Freitag, 08. Februar 2013, 11:49 Uhr

Grenzdebil?

Wenn der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn kein Rassist ist, wie ihm „der asiatisch aussehende“ Philipp Rösler bescheinigt, und wenn er auch nicht „grenzdebil“ ist, wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann meint, was ist er dann? Einer, der eine „notwendige Debatte“ führen will, wie die Jungen Liberalen erklären?

Es lohnt sich, Hahns Äußerung etwas genauer zu analysieren. Er stellte die Frage, „ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“. Wenn Sprache noch einen Sinn macht, dann ist das „auch noch länger“ interessant. Also bisher hat „die Gesellschaft“ Rösler akzeptiert, künftig aber nicht mehr? Hat es einen plötzlichen rassistischen Schub in Deutschland gegeben?

Oder will ihn nur der erklärte Rösler-Gegner Hahn “ nicht länger“ akzeptieren? Natürlich nicht aus rassistischen Gründen. Warum sagt er dies dann nicht ohne diesen rassistischen Unterton? Oder will er sagen, der Niedergang der FDP sei mit dem Rassismus asiatenfeindlicher Wähler zu begründen? Das wäre eine ganz neue Erklärung für der Absturz dieser Partei. Will Hahn diese Debatte ernsthaft führen?

Hahns Äußerung ist so verquast, dass er sich gefallen lassen muss, dass jeder das hineininterpretiert, was er hineininterpretieren will. Damit ist er – ob gewollt und ungewollt – auch zum Stichwortgeber fremdenfeindlicher Stammtische und Büttenredner geworden.

Deshalb zur Klarstellung: In der FDP gibt es weder Sexisten noch Rassisten. Und die Erde ist eine Scheibe.

Nein, das ist zu böse.

Also noch einmal: In der FDP gibt es weder Sexisten noch Rassisten. Und die FDP ist eine moderne liberale Partei mit klugen Köpfen.

Auch nicht gut. Vielleicht doch „grenzdebil“? Oder Karneval  nach Art der FDP?

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

59 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Montag, 11. Februar 2013, 11:05 Uhr

@ 48) Peter Christian Nowak, Sonntag, 10. Februar 2013, 20:32 Uhr

>> Lieber Herr Gabriel! Wieso so aufgeregt?

>> Lohnt es sich wirklich, sich so nervenaufreibend –
>> auch nur für irgendeine Parte – einzusetzen?

🙂

Wenn Sie sich meine Beiträge noch einmal durchlesen, werden Sie merken, dass die Aufgeregtheit nicht auf meiner Seite liegt.

Und ich setze mich nicht für irgendeine Partei ein – ich wüßte derzeit auch gar nicht, für welche. Ich bin nur immer wieder über die Leichtfertigkeit betroffen, mit der pauschalisierend und ohne weitere Reflexionen teilweise hammerharte Vorwürfe rausgehauen werden.

2) Erwin Gabriel, Montag, 11. Februar 2013, 11:17 Uhr

@ 47) Bernhard Paul, Sonntag, 10. Februar 2013, 15:06 Uhr

>> Bitte, bitte, meine Herren Gabriel, Reichelt und andere, immer und immer
>> wieder auf Sprengs Springer-Vergangenheit zurückzukommen,
>> wird weder dem Sprengmeister des Jahres 2013 gerecht noch ist es
>> erfrischend für die Mitleser und -kommentatoren.

Ich habe schon in mehreren Kommentaren zu anderen Theman darauf hingewiesen, dass die Gleichsetzung Spreng = BILD unzutreffend ist. Dieser Beitrag stotzt jedoch vor boulevardesken Vereinfachungen und Überspitzungen. Von BILD erwarte ich nichts anderes, von Herrn Spreng eigentlich schon. Vermutlich habe ich mich deswegen zu meiner aggressiven Formulierung hinreißen lassen.

Ich habe mich bei Herrn Spreng schon per Email für meinen Ton entschuldigt, und entschuldige mich hiermit noch einmal in aller Öffentlichkeit.

3) Peter Christian Nowak, Montag, 11. Februar 2013, 18:43 Uhr

50) Erwin Gabriel
Was der Gebrauch der Leichtfertigkeit in Journalistenkreisen betrifft, gebe ich Ihnen Recht. Nebenbei: es gibt auch andere, die sich für guten nicht nur einsetzen, sondern sie auch leisten. Das nur am Rande.
So weit ich aber Herrn Spreng verstanden habe ging es ihm darum, Herrn Rösler nicht auschließlich auf sein Aussehen reduziert zu sehen. Aufgrund der Hahn´schen Äüßerung sah er sich offenbar dazu veranlasst.
Was mich an Herrn Rösler stört ist nicht sein Aussehen, sondern seine Leistung in einem Ressort, dass eigentlich zu den wichtigsten im politischen Alltagsbetrieb gehört. Ich sehe bei ihm nicht die Fähigkeit, die für dieses wichtige Amt notwendig ist. Es scheint aber in der Politik guter Brauch zu sein, dass jeder Labbeduddel gleichwohl jedes Ministerium übernehmen kann, ohne jegliche Qualifizierung. Bewerben Sie sich mal für eine exponierte Stellung auch nur im mittleren Management ojne die geforderten Qualifikationen – das nur als Anmerkung.

4) Erwin Gabriel, Dienstag, 12. Februar 2013, 11:20 Uhr

@ 52) Peter Christian Nowak, Montag, 11. Februar 2013, 18:43 Uhr

>> Was mich an Herrn Rösler stört ist nicht sein Aussehen, sondern
>> seine Leistung in einem Ressort, dass eigentlich zu den wichtigsten
>> im politischen Alltagsbetrieb gehört. Ich sehe bei ihm nicht die Fähigkeit,
>> die für dieses wichtige Amt notwendig ist.

Ich glaube nicht, dass das Amt des Wirtschaftsministers noch von herausragender Bedeutung ist. Kostet es Geld oder geht es um Besteuerung, hat der Finanzminister das letze Wort. Geht es um allgemeine Richtlinien, reden die Bundesländer oder die EU mit. Geht es um Gesetze, die Arbeiter und Angestellte betreffen, muss der Arbeits- und Sozialminister abnicken.

Was bleibt, ist vor Industrie und Verbänden Reden zu schwingen oder Investoren aus dem Ausland für den Standort Deutschlandzu begeistern. Und speziell für letzteres ist Philip Rösler sicherlich besser geeignat als manch anderer, etwa als Rainer Brüderle.

Ist ähnlich beim Aussenministerium: Die „wichtige“ Aussenpolitik (EU, USA, China) wird im Kanzleramt bestimmt, für den Aussenminister selbst bleibt nur der Rest, den er sich auch noch mit dem Entwicklungshilfeminister teilen muss.

Philip Röslers Image wird wohl eher durch den Parteivorsitz der FDP bestimmt. Seit Guido Westerwelle diesen Job los ist, stiegen seine Sympathiewerte immer weiter an – vermutlich, weil er nicht mehr zu jedem Senf die offizielle FDP-Meinung verkünden muss.

5) Doktor Hong, Mittwoch, 13. Februar 2013, 00:17 Uhr

Also ich finde es ziemlich eindeutig, was Herr Spreng uns sagen will.

Er sagt ja nicht, dass Hahn Rassist sei. Er fragt nur, warum Hahn rassistische Ressentiments ins Spiel bringt.

Vielleicht machen analog gestrickte Bemerkungen den Sachverhalt klar.

Fiktiver Politiker 1 über fiktive Politikerin 2: „Gleichberechtigung ist eine feine Sache. Nummer 2 ist eine kompetente Politikerin. Aber man muss sich fragen, ob die Gesellschaft noch länger willens ist, eine Frau auf diesem Posten allein wegen der Quotenregelung zu akzeptieren.“

Fiktiver Politiker 3 über fiktiven Politiker 4: „Auch Homosexuelle genießen in Deutschland alle Rechte. Aber man muss sich fragen, ob diese Gesellschaft noch länger willens ist, einen Homosexuellen auf einem Ministerposten zu akzeptieren.“

Subtext: „ICH bin ja kein Frauenfeind/homophob/Rassist. ABER die ganzen Wähler sind ja dagegen, also müssen wir mal diskutieren, ob diese Frau/dieser Mann die/der Richtige für diesen Posten ist.“

Das ist sehr subtiler Sprachgebrauch, und ziemlich heimtückisch.

Spreng sagt ja nicht, dass Hahn Rassist sei. Er zeigt nur auf, wie Hahn durch seine Äußerung Rassismus in Bezug auf Rösler ins Spiel bringt.

Im Endeffekt bringt er Rassismus als Argument gegen Rösler ins Spiel, ohne sich direkt die Finger schmutzig zu machen.

Es ist ein Verdienst von Herrn Spreng, darauf hinzuweisen. Ich habe jedenfalls in puncto heimtückischer Verbalangriffe hinzugelernt.

6) Erwin Gabriel, Mittwoch, 13. Februar 2013, 09:43 Uhr

@ 54) Doktor Hong, Mittwoch, 13. Februar 2013, 00:17 Uhr

Das Thema ist so wichtig, dass man das sachlich diskutieren sollte.

Ansonsten bin ich kein Freund der Methode, eine einzelne Formulierung aus einem wie auch immer gestrickten Zusammenhang zu reißen, um damit einen Menschen als Mensch abzuqualifizieren.

7) NorJakob, Mittwoch, 13. Februar 2013, 19:12 Uhr

Eine sehr richtige Analyse. Vor allem in der Formulierung „noch länger“ steckt die Gemeinheit oder die Dummheit – egal, beides ist für einen Minister keine Auszeichnung. Übrigens: Der Versuch der „Frankfurter Neuen Presse“, den Fauxpax von Hahn auszubügeln, könnte etwas damit zu tun haben, dass sein Pressesprecher Dr. Hans Liedel dort lange leitender Redakteur war.

8) Doktor Hong, Freitag, 15. Februar 2013, 00:37 Uhr

@ 55) Erwin Gabriel

Sie haben absolut recht, insbesondere mit dem zweiten Teil Ihres Kommentars. Nur leider ist es in unserer Kultur, und nicht nur in den Medien, allgemeiner Usus, sich Teilaussagen herauszupicken, um jemanden gezielt zu diffamieren. Das sind die verbalen Waffen, und man benutzt sie ohne schlechtes Gewissen.

Was glauben Sie denn wohl, warum ich hier nicht mit Klarnamen poste. Ich bin sicher, dass es in meinen Kommentaren genügen Halbsätze gibt, die geeignet sind, mich in jede beliebige Ecke zu stellen. Ich habe ganz einfach keine Lust darauf, in 10 Jahren unter die Nase gehalten zu bekommen, was ich heute im Internet geschrieben habe.

Schauen Sie sich doch dieses lächerliche, alberne Idioten-Theater an, das um Äußerungen von Peer Steinbrück veranstaltet wird. Schauen Sie sich an, wie Günter Grass als größter Antisemit seit Joseph Goebbels ans mediale Kreuz genagelt werden sollte. Das gibt einem zu denken, und im kleinen Kreis setzen sich solche albernen Spielchen fort, sorgsam anerzogen von politisch überkorrekten, aber immerhin wohlmeinenden Lehrern.

Gleichwohl achte ich darauf, auch unter Pseudonym keine Dinge zu schreiben, hinter denen ich (im Gesamtzusammenhang!) nicht auch mit meinem richtigen Namen stehen könnte. Alles andere ist oben gesagt.

P.S. Als Kind habe ich ein Plagiat eines Kinderbuchautors festgestellt. Er hat eine lange Textstelle aus einer Zeitschrift übernommen, und zwar wörtlich, ohne dies kenntlich zu machen. Wo kann ich ihn anprangern? 🙂

PPS. Das ist kein Witz mit dem Plagiat, das anprangern schon 🙂

9) Doktor Hong, Freitag, 15. Februar 2013, 00:37 Uhr

@ 56) NorJakob

Eine interessante Verbindung, die mir nicht bekannt war.

10) Erwin Gabriel, Dienstag, 19. Februar 2013, 10:31 Uhr

@ 57) Doktor Hong, Freitag, 15. Februar 2013, 00:37 Uhr

Ich habe bei gewissen Thenmen ein Vertrauen in den Lauf der Dinge. Beispiel Christian Wulff: Was er strafrechtlich relevant getan oder nicht getan hat, klärt die Staatsanwaltschaft. Die Medien haben sich sehr bemüht, ihren Teil dazu beizutragen. Nur muss zu jedem Faktum eine Beleidigung gepackt werden? Auf diese Weise macht man aus jedem gelegentlichen Falschparker, also aus jedem, ruckzuck einen asozialen Soziopathen.

Gerade bei Themen wie Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus (Grass ist ein sehr gutes Beispiel dafür) sollten Beschuldigungen und Vorwürfe sehr vorsichtig formuliert werden. Denn da lässt sich, was man auf die wilde Meute losgelassen hat, nicht mehr zurückholen.

PS: Kann das auch sein, das die Zeitschrift vom Kinderbuchautoren odr beide von einem Dritten abgeschrieben haben?

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