Montag, 02. September 2013, 13:53 Uhr

Wie tot ist das TV-Duell?

Vorab: Ich bekenne mich schuldig. Ich bin einer der Hauptverantwortlichen für das strenge Regelwerk und die Sekundenzählerei beim TV-Duell, die ein echtes Streitgespräch be- und verhindern. Damals, 2002, war das TV-Duell neu im deutschen Wahlkampf und mein Ziel als Wahlkampfmanager des medial unsicheren CDU/CSU-Kanzlerkandidaten war, Edmund Stoiber im Duell ein Korsett und Gerhard Schröder eine Zwangsjacke zu verpassen.

Das gelang auch – im ersten der beiden Duelle. Seit dieser Zeit bestehen die Regeln nur marginal verändert fort – bis zum TV-Duell 2013. Heute sehe ich das natürlich anders und bin, wie Millionen Fernsehzuschauer, Opfer meiner Tat.

Jetzt aber zum aktuellen Duell: Es ging erwartungsgemäß aus. Steinbrück schlug sich gut, aber nicht so gut, dass er eine Wende im Wahlkampf erreichen konnte. Und für Merkel reichte ihre – auch diesmal wieder präsentierte – Normalform. Beide spulten ihre Wahlkampfreden häppchenweise ab. Es gab ein 0:0, bei der freundlichsten Annahme ein 1:1. Jede machte einen kleinen Punkt, keiner einen Match-Point.

Da ist zu wenig für einen Herausforderer, der vor dem Duell meilenweit hinten lag. Dass das Duell nicht zündete, sondern nur ein kleiner Kontrapunkt zu Angela Merkels Einschläferungswahlkampf war, lag auch daran, dass es im Wahlkampf keine großen kontroversen und mobilisierenden Themen gab.

Im Gegensatz zu 2002: Flut und Irak. Und 2005: „Merkelsteuer“ und der „Professor aus Heidelberg“. Das Umfeld und die Umfragenlage machen das Duell.

Daran ändern auch die abendlichen Meinungsumfragen nichts, die mal  Merkel, mal Steinbrück vorne sehen. Bei der ARD war zum Beispiel die Antwort „Keiner von beiden“ gar nicht abgefragt worden – möglicherweise eine Erklärung für das unterschiedliche Ergebnis.

Außerdem: auch 2009 lag Frank-Walter Steinmeier knapp vorne und bekam am Ende 23 Prozent. Allerdings wird es Steinbrück gelungen sein, seine verzagten SPD-Anhänger zu motivieren und ein paar Unentschlossene zu gewinnen. Das ist auch gut so, denn eine große Koalition oder Schwarz-Grün sind allemal besser als eine eine Neuauflage der auch bei der großen Mehrheit der Wähler ungeliebten schwarz-gelben Koalition.

Es stellt sich die Frage, ob das TV-Duell in dieser Form überhaupt noch zeitgemäß ist. Besser wären zwei große TV-Auseinandersetzungen: ein Duell der Kanzlerkandidaten – aber nur mit einem Moderator und mit einem gelockerten Regelwerk, das auch ein längeres Streitgespräch erlaubt,  das nicht permanent durch das Abhaken neuer Fragen unterbrochen wird.

Und – noch wichtiger – wieder eine Elefantenrunde aller Spitzenkandidaten. Damit sich Kanzlerin und Kanzlerkandidat auch den Argumenten der „Linken“, Grünen und der FDP stellen müssen. Eine Kontroverse Trittin gegen Merkel oder Steinbrück gegen Brüderle oder Gysi wäre spannnender und aufschlussreicher gewesen als das Duell.

In der alten Form, mit dem Parallelduell der vier Moderatoren und den ärgerlichen Regeln (siehe oben), ist das TV-Duell als echte Entscheidungshilfe für den Wähler tot. Daran ändern auch 17,6 Millionen Zuschauer im Vier-Sender-Zwangsfernsehen nichts.

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69 Kommentare

1) Don Corleone, Donnerstag, 05. September 2013, 17:59 Uhr

46) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:35 Uhr

Lieber Karel,

auch Sie gehören zu den erfrischenden Teilnehmern dieses Blogs.Es bedarf einer gewissen Frechheit, um nicht zu sagen: Chuzpe, heutzutage gegen den linksgrünen Strom zu schwimmen. („Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, uraltes Sprichwort.)
Das TV-„Duell“ zwischen Herrn Steinbrück und Frau Merkel war keins, das diesen Namen verdiente. Man bewarf sich mit toten Fischen, von Spin Doctors lauwarm geräuchert. Nach sieben Minuten war die TV-lose Eckkneipe weitaus unterhaltsamer — nämlich mit just jenen „einfachen“ Menschen, die von den etablierten Parteien rhetorisch stets inniglich ans Herz gedrückt werden, ohne sie auch nur im Ansatz zu verstehen. Wie denn auch? Aus dem Elfenbeinturm, die hehren Häupter auf seidene Kissen gebettet, einem fürstlichen Ruhestand entgegensehend, der auch die übelsten Fehler, Wortbrüche und Lügen verzeiht?

Dazu sei, sofern nicht hoffnungslos politisch unkorrekt, Jan Fleischhauer zitiert:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-das-problem-mit-dem-kleinen-mann-a-920516.html

Herzliche Grüße!

2) Erika, Donnerstag, 05. September 2013, 18:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Sie als Politikberater und Benenner von Fettnäpfen, was sagen Sie?

Wird dieses Aussage von Frau Merkel SPD-Wähler motivieren? Hat die SPD jetzt einen Grund im Fall einer Wiederwahl Merkels in der GK schlicht und einfach mal auf ihre staatspolitische Verantwortung zu verzichten? Mögen die Wähler jemand, der einem Partner (SPD hat die Politik Merkels insoweit unterstützt, dass sie im Bundesrat und Bundestag die nötigen Mehrheiten hatte) derart in den Rücken fällt? und was sagt dieses Verhalten über den Charakter und die Bescheidenheit von Angela Merkel?

Leider ist es wie immer, die Schlagzeile „gegen“ Merkel lautet: „SPD fordert Entschudligung von Merkel“ in ein paar Zeitungen und das wars dann schon. Und das Plakat am Berliner Bahnhof ein Fettnapf oder genial oder einfach nur geschmacklos und einer Demokratie unwürdig?

Jede kleinste Regung von Steinbrück wurde thematisiert, skandalisiert und kommentiert.

Seltsam ruhig in unserer unabhängigen Presse!

3) rundertischdgf, Donnerstag, 05. September 2013, 19:01 Uhr

Möglicherweise waren es die Klügeren, die abschalteten oder umschalteten! Was ist denn eigentlich wirklich für den nächsten Tag hängengeblieben, die Kette von Frau Merkel und das Thema Maut. Es war eine Zwangsgleichschaltung der Nation. Soll in der Zukunft so die manipulierte Meinungsmache aussehen, dumm, primitiv und keiner merkt es. Die Deutsch-Türkischen-Nachrichten beklagten, daß das Thema Migration ausgeklammert war. Sie äußerten die Vermutung, daß hier Regie geführt wurde. Dieses Thema war dem (dummen) Volk nicht zuzumuten. Vier Journalisten stand herum und keiner fragte danach. Wieso eigentlich nicht. durften sie nicht?

http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/09/03/merkel-und-steinbruck-waren-zu-feige-uber-migrationsprobleme-zu-diskutieren/

4) Rapunzel, Donnerstag, 05. September 2013, 19:04 Uhr

@Karel

Nein „schäbig“ würde ich Frau Metkel nicht nennen. Das ist wirklich unterhalb des Niveaus auf dem wir hier diskutieren. Auch die vielfach genutzte, abwertend gemeinte Bezeichnung „Mutti Merkel“ gehört zu den unschönen Seiten der Kritik an Angela Merkel. Nur hat Sie eben mehrfach Wortbruch begangen, ihre Wahlversprechen gebrochen und versucht nun in Ihrer Doppelmoralinsauren Art uns zu erklären was Freiheit für Sie ist. Dieser Ideologie möchte ich nicht folgen. Für uns ist Freiheit, Meinungsfreiheit und die Freiheit vor totaler Überwachung eben -im Gegensatz zu der erklärten Position von Frau Kanzlerin Merkel- ein schützenswertes Gut.
Dieses Grundrecht und dazu gehörige Werte gilt es gegen den Generalangriff konservativer Idelogen zu verteidigen. Wer versucht dies im Wahlkampf zu missbrauchen bzw. kleinkarriert im
Rahmen pateipoltischer Gezänkrituale zu verniedlichen, stellt sich selbst an den Rand dieser Gesellschaft bzw. verrät deren Grundsubstanz.
Deshalb und weil ich noch etwas vom Grundgesetz halte, lautet meine Losung zum 22. September: Freiheit statt Merkel (CDU)!

5) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 05. September 2013, 20:32 Uhr

47)Marinela

(…) “Beamter” (translation: government worker who cares more about his lunch break than being helpful)(…)
Great, as some of the american journalist translate „Beamter“!

6) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 23:35 Uhr

Zu behaupten, es liefe schlecht für die linken Oppositionsparteien, wäre die Wahrheit schöngefärbt. Tatsächlich reihen sich für die Spitzenkandidaten Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und Gregor Gysi die Katastrophen zeitlich aneinander. Seitdem die bürgerliche Koalition zu einem zivilen Umgang gefunden hat, sind die Zustimmungswerte für das rot-grüne Lager im ständigen Sinkflug. Seit September 2010 haben die Parteien, die antreten, die „beste Regierung aller Zeiten“ abzulösen, 12 Prozentpunkte verloren (inklusive Linkspartei). Für Hessen, wo in gut zwei Wochen zeitgleich gewählt wird, zeigt sich das gleiche Bild.

Die Daten zeigen, dass es eben nicht an einzelnen Personen und dem Spitzenpersonal liegt. Die gesamte Richtung stimmt nicht, wenn es über einen so langen Zeitraum nicht gelingt, die eigene Programmatik „rüber zu kriegen“. Es liegt auch nicht im Kern an der Koalitionsstrategie in Opposition, schließlich hatte Rot-Grün sowohl im Bund als auch in Hessen einen satten Vorsprung. Aber man kann nicht permanent historische Fehler wiederholen und das mit dem Bohren dicker Bretter gleichsetzen. Es grenzt in jeder Demokratie an politisches Harakiri, zu Wahlkampfzeiten Steuererhöhungen anzukündigen. Und erst recht ist es politischer Selbstmord, dies aus der Opposition heraus bei bester Wirtschaftslage und hohen Steuererträgen zu tun.

Gestern verkündet das Weltwirtschaftsforum (WEF), dass Deutschland inzwischen im internationalen Wettbewerbsranking den 4. Platz einnimmt. Deutschland ist für internationale Investoren so attraktiv wie nie. Die facettenreiche Begründung der Forscher ist gleichzeitig ein glatter Knieschuss für die Argumentation der Oppositionsparteien, die behaupten, verfallene Infrastruktur, schlechte Bildung und soziale Ungleichheit machten umfangreiche Steuererhöhungen notwendig. Außerdem gäbe es eine wachsende Arbeitsplatzunsicherheit.

Germany is ranked an excellent 3rd for the quality of its infrastructure, boasting in particular first-rate facilities across all modes of transport. (..) Germany’s business sector is very sophisticated, especially when it comes to production processes and distribution channels. German companies are among the most innovative in the world, spending heavily on R&D (4th) and displaying a high capacity for innovation (3rd)—traits that are complemented by the country’s well-developed ability to absorb the latest technologies at the firm level (16th). Research institutions are assessed as being of higher quality than in previous years, and scientists and engineers appear to be more readily available.

Some shortcomings remain with respect to labor markets and the educational system. Despite some improvement (from 53rd to 41st), Germany’s labor market remains rigid (113th for the labor market flexibility subpillar), where a lack of flexibility in wage determination and the high cost of firing hinder job creation, particularly during business cycle downturns.

Kurz: Die Infrastruktur ist die Drittbeste weltweit, Unternehmen und Ingenieure sind erfindungsreich wie nie, während der Arbeitsmarkt weiterhin von rigiden Vorschriften erdrückt wird. Die Oppositionsparteien behaupten das glatte Gegenteil.

In welchem Land lebt eigentlich Andrea Nahles?

7) karel, Freitag, 06. September 2013, 00:16 Uhr

@Erika

Es geht für mich dagegen um das Verhalten der SPD incl. Steinmeier:
Wörtlich sagt Merkel: „In der Frage der Euro-Krise ist die Sozialdemokratie total unzuverlässig. Da ist von Eurobonds, Schuldentilgungsfonds, gemeinsamer Haftung bis hin auch zum Gegenteil alles gesagt worden.“
Und genau so habe ich das auch in Erinnerung.
Es ist dieselbe SPD, derselbe Steinmeier, der als Kanzleramtsminister seinen damaligen Chef dabei half, die Euro-Stabilitätskriterien von Maastricht aufzukündigen. Also den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Ein Weg, der geradezu die heutige Euro-Krise wesentlich mitbefördert hat.
Es war der Stärke der Kanzlerin zu verdanken, daß der von der SPD wieder einmal gewollte Weg des geringsten Widerstandes über Eurobonds, Schuldentilgungsfonds, gemeinsamer Haftung nicht gegangen wurde. Dieser Einsicht ist die SPD ja dann wohl aus freien Stücken gefolgt, als sie dann endlich einmal zu Europa, und nicht wieder zum „einfacheren Weg“ standen. Es hat schon was,
eben dieser Kanzlerin dann mainstreamgerecht „Führungsschwäche“ im Wahlkampf anzuhängen.

Für mich hat es einen größeren Stellenwert, das ewige Lavieren der SPD um den Weg des geringsten Widerstandes einfach mal deutlicher zu machen, dies auch aufzuzeigen. Der Weg des geringsten Widerstandes, der auch einst die Brandt/Schmidt-Zeiten prägte. Und somit auch das desaströse heutige Schuldenbild

Daß ein Steinmeier von seinen Versäumnissen mit einer wortreichen Kaskade ablenkt, und das auch nicht ungeschickt, ist eben das übliche Politikerverhalten. Und wenn die Medien diesen Punkt nicht bewerten wollen, ist es eben auch das übliche Medienverhalten, ohne deshalb gleich das Wort „schäbig“ benutzen zu wollen.

8) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 09:11 Uhr

@ 46) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:35 Uhr

>> Wo ich doch hier immerzu lese:
>> Schwarz/Geld = doof, Rot/Grün = toll

Schwarzgeld ist nicht doof – nicht für den, der es hat. 🙂

Ich kann Ihren Standpunkt zu Rot-Grün ja durchaus nachvollziehen.

Was ist die SPD für eine Partei geworden? Ein von der CDU, den grünen und den Linken getriebener Jammerverein, dem nichts anderes einfällt, als den „Reichen“ (also grob geschätzt jedem, der mehr als 4800 Euro brutto monatlich nach Hause trägt) in den Geldbeutel zu greifen. Mit einer Handvoll Top-Leute, die jedesmal auf die Nase kriegen, wenn sie den Mund aufmachen und sagen, was sie DENKEN.

Und die Linke – das sind gleich drei Parteien, wie Peer Steinbrück zu Recht sagt. Welche davon hätte ich denn nun wirklich gewählt, falls ich dort mein Kreuzchen machen würde?

Oder die Grünen? Moralisierende Weltverbesserer, triefend vor Eitel- und Selbstgerechtigkeit. Preussische Piefigkeit, die alles in Vorschriften packen will – an ihrem bürokratischen Wesen soll die Welt genesen.

Aber die beiden anderen Parteien sind keinen Deut besser.

Die FDP, mit Brüderle vorneweg. Hohl, leergebrannt, auf einige wirtschaftspolitische Themen reduziert. Die Freiheit und die daraus erwachsende Verantwortung wird zwar stets beschwört, aber nur die Freiheit gewünscht, die damit gekoppelte Verantwortung bestenfalls sehr klein geschrieben. Ein Kubicki ist einfach zu wenig, und der viel versprechende jugendliche Nachwuchs verspricht eben nur viel…

Erst recht die CDU. Den Banken hinten rein gekrochen, dem Mittelstand hinten reingetreten. Kein Herz, keine Seele, keine Ideale, keine eigenen Ideen. Bestenfalls eine Projektionsfläche für Frau Merkel, die sich ihre politischen Vorstellungen an allen Ecken und Enden zusammenklaubt und dann der armen, hilflosen partei überstülpt. Die ihr weitreichendes Nichtstun gerne mit Nachdenken verargumentiert, dieses Nachdenken aber bei wichtigen Themen wie der Energiewende vollkommen vermissen lässt.

PS: Wenn es darauf ankommt, siehe Euro, stimmen eh alle gleich ab – da ist die deutsche Politik eben „alternativlos“, wie Frau Merkel mit feinem Spott stets zu sagen pflegt.

9) Wolfgang Wegener, Freitag, 06. September 2013, 11:24 Uhr

Ich weiiß nicht, was Frau Merkel reitet, die SPD in der Eurokrise als „total unzuverlässig“ zu bezeichnen. Im Gegenteil war die SPD in der Eurokrise total zuverlässig, wie ich meine. Genau dies lässt zumindest mich ja auch nach Alternativen suchen. Und zwar nicht nur für die Zweitstimme, sondern auch für die Erststimme: Ich möchte meine Botschaft als Wähler ganz deutlich machen: Besser jetzt ein Ende mit Schrecken – das habe ich schon 2010 so gesehen, als dies noch billiger war-, als ein Schrecken ohne Ende.

Als politisch interessierter Mensch möchte ich zudem nicht zu Tode gelangweilt werden; wofür haben wir eigentlich mehrere Parteien?

10) Gregor Keuschnig, Freitag, 06. September 2013, 13:49 Uhr

@58 Wolfgang Wegener
Zu Merkel und ihren Äußerungen zur SPD: http://www.begleitschreiben.net/merkels-schmutziger-coup/

11) Wolfgang Wegener, Freitag, 06. September 2013, 14:38 Uhr

@59 Gregor Keuschnig: Hinsichtlich der Motive der Frau Merkel stimme ich nicht ganz mit der Aussage in o.a. Link überein: Ich glaube nicht, dass Frau Merkel die potentiellen SPD-Wähler nochmal daran erinnern muss, wie diese sich in der Euro-Krise verhalten haben. Das ist angekommen, denke ich mal.

Ich vermute, dass Frau Merkel erkannt hat, dass wir mittlerrweile nicht mehr eine asymmetrische, sondern eine symmetrische Wählerdemobilsierung haben und deswegen Unterschiede zwischen SPD und CDU konstruiert, die es meiner Meinung nach gerade nicht gibt. So nach dem Motto: Um Schlimmeres zu verhindern, wählt CDU, die ist wenigestens zuverlässig.

BTW: Schön noch einmal zu lesen, dass der sog. Redikalenerlass von Williy stammt.

12) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 16:35 Uhr

56) karel, Freitag, 06. September 2013, 00:16 Uhr

Wie immer – leider

Wenn die SPD an der Regierung war und Mist baute, sind die bösen Sozen natürlich Schuld – selbst wenn es damals allgemeines Gedankengut war, dass auch von der CDU mitgetragen wurde.

Wenn die CDU an der Regierung war und Mist baute, waren auch die bösen Sozen schuld, weil sie mitstimmten. Da darf man der CDU keine Vorwürfe machen, weil ja alle einer Meinung waren?

Mich wundert Ihr Geruchssinn. Ich rieche jedenfalls immer Mist, wenn da welcher liegt – egal, von wem der Haufen stammt.

Zu Steinbrück und der SPD: Wenn da soviel Schlechtes gemacht wurde, warum hat es die Kanzlerin in beeindruckenden acht Regierungsjahren nicht geändert?

13) Erika, Freitag, 06. September 2013, 17:35 Uhr

@57) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 09:11 Uhr

Ich finde Jens Berger hat die Lage gut zusammengefasst:

http://www.dasdossier.de/magazin/wirtschaft/staat-und-wirtschaft/merkels-milliardenhypothek

Aber was soll eine Oppositionspartei machen? Sie hat zwei Möglichkeiten entweder sie macht Fundamentalopposition oder sie trägt Teile der Regierungspolitik mit.

Erinnern wir uns doch noch mal an die Situation bei der Abstimmung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/abstimmung-ueber-esm-und-fiskalpakt-bundestag-und-bundesrat-billigen-euro-rettungsschirm-1.1397842

Man kann das kritisieren. Nach Ansicht vieler hätte die SPD sich enthalten müssen aber es war ja in der verfahrenen Situation ein Schritt in die richtige Richtung um den Euro zu stabilisieren und Europa nicht auseinanderbrechen zu lassen. Und das Bundesverfassungsgericht hat ja dann auch den ESM und den Fiskalpakt durchgewunken.

Der Bankenunion, der Angela Merkel bei diesem Gipfel zugestimmt hat, ist allerdings noch nicht durch den Bundestag und Steinbrück hat im Bundestag klar gesagt, die SPD wird der Rettung von Banken durch den ESM nicht zustimmen,

Als Opposition kann man leider nicht aktiv handeln und der erste Fehler war „Kein Cent für Griechenland.“

Die Verantwortung für die Krisenbewältigung trägt die Regierung und wenn man mit dieser Alternative nicht einverstanden ist, sollte man die Regierung abwählen und die Partei wählen von der man glaubt, dass sie es besser machen kann.

14) Erika, Freitag, 06. September 2013, 22:20 Uhr

„Geht es eigentlich schäbiger, als es unsere “bescheidene, beliebteste Mutti” tut?“

———————————————————————————————————————-

Da das schöne alte Wort „schäbig“ soviel Entrüstung ausruft, habe ich die Bedeutung im Duden nochmal nachgeschaut.

Unter Bedeutungen steht: „verächtlich, unredlich, gemein“

Es ist verächtlich und unredlich wie Frau Merkel über die SPD spricht und wirklich gemein, wenn man der Partei, die ihr die Mehrheiten gesichert hat und zwar nicht nur im Bundesrat danach Unzuverlässigkeit vorwirft.

Auch nach der erneuten Reflektion habe ich nichts zurückzunehmen.

15) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

@58) Wolfgang Wegener
@59) Gregor Keuschnig
@61) Erwin Gabriel
@63) Erika

Mein Gott, denken Sie eigentlich einen Moment nach, bevor Sie etwas loslassen? Sie denken so alternativlos, wie Sie das der Bundeskanzlerin unterstellen. Denken Sie ab und zu anders, fragen Sie sich, was sich aus einer Ihnen negativ erscheinenden Aussage machen lässt. Und werfen Sie nicht reflexartig die Empörungsmaschinerie an.

Ich hatte vor ein paar Monaten hier geschrieben, die Steuererhöhungspläne von SPD und Grünen seien das beste Wiederbelebungsprogramm für die Liberalen. Und genau so ist es gekommen: während die FDP ohne ernsthaft etwas dafür zu tun in den Umfragen Stück für Stück zulegt, schwindet die Unterstützung für die linken Weltverbesserer. Sie erledigen sich selber. Perfekt!

Was lehnen eingefleischten SPD-Anhängern neben der Rente mit 67 am meisten ab? Die praktisch vasallenhafte Unterstützung der Sozialdemokraten für die Rettungspolitik der Bundesregierung. Nun sagt die Kanzlerin, die SPD sei keineswegs ein treuer Bundesgenosse, sondern höchst unzuverlässig. Daraus ließe sich nun etwas machen, wenn nicht Parteispitze und die ihnen zugeneigten Kommentatoren wie aufgeregte Hühnchen vor der Schlachtung laut kreischen würden.

Man könnte argumentieren: Liebe Leute, Angela Merkel hat ganz richtig erkannt, dass wir nicht alles mittragen, das ist nicht unsere Aufgabe. Die Dame soll sich ihre Mehrheiten schon selber beschaffen, was ihr ja offensichtlich kaum noch gelingt. Wenn wir schon zu einer Nebenregierung avancieren, dann stellen wir auch Bedingungen. Wenn die Bundeskanzlerin das im Gegensatz zur FDP als unzuverlässig ansieht – bitte.

Eine solche Argumentation hätte Chancen in bestimmten Milieus der Sozialdemokratie zu verfangen, während der begehrte Wechselwähler das Spiel durchschaut, schließlich hat die SPD allen Rettungsmaßnahmen vorbehaltlos zugestimmt. Aber Sie denken ja selbst TINA.

16) Erwin Gabriel, Samstag, 07. September 2013, 22:53 Uhr

@ 64) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

>> Mein Gott, denken Sie eigentlich einen Moment nach, bevor Sie etwas loslassen?

Tun Sie das denn?

Es mag ja (diesmal) alles stimmen, was Sie da schreiben, nur hat es mal wieder überhaupt nichts mit dem zu tun, was ich geschrieben habe. Und erst recht irren Sie sich darin, wie und was ich denke.

Verwunderte Grüße
E.G. (Wechselwähler)

17) Erwin Gabriel, Sonntag, 08. September 2013, 13:28 Uhr

@ 64) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

Nachtrag

>> Nun sagt die Kanzlerin, die SPD sei keineswegs ein treuer
>> Bundesgenosse, sondern höchst unzuverlässig. Daraus
>> ließe sich nun etwas machen, wenn nicht Parteispitze und
>> die ihnen zugeneigten Kommentatoren wie aufgeregte Hühnchen
>> vor der Schlachtung laut kreischen würden.

Unzuverlässig bedeutet nicht, andere Meinungen zu vertreten, soindern, nicht zu seinem Wort zu stehen, unberechenbar zu sein, pflichtvergessen zu sein.

Wenn ich Ihnen gegenüber Freunden oder Geschäftspartznern attestiere, dass wir zwei zu vielem unterschiedliche Ansichten und Meinungen haben, würden Sie mir sicherlich zustimmen. Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind, nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung. Zu Recht, denn eine derartige Beschuldigung wäre Ihnen gegenüber ehrenrührig.

Man kann der SPD sicherlich politisch sehr vieles vorwerfen (ich tue das jedenfalls), aber in Sachen Zuverlässigkeit und Pflichtbewußtsein kann sich die aktuelle CDU von der aktuellen SPD eine Menge abschauen. Frau Merkel hat sich hier vorsätzlich ehrenrührig und verleumderisch verhalten. Ob man das schäbig nennen muss, sei mal dahin gestellt. Aber hochgradig unanständig ist es in jedem Fall. Dass sie offenbar meint, das nötig zu haben, erschreckt mich schon sehr.

E.G.

18) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 18:04 Uhr

@65) Erwin Gabriel

E.G. (Wechselwähler)

Wechselwähler wird bestenfalls W.W. abgekürzt. Ansonsten sind Sie ungefähr so viel Wechselwähler wie ich. Sie sind nicht parteigebunden, aber Sie sind an Werte und Grundüberzeugungen gebunden. Das schließt für Sie ein paar Parteien aus, setzt z.B. die CDU und die SPD auf die erste Option, während FDP und Grüne für Sie immer nur die zweite Wahl bleiben werden. Sie sind ein Kind Ihrer Herkunft, als Sie politisch erwachsen wurden, dominierten die Volksparteien mit starkem gemeinschaftlichen Ansatz. Der Individualismus der Mehrheitsbeschaffer war Ihnen innerlich immer suspekt.

Doktor Hong ist genauso wie ich sozialliberal geprägt, weil während unserer Gymnasialzeit diese Farben regierten und irgendwie als sympathischer galten. Wir haben lange dem Liberalismus dieser Zeit nachgetrauert, allerdings unterschiedliche Schlüsse aus den Umwälzungen nach 1990 und der Globalisierung gezogen. Wir beide haben Sympathie für die SPD und können dennoch andere Parteien wählen.

Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind, nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung.

Unsinn. Das wäre mir völlig egal, denn Sie kennen mich nicht und Ihr Eindruck zählt gegenüber niemanden. Damit nähern wir uns dem Punkt: Sie können sich nicht selbst Vertrauenswürdigkeit bescheinigen, genauso wenig wie das Konkurrenten oder politische Gegner können. Vertrauen ist erst etwas zutiefst Persönliches zwischen zwei Personen und dann erst etwas Allgemeines. Es ist Kindergarten, wenn die Linkspartei sich als verlässlich charakterisiert. Die überwältigende Mehrheit sieht das eben nicht so. Und Vertrauen erwirbt man sich nicht durch Reden, sondern Taten. Anschließend ist es an Ihren Mitmenschen, dies zu bewerten – nicht an Ihnen selber.

Was bitte sollte Angela Merkel sagen? Klar, es war ein Giftpfeil, aber nicht mal ein effektiver. Ich selbst habe davon nur durch die Reaktionen der SPD erfahren. Was nützt es den Sozialdemokraten, wenn die CDU-Vorsitzende sie als „zuverlässig“ beschreiben würde? Glauben Sie ernsthaft, ein paar Dödel würden denken: „Oh, wenn die Kanzlerin das sagt, dann kann ich ja vielleicht mal SPD wählen?“ Ich jedenfalls kenne keinen Dödel, der so gestrickt ist. Wäre selbst eine positive Äußerung nicht eher eine Anmaßung? Wer ist diese Frau, dass Sie mir ein Testat gibt, das eigentlich nur dem souveränen Bürger zusteht?

Wenn Sie von irgendjemanden ein Urteil bekommen, dann heißt das auch, dass dieser jemand über Ihnen steht. Er ist in der Lage, Sie zu bewerten und er hat das Recht dazu, was aus seiner Position entspringt. Wenn Sie sich so in der politischen Arena sehen, haben Sie schon verloren, denn schließlich vertraue ich demjenigen mehr, der urteilen darf als jenem, der beurteilt wird.

Aber soweit denken die meisten nicht.

19) Erwin Gabriel, Sonntag, 08. September 2013, 19:45 Uhr

@ 67) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 18:04 Uhr

>> Ansonsten sind Sie ungefähr so viel Wechselwähler wie ich.
>> Sie sind nicht parteigebunden, aber Sie sind an Werte und
>> Grundüberzeugungen gebunden. Das schließt für Sie ein paar
>> Parteien aus, setzt z.B. die CDU und die SPD auf die erste Option,
>> während FDP und Grüne für Sie immer nur die zweite Wahl
>> bleiben werden. Sie sind ein Kind Ihrer Herkunft, als Sie politisch
>> erwachsen wurden, dominierten die Volksparteien mit starkem
>> gemeinschaftlichen Ansatz. Der Individualismus der Mehrheitsbeschaffer
>> war Ihnen innerlich immer suspekt.

Jetzt sind Sie auch noch Psychologe …? Mal so ganz unter uns: Am Ergebnis Ihrer Analyse gemessen, können Sie das auch nicht.
🙂

>> >> Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern
>> >> dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind,
>> >> nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen
>> >> auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung.

>> Unsinn. Das wäre mir völlig egal, denn Sie kennen mich nicht und Ihr
>> Eindruck zählt gegenüber niemanden.

Wieder mal das Kleingedruckte übersehen: CDU und SPD haben in der großen Koalition zusammen gearbeitet, und in Sachen Euro(pa)-Politik auch in dieser Legislaturperiode des öfteren Händchen gehalten.

Wenn ich mich gemeinsamen Geschäftspartnern gegenüber wie beschrieben äußern würde, und diese Leute wüßten, dass wir schonzusammen gearbeitet haben (ich mir also ein Urteil über Sie bilden konnte), könnte das beim einen oder anderen Vorbehalte erzeugen.

>> Wenn Sie von irgendjemanden ein Urteil bekommen, dann heißt das auch,
>> dass dieser jemand über Ihnen steht.

Natürlich nicht. Wieder so eine unpassende Verallgemeinerung.
Banales Beispiel: Sie kriegen bei Ebay die Bewertung „total unzuverlässig“. Da steht niemend über oder unter mir, man beurteilt auf gleicher Augenhöhe. Auch in meiner bescheidenen Arbeitswelt tauscht man sich mit und über Kollegen und Geschäftspartner aus.

>> Aber soweit denken die meisten nicht.
Wohl wahr 🙂

20) Journalist, Dienstag, 10. September 2013, 00:41 Uhr

@ 55) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 23:35 Uhr

>> Germany is ranked an excellent 3rd for the quality of its
>> infrastructure, boasting in particular first-rate facilities
>> across all modes of transport. (..)

Ich kenne die Studie, aber sie stimmt nicht (zumindest nicht in diesem Punkt).
Zur Infrastruktur: Rang 3 hatten wir 2008, aktueller derzeitiger Stand ist Rang 10.

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