Montag, 05. August 2013, 16:17 Uhr

Retro-Wahlkampf der CDU

Hätten wir nicht den Euro und wäre die Parteifarbe heute nicht Orange, dann könnten die CDU-Wahlplakate, die jetzt auf mehr als 8.000 Großflächen geklebt werden, auch aus der Zeit stimmen, als Kurt Georg Kiesinger oder Helmut Kohl noch Kanzler waren. Sie sind noch weniger modern als die Partei heute ist – nämlich gar nicht. Retro-Wahlkampf aus dem Adenauer-Haus.

Ein Plakat zeigt eine Oma mit ihrem Enkel und dem Spruch: „Solide Finanzen sind wichtig. Weil wir an morgen denken“. Auf einem anderen eine junge Familie: „Jede Familie ist anders. Und uns besonders wichtig“. Wobei das „anders“ für CDU-Verhältnisse fast schon wieder modern  ist.

Oder ein drittes Plakat. Zwei junge Leute auf einem Motorrad: „Wachstum braucht Weitblick. Und einen stabilen Euro“. Mit „D-Mark“ hätte es auch Ludwig Erhard kleben können.

Diese Plakate bewegen natürlich keine Wählerstimmen. Sie taugen nicht einmal als Hallo-Wach-Signal, dass demnächst gewählt wird. Aber sie signalisieren: Die CDU bleibt wie sie ist. Langweilig, aber berechenbar. Sie ist wie ein altes Möbelstück, das einem vertraut ist. Mehr müssen die Plakate auch nicht leisten.

Die Plakate verströmen ein unaufälliges, wohliges und vertrautes Gefühl aus der Zeit, alls noch alles gut war – oder schien. Und sie sind nicht so unverständlich und kontraproduktiv wie die Plakate der SPD. Und sie duzen die Wähler auch nicht wie die der Grünen.

Und sie passen hevorragend zum Einschläferungswahlkampf der CDU, auch asymmetrische Demobilisierung genannt. Aufregen kann sich darüber keiner, auch kein SPD-Sympathisant. Es fehlt nur noch Konrad Adenauers Slogan von 1957: „Keine Experimente“. Aber das kann ja noch kommen, wenn Angela Merkel in den letzten drei Wochen plakatiert wird.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

65 Kommentare

1) Doktor Hong, Samstag, 10. August 2013, 11:09 Uhr

@44) Erwin Gabriel

Da habe ich einen dicken Schnitzer gemacht. Danke, dass Sie mich darauf hinweisen: Treibhausgase, nicht CO2. Eigentlich weiß ich das auch, habe aber beim Schreiben meine Gedanken nicht genug sortiert.

2) Doktor Hong, Samstag, 10. August 2013, 11:13 Uhr

Apropos Plakate: Mir ist noch gar keins aufgefallen. Nachher werde ich mal in der Stadt aktiv nach Plakaten suchen, damit ich mal eins wahrnehme. 🙂

3) Doktor Hong, Samstag, 10. August 2013, 11:39 Uhr

Beim Thema Dosenpfand verspüre ich ebenfalls das Bedürfnis, meinen Senf dazuzugeben.

Ich erinnere mich, wie ich früher schwere Kisten mit Glasflaschen geschleppt habe, ob es nun Wasser oder Brause-Getränke waren.

Heute dominieren in den Supermärkten die Sixpacks aus PET-Flaschen. In dieser Form war das vor dem Dosenpfand unbekannt.

Nur darf man natürlich nicht den Denkfehler machen und die beiden Dinge a priori ursächlich miteinander verknüpfen. Aber eines ist sicher: Das Dosenpfand hat das starke Aufkommen von Einwegverpackungen jedenfalls nicht verhindert.

4) Gundi, Samstag, 10. August 2013, 12:21 Uhr

Zimmermann schrieb
 schon 1991: „Wenn Privatsphäre ungesetzlich wird, haben nur noch die Gesetzlosen Privatsphäre.“

Denkt bei eurer Wahl an eure Privatsphäre.

5) Erwin Gabriel, Sonntag, 11. August 2013, 09:54 Uhr

@ 50) Doktor Hong, Samstag, 10. August 2013, 11:39 Uhr

>> Nur darf man natürlich nicht den Denkfehler machen und
>> die beiden Dinge a priori ursächlich miteinander verknüpfen.
>> Aber eines ist sicher: Das Dosenpfand hat das starke
>> Aufkommen von Einwegverpackungen jedenfalls nicht verhindert.

Das ist kein Denkfehler.

Glauben schlägt stets Wissen. Die Menschen sind halt so, dass sie im Zeifel eher den Argumenten glauben, die Ihnen auf den ersten Blick mehr Bequemlichkeit, mehr Geld oder weniger Ärger versprechen. Das klingt in der Regel „plausibler“ und wird deswegen weniger hinterfragt.

6) StefanP, Sonntag, 11. August 2013, 10:20 Uhr

@50) Doktor Hong

Manche meinen ja, man sollte Politiker an den Wahlversprechen messen, die sie abgeben. Ich halte das aus verschiedenen Gründen für falsch. Wofür ich allerdings plädiere ist, Politik an den Zielen zu messen, die sie vorgibt, mit bestimmten Maßnahmen erreichen zu wollen. Das Bundesumweltministerium wollte mit dem Zwangspfand auf Einwegverpackungen den Mehrweganteil wieder auf 72% anheben. Kritiker warnten schon damals, dass der Handel auf Dauer nicht zwei Rücknahmesysteme betreiben würde.

Heute liegt der Mehrweganteil bei 50%, Tendenz weiter fallend. Das politische Ziel wurde wie vorhergesagt meilenweit verfehlt, ja, die politische Maßnahme unterstützte sehr wahrscheinlich noch die nicht gewollte Entwicklung. Konsequent wäre nun, das Pfand auf Einwegverpackungen, das mit völlig falschen Erwartungen eingeführt wurde, abzuschaffen. Doch so funktioniert Politik nicht. Was Politiker in die Welt gesetzt haben, hat ein zähes Leben.

Die Pfandbefürworter ändern halt nun die Argumentation: Ohne Pfand wäre der Anteil der Einwegverpackungen weit schneller gestiegen. Eine heroische Annahme, denn wieviel schneller sollte die Mehrwegverpackung noch an Bedeutung verlieren? Und, um dem Trend entgegenzuwirken, müsse das Pfand einfach erhöht werden.

Das kommt dabei heraus, wenn man Politik vor allem mit Moral macht, wie es das Geschäftsmodell der Grünen ist. Hauptsache, man kann sich gut dabei fühlen. Das Ergebnis zählt nicht, nur die Absicht. Ich mag weder beruflich noch privat moralinsaure Gestalten. Und wählen werde ich sie erst recht nicht.

7) Erika, Sonntag, 11. August 2013, 11:41 Uhr

Auch beim Dosenpfand vergisst man gerne die Verantwortung von Angela Merkel

http://www.tagesspiegel.de/politik/dosenpfand-auf-dem-pfand-pfad/245392.html

8) Oliver, Montag, 12. August 2013, 11:30 Uhr

Wer möchte, dass alles beim Alten bleibt, der muss SPDCDUFDPGRÜNE wählen. Wer möchte, dass sich etwas ändert, darf gerne andere Parteien wählen. Ob sich dadurch wirklich etwas ändert wird man sehen. Alleine 29% Nichtwähler könnten irgendeine Splitterpartei wie die PIRATEN, die Tierschutzpartei, NPD oder Linkspartei zur Partei mit den meisten Prozenten machen, inkl. Stellung des Kanzlers. Die Politik dieses Landes würde sich vermutlich sofort drastisch ändern, käme der Außenminister von der NPD oder der Innenminister von den PIRATEN oder würde Frau Aigner von irgendjemandem der Tierschutzpartei abgelöst werden.

Aber natürlich wird das nicht geschehen. Denn die Nichtwähler wählen nicht. Nicht einmal so etwas wie die PARTEI, die ja eigentlich ideal für Nichtwähler sein sollte. Und die meisten anderen bewegen sich im Rahmen der nahezu identischen SPDCDUFDPGRÜNE. Übrig bleiben einige Prozentpunkte für die anderen Parteien, die damit aber nichts verändern können.

9) Doktor Hong, Montag, 12. August 2013, 17:47 Uhr

@52) Erwin Gabriel

Das stimmt schon, was Sie sagen, bleibt aber trotzdem ein Denkfehler. 🙂

Wenn man das weiß, dann gehört es zur intellektuellen Reife, dass man sich dann und wann selber in Frage stellt. Glaube ich das, was ich für wahr halte, wirklich deswegen, weil es in Übereinstimmung mit dem ist, was ich von der Wirklichkeit weiß? Oder nur, weil ich es gerne glauben will?

Sehen Sie, das ist mein Hauptkritikpunkt an vielen Wirtschaftswissenschaftlern. „Der Markt ist effizient. Er kehrt von selber ins Gleichgewicht zurück.“ Ach ja? Wie verträgt sich das mit dem Zusammenbruch der unreguliertesten Märkte, die es überhaupt gab?

Ich kann vielleicht selber keine schlüssige Wirtschaftstheorie aufstellen, und das ist auch nicht mein Ehrgeiz. Aber, es ist nunmal viel einfacher, ein Haar in der Suppe zu finden, als selber eine Suppe zu kochen.

Bei Diskussionen bin ich zutiefst anti-autoritär. Mir ist es völlig egal, wer etwas behauptet. Wenn etwas nicht in sich schlüssig und konsistent ist, dann sage ich „Bullshit“ dazu, ganz egal, wer das behauptet. Deswegen habe ich nie Schmerzen damit gehabt, Fehler zuzugeben.

So ist es mir einmal passiert, dass ein Professor mich schreiend aus dem Büro gejagt hat, nachdem ich ihn auf einen Fehler in seinem Skript hingewiesen hatte. Ich dachte, ich wäre besonders diplomatisch, indem ich tat, ich hätte die entsprechende Stelle nicht verstanden. So begann er zu erklären und sich zu widersprechen, und als er an meinem ungläubigen Blick merkte, dass ich das merkte, ist er komplett ausgerastet und hat mich angeschrieen. War unangenehm 🙂

Nun macht der Zweifel schwach und ist wenig geeignet, Menschen mitzunehmen. Das ist für einen Politiker schlecht. Deswegen frage ich mich immer, wenn ein Politiker etwas vehement behauptet: Ist der tatsächlich so blöd oder macht der ’ne Show?

Als Beispiel fällt mir da Churchill ein: Während er energische Durchhaltereden hielt, wurde später aus seinen Memos und Memoiren ersichtlich, dass er erhebliche moralische Zweifel am Flächenbombardement auf Zivilisten gehegt hatte.

10) Doktor Hong, Montag, 12. August 2013, 18:18 Uhr

@53) StefanP

Ihrem Kommentar habe ich sachlich nichts hinzuzufügen.

Ich persönlich habe da keine Präferenz, da ich nicht sagen kann, ob in puncto Energiebilanz die Herstellung einer PET-Flasche oder die Reinigung einer Mehrweg-Glasflasche günstiger ist. Ich würde fast sogar vermuten, dass die PET-Flasche da besser abschneidet, da das Gewicht bei Transporten stark reduziert ist. Und man kann die Flasche noch in einem Heizkraftwerk verfeuern und Strom daraus gewinnen, oder Fleece-Bekleidung daraus herstellen. Kehrseite ist die Herstellung aus begrenzten fossilen Mineralölen.

Moralische Überheblichkeit ist tatsächlich schwer erträglich, da bin ich Ihrer Meinung. Es ist manchmal eine Gratwanderung, wenn man selber von etwas überzeugt ist, da das richtige Maß zu finden. Eindeutig Stellung zu beziehen, ist in Ordnung, Verurteilung ist problematisch.

Nehmen Sie das Beispiel Energiewende: Auch da gibt es Alles-oder-nichts-Fanatiker. Ich sehe das so: Wenn man durch den Einssatz von Windrädern Strom erzeugen kann und meinetwegen 10% damit deckt – dann bedeutet das 10% weniger Verbrauch an Steinkohle, und das ist bei unserem Energieverbrauch verdammt viel. Also warum soll man das nicht machen? Wind wird es immer geben, Steinkohle nicht.

11) Erwin Gabriel, Dienstag, 13. August 2013, 17:35 Uhr

@ 56) Doktor Hong, Montag, 12. August 2013, 17:47 Uhr

>> Das stimmt schon, was Sie sagen, bleibt aber trotzdem ein Denkfehler. 🙂
Mal ohne Alberei: Es gibt den von mir beschriebenen Zusammanhang, und den Denkfehler darin vermag ich nicht zu erkennen.

Nach Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken bis 2008 auf 31 % zurückgegangen. Sie hat sich seit der Pfandeinführung also etwa halbiert…
Laut einer TNS Emnid-Umfrage glaubt etwa die Hälfte aller Verbraucher, dass Pfandflasche gleichbedeutend umweltfreundliche Mehrwegflasche ist. (Infos von Wikipedia)

Speziell die letzte Passage, das Ergebnis der Emnid-Umfrage, spiegelt wieder, dass die Leute Pfand = umweltfreundlich gleichsetzen.

12) Erwin Gabriel, Dienstag, 13. August 2013, 17:42 Uhr

@ 53) StefanP, Sonntag, 11. August 2013, 10:20 Uhr

>> Manche meinen ja, man sollte Politiker an den Wahlversprechen
>> messen, die sie abgeben. Ich halte das aus verschiedenen Gründen
>> für falsch. Wofür ich allerdings plädiere ist, Politik an den Zielen zu
>> messen, die sie vorgibt, mit bestimmten Maßnahmen erreichen zu wollen.

Ziele wie, die Atomkraft wieder einzuführen, die Staatsverschuldung zu senken, die Schulden der anderer Euro-Länder nicht zu bezahlen? In der Tat, es gab ein Wahlkampf-Programm der CDU zur letzten Bundestagswahl …
🙂

13) Doktor Hong, Mittwoch, 14. August 2013, 14:57 Uhr

@58) Erwin Gabriel

Es tut mir leid, wenn ich jetzt den Klugscheißer raushängen lasse. 🙂

Herr Spreng möge mir verzeihen, und meine Ausführungen zu diesem Thema ein letztes Mal dulden; der Bezug zur Politik wird am Ende klar.

Unstrittig ist die von Ihnen behauptete Korrelation. Das allein beweist aber noch keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Es kann sein, muss aber nicht.

Angenommen, Sie nehmen einen federgeschmückten Medizinmann aus Polynesien und lassen ihn um Patienten mit Lungenentzündung herumtanzen. Heimlich tut aber ein Arzt Antibiotika in das Wasser, das den Kranken gegeben wird.

Jetzt können Sie einwandfrei eine Korrelation zwischen dem tanzenden Medizinmann und der Genesungsquote der Patienten darstellen.

Wenn Sie jetzt insistieren, die Korrelation Medizinmanntänzer-Genesung impliziere eine Ursache-Wirkung-Beziehung, und es liege kein Denkfehler vor, dann widerspreche ich Ihnen energisch.

Glauben Sie nicht, in der Geschichte gäbe es keine entsprechenden Beispiele. Harmlos und amüsant ist das Beispiel des Cargo-Cults: http://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult

Weniger harmlose Beispiele betreffen das Kindbettfieber, wo eine Kommission als „Ursache“ die Entbindung durch ausländische Ärzte feststellte und die Behauptung verwarf, dass Desinfektion der Hände hilft; den mittelalterlichen Hexenwahn, dem viele Menschenleben zum Opfer gefallen sind; und kürzlich der Rassenwahn in einem nicht näher genannt werden wollenden mitteleuropäischen Land, der aufgrund der Korrelation herausragender kultureller Leistungen mit der Nationalität eine rassische Grundlage vermutete, und aufgrund dessen Abermillionen unschuldiger Menschen ermordete (wobei viele Mitglieder der angeblich „minderwertigen“ Gemeinschaft größte kulturelle Leistungen für die Menschheit erbracht haben).

Beim Dosenpfand geht’s zunächst nur um’s Geld; zum Glück geht es nicht um Menschenleben. Sie schreiben doch selber: Pfand = umweltfreundlich – eine Korrelation, die vom Kunden einfach so postuliert wird.

Im Alltag mögen solche Unterscheidungen wie Wortklauberei scheinen.

Wenn aber Politik wirksam sein soll, dann kann man sich Denkfehler dieser Art einfach nicht leisten!

Nehmen Sie mal diesen Schwachsinn mit der Feinstaubplakette! Ein Paradebeispiel idiotischer, wirkungsloser Politik, die aber pro Autozulassung 5 Euro in die klammen Kassen spült und ansonsten völlig sinnlos ist. Oder das Glühbirnenverbot…

Ich weiß, sehr viele Länder werden sehr viel schlechter regiert als Deutschland… aber das ist ja kein Grund, sich hängen zu lassen.

Ich schließe mit einem Zitat vom berühmten Perikles von Athen: Obgleich nur wenige eine politische Konzeption entwerfen und durchführen können, so sind wir doch alle fähig, sie zu beurteilen.

14) Erwin Gabriel, Donnerstag, 15. August 2013, 19:19 Uhr

60) Doktor Hong, Mittwoch, 14. August 2013, 14:57 Uhr

Dass Sie den klugscheisser raushängen lassen, haben Sie gesagt… 🙂

>> Unstrittig ist die von Ihnen behauptete Korrelation.
>> Das allein beweist aber noch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.

Nein, dass allein nicht. Aber es gab hier auch keinen europäischen Arzt, der Aspirin in das Wasser des medizinmannns packte

Vorder Maßnahme gab es mit Pfand belegte Flaschen (ökologisch unbedenkliche Mehrwegeflaschen) und nicht mit Pfand belegte Flaschen und Dosen (Einweg- bzw. Wegwerf-Behälter). Durch die Einführung des Einwegpfands wurde nun (eher unbeabsichtigt) der Eindruck erzeugt, dass auch die Einwegebehälter ökoölogisch unbedenklich seien – das bestätigt die Emnid-Studie.

Ob die Annahme der Verbraucher richtig oder falsch ist, spielt doch keine Rolle; die Annahme der Verbraucher ist aber relevant für ihr Verhalten. Und damit ist nicht nur eine zufällige Korrelation, sondern ein ursächlicher Zusammenhang belegt.

qed

15) Doktor Hong, Freitag, 16. August 2013, 19:05 Uhr

@ 61) Erwin Gabriel

Trefflich argumentiert! Dennoch würde ich eher der PET-Flasche die Schuld geben.

Das Dosenpfand heißt ja nicht umsonst Dosenpfand, da in den 1990ern Getränkedosen aus Aluminium die dominierenden Einwegverpackungen waren. Erst um die Jahrtausendwende setzten sich PET-Flaschen durch und wurden dann, ich glaube ab 2002, ebenfalls mit Pfand belegt.

Nun ist die Produktion von Aluminium extrem energieaufwendig und der Einsatz als Wegwerfverpackung ökonomisch und ökologisch ein Wahnsinn. Als Gehäuse für schicke Notebooks finde ich gebürstetes Aluminium wiederum toll 🙂

Und machen wir uns nichts vor: Die Getränkedosen sind zu weiten Teilen aus den Sortimenten verschwunden. Denn es ist viel zu aufwendig, eine siffende, klebrige Dose wieder zum Supermarkt zu bringen.

Im Vergleich zur Aludose ist eine PET-Flasche wesentlich umweltfreundlicher, da sie mit viel geringerem Energieaufwand hergestellt werden und weiteren Verwendungen zugeführt werden kann.

Nächster Punkt: Auch bei den Mehrweg-Verpackungen setzten sich PET-Flaschen immer mehr durch, zwar dicker und robuster, aber dennoch PET, und mit viel weniger Zyklen als die gute alte Glasflasche. Wo ist da der qualitative Unterschied? Und ist das wirklich umweltfreundlicher? Immerhin musste man auch die PET-Mehrwegflasche mit heißem Wasser und Chemikalien reinigen.

Also ich gebe Ihnen folgendes zu: Das Pfand auf die Einweg-PET-Flasche trägt zur Gewissenserleichterung bei und hat geholfen, die Mehrwegflaschen aus PET zu verdrängen.

Gleichzeitig wurde dennoch ein Erfolg erzielt, denn auch die Aludosen wurden weitgehend verdrängt.

Sachlich bin ich da durchaus auf der Linie von StefanP, der da zu Recht feststellt, dass das Dosenpfand in Bezug auf die Zielsetzung, die Mehrwegquote zu erhöhen, wirkungslos gewesen ist.

16) Erwin Gabriel, Sonntag, 18. August 2013, 11:20 Uhr

@ 62) Doktor Hong, Freitag, 16. August 2013, 19:05 Uhr

>> Trefflich argumentiert! Dennoch würde ich eher der PET-Flasche die Schuld geben.
>> Das Dosenpfand heißt ja nicht umsonst Dosenpfand, …

Netter Versuch. Das Pfand heißt aus gutem Grund „Einwege-Pfand“. 🙂

Aber sei’s drum, sagen wir „unentschieden“

17) Doktor Hong, Dienstag, 20. August 2013, 19:26 Uhr

@63) Erwin Gabriel

Ich gebe zu, es wird mir langsam peinlich, so auf dem Thema Dosenpfand oder Einwegepfand herumzureiten, aber im Zusammenhang mit wirksamer Politik sei mir das noch ein letztes Mal gestattet.

Ihre Aussage ist: „Das Einwegpfand hat den Rückgang der Mehrwegquote verursacht.“

Meine Aussage ist: „Das Einwegpfand hat den Rückgang der Mehrwegquote nicht verhindert.

Bisher habe ich aus dem Gedächtnis heraus argumentiert; so meine ich mich zu erinnern, dass Trittin sich auf eine Verordnung aus der Kohl-Ära berief, die vorsah, das Einwegpfand einzuführen, wenn die Mehrwegquote unter eine bestimmte Grenze sinkt.

Also habe ich Google bemüht, da es altavista.digital.com nicht mehr gibt. 🙂

So gibt es diese Verordnung seit 1991, damals verabschiedet unter der Regie Klaus Töpfers. Jürgen Trittin führte das Dosenpfand dann zum 1.1.2003 ein, also vor 10 Jahren.

So stieß ich auf folgende Zahlen des Bundesumweltministeriums:
http://www.bmu.de/fileadmin/bmu-import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/mehrweganteil_zeitverlauf.pdf

Ich greife mal die Mehrwegquoten für drei Getränkearten heraus:

Mineralwasser: 1991: 91,33%, 2002: 68,33%
Erfrischungsgetränke mit CO2: 1991: 73,72%, 2002: 53,97%
Bier: 1991: 82,16%, 2002: 67,99%

Mit etwas Phantasie kann man ablesen, dass zwischen 1991 und 2002 die Mehrwegquote stark gesunken ist.

Bekanntlich gab es zwischen 1991 und 2002 kein Einwegpfand.

Nun meine (rhethorische) Frage an Sie: Wie kann etwas, das gar nicht existiert, die Ursache für etwas sein?

Es tut mir leid, aber ich habe von Anfang an nicht gesehen, wie Sie Ihre Behauptung halten können.

Da ich Ihre Kommentare aber ganz gerne mag, können wir gerne beim „unentschieden“ bleiben. 🙂

18) Ulrich Hottelet, Dienstag, 27. August 2013, 09:30 Uhr

Da die meisten Wahlplakate heute inhaltsleer sind, sollten die Steuergelder für die Parteienfinanzierung gekürzt werden. Lediglich die Druckereien und einige PR-Agenturen profitieren davon, dass die Straßen mit diesen „Botschaften“ zugekleistert werden. Nachdem aber die Parteien über ihre eigene Finanzierung im Bundestag entscheiden, werden sie am Status quo nichts ändern. Darin sind sie sich alle einig.

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