Montag, 02. September 2013, 13:53 Uhr

Wie tot ist das TV-Duell?

Vorab: Ich bekenne mich schuldig. Ich bin einer der Hauptverantwortlichen für das strenge Regelwerk und die Sekundenzählerei beim TV-Duell, die ein echtes Streitgespräch be- und verhindern. Damals, 2002, war das TV-Duell neu im deutschen Wahlkampf und mein Ziel als Wahlkampfmanager des medial unsicheren CDU/CSU-Kanzlerkandidaten war, Edmund Stoiber im Duell ein Korsett und Gerhard Schröder eine Zwangsjacke zu verpassen.

Das gelang auch – im ersten der beiden Duelle. Seit dieser Zeit bestehen die Regeln nur marginal verändert fort – bis zum TV-Duell 2013. Heute sehe ich das natürlich anders und bin, wie Millionen Fernsehzuschauer, Opfer meiner Tat.

Jetzt aber zum aktuellen Duell: Es ging erwartungsgemäß aus. Steinbrück schlug sich gut, aber nicht so gut, dass er eine Wende im Wahlkampf erreichen konnte. Und für Merkel reichte ihre – auch diesmal wieder präsentierte – Normalform. Beide spulten ihre Wahlkampfreden häppchenweise ab. Es gab ein 0:0, bei der freundlichsten Annahme ein 1:1. Jede machte einen kleinen Punkt, keiner einen Match-Point.

Da ist zu wenig für einen Herausforderer, der vor dem Duell meilenweit hinten lag. Dass das Duell nicht zündete, sondern nur ein kleiner Kontrapunkt zu Angela Merkels Einschläferungswahlkampf war, lag auch daran, dass es im Wahlkampf keine großen kontroversen und mobilisierenden Themen gab.

Im Gegensatz zu 2002: Flut und Irak. Und 2005: “Merkelsteuer” und der “Professor aus Heidelberg”. Das Umfeld und die Umfragenlage machen das Duell.

Daran ändern auch die abendlichen Meinungsumfragen nichts, die mal  Merkel, mal Steinbrück vorne sehen. Bei der ARD war zum Beispiel die Antwort “Keiner von beiden” gar nicht abgefragt worden – möglicherweise eine Erklärung für das unterschiedliche Ergebnis.

Außerdem: auch 2009 lag Frank-Walter Steinmeier knapp vorne und bekam am Ende 23 Prozent. Allerdings wird es Steinbrück gelungen sein, seine verzagten SPD-Anhänger zu motivieren und ein paar Unentschlossene zu gewinnen. Das ist auch gut so, denn eine große Koalition oder Schwarz-Grün sind allemal besser als eine eine Neuauflage der auch bei der großen Mehrheit der Wähler ungeliebten schwarz-gelben Koalition.

Es stellt sich die Frage, ob das TV-Duell in dieser Form überhaupt noch zeitgemäß ist. Besser wären zwei große TV-Auseinandersetzungen: ein Duell der Kanzlerkandidaten – aber nur mit einem Moderator und mit einem gelockerten Regelwerk, das auch ein längeres Streitgespräch erlaubt,  das nicht permanent durch das Abhaken neuer Fragen unterbrochen wird.

Und – noch wichtiger – wieder eine Elefantenrunde aller Spitzenkandidaten. Damit sich Kanzlerin und Kanzlerkandidat auch den Argumenten der “Linken”, Grünen und der FDP stellen müssen. Eine Kontroverse Trittin gegen Merkel oder Steinbrück gegen Brüderle oder Gysi wäre spannnender und aufschlussreicher gewesen als das Duell.

In der alten Form, mit dem Parallelduell der vier Moderatoren und den ärgerlichen Regeln (siehe oben), ist das TV-Duell als echte Entscheidungshilfe für den Wähler tot. Daran ändern auch 17,6 Millionen Zuschauer im Vier-Sender-Zwangsfernsehen nichts.

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69 Kommentare

1) Frank Reichelt, Montag, 02. September 2013, 14:13 Uhr

Willkommen im Club!

2) Sigmund, Montag, 02. September 2013, 14:24 Uhr

Zum Regelwerk: Ach Sie waren das? gut zu wissen. Der (Milz-)Brandbrief ist unterwegs.
🙂

An der ausgefallenen Elephantenrunde ist ja wohl Fr. Merkel schuldig.
Es war unter ihrer Würde, sich mit dem niederen Gesinde abzugeben.
Das würde auch den Eindruck erwecken, sie wär doch nur ein normaler Politiker und keine Königinmutter.
Und natürlich – Westerwellee Trittin und Gysi würden sie härter rannehmen als der Streichelzoo von Journalisten.

3) Erika, Montag, 02. September 2013, 14:31 Uhr

für mich war das TV-Duell sehr lebendig und es hat gezeigt, wie blass Angela Merkel ohne Presseschminke ist. Die Wähler konnten sich selbst ein Bild machen und wenn man den ARD-Umfragen glaubt hat sich da doch etwas verändert.

Auf die Frage: Direktwahl “Wen würden Sie wählen?” sagten

vor dem Duell

Angela Merkel 54 – Peer Steinbrück 28

nach dem Duell

Angela Merkel 48 – Peer Steinbrück 45

Mir kommt diese Veränderung entgegen ihrem “sondern nur ein kleiner Kontrapunkt zu Angela Merkels Einschäferungswahlkampf war” wie ein Wunder vor.

4) Rapunzel, Montag, 02. September 2013, 15:09 Uhr

Ich fand das TV Duell ebenfalls sehr erhellend und würde mir weitere wünschen.
Das Frau Merkel weitere Auftritte dieser Art ablehnt finde ich ebenfalls sehr aufschlussreich. Ich würde mir dementsprechend wünschen, das es künftig eine Pflicht zu derartigen Informationsveranstaltungen zumindest für alle KanzlerkandidatInnen gäbe. Das würde helfen der (stark von den Unteressen des Volkes) abgehobenen Berliner Hinterzimmerkultur etwas entgegen zu setzen.
Das Herr Steinbrück mal klipp und klar gesagt hat wie er zum Abhörskandal steht und dass er im Gegensatz zur Kanzlerin vorhat, von dem Begriff Freiheit nicht nur zu reden, sondern auch etwas dafür zu tun, war ebenfalls den Auftritt wert. Das zeigte wieder deutlich wie sehr es bei der anstehenden Wahl doch immerhin auch um unsere Grundrechte geht.

5) Carlos Manoso, Montag, 02. September 2013, 15:19 Uhr

Was am Anfang klar war, kommt am Ende auch raus: eine Große Koalition von CDU/CSU und SPD.

Am Ende des „Duells“ kamen Angela Merkel doch Zweifel, dass den Parteifunktionären der beiden Parteien möglicherweise die Reihenfolge nicht bewusst genug sein könnte,weshalb Merkel zum Ende ausdrücklich nochmal klar machte: An 1. Stelle kommt „das Land“, an 2. Stelle kommt die Partei, an 3. Stelle kommt die Person. Mit anderen Wortent : „Mutti backt den Friede-Freude-Eierkuchen und Peer trägt ihn auf“.

Damit keine Fragen aufkommen, wozu dann überhaupt noch Wahlen abgehalten werden müssen, muss das Drehbuch der Inszenierung vorsehen, dass bis 22. 09.2013 um Punkt 18:00 Uhr beide Parteien – CDU/CSU und SPD – die Rolle des Kochs spielen dürfen. Ab 18:00 Uhr am 22.09.2013 sind beide Parteien CDU/CSU/SPD allerdings nur noch KELLNER (der Märkte) . Peer Steinbrück darf absprachegemäß ab 18:00 Uhr am 22.09.2013 wählen, ob er Kellner entweder in Berlin oder Brüssel spielen will. Das darf Peer Steinbrück aber laut Drehbuch nicht selbst entscheiden, Peer Steinbrück darf am 22.09.2013 von US-Presidente Obama lernen und er darf die Entscheidung, ob er in Berlin oder in Brüssel den Kellner von Mutti geben darf, dem „Parlament“ der SPD überlassen.

6) Sophie-D. Fleisch, Montag, 02. September 2013, 16:03 Uhr

Ob das TV-Duell generell “tot” ist, wer weiß, dieses “Duell” jedenfalls hat mir insbesondere deswegen nicht gut gefallen, weil die ekelhaft selbstverliebten Moderatoren (Ausnahme: Peter Klöppel) besonders die Kanzlerin dauernd unfair unterbrachen, als handelte es sich um eine Talk-Show, was es aber nicht war und nicht sein sollte. Ich kann z.B. die Lobeshymnen auf Herrn Raab in der Presse usw. absolut nicht nachvollziehen, im Gegenteil. Demokratie ist eben nicht “witzig” (“Kotelett”), und das ist auch gut so, besonders wenn die Wahlbeteiligung zunehmend sinkt. Freiheit ist kein Spaß! Frau Merkel war jedenfalls besser als ihr Gegner. Ich bewundere ihre Ruhe, ihre Beherrschung angesichts dieser Blasierten… Fazit: Abschaffen. Das Ganze ist mir sowieso zu “gewollt”. Besser wäre in der Tat die “Elefantenrunde” mit allen relevanten Parteien.

7) Mende Tegen, Montag, 02. September 2013, 16:04 Uhr

Ich fand den Steinbrück bewundernswert! Nach diesem katastrophalen Start ist der Mann einfach gewachsen und war lernfähig. Inbegriffen ist einfach auch der völlig neutrale Respekt vor einem 66jährigen angesichts dieser Klarheit und Wachheit. Das Schlusswort war für einen Hanseaten geradezu leidenschaftlich. Vor allem aber wirkte er auf mich sogar ansatzweise authentisch in seinem Bemühen, den (pseudo)linken Umhang, den seine Partei diesem zutiefst neoliberalen Genossen umgehängt hatte, mit Glaubwürdigkeit zu füllen. Und offenbar hat’s ihm wohl die/der Eine oder Andere abgenommen. In diesem Sinne: Mehr ging wohl einfach nicht. Aber wie gesagt, trotzdem Respekt! Auch wenn ich ihn bzw. seine Partei selbstverständlich nicht wählen werde.

Na ja, und Frau Merkel? Zu diesem traurigen Kapitel muss wohl nichts gesagt werden. Denn das wirklich fassungslos Machende ist ja gewiss nicht diese sicher nicht unsympathische Machtmatrone als Person, sondern das Phänomen, wie es diese Frau angesichts ihrer Politik Jahre lang zu solchen unglaublichen Beliebtheitswerten bringen konnte und kann. Andererseits sollte es dann irgendwie doch wieder nicht wundern bei einem ihren journalistischen, die Macht kontrollierenden Auftrag schon lange nicht mehr ausfüllenden Medien-Mainstream, der Mutti jahraus, jahrein geradezu höfisch-devot anhimmelnd zu Füßen liegt. Wie Augstein heute sinngemäß schreibt: Das Politische ist (ich ergänze: spätestens) mit Merkel – und den sie feiernden Medien – aus der Politik verschwunden!

8) Oliver, Montag, 02. September 2013, 16:13 Uhr

Bei aller Konzentration auf die Kandidaten lenkt das nur von der Hauptfrage ab. Ein SPD-Kandidat kann nicht mehr gewinnen. Soviele potentielle SPD-Wähler gibt es nicht mehr. DIe CDU kann verlieren, aber es kann auch reichen.
Der SPD hat HartzIV die Beine gebrochen und solange es dabei bleibt wird sie humpeln aber nicht laufen und das reicht einfach nicht.

9) Mcfly, Montag, 02. September 2013, 16:43 Uhr

Vielleicht reicht es ja bei dem TV-Duell ein paar Kleinigkeiten zu ändern. Ich wäre für noch mehr Regeln und 2-6 Moderatoren mehr pro Politiker.

10) Christian Erhart, Montag, 02. September 2013, 16:52 Uhr

Wie froh bin ich doch, dass ich als Schweizer gar nichts zu sagen habe, und ich sag’s trotzdem. Zum Gähnen war es gestern Abend! Ihr Armen Deutschen könnt wählen zwischen Pest oder Cholera, zum Schluss wird es vermutlich Pest und Cholera zusammen, sprich eine grosse Qualition. Der Beste gestern Abend war Stephan Raab, ohne den währe ich eingeschlafen. Wenn nur der die Sendung gemacht hätte dann wär es wirklich interessant geworden, aber dazu hätten die Pech und Cholera die Eier nicht gehabt.

11) Wolfgang Wegener, Montag, 02. September 2013, 17:10 Uhr

Die Frage “Wen würden Sie wählen” ist ja ohnehin hypothetisch, da der Bundestag den Kanzler wählt und nicht die Bürger. Ansonsten bin ich natürlich dafür, zumindest die im Bundestag vertretenen Parteien diskutieren zu lassen (“Elefantenrunde”). Sooo groß ist die SPD ja nun auch nicht mehr, und ich bin doch nicht nur an SPD und CDU interessiert, sondern auch an der Meinung der sog. Kleinen. Das TV-Duell war erwartungsgemäß stinkelangweilig. Die Kleinen sind das Salz in der Suppe, nicht die Dickschiffe, die alles intern argumentativ aplaniert haben.

12) RCB, Montag, 02. September 2013, 17:15 Uhr

Verehrter Herr Spreng,

nicht nur die Form dieses Duells ist überholt, sondern m.E. ein Duell der Spitzenkandidaten überhaupt, denn im aktuellen Fall ist Frau Merkel eine ziemlich schwache Rednerin, der als Lückenfüller in notwendigen Denkpausen “sozusagen” oder “gewissermaßen” immer wieder herausrutschen und der keinerlei nachvollziehbare Fakten im Gespräch einfallen. Geradezu lächerlich wirkte da der Journalisten-Einwand, Peer Steinbrück hätte sich bei der Frage nach den Abgeordneten-/Politikergehältern “weggeduckt”. Die ganzen Ausführungen von Frau Merkel waren “ein einziges Wegducken”! Herr Steinbrück ist ein brillanter Redner (sonst hätte das mit seinen Vorträgen auch nicht so gut funktioniert) mit erstaunlich großem und breit gefächertem Sachverstand, schneller Auffassungsgabe und der Fähigkeit, auch kompliziertere Vorgänge für (fast) Alle verständlich zu erklären. Er ist der typische Macher (Macher machen allerdings auch mal Fehler!), während wir von Frau Merkel aus Erfahrung wissen, dass sie machen lässt und selbst gerne zögert und aussitzt (ihr Argument, “sie denkt gerne, bevor sie handelt”, ist so eine Rechtfertigung). Wenn man natürlich erst handelt, wenn sich in breiter Öffentlichkeit bereits Mehrheiten zu anstehenden Problemen gefunden haben, kann man natürlich nur sehr viel weniger Fehler machen.

Abseits vom Duell finde ich die Sendungen (in ARD und ZDF rauf und runter) mit zwei oder drei parteioberen Politikern und Publikum, oder ausgesuchten Einzelpersonen oder Paaren wesentlich interessanter und effizienter. Alles was im Stile von Talkshows abläuft, wie letztlich auch dieses Duell, scheint mir eher nicht so sonderlich interessant und aufschlussreich zu sein.

Ihrer Schlussfolgerung über den “Ausgang” des Duells, sowohl direkt noch im TV, als auch hier oben kann ich so nicht folgen. Vielleicht sollten diese Frage überhaupt nicht die Journalisten beantworten (die eine eigene professionelle, aber auch mit Scheuklappen behaftete Sichtweise auf solche Veranstaltungen zu haben scheinen) und auch von Publikum nicht direkt im Anschluss an eine solche Sendung beantwortet werden, sondern ggf. einen Tag später (wie man so Manches “überschlafen” sollte), anstatt sofort und unüberlegt zu urteilen.

Ich jedenfalls (aber das ist natürlich Ansichtssache) fand Steinbrück präziser, deutlicher und ehrlicher als Frau Merkel, die immer Alles in hamiltonsche Schleier hüllt und wie Politiker im Allgemeinen in Interviews, viel geredet, aber dabei nichts ausgesagt hat. Wie nervös und dann auch teilweise fehlerhaft sie antwortet, wenn sie in die Enge getrieben wurde, konnte man deutlich erkennen.

Insofern stelle ich zum wiederholten Male fest, dass sich Journalisten/Medien noch immer anmaßen, mit ihren Aussagen zu versuchen, Wähler und damit Wählerstimmen zu beeinflussen; leider!

13) Ulibru, Montag, 02. September 2013, 17:32 Uhr

Werter Herr Spreng,
auch für mich war dieses TV-Duell sehr lebendig.Am Ende steht ein Unentschieden, mit leichten Vorteilen für den Herrausforderer.In keiner Umfrage vor dem Duell hatte Herr Steinbrück solche Werte, und jetzt ist er gleichauf mit der Kanzlerin.
Lt. Aussage Herr Seehofer gab es nach dem TV-Duell ein Telefongespräch mit der Kanzlerin zum Thema PKW-Maut. Die Antwort von Frau Merkel, lt, Seehofer,”wir haben noch immer eine Lösung gefunden”.
Eigentlich hat Sie ja das Thema im TV-Duell abgeräumt. Wer sagt hier nicht die Wahrheit:: Herr Seehofer oder Frau Merkel?

14) DerWahrsager, Montag, 02. September 2013, 18:27 Uhr

Muttis Wirtschaftskompetenz ist UNGENÜGEND MINUS.
Steinbrücks Erklärungsversuch mit Bundesbank,Anleihenkauf,..
MANGELDHAFT PLUS.

Gar nix war da. Schaumschlägerei.
Was ist mit Wirtschaftsdaten, TARGET, Arbeitslosigkeit ( Euroraum),…
Was ist mit Hochwasser?
Ist bekannt, das der angestrebte Mindestlohn( Grundrente ) unter
der Pfändungsgrenze sind?

Nichts.

Und was ist mit unserem Grundgesetz?
Will man uns eine neue Verfassung vorlegen?
Welche Rolle spielt da die große Koalition?
Was ist mit Fiskalunion und Banken-Union?
Was ist mit Portugal? Dort hat das Verfassungsgericht
die Sparmaßnahmen gestoppt.
Was ist mit Irland, Ungarn,Bulgarien?
Estland,Lettland – knapp im Euro und schon total pleite, oder wie?

Keiner will Antworten geben.
Was ist mit Zwangsriester?
Der wird kommen, weil die Banken sonst kein Wechselgeld mehr haben.
Was ist mit den Lebensversicherungen und unserer Rente?
Steinbrück will die Pensionen einbinden, Mutti nicht.
Ein Punkt für Steinbrück.
Beim Grundgesetz sind alle gleich. Also auch Pensions-/Rentenempfänger.
Mutti regt sich auf? Ist Ihr Gehalt doch nicht hoch genug?

Fazit: Viele Fragen nicht beantwortet. Ein dummes selbstgefälliges Medienspektakulum.

Und jetzt soll man die Katze im Sack kaufen? Und die wählen?

Kopfschüttel.

15) Doktor Hong, Montag, 02. September 2013, 18:52 Uhr

Die Wiederauflage der Elefantenrunden würde ich ebenfalls sehr begrüßen.

Allerdings finde ich nicht, dass Steinbrück sich so schlecht geschlagen hat. Nur einmal hat er gepennt, als Angela Merkel die kleinen Pensionen der Beamten aus mittlerem bzw. gehobenem Dienst angesprochen hat. Nicht nur die Pensionen werden versteuert, worauf Angela Merkel hinwies, sondern die Renten inzwischen auch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenbesteuerung

16) Doktor Hong, Montag, 02. September 2013, 18:54 Uhr

@m.spreng

Sie haben das Reglement des TV-Duells dahingehend beeinflusst, um Ihrem Kandidaten Vorteile zu verschaffen?

Ich dachte, es geht hier um bestmögliche Information der Bürger? 🙂

17) winfried, Montag, 02. September 2013, 19:04 Uhr

Das ganze Format ist Schrott – die Beiden mit einer elektronischen Schachuhr gegenüber setzen – ganz einsam mit sich selbst und dann warten was passiert!

18) winfried, Montag, 02. September 2013, 19:05 Uhr

Wer hat gewonnen? Die 30% der Leute die nicht wählen werden oder eine Alternative wählen die auch noch so heißt!

19) nona, Montag, 02. September 2013, 19:07 Uhr

“Einschäferungswahlkampf” (sic) ist natürlich ein astreiner Tippfehler, trotzdem eine hübsche Spitze von beinahe Freudschem Charakter.

20) Hellegatt.de, Montag, 02. September 2013, 19:12 Uhr

Ich finde die Moderatoren haben die Chance verpasst Fragen neben der flüchtigen Tagesaktualität zu stellen. Fragen, die etwas über den Kandidaten aussagen.

Mich hätte z. B. interessiert, was die immer von allen beschworene “soziale Gerechtigkeit” eigentlich ist. Ich hätte gerne gewusst, ob die Kandidaten wissen, was in einem Jobcenter wirklich passiert, wie hier durch Seelenlosigkeit und Verwaltungsdenken der Mensch entwürdigt wird.

21) LaGioconda, Montag, 02. September 2013, 19:23 Uhr

Stimmt, Herr Spreng, die Runden mit Reinhard Appel waren Sternstunden im deutschen Fernsehen.

Was ich bei Steinbrück nicht verstehe: Warum macht er nicht den Totalausfall bei der Energiepolitik zum großen Thema? Hier hat die “Klimakanzlerin” vollkommen und für jedermann sichtbar versagt. Und Steinbrück findet dafür gerade mal einen Nebensatz.

22) Politikverdruss, Montag, 02. September 2013, 20:04 Uhr

Ein „voll netter Mann“. Und urplötzlich „glaubte man“ ihm. Schon fast ein religiöses Wunder, was sich da gestern vollzogen hat. Zumindest aus Sicht von Herrn Augstein:

„Und dem Mann, der als Finanzminister an der Deregulierung des Finanzsektors mitgewirkt hat, glaubte man plötzlich, dass er gegen die Banken vorgehen will. Dem Mann, der als Redner und Autor reich geworden ist, glaubte man plötzlich, dass er die Interessen der Armen im Blick hat. Dem Mann, der nie wie der Wunschkandidat seiner Partei wirkte, glaubte man plötzlich, ein Sozialdemokrat zu sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-steinbrueck-und-merkel-im-tv-duell-a-919827.html

Diese „Heiligsprechung“ war heute in der Medienlandschaft häufiger zu beobachten. Der deutsche Journalismus scheint unter Überwindung irdischer Fakten ins Transzendente hinüberzugleiten.

23) Peter Christian Nowak, Montag, 02. September 2013, 20:12 Uhr

Das war kein Streitgespräch. So habe ich es auch erwartet! Zustimmung, Herr Spreng! Daher konnte Steinbrück nicht zeigen, was er zuvor bei Phoenix gezeigt hat. Merkel war blass und sie entsprach genau der Verfassung, in dem sich 70% der Wähler befinden: Erst mal weiter so! Lass´ uns in Ruhe, Steinbrück! Uns geht es gut!

Merkel wird bald zeigen, dass es (zwangsläufig) nicht so beschaulich für die 70% weitergehen kann. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Zwangsläufig. Sie wird über kurz oder lang die Steuern erhöhen und es wird das eintreten, was auch Steinbrück in der Phoenix-Sendung gesagt hat und was auch die Fachleute von IWF bis Albrecht Müller sagen. Und noch etwas: ich glaube nicht, dass Merkel vier Jahre durchhalten wird. Nicht seit gestern!

24) Alex, Montag, 02. September 2013, 20:12 Uhr

Das Duell war im Grunde genommen die Fortsetzung des bisher eher einschläfernden Wahlkampfes, weniger ein Höhepunkt oder Tiefpunkt oder gar eine Wende.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt präsidial daher und Steinbrück ein Spur aggressiver. Aber eine Wende, wie die SPD heute interpretiert hat, ist das gestrige Duell definitiv nicht gewesen.

Wahlkampf ist immer auch Entertainment, das Polemisieren, der bewusste Konflikt, das Streitgespräch. Und das fehlte völlig – da gebe ich Herrn Spreng Recht.

Ein guter Moderator – und bitte keinen langweiligen Politikwissenschaftler – á la Stefan Raab ist völlig ausreichend für eine gute Streitkultur. Unsere Profimoderatoren kamen allesamt sehr brav-bieder-langweilig rüber.

Also: Eine ordentliche, fetzige Kontroverse muss her, ein richtiger Orkan! Daher stimme ich einer Elefantenrunde zu!

25) Daniel Florian, Montag, 02. September 2013, 20:16 Uhr

Natürlich täten weniger Moderatoren und viell. auch ein weniger enges Korsett dem Duell gut – Ihre Fundamentalkritik teile ich jedoch nicht.

Man muss vielleicht aufs Detail schauen, aber hier gab es tatsächlich ein paar kleine Höhepunkte: bei Merkel war es die erzwungene Absage an eine PKW-Maut und das Eingeständnis, dass die Bundesregierung nichts gegen das Abhören deutscher Bürger in den USA tun kann / will. Bei Steinbrück war es die Pensions-Affäre.

Spannende Höhepunkte des Duells in meinen Augen – genau so wie Stefan Raab, dem ich so eine gute Performance ebenfalls nicht zugetraut hätte!

26) lottalotter, Montag, 02. September 2013, 20:30 Uhr

wie tot das tv-duell ist, sieht man an dieser kommentarspalte.

27) Tiffy, Montag, 02. September 2013, 21:46 Uhr

Vom ZDF-Spezial-Auftritt war ich ganz enttäuscht, also nicht vom Inhalt, sondern von der Länge: War das von vornherein so kurz geplant?

28) Alex, Montag, 02. September 2013, 22:41 Uhr

Naja, zumindest mit der Beamtenpension hat Merkel nachträglich einen Treffer gelandet, indem sie auf die Widersprüche zwischen Steinbrück und Gabriel verweisen kann:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/nach-dem-tv-duell-gabriel-widerspricht-steinbrueck-bei-pensionen-12556600.html

Hier scheint sich das zu bestätigen, was man vermutet: Gabriel will gar nicht, dass Steinbrück gewinnt, um dann in vier Jahre selbst als linker Kanzlerkandidat zu siegen.

29) der Chris, Montag, 02. September 2013, 23:47 Uhr

Dass Merkel, offensichtlich nicht weiß, dass auch (!) Renten besteuert werden, ist Ihnen nicht aufgefallen! Zumindest haben Sie das in Ihrem Auftritt im ZDF mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen haben Sie gesagt, dass Steinbrück im Bereich “Renten” keine Ahnung hat.

Das Merkel offensichtlich nicht weiß – oder gar absichtlich behauptet – dass Renten nicht besteuert werden, macht mir da um Längen mehr Angst!!

30) Walther Gruschel, Dienstag, 03. September 2013, 07:55 Uhr

@2 Sigmund Das Mutti dieses Gespräch unter der Würde war, konnte man ihr ja seit ersten Minute ansehen.
Eine solche Tranfunzel mit Sauertöpfermine habe ich selten gesehen.
Nach dem Motto ” wer viel redet sagt auch viel ” hat sie ja wohl voll daneben gegriffen.
Den Test hat die Vielzahl an überflüssigen Moderatoren zerstört.
Diese Sendung hätte man sich sparen können.

31) Georg, Dienstag, 03. September 2013, 08:14 Uhr

Tja Herr Spreng, schade dass Sie sich nicht durchringen können, den einzigen positiven Mitstreiter in der von Ihnen mitkonstruierten Zwangsjacke-Situation zu würdigen.
Allerdings wäre das wohl zuviel verlangt, nachdem sie ihm schon im Vorfeld die Kompetenz absprachen. So gern ich Ihren Blog lese, so klar wird langsam, wie sehr auch Sie Teil einer ritualisierten Politiker&Medien-Parallelwelt sind, die sich selbst genügt.

32) Eric B., Dienstag, 03. September 2013, 09:51 Uhr

Stimmt, das war kein Duell. Es war aber auch keine Programm-Debatte. Merkel hat praktisch mit keinem Wort gesagt, was sie in den nächsten 4 Jahren machen will. Vor allem die Großbaustelle Europa und Euro blieb völlig unbeackert. Statt endlich offen zu legen, was sie in Griechenland zu tun gedenkt, wiederholte Merkel die demagogische Klage, Athen habe gar nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen. Damit heizt sie erneut Spekulationen um den Verbleib Griechenlands an – offenbar hat Merkel aus der Krise nichts gelernt. http://lostineu.eu/nichts-dazugelernt-2/

33) W.Kern, Dienstag, 03. September 2013, 12:27 Uhr

6) Sophie-D. Fleisch
Es war notwendig,die Merkel zu unterbrechen und andauern darauf hinzuweisen, dass sie die gestellten Fragen beantwortet und nicht im Nebel herumwuchtelt.Peter Klöppel war der langweiligste Moderator.
S.Raab war der Eizigste, der aus Merkel eine verbindliche Zusage herausgekritzeit hat (PKW-Maut),ansonsten hat diese Frau nichts Konkretes gesagt.
“Freiheit ist kein Spaß” – deswegen mußte man bei der ständig nachhacken ,gesagt hat sie trotzdem nichts.

10) Christian Erhart
Sie haben Recht. Wir leben zwischen Pest und Cholera. Die Demokratie.die die Schweiz hat,ist bei uns nicht möglich,wir haben eine Parteiendiktatur.

Finde sehr schade, das die Kandidaten die Fragen vorher wußten und die Antworten auswendig lernten.
Ich erwarte im nächsten Jahr eine drastische Steuererhöhung oder Währungsreform, oder Beides.

34) Erika, Dienstag, 03. September 2013, 12:35 Uhr

“Das ist auch gut so, denn eine große Koalition oder Schwarz-Grün sind allemal besser als eine eine Neuauflage der auch bei der großen Mehrheit der Wähler ungeliebten schwarz-gelben Koalition.”

Nach den Anmerkungen von Steinbrück zu einem noch nicht veröffentlichten Interview von Frau Merkel über die “europapolitische Unzuverlässigkeit der SPD” im Duell und der Rede von Frank Walter Steinmeier heute im Bundestag glaube ich, dass die SPD Frau Merkel nicht ein zweites Mal zur Kanzlerin wählt.

Frau Merkel wird sich ihre Mehrheiten woanders suchen müssen ob mit oder ohne PKW-Maut.

35) m.spreng, Dienstag, 03. September 2013, 12:39 Uhr

@ 19) nona

Danke für den freundliches Hinweis. Ich habe es jetzt dennoch korrigiert.

36) Wolfgang Wabersky, Dienstag, 03. September 2013, 12:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng!

TV-Duelle sind ein alberner Klamauk und gehören in dieser Form abgeschafft!
Diese TV-Duelle werden zu Events hochgeblasenen , die keinen politischen Erkenntnisgewinn bringen, sondern von den meisten Zuschauern als Abendunterhaltung konsumiert werden wollen (Wer macht die bessere Figur? Wie sind die Strategen gekleidet?). Nur politisch Minderbemittelte können ihre Wahlenscheidung von solch einem sinnentleerten Gemeinplätzeaustausch abhängig machen. Diese Shows fördern die Depolitisierung der politisch Abständigen, denn sie werden von den Herrschenden in Politik und Medienindustrie bewusst als unterhaltungsgeprägter Ersatz lanciert, um eine breitgefächerte politische Diskussion in der Bevölkerung zu verhindern. Solche Sendungen liefern also nur eine Scheinlegitimation für das bestehende System und treiben gleichzeitig die Entpolitisierung der öffentlichen Politik-Debatte und ihre Transformation zur Show voran. Politik in der Öffentlichkeit ist schon längst zur reinen Selbstdarstellungsshow verkommen, in der der Wähler nur noch mit festgestanzten auswendig gelernten Statements abgespeist wird, die er eh schon kennt. Allein die Focussierung auf nur zwei Polit-Darsteller entspricht nicht demokratischen Gepflogenheiten, wobei die Wähler ohnehin nur Parteien, aber nicht den Kanzler wählen können.
FAZIT: Statt solcher Schein-Debatten wäre nach Formen zu suchen, wie die politische Diskussion, die als Grundmerkmal einer lebendigen Demokratie anzusehen ist, in zeitgemäßer Form wiederbelebt werden könnte.

37) riskro, Dienstag, 03. September 2013, 12:55 Uhr

M.S. schreibt unter anderem: …… Jetzt aber zum aktuellen Duell: Es ging erwartungsgemäß aus. Steinbrück schlug sich gut, aber nicht so gut, dass er eine Wende im Wahlkampf erreichen konnte. Und für Merkel reichte ihre – auch diesmal wieder präsentierte – Normalform. Beide spulten ihre Wahlkampfreden häppchenweise ab. Es gab ein 0:0, bei der freundlichsten Annahme ein 1:1. Jede machte einen kleinen Punkt, keiner einen Match-Point……..

Was soll das? Gewonnen, Verloren Unentschieden! An welchen Kriterien machen Sie, werter M.S. dies fest. An Fragen, die zwar gestellt, aber nur teilweise oder gar nicht beantwortet wurden. Hier hatte in der Tat Merkel gewonnen. Bis auf eine Ausnahme wurde dies von Keinen der Fragesteller angemahnt.

Mir schleierhaft, wie man daraus ein Fazit ziehen kann.

In früheren Beiträgen habe ich den Deutschen Wahlmichl der Dummheit bezichtigt.

Dies wiederhole ich. Wenn ein Wähler sein Kreuz danach verteilt, wer in einem Rededuell nichts sagt, aber die tollsten Sprüche klopft. Wenn Wähler sich von solchen Sendungen leiten lassen und nicht davon, wer das bessere Zukunftsprogramm hat, bezeichne ich dies als DUMM.
Wer eine Partei wählt, die die Ministerposten nicht nach Fähigkeiten sondern nach Parteiverdiensten verteilt, ist für mich DUMM.
Ein/e Regierungschef/in, der/die das in Koaitionsverhandlungen zulässt, liegt nicht die Zukunft des Landes am Herzen, sondern alleine der eigene Machtanspruch.

Wer will ernsthaft behaupten, dass CDU/CSU/FDP nicht bessere Köpfe haben, wie das zurzeit von der Kanzlerin berufene unfähige Kabinett.

Denk ich daran, dass Niebel, Schröder, Aigner, Friedrich, Rössler, Westerwelle, Bahr, Ramsauer, Profalla, Schäuble, Sprücheklopferin von der Leyen usw. uns nach dem 22.09.2013, wenn auch nur teilweise erhalten bleiben könnten, werde ich um meinen Schlaf gebracht.

Keine Bundesregierung hat in ihrem Kabinett eine solche Vielzahl von gelinde gesagt unfähigen und teilweise überforderten Minister gehabt.

Keine BR hat eine solche Vielzahl von Kabinettsumbildungen in einer Legislaturperiode aufzuweisen.

Es ist schon dreist, nur alleine unter diesen Aspekten, die amtierende Reg. als die beste aller Zeiten zu bezeichnen.

Wie sagt ein Sprichwort: „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“!

Herr Spreng; Sie schreiben unter anderen:… denn eine große Koalition oder Schwarz-Grün sind allemal besser als eine eine Neuauflage der auch bei der großen Mehrheit der Wähler ungeliebten schwarz-gelben Koalition……

Wenn eine „große Mehrheit der Wähler“ diese ungeliebte Koalition nicht will, warum liegt schwarz/gelb dann angeblich vorne?

Ist hier vielleicht der Grundsatz anzuwenden:

Traue keine Umfrage, die du nicht selbst geführt hast!

Oder wird hier von den Medien Wahlkampfhilfe betrieben, nach dem Motto:

Steter Tropfen höhlt den Stein.

Wenn Ihre Antwort lauten sollte, die anderen haben keine Alternative, wäre das in meinen Augen zu billig.
Ob man eine Alternative darstellen kann, zeigt sich erst dann, wenn man die Chance dazu bekommt, dies zu beweisen.

Ein Versuch wäre es allemal Wert. Der 22. September bietet hierfür die Chance.

M.S., Ihre Höflichkeit ist zu loben, in dem Sie Unfähigkeit mit ungeliebt bezeichnen.

38) Erika, Dienstag, 03. September 2013, 20:55 Uhr

http://www.tagesschau.de/wahl/merkelinterviewpv100.html

Geht es eigentlich schäbiger, als es unsere “bescheidene, beliebteste Mutti” tut?

2011 hat Peter Dausend von der Zeit diesbezüglich bereits einen Artikel verfasst:

http://www.zeit.de/2011/49/SPD

39) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 10:24 Uhr

39)
So wird gefällige Meinungsbildung betrieben, fernab von Fakten, aber nah an Stimmungen.
Der Euro wurde erst zur Krise unter reger Beteiligung einer rot/grünen Regierung.
Stichworte: Griechenland, Aufkündigung des Stabiitätspaktes,
Auch wurd die Finanzkrise in Deutschland erst durch die rot-grüne Finanzmarktreform befördert.
Was auch eine zutreffendere Erklärung für die linke “Folgsamkeit” sein dürfte.
War es nicht die Kanzlerin, die in den Med-Ländern an den “Pranger” gestellt wurde für Versäumnisse aus der Zeit vor ihr?

40) StefanP, Mittwoch, 04. September 2013, 11:12 Uhr

Gestern lieferte die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Deutschen Bundestag ein beredetes Beispiel, wie Linke die Bürger und unser Land sehen. Im Nachklang zum “Duell” versuchte die offensichtlich sangesfreudige Pfälzerin, mit einer Gesangseinlage zu glänzen und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Letzteres ist ihr nun sicher. Was dabei unterging, war das sprachliche Beiwerk, was sie lieferte. Bei den Äußerungen der Bundesregierung käme ihr ein Kinderlied in den Sinn, dass sie nun häufig ihrer kleinen Tochter vortrage. Ausnahmsweise ließ sie das gesamte politische Deutschland daran teilhaben.

Pippi Langstrumpfs “Ich mach’ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ….” erzählt von dem flippigen Gestaltungsanspruch der Astrid Lindgren-Heldin, die sich ihre eigene Welt und Wahrheit schafft. Nahles hält die am 22. September zur Wahl aufgerufenen Bürger für unmündige Kinder, denen man die Pippi vorhalten müsse. Zum Schluss hält sie der Kanzlerin vor, sie lebe anscheinend in einem anderen Land. Vielleicht tut das ja auch die verhinderte Sängerin. Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen bezeichnet die eigene Lage als gut, die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist weit unter Werte des letzten Jahrzehnts gesunken. Ein Großteil ist mit dem eigenen Einkommen zufrieden und hat wenig am eigenen Unternehmen auszusetzen.

Deutschland geht es so gut, dass wir Debatten führen können, wie wir uns das Leben noch bequemer machen können, ob wir in Kantinen “VeggieDays” einrichten, ein allgemeines “Bürgergeld” zahlen oder ein Familiensplitting einführen, ob nun auch Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, besser in den Rentenversicherung stellen, ob es eine PKW-Maut geben soll oder doch gleich eine Bahnklasse für alle, ob ein paar homosexuelle Paare der Ehe gleichgestellt werden sollen, ob es genügend Kitaplätze für werdende Mütter und Wohnungen in “In-Vierteln” für Studenten gibt.

Der Bürger ist nicht so blöd, um ab und zu die Saturiertheit in diesen Forderungen zu sehen. Deswegen lässt er sich nicht emotionalisieren, deswegen zieht er eine Regierung vor, die verwaltet statt eine, die alles umkrempeln will. Die Linken wollen wie gehabt den Bürgern erklären, wie sie die Welt zu sehen haben. Nicht, wie sie tatsächlich ist. Deswegen haben die Bevormundungsparteien bei der Bundestagswahl keine Chance.

41) Erwin Gabriel, Mittwoch, 04. September 2013, 11:47 Uhr

@ 38) Erika, Dienstag, 03. September 2013, 20:55 Uhr

Sie kennen doch das Geschäft. Nachdem Schäuble die Griechenland-Rettung und den Euro in den Wahlkampf eingeführt hat, muss sie cshnell die wahlkampftaktisch richtige Position besetzen.

Merkel hat zu Beginn der Krise nix getan, nach Monaten dann jede Hilfe für Griechenland verweigert, und schließlich doch klein beigegeben. Wenn man sie fragt, wieso sie das getan hat, wird sie antworten, dass sie vorher nachdenkt und dann handelt – wie bei allen wichtigen Entscheidungen, etwa dem Atomausstieg 🙂

Aber was immer sie sagt: Die wichtigsten Grundsteine für die Schuldenunion sind doch schon lange durch Frau Merkel, durch Herrn Schäuble gelegt. Ob ESM oder EZB – Deutschland ist verhaftet und kommt da nicht mehr raus. Und wenn das die Bevölkerung begriffen hat, soll sie denken, dass es die SPD allein war. Waren aber CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne – unter der Federführung der Kanzlerin.

Nur immer wieder peinlich für die Journaille, dass nach solchen Blah-Fasel-Antworten die nächste Frage kommt, anstatt sie einfach mal mit ihren eigenen Aussagen an die Wand zu nageln. Beim Herrn Steinbrück geht das doch auch. Ich würde mich für solch eine Arbeitseinstellung schämen.

42) StefanP, Mittwoch, 04. September 2013, 12:24 Uhr

@37) riskro

Woran messen Sie die Qualifikation eines Politikers? Ihr Maßstab fehlt mir und wie wollen Sie etwas messen, wenn Ihnen der Parameter dazu fehlt?

Wenn ein Wähler sein Kreuz danach verteilt, wer in einem Rededuell nichts sagt, aber die tollsten Sprüche klopft.

Die besten Sprüche hatte eindeutig Peer Steinbrück mit seiner bildgewaltigen Sprache. Nur werden Satiriker nicht gewählt und im Zweifel wirkt es auf die Mehrheit unsympathisch.

Wenn Wähler sich von solchen Sendungen leiten lassen und nicht davon, wer das bessere Zukunftsprogramm hat, bezeichne ich dies als DUMM.

Noch nie hat ein solches Fernsehduell eine Bundestagswahl entschieden. Der Bürger scheint schlauer als Sie das unterstellen. Und was ist bitte beste Zukunftsprogramm? Haben Sie eine Glaskugel?

Keine BR hat eine solche Vielzahl von Kabinettsumbildungen in einer Legislaturperiode aufzuweisen.

Das erste Kabinett Schröder hatte 7 Kabinettsumbildungen, das dritte Kabinett Kohls sogar 11. Schwarz-gelb liegt da mit 8 Ministerwechseln in der Mitte.

Ob man eine Alternative darstellen kann, zeigt sich erst dann, wenn man die Chance dazu bekommt, dies zu beweisen.

Der Sinn von Demokratie liegt darin, dass der Bürger entscheidet, welche Alternative zum Tragen kommt. Die Kriterien dazu sind Sympathie, Plausibilität, Vertrauen und irgendwann fachliche Kompetenz. Linken billigt man genau dies weit weniger zu, weshalb sie weit weniger oft die Regierung stellen. Und kann es sein, dass Ihre Lieblingstitulierungen irgendwo auch auf Sie zutreffen?

43) riskro, Mittwoch, 04. September 2013, 17:48 Uhr

42) StefanP……Und kann es sein, dass Ihre Lieblingstitulierungen irgendwo auch auf Sie zutreffen?

Wer nicht mehr argumentieren kann wird ausfallend und persönlich. Schwach Pietsch. So kennt man Sie.

Wie schon mal an anderer Stelle geschrieben, sind Sie nicht in der Lage zu diskutieren. Ihre besserwisserische subjektive Meinung langweilt, deshalb werde ich mit Ihnen in keine weiteren Diskussionen mehr eintreten. Ich erspare mir künftig Ihnen zu antworten, weil mich die Meinung eines NIEMANDEN nicht zu interessieren braucht.

44) Doktor Hong, Mittwoch, 04. September 2013, 19:21 Uhr

@karel

Jaja, wir haben’s ja kapiert, Rot/Grün = doof, Schwarz/Geld = toll.

45) Rapunzel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:33 Uhr

Weiterer Erkenntnisgewinn aus dem TV Duell Merkel gegen Steinbrück: Beide sind in der privaten Krankenversicherung.
Wie die sonst in aller Regel Besserverdienenden Sozialschmarotzer profitieren die somit von den Forschungsergebnissen die alle mit bezahlen müssen, bekommen schneller einen Termin beim Arzt und vekommen auch sonst Vorzugsbehandlung und bessere Therapien und Medikamente. Das nenne ich asoziales Schmarotzertum !

Frau Merkel interessiert sich nicht für die Schicksale derjenigen die unter dem maroden Gesundheitssystem leiden. Wer Merkel wählt, bestraft somit Schwerstkranke. Da kann keine/r behaupten, “man habe nichts davon gewusst”.

Freiheit statt Merkel !

46) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:35 Uhr

44) Doktor Hong

Na endlich ! 🙂
Wo ich doch hier immerzu lese:
Schwarz/Geld = doof, Rot/Grün = toll

Nun, Scherz beiseite.
Es ist für mich kein Scherz, wenn hier das Wort “schäbig” trendig wird.
Im Gegensatz zu Mitdiskutanten halte ich Fr. Merkel immer noch für “unschäbig”……
sofern der Duden dieses Wort hergibt.
Dann bin nämlich auch ich “schäbig” genug, an politische “Schäbigkeiten” zu erinnern.

Wie auch Sie wissen, hat ein Helmut Kohl trotz der Belastungen aus der Wiedervereinigung
noch vor der Amtsübergabe den “blauen Brief” aus Brüssel respektiert und die Neuverschuldung auf weit unter 3 %, nämlich 1,4 % gesenkt.
Wenn ich etwas “schäbig” finde, dann die Tatsache, erst den Finanz- und Wirtschaftskonzernen 2-stellige Mllliardengeschenke zukommen zu lassen um dann in der Folge das politische Erbe “Euro” mit dem folgenschweren Bruch der Stabilitätskriterien nachhaltig zu beschädigen.

Und nun erlaube ich mir, nochmal “schäbig” zu sein:
Wer sich auf Berichte aus der “ZEIT” des Mit-Herausgeber Helmut Schmidt und der ARD, dem anerkannten “Rotfunk” bezieht, um “Schäbigkeit” einer Kanzlerin zu untermauern, da denke ich dann schon an die alten Zeiten von Eduard von Schnitzler und dem Schwarzen Kanal sowie das Neue Deutschland zurück.
War ich nun “schäbig” genug?

Ich hoffe, daß die geschätzte Mitdiskutantin “Erika” mitliest, der ich diese Zeilen wegen des Wortes”schäbig” gerne widme.

Doktor Hong
ansonsten freue ich mich immer wieder auf Ihre anregenden Beträge ebenso wie auf die Beiträge eines StefanP. nach dem Motto “Klartext” sowie des eher diplomatisch formulierenden Teilnehmers Politikverdruß.
Sonst wäre ich schon längst nicht mehr hier.

Gruß
karel

47) Marinela, Donnerstag, 05. September 2013, 00:27 Uhr

Ich bin also nicht die einzige, die das so sieht …

http://marinelasworld.wordpress.com/2013/09/04/das-tv-duell-or-how-german-politicians-bore-the-heck-out-of-me/

48) Erika, Donnerstag, 05. September 2013, 07:36 Uhr

@Karel

Es geht um das persönliche Verhalten von Frau Merkel, Herr Steinmeier hat es gut beschrieben:

http://www.n-tv.de/politik/SPD-erzuernt-ueber-Merkel-Aussagen-article11295876.html

“SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach in der letzten Bundestagsdebatte vor der Wahl von einer “Sauerei”. Ohne die SPD hätte Merkel bei der Abstimmung über den Fiskalpakt gesessen “wie das Kind beim Dreck”, sagte er. “Statt dankbar zu sein, dass Ihnen das Schicksal erspart geblieben ist, schmeißen Sie mit Dreck nach denen, die zu Europa gestanden haben, als Ihre Leute schon fluchtartig den Platz verlassen haben”, kritisierte der SPD-Fraktionsvorsitzende.”

Wenn Sie für das Verhalten Merkels bessere Begriffe finden, dürfen Sie sie gerne verwenden.

49) Jakobiner, Donnerstag, 05. September 2013, 16:04 Uhr

Bezeichnend, worüber alle Parteien zur Zeit nicht sprechen und auch nicht die Duellmoderatoren: Über die Schattenbanken.So erfährt man beiläufig, dass dieses Thema ein wichtiger Punkt bei dem G-20-Treffen ist, da sich hier wieder 67 Billionen Euro akkumiliert haben und dieser Bereich nun schnell reguliert werden soll–wogegen sich wieder City of London und Wallstreet stellen. Das bedeuet, falls diese Regulierung nicht bald geschieht, dass wir aus diesem Bereich eine noch viel gigantischere Finanzkrise als 2008 in Bälde zu erwarten haben.Bezeichnenderweise wird dies aber gar nicht im Wahlkampf thematisiert–die ganzen Parteien pennen wieder wie vor 2008 Lehmann Brothers.

50) Don Corleone, Donnerstag, 05. September 2013, 17:59 Uhr

46) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:35 Uhr

Lieber Karel,

auch Sie gehören zu den erfrischenden Teilnehmern dieses Blogs.Es bedarf einer gewissen Frechheit, um nicht zu sagen: Chuzpe, heutzutage gegen den linksgrünen Strom zu schwimmen. (“Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom”, uraltes Sprichwort.)
Das TV-“Duell” zwischen Herrn Steinbrück und Frau Merkel war keins, das diesen Namen verdiente. Man bewarf sich mit toten Fischen, von Spin Doctors lauwarm geräuchert. Nach sieben Minuten war die TV-lose Eckkneipe weitaus unterhaltsamer — nämlich mit just jenen “einfachen” Menschen, die von den etablierten Parteien rhetorisch stets inniglich ans Herz gedrückt werden, ohne sie auch nur im Ansatz zu verstehen. Wie denn auch? Aus dem Elfenbeinturm, die hehren Häupter auf seidene Kissen gebettet, einem fürstlichen Ruhestand entgegensehend, der auch die übelsten Fehler, Wortbrüche und Lügen verzeiht?

Dazu sei, sofern nicht hoffnungslos politisch unkorrekt, Jan Fleischhauer zitiert:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-das-problem-mit-dem-kleinen-mann-a-920516.html

Herzliche Grüße!

51) Erika, Donnerstag, 05. September 2013, 18:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Sie als Politikberater und Benenner von Fettnäpfen, was sagen Sie?

Wird dieses Aussage von Frau Merkel SPD-Wähler motivieren? Hat die SPD jetzt einen Grund im Fall einer Wiederwahl Merkels in der GK schlicht und einfach mal auf ihre staatspolitische Verantwortung zu verzichten? Mögen die Wähler jemand, der einem Partner (SPD hat die Politik Merkels insoweit unterstützt, dass sie im Bundesrat und Bundestag die nötigen Mehrheiten hatte) derart in den Rücken fällt? und was sagt dieses Verhalten über den Charakter und die Bescheidenheit von Angela Merkel?

Leider ist es wie immer, die Schlagzeile “gegen” Merkel lautet: “SPD fordert Entschudligung von Merkel” in ein paar Zeitungen und das wars dann schon. Und das Plakat am Berliner Bahnhof ein Fettnapf oder genial oder einfach nur geschmacklos und einer Demokratie unwürdig?

Jede kleinste Regung von Steinbrück wurde thematisiert, skandalisiert und kommentiert.

Seltsam ruhig in unserer unabhängigen Presse!

52) rundertischdgf, Donnerstag, 05. September 2013, 19:01 Uhr

Möglicherweise waren es die Klügeren, die abschalteten oder umschalteten! Was ist denn eigentlich wirklich für den nächsten Tag hängengeblieben, die Kette von Frau Merkel und das Thema Maut. Es war eine Zwangsgleichschaltung der Nation. Soll in der Zukunft so die manipulierte Meinungsmache aussehen, dumm, primitiv und keiner merkt es. Die Deutsch-Türkischen-Nachrichten beklagten, daß das Thema Migration ausgeklammert war. Sie äußerten die Vermutung, daß hier Regie geführt wurde. Dieses Thema war dem (dummen) Volk nicht zuzumuten. Vier Journalisten stand herum und keiner fragte danach. Wieso eigentlich nicht. durften sie nicht?

http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/09/03/merkel-und-steinbruck-waren-zu-feige-uber-migrationsprobleme-zu-diskutieren/

53) Rapunzel, Donnerstag, 05. September 2013, 19:04 Uhr

@Karel

Nein “schäbig” würde ich Frau Metkel nicht nennen. Das ist wirklich unterhalb des Niveaus auf dem wir hier diskutieren. Auch die vielfach genutzte, abwertend gemeinte Bezeichnung “Mutti Merkel” gehört zu den unschönen Seiten der Kritik an Angela Merkel. Nur hat Sie eben mehrfach Wortbruch begangen, ihre Wahlversprechen gebrochen und versucht nun in Ihrer Doppelmoralinsauren Art uns zu erklären was Freiheit für Sie ist. Dieser Ideologie möchte ich nicht folgen. Für uns ist Freiheit, Meinungsfreiheit und die Freiheit vor totaler Überwachung eben -im Gegensatz zu der erklärten Position von Frau Kanzlerin Merkel- ein schützenswertes Gut.
Dieses Grundrecht und dazu gehörige Werte gilt es gegen den Generalangriff konservativer Idelogen zu verteidigen. Wer versucht dies im Wahlkampf zu missbrauchen bzw. kleinkarriert im
Rahmen pateipoltischer Gezänkrituale zu verniedlichen, stellt sich selbst an den Rand dieser Gesellschaft bzw. verrät deren Grundsubstanz.
Deshalb und weil ich noch etwas vom Grundgesetz halte, lautet meine Losung zum 22. September: Freiheit statt Merkel (CDU)!

54) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 05. September 2013, 20:32 Uhr

47)Marinela

(…) “Beamter” (translation: government worker who cares more about his lunch break than being helpful)(…)
Great, as some of the american journalist translate “Beamter”!

55) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 23:35 Uhr

Zu behaupten, es liefe schlecht für die linken Oppositionsparteien, wäre die Wahrheit schöngefärbt. Tatsächlich reihen sich für die Spitzenkandidaten Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und Gregor Gysi die Katastrophen zeitlich aneinander. Seitdem die bürgerliche Koalition zu einem zivilen Umgang gefunden hat, sind die Zustimmungswerte für das rot-grüne Lager im ständigen Sinkflug. Seit September 2010 haben die Parteien, die antreten, die “beste Regierung aller Zeiten” abzulösen, 12 Prozentpunkte verloren (inklusive Linkspartei). Für Hessen, wo in gut zwei Wochen zeitgleich gewählt wird, zeigt sich das gleiche Bild.

Die Daten zeigen, dass es eben nicht an einzelnen Personen und dem Spitzenpersonal liegt. Die gesamte Richtung stimmt nicht, wenn es über einen so langen Zeitraum nicht gelingt, die eigene Programmatik “rüber zu kriegen”. Es liegt auch nicht im Kern an der Koalitionsstrategie in Opposition, schließlich hatte Rot-Grün sowohl im Bund als auch in Hessen einen satten Vorsprung. Aber man kann nicht permanent historische Fehler wiederholen und das mit dem Bohren dicker Bretter gleichsetzen. Es grenzt in jeder Demokratie an politisches Harakiri, zu Wahlkampfzeiten Steuererhöhungen anzukündigen. Und erst recht ist es politischer Selbstmord, dies aus der Opposition heraus bei bester Wirtschaftslage und hohen Steuererträgen zu tun.

Gestern verkündet das Weltwirtschaftsforum (WEF), dass Deutschland inzwischen im internationalen Wettbewerbsranking den 4. Platz einnimmt. Deutschland ist für internationale Investoren so attraktiv wie nie. Die facettenreiche Begründung der Forscher ist gleichzeitig ein glatter Knieschuss für die Argumentation der Oppositionsparteien, die behaupten, verfallene Infrastruktur, schlechte Bildung und soziale Ungleichheit machten umfangreiche Steuererhöhungen notwendig. Außerdem gäbe es eine wachsende Arbeitsplatzunsicherheit.

Germany is ranked an excellent 3rd for the quality of its infrastructure, boasting in particular first-rate facilities across all modes of transport. (..) Germany’s business sector is very sophisticated, especially when it comes to production processes and distribution channels. German companies are among the most innovative in the world, spending heavily on R&D (4th) and displaying a high capacity for innovation (3rd)—traits that are complemented by the country’s well-developed ability to absorb the latest technologies at the firm level (16th). Research institutions are assessed as being of higher quality than in previous years, and scientists and engineers appear to be more readily available.

Some shortcomings remain with respect to labor markets and the educational system. Despite some improvement (from 53rd to 41st), Germany’s labor market remains rigid (113th for the labor market flexibility subpillar), where a lack of flexibility in wage determination and the high cost of firing hinder job creation, particularly during business cycle downturns.

Kurz: Die Infrastruktur ist die Drittbeste weltweit, Unternehmen und Ingenieure sind erfindungsreich wie nie, während der Arbeitsmarkt weiterhin von rigiden Vorschriften erdrückt wird. Die Oppositionsparteien behaupten das glatte Gegenteil.

In welchem Land lebt eigentlich Andrea Nahles?

56) karel, Freitag, 06. September 2013, 00:16 Uhr

@Erika

Es geht für mich dagegen um das Verhalten der SPD incl. Steinmeier:
Wörtlich sagt Merkel: “In der Frage der Euro-Krise ist die Sozialdemokratie total unzuverlässig. Da ist von Eurobonds, Schuldentilgungsfonds, gemeinsamer Haftung bis hin auch zum Gegenteil alles gesagt worden.”
Und genau so habe ich das auch in Erinnerung.
Es ist dieselbe SPD, derselbe Steinmeier, der als Kanzleramtsminister seinen damaligen Chef dabei half, die Euro-Stabilitätskriterien von Maastricht aufzukündigen. Also den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Ein Weg, der geradezu die heutige Euro-Krise wesentlich mitbefördert hat.
Es war der Stärke der Kanzlerin zu verdanken, daß der von der SPD wieder einmal gewollte Weg des geringsten Widerstandes über Eurobonds, Schuldentilgungsfonds, gemeinsamer Haftung nicht gegangen wurde. Dieser Einsicht ist die SPD ja dann wohl aus freien Stücken gefolgt, als sie dann endlich einmal zu Europa, und nicht wieder zum “einfacheren Weg” standen. Es hat schon was,
eben dieser Kanzlerin dann mainstreamgerecht “Führungsschwäche” im Wahlkampf anzuhängen.

Für mich hat es einen größeren Stellenwert, das ewige Lavieren der SPD um den Weg des geringsten Widerstandes einfach mal deutlicher zu machen, dies auch aufzuzeigen. Der Weg des geringsten Widerstandes, der auch einst die Brandt/Schmidt-Zeiten prägte. Und somit auch das desaströse heutige Schuldenbild

Daß ein Steinmeier von seinen Versäumnissen mit einer wortreichen Kaskade ablenkt, und das auch nicht ungeschickt, ist eben das übliche Politikerverhalten. Und wenn die Medien diesen Punkt nicht bewerten wollen, ist es eben auch das übliche Medienverhalten, ohne deshalb gleich das Wort “schäbig” benutzen zu wollen.

57) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 09:11 Uhr

@ 46) karel, Mittwoch, 04. September 2013, 23:35 Uhr

>> Wo ich doch hier immerzu lese:
>> Schwarz/Geld = doof, Rot/Grün = toll

Schwarzgeld ist nicht doof – nicht für den, der es hat. 🙂

Ich kann Ihren Standpunkt zu Rot-Grün ja durchaus nachvollziehen.

Was ist die SPD für eine Partei geworden? Ein von der CDU, den grünen und den Linken getriebener Jammerverein, dem nichts anderes einfällt, als den “Reichen” (also grob geschätzt jedem, der mehr als 4800 Euro brutto monatlich nach Hause trägt) in den Geldbeutel zu greifen. Mit einer Handvoll Top-Leute, die jedesmal auf die Nase kriegen, wenn sie den Mund aufmachen und sagen, was sie DENKEN.

Und die Linke – das sind gleich drei Parteien, wie Peer Steinbrück zu Recht sagt. Welche davon hätte ich denn nun wirklich gewählt, falls ich dort mein Kreuzchen machen würde?

Oder die Grünen? Moralisierende Weltverbesserer, triefend vor Eitel- und Selbstgerechtigkeit. Preussische Piefigkeit, die alles in Vorschriften packen will – an ihrem bürokratischen Wesen soll die Welt genesen.

Aber die beiden anderen Parteien sind keinen Deut besser.

Die FDP, mit Brüderle vorneweg. Hohl, leergebrannt, auf einige wirtschaftspolitische Themen reduziert. Die Freiheit und die daraus erwachsende Verantwortung wird zwar stets beschwört, aber nur die Freiheit gewünscht, die damit gekoppelte Verantwortung bestenfalls sehr klein geschrieben. Ein Kubicki ist einfach zu wenig, und der viel versprechende jugendliche Nachwuchs verspricht eben nur viel…

Erst recht die CDU. Den Banken hinten rein gekrochen, dem Mittelstand hinten reingetreten. Kein Herz, keine Seele, keine Ideale, keine eigenen Ideen. Bestenfalls eine Projektionsfläche für Frau Merkel, die sich ihre politischen Vorstellungen an allen Ecken und Enden zusammenklaubt und dann der armen, hilflosen partei überstülpt. Die ihr weitreichendes Nichtstun gerne mit Nachdenken verargumentiert, dieses Nachdenken aber bei wichtigen Themen wie der Energiewende vollkommen vermissen lässt.

PS: Wenn es darauf ankommt, siehe Euro, stimmen eh alle gleich ab – da ist die deutsche Politik eben “alternativlos”, wie Frau Merkel mit feinem Spott stets zu sagen pflegt.

58) Wolfgang Wegener, Freitag, 06. September 2013, 11:24 Uhr

Ich weiiß nicht, was Frau Merkel reitet, die SPD in der Eurokrise als “total unzuverlässig” zu bezeichnen. Im Gegenteil war die SPD in der Eurokrise total zuverlässig, wie ich meine. Genau dies lässt zumindest mich ja auch nach Alternativen suchen. Und zwar nicht nur für die Zweitstimme, sondern auch für die Erststimme: Ich möchte meine Botschaft als Wähler ganz deutlich machen: Besser jetzt ein Ende mit Schrecken – das habe ich schon 2010 so gesehen, als dies noch billiger war-, als ein Schrecken ohne Ende.

Als politisch interessierter Mensch möchte ich zudem nicht zu Tode gelangweilt werden; wofür haben wir eigentlich mehrere Parteien?

59) Gregor Keuschnig, Freitag, 06. September 2013, 13:49 Uhr

@58 Wolfgang Wegener
Zu Merkel und ihren Äußerungen zur SPD: http://www.begleitschreiben.net/merkels-schmutziger-coup/

60) Wolfgang Wegener, Freitag, 06. September 2013, 14:38 Uhr

@59 Gregor Keuschnig: Hinsichtlich der Motive der Frau Merkel stimme ich nicht ganz mit der Aussage in o.a. Link überein: Ich glaube nicht, dass Frau Merkel die potentiellen SPD-Wähler nochmal daran erinnern muss, wie diese sich in der Euro-Krise verhalten haben. Das ist angekommen, denke ich mal.

Ich vermute, dass Frau Merkel erkannt hat, dass wir mittlerrweile nicht mehr eine asymmetrische, sondern eine symmetrische Wählerdemobilsierung haben und deswegen Unterschiede zwischen SPD und CDU konstruiert, die es meiner Meinung nach gerade nicht gibt. So nach dem Motto: Um Schlimmeres zu verhindern, wählt CDU, die ist wenigestens zuverlässig.

BTW: Schön noch einmal zu lesen, dass der sog. Redikalenerlass von Williy stammt.

61) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 16:35 Uhr

56) karel, Freitag, 06. September 2013, 00:16 Uhr

Wie immer – leider

Wenn die SPD an der Regierung war und Mist baute, sind die bösen Sozen natürlich Schuld – selbst wenn es damals allgemeines Gedankengut war, dass auch von der CDU mitgetragen wurde.

Wenn die CDU an der Regierung war und Mist baute, waren auch die bösen Sozen schuld, weil sie mitstimmten. Da darf man der CDU keine Vorwürfe machen, weil ja alle einer Meinung waren?

Mich wundert Ihr Geruchssinn. Ich rieche jedenfalls immer Mist, wenn da welcher liegt – egal, von wem der Haufen stammt.

Zu Steinbrück und der SPD: Wenn da soviel Schlechtes gemacht wurde, warum hat es die Kanzlerin in beeindruckenden acht Regierungsjahren nicht geändert?

62) Erika, Freitag, 06. September 2013, 17:35 Uhr

@57) Erwin Gabriel, Freitag, 06. September 2013, 09:11 Uhr

Ich finde Jens Berger hat die Lage gut zusammengefasst:

http://www.dasdossier.de/magazin/wirtschaft/staat-und-wirtschaft/merkels-milliardenhypothek

Aber was soll eine Oppositionspartei machen? Sie hat zwei Möglichkeiten entweder sie macht Fundamentalopposition oder sie trägt Teile der Regierungspolitik mit.

Erinnern wir uns doch noch mal an die Situation bei der Abstimmung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/abstimmung-ueber-esm-und-fiskalpakt-bundestag-und-bundesrat-billigen-euro-rettungsschirm-1.1397842

Man kann das kritisieren. Nach Ansicht vieler hätte die SPD sich enthalten müssen aber es war ja in der verfahrenen Situation ein Schritt in die richtige Richtung um den Euro zu stabilisieren und Europa nicht auseinanderbrechen zu lassen. Und das Bundesverfassungsgericht hat ja dann auch den ESM und den Fiskalpakt durchgewunken.

Der Bankenunion, der Angela Merkel bei diesem Gipfel zugestimmt hat, ist allerdings noch nicht durch den Bundestag und Steinbrück hat im Bundestag klar gesagt, die SPD wird der Rettung von Banken durch den ESM nicht zustimmen,

Als Opposition kann man leider nicht aktiv handeln und der erste Fehler war “Kein Cent für Griechenland.”

Die Verantwortung für die Krisenbewältigung trägt die Regierung und wenn man mit dieser Alternative nicht einverstanden ist, sollte man die Regierung abwählen und die Partei wählen von der man glaubt, dass sie es besser machen kann.

63) Erika, Freitag, 06. September 2013, 22:20 Uhr

“Geht es eigentlich schäbiger, als es unsere “bescheidene, beliebteste Mutti” tut?”

———————————————————————————————————————-

Da das schöne alte Wort “schäbig” soviel Entrüstung ausruft, habe ich die Bedeutung im Duden nochmal nachgeschaut.

Unter Bedeutungen steht: “verächtlich, unredlich, gemein”

Es ist verächtlich und unredlich wie Frau Merkel über die SPD spricht und wirklich gemein, wenn man der Partei, die ihr die Mehrheiten gesichert hat und zwar nicht nur im Bundesrat danach Unzuverlässigkeit vorwirft.

Auch nach der erneuten Reflektion habe ich nichts zurückzunehmen.

64) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

@58) Wolfgang Wegener
@59) Gregor Keuschnig
@61) Erwin Gabriel
@63) Erika

Mein Gott, denken Sie eigentlich einen Moment nach, bevor Sie etwas loslassen? Sie denken so alternativlos, wie Sie das der Bundeskanzlerin unterstellen. Denken Sie ab und zu anders, fragen Sie sich, was sich aus einer Ihnen negativ erscheinenden Aussage machen lässt. Und werfen Sie nicht reflexartig die Empörungsmaschinerie an.

Ich hatte vor ein paar Monaten hier geschrieben, die Steuererhöhungspläne von SPD und Grünen seien das beste Wiederbelebungsprogramm für die Liberalen. Und genau so ist es gekommen: während die FDP ohne ernsthaft etwas dafür zu tun in den Umfragen Stück für Stück zulegt, schwindet die Unterstützung für die linken Weltverbesserer. Sie erledigen sich selber. Perfekt!

Was lehnen eingefleischten SPD-Anhängern neben der Rente mit 67 am meisten ab? Die praktisch vasallenhafte Unterstützung der Sozialdemokraten für die Rettungspolitik der Bundesregierung. Nun sagt die Kanzlerin, die SPD sei keineswegs ein treuer Bundesgenosse, sondern höchst unzuverlässig. Daraus ließe sich nun etwas machen, wenn nicht Parteispitze und die ihnen zugeneigten Kommentatoren wie aufgeregte Hühnchen vor der Schlachtung laut kreischen würden.

Man könnte argumentieren: Liebe Leute, Angela Merkel hat ganz richtig erkannt, dass wir nicht alles mittragen, das ist nicht unsere Aufgabe. Die Dame soll sich ihre Mehrheiten schon selber beschaffen, was ihr ja offensichtlich kaum noch gelingt. Wenn wir schon zu einer Nebenregierung avancieren, dann stellen wir auch Bedingungen. Wenn die Bundeskanzlerin das im Gegensatz zur FDP als unzuverlässig ansieht – bitte.

Eine solche Argumentation hätte Chancen in bestimmten Milieus der Sozialdemokratie zu verfangen, während der begehrte Wechselwähler das Spiel durchschaut, schließlich hat die SPD allen Rettungsmaßnahmen vorbehaltlos zugestimmt. Aber Sie denken ja selbst TINA.

65) Erwin Gabriel, Samstag, 07. September 2013, 22:53 Uhr

@ 64) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

>> Mein Gott, denken Sie eigentlich einen Moment nach, bevor Sie etwas loslassen?

Tun Sie das denn?

Es mag ja (diesmal) alles stimmen, was Sie da schreiben, nur hat es mal wieder überhaupt nichts mit dem zu tun, was ich geschrieben habe. Und erst recht irren Sie sich darin, wie und was ich denke.

Verwunderte Grüße
E.G. (Wechselwähler)

66) Erwin Gabriel, Sonntag, 08. September 2013, 13:28 Uhr

@ 64) StefanP, Samstag, 07. September 2013, 10:52 Uhr

Nachtrag

>> Nun sagt die Kanzlerin, die SPD sei keineswegs ein treuer
>> Bundesgenosse, sondern höchst unzuverlässig. Daraus
>> ließe sich nun etwas machen, wenn nicht Parteispitze und
>> die ihnen zugeneigten Kommentatoren wie aufgeregte Hühnchen
>> vor der Schlachtung laut kreischen würden.

Unzuverlässig bedeutet nicht, andere Meinungen zu vertreten, soindern, nicht zu seinem Wort zu stehen, unberechenbar zu sein, pflichtvergessen zu sein.

Wenn ich Ihnen gegenüber Freunden oder Geschäftspartznern attestiere, dass wir zwei zu vielem unterschiedliche Ansichten und Meinungen haben, würden Sie mir sicherlich zustimmen. Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind, nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung. Zu Recht, denn eine derartige Beschuldigung wäre Ihnen gegenüber ehrenrührig.

Man kann der SPD sicherlich politisch sehr vieles vorwerfen (ich tue das jedenfalls), aber in Sachen Zuverlässigkeit und Pflichtbewußtsein kann sich die aktuelle CDU von der aktuellen SPD eine Menge abschauen. Frau Merkel hat sich hier vorsätzlich ehrenrührig und verleumderisch verhalten. Ob man das schäbig nennen muss, sei mal dahin gestellt. Aber hochgradig unanständig ist es in jedem Fall. Dass sie offenbar meint, das nötig zu haben, erschreckt mich schon sehr.

E.G.

67) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 18:04 Uhr

@65) Erwin Gabriel

E.G. (Wechselwähler)

Wechselwähler wird bestenfalls W.W. abgekürzt. Ansonsten sind Sie ungefähr so viel Wechselwähler wie ich. Sie sind nicht parteigebunden, aber Sie sind an Werte und Grundüberzeugungen gebunden. Das schließt für Sie ein paar Parteien aus, setzt z.B. die CDU und die SPD auf die erste Option, während FDP und Grüne für Sie immer nur die zweite Wahl bleiben werden. Sie sind ein Kind Ihrer Herkunft, als Sie politisch erwachsen wurden, dominierten die Volksparteien mit starkem gemeinschaftlichen Ansatz. Der Individualismus der Mehrheitsbeschaffer war Ihnen innerlich immer suspekt.

Doktor Hong ist genauso wie ich sozialliberal geprägt, weil während unserer Gymnasialzeit diese Farben regierten und irgendwie als sympathischer galten. Wir haben lange dem Liberalismus dieser Zeit nachgetrauert, allerdings unterschiedliche Schlüsse aus den Umwälzungen nach 1990 und der Globalisierung gezogen. Wir beide haben Sympathie für die SPD und können dennoch andere Parteien wählen.

Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind, nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung.

Unsinn. Das wäre mir völlig egal, denn Sie kennen mich nicht und Ihr Eindruck zählt gegenüber niemanden. Damit nähern wir uns dem Punkt: Sie können sich nicht selbst Vertrauenswürdigkeit bescheinigen, genauso wenig wie das Konkurrenten oder politische Gegner können. Vertrauen ist erst etwas zutiefst Persönliches zwischen zwei Personen und dann erst etwas Allgemeines. Es ist Kindergarten, wenn die Linkspartei sich als verlässlich charakterisiert. Die überwältigende Mehrheit sieht das eben nicht so. Und Vertrauen erwirbt man sich nicht durch Reden, sondern Taten. Anschließend ist es an Ihren Mitmenschen, dies zu bewerten – nicht an Ihnen selber.

Was bitte sollte Angela Merkel sagen? Klar, es war ein Giftpfeil, aber nicht mal ein effektiver. Ich selbst habe davon nur durch die Reaktionen der SPD erfahren. Was nützt es den Sozialdemokraten, wenn die CDU-Vorsitzende sie als “zuverlässig” beschreiben würde? Glauben Sie ernsthaft, ein paar Dödel würden denken: “Oh, wenn die Kanzlerin das sagt, dann kann ich ja vielleicht mal SPD wählen?” Ich jedenfalls kenne keinen Dödel, der so gestrickt ist. Wäre selbst eine positive Äußerung nicht eher eine Anmaßung? Wer ist diese Frau, dass Sie mir ein Testat gibt, das eigentlich nur dem souveränen Bürger zusteht?

Wenn Sie von irgendjemanden ein Urteil bekommen, dann heißt das auch, dass dieser jemand über Ihnen steht. Er ist in der Lage, Sie zu bewerten und er hat das Recht dazu, was aus seiner Position entspringt. Wenn Sie sich so in der politischen Arena sehen, haben Sie schon verloren, denn schließlich vertraue ich demjenigen mehr, der urteilen darf als jenem, der beurteilt wird.

Aber soweit denken die meisten nicht.

68) Erwin Gabriel, Sonntag, 08. September 2013, 19:45 Uhr

@ 67) StefanP, Sonntag, 08. September 2013, 18:04 Uhr

>> Ansonsten sind Sie ungefähr so viel Wechselwähler wie ich.
>> Sie sind nicht parteigebunden, aber Sie sind an Werte und
>> Grundüberzeugungen gebunden. Das schließt für Sie ein paar
>> Parteien aus, setzt z.B. die CDU und die SPD auf die erste Option,
>> während FDP und Grüne für Sie immer nur die zweite Wahl
>> bleiben werden. Sie sind ein Kind Ihrer Herkunft, als Sie politisch
>> erwachsen wurden, dominierten die Volksparteien mit starkem
>> gemeinschaftlichen Ansatz. Der Individualismus der Mehrheitsbeschaffer
>> war Ihnen innerlich immer suspekt.

Jetzt sind Sie auch noch Psychologe …? Mal so ganz unter uns: Am Ergebnis Ihrer Analyse gemessen, können Sie das auch nicht.
🙂

>> >> Wenn ich Ihnen vor Ihren Freunden und Geschäftspartnern
>> >> dagegen unterstelle, dass Sie unberechenbar und pflichtvergessen sind,
>> >> nicht zu Ihrem Wort stehen, Vereinbarungen nicht einhalten, kreischen
>> >> auch Sie los wie ein aufgeregtes Hühnchen vor der Schlachtung.

>> Unsinn. Das wäre mir völlig egal, denn Sie kennen mich nicht und Ihr
>> Eindruck zählt gegenüber niemanden.

Wieder mal das Kleingedruckte übersehen: CDU und SPD haben in der großen Koalition zusammen gearbeitet, und in Sachen Euro(pa)-Politik auch in dieser Legislaturperiode des öfteren Händchen gehalten.

Wenn ich mich gemeinsamen Geschäftspartnern gegenüber wie beschrieben äußern würde, und diese Leute wüßten, dass wir schonzusammen gearbeitet haben (ich mir also ein Urteil über Sie bilden konnte), könnte das beim einen oder anderen Vorbehalte erzeugen.

>> Wenn Sie von irgendjemanden ein Urteil bekommen, dann heißt das auch,
>> dass dieser jemand über Ihnen steht.

Natürlich nicht. Wieder so eine unpassende Verallgemeinerung.
Banales Beispiel: Sie kriegen bei Ebay die Bewertung “total unzuverlässig”. Da steht niemend über oder unter mir, man beurteilt auf gleicher Augenhöhe. Auch in meiner bescheidenen Arbeitswelt tauscht man sich mit und über Kollegen und Geschäftspartner aus.

>> Aber soweit denken die meisten nicht.
Wohl wahr 🙂

69) Journalist, Dienstag, 10. September 2013, 00:41 Uhr

@ 55) StefanP, Donnerstag, 05. September 2013, 23:35 Uhr

>> Germany is ranked an excellent 3rd for the quality of its
>> infrastructure, boasting in particular first-rate facilities
>> across all modes of transport. (..)

Ich kenne die Studie, aber sie stimmt nicht (zumindest nicht in diesem Punkt).
Zur Infrastruktur: Rang 3 hatten wir 2008, aktueller derzeitiger Stand ist Rang 10.

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