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Mitläufer Steinbrück

Kompetenzteams heißen Kompetenzteams, weil sie Kompetenz des Kanzlerkandidaten verstärken, Schwächen ausgleichen und die ganze Talent-Bandbreite einer Partei zeigen sollen. Und sie sollen in Wahlkämpfen Medienereignisse schaffen, mit den berufenen Politikern zentrale Botschaften verbinden, um so öffentlich den Regierungsanspruch einer Oppositionspartei zu unterstreichen. So weit zur Theorie.

Jetzt zur Praxis des SPD und ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Legt man diese Maßstäbe an, muss auch die Vorstellung seines Kompetenzteams als gescheitert angesehen werden. Die jetzt bevorstehende Berufung des bayrischen SPD-Vorsitzenden Florian Pronold ist der Tiefpunkt und zeigt die ganze Misere.

Wie soll ein Politiker, der schon in Bayern keine Stimmen holen kann, dies auf Bundesebene können? Wie soll ein blasser linker Apparatschik Steinbrücks dümpelnder Kampagne Glanz verleihen?

Oder die Berufung Klaus Wiesehügels, eines erklärten Gegners der Agenda 2010 und der Rente mit 67? Gegner einer Politik, die Steinbrück jahrelang unterstützt hat. Steinbrück und Wiesehügel und dann noch der Agenda-Gegner Pronold – wie sollen da die Wähler glauben, dass die SPD kompetenter als die CDU ist, Deutschlands Probleme zu lösen?

Im Gegenteil: Wiesehügel und Pronold schwächen Steinbrück, weil sie seine Glaubwürdigkeit beschädigen. Er ist nicht mehr authentisch.

Nimmt man die neuen, für Steinbrücks Kompetenzteam gehandelten Namen, dann zeigt sich, dass es sich bei Steinbrücks Mannschaft nur noch um ein innerparteiliches Projekt handelt, das SPD-Mitglieder und Funktionäre mit dem Kandidaten versöhnen soll. Dafür stehen auch Namen wie Matthias Machnig und Kompetenzteam-Veteranin Manuela Schwesig. Es geht nicht mehr um die Außenwirkung, sondern nur noch um die Binnenwirkung.

Das Kompetenzteam Steinbrücks beweist, dass es der SPD nicht mehr mit einem Sieg bei der Bundestagswahl rechnet. Der SPD geht es nur noch darum, die Partei über die Runden zu bringen.

Geschlossenheit der Partei geht vor Wahlsieg. Die SPD hat endgültig die Idee aufgegeben, mit dem einst rechts neben dem Mainstream seiner Partei stehenden Steinbrück Mitte-Wähler für die SPD zu gewinnen, um so wieder aus dem 30-Prozent Ghetto auszubrechen.

Steinbrück wurde auf Kurs gebracht, mit Agenda-Gegnern und dem üblichen SPD-Personal eingemauert. Oder wie Porsche-Betriebsratschef und SPD-Mann Uwe Hück sagt: „Steinbrück wollte Beinfreiheit und bekam Fußfesseln“. Daran können auch eine Design-Professorin oder noch ein überraschender Personal-Coup nichts ändern.

Die SPD sortiert sich vier Monate vor der Bundestagswahl 2013 schon für 2017. Steinbrück läuft nur noch mit.