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Masters of Desaster

Wenn es in der Politik gerecht zuginge, wenn die Schuldigen und nicht die Unschuldigen bestraft würden, wenn die Unschuldigen belohnt würden und nicht die Schuldigen, dann müsste bei der SPD nach der Wahl die ganze Führungsriege abgelöst werden. Von Sigmar Gabriel über Andrea Nahles bis zu Frank-Walter Steinmeier.

Steinbrück ist der einzige, der nach der Wahlniederlage von selbst geht. Kanzlerkandidat ist ohnehin eine Funktion, die am Wahltag erlischt. Alle vier zusammen haben einen der katastrophalsten SPD-Wahlkämpfe seit langer Zeit zu verantworten. Steinbrücks Fettnäpfchen sind schon legändar. Darüber ist alles gesagt.

Frank-Walter Steinmeier ist der „Father of Desaster“. Seine selbstsüchtigen Verzichts-Plaudereien führten zu Steinbrücks Fehl- und Holterdipolter-Start. Es gab kein Kampagnenkonzept, keine Berater, keine Kernbotschaften. Und keine Sprachregelung für die zu erwartenden Angriffe wegen Steinbrücks Vortragshonoraren.

Sigmar Gabriel ist verantwortlich für die Partei, aber er kann nicht einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen. Immer wieder preschte er mit eigenwilligen, nicht abgesprochenen Themen vor und brachte den Kandidaten in die Bredouille. Er hat dem Kandidaten nicht den Rücken freigehalten, sondern ist ihm mehrmals in den Rücken gefallen. Gabriel hat Steinbrück Fußfesseln angelegt, statt ihm Beinfreiheit zu gewähren.

Die Tatsache, dass Steinbrück ein prononciert linkes Programm vertreten musste, beschädigte seine Glaubwürdigkeit, denn er hatte in mehreren zentralen Programmpunkten früher das Gegenteil gesagt. Gabriel wollte den linken Flügel für Steinbrück einbinden (und für sich nach der Wahl), beschädigte aber in Wirklichkeit den Kandidaten.

Die vierte im schrecklichen Bunde der „Masters of Desaster“ ist Andrea Nahles. Sie hat in diesem Wahlkampf endgültig bewiesen, dass sie jahrelang maßlos überschätzt wurde. Sie ist ihrer Aufgabe als Generalsekretärin und Kampagnenchefin weder inhaltlich und rhetorisch noch organisatorisch gewachsen. Sie hat die falschen Werbeagenturen geholt und sie gewähren lassen und mit den fünf Millionen Hausbesuchen den Mund zu voll genommen.

Und es ist wirklich schon ein Kunststück, in der ganzen Kampagne keinen einzigen zündenden Satz gesagt oder ein Thema auf die Agenda gesetzt zu haben. Das alles musste der nimmermüde Thomas Oppermann für Nahles erledigen.

Wenn es also in der Politik gerecht zuginge, dann müssten am Abend des 22. September sowohl Steinmeier als auch Gabriel und Nahles ihren Rücktritt erklären. Stattdessen haben sie heute schon ihren Kampf um die Reste der SPD begonnen. Steinmeier will mit Klauen und Zähnen seinen Fraktionsvorsitz verteidigen, den ihm Gabriel mit einem Blitzüberfall wegnehmen will. Gabriel will Doppelchef werden – von Partei und Fraktion.

Die Belohnung der Schuldigen wird schon vorbereitet. Einzig Andrea Nahles wird beim nächsten Parteitag wohl in der gnädigen Versenkung verschwinden, die ihr gebührt.

Besser für die SPD wäre es, mit den Unschuldigen einen neuen Anfang nach dem Desaster zu versuchen. Hannelore Kraft zum Beispiel. Aber will sie sich das antun, den Schleudersitz an der SPD-Spitze, und damit möglicherweise ihre Chance zu zerstören, 2017 Kanzlerkandidatin zu werden? Warum kann nicht das Gegenbild zu Gabriel, der seriöse Olaf Scholz,  die Chance erhalten, die geschlagene Partei ruhig und besonnen wieder aufzubauen und für Kraft den Boden zu bereiten?

Wahrscheinlicher aber  ist, dass die SPD in eine Große Koalition flüchtet (wenn sie überhaupt die Chance dazu hat), um die Personalkonflikte zu übertünchen und den Tag der Abrechnung ausfallen zu lassen.