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Im Namen Axel Springers

Axel Springer war ein genialer, aber auch ein sonderbarer Mann. Aber eines war er gewiss – ein Journalist aus Leidenschaft. Und als Verleger liebte er seine Journalisten. Sie standen bei ihm immer an erster Stelle, erst dann kamen die „Flanellmännchen“, wie er die Verlagsleute nannte. Er liebte Journalisten, wie es ein Patriarch tut – besitzergreifend, bestimmend, aber voller verlegerischer Leidenschaft und großer sozialer Fürsorglichkeit.

Springers erste Zeitung war das „Hamburger Abendblatt“, seine erste Zeitschrift die „Hörzu“. Sie tragen seine DNA. Beide sind künftig keine Springer-Blätter mehr, sondern Teil eines textverarbeitenden Betriebes namens Funke-Gruppe. Sie ausgerechnet an dieses journalistenverachtende Unternehmen zu verkaufen, heißt, Goldfische im Piranhabecken auszusetzen. Springer-Vorstand Andreas Wiele sieht das zynisch so: „Wir haben für sie ein neues nettes Zuhause gefunden“.

„Abendblatt“, „Hörzu“ und die anderen verkauften Blätter erwirtschafteten bei 512 Millionen Euro Umsatz eine Rendite von 95 Millionen. Eine Traumrendite. Die meisten deutschen Unternehmen hätten gerne solche Zahlen. Es gab also keine dringende unternehmerische Notwendigkeit für den Verkauf. Aber der frühere Verlag Axel Springers ist auf dem Weg zum Digitalunternehmen. Print stört dabei nur. Preisvergleichsportale statt gedrucktem Wort. Andere Verlage verkaufen schon Tierfutter. Das wird bei Springer auch noch kommen.

Das kann man alles machen. Man kann Print-Journalisten als Auslaufmodelle sehen, als Hindernisse auf dem Weg zum digitalen Unternehmen, als Verschubmasse bei der Umstrukturierung. Das kann man im Rahmen der Marktwirtschaft alles machen, aber warum immer noch im Namen des leidenschaftlichen Verlegers Axel Springer? Konsequent wäre es, auch den Namen abzulegen wie einen ausgelatschten Schuh. Die 920 Millionen Verkaufserlös müssten doch für eine Beteiligung an Zalando reichen.