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Der „neue Rösler“ und die Troika der FDP

Es gibt Abläufe im ewigen Auf und Ab der politischen Diskussionen, die kann man vorhersagen. Nehmen wir zum Beispiel die FDP: Nachdem sie einen unfallfreien Parteitag mit einer unfallfreien Rede Philipp Röslers hingelegt hat, wird in den nächsten Tagen viel vom „neuen Rösler“ und vom Wiederaufstieg der Partei die Rede sein.

„Die FDP ist wieder da“ – so lautet die mediale Parole der nächsten Wochen.

Dann wird der erste Meinungsforscher (Manfred Güllner wahrscheinlich) den Sprung der FDP über die Fünf-Prozent-Hürde verkünden und alle  Medien werden über ein mögliche Neuauflage von Schwarz-Gelb spekulieren.

Endlich mal wieder ein Wechsel der Perspektiven, werden die Kommentoren jubeln, die ihre eigenen Ewig-grüßt-das-Mumeltier-Betrachtungen über Rot-Grün und Schwarz-Rot nicht mehr lesen können. Und die FDP wird hoffen, dass das möglichst viele Wähler glauben.

So viel zur Prognose, die in erstaunlichem Gegensatz zu den tatsächlichen Ereignissen steht. Denn was ist auf dem FDP-Parteitag wirklich passiert?

Die FDP wählte einen Vorsitzenden wieder, den sie noch vor wenigen Wochen aus voller Überzeugung, dass er`s nicht bringt, in die Wüste schicken wollte.

Die FDP entschied sich für einen Rösler-Beifahrer und „Spitzenkandidaten“, den angeschlagenen Rainer Brüderle, der vor eben diesen Wochen einen Sonderparteitag forderte, um Rösler loszuwerden. Und der, als er gefordert war, Nachfolger zu werden, an seiner mangelnden Courage scheiterte.

Und die FDP machte einen Mann zu Röslers erstem Stellvertreter, Christian Lindner, der wegen Rösler sein Amt als Generalsekretär hingeschmissen hatte.

Gegenüber dieser FDP-Troika war die Troika Schröder/Lafontaine/Scharping fast ein Freundeskreis.

So viel zur  „neuen Führung“. Das einzig Positive, dass nämlich Dirk Niebels politisches Ende eingeläutet wurde, ist auch zwiespältig. Denn er wurde nicht ins Aus geschickt, weil er ein unerträglicher undifferenzierter Lautsprecher ist, sondern weil er als einziger der vielen Rösler-Gegner laut gesagt hatte, dass er den Chef los werden will.

Aber schade ist es nicht. Von Niebel wird politisch nur seine Gebirgsjägermütze im „Haus der Geschichte “ überleben  – und dort auch nur in der Asservatenkammer.

So viel zur „neuen FDP“. Sonst gab`s auf dem Parteitag nichts Neues, außer einem Grünen-Bashing, das in seiner grotesken Überziehung schon wieder positiv für die Grünen war. Inhaltlich nichts. Keine faszinierende Idee, kein Thema, das die FDP auf die Agenda setzt. In Sachen Homo-Ehe laufen die Liberalen den Grünen hinterher, in Sachen Lohnuntergrenze der CDU.

Keine Antwort darauf, warum die FDP unverzichtbar ist. Darüber wird sich die FDP wahrscheinlich erst Gedanken machen, wenn Christian Lindner endgültig Rösler stürzt. Dann aber könnte es zu spät sein.

Nachtrag vom 20.3.2013: Manfred Güllner (Forsa) meldet sechs Prozent für die FDP und ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Schwarz-Gelb und Rot-Grün plus Linkspartei.

Nachtrag vom 10.4.2013: Manfred Güllner meldet: Schwarz-Gelb liegt vorne.