2,8) sind
>> im Rahmen der gesamten Staatsverschuldung Griechenlands
>> in der Tat nicht exorbitant, wohl aber als Teil des Defizits
>> in einem Jahresbudget.

Das Jahresbudget war der entscheidende Knackpunkt, das sehe ich genauso. Für nur 0,6 Prozent Unterschied in der gesamten Staatsverschuldung hätten weder Greichenland noch Europa die Stirn gerunzelt, noch hätte Griechenland dafür diesen Aufwand betrieben oder soviel dafür bezahlt.

21) Doktor Hong, Freitag, 28. Dezember 2012, 13:44 Uhr

Ich habe behauptet, durch Netto-Ersparnis der Regierung würde Liquidität abgebaut, was man entweder durch Steuererhöhungen oder strikte Ausgabensenkungen finanzieren kann, unter der Annahme, die Verschuldung der Privaten und des Auslands bleibe konstant.

Das ist nicht ganz dasselbe 😉

22) Doktor Hong, Freitag, 28. Dezember 2012, 13:50 Uhr

@Bernhard Paul

Und völlig richtig, ich spreche die ganze Zeit von 100%-Deckung durch Zentralbankgeld, nicht durch Giralgeld, was, wie Sie sagen, ein himmelweiter Unterschied ist.

23) Doktor Hong, Freitag, 28. Dezember 2012, 15:36 Uhr

@54) StefanP

An der Stelle können mir regelmäßig diejenigen, die “Ihre” Theorie vortragen, nicht erklären. Erklärbär sprachlos.

Wieso?

Sie leihen sich 20 bei der Zentralbank, um es dem Staat zu leihen (zu höheren Zinsen). Dann steht in der Bilanz:

Aktiva | Passiva
20 Forderung an StefanP | 20 Guthaben Staat

Dann leiht sich der Auftraggeber 100 bei der ZB, um Sie zu bezahlen:

Aktiva | Passiva
20 Forderung an StefanP | 20 Guthaben Staat
100 Forderung an Auftraggeber | 100 Guthaben StefanP

Macht 120 ZB-Geld.

Nun besteuert Sie der Staat mit 50:

Aktiva | Passiva
20 Forderung an StefanP | 70 Guthaben Staat
100 Forderung an Auftraggeber | 50 Guthaben StefanP

Der Staat zahlt Ihnen seine Schulden zurück:

Aktiva | Passiva
20 Forderung an StefanP | 50 Guthaben Staat
100 Forderung an Auftraggeber | 70 Guthaben StefanP

Sie zahlen Ihre Schulden an die Zentralbank zurück:

Aktiva | Passiva
| 50 Guthaben Staat
100 Forderung an Auftraggeber | 50 Guthaben StefanP

Macht bei mir 100 im Umlauf, statt 120 vorher.

In der Tat habe ich mir diese Dinge angelesen, genauso wie ich mir die Dinge, die ich für meinen Hochschulabschluss wissen musste, angelesen habe. Allerdings weiß ich nicht, ob Ottmar Issing als „linker Ökonom“ zu gelten hat.

24) StefanP, Samstag, 29. Dezember 2012, 10:54 Uhr

@70) Doktor Hong

Sie leihen sich 20 bei der Zentralbank, um es dem Staat zu leihen (..).

Ich leihe mir kein Geld. Ich habe einen Auftrag abgewickelt und habe die 20 als Entlohnung bekommen. Es wäre ziemlicher Blödsinn, Geld aufzunehmen um zu sparen. Machen nur Beamte.

Sie zahlen Ihre Schulden an die Zentralbank zurück.

Ich habe keine Schulden bei der Zentralbank. Gut, dass wir das geklärt haben.

Vielleicht haben wir jetzt auch geklärt, dass die Reduzierung der Geldmenge (Zentralbankgeld) über den Schuldenabbau nicht so einfach ist. Übrigens sieht auch Issing das Geldschöpfungsmonopol bei der Zentralbank (was er kritisiert) und damit logischerweise auch das Monopol zur Geldreduzierung.

Ein wesentlicher Teil der Staatsverschuldung liegt aus Sicherungsgründen bei den jeweiligen nationalen Kreditinstituten. Jetzt müsste man allerdings wissen, wie Banken an Zentralbankgeld kommen. Nicht auf Zuruf, wie die meisten meinen (Ausnahme: Notkredite). Tatsächlich versteigern die Zentralbanken in bestimmten Turnus Kontingente. So kommen manche Banken zum Zug und andere nicht. Die Feinsteuerung erfolgt dann über das gegenseitige Leihen. Die Kontingente haben verschiedene Laufzeiten, so ziehen die Zentralbanken das Geld aus dem Kreislauf.

So etwas steht natürlich nicht auf Verdummungsmaschinen a la NDS. Jetzt kann es natürlich sein, dass die Deutsche Bank am 30.09.2002 ein Kontingent von 10 Mrd. EUR ersteigert und am selben Geschäftstag eine Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit in gleicher Höhe zeichnet. Die Kontingente der EZB haben jedoch höchstens eine Laufzeit von 5 Jahren. Die Deutsche Bank muss also zwischenzeitlich ihre Schulden bei der EZB tilgen, ohne zu wissen, zu welchem Zins und welches Kontingent sie erneut erhalten kann. Am 30.09.2012 wird die Anleihe ausbezahlt und natürlich ist es möglich, dass nun die Deutsche Bank damit ein genau an diesem Tag auslaufendes Kontingent bei der EZB in gleicher Höhe tilgt. Üblich ist das nicht.

Wir kommen aber nicht an der Tatsache vorbei – die Sie anscheinend bestreiten – dass allein die EZB über die Menge an Zentralbankgeld im Markt entscheidet. Die Tilgung von Staatsschulden hat einen indirekten Einfluss.

25) Bernhard Paul, Samstag, 29. Dezember 2012, 12:32 Uhr

@66) StefanP

Ich lese den Freitag weder als Print- noch als Online-Ausgabe, aber Süddeutsche und FAZ. Ich habe auch kein Archiv, ich speichere im Oberstübchen. Und wenn ich hier schreibe, bin ich nicht umgeben von Zahlen- und Archivmaterial oder ich googele wie wild, sondern ich schreibe hier Trends nieder, oft langjährige, die sich ergeben haben, oder Auffassungen. und Haltungen. Dazu bedarf es keiner Statistiken oder Zahlenkolonnen.

Was der Freitag hier aktuell zu Griechenland widergibt, ist ein altbekanntes Wissen, über das auch andere verfügen. Und zwar seit langem. Ich habe es aus dem Gedächtnis zitiert.

26) Doktor Hong, Sonntag, 30. Dezember 2012, 00:55 Uhr

@71) StefanP

Woher hat Ihr Auftraggeber die 20?

Natürlich liegen die Dinge nicht so einfach wie im besprochenen Modell. Dieses Modell bildet die Wirklichkeit nicht einmal näherungsweise ab, da wir zum einen ein zweistufiges Bankensystem haben, in welchem nur Geschäftsbanken an den Tresen der Zentralbank dürfen, und zweitens der Euro für alle beteiligten Staaten eine Fremdwährung ist. Wenn also die Staaten Euro-Anleihen emittieren wollen, müssen sie das auf den Finanzmärkten tun und Privatbanken finden, die ihnen das Geld verleihen.

Dafür brauchen diese auch keine volle ZB-Gelddeckung, sondern müssen nur den Reservevorschriften nach Basel II Genüge tun.

Aufgrund dieser Konstruktion kann aber jeder Euro-Staat insolvent werden, indem er keine Gläubiger mehr findet. Das ist sogar nach konventioneller Weisheit der Fall, sodass es in meinen Augen einfach ungeheuerlich ist, für diesen Fall keine Vorkehrungen getroffen zu haben.

Dennoch argumentieren Sie schon wieder am Punkt vorbei.

Niemand bestreitet, dass wir eine unabhängig verfasste Zentralbank haben, die nicht politisch weisungsgebunden ist, und das aus guten, historischen Gründen. (Ebenso wie es aus historischen Gründen ein Trennbankensystem in den USA gab, aber da passen Ihnen historische Gründe offenbar nicht ins Konzept.)

Wenn Sie ein volles Schwimmbecken haben, und eine Fliege setzt sich auf’s Wasser, wird wenig passieren. Wenn ein Elefant hineinspringt, wird einiges an Wasser überlaufen.

Das Schwimmbecken sei hier der Geldmarkt, die Fliege ein Privatsparer und der Elefant der Staat.

Dass Sie bestreiten wollen, dass in diesem Bild der Elefant keine größeren Wellen schlägt als die Fliege, nur um hier Recht zu behalten, finde ich ziemlich merkwürdig.

27) StefanP, Sonntag, 30. Dezember 2012, 10:31 Uhr

@73) Doktor Hong

Die Frage ist, woher hat mein Auftraggeber die 100. Das hatte ich in den Annahmen erklärt (54):
Spielen wir Nationalökonomie (Annahme: stabile Geldmenge)

Mein Auftraggeber ist auch keine Bank und erlöst die 100 im Markt. Ohne Kredit.

Nun hatten Sie behauptet, Steuererhöhungen würden die Liquidität aus dem Markt ziehen (47).
Wenn der Staat Überschüsse fährt, entzieht er dem Geldkreislauf Zentralbankgeld.

Wieso diskutiere ich an dem Thema vorbei, wenn ich darauf herumreite, wie das in der Praxis funktioniert? Außerdem ist der Staat lediglich eine große Umwälzmaschine, ähnlich den Operatoren in unserem früheren Mathematikunterricht. Wenn er Überschüsse realisiert, nutzt er diese in der Mehrheit zur Schaffung neuer staatlicher Leistungen, bis wieder ein Defizit steht. Oder er tilgt in selteneren Fällen, dann haben Private die Dispositionsfreiheit. Tatsächlich haben Sie die Konkurrenzsituation des Staates auf dem Kapitalmarkt zu privaten Unternehmen beschrieben.

Mir geht es nicht um Recht haben. Vereinfachungen und Simplifizierungen sind notwendig, um einen Sachverhalt einzugrenzen. Nur sollte man sich nicht dazu hinreißen lassen, dass die Prozesse so simpel sind, wie man sie beschreibend gemacht hat. Und die Theoriemodelle müssen überprüft werden, ob sie die Realität beschreiben.

28) Doktor Hong, Mittwoch, 02. Januar 2013, 17:40 Uhr

@74) StefanP

Langsam nähern wir uns dem Kern 🙂

Überschüsse allein bedeuten keine Liquiditätsreduktion, das meinte ich auch nicht. Die massive Tilgung von Staatsschulden täte das, gesetzt den Fall, dass die Zentralbank nicht dagegensteuert.

Damit meinte ich nicht, dass der Staat Geldpolitik macht.

Ich meinte folgendes: Ausgehend davon, dass eine Bank Kredit gibt (deren Kreditvergabekapazität aufgrund von ZB-Vorschriften begrenzt ist) und dies buchungstechnisch durch eine Bilanzverlängerung tut, d.h. sie schafft (Giral-)Geld im Vorgriff auf in der Zukunft zu erbringende Leistungen, kommt auf diese Weise neues Geld in Umlauf. Je nachdem kann übermäßige Verschuldung auch zu Inflation führen, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn umgekehrt der Staat höhere Steuern erhebt, entzieht er den Privaten auf diese Weise das Geld, das dann nicht mehr zum Konsum zur Verfügung steht. Tilgt er damit seine Schulden, verschwindet das geschaffene Giralgeld wieder aus der Bilanz (es ist ja im Vorgriff auf die Zukunft entstanden). D.h. es läuft nicht weiter um und steht auch niemandem mehr zum Konsum zur Verfügung. Die Zinsen fallen der Bank zu; diese sind deren Ertrag, diese verbleiben auch im System.

Wenn Sie mir 10 Euro leihen und es auf Ihre Aktivseite schreiben, und ich gebe Ihnen 11 Euro zurück, dann streichen Sie doch auch die 10 Euro aus der Aktivseite, da ich die Forderung ja erfüllt habe (plus Zinsen).

Der Unterschied zwischen Ihnen und der Bank ist ja, dass Sie das Geld schon haben mussten, während die Bank es schöpfen kann. (solange sie die Mindestreserven hält).

Daraus ergibt sich noch keine Identität zwischen Staat und Zentralbank, die ja über ein breit gefächertes Instrumentarium zur Geldmengenbeeinflussung verfügt.

Mehr meinte ich nicht, und ich habe nur wiedergegeben, was mir als Mechanismus der durch Überschuldung ausgelösten Deflation recht plausibel klingt.

Ich verfolge auch keine Agenda, im Gegensatz zu Marx reicht es mir, die Welt zu interpretieren, und sie nicht zu verändern. Natürlich bin ich kein Fachmann und kann allein schon aus Zeitgründen die Feinheiten des Bankgeschäfts nicht erfassen, aber durch die Vorfälle um die Finanzkrise wurde mein Interesse stark geweckt.

Linke Ökonomen meinen, durch inflationäre Geldpolitik die Wirtschaftstätigkeit anregen zu können. Ich habe da so meine Zweifel, denn ich glaube, dass Wohlstand nur aus Leistung entstehen kann. Wenn ich Geld in der Tasche habe, aber mein Bäcker hat den Laden zu, weil er 6 Monate im Urlaub ist, dann nützt mir das nichts, um mal ein einfaches, konstruiertes Beispiel zu nennen.

Wer viel Geld hat, kann nur etwas damit anfangen, wenn andere Luxus-Yachten und SUVs und teure Weine auch herstellen und bereit sind, diese gegen Geld herzugeben. Ohne Leistung ist Geld völlig wertlos.

Vielleicht ist das Gegenteil richtig und eine restriktive Geldpolitik würgt eine Wirtschaft ab. Daraus folgt aber nicht zwingend das Gegenteil.

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