Donnerstag, 18. Juli 2013, 12:42 Uhr

„Das will ich gar nicht wissen“

Kann es wirklich sein, dass die Kanzlerin und die zuständigen Minister nichts vom US-Spähprogramm Prism gewusst haben?

Es könnte sein, wenn sie sich so verhalten haben wie ich es mehrfach bei einem Ministerpräsidenten beobachtet habe. Immer dann, wenn ihn seine Mitarbeiter über Vorgänge aus der Grauzone der Politik informieren wollten, sagte er: „Das will ich gar nicht wissen“.

Der Politiker glaubte, sich so schützen zu können und sich für dann Fall, dass zweifelhafte Handlungen öffentlich bekannt werden, hinter Nichtwissen verschanzen zu können. Am Ende hat ihm das aber auch nichts genützt.

Vielleicht lässt sich so aber das Nichtwissen einiger deutschen Spitzenpolitiker über Prism erklären.

P.S. Es gibt auch noch eine zweite Verhaltensweise, diesmal der Untergebenen, häufig auch in Unternehmen zu beobachten: „Damit wollen wir den Chef gar nicht belasten“.

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7 Kommentare

1) Unrat, Donnerstag, 18. Juli 2013, 16:18 Uhr

Auch die „damit wollen wir den Chef nicht belasten“ Vorgehensweise beruht in aller Regel auf akutem Versagen einer Führungskraft.
Am ehesten passiert diese (ich nenne es) „selbstverschuldete Unmündigkeit“ in solche Systemen in denen eine besonders autoritärer laissez-faire Führungsmentalität vorherrscht. Alternativ zeigt sich öfters auch der „Führungskraft auf der Flucht vor Verantwortung“ Stil, der den von Ihnen beschriebenen Mechanismus befördert. Beides ist im Ergebnis jeweils ein Armutszeugnis für die schlechte Führung. Im Berlin allerdings bekanntlich Dolge des allgemein vorherrschenden Größenwahns.
Ich denke man konnte dieses Phänomen bereits bei Schröder gut beobachtn. Bei Merkel ist (imho) der eigentlich in sich widersprüchliche ZickZack-Kurs „Laissez-Faire-Autoritär“ zur Generalstrategie pervertiert.
Ich jedenfalls glaube weder das das Internet für Frau Dr. (der Physik) Merkel „Neuland“ ist, noch dass man nicht längst Bescheid gewusst hat.
Als ehemalige Propagandaspezialistin (aus SED Zeiten) weiß Frau Merkel um die Bedeutung solcher Aussagen wie: Das es etwas ganz anderes sei wenn „verbündete Staaten und nicht (Anm.: Die olle DDR Keule musste Sie wohl mal wieder auspacken) die Stasi uns massenhaft überwachen“ (sinngemäßes Zitat aus Angela Merkels Interview in der Zeit).
Ich verstehe Demokratie und den Begriff Freiheit grundsätzlich anders als Frau Merkel.
Massenhafte Überwachung ohne konkreten Anlass (und da sehe ich mich im guter Gesellschaft u. a. mit Ex US Präsi Carter) ist der Einstieg in den Totalitarismus.
Wenn wir das gutheißen hat Bin Laden doch postmortem gewonnen, dank CDU.

2) Unrat, Donnerstag, 18. Juli 2013, 16:44 Uhr

„Wir haben nichts davon gewußt…“
Ein nur allzu bekannter Satz aus den dunkelsten Zeiten Deutschlands. Und damit meine ich jetzt ausnahmsweise mal nicht die DDR sondern das Regime das auf Basis des „nicht wissen wollens“ der Mehrheit der Deutschen 6 Millionen Menschen ermorden konnte. Ich habe Frau Dr. Merkel deutlich mehr Sensibilität für die deutsche Geschichte zugetraut. Dieser Tage lässt sie anscheinend ihre Maske endgültig fallen.

3) Gundi, Donnerstag, 18. Juli 2013, 21:29 Uhr

Die Wissen alle was Sache ist, nur sind sie zu Feige die Wahrheit zu sagen. Die Lügen schon so unverschämt und offensichtlich das einem schlecht werden kann. Eben Politiker Sprache.

Und wir alle sehen den nackten Kaiser, dennoch agieren wir nicht und lassen das durchgehen. Um ein Zeichen zu setzen gehört die Regierung abgewählt.

4) Beamter, Freitag, 19. Juli 2013, 07:04 Uhr

Ihr Satz mit dem „damit wollen wir den Chef nicht belasten“ kommt wohl eher in der Unternehmerischen Welt vor.
In der Welte der Beamten, und ich kenne diese von innen, gibt es ein anderes Credo: „Melden macht frei“!

Zur Eigenverantwortung wird ein Beamter nicht erzogen – allerdings gibt es eine andere Taktik, um unliebsame Wahrheiten zu melden: lange Berichte schreiben. Und die verfaulen dann bei Spitzenpolitiker/Minister X in der Schublade. Ich als Untergebener bin fein raus – er hätte es wissen können.
Aus Sicht der Bürger: Er hätte es wissen müssen!

5) @ASprak, Freitag, 19. Juli 2013, 08:53 Uhr

Wenn die es nicht wissen sollten, dann hat die zuständige nationale Behörde Ihre Arbeit nicht getan. Also alle tun als hörten Sie zum ersten Mal die Kirchenglocken tönen.

6) Oliver Beck, Freitag, 26. Juli 2013, 22:46 Uhr

Woher kommt wohl der Ausspruch „Politik ist ein schmutziges Geschäft“?
Ich weigere mich aber eine Generalisierung anzunehmen.
Ausserdem gibt es (mutmasslich) viele Beispiele dass Politiker die das nicht verinnerlichen eigentlich mehr Erfolg haben.

7) Rapunzel, Dienstag, 30. Juli 2013, 13:15 Uhr

Ich befürchte der Satz bzw. die Mentalität „Das will ich gar nicht wissen“ ist im Berliner Politkontext, der Tatsache geschuldet das sich der politische Akteur in Berlin (egal ob KanzlerIn, MinisterIn oder auch einfache/r Abgeordnete) vor der Hauptaufgabe stehen sieht viel Wind um das machen zu müssen, was er oder sie sowieso nicht beeinflussen kann.
Der Rechtsstaat und das politisch Handlungsprimat sind in der Berliner Merkel-Republik weitestgehend außer Kraft gestzt und politische Akteure zu Soap-Schauspielern verkommen.
Unter anderem die Polit-Superstar Show von Günther Jauch moderiert, unterstreicht dies.
Kein Wunder, dass man nur noch mit Trauer und Abscheu auf Werteverfall und den Niedergang einer ehemals lebendigen (damals Bonner) produktiven Politkultur reagiert.

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