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Donnerstag, 11. April 2013, 17:09 Uhr

Dieses “Wir” entscheidet nicht

Wahlslogans sind Glückssache. Manchmal kommt Pech dazu. So ist es jetzt der SPD ergangen mit ihrem Slogan “Das Wir entscheidet”. Er wird ausgerechnet schon von einer Leiharbeitsfirma benutzt. Das zeigt die Austauschbarkeit von Claims in der Werbung – unabhängig vom ideellen oder wirtschaftlichen Hintergrund.

Und er hat große Ähnlichkeit mit dem Slogan der “Aktion Mensch”: “Das Wir gewinnt”. Vielleicht wollte die SPD mit dem “Wir” auch ein bisschen an den Erfolgswahlkampf von Johannes Rau erinnern (“Wir in NRW”)

“Wir” macht sich immer gut,  dachte sich wohl die SPD. Die Botschaft soll lauten: Es geht nicht um Personen, nicht um die Partei, nein, ums Land, um uns alle. Eine Absage an die Egoisten. Im Prinzip richtig gedacht, aber mit sorgfältigerer Recherche hätte die Partei ihren Fehlgriff vermeiden können. Aber die Slogan-Panne passt zum Peer-Blog und anderen Missgriffen.

Abgesehen davon liegt der Slogan quer zum Kandidaten. Das “Wir” war bisher nicht Peer Steinbrücks Stärke. Und das kann man ihm mit einem Slogan auch nicht anschminken. Die Diskussion um den Slogan zeigt das Grunddilemma des SPD-Wahlkampfes auf, dass nämlich der Kandidat nicht richtig zur Partei passt und die Partei nicht zu ihm. Nicht einmal die beiden sind “Wir”. Dieses “Wir” entscheidet deshalb 2013 nicht.

Slogans müssen zur Partei passen (das geht in diesem Fall), zum Kandidaten (passt nicht) und zum Zeitgeist (fraglich). Beispiel 1998. Schröders Slogans waren perfekt. “Innovation und Gerechtigkeit” – eine moderne Erweiterung des SPD-Gerechtigkeitsthemas. Wahrscheinlich wussten nicht viele Wähler, was Innovation genau bedeutet, aber der Slogan klang modern. Zeitgeistig die richtige Abgrenzung zum Meltau der Kohl-Ära. Auch Schröders persönlicher Slogan “Ich bin bereit” war 1998 das richtige Signal.

Auch Angela Merkel griff 2005 die Wechselsstimmung zumindest teilweise erfolgreich auf: “Ein neuer Anfang”. Und die CDU: “Wir haben die Kraft”. Dagegen wirkte die SPD 2005 altbacken: “Vertrauen zu Deutschland”. Die Gleichsetzung von Partei und Land ist immer zweischneidig. Am Ende wollten die Wähler nur einen halben Neuanfang.

Auch Konrad Adenauer traf 1953 und 1957 den Zeitgeist: “Keine Experimente”. Als Kurt Georg Kiesinger damit 1969 antrat, wehte der Zeitgeist schon anders. Da wollten die Wähler Experimente und so kam es zur ersten sozialliberalen Koalition.

Ich habe auch einmal einen Slogan kreiert- 2005 für die CDU in Nordrhein-Westfalen. Er lautete “NRW kommt wieder” und traf die Stimmung im Land. Die Bürger wollten wieder stolz auf ihr Land sein. Damals gewann Jürgen Rüttgers die Wahl. Natürlich nicht wegen des Slogans, aber er passte zumindest. Meine Abwandlung des 2002 von der Werbeagentur für Edmund Stoiber vorgeschlagen Slogans “Spröde. Kantig. Unverschämt erfolgreich” in “Kantig. Echt. Erfolgreich”  war dagegen weniger erfolgreich.

Für die FDP hätte ich noch einen: “Unterm Strich zähl` ich”. Schade, geht nicht. Der wird schon von der Postbank benutzt.

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22 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Donnerstag, 11. April 2013, 17:26 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Meines Wissens leitet SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Kampa. Ist sie wirklich so unfähig, oder schmeißt sie nur mal wieder ihrem “Liebling” Peer Steinbrück hinterrücks ein paar Knüppel zwischen die Beine?

2) MG, Donnerstag, 11. April 2013, 17:39 Uhr

Herr Spreng,
an sich ein guter Kommentar.
Nur beim FDP-Bashing am Schluss muss ich sagen: Punktabzug, weil nicht Thema.
Haben Sie es wirklich so nötig, oder werden Sie als alter Mann immer kleinkarierter?

3) Don Corleone, Donnerstag, 11. April 2013, 17:43 Uhr

“Das Wir entscheidet” versteht kein Mensch — es sei denn, er steht als Fußballer im Motivationskreis vor dem Anpfiff und lauscht dem Trainer.

“Das Bier entscheidet” käme der deutschen Seele, männlich wie weiblich, weit näher und gäbe Herrn Steinbrück endlich etwas von dem menschelnden Flair, das viele an ihm schmerzlich vermissen. Durch den follow-up claim “Freibier für Deutschland”, kurz vor den Wahlen nachgeschoben, würde sich der Kreis unbesiegbar schließen.

Das Wortspiel “Stonebridge — linientreu wie ein Reifen von Bridgestone” könnte zwar die linke Flanke der SPD trösten und ein paar großzügige Wahlspenden aus Japan bringen, ist aber zu intellektuell.

4) Frank Reichelt, Donnerstag, 11. April 2013, 18:15 Uhr

Ich habe ja bisher Steinbrück und seine Kandidatur gegen die Kritiker verteidigt aber er und die SPD machen es mir wirklich immer schwerer!

Der Lapsus mit dem Wahl-Slogan durfte in der sowieso schon schwierigen Gemengelage einfach nicht passieren! Und Herr Spreng hat Recht, der Slogan paßt schon inhaltlich nicht zu Steinbrück.

@ Erwin Gabriel:
Egal wer das zu verantworten hat, es kommt auf Steinbrücks Minuskonto!
Man muss der “taz” leider zustimmen: “Zu blöd zum Googeln!”

5) Michael Sonntag, Donnerstag, 11. April 2013, 20:03 Uhr

“So ist es jetzt der SPD ergangen mit ihrem Slogan “Das Wir entscheidet”. Er wird ausgerechnet schon von einer Leiharbeitsfirma benutzt.”

Tja, manchmal ist der Zufall eben der beste Reklametexter. Dass die SPD mit dem Slogan einer Leiharbeitsklitsche antreten wollte passt ja nun wirklich wie Arsch auf Eimer. Jedenfalls eine nette Erinnerung an die “mutigen Sozialreformen” unter Gasgerd & den anderen “Sozial”demokraten.

6) David, Donnerstag, 11. April 2013, 21:30 Uhr

Nur eine knapper Korrekturhinweis: die CDU verwendete 2009 “Wir haben die Kraft”, nicht schon 2005.

7) flurdab, Donnerstag, 11. April 2013, 23:12 Uhr

“Das Wir entscheidet” ist nur die eine Hälfte der Werbekampangne.

Komplett heißt sie:
“Das Wir entscheidet- das Du bezahlt”

8) Peer Steinbock, Freitag, 12. April 2013, 01:48 Uhr

Arme SPD. Muss sich einen Leiharbeitsfirma-Slogan leihen. Das WIR entscheidet. Wer ist WIR? Was entscheidet WIR?
Die CDU hat es einfacher. Ihr (unausgesprochener) Wahlspruch lautet: WIR pro Merkel. Eine Webseite gibt es schon: http://wir-pro-merkel.de

9) manni.baum, Freitag, 12. April 2013, 08:43 Uhr

mein Vorschlag “WIR sind nur 23% aber bis zum Jahr 4026 sind WIR 69%”

10) StefanP, Freitag, 12. April 2013, 10:32 Uhr

@7) flurdab

Das Wir entscheidet- das Du bezahlt.

:-)

12 Points!!! Das Beste, was es zu dem Thema zu lesen gibt.

11) m.g.t., Freitag, 12. April 2013, 11:25 Uhr

Pluralis majestatis?
Obwohl in verschiedenen Politikfeldern eher auf dem linken Flügel angesiedelt, fällt mir doch regelmäßig auf, dass gerade die Ganzlinken sehr gerne eine absolutistische, fast göttliche Wahrheit (oder das, was sie dafür halten) vor sich hertragen.
Wer ist denn “Wir”? Privat bin ich ein Tei eines anderen “Wirs” als beruflich, mit Freunden oder bei Hobbies. “Wir” kaufen bei völlig unterschiedlichen Firmen ein, und “Wir” fahren auch mal andere Automarken.
Aber eine gleichmacherische Ideologie des “Wr gegen Die” will mich in ein Korsett zwängen, gegen das ich mich schon aus Prinzip wehre. Klammern Nahkles und Steinbrück in ihren Beziehungen genauso, oder lassen die ihren jeweiligen Partnern auch mal Luft zum Atmen?
Auf der Liste der wählbaren Alternativen (kein Wortspiel) rutscht die SPD immer tiefer – auch den lokalen Kandidaten geschuldet.

12) Erika, Freitag, 12. April 2013, 11:51 Uhr

Offenbar haben wir keine Probleme.

http://www.bild.de/politik/inland/spd/wir-haben-vorher-alles-gecheckt-29968410.bild.html

13) Erwin Gabriel, Freitag, 12. April 2013, 12:19 Uhr

4) Frank Reichelt, Donnerstag, 11. April 2013, 18:15 Uhr

Mir geht’s ähnlich – leicht wird es einem nicht gerade gemacht.

Ich glaube, ich erwärme mich immer mehr für eine Koalition der Linkspartei und der FDP, mit einem kleinen Schuß SSW (Südschleswigscher Wählerverband). Wenn die sich das gut aufteilen und sich nicht reinreden, könnte es was werden.
:-)

14) Politikverdruss, Freitag, 12. April 2013, 13:52 Uhr

„VerWirrung(SZ) ist stets der Beginn kreativen Wandels“. Ich glaube, die VerWirrung in der SPD wird noch etwas anhalten und ob es dann noch zu einem kreativen Wandel reicht, muss man mittlerweile doch sehr stark bezweifeln. Ein wenig tun sie einem inzwischen leid, die wahlkämpfenden SPDler. Im Wahlkampfprogramm der Partei passt aber auch gar nichts zusammen: Das Programm nicht zum Kandidaten, der Kandidat nicht zur nach links gerückten Partei, das (Steuererhöhungs-)Programm nicht zu den ohnehin schon „sprudelnden Steuereinnahmen“ und das Herbeigerede von angeblich flächendeckender Armut nicht mit der seit 2005 zu beobachtenden Annäherung beim Einkommen zwischen Arm und Reich(FAZ).

„Hätte hätte – Fahrradkette“, das wäre doch ein treffender Wahlkampfslogan für eine Partei, die deutlich zeigt, dass sie in keiner Hinsicht regierungsfähig ist.

15) CitizenK, Freitag, 12. April 2013, 14:15 Uhr

“…. Fahrradkette ” – sonst fällt ihm nichts dazu ein?

Eigentlich könnte die SPD diesen Wahlkrampf jetzt abbrechen und sich auf 2017 vorbereiten. Aber das geht natürlich nicht, sie muss da durch. Per aspera….

16) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 12. April 2013, 14:26 Uhr

Der beste Wahlkampf-Slogan der SPD war seinerzeit „Willy wählen“. Eigentlich gibt es heute nur einen griffigen Slogan, der sich aufdrängt, und zwar für die Union: „Merkel. Macht. Migräne.“ Die Punkte können Sie auch weglassen.

17) Peter Christian Nowak, Freitag, 12. April 2013, 19:01 Uhr

Der Slogan stammt von einer Firma für Leiharbeit. Die will jetzt gegen Herrn Steinbrück klagen (SPD). Die sich als bestohlen fühlende Firma beansprucht die alleinige Nutztung des Werbespruchs. So die Entrüstung aus der Firma. …. Also…ich hab schallend gelacht…ausgerechnet eine Firma für Leiharbeit…und dazu das Gesicht von Herrn Steinbrück…
Herr Steinbrück war heute außer sich. In solchen Momenten der Hilflosigkeit ist der Mann, lässt man mal die Politik weg, mir als Mensch irgendwie sympathisch: Vielleicht wegen seiner unglücklichen Figur mit durchaus menschlichen Unzulänglichkeiten. Ein Abonennt der Fetttöpfchen sozusagen. Da menschelt es doch ganz kräftig!
Heute kam er mir vor wie Donald Duck. Der hat auch immer nur das Beste für seine Neffen gewollt, aber letztlich in seinem Bemühen nie richtig Erfolg gehabt. Der Pechvogel von Entenhausen…Pechvögel nimmt man in solchen Situationen einfach mal in den Arm!

18) Erwin Gabriel, Freitag, 12. April 2013, 19:53 Uhr

@ 16) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 12. April 2013, 14:26 Uhr

>> „Merkel. Macht. Migräne.“
>> Die Punkte können Sie auch weglassen.

:-)

Sehr charmant. Meinen herzlichen Dank für diesen kleinen Moment der Heiterkeit.

19) Wolf-Dieter, Freitag, 12. April 2013, 23:58 Uhr

Mehr FDP-Slogans von dem Kaliber im letzten Absatz, bitte! (Evtl. Korrupt aus Leidenschaft? Kann die Deutsche Bank da meckern?)

20) Erika, Samstag, 13. April 2013, 11:01 Uhr

“Das Wir entscheidet”

Gibt man dies bei Google ein, erscheinen über 20 Seiten aktuelle Links. Einer davon auf Seite 24:

http://www.berliner-umschau.de/news.php?id=7148&title=Steinmeier+beklagt+unfairen+Umgang+mit+Steinbr%FCck&storyid=13657291866

Wir stehen in Deutschland und Europa vor schwierigen Entscheidungen. Und unsere Medien beschäftigen sich mit Wahlslogans (zur Zeit gibt es wohl sonst nichts negativeres gegen Steinbrück) und unserer häkelnden Badenixe.

Würde man sich mit Politik objektiv und kritisch auseinandersetzen, hätten wir andere Umfragewerte.

Da fällt mir gerade ein:

Als Karl-Theodor von und zu Guttenberg seine Wirtschaftskompetenz lobte, und die Medien auf die Suche nach dieser Kompetenz gingen, fand man eine Trockenbaufirma. Diese Trockenbaufirma Guttenberg, wehrte sich dann auf ihrer Internetseite, dass sie nichts mit Herrn von und zu Guttenberg zu tun habe. Aber dies wurde interessanterweise nicht in den Medien kommuniziert.

Propaganda statt Politk kann auf Dauer nicht die Lösung sein!

21) Maren P., Samstag, 13. April 2013, 19:32 Uhr

@ 16) Sabine Zielke-Esser

“Merkel.Macht.Migräne” – Grandios! *feix* :-D

Von Herrn Spreng wüsste ich gern, ob an dieser verfahrenen SPD-Chose noch irgend etwas zu retten ist? Denn auch das langsam aufkommende Mitleid wird mich so nicht dazu bringen, die SPD zu wählen.
Ich kenne nur einen Slogan, der den Kandidaten und SPD passgenau spiegelt und zugleich einen treffenden Ausblick auf die Zukunft gibt: % SALE!

22) Marcus_Ewald, Freitag, 19. April 2013, 11:19 Uhr

Steinbrück braucht die Wagenburg – als notwendiges Übel.

http://ow.ly/kbLKl

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