Donnerstag, 29. August 2013, 13:10 Uhr

35 Minuten für die Wende

Jetzt hat also Peer Steinbrück sein 100-Tage-Programm vorgestellt – das übliche Kondensat aus dem Wahlprogramm, um noch einmal in die Nachrichten zu kommen. Die Themen sind deshalb nicht überraschend.

Wichtiger für Steinbrück ist das TV-Duell am Sonntag. Dabei wird vom SPD-Kanzlerkandidaten Übermenschliches verlangt: das Duell soll die Wende im Wahlkampf bringen. Er soll die verzagten SPD-Anhänger motivieren und mobilisieren, Unentschiedene für seine Partei gewinnen. Da muss er schon mehr bieten als sein 100-Tage-Programm.

Kann er das leisten? Er hat dafür etwa 35 Minuten. 20 verbrauchen voraussichtlich die unsinnig vielen Moderatoren, 35 seine Kontrahentin. Kann er in 35 Minuten alle Fehler und Pannen vergessen machen und klar machen, dass er der bessere Kanzler wäre? Und das bei einem Ritual, das kaum ein echtes Zwie- oder gar Streitgespräch über ein Thema zulässt.

Das ginge nur, wenn Angela Merkel gleich mehrere Eigentore schießen würde. Das ist nicht zu erwarten. Merkel wird, ganz Präsidialkanzlerin, ruhig und besonnen wie immer ihre Sicht der Welt und der Politik erklären. Die Teflonfrau wird kaum zu packen sein.

Steinbrück muss angreifen, aber kontrolliert. Ohne Aggression und Arroganz. Seine Standardformel, dass Merkel nur verwalte und nicht gestalte, reicht dafür nicht. Sie ist zu abstrakt und reißt keinen Wähler vom Hocker. Und er hat  noch ein Handicap: um Merkel in sozialen Fragen anzugreifen, muss er die Lage düsterer schildern als sie ist. Aber das wissen die meisten Zuschauer besser.

Und auch Syrien taugt nicht zum Lieblings-Wahlkampfthema der SPD – Krieg oder Frieden, womit Gerhard Schröder 2002 gewann. Syrien 2013 ist nicht der Irak 2002. Und die verbrecherischen Giftgasangriffe empören auch die SPD-Wähler.

Und die Griechenland-Hilfen? Natürlich kann er – zu Recht – Merkel Schönfärberei und Wahlschwindel vorwerfen. Aber ist das glaubwürdig vom Kandidaten einer Partei, die im Bundestag allen Hilfspaketen zugestimmt hat?

Wenn Merkel keine schweren Fehler macht, dann ist für Steinbrück nur ein achtbares Unentschieden drin. Aber 0:0 oder 1:1 ist für einen Herausforderer zu wenig. Gleich gut oder gleich schlecht reicht nicht. Er muss deutlich siegen, wenn sein Duell-Auftritt Wirkung zeigen soll.

P.S. Ich bitte alle sprengsatz-Leser um Pardon, aber ich kann das Duell erst am Montag in einer Nachbetrachtung kommentieren, weil ich direkt nach dem Duell für das heute-journal spezial des ZDF (22.00 Uhr) im Einsatz bin. Aber Untersuchungen nach dem Duell 2002 haben gezeigt, dass sich die endgültige Meinungsbildung der Wähler, wer gewonnen hat, erst in den Tagen danach bildet – unter dem Eindruck der Medienberichte und der Gespräche in der Familie, im Freundes- und Kollegenkreis.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

61 Kommentare

1) Journalist, Mittwoch, 04. September 2013, 11:33 Uhr

@ 48) StefanP, Dienstag, 03. September 2013, 18:57 Uhr

„Oh, Sie wissen nicht, dass bereits der Vater von Baschar al-Assad, Hafiz al-Assad, Syrien jahrzehntelang regierte und sich in der Zeit auch nicht gerade als Menschenfreund hervortat? Jaja, die Familie hat nicht wirklich viel demokratisch-rechtsstaatliche Ausbildung genossen…“

Oh, Sie wissen nicht … ist ein beredtes Beispiel für Ihre Art der „Argumentation“. Es ist eine vorgetäuschte Annahme Ihrerseits, die nichts zur Sache tut. Sie schmeissen immer wieder Dinge in einen Topf, die nicht in einen Topf gehören.

Vater Assad war ein fieser Diktator, Sohn Assad nun auch. Schlimm für Land und Leute? Teilweise bestimmt. Aber trägt deswegen der Sohn an einem Giftgas-Angriff auch dann die Schuld, wenn islamistische Terroristen ihn durchführten? Keinesfalls, auch nicht durch seine Existenz. Sonst schmeißt der nächste mit der gleichen Begründung eine Atombombe auf Israel.

Tito beispielsweise war ein kommunistischer Diktator, der die Bevölkerung zwar unterdrückte, aber das Land in Frieden hielt. Milosevic war dagegen ein gewählter Demokrat, der das Land mit Krieg überzog. Die Tatsache, dass Milosevic demokratisch gewählt wurde, machte ihn nicht zu einem besseren Regenten.

Es gibt Gegenden in der Welt, wo eine (halbwegs) freiheitliche Demokratie westlicher Prägung (noch) nicht funktioniert. Dann mag, bei allen damit verbundenen Nachteilen, eine andere Regierungsform für die Bevölkerung die vorläufig bessere Regierungsform sein.

Im Irak wurde der große Diktator gestürzt und das Land dem Spiel der freien Kräfte überlassen. Offiziell ist der Irak eine Demokratie, in Wirklichkeit ein zersplittertes Land mit vielen kleinen Diktatoren, die sich heftig und ohne Rücksicht auf die Bevölkerung bekämpfen. Syrien droht das gleiche Schicksal.

Wer nur aufs Etikett schaut, wird zufrieden sein. Aber für viele Millionen von Menschen ist es eine existenz- und lebensbedrohliche Katastrophe.

2) StefanP, Mittwoch, 04. September 2013, 17:45 Uhr

@50) Journalist

Zu Ihrem Schlusssatz: Aber für viele [Tausende] von Menschen [war] es eine [tödliche] Katastrophe.

So stimmt’s.

Sie reden um den heißen Brei. Assad ist für das verantwortlich, was in Syrien passiert. Ist er das nicht, kann er das Land nicht mehr repräsentieren. Dann ist er für niemanden ein legitimer Ansprechpartner. Niemand bekommt so einfach Giftgas, was erzählen Sie denn! Und niemand kann so einfach Giftgas einsetzen, dass tausende krepieren. Das ist ja abenteuerlich!

Slobodan Milošević wurde zwar 1990 in freien Wahlen im Amt bestätigt (errungen hatte er es turnusgemäß), 1996 hatte er jedoch aufgrund großer Wahlmanipulationen die demokratische Legitimität verloren. Das macht schon einen großen Unterschied.

Sie haben abgestritten, dass es eine „Familientradition“ in Syrien gäbe. Wenn Vater und Sohn nacheinander das Land ununterbrochen jahrzehntelang als Diktatoren beherrschen, ist das für Sie keine „Familientradition“? Und warum ist es themenfremd, wenn Sie es selbst angesprochen haben?

3) Frank Reichelt, Mittwoch, 04. September 2013, 18:18 Uhr

@ StefanP.

Aufgrund Ihres Berufs gestehe ich Ihnen eine hohe Kompetenz in Wirtschaftsfragen zu, diese haben Sie hier auch in ungezählten und sich oft wiederholenden Diskussionen unter Beweis gestellt.

Von Geschichte und historischen Zusammenhängen haben Sie jedoch leider nur ziemlich wenig Ahnung, jedenfalls zu wenig, um eine sachgerechte Diskussion zu führen. Die von Ihnen in Beitrag Nr. 49 angesprochene Wannseekonferenz z.b fand natürlich nicht 1945, sondern am 20. Januar 1942 statt, was jeder wissen sollte, der sich nur marginal mit dem Nationalsozialismus befasst hat.

Ich schlage vor, Sie glänzen weiter in Wirtschaftsfragen, pfuschen anderen Fakultäten aber nicht ins Handwerk!

4) Journalist, Mittwoch, 04. September 2013, 22:21 Uhr

@ 51) StefanP, Mittwoch, 04. September 2013, 17:45 Uhr

Wieder so eine großkotzige Aussage: „Assad ist für das verantwortlich, was in Syrien passiert. Ist er das nicht, kann er das Land nicht mehr repräsentieren.“ Tauschen wir den Namen „Assad“ gegen den Namen „John F. Kennedy“, wäre JFK ebenfalls für alles verantwortlich gewesen, was in seinem Land passierte? Auch für das Attentat in Dallas? Wenn ja, war es also Selbstmord? Wohin soll Ihre krufe Logik führen?

Wenn Sie genau wissen (wissen – nicht vermuten, annehmen, glauben etc.), wer das Giftgas geschmissen hat? Wenn ja, liefern Sie die Beweise. Wenn nicht, ist alles, was Sie schreiben, nur Gesabbel.

5) Doktor Hong, Donnerstag, 05. September 2013, 16:02 Uhr

@49) StefanP

Sie ignorieren beharrlich das Hauptargument von Erwin Gabriel und mir.

Die USA geben vor, intervenieren zu wollen, weil sie nur den armen Syrern helfen möchten, die mit Giftgas angegriffen wurden. Sonst haben sie nichts im Sinn; eigentlich wollen sie nie und nimmer Krieg, werden aber ständig gezwungen, ihr Militär einzusetzen. Die Amerikaner können einfach nichts dagegen tun!

Das Glaubwürdigkeitsproblem der USA wurde sehr ausführlich begründet. Sie haben bisher kein einziges Argument geliefert, das die Annahme entkräftet, die USA benützten das Leid der Syrer lediglich dazu, um ihre machtpolitischen Interessen durchsetzen zu können.

Keiner behauptet hier, Assad sei ein harmloses Schaf. Keiner behauptet, Giftgasangriffe seien akzeptabel.

Assad wird von der Hizbollah gestützt, die wiederum von den Iranern gestützt werden. Somit ist Syrien ein Verbündeter des Iran in der Region. Und wir wissen doch alle, dass das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran äußerst freundschaftlich ist, besonders nach 1979!

Das Kalkül, durch Destabilisierung Assads eine fundamental-islamistische Regierung an die Macht zu bringen, die dann kein Verbündeter Irans mehr ist, finde ich ziemlich abenteuerlich.

Man hat ja in Afghanistan gesehen, dass die Mujaheddin (später Taliban) den USA auf immer und ewig dafür dankbar waren, dass der CIA ihnen Waffen zum Kampf gegen die Sowjets geliefert haben. Oder Moment… war da nicht irgend was…. so um 2001 herum… kann mich gerade nicht erinnern.

Es gibt da irgendwo im Internet einen Propagandastreifen der Amerikaner „Why Vietnam?“, mit anrührenden Bildern von kleinen vietnamesischen Kindern, die von US Marines auf den Kopf getätschelt werden und diese glücklich anstrahlen, weil der Marine die Demokratie für die Vietnamesen auf ewig sichert. Exakt dasselbe Gerede – tauschen Sie „Vietnam“ durch „Irak“ aus – und Sie haben fast den identischen Text.

Ich erspare Ihnen mal die Details, was wirklich passiert ist. Diem, der südvietnamesische Diktator, der von den USA gestützt wurde, war so übelst korrupt und brutal, dass buddhistische Mönche damit anfingen, sich aus Protest in den Straßen Saigons zu verbrennen. Ich habe mir die Mühe gemacht, einen Großteil der „Pentagon Papers“ zu lesen, als diese freigegeben wurden, und ich habe als Begründung für den Einsatz eigentlich nichts aus dem Propagandafilm „Why Vietnam“ finden können.

Es gibt Filmaufnahmen von Donald Rumsfeld, wie er Saddam Hussein freundlich die Hand schüttelt. Saddam war bestimmt ins Herz getroffen, als Rumsfeld sich 20 Jahre später so häßlich über ihn äußerte. Nebenbei haben deutsche Firmen Saddam Giftgas bzw. Vorläuferchemikalien für Giftgas geliefert, wie 1990 ausführlich bekannt wurde.

Libyen – sagt Ihnen „Rabta“ irgend etwas? Googeln Sie mal, und erfahren Sie, wer da an was beteiligt war und heute die Moralkeule rausholt.

Vielleicht lesen Sie mal folgenden Spiegel-Online-Artikel:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/militaerpolitik-unterstuetzte-us-regierung-irakische-giftgas-angriffe-a-209990.html

Erfahren Sie, wie „pragmatisch“ die Amerikaner das Thema Giftgas handhaben.

Noch zuletzt als Information: Die Wannseekonferenz vom 20.1.1942 war ein von Heydrich einberufenes Treffen hochrangiger Nazi-Verbrecher. Dort wurden die organisatorischen Fragen der „Endlösung der Judenfrage“ geklärt und von Adolf Eichmann protokolliert. Ich erwähnte das, weil Hendryk M. Broder so verzweifelt nach dem Führerbefehl sucht und offenbar nicht weiß, dass es offizielle Befehle gab, die die Ermordung der Juden zum Gegenstand hatten.

Vielleicht wissen Sie auch nicht, dass Deutschland während des 2. Weltkriegs massivsten Flächenbombardements ausgesetzt gewesen ist. Da frage ich Sie, inwieweit das den Massenmord an den Juden verhindert hat. Offenbar gar nicht.

Wenn es darum geht, Syrer vor Giftgasangriffen zu beschützen, dann könnte man sich mit den anderen Vetomächten zusammensetzen und eine UN-Resolution aushandeln, die die Aushändigung aller Chemiewaffen fordert. Wird UN-Inspektoren der Zugang verweigert, kann man für diesen Fall Waffengewalt androhen – das wäre dann nicht nur legitim, sondern auch legal.

Dazu müsste sich Obama mit Putin und Xi Jinping zusammen setzen und besprechen, was man gemeinsam tun könnte. Frankreich und insbesondere England springen sowieso, wenn Obama mit den Fingern schnippt.

Aus meiner Sicht ist Ihre argumentative Position völlig unhaltbar. Und Ihre Fähigkeit, alles, was Ihrer Wahrnehmung widerspricht, so vollständig zu ignorieren, finde ich schon atemberaubend.

6) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 18:33 Uhr

@53) Journalist

Sie haben noch eine Chance: das war jetzt kein ernstgemeinter Beitrag von Ihnen, oder?

Ihre Vergleiche sind so schräg, dass es mehr als eine heftige Beleidigung ist. Nur fürs Protokoll: Sie vergleichen einen demokratischen Präsidenten, der nach 3 Jahren Regierungszeit von einem Einzelgänger erschossen wurde, mit einem seit fast anderthalb Jahrzehnten mit harter Hand herrschenden Diktator, der keinem Checks and Balances und keiner rechtsstaatlichen Kontrolle unterworfen ist? Der nicht durch Verfassung, Verfassungsgericht, Grundrechte und anderen Mist in seiner Machtausübung eingeschränkt ist? Puh, erstmal durchatmen.

Des weiteren vergleichen Sie einen einzelnen Mord mit einer Schusswaffe mit einem umfangreichen Giftgasangriff der Artillerie auf eine ganze Region? Entschuldigung, das kann nicht Ihr Ernst sein und das kommentiere ich nicht weiter. Da wird sich jetzt jeder Interessierte selbst ein Bild über Ihr Argumentationsformat gemacht haben.

Ich muss Ihnen nicht beweisen, was ein Diktator im Einzelnen gemacht, angeordnet und was eventuell nicht angeordnet hat. Ansonsten gilt der Kommentar vom vergangenen Sonntag.

7) StefanP, Freitag, 06. September 2013, 16:44 Uhr

@54) Doktor Hong

Sie schreiben genauso beharrlich an meinen Kommentaren vorbei. Niemand hat das Glaubwürdigkeitsproblem der US-Administration bestritten. Wird dies durch Nichtstun beseitigt? Der amerikanische Präsident hat vor langem ein deutliches Signal an Syriens Machthaber, Baschar Hafiz al-Assad, gesandt: Die Amerikaner als größte Militärmacht der Welt würden sich aus dem Konflikt heraushalten, solange Assad auf Massenvernichtungswaffen verzichtet. Wie stände es denn um die Glaubwürdigkeit der USA, wenn Syriens Regierung Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzt und dies nicht zu harten Konsequenzen gegen die Machtclique führte?

Das Kalkül, durch Destabilisierung Assads eine fundamental-islamistische Regierung an die Macht zu bringen, die dann kein Verbündeter Irans mehr ist, finde ich ziemlich abenteuerlich.

Wo wurde dies ansatzweise behauptet?! Assad herrscht nur noch über kleine Enklaven, die Einheit Syriens ist in Auflösung. Darf man es in dieser Situation zulassen, dass das fallende Regime aus Angst vor dem eigenen physischen Untergang die letzte Waffe zieht? Welches Signal wäre das? Auch der Iran verfügt über Massenvernichtungswaffen…

Sie verfolgen sicher genauso wie ich die Medienberichterstattung. Und Sie wissen, dass John Kerry, der US-Außenminister, letzte Woche „Beweise“ für die Verantwortung Assads vorgelegt hat. Dabei handelt es sich zwar eher um Indizien und weniger um gerichtsverwertbare Belege, aber mehr kann man kaum erwarten. Das Regime jedenfalls ist die einzige Institution im Land, die fähig ist, Sarin in dieser Menge mit Raketenwerfern zu transportieren. Es fehlt jeder Anhaltspunkt, dass die Rebellen inzwischen die Giftgasdepots erobert hätten. Den Befehl selbst soll mutmaßlich Dschamil Hassan, der Chef des Luftwaffengeheimdienstes, und Assads Cousin, Hafis Machluf, gegeben haben.

Die Wannseekonferenz war streng geheim. Sie wollten doch darlegen, dass die Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs 1939 aufgrund stichhaltiger Beweise erfolgte.

Ansonsten: bleiben Sie bitte ein bisschen beim Thema, das nicht mal mehr zu diesem Thread gehört.

8) Journalist, Samstag, 07. September 2013, 14:06 Uhr

@ 55) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 18:33 Uhr

Hallo Herr P

Sie verallgemeinern immer wieder auf recht grobe Art, und ich versuche, Ihnen klarzumachen, was man aus Ihren Verallgemeinerungen ableiten KÖNNTE.

Also „vergleiche“ ich nicht den Mord per Schußwaffe mit einem Gasangriff, sondern bezweifle einfach, dass der Herrscher eines Landes (ob demokratisch gewählter Präsident, ob kommunistischer Parteichef, ob Diktator aus einem Familienclan) für ALLES verantwortlich ist, was in seinem Land passiert. Deswegen die Frageform – sinngemäß: All das leitet sich aus Ihrer Behauptung ab; sind Sie sicher, dass man diese Grundbehauptung aufrecht erhalten kann?

Und nein, Sie müssen mir nicht beweisen, was ein Diktator angeordnet hat oder nicht. Aber wenn Sie beispielsweise Assags Schuld am Gasangriff nicht nur annehmen, sondern als Tatsache behaupten, diese „Tatsache“ aber nicht belegen können, erwarten Sie doch bitte nicht von mir, dass ich Sie dann ernst nehme, auch dann nicht, wenn Sie immer wieder Details auffahren, die zwar durchaus interessant sind, aber nichts zur Klärung des Sachverhalts beitragen.

PS:

Mein Schlußsatz
„Aber für viele Millionen von Menschen ist es eine existenz- und lebensbedrohliche Katastrophe.“
stimmt genau so, wie er da steht.

Ihr Satz
„Aber für viele [Tausende] von Menschen [war] es eine [tödliche] Katastrophe.“
ist ebenfalls zutreffend.

Nur sagen beide Sätze etwas anderes aus. Ich schreibe über die Lebenden, Sie über die Toten. Wenn Sie das verstanden hätten, wäre keine Korrektur („So stimmt’s“) erforderlich gewesen.

9) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 10:56 Uhr

@57) Journalist

Als Journalist verfolgen Sie hoffentlich die Medien und das weltpolitische Geschehen. Dann sollte Ihnen nicht entgangen sein, dass der amerikanische Außenminister John Kerry genau das von Ihnen Geforderte getan hat. Nach den von ihm aufgelisteten Indizien hat das Regime drei Tage vor dem Angriff mit den Vorbereitungen begonnen.

1. An dem Sonntag sei in dem Damaskaner Vorort Adra Sarin einsatzklar gemacht worden. Anschließend wurden Gasmasken an Regierungstruppen verteilt.
2. Laut einer von der US-Regierung erstellten Karte wurden von Territorien unter Regime-Kontrolle in zwölf Nachbarschaften im Nordosten der Hauptstadt gefeuert. Dies ist durch Luftaufnahmen belegt.
3. Das Regime verfügt als einzige Macht in der gesamten Region über ausreichende Bestände an Giftgas und Raketen. Wenn Sie also nicht belegen können, dass über Nacht die Rebellen die Depots gekapert oder Sarin in großen Mengen ins Land geschafft wurden, ist das ein sehr stichhaltiger Beweis.
4. Wer ist sonst in der Lage, die aus mehreren Komponenten bestehenden Giftgassubstanzen zu mischen und dann richtig einzusetzen? Das ist keine Wasserpistole, wie Sie möglicherweise unterstellen.

Als vor 12 Jahren die USA von Terroristen angegriffen wurden (der Jahrestag jährt sich diese Woche), tat die Administration alles, diesen Anschlag Punkt für Punkt schnell aufzuklären, Täter zu benennen und die Strafverfolgung einzuleiten. Vor der Weltöffentlichkeit wurden die Beweise dargelegt. Was tut Assad? 1.400 seiner Landsleute sind durch Giftgas umgekommen – und der Diktator schweigt. Er lässt zu, dass er vor genau dieser Weltöffentlichkeit als jener verkommene Herrscher gebrandmarkt wird, der allseits geächtete Waffen zum eigenen physischen Überleben einsetzt.

Ungewöhnlich. Diese Diktatoren drängen sonst so in die Öffentlichkeit und versuchen „das Ausland“ für alles verantwortlich zu machen.

10) Erwin Gabriel, Sonntag, 08. September 2013, 16:44 Uhr

@ 58) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 10:56 Uhr

Als Mitdiskutant lesen Sie hoffentlich die Beiträge, auf die Sie antworten, sorgfältig durch. Dann sollte Ihnen nicht entgangen sein, dass ich von eindeutigen Beweisen sprach, nicht von Indizien. Die habe ich alles schon zum EInmarsch in den Irak serviert bekommen. Und wenn Sie die Medien verfolgt hätten, wäre Ihnen nicht entgangen, dass Assad nicht geschwiegen hat.

„Das ist keine Wasserpistole, wie Sie möglicherweise unterstellen.“
Was sollen denn immer diese albernen Sprüche? Nicht bös sein, aber wenn hier einer ständig unterstellt, dann Sie.

Ich bin weder Assad-Freund, noch bin ich von seiner Unschuld fest überzeugt. Ich bin mir nur darüber im klaren, dass eine Ausweitung des Krieges zu allererst und hauptsächlich die Bevölkerung trifft. Und ich weiß, dass ein Sieg Assads für die Bevölkerung grausam wird, eine Niederlage aber nicht minder. Hier kämpft nicht gut gegen böse, sondern böse gegen böse, und die USA unterstützen in Syrien genau die Terroristen, die sie im Irak und in Afghanistan bis aufs Blut bekämpfen.

Wie man da einer Seite so heftig das Wort reden kann, ist mir unverständlich.

Ich werde immer misstrauisch, wenn es schnell gehen muss, ob Krieg oder Bankenrettung. Zeit ist oft unabdingbar für gute Entscheidungen, und sie derart zu verknappen hat meiner Erfahrung nach immer den Grund, den anderen zu etwas zu drängen, was der eigentlich nicht will.

11) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 19:50 Uhr

@59) Erwin Gabriel

Dann sollte Ihnen nicht entgangen sein, dass ich von eindeutigen Beweisen sprach, nicht von Indizien.

56) StefanP:
Und Sie wissen, dass John Kerry, der US-Außenminister, letzte Woche “Beweise” für die Verantwortung Assads vorgelegt hat. Dabei handelt es sich zwar eher um Indizien und weniger um gerichtsverwertbare Belege, aber mehr kann man kaum erwarten.

Die [Beweise] habe ich alles schon zum Einmarsch in den Irak serviert bekommen.

56) StefanP:
Niemand hat das Glaubwürdigkeitsproblem der US-Administration bestritten. Wird dies durch Nichtstun beseitigt?

Als Mitdiskutant lesen Sie hoffentlich die Beiträge, auf die Sie antworten, sorgfältig durch.

Herrlich, wenn man eine Debatte ausschließlich mit Zitaten bestreiten kann … 🙂

Zwei Ziele eines möglichen Waffengangs lassen sich herauskristallisieren: Die demokratisch legitimierte Außenpolitik der USA glaubwürdig erscheinen zu lassen, um andere Diktatoren abzuschrecken. Und, das Gleichgewicht der Kräfte in Syrien herzustellen. Denn das ist die Voraussetzung für die Lösung des Konflikts. Was wäre denn das Ziel eines amerikanischen Angriffs? Die Wohnviertel in Damaskus? Assads Militär würde wie Slobodan Miloševićs Artillerie zusammengeschossen. Sicher, dabei kann es auch zivile Opfer geben, aber sicher keine 1.400, wahrscheinlich nicht mal 10% davon, die, wie in einem anderen Fall, qualvoll an Sarin krepiert sind.

Wenn damit verhindert werden kann, dass nochmal Giftgas eingesetzt wird, wenn Syriens Armee sich zurückziehen muss, dann ist viel gewonnen. Und dabei denke ich nicht an die Bankenrettung.

12) Erwin Gabriel, Montag, 09. September 2013, 16:54 Uhr

@ 60) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 19:50 Uhr

Ich denke, dass diese Diskussion mit Ihnen zu nichts führt.

Kopfschüttelnde Grüße
E.G.

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