Freitag, 18. Oktober 2013, 12:01 Uhr

Ein furchtbarer Job

CSU-Generalsekretär, das ist ein furchtbarer Job, den man nicht haben möchte und den man auch keinem wünschen kann. Immer im aggressiven Erregungszustand, rumpöbeln, anderen vors Schienbein treten, das politische Klima vergiften, Koalitionsgespräche fast platzen lassen.

Was für ein Berufsbild. In dieser Form gibt es dies nur bei der CSU. Bei den anderen Parteien sind die Generalsekretäre zivilisierter, diskussionsfähiger.

Der Beruf CSU-Generalsekretär verändert Menschen bis zur Unkenntlichkeit, manchmal bis zur Kenntlichkeit. Beliebt wird man nicht, selbst bei vielen Mitgliedern der eigenen Partei, denen die Aggressivität zuwider und die Pöbeleien peinlich sind.

Die anschließende Wiedereingliederung in eine fair diskutierende politische Gesellschaft ist schwierig und dauert lange. So hing zum Beispiel Ex-CSU-Generalsekretär Edmund Stoiber noch jahrelang das „blonde Fallbeil“ nach, als er schon längst ein geachteter und erfolgreicher Ministerpräsident war.

Oder Bayerns Finanzminister Markus Söder. Ihm haftet  immer noch der unangenehme politische Geruch des CSU-Generalssekretärs an.

Demnächst wird man wieder den Versuch der Resozialisierung eines solchen Generalsekretärs erleben: Alexander Dobrindt ist im Gespräch als Minister in einer großen Koalition. Dann wird sich zeigen, ob er durch das neue Amt entgiftet wird oder das Gift unversöhnlicher Polarisierung auch in das schwarz-rote Bündnis trägt.

Dieser Beitrag erschien heute im Rahmen meiner wöchtlichen Kolumne im „Berliner Kurier“.

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24 Kommentare

1) Mr.Hyde, Freitag, 18. Oktober 2013, 12:15 Uhr

Zu Dobrindt als Minister fällt mir nur ein, dass totale Inkompetenz dafür kein Hindernis ist. Was außer einer Brille, macht Dobrindt aus? Er wäre ein guter Nachfolger für Guido Westerwelle. Da fällt ein austausch noch am Wenigsten auf. Und schlimmer, kann es im Außenministeramt auch nicht werden.

2) Gregor Keuschnig, Freitag, 18. Oktober 2013, 12:39 Uhr

Der schlimmste Generalsekretär war – und das wird heute nonchalant vergessen – nicht von der CSU, sondern von der CDU: Heiner Geißler.

3) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 18. Oktober 2013, 15:03 Uhr

Ein furchtbarer Job? Für Alexander Dobrindt keineswegs. Er schlendert grinsend, mit beiden Händen in den Hosentaschen, zu Koalitionsverhandlungen. Jetzt sind wir endlich die FDP-Lautsprecher los, schon droht uns Dobrindt als Minister für irgendetwas. Es bleibt uns aber auch nichts erspart, egal was wir wählen.

4) Bernhard Paul, Freitag, 18. Oktober 2013, 15:13 Uhr

Die Polemik ist das Brot des CSU-Generalsekretärs. Franz Josef Strauß, der erste CSU-Generalsekretär, war hier stilbildend. Es gab Generalsekretäre, welche die Kunst der Polemik beherrschten, und es gab und gibt welche, die wie Tölpel daherkommen. Dobrindt gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.

Dass Dobrindt das politische Klima vergiftet, ist weit übertrieben. Er schafft es nicht einmal, es ordentlich aufzuladen. Dobrindt wird schlicht nicht ernstgenommen – ganz im Sinne von Meister Seehofer, der Bedeutendes selbst zu erledigen pflegt.

5) Don Corleone, Freitag, 18. Oktober 2013, 17:00 Uhr

Alle Jobs, die ein Rückgrat aus Gelatine erfordern, sind furchtbar — nicht nur in der Politik.
Doch meines Wissens wird niemand dazu gezwungen, diesen Job auszuüben. Es ist das alte biblische Gleichnis vom Kamel, das partout nicht durch ein Nadelöhr passt: dort für Reiche und Arme, in der Politik für Lügner und Ehrliche.

Mit dem feinen kleinen Unterschied, dass in der Politik die Lügner überleben, die Ehrlichen nicht.
Wie dem auch sei, Herr Gabriel sollte ein wenig abnehmen. Nadelöhre gibt’s nur bis zu einem gewissen Durchmesser.

6) Jakobiner, Freitag, 18. Oktober 2013, 21:12 Uhr

Anstatt sich über die durchaus flexible Rhetorik eines jeweiligen CSU-Generalssekretärs reinzu versetzen, spllte man immer noch sein Oberhaupt, ergo: Seehofer hören. Da ist der Weg für Mindestlohn schon gegeben, auch die Präfierung,Es wird eine Große Koaltion geben. Inzwischen vermekren schon einige Kritiker, dass eine GRoße Koalition eine verfassungsgebnde Mehrheit bedeutet, d.h. man kann das deutsche Grundgesetz abändern wie man will.Schäoble hat schon im SPIEGEL eine neue EU entworfen,.die viel integrierter ist, die einen Finanzlommisar vorsieht, dessen Kompetenzen unhinterfragbar und allmächtig sind. Dazu schlug er eine Änderung der Europäischen Lisabonvertgräge und gleichzeitig die Anpassungdes Grundgesetzes daran.Wenn Schäible nur das ausgesprochen hat, was Merkel denkt, dann steht uns mittels der Grißen Koalition eine Änderung des Grundgestezes zugunsten der sogenannten EU-Integration bevor.Und die Minimalopposition aus den verbleibenden 2 Parteien. Grüne und Linlspartei,wird nicht einmal einen Untersuchuingsaussschuss dagegen einberifen können.

7) Fu-Manchu, Samstag, 19. Oktober 2013, 03:39 Uhr

Der letzte Absatz ist Honig für Ohren und Augen. Ich bezweifle allerdings ernsthaft, dass die angeführten „erwachsenen“ Personen ihr Grundverhalten nur auf Grund eines Postens verändern.
Der „Charakter“ ist hier wohl entscheidener. Und diesen zu den beiden Letzgenannten zu kommentieren, erspare ich mir lieber.

8) M.M., Samstag, 19. Oktober 2013, 04:17 Uhr

Auch Frau Nahles will versorgt werden wenn Herr Dobrindt ein Poestchen bekommt. Familienminister/in passt da gut.

9) Erwin Gabriel, Samstag, 19. Oktober 2013, 12:26 Uhr

@ 5) Don Corleone, Freitag, 18. Oktober 2013, 17:00 Uhr

>> Wie dem auch sei, Herr Gabriel sollte ein wenig abnehmen.

He, was soll das…

🙂

10) Paul, Samstag, 19. Oktober 2013, 13:42 Uhr

Ich bin wirklich froh, dass es diese Typen noch gibt. In unserer glattgebügelten, überkorrekten Welt stellen sie den wohltuenden Unterschied dar. Ohne dies direkt vergleichen zu wollen, aber ich vermisse Wehner, Strauß, aber auch Blüm und Möllemann. Sie alle eint nichts – aber sie alle waren markante Figuren. Von Rößler und Westerwelle, aber auch von Steinmeier und Scholz wird nichts an Erinnerung bleiben.

Deshalb mag ich die letzte Bastion der Rabauken – die CSU.

11) Politikverdruss, Samstag, 19. Oktober 2013, 14:30 Uhr

Innerhalb der politischen Parteien nimmt der Generalsekretär eine wichtige Aufgabe wahr. Er ist für die politische Seite der Parteiorganisation verantwortlich (Bundesgeschäftsführer für interne Organisation).

Seine Hauptaufgabe besteht darin, die politischen Inhalte der Partei prononciert nach außen zu vertreten (Extrembeispiel: H.Geißler zum Pazifismus der dreißiger Jahre…).Damit schafft er sich in der politischen und medialen Welt „nicht nur Freunde“. Sicherlich nichts für „schwache Nerven“. Er muss austeilen, aber auch einstecken können. Er muss vorpreschen, sich aber auch „zurückpfeifen“ lassen. Notfalls hält er den Kopf für den Parteivorsitzenden hin.

Das ist eine schwierige Aufgabe. Die politische Auseinandersetzung lebt auch von der politischen Zuspitzung. Diese meist undankbare Aufgabe nimmt er dem Parteivorsitzenden ab. Der kann aus dem „Windschatten“ heraus die Wirkung der „Zuspitzung“ beobachten, steht nicht sofort im „Feuer“ des politischen Gegners und der Medien und kann sich, falls erforderlich, ohne Gesichtsverlust rechtzeitig zurückziehen.

Deshalb möchte ich mal eine Lanze für die Generalsekretäre der Parteien brechen. Für ihre schwere Aufgabe werden sie zuweilen auch mit dem Aufstieg in Ministerämter belohnt. Zu Recht! Wer gute Leute für schwierige Aufgaben benötigt, sollte auch deren Aufstieg ermöglichen.

12) Frank Reichelt, Samstag, 19. Oktober 2013, 17:07 Uhr

Ich würde Alexander Dobrindt das Verbraucherschutzministerium anvertrauen, da kann er nicht viel falschmachen und sich jedes Jahr auf der Grünen Woche und den diversen anderen Messen und Ausstellungen richtig sattessen und wieder ein wenig Gewicht zulegen!

13) Peter Christian Nowak, Samstag, 19. Oktober 2013, 19:43 Uhr

So weit kommts noch, dass man sich als Wähler mit der Psychologie von irgendwelchen Prolos der Politik beschäftigt, um zu „höheren Erkenntnissen“ zu kommen. Wenn aus dem breiten Maul nur Ungenießbares kommt, weil im Bierkrug die Inhalte sind und nicht im Kopf, dann weiß man: jetzt fehlt nur noch das „Mia san mia“.

Von mir aus!

14) Jakobiner, Samstag, 19. Oktober 2013, 20:13 Uhr

Dobrindt hat auch den Spitznamen „Doofprint“weg, da er ja schon absurdes Zeug von sich losgestammelt hat. Sei es nun die Gleichsetzung der Grünen mit dem Mann im Walde, der gewältätig wird, sei es die Bemerkung, dass „Wer gegen S21 und Atomkraft demonstriert, demnächst eine Moschee in seinem Vorgarten stehen haben wird“. Der Typ ist sich für nichts zu blöd und Django Asyl hat auch schon gemeint, dass er seinen Körperumfang mittels Diät und Nerdbrille an seinen Intellekt anpassen will.Aber war der Stoiber mit seiner CSU-Generalsekretariatskritik der Linken als „Ratten und Schmeißfliegen“ besser?Wozu hat man eigentlich diesen Posten des Quartalsirren in einer Partei, um ihn regelmässig nach seinen Exzessen wieder zurückrufen zu müssen. Ist dies nicht die Stimme des Herren, der sich nicht traut?

15) Bernhard Paul, Samstag, 19. Oktober 2013, 22:10 Uhr

@5) Corleone

Irrtum, das biblische Kamel passte exakt durch das Nadelöhr. Weil dieses im biblischen Gleichnis erwähnte Nadelöhr kein Nadelöhr war, sondern ein Loch in der Stadtmauer zu Jerusalem, Nadelöhr genannt, durch das sich ein Kamel gerade so durchzwängen konnte, wenn es nicht schwer beladen war.

16) Sigmund, Samstag, 19. Oktober 2013, 23:14 Uhr

Na die GS von CDU und FDP waren aber auch ausgesprochene „Sympathieträger“.

So wie sie schreiben, Herr S., hat man den Eindruck, die GS müssten sich verstellen für ihren Job und seien eigentlich ganz dufte Typen.
Das fällt mir aber schwer zu glauben. Sehr schwer.

Davon abgesehen sind solche dinge sowieso völlig wurscht. Ablenkungen, Nebelkerzen.
Entscheidend sind die wirklichen Politikinhalte. Wie die Zukunft der Ausnahmen bei der EEG-Umlage. Nur so als Beispiel. Aber diese Dinge finden praktisch unter Ausschluss der größeren Öffentlichkeit statt.
Gute Nacht

17) Jack, Sonntag, 20. Oktober 2013, 13:41 Uhr

also, gezwungen wird keiner dazu. Wer nicht will, muss nicht Generalsekretär werden. Auch nicht bei der CSU.

Ob Dobrindt Verbraucherminister wird? Bzw. Landwirtschaftsminister.

18) Don Corleone, Sonntag, 20. Oktober 2013, 14:15 Uhr

15) Bernhard Paul, Samstag, 19. Oktober 2013, 22:10 Uhr

Vielen Dank für Ihre Replik.
Das enge Gässchen, das beladene Kamel und das enge Loch in der Jerusalemer Stadtmauer ist eine frühe Vermutung der Bibel-Exegese, die mittlerweile verworfen wird. Das Gleichnis wird ja von drei Evangelisten ziemlich gleichlautend erwähnt, wie Sie wissen

Andere Quellen, die erste älter als die uns überlieferten Bibeltexte, denn auch die sind nicht frei von Plagiaten, sind deutlicher. Ich zitiere aus Wikipedia, die dieses Thema (ausnahmsweise) sehr kundig aufpfriemelt:

Im babylonischen Talmud geht es beim „Nadelöhr-Aphorismus“ um „undenkbare Gedanken“, wie sie auch in Träumen vorkommen können. Dort heißt es über die Bedeutung von Träumen: „Sie zeigen weder eine Palme aus Gold, noch einen Elefanten, der durch ein Nadelöhr gehen kann.“

Im Koran ist folgendes über die Sünder zu lesen: „Wahrlich, denjenigen, die Unsere Zeichen für Lüge erklären und sich mit Hochmut von ihnen abwenden, werden die Pforten des Himmels nicht geöffnet werden, noch werden sie in das Paradies eingehen, ehe denn ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Und so belohnen Wir die Verbrecher.“

Lustiger Diskurs. Aber ganz egal, wer von uns recht hat: Vielleicht hätt‘ ich Peter Altmaier anführen sollen? 🙂 Zumindest der Talmud scheint ihn eher zu meinen als Sigmar Gabriel. Doch beide haben unerfüllbare Träume, so überzeugt sie diese auch in die Mikrophone pusten.
Herzliche Grüße!

19) wschira, Sonntag, 20. Oktober 2013, 17:25 Uhr

@14) Jakobiner

das „Ratten-und Schmeissfliegen“ -Zitat stammt meiner Erinnerung nach von F.J.Strauss. Aber egal, der war ja auch einmal Generalsekretär der CSU.

20) the observing, Sonntag, 20. Oktober 2013, 19:09 Uhr

In Anlehnung an ein Zitat eines einst ernstzunehmenden Politikers: mit den Sekundärtugenden von Herrn Dobrindt könnte man locker einen Männerknast führen.

21) Jakobiner, Sonntag, 20. Oktober 2013, 19:42 Uhr

Aber bisher sind eigentlich nur die Generalsekretäre der CDU und der CSU durch polemisch-exzessive Äußerungen aufgefallen–bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei gab es dies bisher noch nicht. Also: Es ist weniger eine Frage der Funktion, sondern mehr eine Frage der Partei und da sind die Konservativen nun mal die hetzeristischen Agitatoren, die dann dopperlmorlaisch und geheuchelt wiederum den Kulturzerfall der öffentlichen Debatte bejammern.Geißler (Pazisifsmus ist Auschwitz), Stoiber (Ratten und Schmeißfliegen) und Dobrindt kommen nun mal von der Rechten, die sich Mitte nennt und nicht von der Linken!!!

22) nurmalso, Montag, 21. Oktober 2013, 09:34 Uhr

der kalkofe hat am beispiel dobrindt sehr gut aufgezeigt, dass man nicht erst das amt des csu-generalsekretärs bekleiden muss, um einfach nur unsympathisch zu sein.

http://de.screen.yahoo.com/ehrliche-politiker-080000953.html

23) andronico, Montag, 21. Oktober 2013, 14:05 Uhr

Stoiber, Söder, Dobrindt – drei aus dem gleichen Holz. Populistisch, skrupellos, ausgestattet mit einem maßlos übersteigerten Geltungsbedürfnis bei zugleich recht überschaubaren Talenten. Also besten Voraussetzungen für eine große Karriere in der CSU. Seit Strauß ist das genau der Typus Poltitiker, der es in der CSU zu was bringt. Seehofer passt auch gut in diese Reihe.

24) Rapunzel, Mittwoch, 23. Oktober 2013, 00:25 Uhr

Soo schlecht wie Herr Spreng hier tut, geht es diesen Leuten doch gar nicht.
Natürlich kann man sich fragen, wie insbesondere die genannten Beispiele (Dobrindt, Stoiber und co.) nach Ihren Eskapaden und gnadenloser Doppelmoral morgens noch den Block in den Spiegel ertragen.
Im Vergleich jedoch zum nicht privat krankenversicherten Normalverdiener haben diese für Ihre Nichtleistung hochbezahlten Typen vorwiegend Luxusprobleme.
Hier um Mitleid zu betteln ist im wahrsten Sinne des Wortes peinlich. Leider aber typisch für den Berliner Journalismus.

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