Freitag, 17. Mai 2013, 12:34 Uhr

Das Rätsel Merkel

Wie tickt Angela Merkel? Was treibt sie an? Hat sie einen Plan von und für Deutschland? Diese Fragen bleiben auch nach zwei Woche heftigster Debatte über die Persönlichkeit der Kanzlerin ohne Antwort.

Zwei neue Bücher und zwei Privatsprechstunden von Frau Dr. Merkel brachten nichts Neues. Jetzt wissen wir zwar, dass sie bei Männern schöne Augen mag und im Kino gerne in der Mitte sitzt, nicht aber, was sie mit ihrem Amt bewegen will.

Auch aus Merkels Vergangenheit in der DDR lässt sich wenig herleiten. Gregor Gysi hat sie sachlich beschrieben: Sie führte ein „ziemlich normales Leben mit allen Grautönen“. Mehr ist auch nach den neuesten Büchern nicht dazu zu sagen. Sie hat sich so weit angepasst, wie es in der DDR notwendig war, wenn man weder in die SED noch in den Widerstand gehen wollte.

Erkenntnisse für die Merkel von heute kann man nicht daraus gewinnen. Mehr schon aus ihrer Tätigkeit als Physikerin: die Kanzlerin mag keine Experimente, deren Ausgang nicht vorauszuberechnen ist. So ist auch ihr Politikstil. Aber das ist bekannt.

Aber was treibt sie an? Für Politiker gibt es drei Motive: materielle Interessen, also Politik als Beruf oder Berufsersatz, Idealismus, also der Wille, etwas verändern zu wollen,  und der Wunsch nach Bedeutung und der Wille zur Macht. Bei Merkel sind materielle Interessen sicher auszuschließen. Geld interessiert sie nicht.

Von ihrer idealistischen Seite ist nur ihre Sehnsucht nach Freiheit bekannt, die allerdings in DDR-Zeiten nicht so stark war, dass sie eine Flucht erwogen hat. Aber aus ihren Reden wird immer wieder ersichtlich, dass der Wunsch nach Freiheit für sie ein Motiv war, in die Politik zu gehen. Mehr aber ist nicht bekannt.

Deutlich stärker treibt sie der Wille zur Macht und deren Ausübung an. Da kann sie auch eiskalt sein, was viele Beispiele beweisen: die Abnabelung von Helmut Kohl, die Vertreibung von Friedrich Merz aus dem Fraktionsvorsitz, die Entlassung von Norbert Röttgen. Dabei war sie einmal mutig, meist aber kühl berechnend, rational, pragmatisch.

Merkel ist eine Machttechnikerin mit schwachem idealistischen Hintergrund. Sie ist keine Gestalterin, außer der Gestaltung ihrer politischen Karriere und ihrer Macht. Sie macht sich – zumindest öffentlich – keine Gedanken über Deutschland in zehn Jahren. Nicht einmal über die CDU in zehn Jahren.

Angela Merkel ist schon zufrieden, wenn sie das nächste halbe Jahr vorausberechnen und vorausplanen kann. So managt sie ihre Karriere, so managt sie ihre Macht und so managt sie Deutschland. Vorsichtig, risikoscheu, Schritt für Schritt. Das Ziel der Deutschland-Managerin ist eine Dividende in Form einer Vertragsverlängerung, also ein Sieg bei der Bundestagswahl.

Das ist nichts Großartiges, nichts Begeisterndes. Am Ende ist es Selbstzweck. Aber das scheint die Wähler nicht zu stören, solange das Unternehmen Deutschland läuft und  für die meisten Bürger eine kleine Wohlstandsdividende abwirft und sie sich bei Merkel irgendwie sicher fühlen.

Das Rätsel Merkel ist, dass es keine Rätsel gibt. Daran wird auch das nächste Enthüllungsbuch scheitern.

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50 Kommentare

1) Erika, Samstag, 25. Mai 2013, 13:09 Uhr

49) Joerg, Freitag, 24. Mai 2013, 13:49 Uhr

„Da ich immer noch davon ausgehe, dass wir in einer Demokratie leben, brauch wohl keiner diese
Frau blind zu wählen, denn dieses war 40 Jahre im System der DDR so.“

http://www.youtube.com/watch?v=fA-4qk1uIRM

http://www.chronik-berlin.de/news/stasi-spitzel_merkel.htm

Im Zusammenhang mit Merkel erlebt man oft dieses Phänomen:

http://www.schweizmagazin.ch/404.html?url=http://schweizmagazin.ch/news/336/ARTICLE/4283/2008-05-29.html

dass Seiten im Internet nicht mehr auffindbar sind. Ob dies bei dem Hubschrauberflug aus dem Urlaub zu einer privaten Buchpräsentation „Das Portrait“ mit anschließendem Kaffekränzchen mit Frau Springer und Frau Mohn auf Sylt handelt oder eben im Zusammenhang mit der Vergangenheit von Frau Merkel.

Was mich wirklich stört ist, dass Frau Merkel mit ihrer Vergangenheit kokettiert z.B. ihr Lebenstraum wäre gewesen einmal den Pazific zu sehen. Wenn man das hört, erinnert man sich, dass man selber schon einmal da war und man entwickelt Mitgefühl und Sympathie. Und dann erfährt man ganz zufällig und nebenher in einer Talkshow mit Maischberger, dass Angela Merkel bereits 1986 zu e iner Feier in Hamburg war und eine Woche später ganz freiwillig auf ihren Lebenstraum verzichtet hat und zürück in die DDR gefahren ist. Wer nicht zufällig diese Talkshow gesehen hat, hat von dieser Westreise aus den Medien keine Kenntnis.

Übrigens hat Steinbrück seine Honorare und Vorträge nach entsprechender Berichterstattung selbst öffentlich gemacht und er wäre dazu in diesem Ausmaß nicht verpflichtet gewesen. Von den Honoraren des Herrn Steinbrück und seinen „Fettnäpfchen“ hingegen hat die Presse sehr ausführlich berichtet.

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