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Sonntag, 30. Dezember 2012, 13:46 Uhr

Ungeschick, dein Name ist Steinbrück

Was hat ihn nur wieder geritten? Wer hat bei Peer Steinbrück wieder die Sicherung herausgeschraubt? Wie kann sich ausgerechnet der SPD-Kanzlerkandidat darüber beklagen, dass deutsche Kanzler zu schlecht bezahlt werden? Steinbrück muss doch wissen, dass ihm das als Plädoyer in eigener Sache ausgelegt wird.

Aber er hat es getan und ist damit wieder mit voller Wucht in den Fettnapf gesprungen. Der “König der Nebeneinkünfte” will als Kanzler mehr Geld – so wirkt das auf die Wähler. Eine Steilvorlage für die Konkurrenten von links und rechts. Ein SPD-Kanzlerkandidat muss über Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker reden, über die Ausbeutung von Leih- und Zeitarbeitern, nicht aber über die unzureichende Bezahlung von Spitzen- und Gutverdienern.

Peer Steinbrück hat gesagt, Geld wirke auf ihn nicht erotisierend, aber warum redet er dann so oft davon? Und warum nahm er es so gern, sogar von den Stadtwerken Bochum? Ungeschick, dein Name ist Steinbrück.

Und dann kam auch noch das Pech dazu, dass ihm ausgerechnet der von ihm so geschätzte Vorgänger Gerhard Schröder widerspricht und in einem (vor Steinbrücks Äußerungen geführten) Interview sagt, er sei mit dem Kanzlergehalt immer ausgekommen.

Ein SPD-Kanzlerkandidat muss kein Linker sein, aber er muss wissen, wie und was die Wähler denken, die SPD wählen oder die sie zurückgewinnen will. Für sie ist die Beschwerde, 250.000 Euro (inklusive der halben Diäten) seien zu wenig Jahresgehalt für einen  Kanzler, ein Schlag ins Gesicht.

Wenn Steinbrück nicht selbst über den Instinkt für die richtigen Themen zur richtigen Zeit hat, dann muss es doch irgendeinen Berater geben, der ihn um die Fettnäpfe herumführt. Oder ist er beratungsresistent?

Steinbrück will so bleiben, wie er ist. Mit allen Ecken und Kanten – und mit seinem mangelnden Instinkt. Das ist ehrenwehrt, aber von Mal zu Mal stellt sich immmer drängender die Frage, ob er dann der richtige SPD-Kanzlerkandidat ist. Und ob ihm sein Image als nur mühsam in der SPD integrierter Klartext-Redner, der immer seine Meinung gerade heraus sagt, wichtiger ist als die Kanzlerschaft.

P.S. Wer gar nichts anderes zu tun hat, kann sicher stundenlang darüber diskutieren, ob ein Kanzler zu wenig und ein VW-Chef (17 Millionen Euro Jahreseinkommen) zu viel verdient – auch wenn die Diskussion am Ende zu nichts führt. Wer wegen des Geldes in die Politik geht, hat sich den falschen Beruf ausgesucht. Es geht nicht darum, dass Spitzenpolitiker mehr verdienen, sondern dass Spitzeneinkommen höher besteuert werden. Das hat der SPD-Mann Steinbrück auch gesagt – in einem Nebensatz..

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122 Kommentare

1) W.Buck, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:16 Uhr

Zitat:
“Ein SPD-Kanzlerkandidat muss über Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker reden, über die Ausbeutung von Leih- und Zeitarbeitern, nicht aber über die unzureichende Bezahlung von Spitzen- und Gutverdienern.”

Das alles haben die Schröder-Assi-Sozis ja verbrochen und kommen davon nicht mehr weg. So bleiben denn als Kanzlerkandidaten auch nur die alten “Schröder-Zombies”.

Die Sozialdemokratie hat in der SPD keine Zukunft mehr. Aber das ist ja wohl nicht erst seit heute bekannt.

2) Marita, Sonntag, 30. Dezember 2012, 14:24 Uhr

Steinbrück ist explitzit im Interview danach gefragt worden. Hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/peer-steinbrueck-im-gespraech-bundeskanzler-verdient-zu-wenig-12009203.html Und es wurde noch hartnäckig nachgehakt. Nun wird es – fälschlicherweise als zusammenhängendes Zitat – als Sensationsmeldung verkauft, und alle Medien tröten mit. Wenn die Medien den Mann fertig machen wollen, dann schaffen sie das auch, egal was Steinbrück sagt oder tut. Bei Wulff hat es ja auch geklappt. Die Journaille wird immer erbärmlicher. Und damit meine ich ausdrücklich nicht Journalisten von Ihrem Schlag, Herr Spreng. Aber davon gibt es nicht mehr viele.

3) JG, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:11 Uhr

Ja, da kann man mal wieder sehen: Totgesagte leben länger. Womit nicht Mr. 25.000-Euro-die-Rede gemeint ist, sondern die Partei “Die Linke”. Nicht zuletzt dieses SPD-Kanzlerkandidaten wegen dürfte ihr 2013 wieder ein hervorragendes Bundestagswahlergebnis garantiert sein – trotz des Verhaltens der meisten Medien (welches man freilich in sein Verhalten stets einkalkulieren sollte).

4) Beate, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:28 Uhr

Schade wir brauchen ganz dringend einen allgemein verbindlichen Mindestlohn von 10,50 Euro / Stunde in Deutschland.

Je schwächer die SPD abschneidet, desto stärker wird Frau Merkels Vorschlag NUR branchenbezogene Mindestlöhne einzuführen.

Allerdings habe ich das Gefühl , dass Steinbrück es von Anfang an nicht ehrlich meinte.

In Deutschland sparen alle drei Sektoren der Volkswirtschaft, der Staat, die Haushalte und die Unternehmen.

Unsere Volkswirtschaft ist vollkommen davon abhängig, dass sich andere Volkswirtschaften bei uns verschulden.

Frau Merkel ist wohl schizophren, wenn sie gerade die Verschuldung der Anderen moralisch verdammt.

Steinbrück oder Merkel.

Der Wahlkampf ist alternativlos.

4 weitere verlorene Jahre danach.

5) Mark, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:34 Uhr

Ach, Steinbrück erledigt seine Aufgabe doch außerordentlich gut: Jede “unbedachte” das-muß-man-doch-mal-sagen-dürfen Äußerung von ihm bringt die SPD näher an die 20% als an die 40%. Und es frohlocken diejenigen, deren Interessen Steinbrück augenscheinlich vertritt. Als Belohnung gibt es dann die stabile “große” Koalition ohne inhaltliche Reibungspunkte. Mehr will die SPD doch gar nicht. (Steinbrück kann dann den Aufrechten geben und die Regierung verlassen. Als einfacher Abgeordneter kann er dann ja dann das Gehalt einfahren, das ihm vorschwebt.)

Leider wird es so den dringend notwenigen Politikwechsel nicht geben. Das ist schlecht. Es gibt keine Notwendigkeit für eine rot-grün-lackierte CDU oder eine schwarz-lackierte SPD. Beide Parteien (wie auch die Grünen und die abgeschriebenen Grünen) wollen ja auch weiterhin europabesoffen agieren und unsere Steuergelder überall hingeben, nur nicht dorthin, wo es benötigt würde: in Deutschland.

6) Erwin Gabriel, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:43 Uhr

Man mag die Äußerung Steinbrücks, die mal wieder ohne die wichtigen “Nebensätze” von den Medien durchs Land getragen, interpretiert, in Schubladen gestopft und nach dem Etikett der Schublade bewertet werden wird, für unklug halten – für wahr, aber unklug. Und viel zu viele Dummköpfe im Land werden nach diesem Köder schnappen und sich wieder über den angeblichen Gierhalz Steinbrück aufregen.

“Wer wegen des Geldes in die Politik geht, hat den falschen Beruf ausgesucht” – mit solchen möchtegern-bedeutungsschwangeren, in Wirklichkeit aber hohlen, nichtssagenden Sätzen befeuern gut verdienende “Nachrichten-”Macher” die deutsche Neidgesellschaft. Nein, wegen des Geldes geht man nicht in die Politik. Sondern? Weil man mit aufs große Foto will, weil man eitel ist, ein Wichtigtuer, ein Wohltäter des Volkes?

Ist doch, mit Verlaub, scheißegal, warum einer in die Politik geht, solange er dort gute Arbeit leistet. Und wenn er dort einen verantwortungsvollen Job hat, warum soll der dann nicht entsprechend vergütet werden?

Nebenbei bemerkt, liefert die Regierung genug Themen, die nicht nur die Brieftasche eines einzelnen betreffen, sondern die uns alle sehr, sehr teuer zu stehen kommen wird. Die von vorne bis hinten verschlampte Energiewende wird uns Verbraucher Milliarden kosten, während industrielle Großverbraucher entlastet werden (und kleinere Unternehmen nach Wegen suchen, soviel Strom zu verbrauchen, dass die Energieabgabe auch ihnen erspart bleibt). Oder die verpatzte Euro-”Rettung”, die in einer Sozialisierung der europäischen Schulden mündete. Oder die Bundeswehr-Reform, die Geld sparen sollte, aber nun Geld kostet.

Aber wenn SPD-Kandidat Steinbrück darüber spricht, gibt es keine Schlagzeilen, Artikel oder Kommentare.

7) StefanP, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:58 Uhr

Der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat schon vieles gesagt, leider nicht immer konsistent zu vorherigen Ausführungen. Er hat das wichtigste Pfand aus der Hand gegeben, das er hatte und weshalb er nominiert wurde: seine Attraktivität auf Wechselwähler, ohne die niemand Kanzler wird in Deutschland. Er wollte Beinfreiheit und musste sich wegen seiner moralischen Angreifbarkeit an seine ärgsten politischen Feinde ketten. Der Wähler weiß, Steinbrück denkt nicht links, er ist in der Mitte der Gesellschaft verortet. Nur darf er das schon längst nicht mehr sagen, weshalb seine politische Glaubwürdigkeit, die wichtigste Währung eines Politikers, enormen Schaden genommen hat.

Der frühere Umweltminister Röttgen hatte über seinen damaligen Kabinettskollegen Westerwelle geurteilt, als der noch FDP-Chef war, der liberale Spitzenmann sei irreparabel beschädigt. Dieser Eindruck drängt sich inzwischen bei dem sozialdemokratischen Frontmann auf. Es ist nicht erkennbar, mit welchen Themen und welcher Strategie die SPD das Ruder herumreißen will, ohne sofortigen Schiffbruch zu erleiden.

Den besten Kommentar zu Steinbrücks Einlassungen lieferten Spiegel Online und Welt.de: Den Job des Bundeskanzlers mit einem Sparkassendirektor zu vergleichen, ist abstrus. Es ist eine Ehre, Deutschland zu führen.

8) horst scharnhorst, Sonntag, 30. Dezember 2012, 17:14 Uhr

Peer Peinbrück hat noch nie eine Wahl gewonnen. Mit ihm sind keine gesellschaftlich relevanten Themen zu verbinden. Peinbrücl redet am liebsten über sein eigenes Geld. Das reicht nicht, um Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Warum diese große Partei über keine personellen Alternaitven verfügt – verstehe wer will – ich tue es nicht.

Bei der Gelegenheit wünsche ich Ihnen, verehrter Herr Spreng, und allen Mitdiskutanten einen guten Rutsch in ein politisch (hoffentlich) spannendes 2013.

9) CitizenK, Sonntag, 30. Dezember 2012, 18:27 Uhr

@ Erwin Gabriel

“…gibt es keine Schlagzeilen…”

Schon richtig. Aber an dieser selektiven Wahrnehmung ist Steinbrück nicht ganz unschuldig. Es sind ja nicht nur die Honorare, es ist vor allem die Vernachlässigung seiner Parlamentsarbeit darüber.

Er hätte auch auf diese Frage einfach nicht antworten müssen – oder sagen: kein dringendes Problem. So liefert er eine Steilvorlage. Merkel muss im Wahlkampf nur süffisant fallen lassen, dass sie genug verdient….

In der Mediendemokratie muss ein Kandidat solche Fallen erkennen und meiden. Ein einziger Patzer kann ihn/sie ruinieren, siehe Ute Vogt. Dass kann man bedauern, ändern wird man es kurzfristig nicht.

10) Politikverdruss, Sonntag, 30. Dezember 2012, 19:37 Uhr

„Der Wiederholungstäter“, http://www.spiegel.de/, „Steinbrück wünscht sich ein höheres Kanzler-Gehalt.“ http://www.sueddeutsche.de/politik/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-wuenscht-sich-hoeheres-kanzler-gehalt-1.1561341 „So klug, so dumm“, http://www.sueddeutsche.de/politik/peer-steinbrueck-und-das-gehalt-der-kanzlerin-so-klug-so-dumm-1.1562002 Eine Medien-Kampagne?

Dass nun der SPIEGEL und die SZ zu den Blättern gehören, die der SPD generell distanziert gegenüber stehen, kann man ja wirklich nicht behaupten. Wenn hier also beklagt wird, die Medien wollen „den Mann fertig machen“, dann erscheint mir das ziemlich weit hergeholt.

Wenn man sich dieses Interview unter dem Aspekt anschaut, wen er mit seinen Aussagen verprellt oder in welche selbstgestellten „Fallen“ er läuft, dann braucht man sich nicht über die Reaktionen in der Presse zu wundern. Beispiele: „Frauenbonus“ Kanzlerin. Ergebnis: Nun werden noch mehr Frauen ein „Abendessen mit ihm zu ihren Herzensanliegen“ machen. Oder die Bezahlung der Kanzlerin. Dass das auf ihn zurückfällt und erneut die ihm gegenüber erhobenen Raffke-Vorwürfe verstärkt, muss ihm doch klar gewesen sein, oder?

Nein, eine Medien-Kampagne gegen Steinbrück ist nicht erkennbar. Erkennbar dagegen ist, dass das Wahlkampfteam der SPD bislang wirkungslos bleibt, der Kandidat selbst verkrampft orientierungslos wirkt und eine stringente Wahlkampfstrategie der Partei nicht erkennbar ist. Das sind die Kernprobleme!

11) Gerd, Sonntag, 30. Dezember 2012, 19:53 Uhr

“Peer Steinbrück hat gesagt, Geld wirke auf ihn nicht erotisierend, aber warum redet er dann so oft davon?”

Lieber Herr Spreng,
nochmal, auch wenn´s schon in den Beiträgen gestanden hat:
WEIL ER DANACH GEFRAGT WURDE !

Bild als Bluthund, Spiegel als “Intelligenz-Verstärker”.
Schändlich was hier wieder an Anti-Steinrück-Kampagne gefahren wird.

12) Horst Klohocker, Sonntag, 30. Dezember 2012, 20:07 Uhr

Ich denke, dass es genügend mitempfindende Menschen in Deutschland gibt, welche Herrn Steinbrück davor bewahren, dass er den unter bezahlten Job als Bundeskanzler annehmen muss. Wer kann es den all den kommunalen Energieversorgern, Zeitarbeitsfirmen oder Allfinanzlern zumuten, dass sie in Zukunft auf den wertvollen Rednern Steinbrück verzichten müssen?

Wir Deutschen müssen wohl auch nach 2013 mit einer Pfarrerstochter vorlieb nehmen, welche für ein klägliches Gehalt unsere Bundeskanzlerin spielt. Und muss sie nicht ergänzende Hartz IV Leistungen beantragen, wird das wohl noch viel länger der Fall sein!

13) Benjamin, Sonntag, 30. Dezember 2012, 21:28 Uhr

Trotz sonstiger, bei mir durchaus vorhandenen Wertschätzung für Steinbrück – mir ist auch völlig unklar, weshalb er das Fass nun aufgemacht hat. Er hat ja durchaus politischen Instinkt, das Problem ist aber, dass ihn dieses bisweilen absolut abhanden kommt. Der kleine Satz, sicherlich “geplaudert”, ist politisch selten dumm.

Natürlich verdient ein deutscher Spitzenpolitiker verglichen mit Wirtschaftsleuten relativ wenig. Aber das ist ja auch lange bekannt und ein Politiker, der für die res publica Verantwortung übernimmt, tut dies ja nicht in erster Linie, um sich finanziell abzusichern – oder sagen wir besser: er sollte es nicht tun.

14) Beate, Sonntag, 30. Dezember 2012, 22:45 Uhr

Der Steinbrück ist eigentlich schon längst verbrannt:

http://www.fr-online.de/schuldenkrise/analyse-so-nicht–minister-steinbrueck-,1471908,2881524.html

Die Wahl ist für Steinbrück verloren.

Als Minister werden wir ihn nicht wiedersehen.

Kraft hatte nicht den Mut,

die Wahlversager (Steinbrück, Gabriel, Steinmeier) einschließlich Nahles (noch einen pseudolinken RIESTER nimmt der Wähler nicht hin) in die Rente zu schicken.

Was schon wieder vieles über die verfügbaren Alternativen in der SPD sagt.

15) kkb, Sonntag, 30. Dezember 2012, 22:59 Uhr

Sie haben ja völlig recht. Aber Sie sind doch selber Berater gewesen und der Kollege “Donnerwetter” ist doch schon immer unfähig geweesen. Kampa hin oder her….

16) Mönchibär, Sonntag, 30. Dezember 2012, 23:28 Uhr

Ganz unabhängig von der Frage, ob der Inhalt der Äußerung von Steinbrück richtig transportiert wurde und inwiefern seine Ansicht berechtigt sein mag, ist es vor allem ungeschickt von Herrn Steinbrück, sich mit dieser Bemerkung profilieren zu wollen. Er sollte mittlerweile wissen, wie kritisch seine Kommentare zu seinen Nebenverdiensten und sein Verhältnis zum Geld im Allgemeinen angesehen werden.
Sofern er sich weiter in seiner Rolle gefällt, ein unabhängiger Geist zu sein, der auch unpopuläre Themen anspricht, ist er sicherlich auch eine Fehlbesetzung in der Rolle des Kanzlerkandidaten oder ggf. des Kanzlers. Um überhaupt in diesem komplexen Politikbetrieb und auf internationaler Ebene die eigenen Vorstellungen umsetzen zu können, gehört auch ein wenig Bescheidenheit und vor allem Diplomatie zum politischen Handwerk. Daher möchte ich auch nicht erleben, dass er noch einmal die Kavallerie gegen die Schweiz loslässt…

17) Maren P., Montag, 31. Dezember 2012, 02:04 Uhr

Nein, mit “Ungeschick” hat das nichts zu tun, nichts mit schlechtem Timing, Herr Spreng. Das ließe sich trainieren, wie man jemandem abgewöhnt, ständig das Füllsel *ähm* zu benutzen.
Das ist der autististische Größenwahn eines komplett Inkompetenten, der weiß, dass er nur diese eine Chance hat, noch einmal alles rauszuhauen, was er schon immer einmal sagen wollte. Der sich dabei der ungeteilten Aufmerksamkeit der Medien sicher sein kann. Dem der Wahlerfolg seiner 150jährigen Partei oder gar Wählerinnen und Wähler völlig schnurz sind.
Eine solche Partei mit dem Kandidaten Steinbrück hat während des Wahlkampfes einen gewissen Unterhaltungswert, gewählt wird sie jedoch in relevanter Größenordnung nicht.

18) Thomas Feiner, Montag, 31. Dezember 2012, 06:51 Uhr

An 2) Marita
Danke für den Link in Ihrem Beitrag. Ich verstehe den Begriff “Journaille” jetzt besser.
Trotz alledem: Wulffs Nieder- bzw Abgang ist den Medien zu verdanken, und das war gut so.

19) Minassian, Montag, 31. Dezember 2012, 07:45 Uhr

Mein Eindruck verstärkt sich von Tag zu Tag : der Mann will gar nicht Kanzler werden ! Wer so unsympathisch, arrogant und besserwisserisch auftritt, hat anderes im Sinn : Geld, Geld, Geld, egal woher es kommt. Er hat ja schon NRW vergeigt, bei der WestLB-Affäre dreist gelogen, der Schweiz
mit der Kavallerie gedroht (lach) und die Agenda 2010 mitverbrochen. Der BILD liefert er fast täglich negative Schlagzeilen, wo Diekmann ja ohnehin dicke mit Mutti ist. Und : BILD entscheidet immer noch Wahlen. Wer sich so präsentiert, da wiederhole ich mich gerne, der will gar nicht Kanzler werden. Man könnte die kostspielige Wahl ausfallen lassen (die Parteien wollen sie natürlich wegen der Wahlkampferstattung) – der wird es und will es nicht.

20) Hanns Binder, Montag, 31. Dezember 2012, 11:08 Uhr

Diese Heuchler, die Medien und Sie mit. Dass die Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gemessen an ihren Aufgaben/Anforderungen schon immer unwürdig gering bezahlt wurden, weiß ich seit dem Skandal der Neuen Heimat, wo der aus der Gewerkschaft in das Amt gekommene -war es der Geschäftsführer?- das Doppelte verdiente als der damalige Bundeskanzler. Verantwortung und Belastung darf sich ruhig in einem angemessenen Gehalt ausdrücken, es geht hier ja nicht um die Besoldung im öffentlichen Dienst.

21) Günter Springer, Montag, 31. Dezember 2012, 11:32 Uhr

Kein Kommentar solange hier immer wieder mit zweierlei Maß gemessen wird
Die Einen dürfen am laufenden Band Mist bauen( Regierung)deren, sogar konkret zum Schaden der Bevölkerung, den Anderen wird ein PuP zum Elefanten ausgelegt.
Da helfen auch elendlange Abhandlungen nichts.

22) Baden-Baden 1, Montag, 31. Dezember 2012, 11:33 Uhr

Die Presse ist seit Wulff aufgeputscht
Die Journalisten warten wie Geier auf jede verdächtige Äußerung von Steinbrück
Normale Journalistengespräche sind nicht mehr möglich

Alles wird skandalisiert.
Steinbrück wird fertig gemacht wie Wulff

Die konservative Presse leistet für Merkel gute Schützendienste

Dabei sagen doch alle:
wir wollen keine glatt geschliffenen Politiker, weil die alle lügen, wir wollen Politiker Ecken und Kanten und wenn sie einen solchen haben, dann erkennen sie ihn nicht

Ich habe mir mal wieder den US-Film “Extrablatt” von Billy Wilder aus den 70er Jahren angesehen mit Jack Lemmon und Walter Matthau …

Wir sind auch bald so weit

Das ist Journalismus aus der Jauchegrube

Leider gibt es nur wenige Journalisten, die hier nicht mitmachen, sondern als unabhängige Journalisten nur ihrer Chronistenpflicht nachkommen

Danke Herr Spreng, dass sie nicht dazu gehören, trotz ihrer Vergangenheit bei BILD

23) CitizenK, Montag, 31. Dezember 2012, 12:07 Uhr

Er will es nicht? Unsinn, natürlich will er es.

Aber er will es nicht um der “Menschen draußen im Lande” – schon gar nicht der sozial Schwachen – willen. Es geht ihm erkennbar nicht um die Verbesserung der Lebensverhältnisse dieser Menschen. Er will es halt, aus Ehrgeiz.

Das ist nicht ehrenrührig, aber eine(n) solche(n) Kanzler(in) haben wir doch schon. Und von der Partei, der Steinbrück angehört, erwarten deren Mitglieder und auch die Wähler etwas anderes.

Bleibt die Banken-Regulierung, die mit Steinbrück zwar auch nur vielleicht, aber unter Merkel ganz sicher nicht kommen wird. Die wollen die Wähler, und deshalb hat Steinbrück vielleicht doch noch eine kleine Chance.

24) Erwin Gabriel, Montag, 31. Dezember 2012, 12:54 Uhr

@ 9) CitizenK, Sonntag, 30. Dezember 2012, 18:27 Uhr

>> Aber an dieser selektiven Wahrnehmung ist Steinbrück nicht ganz unschuldig.
Vielleicht nicht ganz unschuldig…

FAZ:
Gerhard Schröder wollte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft
mal richtig Geld verdienen. Hatten Sie nach dem Ende Ihrer
Ministerzeit auch so ein Gefühl?

Steinbrück:
Nein. Dieses Gefühl gab es nie. Im Übrigen finde ich allerdings,
dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten
bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu
jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die
Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die
Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an
ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere
Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

FAZ:
Verdient die Kanzlerin zu wenig?

Steinbrück:
Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland
zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss
und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung
und viel größerem Gehalt.

Schon die Unterstellung, Gerhard Schröder wolle mal richtig Geld verdienen, ist unseriös bis schäbig (FAZ-”Journalisten”, die sich gerne in ihren Vorurteilen spiegeln, mögen das anders sehen). Den Job als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG (Gazprom-Anteil: 51 %) hatte Schröder erst angenommen, nachdem Bundeskanzlerin Merkel ihre Zustimmung gab. Dass an entscheidender Stelle für die deutsche Energieversorgung ein Deutscher sitzt, wird Nicht-SPDlern wohl kaum schaden.

Nun gibt Steinbrück auf Nachfrage eine zutreffende, seriöse, realistische Antwort, und nun raten Sie mal, was die Schlagzeile für ein Interview mit 24 Fragen und Antworten geworden ist?

Diese Neigung der “Journalisten”, aus Eitelkeit, Wichtigtuerei und Machtgeilheit (und, natürlich, für Geld) jemanden niederzumachen, jemanden in einen Sumpf zu tauchen und dann zu schimpfen, wie dreckig der ja ist, ist mir nur noch zuwider.
.
.

>> Es sind ja nicht nur die Honorare, es ist vor allem die Vernachlässigung
>> seiner Parlamentsarbeit darüber.

Mit Verlaub, das ist falsch. Ich habe Dutzende Berichte gelesen, in denen man sich in seinen Einkünften suhlte. Über seine Fehlzeiten im Parlament war genauso wenig zu lesen wie über die Fehlzeiten anderer Abgeordneter. Es gibt einen SPD-Abgeordneten, der ordentlich dazu verdient hat: Peer Steinbrück (mit Reden vor unterschiedlichem Publikum). Die anderen Top-30-Nebenverdiener stammen aus CDU, CSU und FDP. Und die verdienen ihr zusätzliches Geld nicht durch Redevorträge, sondern durch Lobbyarbeit für Unternehmen und Interessenverbände. Und von denen hat nur Peer Steinbrück hat alle Nebeneinkünfte offengelegt, die anderen nicht.

Schauen Sie sich die “Berichterstattung” an zu diesem Thema: Ausschließlich Steinbrück steht am Pranger, der einzige SPDler, der einzige mit harmloser Nebentätigkeit, der einzige, der aufgedeckt hat. Es geht nicht um mangelnde Parlamentsarbeit, es geht auch nicht um Nebeneinkünfte an sich, sondern es geht ausschließlich um bzw. gegen Steinbrück.

Warum wird nicht mit gleichem “aufklärerischem” Einsatz gegen die anderen Nebenverdiener vorgegangen, warum wird nicht angeprangert, dass die CDU, CSU und FDP die Transparenz- und Anti-Korruptions-Regeln verhindern? Das wäre mal ein Schritt nach vorne, ist aber von dieser heuchlerischen Journaille nicht zu erwarten.

Man kann Steinbrück mögen oder nicht, seine Standpunkte teilen oder nicht. Aber wer ein Demokrat ist, sollte diese höchst undemokratische, höchst unseriöse Meinungsmache bekämpfen.

25) Erwin Gabriel, Montag, 31. Dezember 2012, 12:56 Uhr

@ 7) StefanP, Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:58 Uhr

>> Es ist eine Ehre, Deutschland zu führen.

Mit einem Verweis auf “Ehre” ein niedriges Gehalt zu begründen ist das mit Abstand Dümmste, was ich je von Ihnen gelesen habe.

Enttäuschte Grüße
E.G.

26) Maren P., Montag, 31. Dezember 2012, 14:14 Uhr

@ Baden-Baden 1
Journalismus aus der Jauch(e)grube ist ein hartes Pauschalurteil, ohne Belege dafür zu liefern. Gerade Peer Steinbrück hält sich ja selbst zugute, genau zu wissen, was Journalisten hören wollen und damit geschickt umgehen zu können. So hätte er auf die entsprechende Frage auch antworten können: “Ich finde die Bezahlung angemessen, auch wenn sie im Vergleich zu manchen Vorstandsgehältern, besonders bei Banken und Sparkassen, mickrig scheinen mag. Deren Höhe sollten die Anteilseigner einmal hinterfragen.” Hat Steinbrück aber nicht geantwortet …
Der Kommentar von Kurt Kister in der SZ bringt es gut auf den Punkt: http://www.sueddeutsche.de/politik/peer-steinbrueck-und-das-gehalt-der-kanzlerin-so-klug-so-dumm-1.1562002

27) Beppo, Montag, 31. Dezember 2012, 17:53 Uhr

“Ein SPD-Kanzlerkandidat muss über Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker reden, über die Ausbeutung von Leih- und Zeitarbeitern…”

Nur darüber reden? Wie wäre es wenn die SPD mal einen Kandidaten aufstellt der diese Themen ernsthaft vertritt? Wenn sie dadurch eine ernsthafte Alternative zur Union aufzeigen würde?

28) freemind, Montag, 31. Dezember 2012, 20:19 Uhr

Ich empfinde Herrn Steinbrueck als sehr konsequent. Es geht ihm um sein eigenes Ego und seine Brieftasche abseits jeglicher parteipolitischer Strategieueberlegungen. Ob er nun Kanzler wird oder nicht, das ist doch zweitrangig fuer ihn persoenlich. Steigerung des eigenen Marktwertes qua Aufmerksamkeitsfokussierung und wenn die Show vorbei ist, dann kann er sich doch wieder seinen Nebeneinkuenften widmen und dabei vielleicht ein wenig mehr Honorar generieren. Schliesslich ist er dann ein Kanzlerkandidat gewesen. Der Kanzlerjob ist fuer ihn doch gar nicht so attraktiv. Nur die SPD kann einem Leid tun, kommt sie hoechstwahrscheinlich als Juniorpartner nicht ganz so nah an die fetten Fleischtoepfe wie sie gerne moechte.Aber das kann ja unter dem naechsten Kanzlerkandidaten der SPD Herrn Gabriel korrigiert werden

29) Inge, Montag, 31. Dezember 2012, 23:59 Uhr

Steinbrück ist kein Dummkopf . Er bewirbt sich bei uns, dem Wähler, für einen Job , der u.a, Diplomatie Fingerspitzengefühl , neben natürlich vielen anderen Eigenschaften eines zukünftigen Kanzlers verfügen muss. Er wird ja wohl noch die Fragen der ” bösen Journalisten” parieren können. Kann er offenbar nicht. Aber vielleicht will er auch nicht – mehr ! So nimmt er lieber den Hammer, statt des Floretts für den Abgang als Kanzlerkandidat. Schlimm !

30) StefanP, Dienstag, 01. Januar 2013, 11:34 Uhr

@25) Erwin Gabriel

Mit einem Verweis auf “Ehre” ein niedriges Gehalt zu begründen ist das mit Abstand Dümmste, was ich je von Ihnen gelesen habe.

Soso. Dann muss ich das wohl hinnehmen.

Wahrscheinlich liegt Ihre Einstellung aber nur daran, dass Sie Gehalt mit dem Wert der Arbeit gleichsetzen oder dem Wert, den man ihr zumessen sollte. Noch öfter werden Gehalt und Lohn mit der aufgewendeten Arbeitszeit in Verbindung gebracht. In diesem Sinne wäre mein Verweis tatsächlich ziemlich dumm.

Aber ist das wirklich der Maßstab? Wollen wir den Fleißigsten zum Bundeskanzler? Oder wollen wir denjenigen, der den höchsten Wert in dem Amte schafft? Doch dieser Wert wird durch die Verfassung und das Urteil in der Demokratie bestimmt. Müsste in dieser Logik nicht ein abgewählter Kanzler – also am Ende alle – das Gehalt zurückzahlen? Absurd, sicher.

Also, kann das Gehalt des Kanzlers tatsächlich in Geldeinheiten aufgewogen werden? Ist zum Beispiel Uli Hoeneß Präsident des FC Bayern, weil dort die Aufwandsentschädigung am üppigsten ist? Oder werden viele honorige Menschen Stiftungspräsidenten, weil sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen? Muss der oder die Kanzler(in), wer auch immer das ist, das Niveau seine Lebensunterhalts mit seinem Amt verdienen? Oder der amerikanische Präsident? Streben Politiker deswegen diese Ämter an, weil sie am Produktionsband nichts getaugt haben, also einen anderen Job gesucht haben?

Mitnichten. US-Präsident oder Bundeskanzler sind keine Berufe, es sind Ämter, genauer: Ehrenämter und deswegen bekommen die jeweiligen Inhaber kein Gehalt, sondern Amtsbezüge. Und im Gegensatz zum Sparkassendirektor wird der Kanzler nicht wegen Schlechtleistung abberufen, sondern weil er das Vertrauen des Souveräns verloren hat.

Josef Ackermann hat mal, als er noch Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank war, gesagt, er persönlich bräuchte dieses Gehalt von 12 Millionen EUR nicht. Er würde aber im Kreis seiner Kollegen nicht ernst genommen, würde er sich mit weit weniger begnügen. Dieser Gefahr unterliegt kein demokratischer Repräsentant.

Die Vergütung eines Amtes besteht also aus mehr als der bloßen monetären Bezahlung. Sie besteht eben auch aus der Ehre, das Amt ausüben zu dürfen.

31) Günter Springer, Dienstag, 01. Januar 2013, 11:56 Uhr

24)Erwin Gabriel,
Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie die Aussagen von Peer Steinbrück auf die Frage der FAZ zum Verdienst eines Kanzlers hier einmal dargestellt haben.
Schlußfolgernd muß man doch die Frage stellen wo dort die Ansätze zu einer dermaßen überzogenen Kampange gegen Peer Steinbrück von Seiten einiger Medien und auch der Kommentatoren hier und in anderen Foren zu finden sind.
Es ist auch interessant wie hier und anderswo Schlachtfelder gegen den Mann eröffnet werden, die wirklich nur noch ein Kopfschütteln hervorrufen können.

32) CitizenK, Dienstag, 01. Januar 2013, 14:06 Uhr

Dass “Medienkompetenz”, so verstanden wie von 26)Maren P., in der Mediendemokratie zur Stellenbeschreibung eines Spitzenpolitikers gehört, mag man bedauern.

Auch dass die Kampagne einseitig nur gegen Steinbrück und nicht auch gegen die schwarz-gelben Absahner geführt wird (wie E. G. zu recht schreibt) ist unfair. Keine Frage.

Aber: Wäre Steinbrück ein SPDler vom alten Schlage, dessen Engagement für die “Sache” – und nicht für ihn selbst – fraglos ist, wäre es dazu wohl nicht gekommen. Weder mit r “Ungeschicklichkeit” noch mit “Medienkampagne” kann man das nicht erklären, meine ich.

@ E. G.
Zu Schröder: Vielleicht haben Sie recht und die Kritik an seinem Gazprom-Engagement wird überzeichnet. Aber hätte nicht ein Vollblut-Politiker “seine” Agenda auch als Oppositionsführer verteidigt und zu korrigieren versucht, was ja dringend nötig gewesen wäre.Schließlich ist die Agenda 2010 nach Meinung fast aller Beobachter die Hauptursache für die innere Zerrissenheit der SPD. Mich persönlich hat sein sibyllinischer Satz besonders geärgert, sie sei “nicht in Stein gemeißelt” – aber sonst nichts dazu. Verantwortungsvolle Politiker stelle ich mir anders vor. Dass die Maßstäbe für ihre Beurteilung sich immer weniger von denen für Bank- (oder Sparkassen-)-Manager unterscheiden, ist ein Menetekel für die Demokratie.

33) Erwin Gabriel, Dienstag, 01. Januar 2013, 14:07 Uhr

@ 30) StefanP, Dienstag, 01. Januar 2013, 11:34 Uhr

>> Wahrscheinlich liegt Ihre Einstellung aber nur daran,
>> dass Sie Gehalt mit dem Wert der Arbeit gleichsetzen oder dem Wert,
>> den man ihr zumessen sollte.

“Nur”? Sie sind gut…..
Einen gewissen Zusammenhang zwischen Tätigkeit / Aufwand / Leistung / Verantwortung und Gehalt sollte es vielleicht schon geben.
.

>> Aber ist das wirklich der Maßstab? Wollen wir den Fleißigsten
>> zum Bundeskanzler?

Wollen wir denjenigen, der sich möglichst viel “Ehre” erwerben will?
.

>> Also, kann das Gehalt des Kanzlers tatsächlich in Geldeinheiten
>> aufgewogen werden? … Die Vergütung eines Amtes besteht
>> also aus mehr als der bloßen monetären Bezahlung. Sie besteht
>> eben auch aus der Ehre, das Amt ausüben zu dürfen.

“Eben auch” – dem stimme ich gerne zu. Aber es sollte auch eine Ehre sein, die Deutsche Bank zu leiten, einem Konzern wie Volkswagen vorzustehen, oder einen Verein wie Bayern München zu leiten.

Dass eine wie auch immer geartetet “Ehre” eine Komponente des “Amtes” ist, bestreite ich also durchaus nicht. Aber daraus eine Mindesthöhe oder Limitierung der Vergütung abzuleiten, erschließt sich mir nicht. Geld und Ehre sind zwei Paar Schuhe, die nichts miteinander zu tun haben, wie auch die von Ihnen gewählten Beispiele zeigen.

34) Erwin Gabriel, Dienstag, 01. Januar 2013, 15:10 Uhr

@ 31) Günter Springer, Dienstag, 01. Januar 2013, 11:56 Uhr

Die erste Frage zum Thema lautete ja nicht “Verdient der Bundeskanzler zu wenig Geld?”, sondern sinngemäß “Wollten Sie nicht nach Ihrer Ministerzeit auch mal so richtig abgreifen?”.

Egal, was Peer Steinbrück dazu gesagt hätte, es wäre in der Verkürzung auf folgende zwei Antworten hinaus gelaufen:
a) ja, denn ich bin geldgeil
b) nein, aber ich lüge

BILD, Spiegel, Frankfurter, Süddeutsche – letztendlich alles die gleiche Journaille. Selbst wenn die einen feinere Wörter benutzen als die anderen, es läuft auf die gleiche Faktenverdreherei und Lügerei hinaus.

Peer Steinbrücks Aussage, dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten
bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief sei, ist jedenfalls einmal mehr bestätigt.

35) Bernhard Paul, Dienstag, 01. Januar 2013, 17:04 Uhr

@24) Erwin Gabriel

Gerhard Schröder hat selber – natürlich leicht augenzwinkernd – gesagt, dass er “mal tüchtig Kohle machen” wolle. Wie ernst er das damals wirklich meinte, war schwer zu beurteilen, weil sich bei Schröder Ernsthaftigkeit und Flapsigkeit oft in schwer differenzierbarer Form mischten.

Das ist im übrigen auch bei Steinbrück der Fall. An einen Kanzlerkandidaten Steinbrück wird aus guten Gründen ein anderer Maßstab angelegt als an den Abgeordneten Steinbrück oder den Minister Steinbrück. Mir scheint, dass sich Steinbrück bezüglich seiner öffentlichen Aussagen, ob auf Interviewfragen oder bei Reden oder Statements am Rande, noch nicht in diese neue Rolle gefunden hat. Steinbrücks vielfach als erfrischend empfundener rhetorischer Stil und seine Direktheit legt ihm der durchschnittliche Staatsbürger in der neuen Rolle als unstaatsmännisch aus.

36) Hutchinson, Dienstag, 01. Januar 2013, 18:30 Uhr

Steinbrück wird erheblich durch die Medien geholfen. Photos in Übergroße bei der Onlineausgabe des Magazins Der Spiegel. Anderswo sieht der Leser auch keine andere Nachricht, zwischen den Jahren, wo das tagesschäfte nicht viel hergibt.

Einigen wir uns darauf, daß Peer Steinbrück nie Kanzler werden wird ?
Einigen wir uns darauf, daß es best case eine große Koalision demnächst geben wird ?
Warum das, möge man hinterfragen: Weil Steinbrück per Du und Du mit den Wirtschaftsbossen ist !
Weil er seine Arroganz, die von Natur aus besteht (auch am Abend etlicher Wahlniederlagen, im Übrigen) nie absetzen wird, weil er es nämlich nicht kann. Zu gut gefällt ihm in den hoheren Etagen der Großkonzerne, zu schmeichelhaft sind die Banquetts zu seinen Ehren gegeben.
Selbst wenn Frau Nahles, durchhaus eine fähige Generalsekretärin, versucht (versuchen muß) Steinbrück ein soziales Gesicht zu verpassen, so wird sie scheitern. Da wird das Blankocheck vom Altkanzler Schmidt “Er kann kanzlern” auch nicht viel nützen.
Will heissen: Merkel läuft geradelinig ihrer dritten Amtsperiode entgegen – ohne mit den Wimpern zu zucken – versteht sich. Denn sie ist dessen Bewußt: Zur ihr, gibt es keine ernstzunehmende Alternative.
Schade eigentlich !

In diesem Sinne !

Frohes Neues !

37) Peter Christian Nowak, Dienstag, 01. Januar 2013, 18:31 Uhr

@4) Beate,

^^Unsere Volkswirtschaft ist vollkommen davon abhängig, dass sich andere Volkswirtschaften bei uns verschulden.^^

…was unter anderem mitverantwortlich für die Euro-Krise bzw. Europa-Krise ist.

38) Doktor Hong, Dienstag, 01. Januar 2013, 19:19 Uhr

Zum einen finde ich, dass es an Lächerlichkeit grenzt, was manche Journalisten Peer Steinbrück als “moralische Verkommenheit” andichten wollen. Ich fand ja nicht einmal, dass Clintons außereherliche Affairen ihn als US-Präsidenten disqualifizierten, auch wenn ich diesbezüglich kein Votum habe, da ich kein US-Bürger bin.

Auf der anderen Seite müsste es Steinbrück mal langsam klar werden, dass er die Medien nicht auf seiner Seite hat. Deswegen sollte er einmal überlegen, was ihm als Angriffspunkt ausgelegt werden könnte.

Es mag ja sein, dass Sparkassenleute mehr Geld verdienen als der Bundeskanzler. Aber man bewirbt sich doch nicht um das Amt des Bundeskanzlers, um am Ende ein hohes Einkommen zu erzielen!

Vor allem, wenn schon vorher Bescheid weiß, wie man durch Vorträge sein Gehalt aufbessern kann.

Auch Helmut Schmidt hat man wohl sehr verübelt, als er sich als “leitenden Angestellten der Bundesrepublik” bezeichnet hat. Er wird das wohl im Sinne eines Friedrichs II. gemeint haben, dem da die Aussage zugesprochen wird: “Der König ist der erste Diener des Staates.”

Trotzdem: wenn einen die anderen um jeden Preis missverstehen wollen, dann kann man wenig bis nichts dagegen machen:

“Gestern regnete es, also fuhr ich im Dienstwagen zum Ministerium.” Ich sehe schon die Schlagzeile in fetten Lettern vor mir: “MINISTER IST SICH ZU SCHADE, NASS ZU WERDEN WIE JEDER ANDERE BUNDESBÜRGER AUCH! – Ist jemand mit so elitärem Gehabe wirklich tragbar in einem öffentlichen Amt?”

39) Roland A. Schneider, Dienstag, 01. Januar 2013, 19:32 Uhr

Hallo Herr Spreng,

Sie sind noch sehr zurückhaltend und diplomatisch, wenn es um die eindeutige(!) Dummheit eines Kanzlerkandidaten geht! Jedervon uns macht Fehler, das billige ich auch Peer Steinbrück zu. Aber solche Fehler DARF ein Spitzenpolitiker nicht machen! Sie haben es in einem Satz bereits auf den Punkt gebracht:

“Peer Steinbrück hat gesagt, Geld wirke auf ihn nicht erotisierend, aber warum redet er dann so oft davon?”

Bingo! – der Mann ist geldgeil und Geld wirkt für ihn höchst erotisierend!

Wenn Sie ihn beraten würden – da bin ich sicher – würde er solche Fehler nicht machen! (Drohung eines Trittes in den Allerwertesten?)
Immerhin hat Stoiber damals fast gewonnen – das hätte er ohne seine Berater noch nicht einmal ansatzweise geschafft!*fg*

R.A. Schneider

40) JG, Mittwoch, 02. Januar 2013, 07:47 Uhr

@ 24) Erwin Gabriel

Vielen Dank, daß Sie die fragliche Interviewpassage hier wiedergegeben haben. Sie zeigt, daß hier nichts “aufgebauscht” oder “skandalisiert” wird, sondern bestärkt meinen Eindruck, daß Herr Steinbrück – Wie sag ich das jetzt juristisch einwandfrei? – “in meinen Augen ein gewisses Intelligenzproblem zu haben scheint” und/oder schlichtweg ein Dampfplauderer ist, der munter drauflos plappert, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie seine Äußerungen ankommen oder verwendet werden könnten. Daß die Kollegen von der F.A.Z. ihm Gelegenheit gegeben haben, dies zu zeigen, ist nicht “unseriös bis schäbig”, sondern sehr dankenswert.

Und für Sie zum Trost: Die von Ihnen so verabscheuten Journalisten – selbst festangestellte bei der F.A.Z. – verdienen in aller Regel in einem Monat Summen, für die der von Ihnen so bemitleidete Herr Steinbrück nicht eine einzige Rede halten würde.

41) Cato, Mittwoch, 02. Januar 2013, 09:21 Uhr

Der Steinbrück wird umbenannt auf Geldbrück. Das entspricht dem egozentrischen Größenwahn
des Herrn besser.

42) Hutchinson, Mittwoch, 02. Januar 2013, 09:24 Uhr

Ich bin fest davon überzeugt, wäre Peer Steinbrück vom Medienberater MIchael Spreng (schleim schleim*) wäre ihm und uns diese Blamage erspart. Unbelehbar wie er zu sein scheint, veigert er sich bisher sich irgendetwas sagen zu lassen. Wir kämen wir dahin !
Tja…
Steinbrück kann nicht mit den Medien. Mit schlauen Journalisten umso weniger.
Wie kann es sein, daß VOR einem Interview mit einer der wichtigsten Blätter des Landes, keine
gezielte Vorbereitung mit Beratern erfolgt ?

43) Rainer N., Mittwoch, 02. Januar 2013, 09:30 Uhr

Hallo Herr Spreng,

war der Link auf die SZ oder das Ziat der Grund für die Nichtveröffentlichung meiner Antwort an Herrn Gabriel (24)? Denn der Inhalt entsprach ja der Antwort von Herrn Paul (35).

44) Frank Reichelt, Mittwoch, 02. Januar 2013, 09:54 Uhr

Scheinbar besteht sowohl bei Herrn Spreng als auch bei vielen Kommentatoren eine unverständliche Sehnsucht nach klinischem und konkreten Antworten ausweichendem Politsprech, wie wir ihn aus Berlin jahrelang gewohnt sind!

Ich habe diese Sehnsucht nicht, deshalb kann ich an Steinbrücks Äußerungen nichts anstößiges oder ungeschicktes finden.

Wenn jetzt bei der FAZ die Sektkorken knallen, weil der Kandidat wieder mal in ein ihm vor die Füße gestelltes Fettnäpfchen getreten ist, spricht das meiner Ansicht nach für sich. Die Berufsgruppe der Journalisten rangiert nicht ohne Grund am unteren Ende der Beliebtheitsskala, in enger Nachbarschaft mit der Politikerkaste, Not gegen Elend also!

45) Erika, Mittwoch, 02. Januar 2013, 10:23 Uhr

Es ist egal was Steinbrück tun würde, man ist entschlossen Ihn niederzuschreiben.

Am 31.12.2012 lautete die Schlagzeile in der Mitte auf der Titelseite meiner Tageszeitung:

“Steinbrück hält Kanzlergehalt für zu niedrig”

Darunter im “blauen” Kasten: Ihre Meinung interessiert uns. Bitte mailen Sie an:…

Auf Seite 3 dann der Kommentar: “Steinbrücks Gehaltswünsche”
—————————————————————————————————————————

Heute morgen dann auf der Titelseite in der Rubrik unter Schlagzeilen:

“Kanzlerhonorar: Steinbrück lässt keinen Fettnapf aus. S.3″

Seite 3: große Überschrift: “Soll er doch zur Sparkasse”

liest man dann die namentlichen Kommentare der Leser dazu, wird die Sache allerdings differenzierter:
“Sehr ungern muss ich Herrn Steinbrück recht geben…….”
“Die Antwort von S. auf die Frage in der FAZ ist korrekt….”
“Herr Steinbrück hat vollkommen Recht…….”
“Steinbrück (ich bin weder Fan von S noch von der SPD) hat natürlich Recht, wenn…
“Natürlich ist das Kanzlergehalt im Vergleich zu anderen Führungskräften in Deutschland eher gering…..Bedauerlich, dass Steinbrück mal wieder in eine Frage-Falle getappt ist, denn es gäbe wichtigere Fragen zu diskutieren….”
“Die Fragestellung ist falsch.”
“Ich bin nicht der Meinung, dass der Bundeskanzler, die Politiker zu wenig verdienen, sondern der zum Vergleich genannte Personenkreis zuviel.”

Und dann gibt es natürlich die Stimmen, die man offenbar erreichen möchte:
“Er hat sich mit seiner lautstarken Meinung um das Kanzlergehalt selbst disqualifiziert….mangelt es ihm an Charakter und Bescheidenheit. Er ist ein unhaltbarer Kandidat…”
“Ich meine Altkanzler Schröder hatte recht. Wenn dem Steinbrück das Gehalt zu niedrig ist, dann soll er zur Sparkasse gehen. So was Arrogantes soll unseren Staat führen? Für mich ist er als Kanzler durch und durch nicht mehr wählbar

Die Mehrzahl der abgedruckten Antworten, haben sich differenziert mit dem Thema auseinandergesetzt (7). Und dann gab es eben noch die 2 Antworten bei denen es um persönliche Diffamierung des Kandidaten geht (mangel an Charakter, Arroganz) aber auf mein Main-Echo ist Verlass, die große Überschrift lautete: “Soll der doch zur Sparkasse gehen.”

Propaganda und persönliche Diffamierung des politischen Gegners, gab es schon oft in der deutschen Geschichte. Zum Glück hat es nicht immer funktioniert. (Brandt).

Aber vielleicht haben wir schon gar keine Demokratie mehr? Wie frei ist denn unsere Presse?
Wie darf man die Äußerungen der Kanzlerin verstehen: “Keine Eurobonds, solange ich lebe”oder
“Ich freue mich, dass es gelungen ist, Osama bin Laden zu töten.” ? Die in der Presse seltsam unkommentiert blieben? Ist das schon der Weg in die “marktkonforme Demokratie” ?

Für das Neue Jahr wünsche ich uns allen kluge und besonnene Wähler!

46) Erwin Gabriel, Mittwoch, 02. Januar 2013, 10:26 Uhr

@ 35) Bernhard Paul, Dienstag, 01. Januar 2013, 17:04 Uhr

>> Steinbrücks vielfach als erfrischend empfundener rhetorischer Stil
>> und seine Direktheit legt ihm der durchschnittliche Staatsbürger
>> in der neuen Rolle als unstaatsmännisch aus.

Ich glaube nicht, dass das der Knackpunkt ist. Wenn Sie einem durchschnittlichen Staatsbürger das besagte Interview aus der Frankfurter Allgemeinen zeigen, wird der sich alle Fragen und Antworten durchlesen und sich irgend etwas dabei denken, irgend etwas daraus schließen. Aber kein durchschnittlicher Staatsbürger würde sich auf diesen Punkt stürzen und als Interview-Ergbnis schließen, dass Steinbrück für sich mehr Geld verlange.

Falls Steinbrück seinen Stil ändert, würde man ihm vorwerfen, dass er sich um der Macht willen verbiege.

47) Erwin Gabriel, Mittwoch, 02. Januar 2013, 10:32 Uhr

@ 39) Roland A. Schneider, Dienstag, 01. Januar 2013, 19:32 Uhr

>> Sie haben es in einem Satz bereits auf den Punkt gebracht:
>> “Peer Steinbrück hat gesagt, Geld wirke auf ihn nicht erotisierend,
>> aber warum redet er dann so oft davon?”

Vielleicht, weil ihn jeder immer wieder danach fragt. Antwortet er nicht darauf, wird unterstellt, antwortet er, wird verdreht.

Der Mann tritt an, um Deutschland zu regieren, und wird darauf angesprochen, dass er schon als Jugendlicher, als Parkpülatzwächter “ordentlich” verdient habe?

48) Erwin Gabriel, Mittwoch, 02. Januar 2013, 11:42 Uhr

@ 40) JG, Mittwoch, 02. Januar 2013, 07:47 Uhr

>> Und für Sie zum Trost: Die von Ihnen so verabscheuten Journalisten –
>> selbst festangestellte bei der F.A.Z. – verdienen in aller Regel in einem Monat
>> Summen, für die der von Ihnen so bemitleidete Herr Steinbrück nicht eine
>> einzige Rede halten würde.

Dann fleddern wir mal los:

* Peer Steinbrück hat nicht nur Reden gegen Honorar gehalten, sondern ist deutlich öfter als Redner ohne Honorar in Erscheinung getreten. Herr Steinbrück hat also viele Reden gehalten, für die er weniger bekam, als ein Redakteur in der Regel verdient.
* Wenn es keine Kampagne gegen Steinbrück geben würde, hätten Sie das natürlich auch mitbekommen. Darf ich also davon ausgehen, dass Sie hier bewußt die Unwahrheit sagen?
* Ihre Argumentation lautet sinngemäß: “Leute, die wenig verdienen, dürfen deswegen Leute, die mehr verdienen, in die Pfanne hauen”. Alles klar: Sie haben ja sicherlich schon als Jugendlicher gewußt, wie man es richtig krachen lässt…
* Bekannte Chefredakteure großer Titel verdienen in der Regel in der gleichen Kategorie wie ein Bundeskanzler. Kai Dieckmann, der Chef der BILD-Zeitung, liegt deutlich darüber. Ansonsten: Kennen Sie überhaupt den Tarifvertrag für Redakteure, oder “glauben” bzw. “erfinden” Sie nur, was Sie da schreiben?

.

Jetzt mal wieder “unjournalistisch”: Ich bemitleide Herrn Steinbrück nicht, und der wird mein Mitleid auch nicht brauchen. Ich bin, obwohl hochgradig verärgert über die katastrophale Politik von Frau Merkel, auch kein Anhänger der SPD.

Wie schön öfter an anderer Stelle geschrieben: Ich habe kein Problem damit, wenn jemand Peer Steinbrück für einen schlechten Kanzler hält,
- weil er noch keine Wahl gewonnen hat
- weil er , als er mit in der Regierung saß, an Entscheidungen mitwirkte, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten
- etc

Das sind Sachargumente, über die man sich austauschen kann. Da hat man dann eine Frau Merkel, deren Leistung man dagegen stellen kann. Aber so?

Ich kenne diese Methoden. Das hat mit Journalismus, mit der Verbreitung von Nachrichten, mit erläuternder Berichterstattung nicht mehr viel zu tun. Ich (und alle anderen) sollen einfach nur verarscht werden. Das ist es, was mich wütend macht.

49) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 02. Januar 2013, 12:19 Uhr

Steinbrück hat in seiner Ahnungslosigkeit in Bezug auf die Befindlichkeit vieler Bürger instinktlos parliert.
Steinbrück überschätzt sein politisches Können. Und er übersieht die ihm fehlenden sozialen Kompetenzen, die wahlentscheidend für eine Partei wie die SPD sind. Volksnah ist der Mann nicht. Eher CDU nah. Für die CDU gelten andere Maßstäbe. Sie wird von Menschen gewählt, die anderes im Auge haben. Ist Steinbrück doch in der falschen Partei, wie viele vermuten?
Steinbrück sieht das anders. Er sieht das Ausbleiben sozialer Kernkompetenzen, den fehlenden Blick für die Lebenswirklichkeit von Millionen von Menschen nicht als Mangel, sondern eher als sein für ihn charakteristisches Markenzeichen: Schnoddrigkeit allüberall wo er geht und steht. Darauf ist er stolz. Das möchte er behalten. Eine Mixtur von Arroganz und Eitelkeit. Eine zweifelhafte Symbiose, die von vielen Wählern als unangenehm empfunden wird. Er selbst hat damit keine Berührungsängste.
Und wo bleiben diejenigen, die sehnlichst das Ende der Merkel-Regierung erwarten? Für solche Optimisten auf Erlösung ist Steinbrück ein Flop und Frust zugleich. Ihnen zerstört er jedes Porzellan und die Hoffnung auf eine Wende, wie sie auch immer ausschauen mag. Hauptsache Rösler und Merkel sind weg!
Wer sich so liderlich vermarktet, sich die Sylvesterrakete am Hintern selbst anzündet, braucht sich über den anschließenden Fußtritt nicht zu wundern.
Frau Merkel ganz sich also entspannt zurücklehnen. Steinbrück ist kein Gegner, eher ein gescheiterter Kandidat für ein internes Resozialisierungsprogramm der SPD. Viel Spaß dabei, Frau Nahles, Herr Gabriel. Irgendwie dumm gelaufen, das mit Steinbrück?

50) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 13:19 Uhr

Einige versuchen weiter die These zu vertreten, die Medien hätten eine „Kampagne“ gegen Steinbrück entfesselt. Ich kann derartiges nicht erkennen. Wie auch, wenn weit über 50 Prozent der Journalisten sich selbst politisch links-Grün einordnen und die Linkslastigkeit der Medien wirklich kein Geheimnis ist.http://www.focus.de/politik/deutschland/debatte-in-treue-fest_aid_629716.html Also, weshalb sollten „linkslastige Medien“ den Auftritt eines Kanzlerkandidaten „ skandalisieren“, der aus einer Partei kommt, die ihnen politisch nahesteht.

Und selbst die konservative Presse, wie die FAZ, baute dem Kanzlerkandidaten noch eine „Brücke, über die er nur hätte gehen müssen, so zumindest Albrecht Müller von den Nachdenkseiten:

„Die Absurdität der Behauptung des Kanzlerkandidaten, der Bundeskanzler verdiene zu wenig, wird an der Antwort auf eine Frage der Interviewpartner von der FAS sichtbar: Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind. Die Interviewpartner der FAS haben ihm also eine Brücke gebaut. Er hätte auf ihre Frage nur antworten müssen: „Jawohl, die Sparkassendirektoren und andere in der Wirtschaft verdienen zu viel. Da ist Maß und Mitte verloren gegangen. Es ist wichtig dass wir dieses wieder finden. Wir müssen die Spreizung der Einkommen und Vermögen verringern. Und im übrigen: Schlecht bezahlt ist das Amt des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin bei uns nicht.“

Er betritt diese Brücke nicht und tritt stattdessen eine neue Welle vernichtender Kommentare los. Steinbrück ist falsch gepolt. Bei uns in der Kurpfalz und Pfalz nennt man so jemanden einen „Dummbabbler“. http://www.nachdenkseiten.de/?p=15569

51) Daniel, Mittwoch, 02. Januar 2013, 15:32 Uhr

Da kann sich Mutti ja wieder mal bequem in ihren Chefsessel zurücklehnen und entspannt dabei zusehen, wie sich der Kandidat der SPD wieder ein Stückchen weg vom Volk bewegt. Schade, schade…
Dabei ist der Einwand Steinbrücks sicher nicht ungerechtfertigt, er passt nur nicht in die Zeit. Und gerade er sollte monetäre Aspekte des Politikerlebens im Wahlkampf besser zur Seite schieben. Wenigstens ist er ehrlich, zeigt Kante, guter alter Hamburger Stil eben. Leider kommt das aber beim Volk wohl nicht gut an, viele mögen dann doch lieber im Wahlkampf das Hören, was man hören will. Und hier scheinen Steinbrücks Berater momentan komplett zu versagen. Eine andere Erklärung hierzu habe ich nicht. Mal schauen, ob die Wende noch gelingt. So sieht es derzeit wohl “leider” eher nach Verlängerung für Mutti aus….

52) Journalist, Mittwoch, 02. Januar 2013, 17:37 Uhr

50) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 13:19 Uhr

Also,

Steinbrück ist SPD-Mitglied, die meisten Journalisten sind links. Wenn also derart negativ über den Kandidaten Steinbrück geschrieben wird, ist er politisch rechts oder selbst schuld?

Und ihm wäre die Häme erspart geblieben, wenn er geanwortet hätte, dass die Gehälter in der Wirtschaft zu hoch sind?

Lustige Theorie.

PS: Und wie ist das nochmal mit dem Dummbabbler?

53) Bernhard Paul, Mittwoch, 02. Januar 2013, 18:35 Uhr

Peer Steinbrück hat diese Sätze seines Interviews mit der FAS fast wortgleich schon früher gesagt, auch in seinem Buch “Unterm Strich” geschrieben, erschienen 2010. Kaum jemand hat sich dafür interessiert.

Jetzt ist er Kandidat für das höchste Regierungsamt. Und gleich sieht alles anders aus und wird anders gewichtet. Zu Recht.

Auch wenn ich mich wiederhole: Steinbrück muss seine flotte Zunge zügeln und seine Aussagen auf politische Inhalte lenken. Ich bin auch der Meinung, dass er sehr wohl die Möglichkeit hatte, diese Stolperfalle des Interviews spielend zu umgehen. Er wollte es nicht. Das ist Steinbrück pur. Er muss sich auch nicht verbiegen, aber ein wenig staatsmännischer operieren. Da kann er von seinem großen Vorbild Helmut Schmidt lernen. Der sprach auch immer Tacheles, aber staatsmännisch.

54) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 19:25 Uhr

@Journalist

Ich empfehle Ihnen den entsprechenden Artikel von Albrecht Müller: http://www.nachdenkseiten.de/?p=15569 Dem ehemaligen Wahlkampfleiter Willy Brands muss man wohl ein fundiertes Urteil zutrauen. Zum Begriff „Dummbabbler“ sollten Sie ihn direkt befragen.

Zu Ihrer Frage: „Steinbrück ist SPD-Mitglied, die meisten Journalisten sind links. Wenn also derart negativ über den Kandidaten Steinbrück geschrieben wird, ist er politisch rechts oder selbst schuld? Antwort: Beides ist zutreffend!

Zu Ihrer Frage: „Und ihm wäre die Häme erspart geblieben, wenn er geanwortet hätte, dass die Gehälter in der Wirtschaft zu hoch sind? Antwort: Nein, behauptet auch niemand! Albrecht Müller schlägt als Antwort vor: „Jawohl, die Sparkassendirektoren und andere in der Wirtschaft verdienen zu viel. Da ist Maß und Mitte verloren gegangen. Es ist wichtig dass wir dieses wieder finden. Wir müssen die Spreizung der Einkommen und Vermögen verringern. Und im übrigen: Schlecht bezahlt ist das Amt des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin bei uns nicht.“

55) Christian Erhart, Mittwoch, 02. Januar 2013, 20:53 Uhr

Mit Verlaub Herr Spreng
Ihre Einschätzung von Herrn Steinbrück ist falsch. Der Mann ist nicht Spezialist für Fettnäpfchen sondern für Oelfasser.
Alles gute im neuen Jahr.

56) Don Corleone, Mittwoch, 02. Januar 2013, 21:30 Uhr

50) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 13:19 Uhr

Servus! Mit Ihrem knusprigen Satz “Er betritt diese Brücke nicht und tritt stattdessen eine neue Welle vernichtender Kommentare los” haben Sie den Kanzlerkandidaten der SPD …
(a) mit einem griffigen Bonmot beschenkt,
(b) seine wahren Motive, soweit für uns Stimmvieh erkennbar, ausgeleuchtet.

Wenn einer, der Steinbrück heißt, keine Brücke betreten mag, dennoch aber gezielt kontroverse Sprüche von sich gibt, kann das nur bedeuten: Er strebt danach, endlich wieder auf Titelseiten präsent zu sein, die ihn jahrelang nicht mehr erwähnten. Was seine nebenberuflichen Honorare zweifellos beleben wird — jetzt und nachhaltig, auch nach der Wahl, deren Erfolg er gar nicht anstrebt. (Auch nicht anstreben kann, da kein Vizekanzler unter Mutti Merkel werden mag, sondern nur Kanzler mit grünem Koalitionspartner. Was aus pragmatischer, aber auch aus kavalleristischer Sicht ein sehr kapriziöser Wunsch ist.)

Wen soll die SPD, darob etwas nervös geworden, auf die Schnelle aus dem Hut zaubern? Außer den zwei schmollenden Troika-Rittern Gabriel und Steinmeier ist keine(r) mehr da. Also wird Peer Steinbrück auf dem leicht lahmenden Rotschimmel in die Wahl reiten, den Helm vor der alternativlosen Mutti Merkel lüpfen und lächelnd dem Beispiel Gerhard Schröders folgen, der seine Motive wenigstens offen dargelegt hat. (Falls der Eindruck entstehen sollte, dass la bella Angela mir ans Herz gewachsen sei — nein, mit Nichten und Neffen! Ich bedaure aber den Verfall und die Aufgabe ihrer Identität einer Partei namens FDP, die einst liberal war.)

57) senta rieger, Donnerstag, 03. Januar 2013, 05:17 Uhr

klar, dass steinbrück das mit hintergedanken macht, nämlich denen, dass die ganze verbandsklientel, sparkassenvorstände, flughafengeschäftsführer, etc., die sinnlos, schlecht und überteuert sind, in eine diskussion um ihre völlig überzogenen gehälter geraten-
das ist der punkt, an den steinbrück nach der wahl drangeht, überbezahlte Idioten- wohin man schaut-

gut- aber leider nicht verstanden, Kommentatoren und Spreng!

58) Von Freiburg, Donnerstag, 03. Januar 2013, 09:18 Uhr

Solange die UN-Konvention gegen Korruption von Deutschland nicht unterschrieben wird, ist die Disskussion über Diäten nachrangig. Wenn die Konvention dann endlich ratifiziert worden ist, können unsere Politiker ruhig mehr verdienen.

59) Erika, Donnerstag, 03. Januar 2013, 09:23 Uhr

35) Bernhard Paul, Dienstag, 01. Januar 2013, 17:04 Uhr

“An einen Kanzlerkandidaten Steinbrück wird aus guten Gründen ein anderer Maßstab angelegt als an den Abgeordneten Steinbrück oder den Minister Steinbrück. ”

Es wäre allerdings auch hilfreich, wenn ein “anderer Maßstab” an die Kanzlerin angelegt werden würde.

Zumindest meine Tageszeitung hat keinen Aufruf gestartet mit der Frage:

Soll Angela Merkel bis zu ihrem Lebensende im Amt bleiben?

oder

Brauchen wir überhaupt noch Gerichtsverfahren um Verbrecher zu bestrafen oder überlassen wir dies künftig irgendwelchen Polizeieinheiten?

oder

Ist ein gefälscher Doktortitel nur dann ein Problem, wenn man als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt wird?

oder

Rechtfertigt ein Tsunami in Japan die überstürzte Abschaltung von Atomkraftwerken in Deutschland?

oder

Liegt die schlechte Rendite bei den Riesterverträgen in Lebensversicherungen , auch daran, dass durch die “dicke Bertha” die Zinsen extrem niedrig sind ?

oder

Sind Sie der Meinung, die Regierung Merkel ist die erfolgreichste Regierung seit der Wende?

Nein, das Verhalten von Angela Merkel wird in der Presse immer mit sehr viel Verständnis und Lob (Euroretterin, Klimakanzlerin) behandelt. Offenbar wird tatsächlich an den Kanzlerkandidaten ein ganz anderer Maßstab angelegt.

60) Erika, Donnerstag, 03. Januar 2013, 10:49 Uhr

54) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 19:25 Uhr

” Albrecht Müller schlägt als Antwort vor: „Jawohl, die Sparkassendirektoren und andere in der Wirtschaft verdienen zu viel. Da ist Maß und Mitte verloren gegangen. Es ist wichtig dass wir dieses wieder finden. Wir müssen die Spreizung der Einkommen und Vermögen verringern. ….”

Schlägt ihr hochgeschätzter Herr Müller auch vor, wie dies denn umgesetzt werden kann?

Die Träger der Sparkassen sind die Kommunen (soviel zu “und andere in der Wirtschaft), die legen auf Empfehlung des Verbandes die Gehälter fest (zumindest in Bayern). Im Verwaltungsrat sitzen Kommunalpolitiker. Halten Sie es für wahrscheinlich, dass es in Kürze in Bayern nur noch “linke” Bürgermeister und Landräte gibt? Was sollte ein Kanzler da tun? Wenn man die Spreizung verringern möchte hilft auf absehbare Zeit nur eine Veränderung bei den Steuern und dies hat Steinbrück in seiner Bewerbungsrede vorgeschlagen.

Artikel schreiben wie Herr Müller kann man nur, wenn man auf Dauer keine Verantwortung übernehmen muss. Steinbrück möchte Verantwortung übernehmen und nennt die Dinge aus seiner Sicht beim Namen. Ich frage mich immer mehr in was für einem Land wir leben. Da wird darüber philosophiert, was jemand sagen sollte, anstatt seine freie Meinungsäußerung zu respektieren und zwar nicht verfälscht durch die Medien, sondern so, wie er es gesagt hat. Und Steinbrück hat gesagt, wie wir oben lesen konnten:
“Im Übrigen finde ich allerdings,
dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten
bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu
jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die
Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die
Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an
ihrer Leistung nicht überbezahlt. ”

Beratungsbedarf sieht da nur, wer Beratungsbedarf sehen will!

61) Journalist, Donnerstag, 03. Januar 2013, 13:38 Uhr

@ 54) Politikverdruss, Mittwoch, 02. Januar 2013, 19:25 Uhr

Ich lese zwar durchaus die Nachdenkenseiten, erlaube mir aber, das Nachdenken nicht den anderen zu überlassen – das tue ich lieber selbst.

>> Zu Ihrer Frage: „Steinbrück ist SPD-Mitglied, die meisten Journalisten sind links.
>> Wenn also derart negativ über den Kandidaten Steinbrück geschrieben wird,
>> ist er politisch rechts oder selbst schuld? Antwort: Beides ist zutreffend!

Autsch. Schon als die SPD-KK-Troika noch in Amt und Würden war, hat man sich jeden der drei Kandidaten vorgenommen, wenn auch etwas dezenter. Und hat hat zu Steinbrück, Gabriel, Steinmeier jeweils ausführlichst begründet, warum die eigentlich gegen unsere Angie keine Chance haben.

So wird argumentiert, wenn die Voraussetzung bzw. Ausgangsfrage lautet: “Warum kann es dieser oder jener Kandidat eigentlich NICHT”?

Würde man seriös diskutieren, müssten die Frage lauten: Wo sind die Stärken und Schwächen von Herrn Steinbrück gegenüber Frau Merkel, und umgekehrt. Und man kann zu beiden Punkten Fakten heran ziehen, als mal wieder seine vorgeprägte Meinung durchzukauen.

Ich empfehle Ihnen zur Verbesserung der Methodik gerne die Lektüre “Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen” von Rolf Dobelli
http://www.amazon.de/Die-Kunst-klaren-Denkens-Denkfehler/dp/3446426825/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1357214132&sr=8-2

>> Zu Ihrer Frage: „Und ihm wäre die Häme erspart geblieben, wenn er geanwortet
>> hätte, dass die Gehälter in der Wirtschaft zu hoch sind? Antwort: Nein, behauptet auch
>> niemand! Albrecht Müller schlägt als Antwort vor: „Jawohl, die Sparkassendirektoren
>> und andere in der Wirtschaft verdienen zu viel. Da ist Maß und Mitte verloren gegangen.
>> Es ist wichtig dass wir dieses wieder finden. Wir müssen die Spreizung der Einkommen
>> und Vermögen verringern.

Hätte Steinbrück diese Antwort gegeben, hätte man ihm mal wieder seine Honorare um die Ohren gehauen: Wasser predigen, Wein saufen” etc. Das Ergebnis wäre ebenfalls eine Katastrophe geworden. Da hat der Herr Albrecht Müller nicht richtig nachgedacht.

Mal unabhängig davon, dass ich nichts davon halte, Grenzen für Höchstverdienste oder moralischen Anstand so zu ziehen, dass ich nicht betroffen bin, aber die anderen – Sie haben in einem Rechtsstaat keine Möglichkeit, über eine Selbstverpflichtung hinausgehend Einkommensobergrenzen festzulegen. Das ist höchst undemokratisch.

Was geht, ist die Regeln zu verändern. An Mitarbeiter gezahlte Gehälter, auch Millionengehälter, sind beispielsweise von der Steuer absetzbar. Wenn Sie für die Absetzbarkeit von Gehältern eine Obergrenze festlegen würden, hätte das sicherlich einen Effekt. Auch wenn Sie auf die Spitzensteuersätze zu Zeiten der Regierung Kohl zurückgehen, würde der Staat von hohen Gehältern profitieren.

Das ist mit Angie als Bundeskanzlerin allerdings genauso wenig zu machen wie, eine Transparenz der Nebenverdienste einzuführen oder die Korruption von Abgeordneten unter Strafe zu stellen. Hier sträuben sich die Regierungsparteien doch sehr nachdrücklich.

Wie würden die Schlagzeilen lauten, wenn Steinbrück seine Nebenverdienste nicht offengelegt hätte, und wenn er gefordert hätte, die Korruption von Abgeordneten straffrei zu halten? Mal darüber nachgedacht?

>> Und im übrigen: Schlecht bezahlt ist das Amt des Bundeskanzlers bzw. der
>> Bundeskanzlerin bei uns nicht.“

Das ist wieder diese schleimige Medien-Arbeitsweise, die ich meine: Durch diese Aussage implizieren Sie, dass Steinbrück behautet habe, dass Amt des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin sei schlecht bezahlt. Das hat er aber an keiner Stelle gesagt.

Er hat aber keine absolute Aussage getroffen, sondern einen Vergleich gezogen. Er hat kein höheres Kanzlergehalt gefordert oder ein zu niedrigeres Kanzlergeahalt beklagt (beklagt hat er nur die einseitige Diskussion über die Gehälter von Politikern), er hat nicht behauptet, dass er mit dem Kanzlergehalt nicht auskommen würde etc.

Zwischen den Aussagen Merkels, Schröders und Steinbrücks gibt es keinen Widerspruch. Wer dort einen Widerspruch findet, erfindet ihn (ob mit Absicht oder unbewußt), um Steinbrücks Aussagen an sein eigenes Weltbild anzupassen.

62) Politikverdruss, Donnerstag, 03. Januar 2013, 14:19 Uhr

@ Don Corleone, 56.,

Ihrer Analyse kann man nur zustimmen. Ich glaube, von Moltke (d.Ä.) stammt die Erkenntnis, dass Fehler im „Aufmarsch“ später im (Wahl) Kampf kaum mehr korrigierbar sind.

Wahlkampfstrategie der SPD und Kanzlerkandidat passen einfach nicht zusammen. Mit „Hausbesuchen“ will man punkten und den „Raubtierkapitalismus“ bändigen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-spd-kandidat-steinbrueck-macht-gerechtigkeit-zum-thema-a-871730.html

Ist das glaubwürdig? Nein!

Der Kanzlerkandidat ist kein „Genosse“, der bei „Hausbesuchen“ punkten könnte. Die „Frauen“ z.B. würden erst gar nicht die Tür öffnen. Und jemand, der Bankenrettungsgesetze von Anwaltskanzleien hat schreiben lassen, die zum Kern der Bankenlobby zählen, nimmt man nicht ab, dass die „Raubtiere“, die man einst selbst losgelassen(Banken-Deregulierung) hat, nun wieder bändigt. Fazit: Von der „Kampa-Professionalität“ vergangener Tage ist wenig zu sehen.

63) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 03. Januar 2013, 20:32 Uhr

@57)senta rieger

Hintergedanken bringen Wahlsieg nicht. Sophismus auch nicht.
Was den Wahlsieg bringen könnte, das wäre so etwas wie zum Beispiel eine Alternative zu Merkel zu bieten. Irgendwie scheint das Herr Steinbrück und seine Berater nicht zu kapieren.
Diese Alternative, plausibel in der Sache und authentisch wie glaubwürdig vorgetragen, das wäre mit Sicherheit wirkungsvoller als jeder verbale Schleuderkurs a la Steinbrück. Macchiavellismus in der heutigen Zeit ist out. Zwiedeutigkeit, die mißverstanden werden könnte, wirkt im Kampf um die Wählergunst eher. kontraproduktiv.

64) Anonym, Freitag, 04. Januar 2013, 00:12 Uhr

Angela Merkel macht Politik für die Klientel von reichen Leuten, aber gibt sich bescheiden. Dass Peer Steinbrück, zumal vor dem Hintergrund seiner politischen Vergangenheit, nun ausgerechnet in beiden Punkten das komplette Gegenteil sein soll, ist zweifelhaft. Denjenigen, die sowieso mit dem (linken) Programm der SPD nichts anfangen können, mag das egal sein. Aber diejenigen, die wirklich einen Politikwechsel wünschen, die müssen sich schon fragen, ob sie diesen Wechsel ernsthaft erreichen können, wenn sie einen Mann wie Peer Steinbrück supporten.

65) Günter Springer, Freitag, 04. Januar 2013, 08:48 Uhr

44) Frank Reichelt
Ihre Bemerkung:”Ich habe diese Sehnsucht nicht, deshalb kann ich an Steinbrücks Äußerungen nichts anstößiges oder ungeschicktes finden”.
Ich kann es kaum glauben, daß es auch noch Kommentatoren gibt, die Peer Steinbrücks Aussagen als die eines kompetenten Mitmenschen ansehen und nicht als die eines Aussätzigen.
Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Das meine ich nicht ironisch sondern ehrlich! Es besteht Hoffnung!

66) Erika, Freitag, 04. Januar 2013, 09:41 Uhr

@) Politikverdruss

“Und jetzt schreibt dieser dafür Verantwortliche in seinem Papier, „aus einem verhältnismäßig kleinen Problem mit US-Immobilienkrediten“ habe „sich eine Finanz- und Bankenkrise“ entwickelt. Das ist unglaublich. Das ist der geläufige Versuch, die Entstehung der Finanzkrise auf die USA abzuschieben.”

Das ist die Analyse von Herrn Albrecht Müller im Artikel:

http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-kandidat-taeuscht

Ganz klar die Pleite von Lehmann hat nichts mit der Finanzkrise zu tun, sondern Steinbrück hat zwischen 2005 und 2008 Deregulierungen vorgenommen und ist der Schuldige. (“Ironie”)

67) Martin, Freitag, 04. Januar 2013, 13:59 Uhr

Also, wenn Steinbrück das Gehalt nicht ausreicht, dann soll er halt nicht kandidieren. Es zwingt ihn ja keiner, Kanzler zu werden. In dieser Republik gibt es nun wirklich genug Machtg…, die für deutlich weniger den Job machen würden, die sogar ohne Bezahlung ins Kanleramt einziehen würden.
P.S.: Als ehemaliger Finanzminister würde er bestimmt keine Schwierigkeiten haben, eine Stelle als Sparakssendirektor zu bekommen.

68) Erwin Gabriel, Freitag, 04. Januar 2013, 15:57 Uhr

66) Erika, Freitag, 04. Januar 2013, 09:41 Uhr

:-)

Wußten Sie übrigens, dass in den 50er- und 60er-Jahren hier in Deutschland der abnehmende Bestand an Klapperstörchen mit der rückläufigen Geburtenrate korrelierte?

69) Dierke, Freitag, 04. Januar 2013, 16:29 Uhr

Gestern – 03.01.2013 – gab es einen Leserbrief in der Neuen Osnabrücker Zeitung von Dr. Michael Woike, Belm, der so empfehlenswert wie witzig ist.

70) Doktor Hong, Freitag, 04. Januar 2013, 16:50 Uhr

Albrecht Müller fährt doch selber eine Kampagne.

Er will Steinbrück darstellen als Erfüllungsgehilfen der Banker, einen kalten Technokraten ohne soziales Gewissen, als inkompetenten Volkswirt.

Wie man an vielen Kommentaren hier sieht, scheinbar mit Erfolg.

Frage: was bezweckt Albrecht Müller damit? Schonmal darüber nachgedacht, nach Lektüre der Nachdenkseiten?

71) StefanP, Freitag, 04. Januar 2013, 20:04 Uhr

@61) Journalist

Wenn Sie für die Absetzbarkeit von Gehältern eine Obergrenze festlegen würden, hätte das sicherlich einen Effekt. Auch wenn Sie auf die Spitzensteuersätze zu Zeiten der Regierung Kohl zurückgehen, würde der Staat von hohen Gehältern profitieren.

Sind Sie auch für eine Obergrenze für die Besteuerung von Gewinnen, sagen wir 1 Milliarde Euro? Sie wissen schließlich nicht, ob das Unternehmen extrem hohe Gewinne nur erzielen konnte, weil es die Besten aller Besten gewonnen hat.

Ansonsten kehren wir auch auf das Besteuerungsverfahren (Anrechnungsverfahren) und die breiten Ausnahmen der Kohl-Ära zurück. Dann müssen Sie nur noch das Problem mit EU-Recht lösen und wir sind wieder in den 1980ern.

72) StefanP, Freitag, 04. Januar 2013, 20:21 Uhr

@62) Politikverdruss
@64) Anonym

Aber diejenigen, die wirklich einen Politikwechsel wünschen, die müssen sich schon fragen, ob sie diesen Wechsel ernsthaft erreichen können, wenn sie einen Mann wie Peer Steinbrück supporten.

Leider ist vielen LInken in den meisten Zeiten nicht klar, dass sie für radikale Veränderungen nie eine Mehrheit bekommen. Die Fähigkeit zum weitgehenden Kompromiss geht ihnen ab und sehen sie als Verrat an der Sache. Leute wie Peer Steinbrück haben begriffen, dass Politik unter den Bedingungen der Demokratie das Bohren dicker Bretter und die Notwendigkeit des Arrangements mit der breiten Schicht wenig veränderungsbereiter Bürger verlangt.

Nun begeht Steinbrück den Fehler, sich bei den Linken seiner Partei anzubiedern mit Themen, die keinen signifikanten Einfluss auf die Wahlentscheidungen von Bürgern haben. Dazu zählen Mindestlohn, das Gehalt des Bundeskanzlers und andere Flower-Power-Subjects, die der Sozialdemokrat zuletzt thematisiert hat.

@Erika

Nein, das Verhalten von Angela Merkel wird in der Presse immer mit sehr viel Verständnis und Lob (Euroretterin, Klimakanzlerin) behandelt. Offenbar wird tatsächlich an den Kanzlerkandidaten ein ganz anderer Maßstab angelegt.

Ich weiß nicht, welche Zeitungen Sie lesen, jedenfalls nicht Spiegel, Stern, F.A.Z. oder Welt. Außerhalb der Europolitik werden dort der amtierenden Kanzlerin und ihrer Regierung keine guten Noten gegeben. Bei den wirtschaftsnahen Presseerzeugnissen wurden Helmut Kohl und Gerhard Schröder deutlich besser beurteilt – zu deren Regierungszeit.

73) Politikverdruss, Freitag, 04. Januar 2013, 21:16 Uhr

@Journalist, 61. 02.Jan 2013, 19:25 Uhr

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Herr Müller hat, wie Sie urteilen, „ nicht richtig nachgedacht“ und mir geben Sie „methodische“ Hinweise zur „Kunst des Klaren Denkens“.

Wissen Sie, es beruhigt regelrecht, wenn man auf so „klarsichtige Denker“ wie Sie stößt. Hier mal ein Beispiel Ihrer „Klarsichtigkeit“.

Sie behaupten: „Durch diese Aussage implizieren Sie, dass Steinbrück behautet habe, dass Amt des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin sei schlecht bezahlt. Das hat er aber an keiner Stelle gesagt.“ „Er hat kein höheres Kanzlergehalt gefordert oder ein zu niedrigeres Kanzlergeahalt beklagt.“

Frage der FAZ im Interview vom 29.12.12: „Verdient die Kanzlerin zu wenig?

Antwort Steinbrück: „Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/peer-steinbrueck-im-gespraech-bundeskanzler-verdient-zu-wenig-12009203.html

Zum Schluss noch eine Frage: Sind Sie wirklich Journalist?

74) Politikverdruss, Freitag, 04. Januar 2013, 22:25 Uhr

@Erika, 60), 66)

Verehrte Erika,
Sie schreiben: „Schlägt ihr hochgeschätzter Herr Müller…“ Also da hat sich bei Ihnen ein Eindruck verfestigt, den ich doch entkräften möchte. Ich habe Albrecht Müller auch deshalb zitiert, weil damit ja deutlich wird, wie sehr Steinbrück auch aus den Reihen des eigenen Parteilagers „Feuer“ erhält. Immerhin war Müller Planungschef unter Brandt im Kanzleramt. Und von Wahlkampf versteht er auch etwas. Also, Verantwortung hat der auch schon getragen! Seine ökonomischen Ansichten, die häufig „keynesianisch“ geprägt sind, teile ich überhaupt nicht.

Auf die Entstehung der Finanzkrise 2007 will ich jetzt nicht eingehen. Das Thema Steinbrück ist mir wichtiger. Wenige Wochen nach der Kandidatenkür stellt man immer häufiger die Frage: „Der rechte Kandidat“ http://www.taz.de/!107050/ Das ist doch die entscheidende Frage! Wie schön hatte man sich das vorgestellt. Der in ökonomischen Fragen sachkundige Steinbrück „zerlegt“ die Kanzlerin auf dem Feld der Euro-Krise und greift mal soeben nach dem Kanzleramt. Und nun dieses! Nichts, aber auch gar nichts passt da zusammen.

Nein Steinbrück ist nicht der „Schuldige“. Wie auch? Er war schließlich in Sachen „Vorträge“ unterwegs. Den Wahlkampf hat Frau Nahles vorbereitet, denn der SPD-Vorsitzende hat ja eine „Politikpause“ eingelegt und ist in „Elternzeit“ gegangen. Ihre Wahlkampfstrategie „Hausbesuche“ und „Bändigung Raubtierkapitalismus“ ist doch gar nicht schlecht. Passt nur nicht zum Kandidaten. Vielleicht hat sie ja auf einen anderen Kandidaten gehofft. Wer weiß?
http://www.focus.de/politik/deutschland/zeit-fuer-die-tochter-spd-parteichef-gabriel-kuendigt-politikpause-an_aid_739632.html

75) guillermo emmark, Samstag, 05. Januar 2013, 08:42 Uhr

Das Steinbrück Bashing,

dem sich sämtliche deutsche Medien verschrieben haben, nervt langsam.Statt sich mit den politischen Zielen und Strategien zu beschäftigen, immer nur und wieder und wieder Nachfragen zum Kanzlergehalt oder den Stadtwerken Bochum. Letzteres war sicherlich daneben, ersteres unglücklich. Beides ist inzwischen vollkommen ausgewalzt und breitgetreten.

Politische Themen scheinen aber den “modernen Journalisten” nicht mehr zu interessieren und so kommen immer wieder Fragen zu diesen beiden Lapsus. Vielleicht rastet er ja wieder ein bisschen aus und es gibt ‘ne schöne Schlagzeile.

Neun Monate wird man das nicht hinziehen können. Ein Skandal sieht anders aus. Z.B. Bankenrettung als Griechenland-Rettung deklarieren und damit alte, nationalistische Vorurteile wieder aufleben zu lassen oder die Bankenkrise als Staatsschuldenkrise, um den ‘faulen Südländern’ – und nicht nur denen – die letzten Euros aus der Tasche zu leiern.

76) Frank Reichelt, Samstag, 05. Januar 2013, 10:26 Uhr

Jetzt nochmal grundsätzlich:

Der Wahlkampf hat noch gar nicht angefangen. Wie Herr Spreng in richtig festgestellt hat, ist die Niedersachsenwahl am 20. Januar und was danach in der FDP passiert richtungsweisend für die Strategie. Bis jetzt war alles nur Vorgeplänkel, die sterbende Printpresse versucht verzweifelt Punkte zu machen und ihre Daseinsberechtigung nachzuweisen. Leider ist der Kandidat nun ein paarmal in die ihm von den “Journalisten” gestellten Fallen getappt. Davon wird in der heißen Wahlkampfphase im August und September höchstens noch am Rande die Rede sein.

Leider denken die auch hier zahlreich vertretenen Steinbrück-Kritiker nicht so perspektivisch, sondern kreischen bei jedem kleinen Fehler: ” Da da, er ist schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten, er kann es nicht, ich habe es schon immer gewußt!” Wartet doch erstmal ab, der Kandidat wird sich noch steigern, so wie beim Fußball im Mai die Titel gewonnen werden, ist die letzte Woche des Wahlkampfs für den Ausgang entscheidend, da werden die immer zahlreicheren Wechselwähler und unentschlossenen gefischt!

Ich sehe weiterhin gute Chancen für eine Kanzlerschaft Steinbrücks, entweder in einer Rot-Grünen Koalition oder, wenn es nicht reichen sollte in einer Ampelkoalition!

77) M.M., Samstag, 05. Januar 2013, 11:20 Uhr

Ich frage mich, warum Herr Steinbrück so gehemmt wirkt. Hat die deutsche Gewerkschaft etwa Leichen im Schweizer Keller liegen?

Die Kapitalertragssteuer ist bei 25 Prozent gedeckelt, jeder Facharbeiter dagegen zahlt 35-40 Prozent Steuern. Wäre das nicht einmal ein Ansatz um endlich in den Wahlkampf einzusteigen???

78) StefanP, Samstag, 05. Januar 2013, 13:08 Uhr

@70) Doktor Hong

Frage: was bezweckt Albrecht Müller damit? Schonmal darüber nachgedacht, nach Lektüre der Nachdenkseiten?

Gute Frage. Wie sein Vorbild Oskar Lafontaine scheint auch Albrecht Müller lediglich noch an der Zerstörung der Sozialdemokratie interessiert zu sein. Als politisch erfahrener Mensch muss er wissen, dass jede andere Strategie als die Unterstützung des Spitzenkandidaten Steinbrück das Desaster für die SPD nur vergrößern würde. Mir ist kein Beispiel bekannt, wo eine Partei in einem westlichen Industrieland den umstrittenen Spitzenmann zurückgezogen und dennoch ein besseres Wahlergebnis eingefahren hätte als die Umfragen es zuvor prognostiziert hatten.

Das letzte Beispiel, das sich anbietet, waren die französischen Präsidentschaftswahlen, wo der erklärte Favorit Dominik Strauss-Kahn ohne Nominierung zurückziehen musste und der Kandidat der Sozialisten, der heutige Präsident Francois Hollande, ein weit schlechteres Ergebnis als die vorherigen Umfragen für DSK einfuhr.

Oder hätte die hessische SPD bei den Neuwahlen 2009 die Frontfrau Ypsilanti zurückziehen sollen? Es wäre kaum zu erwarten gewesen, dass ein Verlegenheitskandidat wie der heutige Chef der hessischen Sozialdemokraten, Thorsten Schäfer-Gümpel, besser abgeschnitten hätte. Und wer sollte heute der Ersatzkandidat für Steinbrück sein? Keine Partei kann es sich leisten, ihre profiliertesten Leute so schnell zu verbrennen.

Was will also Albrecht Müller? Ihn interessieren Mehrheiten nicht, er will seine ehemalige Partei so weit nach links ziehen, dass sie keine realen Machtoptionen mehr hat. Das war schon mal der Fall, als Müller in der Partei noch Einfluss besaß, nämlich in den 1980er und 1990er Jahren. Damals verfolgten die Sozialdemokraten eine Agenda, die dem Herausgeber der Nachdenkseiten zusagte. Nur für die Umsetzung fehlten die Mehrheiten.

79) Journalist, Samstag, 05. Januar 2013, 14:57 Uhr

@ 73) Politikverdruss, Freitag, 04. Januar 2013, 21:16 Uhr

Zur FAZ: Sie zitieren die Frage und die Antwort ja selbst.
Ich erkenne nur eine faktische Beschreibung der Situation, eine relativierende Bemerkung (…”verglichen mit”…). Wo ist die Forderung, wo ist die Klage?

Und ja, ich bin wirklich Journalist.

Ich habe meinen ersten Beitrag noch einmal durchgelesen. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass Herr Müller (nicht nur an dieser Stelle), entweder zu wenig oder falsch gedacht hat.

Für meine vorlaute Belehrung und den überheblichen Ton Ihnen gegenüber möchte ich mich aber entschuldigen. Das war unnötig und unangebracht.

80) Journalist, Samstag, 05. Januar 2013, 15:16 Uhr

@ 71, 72) StefanP, Freitag, 04. Januar 2013, 20:21 Uhr

>> Sind Sie auch für eine Obergrenze für die Besteuerung von Gewinnen,
>> sagen wir 1 Milliarde Euro? Sie wissen schließlich nicht, ob das Unternehmen
>> extrem hohe Gewinne nur erzielen konnte, weil es die Besten aller Besten
>> gewonnen hat.

:-)
Natürlich nicht, genau so wenig, wie ich für eine Gehaltsobergrenze bin. Ich bin nur gegen eine Absetzbarkeit von extrem hohen Gehältern. Aber wenn ein Unternehmen Milliardengewinne einstreicht, wird es das verkraften.

Und Sie werden wahrscheinlich auch wissen, dass Unternehmensergebnisse oder die Leistungsfähigkeit eines CEOs nicht immer mit dem Gehalt übereinstimmt.
________________

>> Leider ist vielen LInken in den meisten Zeiten nicht klar, dass sie für radikale
>> Veränderungen nie eine Mehrheit bekommen. Die Fähigkeit zum weitgehenden
>> Kompromiss geht ihnen ab und sehen sie als Verrat an der Sache…

Ja. Das alte Problem: Theorie geht vor.
________________

>> Außerhalb der Europolitik werden dort der amtierenden Kanzlerin und ihrer
>> Regierung keine guten Noten gegeben. Bei den wirtschaftsnahen
>> Presseerzeugnissen wurden Helmut Kohl und Gerhard Schröder
>> deutlich besser beurteilt – zu deren Regierungszeit.

Mal unabhängig von den “Noten” der “Wirtschaftspresse” – wo hat Frau Merkel eine halbwegs bedeutende Zusage erfüllt? Wo geht es nicht schief? Was macht sie nach Ihrem Verständnis gut (für unser Land, nicht für sich)?

81) Politikverdruss, Samstag, 05. Januar 2013, 15:44 Uhr

@StephanP. 72), Zustimmung! Ich sehe es so:

Dreh-und Angelpunkt der „Steinbrück-Krise“ liegt darin, dass die Wahlkampfstrategie der SPD und Kanzlerkandidat nicht zusammenpassen. Verkürzt lautet sie: Das unsoziale Deutschland wird von Armut und Ungerechtigkeit erdrückt und nun erscheint der „Sozial-Ritter“ Steinbrück auf der Bühne, wendet alles zum Besseren und schlägt nebenbei noch der Hydra namens „Raubtierkapitalismus“ die Köpfe ab.

Das will man nun dem deutschen „Michel“ sogar mit „Hausbesuchen“ weißmachen. Der aber schaut sich um und erkennt von dieser sozialen Düsternis nicht viel, weiß aber noch, dass der „Raubtierkapitalismus“ auch von Sozialdemokraten befeuert wurde und wendet sich deshalb irritiert ab.

Ähnlich irritierend die Lage auf Parteiebene. Einem zum „Agenda-Flügel“ der Partei zählenden Kandidaten wurde mal so eben ein linkes „rettet-den-Sozialstaat-Programm“ der Marke „Griechische Versprechen“ übergestülpt. Innerhalb eines Parteitagwochenendes mutierte der Kandidat dann vom „Agenda-Flügel-Vertreter“ zum linken „Sozial-Ritter“. Und irritiert dämmert den linken SPD-Kräften, dass da „irgendetwas“ stimmen kann.

Und die Medien? Ich sehe kein „Steinbrück-Bashing“ wie auch hier immer wieder behauptet wird. Der links-grün gefärbte Journalismus erkennt momentan keine rot-grüne Machtoption und verweist irritiert auf die zahlreichen Widersprüche rot-grüner Wahlkampfpolitik. Vielleicht hoffen die Vertreter der „Bashing-These“, dass sich das alles legen werde. Wird es aber nicht. Es speist sich aus den Widersprüchen dieser Politik.

Und dann gibt es da ja noch den wählenden „Michel“. Ob der zukünftig auf eine liberale Partei im Parteienspektrum verzichten will, ist noch nicht ausgemacht. Ich glaube eher weniger. So gesehen haben die Linken recht. Eine linke Machtoption ergibt sich nur aus einem rot-rot-grünen „Bündnis“. Das aber trauen sie sich nicht. Ich fände es gar nicht schlecht. Dann hätten wir endlich mal wieder eine „richtige“ Opposition und nicht eine, die der Regierung ständig zustimmt und dem „Michel“ anschließend erzählen will, dass die Regierung furchtbar viele Fehler macht.

82) Doktor Hong, Samstag, 05. Januar 2013, 16:15 Uhr

@ 78) StefanP

Meine Vermutungen gehen in die ähnliche Richtung. Müller will aus der SPD im Grunde eine Linkspartei machen, sie so weit nach links verschieben, dass sie nach seinem Gusto ist.

Daran ist im Grunde auch nichts verwerfliches. Nur bezweifle ich, dass es dafür in Deutschland Mehrheiten gibt. Der deutsche Wähler ist konservativ, er will, dass sich für ihn möglichst wenig ändert, und wenn, dann nur zu seinem Vorteil. So ist es doch nunmal.

Und man muss ihm bescheinigen, dass er es gut meint. Ich glaube, dass er den sozial Schwachen im Lande wirklich helfen will. Und es gehört in einer Demokratie unbedingt dazu, dass widerstreitende Ansichten öffentlich diskutiert werden. Insofern schätze ich seine Initiative durchaus, im Kontrast zum Medienmainstream einen eher links ausgerichteten Blog zu führen.

Ich kann allerdings nicht sagen, dass ich die Mäkelei des Blogs an allem und jedem besonders attraktiv oder auch nur überzeugend finde.

Hier im Blog erzählen die Leute, Steinbrück hätte durch seine Deregulierungspolitik die Finanzkrise ausgelöst, wo doch die Deregulierungen 2003 unter Hans Eichel beschlossen wurden. Man sieht, die Verdummung funktioniert – Müller tut dasselbe mit seinen Lesern, was er bei den Mainstream-Medien verdammt.

Was Ihre Ausführungen bezüglich eines Wechsels des Spitzenkandidaten angeht, so liegen Sie richtig. Hannelore Kraft wäre komplett wahnsinnig, sich im Austausch für Steinbrück verheizen zu lassen, und dass Müller so etwas vorschlägt, zeigt seine Verantwortungslosigkeit gegenüber seiner Partei, und auch gegenüber zukünftigen Hoffnungsträgern.

Ich persönlich würde übrigens in der SPD Thomas Oppermann nicht unterschätzen, nicht für jetzt, aber in ein paar Jahren könnte er eine gewichtige Rolle spielen.

83) Mark, Samstag, 05. Januar 2013, 17:44 Uhr

@ 76) Frank Reichelt, Samstag, 05. Januar 2013, 10:26 Uhr

> Leider denken die auch hier zahlreich vertretenen Steinbrück-Kritiker
> nicht so perspektivisch, sondern kreischen bei jedem kleinen Fehler:
> ” Da da, er ist schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten, er kann es
> nicht, ich habe es schon immer gewußt!”

Nochmal zum Mitschreiben: Wenn einer, der noch nie eine bedeutende Wahl gewonnen hat, Fässer aufmacht, die nicht nur keinen interessieren sondern sogar kontraproduktiv sind (Kanzlergehalt), und nur auffällt durch kurzzeitiges Auftauchen aus einem Fettsee (das sind schon lange keine Fettnäpfchen mehr!), ja dann ist er wohl der Falsche. Da hilft auch eine “perspektivische Betrachtung” nichts. Der Drops ist gelutscht. Haha. Warten wir mal Niedersachsen ab!

> Ich sehe weiterhin gute Chancen für eine Kanzlerschaft
> Steinbrücks, entweder in einer Rot-Grünen Koalition oder,
> wenn es nicht reichen sollte in einer Ampelkoalition!

Ui ui ui. Rot-grün ist ja wohl im Moment wohl eher ein kühner Wunschtraum, und die Ampel hängt ja doch sehr davon ab, wie es der Fast-Drei-Prozent-Partei gehen wird. Ausgang völlig ungewiss. Davon mal ab – eine “Ampel” ist wohl doch eher eine ziemlich instabilie Koalition, zumindest was die Positionen angeht. Naja, zumindest theoretisch (denn eigentlich stehen SPD und Grüne ja auch nicht für einen Politikwechsel in der Realität).

Mein Fazit bleibt: Peer Steinbrück kann es nicht und will es auch nicht. Was ihn geritten hat, überhaupt die SPD in den Wahlkampf führen zu wollen, das weiss wohl nur er. Es wird wohl eine “große” Koalition geben (ohne ihn), was die SPD letztlich vollständig zertrümmern wird. Auch nicht schlecht.

Traurig bleibt der Gedanke, dass es weitere vier Jahre Stillstand geben wird. Das ist bedrückend.

84) Peter Christian Nowak, Samstag, 05. Januar 2013, 18:33 Uhr

@76) Frank Reichelt

^^Ich sehe weiterhin gute Chancen für eine Kanzlerschaft Steinbrücks, entweder in einer Rot-Grünen Koalition oder, wenn es nicht reichen sollte in einer Ampelkoalition!^^

Na sehen Sie, Sie geben das Stichwort: “Ampelkoalition”. Das ist der Grund, warum Merkel Kanzlerin bleibt. Steinbrück bietet keine Alternative zu Merkels neoliberaler Politik. Warum sollten denn deren Anhänger das Plagiat wählen, wenn sie mit Merkel das Original bekommen?
Miit solcher” Wahlarithmetik” vergrätzt man nur die Wähler.

@70) Doktor Hong,

Es geht doch gar nicht darum, um irgendwas “zu bezwecken”. Jeder soll das wählen, was er will. Es geht um Steinbrück. Es geht darum, diejenigen, die Steinbrück einer politischen Wende nach Links wegen wählen wollen, eine andere Politik als die bisherige wollen, mit Nachdenkenswertem zu konfrontieren. Er stellt diese Fragen: Wo liegen die Unterschiede zur jetzigen Regierung, was will Steinbrück anders machen, wohin will er, ist er glaubwürdig? Da spielen Tatsachen eine Rolle. Und die hat Herr Müller beim Namen genannt. Nicht mehr, nicht weniger. Grundlage hierzu: Steinbrücks politische Vergangenheit. Und die ist ja klar und deutlich neoliberal.
Wenn Steinbrück den Linksruck wirklich wollte, würde er ganz anders auftreten. Will er aber nicht. Im Gegenteil: Im Prinzip findet er die Politik Merkels ganz gut. Man muß ja schon taub und blind sein, das zu übersehen.

85) riskro, Samstag, 05. Januar 2013, 20:10 Uhr

Im Vorfeld, Ihnen Herr Spreng und allen Kommentatoren ein Frohes und vor allen ein Gesundes Jahr 2013.

75) guillermo emmark, Ihrem Beitrag kann ich nur beipflichten.

Bei aller Kritik soll man die Fairness nicht vergessen. Es gibt keinen Berichterstatter, der Steinbrück nicht die Geldfrage gestellt hat. Was soll er da machen, nichts antworten? Es geht ihm wie jeden anderen Politikern auch, er wird bei “ALLEM” was er sagt oder nicht sagt, Ablehnung oder Zustimmung erfahren.
Je nach dem wer gerade die politische Landschaft prägt und damit 80 % der Meinungsbildung durch die Medien bestimmt, schlägt das Pendel mehr zur Seite der Ablehnung oder Zustimmung aus.

Gegenwärtig sind die Schwarzen oben auf.

Er redet also nicht wie behauptet laufend über (eigenes) Geld sondern er wird laufend danach gefragt. Dadurch wird erfolgreich im Sinne von schwarz/gelb von den wirklichen Problemfeldern abgelenkt, die da sind: Bildung, Gesundheit, Altersarmut. Versagen im Energiebereich, Einführung eines Mindestlohn, Regulierung des Finanzsektors, Reform im Förderalismusbereich, Personalabbau im Öffentl Dienst, Reform des Beamtentums und und und.

Allen bezahlten Schreibern in allen Foren -auch hier-, deren Aufgabe es ist, Stimmungsmache zu betreiben, verkennen, dass Steinbrücks Vortragseinnahmen -bis vielleich im Falle Bochum- den Steuerzahler keinen Euro gekostet haben. Seine Meinung, dass die Kanzlerin gemessen an Einsatz und Verantwortung, zu wenig verdient, ebenfalls nicht. Wohl aber haben die zahlreichen Fehlentscheidungen der schwarz/gelben Regierung emense Steuereinnahmen gekostet, die anderswo bessser eingesetzt worden wären und werden in der Zukunft noch viele Kosten verursachen.
Nach Sachthemen wurde Steinbrück in den seltesten Fällen gefragt. Es wurde von Seiten der Medien nur versucht, ihn vorzuführen und aus der Reserve zu locken, um weiteres Material zu haben, ihn Fertig zu machen.

Deshalb sehe ich in den Titel: Ungeschick, dein Name ist Steinbrück, auch den Versuch, S. vorzuführen.
Viele, der ihn vorgeworfenen angeblchen ungeschickten Äußerungen sind aus dem Zusammenhang gerissen worden und spiegeln dadurch ein Zerrbild wieder.

Der bekannte Vielschreiber hier in Blog schreibt:
<>

Wie gesagt, die einzigste Waffe eines jeden Politikers ist: “das Wort”. Und wie hat schon der Alte vor 50 Jahren gesagt: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!

Ein Problem und eine Gefahr für jeden Politiker, der kein Hellseher, ist, dass eine Heute gemachte Äußerung unter Umständen Morgen schon nicht mehr haltbar ist.

Wie schon mehrfach erwähnt werde ich bei der nächsten Wahl. dass erste Mal die Linke wählen. Nur darin sehe ich die einzigste Chance für eine Änderung zu der gegenwärtigen Politik, in der Hoffnung das dies auch die SPD-Verantworlichen erkennen. Weiter wie bis her bedeutet: Stillstand für Deutschland und verschieben der Probleme in die Zukunft und das wird für uns Steuerzahlern sehr sehr teuer.

86) riskro, Samstag, 05. Januar 2013, 20:17 Uhr

Ergänzung:
Der Vielschreiber hat geschrieben: Der KanzlerkandidatPeer Steinbrückhat hat schon vieles gesagt, leider nicht immer konsiistent?? zu vorherigen Ausführungen.

87) Bernhard Paul, Samstag, 05. Januar 2013, 22:58 Uhr

Ich kann #76 Frank Reichelt nur zustimmen: In einem halben Jahr sind Kanzlergehälter und NRW-Sparkassendirektoren Geschichte und lange vergessen. “Entscheidend is aufm Platz”, hat mal ein Fußballtrainer gesagt. So gesehen sind die Mannschaften gerade mal in der Aufwärmphase und noch längst noch nicht aufgelaufen.

88) Markus Schmid, Sonntag, 06. Januar 2013, 00:55 Uhr

@75) guillermo emmark

Sie haben vollkommen recht. Es muss Schluss sein mit dem billigen Kanditaten-Bashing. Wie wär´s denn wenn man den gesunden Menschenverstand einsetzt. Wer hält Steinbrück für so blöde, dass er wirklich sein Kanzlergehalt als zu niedrig betrachtet und sich darüber beschwert. Er ist nach wie vor mein Wunsch-Kandidat.
Oder soll Deutschland wirklich für weitere 4 Jahre die hinreißende Rethorik und Eloquenz einer Angela Merkel ertragen?

89) Erika, Sonntag, 06. Januar 2013, 10:11 Uhr

@72) StefanP, Freitag, 04. Januar 2013, 20:21 Uhr

Wie schreibt Herr Spreng immer so schön, was das wichtigste Thema für die Bundestagswahl ist?
Die Europapolitik

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Sicher gibt es kritische Artikel, wer wollte das bestreiten. Aber dann gibt es doch immer den kleinen Unterschied. Die erste größere Handlung der neugewählten Kanzlerin war der EU-Finanzgipfel 2005 in Brüssel. Die Medien überschlugen sich mit Lob für Angela Merkel. Sie wurde zur “bella figura” und meine Tageszeitung schrieb: “Triumph der Kanzlerin auf EU-Gipfel”. Ja, und dann ein paar Tage später konnte man in der FAZ lesen: “Andere Regierungchefs hingegen haben für ihre Länder besser verhandelt…” Und dann konnte man lesen, dass das Verhandlungsgeschick von Frau Merkel den deutschen Steuerzahler in der Zeit von 2006 – 2013 jährlich 2 Mrd. € (das war damals noch viel Geld) mehr kosten würde. Es gab den kritischen Artikel aber das Meinungsbild der “bella figura” war längst gesetzt.

Für mich ist das Paradebeispiel der Wahlkampf 2009.

Der Dienstwagen von Ulla Schmidt wird im Urlaub gestohlen. Tagelang erste Meldung bei ARD und ZDF. Viel Häme in den Zeitungen. Zm Schluss kam heraus, man könne Frau Schmidt zwar nichts vorwerfen, aber sie habe unsensibel gehandelt und sich ungeschickt geäußert.(wahrscheinlich hatte sie wie Steinbrück “schlechte Berater”). Das Ergebnis konnte man 6 Wochen später bei der Wahl sehen. Ulla Schmidt verlor ihr Direktmandat..

Gleiche Zeit andere Frau. Frau Merkel lässt sich aus ihrem Urlaub in Südtirol zunächst mit der Flugbereitschaft und dann mit dem Hubschrauber nach Sylt fliegen. Dort gibt sie eine Autogrammstunde für ihr persönliches Portraitbuch, danach soll es noch ein Kaffeekränzchen mit den Freundinnen Springer und Mohn gegeben haben. Einige wenige Zeitungen haben darüber berichtet.

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass beide Frauen im Rahmen der Vorschriften gehandelt haben. Mir persönlich ist es auch ziemlich egal, womit sich unsere Regierungsmitglieder fortbewegen. Aber das Ergebnis beim Wähler war klar.

Ulla Schmidt durch ihre negative Aufmerksamkeit in den Medien war persönlich verbrannt. Die Hubschrauber- Aktion wurde entgegen dem Dienstwagen, der ja inzwischen wieder da war, nicht hochgezogen, obwohl durchaus in der Presse über Priviliegien diskuttiert wurde. Die wenigen Artikel waren bald nicht mehr auffindbar. Und Angela Merkel darf weiter die Bescheidene und Unbefleckte spielen. Wie bescheiden ist so ein Hubschrauberausflug? Würde es den Bürgern gefallen, dass die “bescheidene” Kanzlerin derartige Dinge tut?

Wenn man sich ansieht, wie zur Zeit mit Steinbrück umgegangen wird und sich dagegen ansieht, wie das denn mit der Geburtagsfeier im Kanzleramt für Herrn Ackerman war. Die Presse hat über dieses “Ereignis” nicht berichtet, obwohl die Presse mit am Tisch saß. Interessanterweise war der damalige Finanzminister nicht eingeladen. Erfahren von diesem Essen haben wir von Herrn Ackermann, als er es in einem Portrait ausplauderte. Aber auch dann gab es ja wenig Informationen. Die Freigabe der Gästeliste wurde vor Gericht erklagt. Ist mir der Aufschrei in der Presse über das Verhalten der Kanzlerin entgangen oder ist dies weniger berichtenswert als
eine Interview- Äußerung des Kandidaten über die Angemessenheit des Kanzlergehaltes?

90) Günter Springer, Sonntag, 06. Januar 2013, 11:33 Uhr

85) riscro
88) Markus Schmid
und einige mehr in dieser Runde zu diesem Thema:
Es ist tröstlich, es gibt Hoffnung, ich bin auf Ihrer Seite.

“Oder soll Deutschland wirklich für weitere 4 Jahre die hinreißende Rethorik und Eloquenz einer Angela Merkel ertragen?”

Um des Himmels Willen, Wahlvolk wache endlich auf!

91) Torsten, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:01 Uhr

83) Mark, Samstag, 05. Januar 2013, 17:44 Uhr

“Nochmal zum Mitschreiben: Wenn einer, der noch nie eine bedeutende Wahl gewonnen hat, Fässer aufmacht, die nicht nur keinen interessieren sondern sogar kontraproduktiv sind (Kanzlergehalt),”

Auch wenn man es noch so oft wiederholt, wird es dadurch nicht richtiger… Steinbrück hat dieses Fass nicht aufgemacht, sondern er ist explizit danach gefragt worden. Vielleicht sollten Sie das betreffende Interview einmal lesen, bevor Sie hier klug daherzureden (oder es zumindest versuchen…

Auch wenn es vielleicht unklug gewesen sein mag, dass er auf die gestellten Fragen so und nicht vielleicht anders antwortete, ist es wirklich traurig, welch Bild manche Medien hier abgeben… Bestes Beispiel ist wieder SpOn. Da wird eine weitere Aussage Steinbrücks (zum “Frauenbonus”) aus dem selben Interview Tage später dazu auseinandergenommen mit dem Tenor: ‘Nach dem Fettnapf Kanzlergehalt tritt Steinbrück wieder in einen neuen Fettnapf’. Wieder wird eine Aussage völlig entstellt und passend zurecht gekürzt wiedergegeben. Was dann wiederum für Leute wie Sie ein gefundenes Fressen zu sein scheint.

Zu guter Letzt noch… in einem neuen Interview mit dem Tagesspiegel äußert sich Steinbrück sehr deutlich zum Thema Mindestlohn. Liest man davon etwas bei SpOn? Nein! Stattdessen ein hirnrissiger Artikel darüber, dass Steinbrück vor Jahren mal beinahe in die Wirtschaft gewechselt wäre… Sorry, aber bei solch Journalismus kriege ich das kalte K*****.

92) Erwin Gabriel, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:05 Uhr

@ 83) Mark, Samstag, 05. Januar 2013, 17:44 Uhr

>> Nochmal zum Mitschreiben: Wenn einer, der noch nie eine
>> bedeutende Wahl gewonnen hat, Fässer aufmacht, die nicht
>> nur keinen interessieren sondern sogar kontraproduktiv sind (Kanzlergehalt),…

Nochmal zum Mitlesen: “Das Fass Kanzlergehalt” hat nicht Steinbrück selbst aufgemacht. Und aus dem Rest Ihrer Äußerungen könnte man schließen, dass Ihnen das Gewinnen einer Wahl (was ja hauptsächlich durch das Versprechen unlösbarer Zusagen und unbezahlbarer Geschenke geschieht) wichtiger ist als die Politik danach.

Jeder macht sein Kreuzchen natürlich nach seinen eigenen Kriterien. Meine Oma wählte damals Kiesinger, weil der so “gut aussah”.

93) StefanP, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:19 Uhr

@80) Journalist

Ich bin nur gegen eine Absetzbarkeit von extrem hohen Gehältern.

Ein Kind akzeptiert eine Erziehungsmaßnahme, wenn der Erziehende eine stringente Linie anwendet. Weicht er davon ab, scheitert Erziehung. Daran scheint man ab und zu erinnern müssen.

Eine gerechte Besteuerung setzt daran an, dass ein Einnahmezufluss genau einmal als solcher erfasst wird. Daher sind Löhne beim Unternehmen steuerlich abzugsfähig, weil es tatsächlich nicht zu Gewinn führt und beim Empfänger steuerbar. Nun möchten Sie eine Ausnahme schaffen, Gehälter sollen nur bis zu einer bestimmten Grenze abzugsfähig sein. Das bedeutet aber andersherum, dass der überschießende Teil bereits vom Unternehmen versteuert wird, weil es den Gewinn erhöht. Demgemäß kann es nicht mehr beim Gehaltsempfänger besteuert werden. Argumentieren Sie bitte nicht dagegen an, dies ist ein Grundprinzip rechtsstaatlicher Steuersysteme und die Aushebelung von Prinzipien führt nicht zu mehr, sondern weniger Gerechtigkeit.

Sie scheinen keine praktische Unternehmenserfahrung zu besitzen, denn Sie unterschätzen unverantwortlich rechtliche Gestaltungsdimensionen für eine fragwürdige Regelung. Die Besteuerung setzt in Deutschland an der gesellschaftsrechtlichen Einheit, also der Personen- oder Kapitalgesellschaft an. Ein Mitarbeiter dagegen kann von mehreren Unternehmen gleichzeitig beschäftigt werden oder von unterschiedlichen Unternehmen unterschiedliche Einkünfte beziehen. Es bedeutet für einen Personalchef einen Federstrich im Arbeitsvertrag, das Gehalt so aufzuteilen, dass die Bezüge vollständig abzugsfähig sind. Sie machen neben der Ignoranz gegenüber rechtlichen Restriktionen nämlich gleich zwei weitere grundsätzliche Fehler: Sie gehen von Einzelunternehmen aus, wo heute fast jedes Unternehmen zu einem Konzern gehört (§§ 290ff. HGB). Und aufgrund Ihrer fehlenden Erfahrung übersehen Sie völlig, dass bereits heute Spitzeneinkünfte in Konzernen nach zivil- und steuerrechtlichen Optimierung aufgeteilt werden.

Was macht [Angela Merkel] nach Ihrem Verständnis gut (für unser Land, nicht für sich)?

Soweit Sie meine Kommentare verfolgen, sollten Sie wissen, dass das für mich keine relevante Frage ist. Ich kommentiere vorrangig Ereignisse und halte mich im Urteil zurück. Ich nehme anderen nicht das Denken ab, siehe oben.

94) Erwin Gabriel, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:25 Uhr

84) Peter Christian Nowak, Samstag, 05. Januar 2013, 18:33 Uhr

>> Steinbrück bietet keine Alternative zu Merkels neoliberaler Politik.
>> Warum sollten denn deren Anhänger das Plagiat wählen, wenn
>> sie mit Merkel das Original bekommen?

Es geht ja nicht darum, Vollausschlag links oder Vollausschlag rechts hinzubekommen – beides fände keine Mehrheiten. Ich denke schon dass es eine politische Grundrichtung gibt, der eine Mehrheit zustimmt. Von dieser Grundströmung darf kein Kandidat abweichen, da er sonst als radikal eingestuft werden würde.

Womit Frau Merkel in der Regel punktet, ist, dass sie zu allem meist die Klappe hält. Denn wenn sie etwas sagt, geht es meistens schief (Energie, Europa etc). Aber wenn sie nichts sagt, glauben alle, dass alles in Ordnung ist. Daher, vermute ich, kommt das Vertrauen zu ihr. Denn ich sehe nicht, dass ihre Politik das rechtfertigen würde.
Ich denke, dass die Politik einer rot-grünen Regierung schon etwas anderen Grundsätzen folgen und etwa höhere Steuern für Besserverdienende bringen würde. Eine grundlegende Änderung der Außen- und Europa-Politik wäre wiederum nicht zu erwarten, ein Auf-den-Kopf-Stellen der Sozialpolitik wohl auch nicht (hier gäbe es vermutlich nur ein paar kleinere Korrekturen).

Es kann also nicht darum gehen, linke oder rechte Politk zu machen, sondern diei vorhandene Politik etwas nach links oder rechts zu korrigieren. Das ist die Wahl.

95) StefanP, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:32 Uhr

@81) Politikverdruss

Eine linke Machtoption ergibt sich nur aus einem rot-rot-grünen „Bündnis“. Das aber trauen sie sich nicht.

Das sehe ich nicht so. Eine solche Konstellation würde erstens von ihren inneren Widersprüchen gesprengt und könnte vom ersten Moment an nicht regieren, da sie keine einzige Stimme im Bundesrat hat, der vier von fünf Bundesgesetzen zustimmen muss. Gleiches gilt übrigens für Schwarz-Grün. Und die Ankündigung eines solchen Bündnisses würde der SPD all diejenigen Wähler abspenstig machen, die zwar eine gewisse Veränderung wünschen, die eine dezidiert linke Politik jedoch ablehnen. Ypsilanti in Hessen steht dafür exemplarisch. Vor der Wahl eierte sie herum, weil sie um den negativen Effekt eines solchen Bündnisses bei den einerseits konservativen andererseits progressiven Hessen wusste. Und als dann ihre wahren Absichten aufgedeckt wurden, verlor sie erst in Umfragen und dann bei der ein Jahr später folgenden Wahl genau die wahlentscheidende Gruppe der Wechselwähler.

Eine solche Koalition funktioniert nicht, weder in Deutschland, noch in Frankreich oder Italien. Das sind die fragilsten Regierungskonstruktionen.

96) StefanP, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:48 Uhr

@82) Doktor Hong

Ich bezweifle, dass es Albrecht Müller gut meint. Jemand, der in guter Absicht handelt mit einem bestimmten Ziel, besitzt meist Konzilianz und Kompromissfähigkeit. Der Herausgeber der Nachdenkseiten schreibt wie eine verbitterte alte Jungfer, die mal schön war, aber die die Zeit hinweggegangen ist, was sie nicht wahrhaben will. Alles, was er schreibt, hat den Blickwinkel der 1970er und 1980er Jahre, als der eiserne Vorhang da war, die Anzahl demokratischer und marktwirtschaftlich strukturierter Staaten übersichtlich war und es keine global organisierte Wirtschaft gab.

Steinbrück, obwohl die gleiche Generation, ist nicht intellektuell stehen geblieben, was den Unterschied im Denken von beiden ausmacht.

Thomas Oppermann habe ich seit 3-4 Jahren auf dem Radar. Interessanter Mann, allerdings keine Rampensau.

97) Journalist, Sonntag, 06. Januar 2013, 15:35 Uhr

@ 93) StefanP, Sonntag, 06. Januar 2013, 12:19 Uhr

Ja, das Gerechtigkeitsempfinden…. sieht jeder irgendwie anders. Da helfen Argumente meist wenig.

98) StefanP, Sonntag, 06. Januar 2013, 15:43 Uhr

@89) Erika

Es ist nicht Angela Merkels Schuld, dass die Europapolitik wahrscheinlich wahlentscheidend sein wird. Das kommt zwar ihrem Talent zum Austarieren von Macht und ermüdenden Verhandeln entgegen, ist aber nicht von ihr herbeigeführt. Der demokratische Wähler schätzt einen präsidialen Regierungsstil, in dem sich alle Probleme auflösen. Dies zu erkennen, kann man auch einem Politiker nicht vorwerfen.

Und welche Sachpolitik sollte man an der Kanzlerin kritisieren? Sie macht seit dem misslungenen Gesundheitsfonds 2006 keine. Nicht zu ihrem Schaden. Die Medien schwanken zwischen dem Bild der innenpolitisch bedeutungslosen Kanzlerin, von der außer der Eurokrise nichts übrig bleiben wird, zu der Frau, die den demokratischen Diskurs zum Erliegen bringt bis hin zur Wahrerin deutscher Interessen.

Medien sind nicht der wissenschaftlichen Expertise verpflichtet, sondern dem Berichten über tagesaktuelle Ereignisse. Damit verdient man in der Branche sein Geld. Heute ist Steinbrück der Neuling auf dem Parkett und wie jeder wird er äußerst kritisch beäugt, zesiert und gewichtet. Das erging jedem vor ihm ebenso, wobei schon Politikerkarrieren vernichtet wurden. Erinnert sei nur an Lothar Späth 1990, der wegen einer Affäre um gesponsorte Urlaubsreisen zurücktreten musste, oder an Rudolf Scharping 1994. Wer durch dieses Fegefeuer nicht kommt, ist nicht reif fürs Kanzleramt. Gerhard Schröder hat übrigens für seine Kanzlerschaft gespielt und wurde zudem von seinem eigenen Parteichef (und Konkurrenten) im Frühjahr 1998 sabotiert.

Dass sich Skandale und Skandälchen am besten verkaufen, ist auch nicht die Schuld der Medien, sondern dem Voyeurismus der Menschen geschuldet.

99) Doktor Hong, Sonntag, 06. Januar 2013, 20:59 Uhr

@84) Peter Christian Nowak

Ich denke, Sie sehen das richtig. Albrecht Müller möchte einen Linksschwenk der SPD, und Steinbrück verkörpert ihn fürwahr definitiv nicht. Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass es augenblicklich keine Mehrheiten in der SPD für einen Linksruck gibt.

Es ist völlig legitim, dass Albrecht Müller für die Koalition mit der Linkspartei wirbt und möchte, dass die SPD so eine Art großer Bruder der Linkspartei wird.

Müller kritisiert, dass die SPD nur eine billige Kopie der CDU sei und die Wähler lieber das Original wählten. Wenn aber die Wähler lieber das Original wählen, warum wählen sie dann nicht Linkspartei? Und warum ist es für die SPD richtig, eine billige Kopie der Linkspartei zu werden, wenn doch lieber das Original gewählt wird?

Die linke Alternative besteht doch, namentlich in der Linkspartei.

Viele Dinge kritisiert Müller völlig zu Recht. Musste man die Rentenversicherung zumüllen mit versicherungsfremden Leistungen, um die hemmungslose Schuldenmacherei der Kohl-Jahre zu verschleiern? Ist Privatvorsorge wirklich auf breiter Front effektiv, wenn die wirtschaftliche Leistung einbricht? Sind Prognosen in so ferne Zukunft wirklich belastbar?

Trotzdem hat sich doch seit Willy Brandts Zeiten einiges geändert. China hat sich mit gewaltigem industriellen Output und gigantischem Rohstoffverbrauch an den Weltmarkt angeschlossen. Man kann doch nicht so tun, als sei alles beim Alten, als habe das gar keinen Effekt auf die Weltwirtschaft. Und dies sei nur eine der vielen Veränderungen, die allein in den letzten 20 Jahren stattgefunden haben.

Man muss darauf neue Antworten finden. Ich kenne sie nicht, vielleicht kennt sie niemand. Aber manchmal kann man Entwicklungen wenig beeinflussen, und muss ihre Folgen ertragen. Als vor über 100 Jahren Kanonenboote und Infanterieregimente in China auftauchten, sich den Weg freischossen und die Öffnung der wichtigsten Häfen erzwangen, konnten die Chinesen wenig tun.

Heute hat China sich vollgesogen mit Geld und kauft alle Rohstoffrechte, die es nur kriegen kann, in allen Gegenden der Welt. Wenn es hart auf hart kommt, kann unsere Industrie ein Rohstoffmangel ereilen, während der größte Teil der Rohstoffe nach China geht. Dann wird das Gewimmer groß sein.
Und was werden wir groß dagegen tun können?

100) Erika, Sonntag, 06. Januar 2013, 21:21 Uhr

@) Stefan

Ich persönlich erwarte von der Presse als 4. Gewalt etwas mehr, nämlich Information und Aufklärung, Aber ich gebe zu, vielleicht bin ich da etwas zu naiv.

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Und weil es so schön ist, schauen wir uns doch die Forderungen aus dem Wahlprogramm von Frau Ypsilanti noch mal in der Nachschau an.

“Roland Koch muss weg”
Wie wir wissen, ist er jetzt VV bei Bilfinger und Berger. Er hat diese Tätigkeit 1 Jahr nach der Wahl dem Posten des MP vorgezogen.

“Bessere Bildung”
Die Studiengebühren in Hessen sind abgeschafft.
Soweit ich es beobachte, kann man wieder das 9 jährige Gymnasium wählen – immerhin .

“Abschaltung der Kernkraftwerke”
Biblis ist schon gelungen.

“Energiewende”
ist inzwischen Regierungsmeinung allerdings nicht so weitgehend wie die von Herrn Scheer

“Bessere Arbeit”
da gibt es leider immer noch keinen Mindestlohn aber man redet jetzt von Lohnuntergrenze.

“Nachtflugverbot beim Frankfurter Flughafen”
da haben die Gerichte geholfen

Aus dem Wahlprogramm der “Wortbrecherin” Ypsilantie wurde wahrscheinlich mehr umgesetzt als von der Wahlsiegerin und Retterin von Roland Koch, der FDP.

101) Peter Christian Nowak, Sonntag, 06. Januar 2013, 21:34 Uhr

94) Erwin Gabriel

Ja, Herr Gabriel, es stimmt schon, was Sie sagen: Radikalismus aus jeder Richtung verschreckt nur.
Es ist halt nur so, dass es markante Baustellen gibt, die es nach zwei Legislaturperioden Merkel zu beackern gilt. Etwas mehr an Steuern, da ein bisschen besseres Handling in Sachen Energiewende, dort ein paar Zugeständnisse mehr an die europäischen Krisenländer.
Die SPD lässt zu viele offene Fragen. Siehe ihr Programm. Es geht dem Wähler nicht um ein paar Korrekturen, sondern es geht ihm darum, den neoliberalen Sumpf trocken gelegt zu sehen. Es geht um einen totalen Richtungswechsel. Ohne einen Richtungswechsel geht es genaus weiter wie bisher. Merkel-Politik, die in Steinbrück-Politik umetikettiert wird Amerikanische Verhältnisse sind es nicht, die die Wähler anstreben. In USA gibt es Gefängniskomplexe, die größer sind als manche Ortschaften dort. Diese Entwicklung sollten wir hier nicht anstreben.

102) StefanP, Montag, 07. Januar 2013, 14:12 Uhr

@100) Erika

Naja, ich habe ja nicht abgestritten, dass die Aufgabe von Medien die Information ist. Die Einordnung und die Wertung ist jedoch nicht vorrangig Aufgabe von Medien. Anläßlich der Vortragshonorare von Peer Steinbrück wurden auch die Spesenritter anderer Parteien genannt in Umfang und Höhe. Nur ist es ja legal, Vorträge zu halten, auch für einen Kanzlerkandidaten. Die Frage ist halt eher, geziemt es sich, sind Abhängigkeiten entstanden, die später auf die Amtsführung durchschlagen. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich die Frage der Abhängigkeit mit Nein beantwortet, aber es ist jedem Bürger selber überlassen, ob er so jemanden als Regierungschef möchte.

Bei Ypsilanti werten Sie entsprechend Ihrer eigenen politischen Präferenz, das führt uns im Augenblick nicht weiter. Dass Roland Koch nicht für die vollen fünf Jahre kandidierte, war im Wahlkampf erörtert worden, ich erwarte von keinem Politiker, dass er das offen thematisiert. Die Energiewende hat nichts mit Hessen zu tun und ist nicht primär Landespolitik. Einzig die Abschaffung der Studiengebühren geht auf das Konto des seltsamen parlamentarischen Intermezzos. Das alles zeigt aber nicht, dass der Bürger, auch nicht der in Hessen, eine rot-rot-grüne Koalition gewünscht hätte. Wollten Sie das über den Umweg der Zielrealisation beweisen?

P.S.: In beiden Wahlgängen schaffte es die SPD nicht, die CDU als stärkste Partei zu verdrängen. Die Hessen hatten einen gewissen Überdruss an Roland Koch, das bedeutet aber nicht, dass sie Ypsilanti wollten – erst Recht nicht mit ihrer Art, Politik zu machen.

103) Otto Pardey, Montag, 07. Januar 2013, 19:40 Uhr

Peer will mehr,ein Kandiat schafft sich ab.
Die Charakterlosigkeit kennt offenbar keine Grenzen bei der SPD,
dafür sorgt Sigmar Gabriel,mit Sperrfeuer des vertuschens!

104) Erika, Montag, 07. Januar 2013, 23:36 Uhr

” Hessen hatten einen gewissen Überdruss an Roland Koch, das bedeutet aber nicht, dass sie Ypsilanti wollten – erst Recht nicht mit ihrer Art, Politik zu machen.”

Aber die Art Politik zu machen wie schwarz gelb, wollten die Wähler?

Koch klammert sich ein Jahr als geschäftsführender Ministerpräsident fest, dann gibt es Neuwahlen, die FDP sorgt dann dafür, dass der von dem “die Hessen einen gewissen Überdruss hatten” wieder Ministerpräsident wird und der geht nach einem Jahr dann in den geschäftsführenden Vorstand von Bilfinger und Berger (beteiligt am Bau der umstrittenen Startbahn, wegen der Koch einen “Wortbruch” beim Nachtflugverbot begangen hat).

Na ja die nächste Wahl wird es uns zeigen, ob diese Art Politik zu machen dem Publikum gefällt.

105) Erwin Gabriel, Dienstag, 08. Januar 2013, 12:27 Uhr

104) Erika, Montag, 07. Januar 2013, 23:36 Uhr

Die Mehrheit der Wähler will bezahlbare soziale Sicherheit (immer noch eher SPD als Linkspartei), niedrige Steuersätze (= FDP), die Bestätigung, dass sie trotz Umwelt- und Konsumsünden gute Menschen sind (= Grüne), und das alles ohne spürbare Veränderungen, ohne Risiko oder ohne zusätzliche Belastungen (= CDU/CSU).

Die meisten, denen es noch relativ gut geht (und das ist bei weitem die Mehrheit in diesem Land), haben erkannt, dass der Spielraum für sie bw. für unser Land nach unten deutlich größer ist als nach oben. Also ist die überwiegende Hoffnung, dass sich nichts zum Schlechteren wendet. Es wäre also ok, wenn sich nichts verändert. Dafür steht Angela Merkel wie kein anderer Politiker, und deshalb wird sie wahrscheinlich wieder gewählt.

Ich halte das zwar für einen Fehler: Die langen Jahre Kohl’scher “Wohltaten” und Stagnation hatten einen enormen Reformbedarf aufgestaut, der notwendigerweise durch die für viele sehr schmerzhaften Reformen der Agenda 2010 angegangen werden musste. Und so wie die Agenda 2010 die großen Fehler und Versäumnisse Helmut Kohls ausbügeln sollte, wird auch nach Merkels langen Jahren des Nichtstuns eine wohl eher heftige Anpassung erfolgen müssen. Die Sündenböcke werden, wie so oft, andere sein.

Aber darüber reden wir wahrscheinlich frühestens in fünf Jahren.

106) Erika, Dienstag, 08. Januar 2013, 19:12 Uhr

105) Erwin Gabriel, Dienstag, 08. Januar 2013, 12:27 Uhr

Mit der nächsten Wahl meinte ich die Landtagswahl in Hessen. Es sollte ein Kommentar an StefanP sein.

Angela Merkel wird auch nach meiner Meinung Kanzlerin bleiben.

107) StefanP, Dienstag, 08. Januar 2013, 19:39 Uhr

@104) Erika

Auch in Hessen hatten die Liberalen sowohl 2008 als auch 2009 Rekordergebnisse eingefahren, obwohl es zuvor dort keine Große Koalition gab (Michael Spreng begründet ja so immer das FDP-Ergebnis bei der Bundestagswahl). Irgendwie müssen die Bürger die Liberalen in Hessen gemocht haben.

Eigentlich war die Situation damals phantastisch. Höchst selten kann man sehen, welche Auswirkungen auf das Wahlergebnis es hat, wenn eine Spitzenpolitikerin versucht, eine Koalitionsoption durchzusetzen, die sie zuvor vehement abgelehnt hat. Wie sonst als mit einem Ergebnis wie 2009 kann demonstriert werden, wie unpopulär Rot-Rot-Grün ist?

Roland Koch ist seit Lothar Späth der erste Spitzenpolitiker, der es auf den Vorstandssessel einer großen, börsennotierten Aktiengesellschaft geschafft hat. Das spricht für die außerordentliche Klasse des ehemaligen Ministerpräsidenten.

108) Erika, Mittwoch, 09. Januar 2013, 10:45 Uhr

@107) StefanP, Dienstag, 08. Januar 2013, 19:39 Uhr

” Das spricht für die außerordentliche Klasse des ehemaligen Ministerpräsidenten.”

- Verspätete Information über illliegale Parteispenden
- Erfindung jüdischer Vermächtnisse
- Wortbruch beim Nachtflugverbot
- Hinwurf des Amtes als Ministerpräsidenten für einen Vorstandsposten bei einer Firma, die man vorher begünstigt hatte

Es mag sein, dass Herr Koch ein guter Vorstandsvorsitzender ist, aber ein guter “Volksvertreter” ?

“Höchst selten kann man sehen, welche Auswirkungen auf das Wahlergebnis es hat, wenn eine Spitzenpolitikerin versucht, eine Koalitionsoption durchzusetzen, die sie zuvor vehement abgelehnt hat.”

Für mich haben diese Ereignisse viel mehr gezeigt, was mit gezielter Pressearbeit erreicht werden kann. Frau Ypsilanti in ihrer Naivität wurde vorgeführt und bevor sie überhaupt mit der “Linken” geredet hatte, war sie bereits “Lügilanti”

Aber diese Diskussion hatten wir beide ja schon einmal, wir werden uns da wohl nicht mehr annähern.
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Ähnlich geht es im Moment Steinbrück. Man sucht und wer sucht findet und jeden Tag kommen neue “Vorwürfe” ans Licht oder es werden ihm getätigte Aussagen entsprechend ausgelegt. Heute in meiner Tageszeitung: “Wieder Ärger um Steinbrück Nebenjobs. Kanzlerkandidat: Zuviel Einsatz für Thyssen-Krupp?”

Möchte man eine faire Berichterstattung, wird man fast schon gezwungen ins Ausland zu gehen.

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/jan/02/peer-steinbruck-merkel-rival-germany

109) Erwin Gabriel, Mittwoch, 09. Januar 2013, 20:08 Uhr

@ 108) Erika, Mittwoch, 09. Januar 2013, 10:45 Uhr

Ohne Quatsch, ich denke, dass die Widersprüche zwischen Ihnen und StefanP relativ klein sind. Die von Ihnen angeführten Punkte wird er nicht bestreiten, sie sind aber für ihn wohl nicht soo relevant. Das Roland Koch bei allem Getöse eine recht effiziente Politik gemacht hat, ist für ihn wohl wichtiger.

Für Sie wiederum sind solch schrägen Geschichten Kochs ein K.O.-Kriterium für einen gewählten Ministerpräsidenten, wobei Sie wahrscheinlich auch die Durchsetzungsfähigkeit und den Pragmatismus Kochs nicht bestreiten werden.

Und natürlich hatte Frau Ypsilanti nach dem Wahlergebnis relativ schlechte Karten. DIe einen hätten geschimpft, wenn sie es trotz offensichtlich linker Mehrheit nicht versucht hätte, die anderen haben ihr genau diesen Versuch übel genommen. Und hätte sie sich vor der Wahl nicht festgelegt, hätten sich die Medien auf etwas anderes kapriziert, irgendetwas freiheitlich-anti-sozialistisches, das mit den Fakten nichts zu tun gehabt hätte.

In jedem Fall ein dickes Dankeschön für den Artikel des Guardian.

110) StefanP, Donnerstag, 10. Januar 2013, 10:36 Uhr

@108) Erika

Ich schätze an einem Politiker, wenn er Ziele verfolgt und diese sich tatsächlich in stringentem Handeln niederschlagen. Das gilt selbst dann, wenn ich nicht oder nicht vollständig die Maßnahmen für richtig ansehe. Roland Koch hat zweimal eine fragwürdige Wahlkampfführung genutzt. Das eine Mal hat es ihn in das Amt des Ministerpräsidenten gebracht, aber sein Image nachhaltig beschädigt. Zwischendurch hat er mit einem seriösen Wahlkampf die absolute Mehrheit in Hessen errungen, eine triumphale Sache in einem Bundesland, das jahrzehntelang von der SPD dominiert war. Den Triumph hat er sehr demütigt genossen.

Journalisten transportieren vor allem das gewollt öffentliche Bild eines Politikers, selten geben sie eine Nabelschau. So publizierten Medien erst nach vier Jahren Präsidentschaft, dass Barack Obama, dieser eloquente, charismatische Demokrat, intern als äußerst beratungsresistent und wenig kompromissfähig gilt. Über Roland Koch dagegen ist gegen Ende seiner Amtszeit überliefert, dass er entgegen seinem öffentlichen Bild weitgehend hoch geschätzt wurde, sich persönlich angenommen hat und niemals jemanden blos gestellt hat (wie viele andere, z.B. Wolfgang Schäuble). Und vor allem, im Gegensatz zu Andrea Ypsilanti war er nicht rechthaberisch, sondern sehr selbstkritisch.

Frau Ypsilanti in ihrer Naivität wurde vorgeführt und bevor sie überhaupt mit der “Linken” geredet hatte, war sie bereits “Lügilanti”.

Da habe ich doch herzhaft gelacht. Andrea Ypsilanti war damals schon ein altes politisches Schlachtroß, ihr Naivität zu bescheinigen ist fast schon eine Beleidigung. Naiv ist ein Anfänger, das war die linke SPD-Politikerin ganz sicher nicht. Die Situation war anders. Beharrlich zeigten die Umfragen 2007 / 2008, dass Rot-Grün von einer eigenen Mehrheit deutlich entfernt war, Ypsilanti hatte keine realistische Machtoption, was für einen Spitzenpolitiker negativ zu Buche schlägt (siehe Steinmeier 2009). Sie brauchte also eine zweite Option, wofür ihr zwei Möglichkeiten zur Verfügung standen: entweder die FDP oder die Linke ins Boot zu holen.

Folglich propagierte sie im Wahlkampf, dass sie nach der Wahl den Liberalen ein Koalitionsangebot machen würde. Jörg-Uwe Hahn, ein Freund Roland Kochs, verwahrte sich gegen diese Art des Stalkings, die Option war sichtbar keine. Das Wahlergebnis kam wie vorhergesagt und Ypsilanti lud die FDP zu Gesprächen ohne jedoch im weiteren Verlauf irgendwelche inhaltlichen Zugeständnisse zu machen. Wie schon während des Wahlkampfes geschrieben und der SPD-Spitzenkandidatin vorgehalten zeigten sich in ihrem Programm weit größere Übereinstimmungen mit der Linkspartei und somit der Verdacht, dass sie auch bereit wäre, mit den Linksaußen zu arbeiten. Das hatte Ypsilanti auf viele Nachfragen stets bestritten. Nach der Wahl gingen auch hier die Dinge, wie prognostiziert.

Mit Naivität hat das alles nichts zu tun. Sondern mit Skrupelosigkeit, eine Eigenschaft, die ich an einem Politiker verachte.

Naiv ist es jedoch anzunehmen, dass Politiker mit leitenden Vorstandsposten für angebliche Gefälligkeiten entschädigt werden. Der Vorstand ist das ausführende Organ einer Gesellschaft, für das man versucht, die fähigsten Leute zu bekommen. Das “Belohnungssystem” von internationalen Konzernen sieht anders aus. Sonst gäbe es mehr Ex-Politiker auf Vorstandssesseln, wo übrigens die durchschnittliche Verweildauer nur um die 2 Jahre beträgt. Hire and Fire im exklusiven Zirkel der Wirtschaft.

111) StefanP, Donnerstag, 10. Januar 2013, 10:40 Uhr

@@108) Erika

Die Einschränkung des Nachtflugverbots nutzt der Flughafengesellschaft Fraport und dem Hauptnutzer Lufthansa AG, nicht jedoch der Baufirma.

112) Erika, Donnerstag, 10. Januar 2013, 11:12 Uhr

@109) Erwin Gabriel, Mittwoch, 09. Januar 2013, 20:08 Uhr

“wobei Sie wahrscheinlich auch die Durchsetzungsfähigkeit und den Pragamatismus von Koch nicht bestreiten werden.”

Das bestreite ich tatsächlich nicht, Aber ich kritisiere wofür er seine Durchsetzungsfähigkeit eingesetzt hat
z.B.

für Steuerhinterzieher, in dem in seiner Zeit als MP – engagierte Steuerfahnder für “verrückt” erklärt wurden:
http://www.stern.de/politik/deutschland/steuerfahndung-frankfurt-eiskalt-abserviert-649420.html
(soweit ich mich erinnerne, gelten die Steuerfahnder inzwischen wieder als normal)

für die Flughafengesellschaft
vor dem Ausbau der Startbahn wurde ein Konsenz erarbeitet und ein Nachtflugverbot versprochen.
Roland Koch hat dieses Versprechen gebrochen erst Gerichte haben diese “Durchsetzungsfähigkeit” des Herr Koch wieder rückgängig gemacht.

für das G8
das gerade teilweise wieder rückgängig gemacht wird
(Der Pragmatismus hat Koch wohl von der Wiedereinführung der Studiengebühren abgehalten.))

Schröder gilt ja heute nur noch als “Gasgerd”. Aber Schröder war abgewählt nachdem er als Aufsichtsrat zu der Pipeline-Firma wechselte. Koch war erst kurze Zeit nach seiner Wiederwahl in den geschäftsführenden Vorstand gewechselt.

(Übrigens Koch hatte 12 % bei der Wahl verloren, er hatte keine Mehrheit für seine Wiederwahl im Landtag, aber er kann seelenruhig 1 Jahr lang sitzenbleiben, ohne dass es Schlagzeigen wie “Pattex-Koch” oder so etwas gegeben hat)

Wenn diese Dinge für Sie “schräge Geschichten” sind und man damit ein guter Ministerpräsident sein kann, habe ich tatsächlich grundlegend andere Vorstellungen von einem gewählten Volksvertreter und wundere mich über die hohen Maßstäbe, die an Peer Steinbrück angelegt werden.

113) StefanP, Donnerstag, 10. Januar 2013, 13:36 Uhr

@112) Erika

Übrigens Koch hatte 12 % bei der Wahl verloren, er hatte keine Mehrheit für seine Wiederwahl im Landtag, aber er kann seelenruhig 1 Jahr lang sitzenbleiben, ohne dass es Schlagzeigen wie “Pattex-Koch” oder so etwas gegeben hat.

Sie sollten wissen, dass Koch nicht einfach “sitzengeblieben” ist. Der CDU-Politiker “musste” geschäftsführend im Amt bleiben, da im Parlament kein Kandidat auf eine Mehrheit verweisen konnte. Roland Koch war formal zurückgetreten, blieb aber gemäß Landesverfassung im Amt. Das gegen ihn zu verwenden, ist unredlich. Hätte Hessen 1 Jahr lang ohne Ministerpräsidenten bleiben sollen?!

Nebenbei: Koch hatte 12% von der absoluten Mehrheit verloren, ein außergewöhnliches Ereignis in Hessen. Der Eschborner wusste und hat das am Wahlabend auch gesagt, dass diese absolute Mehrheit nicht normal sei. Dennoch schaffte er 2008 mit seiner CDU mehr Zustimmung als die angeblich populäre SPD-Herausforderin Ypsilanti – in einem Kernland der Sozialdemokratie.

114) Erwin Gabriel, Freitag, 11. Januar 2013, 10:41 Uhr

@ 110), 112) StefanP, Donnerstag, 10. Januar 2013, 10:36 Uhr

Sie haben gelegentlich doch schon eine selektive Wahrnehmung.

Man kann über Roland Koch sicherlich streiten, er war auch nicht der schlechteste Ministerpräsident, den Hessen je hatte. Und über “seine” Politik kann man, wie über den eines jeden anderen Spitzenpolitikers, trefflich streiten.

Aber gemessen an den “Böcken”, die er geschossen hatte – die “brutalstmäßige Aufklärung” und Lügerei über die angeblichen jüdischen Vermächtnissen sind sicherlich DEUTLICH skrupelloser gewesen als der öffentliche und öffentlich diskutierte Versuch Frau Ypsilantis, aus einer linken Mehrheit eine linke Regierung zu bilden – hat sich ein Peer Steinbrück nichts, aber rein garnichts zuschulden kommen lassen, was eine derartige Medienhetze rechtfertigt.

115) Erwin Gabriel, Freitag, 11. Januar 2013, 10:45 Uhr

@ 112) Erika, Donnerstag, 10. Januar 2013, 11:12 Uhr

>> Aber ich kritisiere wofür er seine Durchsetzungsfähigkeit eingesetzt hat

Oft für Gutes, oft für Schlechtes.

116) Peter Christian Nowak, Freitag, 11. Januar 2013, 19:18 Uhr

Hier noch einmal nachzulesen: Steinbrück und die Kanzlerin, ein perfektes Duo für Krisenbewältigung der desaströsen Art:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanz/hypo-real-estate-die-geretteten/1598962.html

Unsere Präsidialkanzlerin, wird ihrem Regierungsstil gerecht: Von nichts eine Ahnung, dafür viel Gespür dafür, wie man jede Menge Leute an der Nase herumführt. dass so veile Leute auf diese Frau hereinfallen. Ein wirkliches Phänomen. Wenn die SPD so weiter macht, wie bisher, dann bleibt nur Schwarz/Rot. Ist das das Ziel der SPD? Oder verliert man nicht so zielsicher die Bundestagswahl? Herr Gabriel hat nun zu entscheiden, ob er dieses Desaster-Duo-der-Unfähigkeit zwangsläufig weiterhin für die nächste Legislaturperiode preferiert, oder ob er nicht besser Frau Kraft als Kanzlerin nominiert, um zu retten was noch zu retten ist. Ein mutiger Schritt nach vorn…das wäre jetzt dringend von Nöten.
Unsere Präsidialprinzessin bietet im Grunde so viele offene Flanken, angefangen von Europa, das Verbrennen von Geldern überflüssiger Rettungsaktionen, über Armut einerseits und gigantischer Reichtum andererseits, über Rente, Chancenungleichheit usw.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanz/hypo-real-estate-die-geretteten/1598962.html

117) Erwin Gabriel, Samstag, 12. Januar 2013, 12:00 Uhr

116) Peter Christian Nowak, Freitag, 11. Januar 2013, 19:18 Uhr

>> …oder ob er nicht besser Frau Kraft als Kanzlerin nominiert,
>> um zu retten was noch zu retten ist.

Das wäre vernichtend für die SPD.
.

>> Unsere Präsidialprinzessin bietet im Grunde so viele offene Flanken,
>> angefangen von Europa, das Verbrennen von Geldern überflüssiger
>> Rettungsaktionen, über Armut einerseits und gigantischer Reichtum
>> andererseits, über Rente, Chancenungleichheit usw.

Herr Novak, stimm schon. Aber das wollen die Leute und die Medien eigentlich gar nicht wissen. Viel interessanter ist, ob Peer Steinbrück schon in jungen Jahren seine Gier bewiesen hat, als er sein Taschengeld als Parkplatzwächter aufbesserte.

118) Peter Christian Nowak, Samstag, 12. Januar 2013, 17:21 Uhr

117) Erwin Gabriel

^^Herr Novak, stimm schon. Aber das wollen die Leute und die Medien eigentlich gar nicht wissen. Viel interessanter ist, ob Peer Steinbrück schon in jungen Jahren seine Gier bewiesen hat, als er sein Taschengeld als Parkplatzwächter aufbesserte.^^

Ah, da fällt mir ein: Als Schüler habe ich im Ferienjob (damals Zellstoff Waldhof Mannheim) mehr verdient, als heute ein Hungerlöhner vedient. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Würde mich mit Herrn Steinbrück gerne austauschen, ob er seinerzeit als Parkplatzwächter auch mehr verdient hat, als heute die Merkel/Vietkong-Koalition den Arbeitnehmern als Gehalt zugesteht.(grins)

119) Erika, Samstag, 12. Januar 2013, 20:35 Uhr

@115) Erwin Gabriel, Freitag, 11. Januar 2013, 10:45 Uhr

Ich bin wirklich offen für Argumente, etwas konkretes aus “oft Gutes” würde mich sehr interessieren

@ 116) Peter Christian Nowak, Freitag, 11. Januar 2013, 19:18 Uhr

Es ist vollkommen egal, wen die SPD nominiert hätte. Die Presse würde sich auf jeden und jede Kandidatin einschiessen. Bei Frau Kraft würde man wahrschienlich damit beginnen, dass sie ihr Wortgebrochen habe, sie würde in Düsseldorf bleiben.

Inzwischen sind die Medien ja soweit, dass die SPD beteuern muss, dass Steinbrück bleibt, selbst, wenn die SPD in Niedersachsen nicht an die Macht kommt. Die CDU hat die letzten 11 Landtagswahlen verloren aber die CDU-Vorsitzende hat mit diesen Wahlniederlagen nichts zu tun. Nein, Sie ist die Umfrage-Beliebteste, durch Wahlen war es nämlich die letzten Monate nicht zu erkennen.

Wo sind die Angriffe bei Frau Merkel?? Wo ist die Berichterstattung über die Regierungsverantwortung`?

Und was Niedersachsen angeht, würde ich von den Medien erwarten, dass sie die Bürger darüber informieren, wie es genau mit dem Krankenhausverkauf ablief, anstatt ob Steinbrück Kanzlerkandidat bleiben kann, wenn die SPD in Niedersachsen verliert.

Man kann nur hoffen, dass die Bürger dieser einseitigen Hetze bald überdrüssig werden.

120) Politikverdruss, Dienstag, 15. Januar 2013, 10:49 Uhr

@Stephan P.(95), Sonntag 06. Januar 2013, 12:32 Uhr,

war verhindert, deshalb jetzt erst meine Antwort.

Ich kann Ihnen nicht ganz zustimmen. Beispiele für rot-rot-grüne Regierungsbündnisse gibt es in Deutschland und darüber hinaus: Auf Länderebene von 1994-98 die Regierung Höppner in Sachsen-Anhalt und von 2001-2002 in Berlin der Senat Wowereit. In Frankreich ist die Regierung(1997-2002) unter L. Jospin als rot-rot-grünes Bündnis zu bezeichnen (Gauche plurielle). In Italien das Parteienbündnis L’Unione unter Romano Prodi von2006-2008 und in Norwegen (http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/10/15/a0147) regiert Jens Stolltenberg seit 2005 unter rot-rot-grünen Farben.

Natürlich bin ich kein Anhänger eines rot-rot-grünen Bündnisses. Gleichwohl hielte ich einen solchen Zusammenschluss für ehrlicher als das, was wir hierzulande erleben. Ein rot-rot-grünes Bündnis wäre eine klare Wahlalternative. Gegenwärtig ist es doch so, dass man im Wahlkampf „ linke“ Positionen vertritt und im Parlament mit der Regierung stimmt. Einfach unglaubwürdig! Es ist die Unglaubwürdigkeit der SPD-Positionierung, angefangen bei ihrem „Kanzlerkandidaten“ bis hin zu den „Parteiprogrammen“, die jetzt aus dem „Wahlkampfhut“ gezaubert werden.

121) Kajuschu, Montag, 21. Januar 2013, 19:48 Uhr

Ich finde Steinbrück einfach nicht richtig für eine sozialdemokratische Partei die ihre Werte auch verkörpern will

122) nick, Donnerstag, 19. September 2013, 18:16 Uhr

Der Kerl Millionär Steinbrück darf kein Kanzler werden……. Steinbrück lügt den Menschen das blaue vom Himmel vor……Wenn der Kerl schon seine Klappe aufmacht, ist das Wort schon gelogen……..

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