Mittwoch, 06. Februar 2013, 13:16 Uhr

Lachnummer

Es ist immer wieder erstaunlich, wie realitätsblind auch kluge Politiker sind, wenn es um sie selbst geht. Und sich hinter juristischen Formeln verschanzen, obwohl sie wissen, dass in der Politik und in der politischen Kommunikation andere Regeln gelten.

Ein solcher Fall ist auch Annette Schavan. Die Bildungsministerin glaubt offenbar, die Aberkennung ihres Doktor-Titels politisch überleben zu können.

Eine groteske Fehleinschätzung. In der Politik zählen Glaubwürdigkeit und Integrität. Gehen sie verloren, entfällt die Basis zur Bekleidung hochrangiger Ämter. Erst recht bei einer Wissenschaftsministerin, die ihre wissenschaftliche Reputation verliert. Und dabei ist völlig gleichgültig, dass sie sich im Recht fühlt und dieses Recht einklagen will.

Das Tempo der Politik, insbesondere in einem Wahljahr, ist um ein Vielfaches höher als das Tempo der Rechtsprechung. Das müsste eine erfahrene Politikerin wie Frau Schavan wissen. Und sie müsste auch wissen, dass sie, wenn sie im Amt bleibt, zur lächerlichen Figur wird.

Wie will sie künftig vor Studenten und Doktoranden auftreten? Wie will sie sich mit Autorität zu Wissenschaftsfragen äußern und mit den Spitzen der Wissenschaft verhandeln? Jeder öffentliche Auftritt wird von Hohngelächter begleitet werden. Und die Opposition lässt sich dieses Wahlkampfgeschenk nicht entgehen und wird die Ministerin massiv vor sich her treiben.

Hoffentlich ist ihre erste Reaktion auf den Entzug des Doktorgrades nur eine Trotzreaktion. Wenn sie wieder bei vollen politischen Sinnen ist, bleibt Annette Schavan nur der Rücktritt.

Falls diese Phase zu lange dauert, muss ihr die Kanzlerin bei der Entscheidungsfindung helfen. Oder will sie sagen, sie habe keine wissenschaftliche Mitarbeiterin, sondern eine Wissenschaftsministerin eingestellt? Was bei zu Guttenberg schon absurd war, würde im Fall Schavan zur internationalen Lachnummer.

Es ist verständlich, dass Angela Merkel – im Gegensatz zum Rauswurf ihres „Parteifreundes“ Norbert Röttgen – im Fall Schavan Beißhemmungen hat. Frau Schavan ist ein langjährige politische und persönliche Freundin. Merkel hat ihr viel zu verdanken. Ihr Aufstieg wäre ohne Schavan nicht so glatt verlaufen.

Natürlich ist das jetzt bitter für Frau Schavan. Ihre berufliches und politisches Leben wird mit einem Schlag zerstört. Aber es gibt zum Rücktritt keine Alternative.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

82 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Donnerstag, 07. Februar 2013, 13:26 Uhr

@ 24) K.H., Mittwoch, 06. Februar 2013, 17:53 Uhr

Volle Zustimmung, vielen Dank für den Beitrag. Wer ohne Fehl ist, der werfe den ersten Stein.

2) Erwin Gabriel, Donnerstag, 07. Februar 2013, 13:35 Uhr

@ 48) Rainer N., Donnerstag, 07. Februar 2013, 12:24 Uhr

>> Wer FÜR Frau Schavan spricht, stellt sich ein Armutszeugnis aus.

So, wie Sie argumentieren, haben Sie überhaupt keine Ahnung von der Materie, weder von Doktorarbeiten, noch vom Thema der Doktorarbeit, noch von wissenschaftlicher Arbeit. Sie stellen sich Ihr Armutszeugnis selbst aus.

Nicht falsch verstehen: Ich finde es nicht gut, wenn jemand fremdes geistiges Gut als sein Eigenes ausgibt und sich damit einen Titel erschleicht. Aber wenn selbst die Jäger von Vroniplag die Fehler in Schavans Doktorarbeit zwar an einzelnen Stellen für problematisch halten, die Arbeit als Ganzes aber durchwinken, mit welchem Recht fällen Sie derartige Urteile? Haben Sie selbst die Arbeit gelesen, verstanden, auf Plagiate abgeglichen? Wenn nicht, plagiieren Sie auch nur die Meinung von BILD, FOCUS, SPIEGEL und Co.

3) Bernd, Donnerstag, 07. Februar 2013, 14:35 Uhr

@ alle
kleiner Denkanstoß an die Mitblogger, die sich mit dem Aspekt der Verjährung beschäftigt haben.
Es gibt den feinen Unterschied zwischen der strafrechtlichen Verjährung eines Diebstahls und dem Besitzanspruch auf die Beute.
Auf den konkreten Fall bezogen. Niemand kann Frau Schavan wegen Diebstahl geistigen Eigentums belangen, weil das eindeutig verjährt ist. Der Herausgabeanspruch auf den erlangten Vorteil ist davon unberührt und unbefristet. D.h. der Doktorgrad kann bei nachgewiesenem Plagiat jederzeit entzogen werden, sogar noch posthum. Das Gesetz unterscheidet nicht, ob jemand geistiges Eigentum oder goldene Löffel geklaut hat.

4) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 07. Februar 2013, 14:45 Uhr

@ 26) wschira: Frage nach Belegen

Eine soeben in Eile recherchierte Quelle, die nur als ein (!) Beispiel dienen soll: http://www.iubh-fernstudium.de/files/Downloads/PruefungsordnungB.A.Betriebswirtschaftslehre.pdf, hier: § 33 Nr. 5. Ansonsten habe ich diese 5-Jahres-Frist als Erfahrungssatz für juristische Staatsprüfungen in Erinnerung, mag das auch aus den 80-ern stammen. Im Übrigen sollen -vom Hörensagen her- die Prüfungsakten nicht länger als 5 Jahre aufbewahrt werden, weshalb nach Vernichtung der Akten keine Überprüfung mehr möglich ist.

Promotionsordnungen enthalten diese Frist nicht, siehe hierzu auch gestern (6.2.2013) Stefan Weber (Dresden/Salzburg) zu http://www.tagesschau.de/inland/schavan-interview100.html (untere Hälfte), wie die Arbeiten im Ggs. zu Studienabschlussarbeiten eben keine „Verschlusssache“ darstellen, sondern bekanntlich für jedermann zuänglich auf lange Zeit hin in den Bibliotheken stehen. Insoweit bin ich zu 13) wohl mißverstanden werden.

5) Nimm-Wegen, Donnerstag, 07. Februar 2013, 15:12 Uhr

@Spreng: Vorletzter Satz „Ihre berufliches und politisches Leben…“

Ansonsten treiben Sie mit diesem Artikel der SZ die Schamesröte ins Gesicht, danke!

6) Moon, Donnerstag, 07. Februar 2013, 15:36 Uhr

@24) K.H.

Ist es wirklich angemessen, dass fehlerhaftes Zitieren länger Auswirkungen auf das Leben haben sollte, als Totschlag oder Terrorismus?

Natürlich nicht, bei diesen Verbrechen sollte ebenso lang verfolgt werden. Aber was soll man schon von einem Land erwarten, indem man Leute totprügeln und danach frei herumlaufen darf, bei Finanzdelikten aber einfährt?

Entweder der Doktorvater hatte keine Ahnung von dem Thema, oder es hat ihn nicht interessiert. In beiden Fällen liegt die Hauptschuld NICHT bei der Studentin.

NATÜRLICH liegt die Hauptschuld beim Täuschenden, selbst dann, wenn er nicht bewusst auf die Bräsigkeit des Doktorvaters gesetzt hat.

Alle anderen sollten vielleicht in Betracht ziehen, dass Menschen eben nicht perfekt sind

„Mama, der hat aber angefangen“! Soll das ein Witz sein? Wer meint, es sich durch Betrug leicht machen zu können (und damit jahrelang sehr gut gefahren ist), muss halt mit der Abstrafung rechnen.

Einzig beschämend an der ganzen Aktion ist Schavans Dreistigkeit. Sie hat halt gut von Mutti gelernt:
“Ich habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt” sagt einem alles, was man über die Geisteshaltung der „Eliten“ wissen mus.

7) Carlos Manoso, Donnerstag, 07. Februar 2013, 16:28 Uhr

„Hoffentlich ist ihre erste Reaktion auf den Entzug des Doktorgrades nur eine Trotzreaktion.“

Nun ja, Herr Spreng, letztlich ist es wohl nur eine „weibliche“ Trotzreaktion, mittels der Frau Schavan jetzt endlich quasi zum Weibe wird – gottseidank bislang wohl nur auf dem juristischen Gebiete. Wenn eine Universität entscheidet, ein Verfahren zur Einleitung der Aberkennung des Doktorgrades einzuleiten, ist „weibliche“ Trotzreaktion logisch, gegen die Einleitung des Verfahrens postwendend zu klagen ! Is doch logisch, Gelle ?

8) Olaf, Donnerstag, 07. Februar 2013, 17:13 Uhr

@24 und @50:
wenn man aus Ihren Forderungen einen kategorischen Imperativ drechseln möchte, dann entsteht das, was man einigen Berlusconi-Gesellschaften vorwirft, wenn man sie von unseren Olymp der Aufklärung herab betrachtet.
Oder gilt jetzt: „wo kein Richter, da kein Henker“?
Wer sich an kurzen Verjährungsfristen für Kapitalverbrechen stört, der darf den Vergleich nicht umkehren, zumal die Erteilung eines akademischen Titels nicht dem Strafrecht unterliegt.

@51: Ihre Argumentation ist weder respektvoll, noch logisch oder stichhaltig, aber vielleicht etwas zu sehr vom Gefühl getrieben. Seit wann ist ein Plag denn eine unabhängige, juristische Instanz mit Gutachterpflichten? Plags sind nur Hinweisgeber. Sie zu insturmentalisieren ist unlauter.

9) Heiner Braesig, Donnerstag, 07. Februar 2013, 18:42 Uhr

Ey, klasse, wenn der Doktorand pfuscht, ist der Beteuer schuld? Laesst sich das auf alle Lebensbereiche ausdehnen? Das fuehrt zu Unfreiheit, Autoritaetsglaeeubigkeit und totalitaeren Strukturen. Derr Fall Schavan ist ein Superbeispiel dafuer, dass Schwarz-weiss-denken unterhaltsam sein kann, aber auch nur das.

10) Erwin Gabriel, Donnerstag, 07. Februar 2013, 18:47 Uhr

55) Moon, Donnerstag, 07. Februar 2013, 15:36 Uhr

>> NATÜRLICH liegt die Hauptschuld beim Täuschenden,
>> selbst dann, wenn er nicht bewusst auf die Bräsigkeit
>> des Doktorvaters gesetzt hat.

Es irritiert mich immer wieder (soll heißen, nicht nur hier, sondern auch beispielsweise in den Fällen Wulff oder Brüderle), wie aus unvollständigen Situationsbeschreibungen Dritter hemmungslos pauschale Urteile gröbster Art gefällt werden.

Es gibt so viele Spielräume zwischen richtig und falsch. So wird Frau Schavan vorgeworfen, eigene früher beschriebene Texte benutzt zu haben, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Sie hat in einem Abschnitt einen Teil des Einleitungssatzes und einen Teil des Abschlußsatzes wortgleich, der Gedankengang dazwischen ist ein eigener. Ich habe auch schon bestimmte Formulierungen gelesen, die ich dann unbewußt an anderer Stelle übernommen habe. In jedem Falle liegen die Vorwürfe weit hinter dem, was sich ein Herr zu Guttenberg hat zuschulden kommen lassen. Das „fachmännische“ Urteil lautet aber gleich.

Aber wenn, dann gleiches Recht für alle – warum sich auch mit lästigen Feinheiten, Abstufungen und Zwischentönen abgeben, wenn man alles in „Gut“ und „Böse“ einteilen kann: Jeder Professor, der am Durchwinken einer solchen Arbeit beteiligt war, gibt seinen Doktortitel zurück. Jeder Journalist, der nicht die Wahrheit schreibt, Formulierungen von anderen aufgreift oder nicht eine eigene, aus eigenen Kenntnissen und Erfahrungen begründbare Meinung entwickelt, wird gefeuert. Und ob einer für drei Minuten falsch parkt, um einen Brief in den Briefkasten zu schmeißen, wird genau so hart bestraft wie jemand, der mit einer Schrottlaube ohne TÜV und Bremsen mit weit überhöhter Geschwindigkeit betrunken durch die Stadt rast. Ich bin gespannt, ob alle, die hier so vorschnell mit harten Urteilen zur Hand sind, solche Urteile anderer über sich auch akzeptieren.

PS: Ob Frau Schavan ihrern Doktor-Titel behält oder nciht, ob sie zurücktritt oder nicht, ist mir echt egal – ob das alles zu recht geschieht, vermag ich wie die aller-, allermeisten hier nicht zu beurteilen. Aber dieses heuchlerische, scheinheilige Geschimpfe der Medien und der aufrechten Bürger geht mir einfach gegen den Strich.

11) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 07. Februar 2013, 19:47 Uhr

@24K.H.

Dass Plagiate mitunter ohne weiteres durchgehen, lassen den Gedanken zu, dass hier Universitäten nur unzureichend kontrollieren. Auch hier im Fall Schavan: eine Schlappe für die Universität. Ebenso im Fall zu Guttenberg.
Allein das Thema „Person und Gewissen“ hat so seine Schwierigkeiten in der Bearbeitung. Das hätten Frau Schavan und erst recht ihr Doktorvater wissen müssen. Hier neue Gedanken zu bringen, die nicht schon irgendwo veröffentlicht wurden, halte ich für sehr schwierig – ein grundsätzliches Problem in der Philosophie. Frau Schavan war sicher auch mit dem Thema überfordert. Spätestens bei dieser Erkenntnis hätte sie aufgeben müssen. Stattdessen hat sie sich in der Vorstellung verrannt, sie könne die Sache durchstehen – vielleicht auch mit Unterstützung ihres Doktorvaters.
Ihre Arbeit ist wissenschaftlich nicht verwertbar, da sie nicht auf ihrem „Mist“ gewachsen ist. Die überprüften Indizien sind eindeutig. Unabhängig vom Ansehen der Person, hat sich im Namen der Wissenschaft jeder den Regeln, nämlich was wissenschaftlich ist, zu unterwerfen.

12) Rainer N., Donnerstag, 07. Februar 2013, 20:46 Uhr

@ Herr Gabriel

Ein Zitat ist ein Zitat ist ein Zitat!

Ich denke, dem können, nein müssen Sie zustimmen.

Frau Schavan hat aber Textstellen nicht zitiert, sondern umformuliert, damit sie „flüssiger“ zu lesen sind und genau dann auf Quellenangaben und Zitierfunktion verzichtet.

DAS erweckt nun einmal den Eindruck, sie habe eigene Gedanken formuliert, was aber nicht stimmt. Sie hat abgeschrieben und dabei getarnt und getäuscht. DAS kann kein „versehentliches Vergessen“ sein.

Die Aberkennung des Titels war zwingend erforderlich.

Im übrigen – bei der Abstimmung ob es ein Plagiat ist, gab es 13 zu 2 Stimmen – wobei zwei Enthaltungen waren.

Ich sitze in einem Beirat. Wenn dort eine Abstimmung ansteht, bei der ich mich als befangen betrachte, erkläre ich sofort, mich deshalb zu enthalten. Ich nehme auch nicht an der Diskussion teil, um keinen in meinem Sinne zu beeinflussen. Denn dann könnte ich auch selber abstimmen, ohne das jemand erfährt, das ich eigentlich befangen bin.

Ich habe eben noch eine Moralvorstellung, damit ich mir noch ins eigene Gesicht sehen kann, wenn ich in einen Spiegel schaue. Dadurch ecke ich zwar häufig an, aber anders würde ich mich nur verbiegen.

13) Christian Erhart, Donnerstag, 07. Februar 2013, 21:44 Uhr

Ich als Schweizer schaue mir das ganze gelassen aus der Ferne an, und frage mich, welche Sau als nächstes durch die Gassen getrieben wird. (Redensart ; Hat nichts mit Frau Schavan zu tun )
Ich kann mich noch erinnern das sich euer Verteidigungsminister Scharping nur ins Jahr 2002 retten konnte weil da zwei „Flugis“ in Häuser geflogen sind. Es findet sich immer eine Sau oder ein eben ein Bock.

14) Bernhard Paul, Donnerstag, 07. Februar 2013, 22:04 Uhr

Ich möchte nur zu bedenken geben, dass es zu der Zeit, als Annette Schavan ihre Doktorarbeit schrieb, durchaus Tendenzen einzelner Universitäten und mancher Professoren gab, die strengen Zitierregeln für wissenschaftliche Arbeiten aufzuweichen. Motto: Man kann es auch übertreiben mit dem strengen Zitieren, man ist auch zu eigenständigem Denken fähig und manche frühere Erkenntnis Einzelner werde relativ schnell zu allgemeinem geistigen Eigentum. Eine wissenschaftliche Arbeit müsse auch lesbar und verständlich bleiben. Ich habe das als Student selbst erlebt.

Ob das für die Universität Düsseldorf auch gelten könnte, entzieht sich meiner Kenntnis.

15) Horst Klohocker, Donnerstag, 07. Februar 2013, 22:25 Uhr

Dank der Universität Lübeck darf im Fall der Doktortitel nun gerechnet werden:
Doktortitel – Doktortitel + Doktortitel = Doktortitel
http://www.fr-online.de/der-fall-schavan/uni-luebeck-schavan-wird-ehrendoktor,21666736,21682426.html

Alles also zurück auf Anfang und Dr. Annette Schavan darf sich weiter so nennen. Sie reiht sich damit ein in die Riege der Politiker, welche „nur“ einen Ehrendoktor haben. Erinnerungen werden wach an meine Kindheit, als in der ARD ein Hase mit Namen Dr. h. c. Caesar über den Bildschirm flackerte. Der Hase mit Doktortitel war zumindest eine Lachnummer – Frau Dr. h. c. Schavan als eben eine Solche kann sich die Union wohl im Wahlkampf nicht leisten.

16) M.M., Freitag, 08. Februar 2013, 04:38 Uhr

@49
Die römisch katholische Kirche hat ihr nicht den Weg geebnet, allenfalls die „sogenannte deutsche katholische Kirche.“

17) Gregor Keuschnig, Freitag, 08. Februar 2013, 09:14 Uhr

@StefanP
Ihr Vergleich der Verjährung bei Totschlag o. ä. greift natürlich wieder einmal ins Leere. Der Doktortitel ist Namensbestandteil und „verjährt“ ja auch nicht nach zehn oder dreissig Jahren

Die Plagiate im Falle Schavan sind für mich sogar fast noch schlimmer. 1980 gab es kein „copy & paste“, die Texte mussten mühsam abgeschrieben werden. Die Anführungszeichen ab und zu mal zu „vergessen“ war damals noch viel unwahrscheinlicher als heute.

tatsächlich war es allerdings auch 1980 für „Doktorväter“ schwieriger, Plagiate aufzudecken. Sie mussten exakt „im Thema sein“, was nicht immer möglich sein kann. Heute gilt das nicht mehr als Ausrede; es gibt ausreichend Software, die zumindest als Einstieg benutzt werden kann.

18) Moon, Freitag, 08. Februar 2013, 09:28 Uhr

@57 Olaf

Seit wann ist ein Plag denn eine unabhängige, juristische Instanz mit Gutachterpflichten?

Seit wann braucht man Gutachter um selbst zu lesen und sich zu vergewissern? Was ist an Fakten unlauter?

@59, Erwin Gabriel
Es gibt so viele Spielräume zwischen richtig und falsch.
Auch für Sie nicht mehr, wenn Sie sich im Schavanplag mit den Fundstellen vertraut gemacht haben.

Ich bin gespannt, ob alle, die hier so vorschnell mit harten Urteilen zur Hand sind, solche Urteile anderer über sich auch akzeptieren.

Die typische Ausflucht: die anderen sind auch nicht besser. Selbst wenn dem so wäre, würde das an den Fakten nichts ändern. Sie wollen doch nicht ernsthaft die Tatsache, dass manche durch die Maschen schlüpfen, als Grund für… ja für was eigentlich anführen?

Aber dieses heuchlerische, scheinheilige Geschimpfe der Medien und der aufrechten Bürger geht mir einfach gegen den Strich.

Sicherlich nicht so sehr wie allen anderen die Verharmlosung und Verarschung, die die mit zweierlei Maß messende „Elite“ und ihre Verteidiger dem Wahlvolk angedeihen lassen, gegen den Strich geht.

@62, Christain Ehrhardt

Es findet sich immer eine Sau oder ein eben ein Bock.

Und das ist in der Schweiz anders?

19) Doktor Hong, Freitag, 08. Februar 2013, 10:14 Uhr

Als ich in der 10. Klasse war, das war kurz vor dem Internet und noch vor Google, da sollten wir Referate zu einem zeitgeschichtlichen Thema aus dem 20. Jahrhundert anfertigen.

Ein Schulfreund wählte das Thema „SS“ und schrieb, um sich Zeit zu sparen, ein Kapitel aus einem Geschichtsbuch einfach ab.

Dummerweise kannte der Geschichtslehrer das Buch und erkannte auch die Passage wieder. Das Referat wurde mit 6 bewertet, was sich übel auf seine Geschichtsnote auswirkte und auch seine Versetzung hätte gefährden können, hätte er noch eine andere 5 gehabt.

Daher kann ich das Argument, nur bei Politikern werde gut hingeschaut, ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Das stimmt einfach nicht.

Nehmen wir den Fall Jan Hendrik Schön, der Messwerte einfach erfunden hat. Er ist kein Minister gewesen, oder stand in keiner Weise in der Öffentlichkeit. Wurde aber Direktor eines Max-Planck-Instituts.

Die „neiderfüllten“ Kollegen überprüften die Messergebnisse und fanden Unstimmigkeiten, die nicht ausgeräumt werden konnten. Schön musste zugeben, getäuscht zu haben.

Und hier kommt der Knüller. Schön hatte in seiner Doktorarbeit gar nicht getäuscht oder sonst irgend etwas falsch gemacht, sie war hundertprozentig in Ordnung. Und trotzdem hat die Universität Konstanz ihm wegen „unwürdigen Verhaltens“ seinen Doktorgrad aberkannt, weil sie seine Verfehlungen als so schwerwiegend ansah.

Der Rechtsstreit ging über mehrere Jahre und wurde 2011 in letzter Instanz zugunsten der Aberkennung entschieden.

Also halten wir noch einmal fest: Schön war weder Bildungs- und Forschungsminister, noch war Wahlkampf, noch stand er sonst irgendwie in der Öffentlichkeit. Auch mein Schulfreund war kein Minister, und trotzdem ist er unnachsichtig bestraft worden, und da ging es nicht einmal um eine Doktorarbeit.

Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum nun gegen Politiker weniger strenge Maßstäbe angelegt werden sollen.

Wer sich als stinknormaler Assi so etwas leistet und erwischt wird, ist für immer weg vom Fenster. Aber bei Politikern ist das alles nicht so wild?

Ich habe mir Schavanplag mal angeschaut. Da sind einige Stellen, an denen sie sich auf Originalliteratur von Freud und C.G. Jung bezieht. Man würde meinen, sie hätte selbst diese Quellen recherchiert, deren Inhalt rezepiert und in ihrer Dissertation wiedergegeben. Stattdessen aber schreibt sie die Interpretation eines Dritten (z.B. Stadter) ab und erwähnt ihn nicht mal. Das ist schon echt schwach. Als angehender Doktor sollte man vielleicht schon in der Lage sein, Orginalliteratur lesen, verstehen und in eigenen Worten wiedergeben zu können. (und korrekt zu zitieren 😉 )

20) karel, Freitag, 08. Februar 2013, 17:15 Uhr

Ich habe mir mal als „Nichtpromovierter“ die Seite vroniplag angesehen.
So wie ich es verstanden habe, hat dieser „plag“ die Arbeit von Fr. Schavan bewertet und diese als in selbst vorgegebenen Grenzen als tolerierbar angesehen.
Schavanplag soll wiederum bei vroniplag „plagiiert“ haben. Schon das ist bemerkenswert.

Vroniplag arbeitet mit einer selbst auferlegten „Schwelle“ von etwa 10 % fehlerhaft gekennzeichneter Übereinstimmungen.
Ich sehe darin einen Erfahrungswert aus vielen ausgewerteten Promotionen.
Vroniplag hat sicherlich keine rechtliche Befugnis für Bewertungsgrenzen. Diese Grenze sehe ich da eher als INDIZ, daß offenbar viele dieser Promotionen auch mit „kleineren“ Mängeln behaftet sind.
Es liegt wohl daher eher im Auge des Betrachters, ob es sich da um „kleine“ oder „große“ Mängel handelt. Je nach „Befinden“.
Bei jährlich etwa 25000 als erfolgreich bewerteten Prüfungen dürfte bei Anwendung einer „Null-Toleranz-Grenze“ der ganze wissenschaftliche Betrieb wohl in heftige Turbulenzen geraten.

Ich frage einfach mal nach, was wir eigentlich erwarten, erwarten dürfen.
Eine preußisch-disziplinierte superkorrekte Handhabung?
Oder eine in engen Grenzen geduldete Toleranz.

Es dürfte doch nicht gewollt sein, mal überspitzt formuliert, 90% der wissenschaftlichen Arbeit absolut korrekt zu zitieren, dann die restlichen 10 % als eigenen Denkbeitrag für eine einwandfreie Promotion als ausreichend hinnehmen zu wollen oder zu müssen.

21) Erwin Gabriel, Freitag, 08. Februar 2013, 21:49 Uhr

61) Rainer N., Donnerstag, 07. Februar 2013, 20:46 Uhr

Hallo Herr N.,

Noch einmal: Ich behaupte nicht, dass Frau Schavan „unschuldig“ ist. Ich verlange auch nicht, dass sie ihren Doktor-Titel behalten soll oder im Amt verbleiben muss. Für solche Behauptungen und Forderungen fehlt mir der Einblick.

Und genau so gut, wie ich mir vorstellen kann, dass jemand interessante Passagen umformuliert, um sie zu verdecken, kann ich mir vorstellen, dass jemand, der studiert und sich ausgiebigst mit einem Thema befasst, zu ähnlichen Gedanken kommt wie ein anderer vor ihm, oder dass er zur Hinführung eines Themas entweder aus purem Zufall, oder weil es unterbewußt hängen geblieben ist, eine ähnliche Formulierung wählt (selbst wenn ich das für unwahrscheinlich halte, aber darauf kommt es nicht an).

Des weiteren: Wo liegt genau die Grenze, der Unterschied zwischen einer „sauberen“ Arbeit und einem zusammenkopierten Machwerk? Wird eine an und für sich gute Arbeit schon dadurch vollkommen entwertet, dass ich einen „fremden“ Satz ohne Herkunftsnachweis einbaue?

Wenn in der Doktorarbeit Schavans schwerwiegende Mängel zu finden sind, ist es meiner Meinung nach korrekt, Ihr den Titel abzuerkennen – ich denke, da sind wir uns einig. Was ich aber nicht leiden kann, ist die auf zwei Schlagzeilen hin lostürmende Meute, die mit Schaum vorm Mund die Beute hetzt – in den meisten Fällen ohne zu verstehen, worum es eigentlich geht.

Und dass es, wenn man einen Politiker hetzt, wüster zugeht als gegen Kinderschänder, Drogenhändler, Wirtschaftsverbrecher etc, finde ich wirklich schlimm. Dann lieber, wie von K.H. in Beitrag 24) gefordert, Politikern ans Leder gehen, die einen schlechten Job machen. Dass beispielsweise während des laufenden Afghanistan-Einsatzes Dienstfahrzeuge nicht benutzt werden dürfen, weil die ASU abgelaufen ist, dass die versprochenen Kita-Plätze fehlen und die potentiellen Nutzer durch die Herdprämie bestochen werden, dass die Regierung eine für Wirtschaft und Bürger katastrophale, Milliarden verschwendende Energiepolitik betreibt, das Dahingestolpere in Bildungs-, Sozial-, Familien- oder Europa-Politik wären deutlich wichtigere Gründe für Aufregung der Bürger oder Recherche-Anstrengungen der Medien.

Aber wie in so vielen anderen Fällen sucht man sich wieder irgendeine eine Nase, über die man in der Meute herzieht, wegen der man sich künstlich aufregt und sich voller Scheinheiligkeit und Selbstgerechtigkeit empört – sie ist Politikerin, holt sie hier raus. Solch ein Verhalten beschert uns genau die Politiker, die wir haben: Soap-Stars, die Politiker simulieren, nicht mehr.

Ich fände es gut, wenn man solchen Problemen die Bedeutung zuweist, die sie wirklich haben – nicht mehr, nicht weniger. Und dass man, Politiker hin, Versager her, über andere nur so stark lästert, wie man es im Falle eines eigenen Fehlers für sich akzeptieren würde. Alles andere ist Heuchelei, Pharisäertum, Selbstbetrug.

22) W.Herrmann, Samstag, 09. Februar 2013, 01:02 Uhr

@Doktor Honng
stimme Ihnen voll zu..
Auch die Argumentation „Wer noch nie geschummelt hat werfe den ersten Stein“ zieht nicht, weiß/ahnt doch der Schummelnde meist um die Konsequenzen falls er erwischt wird, er geht also bewußt ein Risiko ein..
Auch der Hinweis auf die Lebensleistung und die über 30 seither vergangenen Jahre ist ist nicht stichhaltig, es handelt sich lediglich um die Aberkennung eines unter falschen Vorgaben erworbenen Titels und kein strafrechtliches Verfahren.
Richtig ist sicherlich, das die Dunkelziffer von „falschen“ Titeln ganz erheblich und ein Teil davon einer „schlampigen“ Beurteilung geschuldet ist….allein das ändert nichts an der durch die Uni festgestellten Tatsache.
Für Frau Schavan mag das bedauerlich sein, in Ihrer derzeit exponierten Stellung ist sie aber nun nicht mehr tragbar…

Gruß
Wolfgang

23) Tobias B, Samstag, 09. Februar 2013, 10:25 Uhr

Heute ist antreten zum Abtreten angesagt.

24) Erwin Gabriel, Samstag, 09. Februar 2013, 10:56 Uhr

@ 71) W.Herrmann, Samstag, 09. Februar 2013, 01:02 Uhr

>> Auch die Argumentation “Wer noch nie geschummelt hat
>> werfe den ersten Stein” zieht nicht, weiß/ahnt doch der
>> Schummelnde meist um die Konsequenzen falls er
>> erwischt wird, er geht also bewußt ein Risiko ein..

Was Du nicht willst, dass man Dir tu ….

Das gilt nicht nur fürs Schummeln, sondern auch für alles andere. Ob Frau Schavan geschummelt hat oder nicht, ist eine Sache. In welchem Ton man über andere Menschen redet, ist (wie etwa auch bei Christian Wulff oder Karl-Theodor zu Guttenberg) eine völlig andere.

Wenn jemand in der Sache recht hat und glaubt, deswegen hetzen und pöbeln zu dürfen, demonstriert er bestenfalls seine Arroganz, seine Dummheit und sein schlechtes Benehmen.

25) Moon, Samstag, 09. Februar 2013, 11:51 Uhr

@70, Erwin Gabriel

Solch ein Verhalten beschert uns genau die Politiker, die wir haben: Soap-Stars, die Politiker simulieren, nicht mehr.

Dass man u.a. von dummen, dreisten, korrupten, betrügerischen Politikern regiert wird, liegt also daran, dass man deren Verfehlungen nicht (länger) hinnehmen will? Und die Reaktion der „Meute“ entstand nicht erst aus den Lügen, Abwiegelungen, Verharmlosungen, Rechtfertigungen, Verschwörungstheorien der Ertappten (und ihrer Unterstützer)?

Soviel also zum Selbstbetrug.

26) janosch, Samstag, 09. Februar 2013, 15:01 Uhr

ätsch. recht behalten. 🙂

Als Lachnummer wir Frau Schavan nun nicht in die Geschichte eingehen.
Ihr Abtritt hatte Würde und sie hat es geschafft, aus Angela Merkel so etwas wie Menschlichkeit herauszukitzeln.

Von ihren politischen Hinterlassenschaften halte ich wenig, aber dazu war Frau Schavan auch einfach in der falschen Partei…

27) Rainer N., Samstag, 09. Februar 2013, 16:51 Uhr

@ Herr Gabriel –

Auf Schavanplag habe ich gelesen, sie hat auch in ihren Büchern plagiert. Sogar sich selber. An einer Stelle ist ein „Zitat“ ihres Doktorvaters

http://de.schavanplag.wikia.com/wiki/Schavanplag_Wiki

Seite 11 – Wilhelm Flittner schrieb 1979 …

Leider habe ich bei dem Suchbegriff

„dass erzieherische Hilfe den Heranwachsenden gegenüber unentbehrlich sei und die Spannung “

bei Google nur:

http://blog.zeit.de/schulblog/2011/06/12/bundesbildungsministerin-annette-schavan-will-einen-bildungsrat-schaffen-interessante-rede-zum-125-geburtstag-des-salem-grunders-kurt-hahn/

erhalten, kann also nicht erkenne, ob auch Flittner diesen Text benutzt hat.

Vermutlich nicht, denn es ist eine Folgerung aus dem Text Flittners. In der Rede 2011 steht:

Er legt dar … und wieder der Wortlaut ihres Doktorvaters bzw. des von ihr „geklauten Ergebnis“ aus dem eigenen Buch …

Also hat Schavan beim Doktorvater geklaut, und schreibt so, als sei es ihre Zusammenfassung zur Aussage von Flittner. In der Rede ebenfalls! Kein Hinweis darauf, der Satz stammt von Wehle! Obwohl in der Rede ebenfalls Fußnoten die Quellen vorspiegeln sollen.

Ihr Doktorvater schrieb das 1980, sie 2002, dann benutzte sie das in ihrer Rede 2011!

Sie hätte das somit als Zitat von Wehle kenntlich machen müssen.

Coppy und Paste – auch bei Schavan!

Anmerkung: Ich werde in wenigen Tagen 62. wenn ich vergleiche, was ich mit 28 (da wurde ich erstmals Vater) über Erziehung wusste, und wie ich die „geplant habe“, mit meinen Erfahrungen und Lernprozessen bis Heute vergleiche, dann war das „learning by doing“ gebe ich zu. Damit habe ich keine Probleme.

Das Frau Schavan auf ihrem „Lebensweg“ ebenfalls gelernt hat, glaube ich ebenfalls. Nur, der Titel war damals erschwindelt! Und an „unrechtem Gut“ kann man kein Eigentum erwerben. Wenn sie sich nun gleich am Anfang als das aufgeflogen ist hingestellt und erklärt hätte –

Damals war ich jung, ich brauchte den Titel für meine Laufbahn, mein Doktorvater hatte da einen Posten für mich … aber auf meinem Lebensweg habe ich inzwischen vieles gelernt und bereue meinen Fehler, ich lege den DR-Titel ab, den brauche ich nicht mehr, meine Arbeit soll für mich sprechen …

Dann hätte ich diese Frau für das Geständnis sogar bewundert. Denn ich habe in den Jahren auch viel gelernt und würde nur meine jetzige Einstellung zur Erziehung als angemessen betrachten.

Was mich an der ganzen Angelegenheit stört, ist das Lagerdenken vieler „Befürworter“ von Schavan und die Unterstellung, sie sei nur das Ziel weil sie „auf der falschen Seite stehe“. Nein, sie ist das Ziel, weil sie sich zum Ziel gemacht hat, mit ihrer Mogelei.

Es bleibt ja der „anderen Seite“ immer die Möglichkeit, sich mit Doktorarbeiten der „Gegenseite“ zu befasen.

Bei einigen mag auch Schadenfreude dabei sein. Gutti lässt grüßen! In einem anderen Kommentar habe ich angemerkt – Freund, Feind, Parteifreund – der Urheber der Untersuchung liegt im „unbekannten Bereich“.

Noch eine Anmerkung – meinen Nachnamen in Verbindung mit dem Vornamen gibt es zu oft, da müssten dann viele sich von meinen Aussagen distanzieren. 1.300 Ergebnisse im Internet bei der Namenseingabe in “ „. Ihr Name bringt 22.400 Ergebnisse. So geraten nun ein Fotograf oder einer mit „sexy phantasies“ sowie Facebooknutzer in Verdacht, diese ihre Beiträge verfasst zu haben.

Klarnamen gehören nicht in Foren! Das hat auch Stefan P. erkannt.

28) Erwin Gabriel, Samstag, 09. Februar 2013, 18:55 Uhr

74) Moon, Samstag, 09. Februar 2013, 11:51 Uhr

>> Dass man u.a. von dummen, dreisten, korrupten, betrügerischen
>> Politikern regiert wird, liegt also daran, dass man deren
>> Verfehlungen nicht (länger) hinnehmen will?

Welcher Politiker ist denn dumm? Wer ist korrupt? Wer ist betrügerisch? Wir haben wohl genug Regierungsmitglieder oder Parlamentarier, dass Ihnen hierzu zwei, drei Dutzend aktuelle Namen einfallen, denen Sie hieb- und stichfest Betrug und Korruption nachweisen können.

Soviel also zum Selbstbetrug.
.

>> Und die Reaktion der “Meute” entstand nicht erst aus den Lügen,
>> Abwiegelungen, Verharmlosungen, Rechtfertigungen,
>> Verschwörungstheorien der Ertappten (und ihrer Unterstützer)?

Nein, definitiv nicht.

Die Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen und Beleidigungen hängen meist von der Eitelkeit und Profilierungssucht der Schreiberlinge, von der Bekanntheit des betroffenen Namens, von Gewinnen, Umsätzen und politischen Eigeninteressen der Medienunternehmen, von Leser- bzw. Zuschauerzahlen so wie von der Naivität, Realitätsferne oder Scheinheiligkeit derselben ab (bitte entschuldigen Sie die suggestiven Formulierungen; ich habe versucht, Ihren Stil aufzunehmen).

Ob ein Politiker „schuldig“ im Sinne der medialen Anklage ist, ermisst sich nicht an der nachgewiesenen Schuld, sondern am Verdacht, der solange breitgetreten wird, bis jeder es glaubt. Indizien und Fakten interessieren dann nur noch, wenn Sie den Verdacht bestätigen, aber nicht, wenn sie entlasten.

Ob beispielsweise Frau Schavan nur heftig geschlampert oder ein bisschen betrogen hat, sollte sich in einem vernünftigen Verfahren feststellen lassen. Das aber wurde aus welchen gründen auch immer weder geführt noch angestrebt:

http://www.welt.de/debatte/article113508570/Der-wirkliche-Skandal-in-der-Causa-Schavan.html

Aber ich habe mich weiter oben nicht zur „Schuld“ der Betroffenen geäußert – in der Regel gibt es dafür Institutionen wie Staatsanwaltschaft oder Universitätsbeiräte etc, die Schuld, Verfehlungen, Verstöße, Betrügereien etc. feststellen. Das habe ich hier auch schon mehrfach erwähnt.

Ich habe mich dazu geäußert, dass Dritte mit Begriffen wie Korruption, Betrug oder wüsten Beschimpfungen um sich schmeißen, ohne Relationen einzuhalten, ohne ein Mindestmaß an Respekt und Anstand zu wahren, ohne sich in der Sache überhaupt auszukennen oder auskennen zu wollen.

Mit Ihren Vorwürfen, mit Ihrer Art der Argumentation bewegen Sie sich auf einer Ebene, die mir persönlich zuwider ist. Auch durch Pauschalisieren, Verallgemeinern und Berufung auf Dritte lässt sich dieser Stil nicht rechtfertigen (selbst wenn Sie rein faktisch Recht haben mögen). So wie Sie bei einem Verstoß etwa im Straßenverkehr erwarten dürfen, dass der Polizist Sie höflich über den Tatbestand informiert, anstatt Ihnen den Starfzettel mit dem Ausruf „Geschieht Dir recht, Du Idiot“ durch das Fenster zu schmeißen, haben auch Politiker einen Anspruch auf anständige Behandlung.

Wobei „Idiot“ nur eine schlichte Beleidigung ist, die schlimmstenfalls ein zivilrechtliches Nachspiel hat. „Betrug“ ist jedoch ein durch Gesetze und Rechtsprechung halbwegs präzise beschriebener Straftatbestand:

http://dejure.org/gesetze/StGB/263.html

Wer anderen fälschlicherweise eine Straftat vorwirft, begeht dadurch selbst eine und kann deswegen auch strafrechtlich belangt werden.

http://dejure.org/gesetze/StGB/145d.html (Absatz 1.1)

29) Moon, Sonntag, 10. Februar 2013, 13:29 Uhr

@77
Erwin Gabriel

Welcher Politiker ist denn dumm? Wer ist korrupt? Wer ist betrügerisch?

Ist mir jetzt nicht klar ob das Satire, Naivität oder Wunschdenken sein soll.

Mit Ihren Vorwürfen, mit Ihrer Art der Argumentation bewegen Sie sich auf einer Ebene, die mir persönlich zuwider ist.

Erstaunlich, wo Sie selbst sich doch – wie gut weiter oben zu lesen – auf dieser bewegen.

Auch durch Pauschalisieren, Verallgemeinern und Berufung auf Dritte lässt sich dieser Stil nicht rechtfertigen

Wieso dann Ihre Unterstellungen von „Heuchelei“, „Pharisäertum“, „Selbstbetrug“ und der „Meute“, die Politiker „hetzt“?

Mir persönlich ist es wirklich egal, ob Sie vom hohen Ross steigen und sich erst mal an die eigene Nase fassen, die Fakten jedenfalls sprechen gegen die Plagiatoren und damit ist für mich hier EOD.

30) Rainer N., Sonntag, 10. Februar 2013, 16:54 Uhr

(Zitat) Ob beispielsweise Frau Schavan nur heftig geschlampert oder ein bisschen betrogen hat, sollte sich in einem vernünftigen Verfahren feststellen lassen. Das aber wurde aus welchen gründen auch immer weder geführt noch angestrebt (Zitat Ende) Quelle: Erwin Gabriel (Kommentar 77)

Sie unterstellen der UNI also, dass dort kein vernünftiges Verfahren erfolgte? Also eine Unterstellung ihrereseits! Interessant.

(gekürztes Zitat) … in der Regel gibt es dafür Institutionen wie … Universitätsbeiräte … (Zitat Ende) Quelle: Erwin Gabriel (Kommentar 77)

Umgestellte Zitate auf 100 Seiten ohne Quellenangabe … da trauen Sie sich nicht die von der UNI festgestellte Schuld anzuerkennen sondern winden sich, um nur nicht zugeben zu müssen, Schavan hat in ihrer Arbeit gegen die „Norm“ verstoßen und den Titel zu Recht aberkannt bekommen. Es war die Aufgabe der UNI, nicht die Aufgabe anderer Stellen, den Titel zu entziehen.

Sie hat nicht darüber nachgedacht, dass sie in einem Glashaus sitzt, als sie mit „Fremdschämsteinen“ geworfen hat. Ihr Glashaus hat sie selbst zerstört.

Da kommt mir übrigens eine „alternative Möglichkeit“ in den Sinn. Merkel, in der CDU alle „gefährlichen Kandidaten“ weggebissen, fast unangreifbar in der Partei, Schavan jedoch als „Freundin“ Merkels nicht. Wenn also ein CDU-Mitglied Merkel treffen wollte und so statt den Esel den Sack geschlagen hat … somit indirekt Merkel doch getroffen hat … auch wenn ich die „Krokodilstränen“ Merkels bei der Verabschiedung nicht als echte „Tränen“ betrachte.

Bis zur Entscheidung – Klage und Urteil oder eben klageverzicht ist eine weitere Betrachtung der Angelegenheit überflüssig. Bis dann lege ich „Schavan auf Eis“. Da hoffe ich nun wirklich, Schavan klagt – denn dann muss sie verlieren – zu viele Plagiate!

31) wschira, Dienstag, 12. Februar 2013, 15:29 Uhr

Eine ganze Reihe von Kommentatoren in diesem Forum geht von falschen Voraussetzungen aus, auch der Superanalyst StefanP bringt einen Vergleich um die Verjährung von Totschlag und Plagiat. Das sind aber ganz verschiedene Dinge, wie es Bernd, Nr52, DrHong und Andere schon ausgeführt haben. Ein paar mehr Beispiele: Wenn jemand sich einen medizinischen Doktortitel erschlichen hat (nicht durch Plagiieren bei der Promotion, sondern durch Betrug) und als Arzt gearbeitet hat (soll schon vorgekommen sein), kann nach der Verjährung der strafrechtlich relevanten Dinge deshalb juristisch nicht mehr belangt werden. Selbstverständlich wird ihm aber der Doktortitel aberkannt, wenn diese Tatsachen ans Licht kommen. Oder wenn jemand 20 Mal durch die Fahrprüfung fällt und daraufhin seinen Führerschein irgendwo kauft (soll auch schon vorgekommen sein), kann diesen Führerschein nicht behalten, wenn er 30 Jahre nicht aufgefallen und unfallfrei gefahren ist. Also diese ganzen Jammereien um die armen Betrüger, die nach so langer Zeit ihre erschlichenen Titel doch behalten dürfen sollten, ist absoluter Unfug.

32) Satiriker, Dienstag, 12. Februar 2013, 16:06 Uhr

Ergänzung zu 36.):
Hoppla, das kam ja nun aber sowas von unerwartet. Da ist Frau S. direkt nach ihrer Rückkehr von ihrem Amt zurückgetreten. Damit hat ja fast überhaupt gar niemand mit gerechnet! Naja… im Nachtrag zu Kommentar 36.) fällt mir nur ein wissenschaftliches „q.e.d.“ ein. Aber halt! Da ist doch noch jemand zurückgetreten: Hat Frau M. da etwa auch ein „uneingeschränktes Vertrauen“ ausgesprochen?

33) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 14. Februar 2013, 15:25 Uhr

@ 80) wschira,

Ihre zwei Beispiele sind wenig hilfreich. Nach meiner Einschätzung taugen sie rein gar nichts. In beiden Ihrer Fälle (Arzt/Führerschein) wird nichts an Erlaubnis/Bewilligung o.ä. entzogen. Der Arzt darf den Dr.-Titel nicht führen, weil er ihn NIE besessen hat, m.a.W., ihm wird nichts entzogen, ein nichts können Sie nicht entziehen, allenfalls die bei den Bewerbungen vorlegte Promotionsurkunde wird durch die StA eingezogen (!). Ebenso bei der Fahrerlaubnis, die er nie besaß. Ihre beiden Beispiele passen daher nicht auf den Fall Schavan. Ein Nichts kann schlichtweg nicht verjähren, genau daran kranken Ihre Vergleichsbeispiele. Bei einer 30 Jahre lang zurück liegenden Promotion, die es effektiv gab, eventuell schon. Das könnte man mal in einer wissenschaftlichen Untersuchung näher erörtern, das könnte juristisches Neuland sein. Und wir „jammern hier auch nicht um die armen Betrüger“, doch stellt sich unter dem juristischen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit die Frage, „gäbe es eventuell nach 30 Jahren mildere Mittel“?

Und das es anders geht, siehe 5-Jahres-Frist bei universitären Auszeichnungen unterhalb der Promotion hatte ich Ihnen zu 53) aufgrund Ihrer Nachfrage zu 26) dargelegt. Darüber gehen Sie aber geflissentlich hinweg.

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