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Danke, Grimme-Institut!

Kack die Wand an, da kriegst du Karneval im Kopf: das altehrwürdige Grimme-Institut hat endlich Anschluss an das Fernsehen von heute bekommen. Eine überfällige Korrektur. Das Grimme-Institut verharrt nicht länger in den antiquierten Qualitätsmaßstäben des vergangenen Jahrhunderts, sondern stellt sich mutig an die Spitze des Zeitgeistes.

Was den Feuilletons recht ist, ist dem Grimme-Institut billig: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ ist das Qualitätsfernsehen von heute. 8,64 Millionen Zuschauer können nicht irren. Danke für die  Nominierung des Dschungel-Camps für den Grimme-Preis. Das ist der Respekt vor dem Zuschauer, den wir so lange vermisst haben.

Menschenversuche im Fernsehen – diesen Trend hatte das Institut lange verschlafen. Wie konnte das nur passieren ? Es gibt doch nichts Anregenderes und Erhabeneres für den Kulturschaffenden von heute als eine Sendung, in der elf Vertreter des Showprekariats aufeinander gehetzt und mit Ekelprüfungen gequält werden. Warum wurde so lange nicht erkannt, wie preiswürdig eine Show ist, in der Menschen ihre Würde gegen eine große Hand voll Euro an RTL verkaufen?

Aber warum auf halbem Wege stehen bleiben? Was ist mit den „Geissens“ für die beste Dokumentation, was ist mit all den wunderbaren Formaten wie „Bauer sucht Frau“, „Frauentausch“ oder „Schwiegertochter gesucht“? Und wie konnte es passieren, dass „Berlin – Tag & Nacht“ nicht auf Eurer Liste auftaucht? Noch ist vieles nicht ausgezeichnet. Warum habt Ihr Euch halbherzig nur für ein Format entschieden? Das wäre doch eine neue Kategorie wert.

Lasst Euch ja nicht auf Eurem Weg irre machen von zurückgebliebenen Kritikastern, die immer gedacht hatten, Marl sei das letzte gallische Dorf des deutschen Fernsehens. Ihr seid endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Preisträger der vergangenen Jahre werden es Euch danken.