Freitag, 01. März 2013, 12:06 Uhr

Klartext gegen Nebelwand

Er ist ein schwieriger Kandidat, seine Kampagne gilt als gescheitert, keiner will mehr eine Flasche Pinot Grigio für fünf Euro auf seinen Sieg bei der Bundestagswahl wetten. An diesem Punkt war Peer Steinbrück angekommen, bevor er die  „Clowns“ in Italien entdeckte.

Clowns könnten jetzt eine Wendepunkt für seine Kampagne werden, zumindest ein Strohhalm, an dem er versuchen könnte, aus dem tiefen Tal herauszuklettern. Frei nach dem alten Sponti-Motto: Ich habe keine Chance, also nutze ich sie.

Denn in Sachen Clowns hat er ausgesprochen, was eine große Mehrheit der Deutschen über Berlusconi und Co. denkt. Genauso sagte er die Mehrheitsmeinung, als er den deutschen Clown Stefan Raab als Moderator für das Kanzlerduell ablehnte.

Klartext-Peer im Einklang mit der Mehrheit, undiplomatisch zwar, aber was zählt das schon im deutschen Duell. Da wird nicht nur in den Kaviar-Etagen gekämpft, die Steinbrück mit seinen Vorträgen über Gebühr bedient hat, sondern auch in den Leberkäs- und Currywurst-Etagen. Und an Stammtischen.

Und dort kommt undiplomatischer Klartext an. Eine Zeit lang war dieser hinter seinen Nebeneinkünften und seinen instinktlosen Äußerungen übers Kanzlergehalt verschwunden, jetzt aber könnten die Clowns den Blick wieder frei geben auf die Stärke Steinbrücks. Einer, der sagt, was er denkt, und denkt, was er sagt – das hatte ihn populär gemacht, bevor er mit seinen Nebeneinkünften den Start als Kanzlerkandidat verstolperte.

Die CDU/CSU scheint langsam kapiert zu haben, dass ihre Angriffe gegen Steinbrück wegen der Clowns zum Eigentor werden könnten. Sie werden schon weniger und verhaltener. Berlusconi, den Mann ohne Anstand und Moral, zu verteidigen, wenn auch nur indirekt, das ist nicht populär. Wenn die CDU in Kampagnenkategorien denkt, dann muss sie jetzt ihre aufgeregten Außenpolitiker zurückpfeifen. Und die SPD auch.

In Wahlkämpfen ist es wichtiger, die Stärken zu stärken, als sich zu lange mit den Schwächen aufzuhalten.

„Klartext gegen Nebelwand“ – das könnte das Motto für Steinbrücks Aufhol-Kampagne gegen Angela Merkel sein. Ergänzt mit seinen Kernkompetenzen Finanz- und Wirtschaft,  die bei einer sich wieder verschärfenden Euro-Krise an Bedeutung gewinnen. Der Deutliche gegen die Nebulöse, der Ungestüme gegen die Übervorsichtige, der Treiber gegen die Getriebene, der Stürmer gegen die Verteidigerin.

Der Versuch der SPD, ihn zum Sozial-Guru umzuschminken, ist ohnehin schon gescheitert. Ein Steinbrück wird keine Mutter Teresa mehr. Natürlich muss er die klassischen SPD-Themen bedienen, aber sie sind nicht sein Markenkern.

Steinbrücks Markenkern ist Klartext. Ihn aufzupolieren, ist zwar mit hohen Risiken verbunden, eine schwierige Gratwanderung zwischen Absturz und Gipfelanstieg, aber es ist seine letzte Chance, nicht jetzt schon das Handtuch werfen zu müssen.

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64 Kommentare

1) Matze, Dienstag, 05. März 2013, 11:09 Uhr

Klartext hin oder her…es wäre für Steinbrück so einfach gewesen, mit 2 – 3 Sätzen hätte er die Italienwahl auf das Merkelsche Fehldiktat der Austerität abstempeln können (gerne noch mit der Aussage: die Wahl dieser beiden Kandidaten war wohl ‚alternativlos‘). Das war eine Steilvorlage, die viel (auch internationale) Zustimmung hätte auslösen können. Doch jemand der ‚3 Meter vor dem Tor noch den Ball daneben semmelt‘ – so eine Chance auslässt, hat einfach kein politsches Gespühr. Eine Grundvorraussetzung für den Job den Er anstrebt.

Wenn er jetzt noch die geforderte Entschuldigung unterlässt, mit derer Hilfe er nochmal die richtige Aussage (im zweiten Versuch sozusagen) zwichen den Zeilen platzieren könnte. Hätte er vollends versagt.

2) albertus28, Dienstag, 05. März 2013, 11:43 Uhr

Hallo Herr Spreng,

lese soeben,der tolle Steinbrück,der mit dem Klartext als Markenkern….Sie erinnern sich ???
wurde von Nahles(sic) an die Leine gelegt.Nun darf er nur noch von Nahles geprüfte Texte vorlesen.
Wäre doch der richtig Mann für Brüssel oder auf internationalem Parkett als Bundeskanzler…..muß mal eben die Nahles anrufen,welche Meinung ich habe und was ich sagen darf.
Peer bleibt für die CDU der Wahlkämpfer des Monats.Mit und ohne Zensur-Nahles.

3) Politikverdruss, Dienstag, 05. März 2013, 12:07 Uhr

@Erwin Gabriel, 04.März 2013, 12:19 Uhr,

Steinbrücks neuerlicher „Fettnapftreffer“ steht doch außer Frage! Deswegen musste er sich von dem Staatspräsidenten eines befreundeten Landes „abwatschen“(Flegel) lassen.

Und im Willy-Brandt-Haus? Dort darf nun Frau Nahles den SPD-Wahlkampf leiten. Nachdem der SPD-Vorsitzende Gabriel noch Anfang des Jahres die Wahlkampfleitung selbst übernehmen wollte, weil man Frau Nahles die Leitung nicht zutraute. http://www.welt.de/politik/deutschland/article13792553/Gabriel-entzieht-Nahles-Wahlkampf-Fuehrung.html

Und Steinbrücks Wahlkampfteam? Das ist nun entmachtet und Frau Nahles seine Wahlkampfleiterin.http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-03/spd-wahlkampf-nahles-steinbrueck

Und noch vor gar nicht langer Zeit entschuldigte er sich öffentlich für eine missliebige Äußerung gegenüber SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in dem Zusammenhang, wonach sein Leben ohne Nahles genauso reich sei wie heute. http://www.tagesspiegel.de/politik/spd-steinbrueck-entschuldigt-sich-bei-nahles/7226594.html

Soviel zu den innerparteilichen Auswirkungen der „normalen und richtigen Äußerungen“ vom Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Darüber hinaus noch ein anderer Aspekt. Steinbrück hat den Wahlausgang in Italien überhaupt nicht verstanden. Das jedenfalls behauptet Jakob Augstein: „Er(Steinbrück) begreift ja selbst nicht, was um ihn herum vor sich geht. Steinbrück beschimpft den Wahlsieger Beppe Grillo als „Clown“ und hat gar keine Ahnung von den italienischen Verhältnissen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schweizer-anti-abzock-gesetz-die-wahren-clowns-sind-wir-deutschen-a-886689.html

Ich bin überzeugt, Jakob Augstein hat Recht. Steinbrück kann es nicht und die SPD auch nicht!

4) Peter Christian Nowak, Dienstag, 05. März 2013, 20:12 Uhr

Ich stimme Ihnen zu, Herr Gabriel. Irgendwie scheint die CDU sich in der Deckung eines imaginären Rettungsschirmes der Öffentlichkeit zu befinden. Von der Partei kann noch so viel Blödsinn kommen – man wird es ihr nachsehen!
Aber es kommt noch eines hinzu: Zur Zeit werden einige Journalisten indirekt und manchmal auch direkt darauf getrimmt, Wahlkampfhilfe für Merkel zu leisten. Will heißen: Schreib´ was Gutes über die CDU und schau mal, was du bei Steinbrück Negatives findest. Das trifft auch für die Linkspartei zu. Gysi an den (wiederholten) Pranger wegen Stasi-Mitarbeit, derweil „Erika“ und ihre Akten bei der Stasi-Aufarbeitungsbehörde bleiben unter Verschluß!

5) Erwin Gabriel, Mittwoch, 06. März 2013, 07:00 Uhr

50) Politikverdruss, Dienstag, 05. März 2013, 12:07 Uhr

>> Ich bin überzeugt, …Steinbrück kann es nicht und die SPD auch nicht!

Für die SPD glaube ich das auch. Für Steinbrück bin ich mir nicht sicher. Leicht macht er es sich nicht, aber das ist letztendlich das, was positiv für ihn stehen sollte. (Für wie katastrophal ich die Bilanz von Frau Merkel halte, habe ich schon öfter geschrieben).

Unabhängig davon wird Peer Steinbrück nicht nach den gleichen Maßstäben gemessen wie die Kanzlerin.

Zu Augstein: Mehr und mehr entpuppt er sich in meinen Augen als einer dieser Journalisten, die glauben, Recht zu haben, nur weil man sie für ihre veröffentlichte Meinung bezahlt. Anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie ticken müssten, um ‚Sozialdemokrat‘ zu sein, ist nur noch peinlich.

Und was die ‚Beschimpfung‘ angeht: Puzzeln Sie mal zusammen, was Italiens (ehemaliger) Regierungschef Berlusconi schon über Angela Merkel gesagt hat. Da ist der Begriff ‚Clown‘ noch sehr höflich. Herrn Grilo in den gleichen Sack zu stecken war aber ein Fehler.

6) Politikverdruss, Mittwoch, 06. März 2013, 11:17 Uhr

@ Erwin Gabriel(52), 05.März 2013 12:07 Uhr,

In puncto Berlusconi: Zustimmung! Und bei der Verunglimpfung unserer Bundeskanzlerin durch das „befreundete“ Ausland wünschte ich mir auch manchmal etwas mehr „Gegenfeuer“ von unseren „Freunden“ in Europa. Stattdessen entdecke ich klammheimliche Zustimmung.

Der Punkt, um den es hier geht, und den Steinbrück, aber auch die deutschen Medien nicht verstanden haben, ist die stark zunehmende Erosion des politischen Europas. Die Italien-Wahl hat dies verdeutlicht. Wenn 50 Prozent der Bürger eines der EU-Gründungsländer sich so gegen Europa aussprechen, sollte dies zu denken geben. Oder nehmen Sie die Ankündigung eines Referendums in GB und die Entscheidung der Polen, den Euro nicht einzuführen

Man macht sich darüber aber keine Gedanken, sondern glaubt, man könne die Krise mit „Mehr-Europa“ beherrschen. Die eigenen Maßnahmen erklärt man für „alternativlos“ und die zu „Rettenden“ samt und sonders für „systemrelevant“ nach dem Motto: die Erde ist eine Scheibe. Das werden die Menschen nicht länger mitmachen! Das hat die Italien-Wahl gezeigt.

Sie haben ja Recht, wenn Sie die mediale „Schonung“ von Frau Merkel hervorheben. Nur das gehört zum „Spiel“ der Hochfinanz: „Rettet unsere Milliarden“. Ich bin überzeugt, dass das gegenwärtig errichtete „europäische Kartenhaus“ am demokratischen Willen der Bürger Europas zerbrechen wird. Und das ist deshalb gut so, weil die Menschen in ihren demokratischen Verankerungen bleiben und dabei nicht von „alternativlosen Systemrelevanzen“ abhängig sein wollen.

7) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 06. März 2013, 12:43 Uhr

@50) Politikverdruss,

Wie geschickt perfide die FDP die öffentliche Meinung manipuliert lesen Sie hier:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=16400#more-16400

Weil dem sachlich nichts mehr hinzuzufügen ist, erspare ich mir weitesgehend den Kommentar.

Die Bewertung macht es aber zwingend erforderlich über die wahre Politik der FDP nicht nur nachzudenken. Addiert man alles zusammen, kommt man zu folgendem: die FDP hat nun auch jetzt wieder gezeigt (Manipulation des Armuts- Reichtumsbericht der Bundesregierung), dass sie konsistent eine Umverteilungspolitik von unten nach oben verfolgt. Sie hat aus der Geschichte des Landes nichts gelernt. Acht Jahre FDP und ihre Regierungsteilhabe haben schwerste sozialpolitische Verwerfungen im Land prodziert. Die FDP hat nichts zu einer wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen und ist Chefbremser für jegliche Weiterentwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Diese Partei ist ein Sicherheitsrisiko auf allen Politikfeldern. Rösler hat eine ausnehmend zerstörerische Wirkung auf das Land. Die FDP muß weg.

8) Politikverdruss, Mittwoch, 06. März 2013, 19:22 Uhr

@ Peter Christian Nowak(54), 06.03.13 12:43Uhr,

ich glaube nicht, dass die FDP die Macht besitzt, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Die Manipulateure sitzen ganz woanders. Zum Beispiel hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=7828 oder hier: http://www.kepplinger.de/files/Innere_Pressefreiheit.pdf

Auch bei der Manipulation des Armutsberichtes kann ich Ihnen nicht folgen. Die Fakten sprechen kaum für Manipulation: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum/wir-pruefen-die-fakten-was-stimmt-im-armutsbericht-12104771.html

Man mag ja zu den Liberalen stehen wie man will. Dass nun aber die einzige liberale Partei des Landes „weg muss“, ist für mich nicht nachvollziehbar.

9) meuma, Donnerstag, 07. März 2013, 13:02 Uhr

Für mich ist Steini eine Kreuzung aus Onkel Dagobert und Alfred Tetzlaff. Beide habe ich mir gerne angeguckt und herzlich gelacht, aber als Kanzler möcht ich so eine Figur nicht haben.

10) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 07. März 2013, 19:58 Uhr

Ich weiß nicht, wo Sie die FDP als „liberal“ sehen. Ich könnte Ihnen jetzt eine ganze Latte von Indizien aufweisen, nach der die FDP sich sicherlich nicht sich mit diesem Attribut schmücken kann.

Die Freiheit der FDP – resumiert man -bezieht sich in erster Linie auf den Klientelbereich, für die die Partei ausschließlich und vor allem Politik macht.

Zum Bericht: Der Armutsbericht wurde im Oktober seitens der Bundesregierung fertiggestellt.
Danach ging zwischen der FDP und der CDU ein regelrechter Streit los, wie denn dieser Armutsbericht ausformuliert werden soll. Die Brisanz des Inhalts sollte durch entschärfende Wortwahl moderiert werden. Darum ging es.

Wer bei der Bundespressekonferenz dabei war spricht von „Hofberichterstattung durch v.d.Leyen“

Es war belämmernd, dass viele hochkarätige Journalisten kaum gewagt haben auf die Widersprüchlichkeiten und „Schwachstellen“ des Berichtes zu reagieren und knifflige Fragen zu stellen. Im Großen und Ganzen war diese Pressekonferenz seitens der Bundesregierung geplant als Monolog v.d.Leyens mit inhaltlicher Absprache zwischen Rösler und Merkel. Pappe ums Maul der Journalisten. die haben dann auch wie gewünscht reagiert und kritische Fragen erst gar nicht gestellt. Der Tenor: Armut in Deutschland ist kein gravierendes Problem, mit kleinen marginalen noch zu beackernden Problemfeldern. Dies hat aber Merkel und Co.fest im Griff!
In Summe bekannter Fakten eine verheerende Täuschung. Darauf hätte reagiert werden müssen.
Die Anwesenheit war für wenige der Journalisten vertane Zeit. Es schien, dass Kritik fürs erste unerwünscht war – seitens der Bundesregierung aber auch und vor allem: seitens der Verlage! Und Mann/Frau, so mein Eindruck, hielten sich dran. Schließlich geht es um den Job!

So was nennt man wohlverhaltenen Journalismus .

Alle Fakten und Ungereimtheiten waren zuvor jedem Anwesenden – seit Herbst 12 – bekannt. Und man hätte alle Zeit der Welt gehabt, sich auf notwendige Fragen vorzubereiten.

Stattdessen hat man sich einer Kulisse der Hofberichterstattung geradezu unterworfen und sich der Funktion eines antizipierenden Auditoriums hingegeben. Für einen Journalisten/In einfach nur eine Bankrotterklärung gegenüber seinem oder ihrem Berufsethos.

Ich führe dieses erbärmliche Verhalten auch darauf zurück, dass sich viele der Journalisten in mehr oder weniger prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden und viele der tätigen Redakteure froh sind, überhaupt noch einen einigermaßen zufriedenstellenden Arbeitsplatz haben. Sich in so einer mehr oder weniger ungeklärten beruflichen Situation zu befinden, da drängt man eher danach, sich wohlverhalten dem Verleger oder Verlagseigner zu zeigen.
Journalisten, die für CDU/CSU oder FDP nahestehenden Verlegern arbeiten (z.B. Die Welt, FAZ) fragten, gemäß der politischen Parteipräferenz ihrer Chefredaktionen, nach der Begriffsdefinition von „Armut“ und aus welchen statistischen Elementen sie sich zusammensetzt.
Fragenden Journalisten war offenbar noch nicht einmal der Unterschied zwischen dem Median- und dem Durchschnittseinkommen präsent. Im Prinzip ist die Frage per Definitionem so gar nicht lösbar, sondern die Lösung ergibt sich eher im authentischen Lebensbereich: 3.20 Euro für einen erwachsenen Menschen für Ernährung, der sich im Alg II-Bezug befindet, zeichnen deutlich die Konturen von Armut ab. Authentizität ist die eigentliche „mathematisch-statistische“ Größe, wie Armut zu definieren ist. Für jeden großen Hund wenden die Bürger, die diesen Regelsatz für ausreichend halten, mehr auf. Das nur als Beispiel.

Skandalös fand ich die regelmäßig wiederkehrende Relativierung, wenn es um die Deutung von Armut geht, sozusagen den Bezug auf die relative Größe von Armut: Wenn Haiti oder Griechenland die Größenordnung ist, bei der Armut anfängt, so muss man den Reichtum vergleichend gegenüberstellen.

11) Erwin Gabriel, Donnerstag, 07. März 2013, 22:06 Uhr

@ 53) Politikverdruss, Mittwoch, 06. März 2013, 11:17 Uhr

Es sind hier zwei Punkte auseinander zu halten. Zum einen der Kommentar von Steinbrück: Der ließ die Clowns-Zeilen vor einer Versammlung von Journalisten ab, die in diesem Moment nichts dagegen einzuwenden hatten, nicht nachfragten, nicht „ja, aber“ sagten, die den Inhalt des Kommentars teilten und (wie Meister Spreng) gut fanden, dass einer Tacheles redet. Erst im Laufe des nächsten Tages änderte sich das Bild, nachdem das Ganze in den Redaktionen gründlich durchgekaut worden war. Jetzt fanden die gleichen Journalisten das Ganze „Peer Peinlich“. Ein sehr, sehr eigenartiger Vorgang, das Ganze.

Zu Europa: Ich mag meine Nachbarn und komme gut mit ihnen aus. Wenn man mich nun zwingen würde, alles mit ihnen zu teilen, ihre Schulden zu bezahlen etc, und ich im Gegenzug deren Einkaufszettel zusammenstreiche, ist das gute Verhältnis ruckzuck hin. Europa und der Euro in seiner jetzigen Form ist eine Fehlgeburt.

12) Erwin Gabriel, Donnerstag, 07. März 2013, 22:42 Uhr

@ 53) Politikverdruss, Mittwoch, 06. März 2013, 11:17 Uhr

PS:
Heute gab es ein umfassendes Meeting aller Beteiligten zum Thema Energiewende (die immerhin schon Mitte 2011 beschlossen ist). Die coolen Ergebnisse lauten: Es gebe keinen Zweifel, dass alle eine erfolgreiche Energiewende wollen, und dass man jetzt einmal im Jahr zusammenkommen werde.

PPS:
Die EU hatte In Sachen Vorzugsbehandlung von Strom-Großverbrauchern eine Untersuchung wg. unzulässiger Staatshilfe eine Prüfung in Gang gebracht, und das Düsseldorfer OLG hatte in gleicher Sache die Unzulässigkeit des Strom-Sponserings festgestellt. Die Bundesregierung muss nun reagieren, aber, wie Frau Merkel schon sagte, nicht zu doll, da viele dieser Unternehmen im internationalen Wettbewerb stünden. Die Süddeutsche titelzeilt dazu „Merkel will Netzentgelte reformieren“. Das ist die Botschaft, die hängen bleiben soll. Aber Frau Merkel will nicht – sie muss! So viel zum Thema ‚Qualitätsjournalismus‘

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromintensive-firmen-in-der-energiewende-merkel-will-netzentgelte-reformieren-1.1618060

13) Politikverdruss, Freitag, 08. März 2013, 12:23 Uhr

@ Erwin Gabriel (58/59)

„Zu Europa“: Stimme Ihrer Bewertung voll zu!

Zur „Energiewende“: Kosten 1 Billion Euro!
Eine Billion hat die Wiedervereinigung gekostet und wie viel Billionen uns der „Euro“ kosten wird, ist noch gar nicht abzusehen.

Die Außenhandelsüberschüsse Deutschlands sind Brüssel doch schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Jetzt nehmen sie Einfluss auf die Stellschraube für Energiekosten und damit auf unsere Produktivität. Martin Schulz hat vor „Frankenstein Europa“ gewarnt. Er hält die EU-Kommission für eine undemokratische Einrichtung. Sie handle wie eine Regierung, sei aber nicht vom Volk gewählt. So Schulz. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/06/eu-ein-monster-praesident-schulz-warnt-vor-frankenstein-europa/

Ich hab ihm so viel Einsicht gar nicht zugetraut, bis ich dann den ganzen Artikel gelesen hatte und feststellte, dass es sich um Wahlkampfgetöse handelt. Schulz will Nachfolger von Barroso werden und will sich den nationalen Regierungen andienen, indem er ihnen eine „weniger mächtige EU-Kommission anpreist.“ Ich kann nur für uns sagen: „Ein Himmelreich für einen Cameron.“

14) Politikverdruss, Freitag, 08. März 2013, 21:28 Uhr

@ Peter Christian Nowak (57),

Hier noch ein wirklich lesenswerter Artikel über Manipulation im ZDF (Lanz): http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/08/die-stunde-der-polit-kommissare-zdf-verhoehnt-die-waehler-in-italien/

Die entlarvende Frage von Herrn Lanz an Martin Schulz : „Wie erklären Sie sich das seltsame Wahlverhalten der Italiener?“ Mit dieser Frage wird das Wahlverhalten eines souveränen Volkes pauschal als „seltsam“ hingestellt. Unglaublich, wie sehr sich im Verlauf der Euro-Krise die demokratischen Maßstäbe schon verschoben haben.

Jetzt wissen wir endlich, warum wir eine „Demokratie-Abgabe“ an die ÖR zu entrichten haben. Und zum Schluss auch noch die Lobpreisungen auf das neue Buch von Martin Schulz: „Sie beschreiben das alles sehr eindrucksvoll in diesem Buch, wie sehr wir alle von Europa profitieren und warum es wichtig ist, für die europäische Idee zu kämpfen!“

Nach dem Lesen des Artikels konnte ich mich nur noch in mein Sauerstoffzelt schleppen.

15) Peter Christian Nowak, Samstag, 09. März 2013, 21:20 Uhr

@61) Politikverdruss

Lanz ist kein ernsthafter Journalist. Er ist sozusagen für alle Opis und Omis der ideale Schwiegersohn. So wie der Jauch. Rentner bringen das eine oder andere Mal die gewünschten Einschaltquoten. Die gucken Lanz. Wenn noch ein paar Mädels dabei sind, die Lanz nur wegen seines smarten Aussehens gucken, dann stimmt die Richtung schon.
Das antrainierte Blendaxlächeln, die wohl gescheitelte Kurzhaarfrisur sind sein Markenkern. Darauf ist er stolz. Weniger darauf, dass er ein guter Journalist ist. Muß er auch nicht. Aber angepasst ist er.
Das reicht.
Hauptsache die Zuschauer klatschen, wenn das grüne Lämpchen angeht…

16) Politikverdruss, Sonntag, 10. März 2013, 13:24 Uhr

@Peter Christian Nowak (62),

ja, dass Lanz kein ernst zu nehmender Journalist ist, stelle ich nicht in Frage. Deshalb heißt es ja in dem Artikel auch: „Er (Lanz) war nicht vorbereitet, sondern programmiert.“ Und weiter heißt es treffend:

„Der Lanz-Talk offenbarte: Die staatsfinanzierte Elite beweist ihre system-erhaltende Qualität, indem sie alle ihr zur Verfügung stehenden Register zieht. Nicht die arme Marionette Lanz ist das Problem. Das Problem ist auch nicht, dass die Redakteure der Sendung eine bestimmte Haltung haben.
Der Skandal ist, dass Scherz, Satire und die knallharte politische Agenda bewusst vermischt werden, um eine andere politische Auffassung zu diskreditieren. Das ist Manipulation in Reinkultur.“

17) Peter Christian Nowak, Sonntag, 10. März 2013, 17:05 Uhr

@63) Politikverdruss

Diese Einschätzung teile ich auch. Seriöse Journalisten beklagen einhellig, dass diese Art der Information, verbrämt mit Scherz und Satire, die Diskreditierung befördert – hier die politische Auffassung der italienischen Wähler.

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