Freitag, 26. Juli 2013, 09:43 Uhr

Im Namen Axel Springers

Axel Springer war ein genialer, aber auch ein sonderbarer Mann. Aber eines war er gewiss – ein Journalist aus Leidenschaft. Und als Verleger liebte er seine Journalisten. Sie standen bei ihm immer an erster Stelle, erst dann kamen die „Flanellmännchen“, wie er die Verlagsleute nannte. Er liebte Journalisten, wie es ein Patriarch tut – besitzergreifend, bestimmend, aber voller verlegerischer Leidenschaft und großer sozialer Fürsorglichkeit.

Springers erste Zeitung war das „Hamburger Abendblatt“, seine erste Zeitschrift die „Hörzu“. Sie tragen seine DNA. Beide sind künftig keine Springer-Blätter mehr, sondern Teil eines textverarbeitenden Betriebes namens Funke-Gruppe. Sie ausgerechnet an dieses journalistenverachtende Unternehmen zu verkaufen, heißt, Goldfische im Piranhabecken auszusetzen. Springer-Vorstand Andreas Wiele sieht das zynisch so: „Wir haben für sie ein neues nettes Zuhause gefunden“.

„Abendblatt“, „Hörzu“ und die anderen verkauften Blätter erwirtschafteten bei 512 Millionen Euro Umsatz eine Rendite von 95 Millionen. Eine Traumrendite. Die meisten deutschen Unternehmen hätten gerne solche Zahlen. Es gab also keine dringende unternehmerische Notwendigkeit für den Verkauf. Aber der frühere Verlag Axel Springers ist auf dem Weg zum Digitalunternehmen. Print stört dabei nur. Preisvergleichsportale statt gedrucktem Wort. Andere Verlage verkaufen schon Tierfutter. Das wird bei Springer auch noch kommen.

Das kann man alles machen. Man kann Print-Journalisten als Auslaufmodelle sehen, als Hindernisse auf dem Weg zum digitalen Unternehmen, als Verschubmasse bei der Umstrukturierung. Das kann man im Rahmen der Marktwirtschaft alles machen, aber warum immer noch im Namen des leidenschaftlichen Verlegers Axel Springer? Konsequent wäre es, auch den Namen abzulegen wie einen ausgelatschten Schuh. Die 920 Millionen Verkaufserlös müssten doch für eine Beteiligung an Zalando reichen.

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49 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Mittwoch, 07. August 2013, 09:12 Uhr

@ Dr. Hong, Stefan P.

Spannende Diskussion. Sehr interessant für mich zu verfolgen, wie Sie sich den beiden Seiten der gleichen Medaille nähern.
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@ karel
Ich kann, nachdem ich Ihren zurückgelegten Weg kenne, den einen oder anderen Standpunkt Ihrerseits nachvollziehen. Ich bin dennoch der Meinung, dass Sie sich irren, wenn Sie das Verhalten der Unternehmen in „richtig“ und das der Gewerkschaften in „falsch“ unterteilen. Die von Ihnen zu recht kritisierte Lohnsteigerungsspirale der 70er Jahre wurde dadurch ausgelöst, dass die Unternehmen vorher die Leute bei üppigen Gewinnen allzu lange allzu kurz hielten. Da liegt die Schuld, soweit ich das beurteilen kann, durchaus auf beiden Seiten.

Gier ist auf beiden Seiten fast immer der Antrieb. Und Macht, egal auf welcher Seite, wird oft bis zum letztmöglichen Quentchen ausgenutzt. Das ist in großen Unternehmen und bei gewerkschaften ein grundsätzliches Problem.
In Familien- bzw. Eigentümer-geführten mittelständischen Betrieben ist Gier nur selten das maßgebliche Motiv. Da ist das Verständnis für die Situation des anderen und somit auch das Miteinander meist erheblich größer.

2) Wow, Dienstag, 13. August 2013, 11:35 Uhr

In den Zeiten der „goldenen Uhren“ zu Weihnachten sprudelte auch beim Springer-Verlag das Geld aus 2 Quellen: aus dem Verkauf der Printmedien an die Leser und dem Verkauf des Anzeigenraums an die Inserenten. Treiber bei diesem Geschäfts war die journalistische Qualität und daraus resultierend die Auflage. Dieses Zusammenspiel in einem geschlossenen Raum (Titel) gibt es seit langer Zeit nicht mehr. Die Inserenten wechselten als erste ins Internet. Dann mehr und mehr die Leser, weil die meisten Verleger ihren Erfolgstreiber (Journalismus) kostenlos abgaben. Warum nur? Weil sie glaubten auf diesem Weg Leser zu binden und die verkaufte Auflage zu stärken? Ein Riesenfehler, den man nun auf unterschiedliche Welse gutmachen will. Springer geht aus meiner Sicht den richtigen Weg: A. Konzentration auf zwei journalistische nationale Marken, die sowohl gedruckt wie auch digital gegen Geld vertrieben werden. B. Verkauf von Anzeigenraum im weitesten Sinn über eingeführte Internet-Marken. Hoffentlich demnächst auch über die Scout24-Gruppe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Verlagen in der Vergangenheit das meiste Wasser abgegraben hat.
Also: warum das Jammern! Alles hat seine Zeit und seinen Raum.

3) Rapunzel, Freitag, 23. August 2013, 15:04 Uhr

Im Namen Axel Springers hat zuletzt das Berliner Hofpropagandainstitut „Die Welt“ versucht Herrn Steinbrück eine STASI Vergangenheit anzudichten. Erwartbar erfolglos, wie die Veröffentlichung der Akten durch Steinbrück selbst belegte. Zu Lebzeiten Axel Springers wäre Frau Merkel mit ihrer SED Propaganda Vergangenheit nicht so eunfach davon gekommen.
Das offensichtlich heute SEDnahe Blatt „Die Welt“ hat so die Hosen herunter gelassen -sein wahres Gesicht gezeigt- und das Armutszeugnis das der deutsche Journalismus heute bietet allzu deutlich untermauert.

Ich schliesse mich dem Wahlkampf an:
Freiheit statt Merkel !

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