Montag, 29. Juli 2013, 13:47 Uhr

Springers Geschenke

Weil gerade so viel über Axel Springer geschrieben wird, hier noch eine Anekdote:

Axel Springer zahlte früher seine Redakteuren nicht nur gute Gehälter, sondern beschenkte sie auch zu Weihnachten: jeder Redakteur erhielt zusätzlich zum Weihnachtsgeld noch ein Geschenk (einen Fernseher oder ähnliches) und eine große Kiste voller Delikatessen des Hamburger Feinkostgeschäftes Michelsen. Und zum Jubiläum des jetzt verkauften Abendblattes gab es für alle Angestellten eine Goldmünze.

Ich kam als junger Redakteur noch in den Genuss der Goldmünze,  einer Rollei C 35 und der Delikatessen, bis der Betriebsrat verlangte: Geschenk für alle Verlagsangestellten oder keinen. Ergebnis: das Weihnachtsgeschenk für die Redakteure wurde abgeschafft, genauso wie Feinkostkiste ein paar Jahre später.

Ein altgedienter Chefredakteur berichtete mir von einem Treffen mit Springer auf Gut Schierensee: Schon von weitem wedelte Springer mit einem Autoschlüssel – ein Sportwagen als Geschenk für Auflagenerfolg.

Das kann man jetzt als patriarchalisch bezeichnen, aber gefreut hat´s die Redakteure dennoch.

Chefredakteure wurden übrigens früher vom Aufsichtsrat, nicht vom Vorstand bestellt, was ihre Stellung natürlich stärkte.

So, das war genug Nostalgie, heute geht´s für viele Printjournalisten ums reine Überleben.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

4 Kommentare

1) Rapunzel, Dienstag, 30. Juli 2013, 13:39 Uhr

Ojeh, ist es wirklich so schlimm Herr Spreng ?

Nix für ungut aber Ihre Ausführungen erinnern mich irgendwie an die von Industrie- und Zechenarbeitern aus den 80er Jahren.
Hier wurden denn auch an dem Tag begonnen die alten Bosse zu idealisieren, als klar wurde das die neuen, sich plötzlich in einer weltweiten Konkurrenz befindend, Wirtschaftlichen Zwängen stellen mussten.
Die Enttäuschung über den Wegfall der patriarchalischen Scheinsicherheit (vielfach eben nur aus politisch strategischen Überlegungen künstlich am Leben erhalten) führte an Ende zu solch bizarren öffentlichen Auftritten wie der denkwürdigen Body Building Minenarbeiter Demo seinerzeit. Also, bittre bewahren Sie Haltung und Fassung. Ersparen Sie uns solcherlei Anblicke.

Das haben Sie ja auch gar nicht nötig, wie Ihr wunderbar freies BLOG Sprengsatz.de zeigt.
Denn hier wird lebhaft diskutiert und nicht wie bspw. Blogfraktion.de nur zensiert. Letzteres gehört daher noch in die alte Welt. Sie sind doch bereits zukunftssicher in der neuen angekommen.

Danke noch mal für diese Plattform. Respekt für Ihren Mut zur Freiheit (der heute leider so vielen fehlt) !

2) Beate, Dienstag, 30. Juli 2013, 19:53 Uhr

Wie war es früher bei Henkel in Düsseldorf?

Mittagessen für alle war umsonst.

Und zu Weihnachten gab es auch ne grosse Tüte.

Und jetzt.

Verdienen die Unternehmen mehr Geld als je.

Sie investieren das Geld nicht in REALES Sachvermögen, denn dann hätten auch meine Kinder mal eine Chance auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz.

Jetzt gehen sie damit ins Casino.

Die geringen Investitionen sind zur Achillesferse für unsere Zukunft geworden.

Glauben Sie das die Funkegruppe jetzt Geld übrig um in die Übernahmen zu INVESTIEREN?

3) JG, Donnerstag, 01. August 2013, 08:09 Uhr

@ Rapunzel

Stimmt: Die Zeiten „patriarchalischer Scheinsicherheit“, als die Angestellten aus politisch-strategischen Überlegungen („Humankapital“ und so) mit Wohlstand und Wohltaten gequält wurden, sind ja nun glücklicherweise vorbei.

Die neuen Bosse, sich plötzlich in einer weltweiten Konkurrenz befindend, haben sich wirtschaftlichen Zwängen gestellt und auf die Globalisierung reagiert: Nicht, daß am Ende ein deutsches Krankenhaus noch in Shanghai geputzt würde, die Berliner U-Bahn nach Bombay verlegt oder der bayerische Kindergarten nach Kambodscha.

Und weil die (natürlich alternativlosen) Anpassungsmaßnahmen (mehr Arbeit, mehr Druck, weniger Geld, weniger Sicherheit, mieseste Behandlung) so erfolgreich waren, können Unternehmen wie Springer mittlerweile Rekordgewinne vermelden.

4) Erwin Gabriel, Sonntag, 29. September 2013, 14:11 Uhr

@ 3) JG, Donnerstag, 01. August 2013, 08:09 Uhr

Aufgrund der Globalisierung regiert das Kapital und wird immer stärker. Ja, eine Globalisierung hat Auswirkungen auf das hiesige Wirtschaftsleben, auch in Krankenhäusern. Es ist allzu schlichtes Denken, das einfach zu negieren.

@ m.spreng

>> heute geht´s für viele Printjournalisten ums reine Überleben.
Freud’sche Fehlleistung meinerseits – habe im ersten Durchgang „Populisten“ statt „Printjournalisten“ verstanden 🙂

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