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Freitag, 26. Juli 2013, 09:43 Uhr

Im Namen Axel Springers

Axel Springer war ein genialer, aber auch ein sonderbarer Mann. Aber eines war er gewiss – ein Journalist aus Leidenschaft. Und als Verleger liebte er seine Journalisten. Sie standen bei ihm immer an erster Stelle, erst dann kamen die “Flanellmännchen”, wie er die Verlagsleute nannte. Er liebte Journalisten, wie es ein Patriarch tut – besitzergreifend, bestimmend, aber voller verlegerischer Leidenschaft und großer sozialer Fürsorglichkeit.

Springers erste Zeitung war das “Hamburger Abendblatt”, seine erste Zeitschrift die “Hörzu”. Sie tragen seine DNA. Beide sind künftig keine Springer-Blätter mehr, sondern Teil eines textverarbeitenden Betriebes namens Funke-Gruppe. Sie ausgerechnet an dieses journalistenverachtende Unternehmen zu verkaufen, heißt, Goldfische im Piranhabecken auszusetzen. Springer-Vorstand Andreas Wiele sieht das zynisch so: “Wir haben für sie ein neues nettes Zuhause gefunden”.

“Abendblatt”, “Hörzu” und die anderen verkauften Blätter erwirtschafteten bei 512 Millionen Euro Umsatz eine Rendite von 95 Millionen. Eine Traumrendite. Die meisten deutschen Unternehmen hätten gerne solche Zahlen. Es gab also keine dringende unternehmerische Notwendigkeit für den Verkauf. Aber der frühere Verlag Axel Springers ist auf dem Weg zum Digitalunternehmen. Print stört dabei nur. Preisvergleichsportale statt gedrucktem Wort. Andere Verlage verkaufen schon Tierfutter. Das wird bei Springer auch noch kommen.

Das kann man alles machen. Man kann Print-Journalisten als Auslaufmodelle sehen, als Hindernisse auf dem Weg zum digitalen Unternehmen, als Verschubmasse bei der Umstrukturierung. Das kann man im Rahmen der Marktwirtschaft alles machen, aber warum immer noch im Namen des leidenschaftlichen Verlegers Axel Springer? Konsequent wäre es, auch den Namen abzulegen wie einen ausgelatschten Schuh. Die 920 Millionen Verkaufserlös müssten doch für eine Beteiligung an Zalando reichen.

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49 Kommentare

1) Don Corleone, Freitag, 26. Juli 2013, 10:18 Uhr

Danke, Herr Spreng! Sie sprechen mir aus der Seele.

2) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 26. Juli 2013, 10:23 Uhr

Auch für mich ist dieser merkwürdige Deal nicht nachvollziehbar. Unterliegt Döpfner dem Schrempp-Effekt? Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Springer ist die längste Zeit ein Verlag gewesen. Womit will Döpfner in Zukunft Geld verdienen? Mit ein paar Werbe-Bannern auf seinen Internet-Seiten? Wohl kaum. Es gibt nur eine Möglichkeit: Döpfner muss nach dem Fernsehen greifen, zweiter Versuch. Der erste, vor ein paar Jahren, war eine Lachnummer.

P.S.: Wer verleiht in Zukunft die Hörzu-Goldene Kamera? Friede Springer hatte da in der ersten Reihe doch immer die Haare so schön.

3) wschira, Freitag, 26. Juli 2013, 10:55 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Ihre Sorgen möchte ich mal haben. Wenn Springer Tierfutter verkaufen würde, wäre das erheblich besser für das Gemeinwesen als seine Hetz- und Lügenpostillen.

4) R. Horn, Freitag, 26. Juli 2013, 11:18 Uhr

Geehrter Herr Spreng,

dass gerade Sie sich über den Lauf der Dinge so wundern können, wundert mich doch sehr. Sind Sie doch immer einer der Ersten, der Neuigkeiten gesellschaftlicher und journalistischer Art aufdeckt. Und – mit Verlaub – dieser Trend ist seit Jahren so offensichtlich, dass es nur eine Frage der Zeit war, diese Meldung in den Medien zu lesen. Ich unterstelle: diese Extrapolation haben Sie bereits vor 5 Jahren durchgeführt.

Aber, wenn bei einer ertragmaximierten Verlagslandschaft der Journalismus auf der Strecke bleibt, dann ist das auch wieder eine Möglichkeit, im Kleinen dieses Loch zu füllen.

Metapher: Fleischereien in der 70ern -> Großmärkte -> heutige Feinkostladen-Schwemme

Wo bleibt der journalistische Feinkostladen? Bitte extrapolieren Sie!

Herzlichst Ihr

R. Horn

5) W. Zimmer, Freitag, 26. Juli 2013, 11:44 Uhr

@3) wschira

Wo Sie recht haben haben Sie recht. Ich meinte in einer der ersten Agenturmeldungen zu dem Thema gelesen zu haben, dass sich der Springer-Verlag mehr auf das digitale Geschäft konzentrieren möchte. Ob da mehr Chancen für Manipulation und Stimmungsmache gegeben sind wird sich zeigen. Ich bin aber (noch) skeptisch, dass das funktioniert.

6) Rapunzel, Freitag, 26. Juli 2013, 12:16 Uhr

Ich denke es scheint heute -in Zeiten totaler Überwachung und Selbstzensur- auch nicht mehr notwendig einen breiten Print-Journalismus zu betreiben.
Das Management des Springer Verlages hat womöglich einfach sehr konsequent und vorauseilend reagiert auf den Verlust von Meinungs- und Pressefreiheit in “Merkel-Deutschland”.
Es reicht ja die Pressemitteilungen Berlins einfach abzudrucken.
Kritischer Journalismus findet seit die Bundespolitischen Redaktionen in Berlin gebündelt sond ohnehin kaum noch statt.
Sentimentale Argumente (siehe “Springers DNA”) spielen bei solchen Entscheidungen, meiner Erfahrung nach, eher selten eine Rolle.

7) Freddy Schlimm, Freitag, 26. Juli 2013, 12:21 Uhr

Als nächstes wird die tägliche gedruckte “Welt” dran glauben müssen. Die “Welt am Sonntag” wird uns länger auf Papier erhalten bleiben.

8) Politikverdruss, Freitag, 26. Juli 2013, 13:20 Uhr

Die Qualität des deutschen Journalismus wird immer kritischer gesehen. Der Medienforscher Prof. Kepplinger zeichnet ein düsteres Bild, wenn er feststellt, dass die deutschen Medien besonders dann schlechte Qualität abliefern, wenn es darauf ankommt:

„Die Qualität ihrer Berichterstattung darüber ist auch im internationalen Vergleich gut bis sehr gut. Die meisten deutschen Medien liefern mit ihrer Berichterstattung aber gerade dann keine solide Grundlage für sachgerechte Folgerungen, wenn es darauf ankommt – bei drohenden Gefahren. Die Qualität ihrer Berichterstattung darüber ist auch im internationalen Vergleich schlecht.

Erstens. Zwar erläutern alle wichtigen Lehrbücher des Journalismus die Bedeutung der fünf Ws: „Was“ ist „wann“, „wo“, „warum“ geschehen und „wer“ war daran beteiligt? Forderungen nach Informationen darüber, wie häufig et-was geschieht, wie wahrscheinlich es ist und wie viele Menschen es betreffen könnte, gehören jedoch ebenso wenig zum Kern der journalistischen Berufsausbildung und der journalistischen Berufsnormen wie die Präsentation von Daten über vergleichbare Risiken.

Zweitens sind die meisten deutschen Journalisten davon überzeugt, dass sie die Gesellschaft vor Gefahren warnen müssen. Deshalb halten mehr als zwei Drittel der Zeitungsredakteure übertriebene Darstellung von Problemen für vertretbar, wenn sie diesem Ziel dienen.

Drittens dient die Verschleierung von Ungewissheit den Interessen der Journalisten, weil sie die Glaubwürdigkeit ihrer Meldungen erhöht.

Viertens sind sich viele Journalisten der Problematik einer übertriebenen Darstellung von Risiken nicht bewusst. Sie besitzen aber nicht selten erhebliche unbeabsichtigte negative Nebenwirkungen.

Fünftens fördert der starke Wettbewerb zwischen den Medien fragwürdige Praktiken.“ http://www.kas.de/upload/dokumente/2011/07/Berlin_110627.pdf

Wenn man zu den von Prof. Kepplinger dargestellten Problemen noch die politische Selbstbindung der Journalisten hinzufügt (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-der-schwarze-kanal-warum-sind-so-viele-journalisten-links-a-895095.html), berücksichtigt, dass die Medien inzwischen auch als korrupt angesehen werden, (http://www.tagesspiegel.de/medien/korrupte-journalisten-warum-die-glaubwuerdigkeit-der-medien-international-leidet/8542848.html) und zur Kenntnis nehmen muss, dass auch noch die Innere Pressefreiheit in Gefahr ist, dann wird erschreckend klar, wie stark der deutsche Journalismus in seinen Grundfesten bedroht ist.(http://www.cicero.de/berliner-republik/einseitiger-journalismus-pressefreiheit-in-gefahr/54351)

9) Peter Christian Nowak, Freitag, 26. Juli 2013, 14:29 Uhr

“Verlage sind schutzlos im ‘internet”. Das sagte Hubert Burda seinerzeit, so ich mich erinnere.
Was fehle sei ein Leistungsschutzrecht im Internet, meinte er noch
Dennoch hat der Springer-Verlag knapp eine Milliarde seiner Gesamtwertschöpfung aus dem digitalen Geschäft hinzufügen können (2011).
Döpfner wittert wohl Morgenluft. Er sieht wohl die Zukunft des Zeitungsmarktes auf dem Display von Tablets und Smart-Phones seiner Leser.

Beim Leistungsschutzrecht geht es darum, sich die Urheberrechte in barer Münze wandeln zu lassen. Kleinere Artikel, sogenannte “Snibbets” wären dann ebenso geschützt wie große Essays oder Berichte.

Der Punkt ist nur der: die Leistungsrechte der Urheber sind bei diesem Gesetz gar nicht geschützt, sondern die Verlage, die deren Arbeiten veröffentlichen.
Sobald das Gesetz in Kraft wäre, müsste jede Suchmaschine, jeder Nachrichtenaggregator bei Verlagen um Erlaubnis fragen – und dafür bezahlen –, derartige “Snippets” zu verwenden.

Es handelt sich also um eine Abgabe auf bestimmte Internet-Angebote, die direkt in die Kassen der Verlage fließen wird – nicht etwa in die der Urheber.

10) nona, Freitag, 26. Juli 2013, 16:16 Uhr

Ich find’s ja immer etwas merkwürdig, allen Ernstes die Worte “Journalismus” und “Springer” in einem Satzzusammenhang gebraucht zu sehen, angesichts der diversen widerwärtigen, menschenverachtenden und auf so vielen Ebenen auf’s Äusserste fragwürdigen Manipulations-, Kampagnen- und Lügenpostillen, die sonst noch so aus diesem feinen Hause entspringen und in der Vergangenheit entsprangen.

11) Christian Sprenger, Freitag, 26. Juli 2013, 17:11 Uhr

Springer ohne Hörzu ist wie Spreng ohne Satz.

12) Peter Neumann, Freitag, 26. Juli 2013, 17:33 Uhr

Wenn die Zahlen stimmen, und daran habe ich keinen Zweifel, dann müssen in dem Paket ein paar wirklich renditestarke Zeitungen und Zeitschriften sein. Denn die Mopo liefert definitiv kein positives Ergebnis ab.

13) Peter Christian Nowak, Freitag, 26. Juli 2013, 18:57 Uhr

Die journalistische Arbeit hat sich geändert. Sieht man mal von den politischen Abhängigkeiten ab, in der sich so mancher „Brotkorb-Journalist“ befindet (siehe BILD gleich konservativ gleich CDUnah), dann erklärt sich diese Abhängigkeit im bekannten Spruch: „Wes´Brot Du isst, dessen Lied Du singst“.

Ansonsten sollst du nach neuer Anweisung Arbeitsprozesse transparent machen. Was heißt das? Ein arbeitstechnischer Vorgang ganz nach David Weinberger, der gesagt haben soll, dass Kriterien der Objektivität nun nicht länger gelten sollen – jedenfalls nicht im Zeitalter des Internets.

Nach seiner Vorstellung lautet die neue Schule des modernen Journalismus „Transparency – the new Objectivity!“

David Weinberger hat dargelegt, warum das Konzept der Objektivität im Zeitalter des Internet überkommen  ist. Er kommt zu dem Schluss: „Transparency ist the new Objectivity“. Sozusagen eine neue „goldene Regel“ als revoltierendes Kontra zur guten alten Arbeitsweise im stillen Kämmerlein.

Denn Vertrauen schaffen Journalisten anscheinend in der verlinkten Welt von heute nicht mehr allein, indem sie schlicht behaupten, dass eine Information richtig sei, sondern sie, die Informationen, ihrem erlauchten Publikum zur Überprüfung vorlegen. Ausnahmen: Für Fernsehjournalisten gilt dies aus praktischen Gründen nicht.

Ansonsten, unter den Nutzern befinden sich Experten aller Coleur: Anwälte, Ärzte, Lehrer, Unternehmer. Sie verfügen häufig über Fachwissen, das das der Journalisten weit übersteigt. Andererseits sind die Nutzer häufig da, wo der Journalist gerade nicht sein kann. Zapfe also das Wissen deiner Leser an. Betreibe Crowd-Sourcing. Wie gut das funktionieren kann hat der britische Guardian bewiesen. Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte genannte Tageszeitung, als sie Hunderttausende Spesenabrechnungen britischer Abgeordneter von seinen Lesern prüfen ließ.

14) JG, Freitag, 26. Juli 2013, 21:59 Uhr

Mir fällt dabei auch ein, daß es in der Familie Ullstein, als diese nach 1945 endlich ihren Besitz zurückerhalten hatte, wohl kaum mehr junge Leute gab, die die große Tradition dieses Verlages fortführen wollten. Zudem war sein Stammarkt durch die politische Situation sehr geschrumpft. Im jungen, erfolgreichen, damals wagemutigen und innovativen Axel Springer sah man wohl einen würdigen Nachfolger. Wenn ich es recht verstanden habe, fühlte sich dieser dadurch sehr geehrt. “Ullstein – Axel Springer” stand über dem Eingang den Springer-Verlagshauses an der Kochstraße, davor in Stein die Ullstein-Eule. “BZ” und “Berliner Morgenpost”, die erfolgreichsten Tageszeitungsgründungen des Hauses Ullstein (das eine die erste Boulevardzeitung Deutschlands, entstanden, weil die als Familienblatt konzipierte “Berliner Morgenpost” in kürzester Zeit ein durchschlagender Erfolg gewesen war und auch der Ullsteinschen “Berliner Zeitung” viele Leser weggenommen hatte) erschienen zu Springers Lebzeiten weiter im Ullstein-Verlag.

Und heute? Längst sind die Ullstein-Buchverlage von der Axel Springer AG abgestoßen worden, die “BZ” wird jetzt zu einer Berliner Lokalausgabe von “Bild” degradiert, die “Morgenpost” verscherbelt an einen – wie Sie treffend schreiben – “textverarbeitenden Betrieb” und wahrscheinlich von irgendwelchen untertariflich bezahlten Hilfskräften mit irgendwelchen Inhalt gefüllt (eine wirkjlich eigenständige Redaktion hat das Blatt ja schon jetzt nicht mehr, da gibt es für Funke nicht mehr viel zu zerstö-, pardon: “optimieren”).

Wie das eben so ist, wenn in Unternehmen Leute ans Ruder kommen, die sich nicht für die Produkte interessieren, sondern nur für den Profit.

15) Journalist, Samstag, 27. Juli 2013, 11:36 Uhr

@ 8) Politikverdruss, Freitag, 26. Juli 2013, 13:20 Uhr

Zutreffend von vorne bis hinten.

___

@ 0) m. spreng, Freitag, 26. Juli 2013, 09:43 Uhr

Als ich beim Axel Springer Verlag arbeitete, wurde mir über den alten Herrn folgende Anekdote erzählt:

Einer der, wie Sie es formulieren, Flanellmännchen habe für einen Geschäftstermin einen repräsentativen Wagen aus dem Fuhrpark leihen wollen. An diesem Tag standen allerdings nur noch Kleinwagen zur Verfügung. Der Mann habe sich lautstark aufgeregt, er woll einen Wagen, der seiner Position entspreche, er wolle einen großen Wagen, er wolle einen Mercedes. Als der Fuhrpark-Verwalter ihm daraufhin einen Lieferwagen des gewünschten Fabrikats vor die Tür stellte, habe der Mann gedroht, alles Axel Springer zu erzählen, und den Fuhrpark-Leiter feuern zu lassen.

Die Geschichte wurde Axel Springer zugetragen, und er feuerte daraufhin das Flanellmännchen.

Ich hab den großen Alten nie kennengelernt (was ich bedauere), aber stets respektiert.

Die derzeitigen Chefs Döpfner und Wiele hätten selbstverständlich den Fuhrpark-Kollegen gefeuert. Dass diese beiden “Doktores” bei Weitem weder die menschliche noch die journalistische Klasse eines Axel Springer haben, ist mehr als offensichtlich.

Danke für diesen Beitrag!

16) Doktor Hong, Samstag, 27. Juli 2013, 17:31 Uhr

“Flanellmännchen”… allein für diesen Ausdruck war die Kolumne äußerst lesenswert :)

17) Wolfgang Wegener, Samstag, 27. Juli 2013, 18:51 Uhr

Also, die Bezeichnung der FunkeGruppe als textverarbeitenden Betrieb finde ich gut – insbesondere bezogen auf die kleinen Lokalzeitungen (PM-Abwurfhalden). Ob aber über Hörzu nicht die Zeit hinweggeht? Journalismus findet da ja wohl auch nur eingeschränkt statt.

18) mambo, Samstag, 27. Juli 2013, 19:19 Uhr

springer und tierfutter !?
das wäre eine katastrophe für frau merkel.
haben es doch bild und welt erfolgreich geschafft,
40 % der wähler einzuhämmern:

“angela ist die beste ,egal was sie macht oder was sie nicht macht ,
0,25 % rentenerhöhung im westen ,kein problem ,wir danken angela.
der strompreis steigt ? auch kein problem ,angela weiss schon ,warum.
wir werden abgehört ? ,wenn es angela nicht stört ,gerne !
wir brauchen uns mit politik nicht mehr beschäftigen ,denn angela hat
hat alles fest im griff, und wir beschäftigen uns nur noch mit fußball .”

nur diese klamotten in bayreuth ,angie ,das war furchtbar.

19) Maren P., Samstag, 27. Juli 2013, 20:20 Uhr

Das “Hamburger Abendblatt” ist im Großraum Hamburg die einzige Regionalzeitung von Bedeutung. Springers erste Zeitungslizenz hätte er auch dann nicht verkauft, wenn sie keine 20% Umsatzrendite erwirtschaften würde. Offenbar ist das Einfühlungsvermögen in ihren Axel bei Friede Springer doch nicht groß genug, das stinkende Geld zu übertreffen. Allerdings ist mir ihr geistiger Gesundheitszustand nicht bekannt und ich bezweifle, dass sie die Tragweite der Verkaufsentscheidungen überhaupt kapiert hat. Vielleicht gelingt es ja tatsächlich, das HA mit seinen Regionalausgaben als Hamburger Projekt aus dem Funke-Deal herauszulösen. Was sagt eigentlich Peter Tamm dazu?

20) Frank Reichelt, Sonntag, 28. Juli 2013, 08:07 Uhr

Eine Fernsehzeitung hatte ich wohl vor knapp dreißig Jahren zum letzten mal in der Hand. Bei uns wurde immer “TV Hören und Sehen” gelesen. Und ich habe die Maus immer gefunden!

21) Frank Reichelt, Sonntag, 28. Juli 2013, 08:48 Uhr

Ach ja, natürlich völlig unabsichtlich hat Herr Spreng in seiner Kolumne das Zitat von Springer-Vorstand Andreas Wiele so verkürzt wiedergegeben, dass es einen zynischen Zungenschlag bekommt.

Aus dokumentarischen Gründen hier das Zitat im Zusammenhang:

“Die Funke Mediengruppe hat sich verpflichtet die Mitarbeiter in Redaktion und Verlag, alle Führungskräfte und alle Chefredakteure zu unveränderten Konditionen zu übernehmen […] gleichzeitig hat sich die Funke Mediengruppe auch verpflichtet, die Leitlinien der journalistischen Unabhängigkeit so wie sie bei Axel Springer gelten, zu übernehmen. Damit ist sichergestellt, das sowohl die Titel, als auch Sie, die unmittelbar Betroffenen ein gutes neues Zuhause finden.”
(Quelle: Meedia, SPON)

Klingt schon wesentlich weniger zynisch, finde ich!

22) ricbor, Sonntag, 28. Juli 2013, 10:09 Uhr

Warum im Namen Axel Springers? Weil Springer eine Marke ist. Die Wirtschaft besteht zu einem nicht geringen Teil aus Marken, die mit ihren ursprünglichen Aktivitäten nur noch wenig oder nichts mehr verbindet.
Um die wirtschaftlichen Aspekte der aktuellen Entscheidung zu erkennen, reicht ein flüchtiges Studium der Auflagenentwicklung.
Interessant ist übrigens auch, die Paralyse des betroffenen Personals zu beobachten. Die Redakteure nehmen den Untergang des Printjournalismus mit einer geradezu pathologischen Realitätsverweigerung zur Kenntnis.

23) Hans-Hermann Uhl, Sonntag, 28. Juli 2013, 11:27 Uhr

“Flanellmännchen”aus der Familie der “Nieten in Nadelstreifen”

24) m.spreng, Sonntag, 28. Juli 2013, 13:17 Uhr

@21 Frank Reichelt

Das Zitat war so aus der Mitarbeiterversammlung überliefert, worüber mehrere Medien berichteten. Wenn es statt “nettes ” “gutes” hieß, kann ich im Zynismus keinen wesentlichen Unterschied erkennen.

25) Politikverdruss, Sonntag, 28. Juli 2013, 20:01 Uhr

Die Medien spielen in Deutschland eine außerordentlich zweifelhafte Rolle. Über Wochen werden hier Themen(Abhör-und Drohnenaffäre) hochgespielt, die dann auf die lächerliche Frage reduziert werden, wer was wann wusste.

Dagegen findet die Euro-Krise medial nicht statt. Sie wird einfach ausgeblendet. Noch nicht einmal der unglaubliche Versuch der „Ökonomen“ Fratscher/Weder di Mauro), Druck auf das BVerfG im Zusammenhang mit dem noch ausstehenden ESM-Urteil auszuüben, wird in der Presse gerügt. Soweit sind wir schon.

Die höchsten Verschuldungsquoten (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) verzeichneten am Ende des ersten Quartals 2013 Griechenland (160,5%), Italien (130,3%), Portugal (127,2%) und Irland (125,1%)Im Vergleich zum ersten Quartal 2012 wiesen vierundzwanzig Mitgliedstaaten am Ende des ersten Quartals 2013 einen Anstieg und drei einen Rückgang der Verschuldungsquote auf. Die höchsten Anstiege der Quote meldeten Griechenland (+24,1 Pp.), Irland (+18,3 Pp.), Spanien (+15,2 Pp.), Portugal (+14,9 Pp.) sowie Zypern (+12,6 Pp.) und die Rückgänge Lettland (-5,1 Pp.), Litauen (-1,9 Pp.) und Dänemark (-0,2 Pp.). http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-22072013-AP/DE/2-22072013-AP-DE.PDF

Die Staaten Europas versinken weiter in Schulden. Und das Problem der maroden Bankenwelt in Europa hat längst gigantische Ausmaße angenommen. Aber die deutschen Medien schweigen. Warum? Warum verschweigt man uns die wirklichen Bedrohungen?

26) Horst Klohocker, Sonntag, 28. Juli 2013, 20:29 Uhr

Herr Springer war ein sonderbarer Mann und er versuchte mit BILD auch Politik zu machen. Lesenswert ist noch immer das Werk von Günter Wallraff, welcher sich als Horst Esser 1977 in die BILD Redaktion einschlich. Herr Springer gehörte wohl eher zum Establishment und die 68er Bewegung sah in ihm das Feindbild einer sich innerlich modernisierenden Gesellschaft an.

Ein Verleger von anderem Kaliber war da Rudolf Augstein. Er verstand es trotz oder vielleicht gerade wegen gesellschaftskritischer Inhalte von seinem Nachrichtenmagazin Der Spiegel erfolgreich zu sein. Wer nun zur gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik mehr beigetragen hat – Herr Springer oder Herr Augstein – darüber darf oder sollte gerade heute diskutiert werden!

Uninteressant dagegen finde ich, welches Blatt die Erben aus dem BILD Konzern herauslösen und an wen sie es für wie viel Kohle verscherbeln. Presse findet heute ja eh immer mehr und mehr im Internet statt und rechtzeitiges verkaufen einer Zeitschrift ist daher ökonomisch richtig – falsch gemeinte Romantik ist eher fehl am Platz. Unsere Nachfahren werden BILD eines Tages im Museum betrachten – Sorry, Herr Spreng für diese Wahrheit! ;-)

27) Don Corleone, Sonntag, 28. Juli 2013, 20:42 Uhr

21) Frank Reichelt, Sonntag, 28. Juli 2013, 08:48 Uhr
24) m.spreng, Sonntag, 28. Juli 2013, 13:17 Uhr

Leider wissen wir alle, was für eine Halbwertzeit solche wohltönenden Tröstungen haben: kürzer als ein Soufflé auf einer zugigen Fensterbank. :-)

28) Frank Reichelt, Montag, 29. Juli 2013, 07:04 Uhr

@ m.spreng

Das ist Ansichtssache, ich sehe zwischen “nett” und “gut” schon einen qualitativen Unterschied.

Ich verstehe, dass die Mitarbeiter der Betroffenen Publikationen keinen Nerv für derartige semantische Diskussionen haben und den, zugegeben, in solchen Situationen üblichen Funktionärssprech als zynisch empfinden.

Dennoch ist das Zitat inkorrekt wiedergegeben, und wurde z. b. von Spiegel-online korrigiert. Wenn mehrere Medien über ein Zitat berichten, muss das doch nicht zwingend bedeuten, das es auch richtig ist. Im Gegenteil, gerade heutzutage, wo jeder der erste in der Berichterstattung sein will, ist die Fehlerhaftigkeit der Faktenwiedergabe meiner Ansicht nach deutlich angestiegen.

29) Sabine Zielke-Esser, Montag, 29. Juli 2013, 08:43 Uhr

@ 21 Frank Reichelt

Solche Formulierungen, auch „Sozialklausel“ genannt, sind doch der reine Schmus.

Daß Menschen überhaupt verkauft werden können, quasi als lebendes Inventar, gehört zu den Auswüchsen einer pervertierten Marktwirtschaft, die nicht mehr dem Menschen dient, sondern ihn selbst zu handelbarer Ware degradiert.

Spinnen wir mal diesen Gedanken: Wären die verkauften Mitarbeiter finanziell unabhängig, könnten sie allesamt ihrem neuen Arbeitgeber kündigen. Was hätte die Funke-Gruppe dann gekauft? Einen hohlen Zahn! Ein paar wertlose Titel, die nicht mehr erscheinen könnten.

Daß man einen solchen millionenschweren Deal machen kann, weil man weiß, dass die Mitarbeiter auf ihr Einkommen angewiesen sind – darin liegt der eigentliche Zynismus.

30) Maren P., Montag, 29. Juli 2013, 08:58 Uhr

@ Nr. 26) Horst Klohocker

Sie haben Recht mit Ihrer Auffassung, dass es uninteressant sei, wer was wann verscherbelt, wenn man die Deals allein unter Erwartungen des shareholder value betrachtete. Allerdings gab bzw. gibt es bei (einst) inhabergeführten Unternehmen noch so etwas wie eine Unternehmenskultur. Die haben Springers Erben schnöde beiseite geschoben. Die Springer AG ist kein rein Berliner Unternehmen, sondern ein norddeutsches mit Sitz in Hamburg und hanseatischer Haltung eines ehrbaren Kaufmanns. Aus dieser Haltung heraus hätte Springer das Hamburger Abendblatt niemals im Paket verkloppt, sondern, hätte er überhaupt seine erste Zeitunglizenz verkaufen wollen, immer nach einer Hamburger Lösung gesucht. Döpfner hingegen hat nur gezeigt, dass seinen warmen Worten nicht von hier bis zur Tür zu trauen ist. Und mit dem Ruhrgebiet gibt es nun einmal wenig Berührungspunkte.

Da haben sich Augsteins Erben, obwohl viel unabhängiger, deutlich stärker an den Intentionen ihres Gründers orientiert. Das ist letztlich dann offenbar doch weniger eine Frage des schnöden Mammons, sondern des Charakters, meine ich. Journalisten und Verlegern ist immer noch diese unnachahmliche Mischung aus Verstand und Leidenschaft zu eigen, die der Manager eines Immobilien-Portals kaum zeigt, nicht zeigen muss.

31) Doktor Hong, Montag, 29. Juli 2013, 09:29 Uhr

@25) Politikverdruss

Sie haben durchaus Recht, es gibt ziemlich existentielle Bedrohungen für Europa und damit für Deutschland. Und Sie beobachten richtig, dass in den Medien periodisch Themen gehyped werden.

Vergessen Sie nicht, dass Medienbetriebe Wirtschaftsunternehmen sind, deren einziger Zweck es ist, Profite zu erwirtschaften, nicht aber, qualitativ hochwertige Informationen und Analysen zu liefern. Das passiert vielleicht nebenbei und eher zufällig.

Selbst wenn die Medien das teilweise täten: Ich befürchte allerdings, dass es bereits zu spät ist und die Dinge ihren Lauf nehmen werden. Und das heißt nichts Gutes für die meisten von uns.

Dazu kommt, dass die meisten von uns noch nicht einmal verstanden haben, dass die Interessen “der Wirtschaft” und die Interessen “der Allgemeinheit” sich nicht mehr decken, ja sogar widerstreitend sind.

Auch dieser Konsens ist über Bord gegangen, seit die Flanellmännchen weltweit uns ins Abenteuer Globalisierung geführt haben.

Es gab auch in den USA den Spruch: “Was gut ist für General Motors, ist auch gut für Amerika”, der die erwähnte Deckungsgleichheit zum Ausdruck brachte.

Heute ist Detroit zahlungsunfähig, offiziell konkurs und komplett verranzt. Die Kriminalitätsrate bei Gewaltverbrechen ist die höchste in den ganzen USA. Was gut ist für GM, ist gut für die USA, und auch für Detroit?

@m.spreng
Ich würde die These wagen, dass die von Ihnen geschilderten Vorgänge in derselben Ideologie gründen, wie am Beispiel Detroit geschildert.

32) karel, Montag, 29. Juli 2013, 17:04 Uhr

Dieses Europa stellt ca. 7 % der Weltbevölkerung, erwirtschaftet ca. 25 % des Welt-Sozialprodukts, leistet sich aber ca. 50 % der weltweiten Sozialleistungen.

Ist es da nicht naheliegend, daß die Interessen der Wirtschaft nicht mehr sooo deckungsgleich mit den Interessen der Allgemeinheit sein können?

Sind es nicht die immer höheren gesellschaftlichen Beiträge des ersten Arbeitsmarktes,
die diesen immer stärker erodieren läßt und somit zum Wachstum des 2. Arbeitsmarktes entscheidend beiträgt?

Warum wird die Tatsache verdrängt, daß z.B. die DAX-Konzerne die sie tragenden Gewinne kaum noch im Inland erwirtschaften können? Eine Situation, die auch auf die vielen anderen, insbesondere die mittelständischen Betriebe übertragen werden kann, die ihr Heil ebenso in der globalisierten Welt suchen und oft auch dort finden. Ohne diese im Ausland im harten Wettbewerb erwirtschafteten Gewinne hätte dieses mit Soziallasten überladenen Deutschland keine Zukunft mehr. Eine Situation, die bei einer Weltwirtschaftskrise, die auch ausgelöst werden kann durch ein radikales Euro-Ereignis, dem Radikal-Sozialismus geradeweg in die Hände spielen wird.

Ist es nicht das aktuelles Verhalten nach mehr Staat, mehr Sicherheit, noch größere Sozialleistungen, begleitet von immer weniger Verantwortungsbereitschaft, welches die Zukunft der Gesellschaft und auch die Zukunft der folgenden Generationen immer fragiler werden läßt?

Angesichts dieser unsicheren Perspektiven ist die Axel Springer AG sicherlich gut beraten,
ihre Zukunft in einer Weise zu gestalten, die vielen Vertretern einer heilen Welt nicht gerecht erscheinen kann.

33) Politikverdruss, Montag, 29. Juli 2013, 18:13 Uhr

31) Doktor Hong, Montag, 29. Juli 2013, 09:29 Uhr,

ja, ich teile Ihre Besorgnis über den Medienhype zur Abhöraffäre. Man muss doch mal fragen, warum dieses Thema nicht auch in Frankreich, GB oder anderen europäischen Ländern so in den medialen Vordergrund gehievt wird. Denen ist doch gerade in puncto Qualitätspresse nicht weniger zuzutrauen als den Deutschen. Dass das bei uns schon „ wahnhafte Züge“ angenommen hat, mag vielleicht auch daran liegen, dass Wahlkampf, Sommerloch und das Fehl an polarisierenden Wahlkampfthemen bei der Opposition auf unheilvolle Weise zusammentreffen. Wer aber zwingt die Medien, diesen Hype zu nähren?

Natürlich ist Ihnen zuzustimmen, wenn Sie auf die wirtschaftliche Seite der Medienunternehmen verweisen. Es muss sich auch rechnen. Gleichwohl steht der grundgesetzlichen Privilegierung (Pressefreiheit etc.) der Medien ihre Sorgfalt- und Wahrheitspflicht gegenüber. In diesem Zusammenhang sei an die Ziffer 1 des deutschen Pressekodex erinnert: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“

Insgesamt geht es mir auch gar nicht so sehr darum, dass die Medien auch auf die Höhe der Auflagen achten. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit muss in einem hart umkämpften Markt täglich neu sichergestellt werden. Keine Frage. Wenn aber Themenbereiche bewusst ausgeklammert werden, dann ist für mich die Grenze zu Unwahrheit überschritten. Wer als „Vierte Gewalt“ wahrgenommen werden will, muss auch den Ansprüchen genügen, die damit verbunden sind.

34) Peter, Montag, 29. Juli 2013, 21:05 Uhr

Vielleicht sind es die letzten Züge der BILD-Familie.
Döpfner sagt das wohl noch nicht.
Keine Zeitung geht in Ihrem Online-Auftritt so mit Abo(+) an
das Geld des vorbeisurfenden Kunden heran.
Am besten man besucht Sie mit nem Werbe-Blocker.
Dann können Sie sich aus Ärger gegen die GANZE Welt sperren.
;)

P.S. Der Christlichen Doktoren Union gehen
die Doktoren bald aus.

http://www.focus.de/politik/deutschland/unregelmaessigkeiten-in-doktorarbeit-bundestagspraesident-lammert-soll-plagiiert-haben_aid_1057173.html

lammertplag.wordpress.com

Und wieder ein Doktor-Titel über die Regionale Struktur der CDU in bald noch
mehr strukturschwachem Gebiet.
Denn man Prost!

35) Bernhard Paul, Montag, 29. Juli 2013, 23:33 Uhr

Dass Sie dem alten Axel Cäsar eine solche Gloriole winden, Herr Spreng – nun, Sie kannten ihn ja persönlich. Aus der nüchternen Distanz betrachtet, liest sich Ihr Lobgesang fast schon ironisch. Sie erinnern sich an das berühmte ZEIT-Gespräch Springers mit Ben Witter …

Wenn sich der Springer-Verlag auf diese Weise selbst abwickelt, kann ich nicht böse sein. In der digitalen Welt wird er definitiv nur ein Player von vielen sein. Und das ist nicht schlecht so.

36) Peter Christian Nowak, Dienstag, 30. Juli 2013, 19:07 Uhr

32) karel,

Kommt immer darauf an was man unter “Globalisierung” versteht. Wenn der freie Handel dazu führt, dass Löhne sinken, wird der Ruf nach dem Staat automatisch lauter.. Und dann kommt parallel die Frage, wie viel “Sozialstaat” kann man sich noch leisten?
Also, das eine ohne das andere wird nicht zu haben sein. An dieser Stelle heißt es entweder oder.
Entweder entfesselte Wirtschaft unter dem Synonym “Globalisierung”, oder eine Wirtschaft, gesteuert durch rein nationale (europäische) Interessen. Die Solar-Wirtschaft wäre ein Beispiel hierfür.
Ich wäre für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen globalisierter Wirtschaft und nationalen (europäischen) Wirtschaftsinteressen.

Und eine Überprüfung aller Sozialleistungen auf Effizienz!

37) Journalist, Dienstag, 30. Juli 2013, 19:09 Uhr

@ 31) Doktor Hong, Montag, 29. Juli 2013, 09:29 Uhr

“Vergessen Sie nicht, dass Medienbetriebe Wirtschaftsunternehmen sind, deren einziger Zweck es ist, Profite zu erwirtschaften, nicht aber, qualitativ hochwertige Informationen und Analysen zu liefern. Das passiert vielleicht nebenbei und eher zufällig.”

“Alte” Titel, Stern, Spiegel, Hamburger Abendblatt, Welt, Zeit & Co wurden mit einer anderen Intention gegründet.

38) Doktor Hong, Mittwoch, 31. Juli 2013, 18:54 Uhr

@37) Journalist

Davon bin ich überzeugt. Ich glaube auch, dass eine Mehrheit der Journalisten ihre Arbeit sehr ernst nimmt und wirklich versucht, der Öffentlichkeit gute Information zu liefern.

Dennoch haben sich die Zeiten scheinbar geändert. Man muss sich nur die Entwicklung in den USA anschauen, Stichwort FoxNews.

39) Doktor Hong, Mittwoch, 31. Juli 2013, 19:19 Uhr

@32) karel

Ihre Betrachtungsweise ist – wie gewohnt – recht eindimensional und greift zu kurz. Allerdings würde die Widerlegung Ihrer Argumente zuviel Raum in Anspruch nehmen.

Nur kurz: Die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sind eingefroren worden. Jede Steigerung wird von den Arbeitnehmern bezahlt – was die Kaufkraft verringert.

Ich habe keine Ahnung, was Sie sich vom Sozialstaat zusammenphantasieren. Ich kenne absolut niemanden, der sich einen großzügigeren Ausbau des Sozialstaats wünscht. Die meisten Menschen, die ich kenne, sind besorgt um ihre Arbeitsplatzsicherheit (die Firma eines guten, höchstqualifizierten Freundes von mir ist von einer sog. Heuschrecke übernommen worden, nur als Beispiel), um ihre Ersparnisse, um die Zukunftschancen ihrer Kinder.

Nach Ende des Kalten Krieges sind über 4 Milliarden Menschen in den Weltmarkt eingetreten, die sehr arm sind und für sehr wenig Geld zu arbeiten bereit sind. Das ist ein quasi unerschöpfliches Potential.

Auf die Dauer ist völlig klar, wer der Verlierer dieses Wettbewerbs sein wird. Das Ende wird eine komplett verarmte Bevölkerung in den Industriestaaten sein, bis auf eine winzige Elite, die den kompletten Besitz im Land kontrolliert. Vielleicht sind Sie alt genug, das nicht mehr erleben zu müssen. Ihre Kinder werden aber zu den sicheren Verlierern gehören.

Nächster Punkt: Natürlich sind die transnationalen Unternehmen durch diese Situation extremem Kostendruck ausgesetzt. Diese handeln also im Grunde rational, indem sie Arbeitnehmer feuern und Billiglöhner einstellen. Die Kosten sind aber nicht verschwunden, sondern werden der Allgemeinheit aufgebürdet.

Es ist eine Teufelsspirale: Je größer die Arbeitslosigkeit, je größer die Kosten, je geringer aber die Einnahmen. Erhöht man die Versicherungslasten, verschärft man die Krise, denn es verbleibt weniger Kaufkraft, etc.

Nächster Punkt: Was bringen Ihnen 5% Einsparung bei den Lohnnebenkosten, wenn der Außenwert Ihrer Währung um 30% steigt und Ihre Exporte um 30% teurer macht?

Nächster Punkt: Nur weil hierzulande die Löhne sinken, werden die Unternehmen nicht ihre modernen Produktionsanlagen verschrotten und alte Anlagen von den Chinesen zurückkaufen, die von mehr Arbeitern bedient werden müssen. Nein, der Unternehmer wird sich die Differenz in den Lohnstückkosten als zusätzlichen Gewinn einstreichen.

Nächster Punkt: Die vielgeschmähten Manteltarifverträge waren ein starker Triebfaktor zur Entwicklung der Arbeitsproduktivität in diesem Lande. Schaffte ein Betrieb die erforderliche hohe Produktivität nicht, schied er aus dem Markt aus.

Sie sehen (vielleicht), dass das alles nicht so einfach ist.

Das soll vorerst genügen. Die meisten Medaillen haben zwei Seiten. Allerdings kriegt man das nicht mit, wenn man seine “Bildung” aus der BILD-Zeitung bezieht. Insofern passt dieser Kommentar wieder zur Kolumne.

P.S. Sie könnten der deutschen Wirtschaft dienen, indem Sie die Hälfte Ihres Gehalts Ihrem Arbeitgeber als zusätzlichen Gewinn stiften. Oder, falls Sie selbstständig sind, Ihren Kunden nur die Hälfte berechnen – das senkt Kosten!

40) karel, Samstag, 03. August 2013, 00:03 Uhr

39) Doktor Hong
“recht eindimensional” …… nun gut

Auch die Arbeitgeberanteile sind vom Arbeitnehmer zu erarbeiten. Also “Kosmetik”
Einem mündigen Bürger könnte auch der Arbeitgeberanteil mit dem Lohn ausgezahlt werden,
um sich selbstbestimmt zu versichern. Da nimmt die Politik schon eher Rücksicht auf die Unmündigen und nimmt eher dem Mündigen die Freiheit der Selbstbestimmung.

Die Kita, ein Paradebeispiel des großzügigen Ausbaus des Sozialstaates.
Die wenigsten Mütter zahlen aus ihren Steuern die monatlichen Kosten von ca. 1000 Euro
für die öffentliche Bereitstellung eines Platzes.
Und die “Heuschrecken” wurden ja erst nach der Jahrtausendwende in Deutschland “heimisch”……

Die 4 Milliarden Menschen benötigen Güter aller Art, ein gewaltiges Potential für deutsche Exporteure. Sie sind nicht nur Konkurrenten, auch Kunden. Ein unerschöpfliches Potential.

Verlierer eines Wettbewerbs sind die “Satten”, nicht bereit, “angeeignete” Besitzstände aufzugeben. Besitzstände, eher durch Schulden, vermeintliche Ansprüche, jedoch weniger durch erbrachte Leistungen “erworben”.

Wie diese “Teufelsspirale” funktioniert, erlebte ich in den 70ern. Eine gesellschaftliche Vollbeschäftigung wandelte sich in wenigen Jahren in gesellschaftliche Massenarbeitslosigkeit.
Die Löhne und Renten, die Besoldungen im ö.D. stiegen weitaus schneller als die Produktivität, finanziert durch den Einstieg in die rasante Staatsverschuldung. Die Mechanismen sind längst bekannt, aber erfolgreich verdrängt.

Die stagnierenden Löhne um die Zeit der Jahrtausendwende verbesserten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Hartz-IV hat dagegen den 2. Arbeitsmarkt stigmatisiert.

In den neuen Bundesländern war die “segensreiche” Wirkung der Manteltarifverträge zu beobachen.
Massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen. Heute dagegen gibt es bis auf wenige Cluster kaum noch Manteltarifverträge, dafür wieder vermehrt Arbeitsplätze.

“Bild”, da muß ich Sie leider enttäuschen.
Meine “Bild” ist die “Wirtschaftswoche” im Abo seit Jahrzehnten. Auch “Focus”, “Capital”, “Manager-Magazin” haben meine Aufmerksamkeit.
Das örtlich führende linkslastige Provinzblatt, redaktionell der WAZ angelehnt, habe ich längst “ausgemustert”. Was ebenso auch für die Sendungen rund um den “ARD” zutrifft.
Ich begann meine berufliche Laufbahm mit 15 als Lehrling, also kein Abitur, kein Studium.
Ich beendete meine berufliche Laufbahn als Leiter eines Rechnungswesen in einem Tochterunternehmen eines DAX-Konzerns mit ca. 500 Beschäftigten in 6 Werken, das einen 3-stelligen Millionenumsatz erwirtschaftete.
.
Ich diente dem Unternehmen und damit der Wirtschaft mit einem äußerst effizient geführten Rechnungswesen, was die Geschäftsführung mit einer entsprechenden Dotierung wertschätzte.
Einem Rechnungswesen mit engagierten Mitarbeitern, welches ohne Mobbing, ohne Abmahnungen, ohne Kündigungen auskam, dafür im Konzern-Leistungsvergleich keinen Vergleich zu scheuen brauchte.

Die hiesigen Beiträge eines StefanP kann ich daher sehr wohl nachvollziehen und bewerte sie im Gegensatz zu vielen Mit-Diskutanten durchweg positiv.

Gruß
karel

41) StefanP, Samstag, 03. August 2013, 11:43 Uhr

@39) Doktor Hong

Dafür, dass Sie nicht auf alles eingehen wollten, ist Ihr Beitrag aber sehr lang geraten. :-)

Auf die Dauer ist völlig klar, wer der Verlierer dieses Wettbewerbs sein wird. Das Ende wird eine komplett verarmte Bevölkerung in den Industriestaaten sein (..).

Mit Sicherheit nicht. Was wir seit zwei Dekaden erleben, ist ein schleichender Anpassungsprozess. In den entwickelten Industriestaaten steigen die Löhne weit langsamer als in den Jahrzehnten zuvor, was eine Ausdifferenzierung der Löhne miteinschließt. Mit anderen Worten: einfache und mittelschwere Tätigkeiten stehen unter stärkerem Anpassungsdruck, weshalb hier auch die Löhne tendenziell sinken. In den Schwellenländern steigen die Löhne dafür rasant: in China, Indien, Südamerika, was gleichbedeutend mit einer schnellen Verbesserung der Lebensbedingungen ist. Warum sollte man auf Dauer im Westen höhere Einkommen haben als in Asien?

Natürlich sind die transnationalen Unternehmen durch diese Situation extremem Kostendruck ausgesetzt.

Diese zahlen üblicherweise weit überdurchschnittliche Löhne. Ihre Weltanschauung passt nicht zur Realität.

Was bringen Ihnen 5% Einsparung bei den Lohnnebenkosten, wenn der Außenwert Ihrer Währung um 30% steigt und Ihre Exporte um 30% teurer macht?

Deswegen ist das Ziel der Geldpolitik die Außenwertstabilität der Währung. Das passt nicht zur Weltanschauung der Vulgär-Keynesianer.

Die vielgeschmähten Manteltarifverträge waren ein starker Triebfaktor zur Entwicklung der Arbeitsproduktivität in diesem Lande.?

… was gleichzusetzen ist mit steigender Arbeitslosigkeit für das wachsende Heer derjenigen, die die Produktivitätsanforderungen nicht erfüllen können. Es wundert nicht, dass – wie die OECD bemängelt – in den letzten 10 Jahren die Produktivitätsentwicklung in Deutschland unterdurchschnittlich war. Schließlich wurden viele Langzeitarbeitslose mit geringer Produktivität wieder in den Arbeitsmarkt integriert. Man kann nicht alles haben, Sie scheinen wachsende Arbeitslosigkeit zu präferieren.

Die meisten Medaillen haben zwei Seiten.

Daran sollten Sie öfter denken. Und es nicht nur schreiben.

@40) karel

Ich diente dem Unternehmen und damit der Wirtschaft mit einem äußerst effizient geführten Rechnungswesen (..).

Das erklärt vieles. ;-)

42) Doktor Hong, Samstag, 03. August 2013, 20:36 Uhr

@41) StefanP

Diese zahlen üblicherweise weit überdurchschnittliche Löhne. Ihre Weltanschauung passt nicht zur Realität.

Der erste Teil stimmt. Ich komme aus einem Ort, wo ein sehr großer Automobilzulieferer ein Werk unterhält. Als mein Vater dort beschäftigt war, fanden 5500 Mitarbeiter dort Arbeit. Heute sind es 1200. Aber es stimmt, sie werden nach Tariflohn bezahlt. Der Rest der Produktion ist in Niedriglohnländer ausgelagert worden.

was gleichzusetzen ist mit steigender Arbeitslosigkeit für das wachsende Heer derjenigen, die die Produktivitätsanforderungen nicht erfüllen können. (…)

Den ersten Teil gebe ich Ihnen zu: Das war tatsächlich das Drückende der Kohl-Ära, ein riesiges Heer an Langzeitarbeitslosen bei steigender Produktivität.

Schröder hat versucht, das mit seiner Agenda-Politik aufzubrechen, und dabei auch einige Verwerfungen erzeugt. Was sicher nicht gerecht gewesen ist, dass der eine oder andere Cleverle Stütze bezogen hat, ein paar Stunden schwarz arbeiten war und am Ende bar mehr auf der Hand hatte als jemand, der den ganzen Tag schaffen geht. Auch das ist soziale Ungerechtigkeit.

Man kann nicht alles haben, Sie scheinen wachsende Arbeitslosigkeit zu präferieren.

Mit Schein und Sein ist das so eine Sache. Ehre und Respekt gebühren dem, der den Verstand hat, zwischen beidem zu unterscheiden. :)

Was den Außenwert der Währung angeht: Was machen Sie, wenn die FED “Quantitative Easing” betreibt und pro Monat 85 Milliarden neue Dollars in den Markt bläst? Sie kaufen also die Dollars auf und erzeugen dabei neue Euros, die in den europäischen Währungsraum geblasen werden. Was ist die Folge, wenn die europäische Wirtschaft nicht im gleichen Maße wächst wie die Geldversorgung?

Wir hatten während Bretton Woods und dem Vietnamkrieg bereits exakt dasselbe Problem mit der D-Mark.

Die meisten Medaillen haben zwei Seiten.

Daran sollten Sie öfter denken. Und es nicht nur schreiben.

Sie sind frei, beliebig Ratschläge zu erteilen, und ich bin frei, beliebig Ratschläge anzunehmen oder auch nicht. Sie werden mir verzeihen, wenn dieser Ratschlag aus Ihrem berufenen Munde mir eher nur ein Schmunzeln entlockt. :)

Lassen Sie mich es mal so ausdrücken.

Wirtschaftsunternehmen haben ihre Interessen, die vollkommen berechtigt sind, und Arbeitnehmer haben völlig berechtigte Interessen. Beispiel: Der Unternehmer will Flexibilität, der Arbeitnehmer Beständigkeit, sprich Arbeitsplatzsicherheit. Der Unternehmer will möglichst wenig zahlen, der Arbeitnehmer möglichst viel Einkommen (und erzählen ausgerechnet Sie mir nicht, dass sei nicht so :) ).

Beides sind legitime, aber widerstreitende Interessen. Und, noch wichtiger: Wenn eine Seite es übertreibt, dann kann sie sich am Ende damit selber schaden. Wenn also die Arbeitnehmer mehr Lohn erstreiten, als es die Produktivität des Betriebs hergibt, dann geht der Betrieb unter und am Ende haben sie sich selber geschadet. Umgekehrt wird ein Unternehmen in einem Land, in dem es keine kaufkräftige Klientel gibt, kaum mit Luxusartikeln Geld verdienen können.

Deswegen habe ich ein riesiges Problem mit ideologisch fundierten Positionen, die a priori postulieren, die eine Seite habe Recht und die andere Unrecht. Ich bin da zu sehr von Karl Popper geprägt und seinem Buch “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”.

Ebenso gibt es ein Spannungsfeld zwischen innerer Sicherheit und Freiheit. Ein total überwachter Bürger ist nicht frei! Denn jede historische Erfahrung zeigt, dass übergroße Machtkonzentrationen schon immer MIssbrauch zur Folge gehabt haben. So sind die Menschen leider auch.

Das muss man diskutieren und aushandeln können! Als Gesellschaft muss irgendwo ein Konsens gefunden werden, wo das legitime Sicherheitsbedürfnis des Staates aufhört und die Freiheit der Bürger beginnt.

Mir persönlich geht das Sicherheitsbedürfnis der westlichen Staaten augenblicklich zu weit. Ich finde es nicht richtig, wenn der “Leuchtturm der Freiheit” Verdächtige in einem karibischen Lager ohne Anklage, Rechtsbeistand und Prozess einfach einsperrt, Staatsbürger mit Drohnen tötet und ein internationales Netz von Foltergefängnissen unterhält. Aber das ist nur mein persönliches Werturteil, das offenbar nicht von allen geteilt wird.

43) StefanP, Sonntag, 04. August 2013, 17:43 Uhr

42) Doktor Hong

Es gehört zum Wesen effizienten Wirtschaftens, ein Gut oder eine Leistung im Zeitablauf mit immer weniger Aufwand herstellen zu können. Auch Ihr Automobilzulieferer wird entweder heute weniger Menschen als vor 30 Jahren beschäftigen oder seinen Marktanteil / Produktportfolio deutlich ausgeweitet haben. Deswegen sind permanente Neugründungen von Unternehmen und unternehmerische Risikofreude so wichtig. Und dazu benötigen wir übrigens “Risikokapital”, das Private Equity-Unternehmen bereitstellen. Und das wiederum kommt nur über die Finanzmärkte und nicht die örtliche Sparkasse.

An den stark steigenden Löhnen der 1970er und 1980er Jahre war doch nicht die Kohl-Regierung schuld, sondern vor allem die Gewerkschaften, die mit ihrer Organisations- und Marktmacht die vielen mittelständischen Unternehmen erpressten. Ab 1990 schlug das System zurück.

Mir geht es nicht um Sozialmissbrauch. Jedes System, wo es um ökonomische Vorteile geht, wird auch missbraucht. Das ist selten das zentrale Problem. Das Kernproblem war, dass unser 3-Schicht-System systematisch einmal entlassene Erwerbstätige stilllegte. Wer das bestreitet, muss sich nur die langen Reihen der Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland ansehen. Der Anteil derjenigen, die länger als 1 Jahr keiner Beschäftigung mehr nachgegangen sind, ist seit 30 Jahren der höchste in der OECD. Seit den Arbeitsmarktreformen ist der Anteil zwar gesunken (d.h. mehr Erwerbslose kommen schneller wieder in einen Job), aber immer noch mit rund 50% außerordentlich hoch. Es lässt sich also unmöglich bestreiten, dass das alte System Arbeitslosigkeit zementiert und die Agenda 2010 Langzeitarbeitslosigkeit abgebaut hat.

Die ständige Abwertung einer Währung führt langfristig zum Abstieg einer Wirtschaftsnation. Dauerhafte Vorteile lassen sich damit nicht gewinnen. Japan wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit einen Backslash erleben. Zum einen werden die anderen Notenbanken auf die Politik Nippons reagieren, zum anderen verteuern die Japaner gerade massiv ihre Importe, auf die ihre Wirtschaft essentiell angewiesen ist.

Sie irren: Unternehmen orientieren sich kaum noch an nationalen Märkten, Produktions- und Marktpolitik sind weitgehend global ausgerichtet. Für Rolls-Royce (BMW) ist es beispielsweise weitgehend uninteressant, wieviel ein deutscher Arbeiter verdient. Sie verkaufen weltweit 3.000 Autos, davon 60 in Deutschland. Für Bentley sieht es ähnlich aus. Hugo Boss vermarktet den Großteil seiner Waren in Nordamerika und Asien, wo sie aufgrund einer Höherpositionierung der Marke deutlich bessere Preise erzielen. Den Konsumenten interessiert dabei nicht, welche Lohnkosten in das Produkt eingehen. Deswegen werden die Blaumänner schlecht entlohnt, die Produktentwickler, Ideengeber und Manager der Organisation dagegen sind heiß begehrt und entsprechend bezahlt. Wer diese fundamentale Veränderung der globalen Wirtschaft weg von den Nationalökonomien hin zu angebotsorientierten Systemen nicht berücksichtigt, steuert an der Realität vorbei. Deswegen sind Linke von vorgestern. :-)

44) Frank Reichelt, Montag, 05. August 2013, 12:42 Uhr

@ m.spreng

Einer dieser jungen Journalistenschnösel, Jakob Augstein, hat in der Online-Ausgabe des “Freitag” einen meiner Ansicht nach lesenswerten Kommentar mit dem Titel “Extrabyte! Extrabyte!” zum Thema abgegeben. Ich kann leider keinen Link setzen, aber sie werden es schon finden, wenn sie Interesse haben.

Kleiner Vorgeschmack:

“Und wenn alte Fahrensleute daran erinnern, dass am Blatt noch Axels Fingerabdrücke kleben, muss man sagen: Nostalgie hat im Journalismus nichts verloren.”

Das sitzt, was?

45) Doktor Hong, Montag, 05. August 2013, 15:13 Uhr

@43) StefanP

Ich sehe die Entwicklung weg von Nationalökonomien durchaus deutlich, und deswegen ist mir auch klar, dass klassische nationalökonomische Maßnahmen leer drehen müssen. Insofern bin ich ebenfalls kein Fan von den Linken.

Nun sind die Zustände in Deutschland lange noch nicht so verkommen wie in den USA. Dort ist sichtbar, dass die Verheißungen der Globalisierung, in den entwickelten Ländern eine “New Economy” zu etablieren, einfach nicht stimmen. Die Mittelschicht in den USA erodiert mit zunehmendem Tempo, und manche Gegenden unterscheiden sich kaum von den Slums in Afrika. So weit sind wir hier gottseidank noch nicht.

Es mag ja sein, dass die Ideengeber, Produktentwickler und Manager heiß begehrt sind und viel Geld verdienen. Aber so viele Stellen gibt es in diesem Sektor nicht, um damit 470 Millionen EU-Bürger zu versorgen. Der Rest verarmt, oder, euphemistisch gesprochen, “erdulden Einkommensanpassungen”.

Das kann einem egal sein oder auch nicht. Es ist erlaubt zu fragen, wie man einer solchen Entwicklung entgegensteuern kann, genauso wie man das achselzuckend hinnehmen kann. All das ist sicher auch eine Frage des persönlichen Wertesystems.

Was die Japaner da machen, ist sicherlich ein gewagtes Experiment. Ich wollte mit meiner Argumentation darauf hinaus, dass Notenbankinterventionen mit dem Ziel, den Außenwert der Währung stabil zu halten, zu heimischer, “importierter” Inflation führen.

Mit besonderer Sorge sind wohl auch die Pläne der EZB zu betrachten, die Staatsschulden der Euro-Staaten zu monetarisieren, um sie zahlungsfähig zu halten. Ohne jetzt das Vertragswerk genau zu kennen, meine ich, gelesen zu haben, dass direkte Staatsfinanzierung durch die EZB eigentlich vertraglich untersagt sei.

Ich bin mal gespannt, wie sich die dabei entstehenden gigantischen Schuldengebirge hinterher in Wohlgefallen auflösen.

46) StefanP, Montag, 05. August 2013, 17:26 Uhr

@45) Doktor Hong

Die Mittelschicht erodierte in den USA seit Beginn der 1980er Jahre, mithin seit über 30 Jahren. Genaugenommen ist die Entwicklung in den letzten Jahren weitgehend zum Stilstand gekommen. Tatsächlich zeigen die Analysen der OECD, dass in Staaten mit überdurchschnittlicher Einkommensspreizung die Schere zuletzt etwas wieder zusammengegangen ist, während die Einkommensunterschiede in Ländern mit relativ gleicher Verteilung zugenommen haben. Insgesamt gab es also in den letzten 10 Jahren eine internationale Anpassung. Das passt zu dem Argument, dass Löhne und Einkommen zunehmend global verhandelt und entschieden werden.

Jedenfalls geht es den oberen 50% der Einkommensbezieher weitgehend gut. Sie konnten ihre Position innerhalb einer Dekade sogar verbessern. Am anderen Ende sieht es weniger erfreulich aus. Es ist keineswegs so, dass ich diese Trends nicht kritisch sehe. Aber ich kann sie nicht ändern, nur beschreiben. Nach meiner Auffassung sind wir an Grenzen der menschlichen Belastbarkeit angekommen. Das gilt über fast alle Schichten hinweg. In den guten Positionen ist die Psychische Belastung so hoch, dass Burn-Out-Syndrome und Demotivationen stark zugenommen haben. Hinzu kommt die hohe Beanspruchung durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse und der geforderten zeitlichen und örtlichen Mobilität. Im prekären Bereich sind die Zeitjobs zudem noch sehr schlecht entlohnt. Und gerade in Schwellenländern hat die Ausbeutung der Arbeitskräfte jedes Maß überschritten.

Der Haken: jede Änderung, die ich mir vorstellen kann, führt zu deutlichen materiellen Einbußen und wirtschaftlichem Abstieg in einer Welt, wo unsere öffentlichen Systeme und privaten Verhältnisse auf ein Immer mehr eingestellt sind. Hier sehe ich eine große internationale Aufgabe von Liberalen und Sozialdemokraten, Ideen zu entwickeln.

47) Erwin Gabriel, Mittwoch, 07. August 2013, 09:12 Uhr

@ Dr. Hong, Stefan P.

Spannende Diskussion. Sehr interessant für mich zu verfolgen, wie Sie sich den beiden Seiten der gleichen Medaille nähern.
.

@ karel
Ich kann, nachdem ich Ihren zurückgelegten Weg kenne, den einen oder anderen Standpunkt Ihrerseits nachvollziehen. Ich bin dennoch der Meinung, dass Sie sich irren, wenn Sie das Verhalten der Unternehmen in “richtig” und das der Gewerkschaften in “falsch” unterteilen. Die von Ihnen zu recht kritisierte Lohnsteigerungsspirale der 70er Jahre wurde dadurch ausgelöst, dass die Unternehmen vorher die Leute bei üppigen Gewinnen allzu lange allzu kurz hielten. Da liegt die Schuld, soweit ich das beurteilen kann, durchaus auf beiden Seiten.

Gier ist auf beiden Seiten fast immer der Antrieb. Und Macht, egal auf welcher Seite, wird oft bis zum letztmöglichen Quentchen ausgenutzt. Das ist in großen Unternehmen und bei gewerkschaften ein grundsätzliches Problem.
In Familien- bzw. Eigentümer-geführten mittelständischen Betrieben ist Gier nur selten das maßgebliche Motiv. Da ist das Verständnis für die Situation des anderen und somit auch das Miteinander meist erheblich größer.

48) Wow, Dienstag, 13. August 2013, 11:35 Uhr

In den Zeiten der “goldenen Uhren” zu Weihnachten sprudelte auch beim Springer-Verlag das Geld aus 2 Quellen: aus dem Verkauf der Printmedien an die Leser und dem Verkauf des Anzeigenraums an die Inserenten. Treiber bei diesem Geschäfts war die journalistische Qualität und daraus resultierend die Auflage. Dieses Zusammenspiel in einem geschlossenen Raum (Titel) gibt es seit langer Zeit nicht mehr. Die Inserenten wechselten als erste ins Internet. Dann mehr und mehr die Leser, weil die meisten Verleger ihren Erfolgstreiber (Journalismus) kostenlos abgaben. Warum nur? Weil sie glaubten auf diesem Weg Leser zu binden und die verkaufte Auflage zu stärken? Ein Riesenfehler, den man nun auf unterschiedliche Welse gutmachen will. Springer geht aus meiner Sicht den richtigen Weg: A. Konzentration auf zwei journalistische nationale Marken, die sowohl gedruckt wie auch digital gegen Geld vertrieben werden. B. Verkauf von Anzeigenraum im weitesten Sinn über eingeführte Internet-Marken. Hoffentlich demnächst auch über die Scout24-Gruppe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Verlagen in der Vergangenheit das meiste Wasser abgegraben hat.
Also: warum das Jammern! Alles hat seine Zeit und seinen Raum.

49) Rapunzel, Freitag, 23. August 2013, 15:04 Uhr

Im Namen Axel Springers hat zuletzt das Berliner Hofpropagandainstitut “Die Welt” versucht Herrn Steinbrück eine STASI Vergangenheit anzudichten. Erwartbar erfolglos, wie die Veröffentlichung der Akten durch Steinbrück selbst belegte. Zu Lebzeiten Axel Springers wäre Frau Merkel mit ihrer SED Propaganda Vergangenheit nicht so eunfach davon gekommen.
Das offensichtlich heute SEDnahe Blatt “Die Welt” hat so die Hosen herunter gelassen -sein wahres Gesicht gezeigt- und das Armutszeugnis das der deutsche Journalismus heute bietet allzu deutlich untermauert.

Ich schliesse mich dem Wahlkampf an:
Freiheit statt Merkel !

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